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Mor'ak und Ari - Rückkehr zum Blauen Berg (Bergelfen - zwischen IV und V)

von SilviaK
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
OC (Own Character) Winnowill
09.07.2013
22.08.2013
7
23.996
 
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09.07.2013 3.162
 
Diese Geschichte entstand als ein wechselseitiges Foren-Rollenspiel zusammen mit meiner Mit-Autorin Aurora. Mit freundlichen Genehmigung von ihrer Seite darf ich unsere alte Story hier hochladen. :-) Auroras Webseite: http://www.nebelwaelder.de/

Die Handlung fügt sich ein in die lange Zeit zwischen "Die Lawine" und "Die Rivalen" (kommt noch ^^). Ari und Yurin sind  meine Charaktere, die anderen beiden gehören Aurora.



Ari erwachte mit den erste Sonnenstrahlen. Eine Weile lauschte sie noch den Vogelstimmen, die hier in diesem Wald vielfältiger klangen als daheim im Gebirge, das schon viele Flugtage hinter ihr lag. Schließlich erhob sie sich, rollte ihren Umhang ein und verließ ihren Lagerplatz auf der Suche nach einem Wasserlauf, um ihren fast leeren Lederbeutel wieder aufzufüllen.
An einem Bach löschte sich Mor'ak den Durst und füllte seinen Lederschlauch nach. 'Was für eine Reise' dachte er bei sich, doch war er seinem Ziel bereits sehr nahe. Sein Vater mußte schon sehnlichst auf ihn warten, obgleich es ihm nicht gefallen würde, daß er weder Feyok noch dessen Tochter mitgebracht hatte. Er wusch sich noch kurz das Gesicht und stand dann auf, legte seinen Umhang um und schraubte den Verschluß des Lederschlauches zu.
Als der grüne Baumhacker endlich aufhörte, gegen den Baumstamm zu trommeln, hörte Ari das leise Geräusch von fließendem Wasser. Gutgelaunt stieß sie sich vom Boden ab, um die letzten paar Meter zu schweben, und landete am Ufer. Sichernd blickte sie sich um, ob sich irgendwelche Tiere näherten, für die der Bach als Wasserstelle diente - aber statt dessen sah sie am Ufer eine Gestalt, welche aufblickte, als die Fremde zwischen den Bäumen hervorkam.
Es war ein großgewachsener, weißhaariger Elf. Mißtrauisch blickte er sie an und zog bereits unter seinem dunklen Umhang seine Armbrust, aber nicht sichtbar für die Fremde. Mor'ak rührte sich nicht von der Stelle, beobachtete die plötzlich aufgetauchte Elfe. Sie war zierlich und kleiner als er, haselnußbraune Locken ringelten sich über ihre Schultern. Sie trug enganliegende Kleidung aus Leder - eine Hose und eine Art Tunika darüber, die mit Holzperlenstickereien verziert war. Bogentasche und Köcher hatte sie sich auf den Rücken geschnallt.
Ari sah den Unbekannten überrascht an - mit einer Begegnung hatte sie hier überhaupt nicht gerechnet. Mit den Bergelfen hatte er nicht viel Ähnlichkeit - auch sein dunkler Umhang war ganz anders geschnitten. Aber etwas an seinem Gesicht und seinen weißen Haaren kam ihr bekannt vor. „Ich wußte gar nicht, daß hier auch Elfen leben“, sagte sie mit einem verschmitzten Lächeln.
Langsam ging Mor'ak  auf sie zu, musterte sie eindringlich. "Wußte ich auch nicht", sagte er knapp und kühl, die Hand noch immer auf der Armbrust. Sein kühler Blick strich sanft über ihre kleine Gestalt, überragte er sie doch beinahe um einen ganzem Kopf.
Ari erwiderte seinen prüfenden Blick neugierig, mußte den Kopf dazu heben. Etwas resigniert stellte sie fest, daß nicht nur die Bergelfen und Gleiter größer waren als sie, sondern anscheinend auch jeder andere Elf, den sie kannte - auch wenn der hier bisher der einzige „andere“ war.
„Ari Windjägerin nennt man mich. Sag, wohnst du hier? Ich hoffe, ich stör dich nicht - ich wollte eigentlich nur Wasser holen.“
„Mein Name ist Mor'ak und nein, ich wohne nicht hier." Er nahm die Hand von der Armbrust und schlug seinen Umhang zurück. Nun sah man, daß er eine schwarze Lederhose trug, ein helles Hemd und darüber ein blaues. Er kam noch einen Schritt auf sie zu, seine Gesichtszüge lockerten sich und er reichte ihr die Hand. "Du störst mich sicher nicht" sagte er sanft
Ari lächelte und ergriff seine Hand. „Fein - dann können wir ja zusammen frühstücken, wenn du nichts dagegen hast.“
Mor'ak sah sie etwas verdutzt an. „Frühstück?... Ich hab schon gefrühstückt, aber ich kann dir ja Gesellschaft leisten." Er zog wieder seine Hand zu sich, war etwas irritiert. Würde sie einem  Feind begegnen, würde sie wahrscheinlich nicht mehr hier stehen.
Ari nickte, schob seinen irritierten Blick auf ihr unverhofftes Zusammentreffen. Nach den langen Tagen, die sie allein verbracht hatte, freute sie sich über Gesellschaft. Sie hatte gar nicht gewußt, wie sehr ihr ihre Familie und der ganze Stamm fehlen würden, als sie aufbrach. Ari bückte sich, um ihren Lederschlauch ins Wasser zu halten, verschloß ihn, als er gefüllt war, und ließ sich ins Gras am Ufer fallen.
„Woher kommst du, wenn du nicht hier lebst? Von welchem Stamm?“ wollte sie neugierig wissen, während sie das Bündelchen aufrollte, in dem sich ihre Vorräte befanden. Nur noch Trockenfleisch und Äpfel - da würde sie wohl zum Nachmittag doch auf die Jagd gehen müssen.
Mor'ak setzte sich auf einen umgefallenen Baumstamm, welcher einige Schritte entfernt lag, und sah ihr zu. "Mein 'Stamm'? Nun ja, ich stamme von den Gleitern ab und bin auf dem Weg nach Hause ... zu meinem Vater." Sie war neugierig, doch würde er ihr nicht alles erzählen.
„Du bist - auch ein Gleiter?!“ Ari starrte ihn an - wußte im ersten Moment gar nicht, was sie denken oder sagen sollte. Es war so lange her - sie war ja gerade erst elf Sommer alt gewesen, als sie den Blauen Berg verließ. Dann lachte sie auf, fuhr sich durch die Lockenmähne. „Weite des Himmels! Und ich wundere mich, warum du mir irgendwie bekannt vorkommst!“
Irritiert sah Mor’ak sie an, als sie auflacht, verzog dann leicht das Gesicht. "Ich komme dir bekannt vor? Du scheinst ebenfalls von den Gleitern abzustammen", sagt er dann, erinnerte sich, daß sie vorhin nicht gelaufen war.
"Woher kommst du?" fragte er.
„Von einem Stamm, der oben im Nebelgebirge lebt. Aber früher, da ...“ Ari runzelte ein wenig die Stirn, denn jetzt kamen die Erinnerungen deutlicher wieder. Falls Mor’ak im Blauen Berg lebte und falls die Regeln sich nicht geändert hatten, dann konnte er nur einer der Auserwählten sein, denn niemand anderes durfte den Berg verlassen. Vielleicht war er derjenige, der den Platz von Hoykar eingenommen hatte...? Nein, bevor sie nicht mehr über ihn wußte, würde sie lieber nicht zu viel von ihrem Vorhaben preisgeben.
„“Früher habe ich im Blauen Berg gelebt“, setzte sie fort. „Und an irgend jemanden dort erinnerst du mich ... Kommst du von dort?“
Mor'ak lächelte leicht. "Ich komme nicht von dort. Du wirst sicher meinen Vater meinen ... Talno. Er lebte lange im Berg, doch dann kam ich und er verließ den Berg, um mich aufzuziehen." Er dachte kurz nach. "Nebelgebirge ... wo ist das?"
„Der ... ist dein Vater?!?“ ‘Oh je’, hätte Ari beinahe hinzugefügt, aber das konnte sie sich gerade noch verkneifen. An Talno, einen der Auserwählten, hatte sie nicht gerade übermäßig begeisterte Erinnerungen. Wie fast alle der Acht hatte auch er sich von dem neugierigen kleinen Mädchen, das immer um die Falkenhorste und die Acht herumstrich, eher gestört gefühlt. Und diesen verbissenen Gesichtsausdruck, der ihr in den Sinn kam, den hatte sie schon gar nicht gemocht.
„Stimmt - wenn ich mir dich so anseh ...“ Ari fing trotzdem wieder an zu grinsen. „Und ich dachte immer, ich bin die einzige, die aus dem Blauen Berg abhauen konnte. Also das Nebelgebirge liegt dort.“ Sie zeigte Richtung Sonnenuntergang. „Einen Tag weit - wenn man mit einem Falken fliegt, glaub ich.“
Mor'ak drehte sich in die Richtung, woher er gekommen war ... scheinbar gehörte sie auch zu dem Stamm, den er vor einigen Tagen getroffen hatte. Dort, wo Maleu war ... und dieser Bastard. Wut brauste in ihm auf, doch beruhigte er sich schnell wieder, setzte sein gleichgültiges Lächeln auf, drehte sich wieder zu ihr. "Bist du fertig mit deinem 'Frühstück?"
**Freund ... es wird Zeit** rief er seinen Falken.
Ari schluckte den letzten Bissen hinunter und nickte. „Bist du zum Blauen Berg unterwegs? Da will ich nämlich auch hin - es ist schon eine Ewigkeit her, daß ich ... Kennst du Lireea?“ unterbrach sie sich mit einer Frage, bei der ihre Stimme vor Aufregung zu zittern begann.  
Mor'ak war etwas überrascht, doch schüttelte er den Kopf. "Nein, ich kenne sie nicht", sagte er, sah ihr tief in die Augen. "Und ja, ich bin in die Richtung unterwegs." Er legte seinen Kopf etwas schief.
Ari verwirrte der intensive Blick seiner grauen Augen etwas, auch war sie ein wenig enttäuscht, daß er mit dem Namen ihrer Mutter nichts anzufangen wußte - aber was hatte sie erwarten können. „Ich dachte nur, dein Vater hat sie vielleicht mal erwähnt...“ Sie zuckte mit den Schultern, um dieses Gefühl abzuschütteln, sah Mor’ak wieder mit einem winzigen Lächeln an.
„Wenn du auch da hinwillst, dann könnten wir ja ... zusammen fliegen. Was meinst du? Also ich bin es langsam leid, alleine unterwegs zu sein.“
Mor'ak dachte kurz nach. "ja das könnten wir vielleicht" sagte er leise, blickte nach oben in den Himmel **Freund!** rief seinen Falken und glitt hinauf in die Luft, wartete nicht ab ob Ari folgte, sondern war bald über den Baumwipfeln. Verweilte dort einige Zeit bis ein kräftiger Flügelschlag zu hören war.
„Hey, so eilig hatte ich es eigentlich nicht gemeint“, murmelte Ari amüsiert, zog sich die Lederriemen, an denen ihr Bündel befestigt war, wieder über die Schultern und beeilte sich, Mor’ak nicht zu verlieren. Sie blieb neben ihm in der Luft stehen - und als sie sah, was da plötzlich auf sie zuflog, öffnete sie überrascht den Mund. „Gehört der zu dir?“ wollte sie atemlos wissen.
Wortlos nickte Mor’ak. Der Falke kam angebraust mit seinen mächtigen Schwingen und blieb unter ihnen in der Luft. Mor'ak saß auf, hielt Ari einen Moment an, dort zu verharren, wo sie war. Mor'ak beugte sich leicht vor und flüsterte dem Falken irgend etwas ins Ohr, beruhigend redete er auf ihn ein, da er es nicht gewöhnt war, noch jemanden zu tragen und winkte Ari dann zu sich. **Halt dich an mir fest.**
Aris Augen waren bei der Betrachtung des riesigen Vogels noch größer geworden. Ein Ausdruck kindlicher Begeisterung lag auf ihrem Gesicht. **Mit einem Falken fliegen ... Wenn du wüßtest, wie oft ich als Kind davon geträumt habe ... Aber sie haben es nie erlaubt.**
Ari glitt zu Mor’ak hinauf, ließ sich hinter ihm nieder. Einen kurzen Moment zögerte sie, dann schlang sie die Arme um seinen Leib. *Wie ist sein Name?* wollte sie neugierig wissen.
*Ich nenne ihn 'Freund'** antwortete er kühl und wies den Falken in die entgegengesetzte Richtung. Die Flügelschläge waren laut und kraftvoll. Anmutig flogen sie durch die Luft, immer höher stieg er und kam den Wolken nah. Die Luft wurde dünner, doch achtete er darauf, nicht zu hoch zu gehen, damit seine Reiter nicht ohnmächtig wurden.
**Freund ... das gefällt mir.**
So schnell konnte man ohne einen Reitvogel nicht fliegen. Der Wind riß an Aris Haar, man schien die Wolken fast greifen zu können, das Land glitt unter ihnen hinweg - und Ari war selig. Wie nah die Träume ihrer Kindheit plötzlich wieder waren. Genauso hatte sie es sich immer vorgestellt. Wäre sie allein gewesen, sie hätte am liebsten laut geschrien vor Freude, wie sie es manchmal bei einem rasanten Flug tat. So genoß sie schweigend den Flug, wollte jede Sekunde in sich aufnehmen.
‘Mir auch' dachte Mor'ak und lächelte, denn der Falke war sein einzigster Freund, den er wirklich als Freund anerkannte und hatte. **Wir werden bald wieder runtergehen, da mein Falke sich stärken will.**
Langsam verlor der Falke an Höhe und landete nach einer Weile an einem See. Mor'ak glitt hinunter und landete im weichen Sand, nahm seinen Umhang ab und ließ ihn an einem Stein fallen.
Ari strich mit der Hand über die Rückenfedern des Falken, dann glitt sie auch zur Erde herab. „Er ist schön“, sagte sie, mit einem Blick auf den Vogel. „Daheim hatte ich einmal einen Bergadler als Freund, aber das ist nicht das selbe. Die sind viel zu klein, als daß man auf ihnen reiten könnte.“  
*Ja, ein Bergadler ist wirklich recht klein.** Er nickte zustimmend und ging auf Ari zu, blieb kurz vor ihr stehen. Mor'ak sah sie eindringlich an, hob dann seine Hand und strich ihr sanft über die Wange, sagte jedoch nichts. Der Falke indes erhob sich wieder in die Lüfte und war bald hinter den Bäumen verschwunden.
Ari regte sich nicht, überrascht von dieser unerwarteten Berührung. Dieser weißhaarige Elf verwirrte sie. Freundlich und kühl, unnahbar und sanft - sie wußte nie, wie er als nächstes reagieren würde. So etwas hatte sie am allerwenigsten erwartet. Mit leicht gerunzelter Stirn schaute sie fragend zu ihm auf.
*Entschuldige.* Mor'ak schüttelte den Kopf, ging einen Schritt zurück und sah dem Falken nach. Es war seltsam, lange war er alleine gewesen, hatte nie eine Gefährtin oder dergleichen gehabt, und doch ... etwas zog ihn an sie.
*Nein, du mußt dich nicht entschuldigen ... ich war nur überrascht ...* Ari wußte selber nicht genau, was ihr in diesem Moment durch den Kopf ging. Erst dachte sie an Blitz - ihr Freund aus der Kindheit und später Geliebter, der sie nur ungern allein fortziehen ließ. Und Mor’ak? Irgend etwas war da - sie konnte es nicht beschreiben, aber sie wollte auch gar nicht näher wissen, was.
„Was machen wir jetzt?“ fragte sie betont unternehmungslustig, um abzulenken. „Bleiben wir über Nacht hier?“
Eine Weile schien es, daß Mor'ak nicht anwesend wäre, sondern nur seine Gestalt, doch er lächelte und drehte sich wieder zu ihr. "Überrascht? Wovon?" fragte er leise und sah sie wieder an.
„Von dir.“ Ari blickte ihn offen an. „Du kamst mir eigentlich ein bißchen unnahbar vor bis jetzt.“
„Wer weiß, vielleicht bin ich das." Er ging wieder einen Schritt auf sie zu.
Ari wurde das ganze ein bißchen zu seltsam. „Hey, du hast mir noch gar nicht geantwortet.“ sagte sie deshalb.
Mor'ak sah sie eindringlich an. **Ich weiß nicht, wie lange Thenirl brauchen wird, um sich zu stärken.**
Ari hob eine Augenbraue. *Hieß dein Freund vorhin nicht noch anders?**
**Ich nenne ihn Freund, doch sein Name ist Thenirl.** Wieder kühles und distanziertes Senden. Mor'ak setzte sich einfach auf den Boden und machte es sich dort bequem.
Ari legte den Kopf ein wenig schief - also aus diesem Elf wurde sie wirklich nicht schlau. Hatte sie jetzt irgendwas Falsches gesagt? In Gedanken zuckte sie mit den Schultern, aufmerksam beobachtete sie die Umgebung und lauschte. **Hast du Lust auf eine kleine Jagd, bis Thenirl wiederkommt? Ich brauch’ sowieso neuen Proviant.**
Mor'ak zuckte mit den Schultern. Hunger hatte er keinen, aber wenn sie meinte ... **Gerne ... laß uns gehen.** Er stand wieder auf, sah sich kurz um, hob seinen Umhang auf und wartete auf sie.
Ari holte ihren Kurzbogen aus der Ledertasche, die sie auf dem Rücken trug, spannte die Sehne auf und zog einen Pfeil aus dem Köcher, dabei immer noch lauschend. **Wir brauchen gar nicht weit gehen, glaub ich ... hier in der Nähe hör ich Federschwänze.** Sie deutete in die Richtung, aus der die gedämpften Rufe der Vögel kamen und lief auf den Saum des Waldes zu.
Die Armbrust glitt wie von selbst in seine Hand und Mor’ak legte sie leicht an. Langsam folgte er Ari, ließ es sich nicht nehmen, über den Boden zu gleiten. Bald waren sie am Waldrand angekommen und spähten nach den Federschwänzen. **Eigentlich könnte uns auch Thenirl etwas zu essen besorgen** bemerkte Mor’ak nebenbei.
**Wie will er denn das anstellen - bei so viel Bäumen rundherum? Stören die ihn nicht beim jagen?** fragte Ari, lauschte den Vögeln und bedeutete Mor'ak, ihr zu folgen. Sie verlegte sich ebenfalls aufs Gleiten, das war einfach am praktischsten.
*Darüber habe ich noch nicht nachgedacht, doch wenn ich ihn darum gebeten hatte, brachte er mir immer etwas.** Langsam glitt er hinter ihr her und musterte ihren schlanken Körper leicht.
Ari bemerkte es nicht. Ihre Aufmerksamkeit war auf die Vögel gerichtet, die sie immer deutlicher hören konnte und deren Gefieder sie inzwischen auch in einiger Entfernung zwischen den Gräsern sah. **Ach, so ist’s einfacher. Sollten sie uns davonflattern, dann können wir ihn ja immer noch darum bitten, oder?** Bei diesen Worten zog sie sich hinter einen Baumstamm zurück, damit die Federschwänze sie nicht noch vor dem Pfeil bemerkten, der gleich auf einen von ihnen zusausen würde.
*Wie du meinst** antwortete Mor’ak, wieder leicht distanziert. Als sie sich hinter einem Baumstamm niederließ, glitt er in die Höhe und ließ seinen Blick über den Boden wandern. **Dahinten sind drei.** Er deutete leicht in die Richtung, zielte bereits.
Ari warf ihm einen kurzen Blick zu. Sie hatte wohl gespürt, daß ihm das anscheinend nicht recht gefiel - aber so nah an der Beute hatte sie keine Lust, jetzt den Riesenfalken auf Jagd zu schicken. Sie hob gleichfalls den Bogen, nahm den linken Federschwanz ins Visier und nickte Mor'ak zu.
Das kurze Nicken reichte aus, um den anderen Federschwanz anzuvisieren und sogleich abzudrücken. Der Bolzen traf sein Ziel eher lautlos, da der Elf direkt auf den Hals gezielt hatte und es dem Vogel unmöglich machte, einen Laut von sich zu geben. Er kippte einfach nach vorne und blieb reglos liegen.
Im selben Moment, als Mor'ak abdrückte, verließ Aris Pfeil die Sehne und traf gleichfalls. Der dritte Vogel in der Runde erhob sich lärmend und flatternd in die Luft, um sich zu retten. Ari ignorierte ihn - zwei waren genug.
**Fast wie zu Hause.** bemerkte sie gutgelaunt. **Manchmal jage ich ja auch alleine, aber am liebsten zu zweit. So eine Waffe hab ich aber noch nie gesehen - zeigst du mir mal irgendwann, wie man damit umgeht?** Sie trat hinter dem Stamm hervor, lief über die kleine Lichtung auf ihre Beute zu und spürte plötzlich, wie der Boden unter den Füßen einbrach. Sie war so überrascht, daß sie umknickte und nach unten in eine Art Grube wegsackte, ohne sich in der Luft halten zu können.
Mor'ak seufzte nur auf und ließ sich hinunter zu dem Vogel gleiten. **Sicher kann ich dir zeigen, wie man damit umgeht.** Er wandte sich um, als er seine Beute hochhob - sah nur noch, wie Ari einknickte und im Boden verschwand. Blitzschnell war er bei ihr und packte sie an der Hand, musterte aber zugleich seine Umgebung, ob sich hier irgendwelche Menschen herumtrieben.
Aris Finger schlossen sich heftig um Mor’aks Hand, hätten ihn beinahe mitgezogen, wenn Ari sich nicht endlich darauf besonnen hätte, ihre Kräfte einzusetzen. So hing sie einen Moment lang frei schwebend an Mor’aks Hand, bis sie losließ und die Grube musterte, die ihr zum Verhängnis geworden war. Es sah nach einer Fallgrube aus, oben hingen noch Reste der Tarndecke herab, durch die sie gebrochen war. Ansonsten war das Loch unter ihr leer.
Prüfend sah auch Mor'ak hinunter in die Grube. Er ließ ihre Hand dann los, fragte Ari aber nicht nach ihrem Wohlergehen, da sie unverletzt erschien. **Laß uns von hier verschwinden!** sendete er kalt, wandte sich den Federschwänzen zu und warf sie sich über die Schulter. Alles, was er jetzt noch brauchen konnte, waren irgendwelche Menschen.
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