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HOW TO: Wie schreibe ich eine schlechte Fanfiktion?

von Kylar
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor / P12 / Gen
07.07.2013
15.06.2014
9
10.301
15
Alle Kapitel
58 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
07.07.2013 1.249
 
Und schon geht's auch mit dem Handbuch los!
Ich möchte mich an dieser Stelle jetzt schon für die Reviews und Favoriteneinträge bedanken! :)

Außerdem entschuldige ich mich jetzt schon im Vorraus für die Beispiele. Aber je bekloppter, desto anschaulicher.
Ich wünsche euch wie immer viel Spaß und freue mich auf Rückmeldungen. :)


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1. Plot – Je abwegiger, desto besser



a)     Wozu einen Plot vorschreiben? Ich kann das auch so.

Kennst du diese Menschen, die sich ernsthaft damit aufhalten, ihr ganzes Notizbuch vollzukritzeln, nur, um einen anständigen Plot zu erfinden?
Eins ist sicher: So etwas Lästiges solltest du niemals tun! Und dies hat einen ganz einfachen Grund:
Bis du deinen ganzen Storyverlauf aufgeschrieben hast, wirst du doch sicherlich keine Lust mehr haben, die Geschichte selbst noch einmal aufzuschreiben. Und das auch noch ordentlich und mit Metaphern und solch ekligem Zeugs. Ihgitt. So etwas braucht doch keiner!  

Dazu gibt es einen ganz einfachen Trick.
Setze dich ohne groß nachzudenken vor Word und beginne einfach, dir irgendeinen Mist zusammenzureimen. Vergiss nicht, hier und da am Anfang zu erwähnen, was für ein schönes Wetter du in der FF hast, damit niemand auf die Idee kommt, dass du das nur schreibst, damit deine Lieblingscharaktere sich endlich ganz doll lieb haben.
Zwei, drei Sätze über die Umstände und los geht’s, endlich können Charakter A und Charakter B die Klamotten fallen lassen und sich gern haben. Nichts leichter als das!
Wozu diese lästigen Randgeschichten? Es wollen alle doch eh nur den Schmuddelteil lesen.

Beispiel:  Die Sonne scheint. Der Himmel ist blau. Harry hüpft glücklich durch das Gras zu dem Mann seiner Träume. Severus schließt ihn glücklich in seine Arme und wirbelt ihn durch die Luft.

Hier gilt das Motto: Je bescheuerter dein Plot, desto mehr Leute springen auf deine Fanfiktion an. Normale Sachen kann doch jeder schreiben und das ist dir natürlich viel zu langweilig. Was du brauchst, ist etwas, was mehr Pepp hat.
Suche dir die absurdesten Pairs, die du finden kannst und lege gleich los. Schließlich wollen deine Leser genau das, was deine Charaktere wollen.

Du hast aber überhaupt keine Ahnung, wie das mit dem Sex funktioniert? Kein Problem!
Schreibe es einfach so, wie du es dir vorstellst. Es steht nirgendwo geschrieben, wie genau Sex funktioniert, also je einfallsreicher deine Charaktere miteinander rummachen und miteinander interagieren, desto besser. Hinzu kommen natürlich die verschiedenen Umstände wie zum Beispiel auf dem Rasen in der Sonne.

Beispiel: Harry scheute sich nicht, seine Zunge dem werten Lehrer in den Hals zu stecken. Während er über die Zunge des anderen schleckte, stellte er sich vor, er würde ein Eis essen und genoss den minzigen Geschmack in seinem Mund.

Solltest du allerdings genau wissen, wie so etwas funktioniert, sollte es für dich ein leichtes sein, eine solche Szene ins Absurde zu setzen.
Lasse deine Charaktere gleich vier Mal hintereinander schlafen und danach noch eine Fahrradtour machen, denn wie wir alle wissen, ist man danach doch bestimmt topfit!
Solltest du gleichgeschlechtlichen Sex vorhaben, dann vergiss bitte solche unnötigen Sachen wie Kondome oder Gleitgel. Solche Dinge stören doch nur ungemein und behindern deinen wertvollen Plot. Welcher normale Mensch würde sich im realen Leben solcher Dinge bedienen? Richtig, keiner!

Ebenfalls sehr wichtig ist, dass deine Charaktere miteinander reden. Niemand liest gerne eine Fanfiktion, wo die Hauptpersonen nur stumm durchs Leben eiern und alles bekommen, was sie wollen.
Da es beim Geschlechtsakt nicht gerade erotisch ist, darüber zu diskutieren, wer denn als nächster mit dem Putzen dran ist, lasse deine Charaktere andere Dinge sagen. Zum Beispiel schmutzige Dinge.

Beispiel:  „Aber Harry! Warum liegt denn hier Stroh?“
„Damit ich sie besser fressen kann!“


Vergiss nie: Je bescheuerter und abwegiger deine Charaktere miteinander reden, desto erotischer kommt die Situation rüber. Wer braucht schon diese ekelhafte Romantik? Da kann man auch die Geschichte selbst lesen.

Worauf wir hier aus sind, nennt sich sachlich „PWP“ (=Porn without Plot). Es ist also alles nur ein Scheinplot, denn Erotik ist genau das, worauf alle Leser aus sind.
Sollte dich also jemand darauf ansprechen, antworte damit, dass das Gesprächsthema deiner Charaktere ein Plot ist, ebenso wie das am Anfang und Ende genannte Wetter. Kein Plot? So ein Blödsinn.

Nachdem das alles nun erledigt ist, schreibst du, wie auch schon am Anfang, zwei, drei Schlusssätze in denen deine Charaktere sich die ewige Liebe gestehen und du noch einmal vielleicht auf das Wetter eingehst, um es abzurunden. So macht es nämlich den Eindruck, dass du dir wirklich Gedanken über deine Fanfiktion gemacht hast. Es soll nämlich niemand wissen, dass es gar nicht deine Absicht war, eine gute Fanfiktion zu schreiben. Du wolltest den Charakteren nämlich nur den langersehnten – und äußerst guten – Sex geben, den sie nie hatten.



b)     Plot twist – Man soll bloß nicht denken, die Geschichte sei vorhersehbar

Angenommen, du hast jetzt schon einige Kapitel über dein Lieblings-OTP geschrieben und dir erscheint die gesamte Handlung bisher total einseitig.
Zuerst einmal: Super! Einseitige Handlungen sind genau das, was du erreichen möchtest, niemand mag Veränderungen.
Aber dennoch: Da du Angst hast, deine Leser durch den ständigen und monotonen Sex zu langweilen, möchtest du mal etwas anderes ausprobieren.

Hierfür gibt es die beste Lösung namens ‚plot twist‘.

Wie also schreibt man einen Plot Twist? Ganz einfach.
Stell dir vor, du fährst Fahrrad oder Auto und wendest urplötzlich um 180 Grad. Niemand rechnet damit und natürlich überraschst du alle damit.
Genau so funktioniert ein Plot Twist: Je unerwarteter, desto besser.

Beispiel: Harry kuschelte sich an Snape und fiel fast in den Schlaf. Wie aus dem Nichts nahm er ein helles Leuchten wahr und ein Meteor fiel vom Himmel. Er rannte schreiend im Kreis.

Am besten ist es, wenn du Dinge in deine FF einbaust, die da überhaupt nicht reingehören. Du möchtest deinen Lesern schließlich ein Spektakel liefern, welches sie noch nie in ihrem Leben gesehen bzw. gelesen haben.
Wenn du es darauf ankommen lässt, baust du am besten gleich drei oder vier Plot Twists hintereinander ein, damit dein Plot immer unlogischer und absurder wird. Du willst es schließlich provozieren, dass dein Leser sich ein Brett vor den Kopf haut und sich blutig schlägt.
Wer eine normale FF mit gutem Plot will, ist hier definitiv falsch. Was du willst, ist pure Action mit fantasievollem Handlungsstrang. So etwas kann eben nicht jeder!

Was auch besonders beliebt ist, ist der Plot Twist am Ende deines Kapitels. Fasel einfach wieder von dem Wetter oder davon, wie schön der Raum eingerichtet ist und dann baue ihn ein und beende das Kapitel ohne ein weiteres Wort. Frei nach dem Motto: „Roter Faden – Brauch ich nicht!“
Deine Leser werden dich einerseits dafür hassen und andererseits an deiner FF kleben bleiben. Nichts leichter als das!

Beispiel: Snapes Kopf lag auf Harrys Brust und er lauschte seinem leisen Herzschlag. Er hörte ein Poltern und Snape wusste nicht, wie ihm geschah. Er wurde von Harry, seinem Harry, losgerissen und gegen die Wand gedrückt. Er blickte in die zornigen, schwarzen Augen von Sirius Black und stellte halb entsetzt, halb entzückt fest, dass der Mann vor ihm nackt war.

Ziel eines Plot Twists ist es, einen Schock beim Leser hervorzurufen und ein „Warum?“ aus seinem Mund zu locken. Wenn dies geschehen ist, hast du alles richtig gemacht. Es gibt nichts besseres, um deine Handlung noch einmal aufzupeppen und die Spannung zu steigern.

Nachdem wir jetzt wissen, wie wir einen Plot vermeiden bzw. erstellen und ebenfalls die plötzlichen Wendungen anwenden können, lernen wir im nächsten Kapitel, wie man diesen mit dem persönlichen Schreibstil und der Rechtschreibung abgleicht.
Und bis dahin: Fleißig aus dem Nichts Meteoriten hervorzaubern!

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