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Licht und Schatten

von Meril221
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
07.07.2013
07.07.2013
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Disclaimer: Die Figuren und Orte gehören Markus Heitz. Ich hab sie mir nur ausgeliehen. Alles andere ist meiner Fantasie entsprungen.


Licht und Schatten


Da standen sie, wie Licht und Schatten, voreinander. Wie Tag und Nacht, Himmel und Erde, Schwarz und Weiß. Die Strahlen, der untergehenden Sonne, schienen auf sie und auf die Lichtung, auf der sie standen. Die Zeit schien stehen geblieben zu sein. Nichts war mehr von Bedeutung. Nur sie beide waren das, was noch zählte.

***+***

,,Calad! Calad!“, rief Fae. ,,Hier steckst du. Ich hab dich schon überall gesucht!“, schimpfte sie laut.

Lachend stand der Angesprochene vor ihr und streichelte den Hals seines Schimmels. ,,Fae, du weist doch, dass ich nach der Arbeit immer in den Ställen zu finden bin“, lächelte der Elb seine Schwester an.

,,Ja, von Wegen! Und was war in den letzten zwei Monaten?“

,,Da habe ich gearbeitet“, antwortete der Architekt, der gerade erst die Skizzen für den neuen Wehrturm vollendet und abgeben hatte. In den letzten Wochen hatte er Tag und Nacht daran gesessen und war kaum vor die Tür gegangen. Der Fürst hatte sehr auf Schnelligkeit gepocht, da die Albae immer härtere Angriffe auf die Wälder der Elben in Alandur erfolgen ließen.

,,Du willst doch nicht etwa jetzt noch ausreiten?“, fragte die Elbin erschrocken, als ihr Bruder anfing sein Pferd zu satteln.

Leise lachend fragte dieser: ,,Wieso denn nicht, Schwesterherz?“

,,Na, weil es bald dunkel werden wird und es da draußen nur so vor Albae wimmelt!“

Immer noch lächelnd legte Calad das Zaumzeug an und nahm ein Kurzschwert und einen langen Dolch an sich. ,,Mach dir keine Sorgen, Fae. Ich bin nicht wehrlos“, sagte er und schwang sich in den Sattel. An seinem Gürtel hingen die Messer griffbereit.

,,Du bist ein Architekt und kein Krieger!“, rief die junge Elbin ihrem Bruder hinterher, als dieser in vollem Galopp aus dem Stall preschte.

Froh darüber endlich die Baumstadt hinter sich zu lassen und wieder den Wald erkunden zu können, ließ Calad seinen Schimmel ruhig durch den Schatten unter den Bäumen traben. Er genoss diese seltenen Ausflüge immer sehr ausgiebig. Seine Arbeit war sehr stressig und anstrengend, da blieb ihm nur wenig Zeit zur Entspannung.

Er ließ seinen Schimmel bis zu einem flachen Bach laufen, der durch eine kleine Lichtung floss, und stieg ab. Dies war sein Lieblingsplatz in diesem Wald. Das satte grüne Gras wiegte sich leicht in der lauen Brise, die um die Bäume wehte. Auch die Blätter rauschten leise im Wind und die Sonnenstrahlen, die vereinzelt auf dem Boden fielen, verliehen dieser Lichtung etwas zauberhaftes, eine Atmosphäre des Friedens.

Calad zog seine Stiefel aus und stellte sich mitten in die Lichtung. Er fühlte, wie das Gras seine Füße streichelte und er holte tief Luft, um den Frieden in sich aufzunehmen. So bemerkte er auch den Schatten nicht, der sich ihm immer weiter näherte.

Leise schlich sich Azanûl an den Elben, auf der Lichtung, an. Er hatte sich von seiner Jagdgruppe getrennt, um noch tiefer in das Land des Feindes dringen zu können, und um mindestens eine dieser verhassten Kreaturen zur Strecke zu bringen. Widerlich, dachte er und hätte am liebsten ausgespuckt. Wie er da steht, mit seiner vollkommenen Reinheit, die er nicht einmal verdient hat. Wie eitel er aussieht, mit seinem schönen Gesicht. Aber das wird sich bald ändern. Ich werde dir dein hübsches Engelsgesicht zerkratzten und dir deine reine Haut abziehen.

Azanûl machte sich zum Sprung bereit. Er nahm sein Schwert, dass eine schmale, leicht gebogene Klinge hatte, fest in seine Rechte und spannte seine Muskeln an. Als er sich leicht aufrichtete, um anzugreifen, zerbrach ein winziger Ast unter seinem Fuß und er fuhr, innerlich fluchend, zusammen. Mit weit aufgerissenen Augen beobachtete der Alb, was der andere Mann tat.

Calad hatte das leise Knacken natürlich gehört und sein Blick war sofort in die Richtung geflogen, aus der das Geräusch gekommen war. Hinter einem Ast hockte ein dunkler Schatten und der Elb brauchte nicht lang überlegen, was für ein Wesen dort saß. Angespannt bemerkte er den silbernen Schimmer an der Seite des Albs. Ein Schwert! Blitzschnell, und im letzten Moment, zog Calad sein Kurzschwert und seinen Dolch, um sich zu verteidigen, da griff sein Feind auch schon an.

Mit einem gewaltigen Satz sprang der Alb aus seinem Versteck und schlug mit seinem Schwert von oben auf das des Elbs, der dadurch ins Straucheln geriet. Sofort erkannte Azanûl, dass er keinen Kämpfer vor sich hatte, sonder einen verweichlichten Elb mit Kinderspielzeug in den Händen. Das wird ein Spaß, lachte er in Gedanken und attackierte den Anderen mit schnell aufeinander folgenden Schlägen.

Calad hatte alle Mühe die Klinge des Albs zu parieren. Immer weiter ließ er sich nach hinten treiben, bis er plötzlich einen Baum in seinem Rücken spürte. Erschrocken ließ er seine Deckung sinken, die der Alb sofort ausnutzte, um wieder von oben zuzuschlagen. Geistesgegenwärtig duckte sich Calad unter der Klinge weg und drehte sich zur Seite, um wieder frei stehen zu können.

Laut krachend fuhr das Schwerte in den Stamm des Baums. Wütend über seinen Misserfolg riss Azanûl seine Waffe, mit einem lauten Schrei, aus dem Stamm und stellte sich dem verhassten Feind wieder gegenüber. Er ist schnell. Das muss ich ihm lassen, dachte er widerstrebend und griff erneut an. Dieses Mal zielte er auf die Beine, bevor er im letzten Augenblick seine Klinge drehte und nach oben stach. Treffer! Das Schwert fuhr dem eitlen Wesen in die Seite.

Schmerzvoll stöhnte Calad auf. Er war auf die Finte herein gefallen. Taumelnd versuchte er den Alb noch mit seinem Schwert zu erwischen, doch dieser sprang im selben Augenblick auch wieder ein Stück zurück. Der Elb presste seinen linken Arm auf die Wunde und versuchte sich auf den Beinen zu halten, vor Schmerz. Fae hatte recht. Ich bin kein Krieger. Ich kann nicht gewinnen, gestand er sich verzweifelt ein. Doch sein Wille war noch nicht gebrochen. Wenn er schon sterben musste, dann sollte der Alb auch bluten. Taumelnd trat er ein paar Schritte nach vor und schlug zu.

Spielend wich der Alb dem Schlag aus und stach seinerseits zu. Diesmal traf er die linke Schulter. Wieder hörte Azanûl den Elb aufstöhnen und er fing selbst zufrieden an zu lächeln. Es begann ihm wieder Spaß zu machen.

Schwer atmend stand Calad auf der Lichtung. Sein Körper schien vor Schmerz zu brennen. Schwankend wandte er sich wieder seinem Gegner zu und im nächsten Moment bekam er einen harten Tritt ab, der ihn gegen einen Baum prallen ließ. Im letzten Augenblick schaffte er es noch sein Kurzschwert und seinen Dolch vor seiner Brust zu kreuzen, als die Klinge des Albs auf ihn nieder fuhr. Laut klirrend traf das Metall aufeinander und verhakte sich ineinander.

Azanûls Klinge wurde von den Messern des Anderen festgehalten und er kam nicht mehr los. Deshalb drückte er fest gegen den Elben, damit die Klingen dessen Oberkörper berührten. Der Alb staunte jedoch nicht schlecht darüber mit welcher verzweifelten Kraft der andere Mann noch gegen diesen Druck ankämpfte.

So standen sie nun, leise keuchend, durch den Kraftaufwand, dicht voreinander. Ihre Gesichter waren nur eine Handbreit voneinander entfernt. Beide musterten ihren Gegenüber abschätzend und aufmerksam.

Der Alb blickte in ein schönes, eben mäßiges Gesicht, das von blonden, langen Haaren umrahmt war. Die leicht geweiteten Augen des Elbs waren so blau wie der Himmel und seine Lippen waren schmal und leicht geschwungen. Sein Gesicht schien perfekt zu sein. Mit der fast Marmor weißen Haut wirkte es edel und unnahbar.

Calad starrte im selben Moment in ein ebenfalls weißes Gesicht, das jedoch von rabenschwarzem Haar umgeben war. Die Lippen des Albs waren etwas voller als seine eigenen. Doch das, was das eigentlich schöne Bild verdarb, waren die Augen. Dem Elb kam es so vor als blickte er in schwarze, unergründlich tiefe Löcher. So wie es bei Albae üblich war, waren die Augen des Albs vor ihm, nichts weiter als zwei mandelförmige schwarze Abgründe, bei Sonnenschein.

Doch im nächsten Augenblick versank die Sonne hinter den weit entfernten Bergen und aus den dunklen Löchern wurden Augen, die Calad gefangen hielten. Sie waren von einem dunklen Grün, wie die Zweige von einer Tanne oder Kiefer, und sie waren von schwarzen Sprenkeln durchwoben. Und dennoch schienen diese Augen zu leuchten.

,,Wunderschön“, hauchte der Elb vollkommen versunken. Überrascht weiteten sich die Augen des Albs und er zuckte zurück. Verwirrt starrte er den Anderen an, der immer noch an dem Baum lehnte. ,,W... was?“, stammelte er, ohne zu wissen, wie er sich verhalten sollte.

Auch Calad war ziemlich überrascht, über sich selbst, als er begriff, was er gerade gesagt hatte. Er schüttelte seinen Kopf, um wieder klar zu werden und blickte den Alb an. Dieser war wirklich schön. ,,Ich...“, setzte er an, doch kam er nicht weiter, da aus einiger Entfernung jemand nach ihm rief. Deutlich konnte er die Stimme seiner kleinen Schwester vernehmen: ,,Calad?! Wo bist du?!“

Gehetzt schaute sich Azanûl um. Er wusste nicht ob er gleich verschwinden, oder ob er den Elb doch noch töten sollte. Er entschied sich für Ersteres und hetzte schnell davon, nachdem er dem Anderen noch einmal in die Augen gesehen hatte.

,,Bei den Göttern! Was ist geschehen?!“, rief Fae laut und stürzte auf ihren Bruder zu. Ein weiterer Elb kam mit Calads Schimmel zwischen den Bäumen hervor. Das Pferd war geflohen, als sein Herr mit dem Alb kämpfte, um Hilfe zu holen.

Calad starrte immer noch, wie gebannt, in den Wald hinein. Er bekam kaum mit, wie seine Schwester und der andere Elb ihn auf das Pferd hoben und Richtung Waldstadt gingen. Dort angekommen brachten die Beiden ihn in den Krankenflügel, wo er verarztet wurde.

Fae regte sich immer mehr über die abwesende Art ihres Bruders auf, worauf der Heiler meinte, dass die Klinge, mit der, der Elb verwundet worden war, vergiftet gewesen sein musste. Es konnte ja niemand ahnen, dass Calad immer noch von der Begegnung auf der Lichtung vereinnahmt wurde. Seine Gedanken wirbelten wirr durcheinander und blieben immer wieder an zwei grünen Augen hängen, die ihn aufmerksam musterten. In den Nächten, die er im Krankenflügel verbrachte, hatte er jede Nacht den selben, verwirrenden Traum. Er stand auf einer Lichtung im Wald und vor ihm befand sich ein großer Schatten. Aus diesem formten sich langsam die Umrisse des Albs. Deutlich konnte Calad dann immer diese leuchtend grüne Augen sehen, die ihn in ihren Bann zogen. Zuerst kam es ihm immer so vor, als wollte der Schatten ihn angreifen, oder verschlingen, doch dann hoben sich Hände aus der Dunkelheit und berührten ihn an seinem Gesicht. Die Finger strichen auch über seine Arme und seine Brust.

Dann wachte Calad völlig verwirrt und orientierungslos auf und hatte das Gefühl immer noch Hände auf seinem Körper spüren zu können.

--*--

Mit einem lauten Wutschrei warf Azanûl den Weinkelch quer durch das Zimmer. Er hatte in den letzten Wochen kein Auge zugetan und kein Schlaftrank half ihm. Sein Geist war viel zu aufgewühlt, als das der Alb Schlaf finden könnte. Immer wieder musste er an die Lichtung denken. An den Elb, der ihn ,,wunderschön“ genannt hatte, obwohl Albae und Elben Todfeinde waren und sich hassten.

Wieso hat er das zu mir gesagt, fragte sich Azanûl immer und immer wieder, ohne eine Antwort darauf zu finden. ,,Verdammter Elb!“, schrie er, griff nach dem Nächstbesten und warf es gegen die Wand. Klirrend ging die kleine Skulptur zu Bruch. Vor Wut schnaufend stand er in seinem Zimmer und ballte seine Hände zu Fäusten.

,,So geht das nicht weiter“, sagte er zu sich selbst, schnappte seinen Umhang und sein Schwert und stürmte aus dem Haus.

--*--

,,Das ist doch nicht dein Ernst!“, rief Fae laut, als Calad sich auf den Rücken seines Schimmels schwang. ,,Deine Wunden sind noch nicht einmal verheilt und du willst schon wieder da raus.“

,,Schwerster, ich bleibe in der Nähe der Stadt. Du brauchst dir also keine Sorgen machen. Doch wenn ich noch weiter hier drin eingesperrt bin werde ich noch verrückt“, sagte Calad und ritt los. Er hatte ein schlechtes Gewissen, da er seine kleine Schwester angelogen hatte, doch wenn er ihr die Wahrheit gesagt hätte, so wäre er nie wieder aus der Baumstadt heraus gekommen. Trotz schmerzender Schulter und Seite trieb er sein Pferd an.

Sein Weg führte wieder zu seiner Lichtung. Er stieg ab und band das Tier in Reichweite des kleinen Baches an einem Ast fest. Nun stellte er sich wieder auf die Wiese und starrte angespannt in den Wald hinein. Es kam dem Elb so vor, als würde er stundenlang so da stehen. Und als die Sonne tatsächlich dabei war unter zu gehen, wollte er sich frustriert auf den Heimweg machen.

Doch als er gerade dabei war seinen Schimmel los zu binden, hörte er, wie ein Schwert aus seiner Scheide gezogen wurde. Erschrocken drehte er sich in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war und erblickte den Alb, mit gezogener Waffe an einen Baum lehnend.

,,Ich hatte gehofft dich hier zu finden“, sagte der Dunkelhaarige und trat auf die Lichtung. ,,Willst du etwa schon gehen?, fragte er beiläufig.

Calad hatte aus einem Reflex heraus ebenfalls sein Kurzschwert gezogen und stand unschlüssig neben seinem Pferd, das aufgeregt hin und her tänzelte. Wie gebannt betrachtete er den Alb und brachte kein Wort heraus. Ohne jegliche Bewegungen standen sie sich gegenüber, bis der Alb fragte: ,,Dein Name ist Calad, hab ich recht?“

Der Angesprochene schluckte schwer und brachte nicht mehr als ein einfaches Kopfnicken zustande. Die Art, wie der Alb mit ihm sprach, verunsicherte ihn völlig. Außerdem hing er wie gebannt an dessen Lippen und er wollte nur noch mehr von dieser wundervollen, dunklen Stimme hören.

Azanûl musste lächeln. Die Unsicherheit des Elben belustigte ihn. ,,Nun Calad“, sprach er also weiter: ,,Mein Name ist Azanûl und ich bin hier, um dich etwas zu fragen.“ Er machte eine kurze Pause und bemerkte, wie der Elb anfing leicht zu zittern. ,,Was meintest du damit, ich sei wunderschön?“, zischte er leise und bedrohlich. Er streckte dem Elb die Klinge seines Schwertes entgegen. Der Blonde sollte sich noch mehr fürchten.

In diesem Moment versank die Sonne und erneut wechselten die Augen des Dunklen die Farbe. Fasziniert starrte Calad nun in die grüne Augen, die ihn nicht mehr loslassen wollten. Seine Zunge schien sich selbstständig zu machen und er hörte sich antworteten: ,,Ich sagte es, weil es die Wahrheit ist. Ich habe in meinem Leben noch nie solche wundervollen Augen, wie die deinen, gesehen.“

Nun war es Azanûl der verunsichert und überrascht war. Nervös fing er an von einem Fuß auf den anderen zu treten und wieder wusste er nicht was er tun sollte. Der Kerl macht sich doch einen Spaß mit mir, dachte er. Das meint der doch niemals ernst.

So vollkommen in Gedanken bemerkte er nicht, wie sich Calad ihm näherte. Das Schwert hatte der Elb wieder zurück gesteckt, obwohl er ganz genau wusste, dass er nun überhaupt keine Möglichkeit mehr hatte sich zu verteidigen. Erst als er direkt vor Azanûl stand zuckte dieser merklich zusammen und wich ein paar Schritte zurück. Nun schien der Alb Angst zu verspüren, oder zumindest Verunsicherung. Er konnte einfach nichts mit dem Verhalten Calads anfangen. Unsicher hielt er sein Schwert nach vorn, um den Anderen auf Abstand zu halten.

Doch davon ließ sich dieser nicht abschrecken. Wie verzaubert starrte er in die grünen Augen und ging immer weiter auf Azanûl zu. Nicht einmal die Schwertspitze, die schließlich seine Brust berührte, hielt ihn auf. Die Klinge wurde jedoch mit jedem seiner Schritte auch ein Stück zurück gezogen und stellte somit keine direkte Gefahr für ihn dar.

Nun trennte sie wieder nur eine Handbreit voneinander. Azanûl war etwas größer als Calad, deshalb musste dieser zum Anderen aufblicken. Die Zeit schien still zu stehen, bis der Elb seine Hand langsam hob und den Dunkelhaarigen zärtlich an der Wange berührte.

Reflexartig schnellte die Hand des Albs hoch und umfasste das Handgelenk des Anderen fest. Und erneut standen sie wieder vollkommen still und sahen sich weiter an. Sie spürten die Wärme des jeweils Anderen und atmeten den Geruch des Gegenüber ein. Calad haftete der Duft nach Wald und Wiesen an und ein Hauch von Pergament. Azanûl hingegen roch nach Metall und Leder, so wie es bei fast allen Kriegern üblich war. Sie verloren sich nicht nur in ihrem Duft, sondern auch in ihren Augen. Calad fiel in grüne Auen und der Alb in ein blaues Meer.

Wie von selbst kamen sie sich immer näher, so das sich ihre Lippen fast berührten. Im letzten Moment erschraken beide gleichzeitig, vor dem was sie beinahe getan hätten, und sprangen auseinander. Entsetzt sahen sie sich an.

Azanûl wandte sich schnell um und wollte gerade im Wald verschwinden, als Calad ihm nach rief: ,,Sehe ich dich wieder?“ Der Alb zögerte kurz, sah noch einmal zurück, bevor er mit einem knappen Nicken zwischen den Bäumen verschwand.

Der wusste nicht warum, doch es freute ihn das Azanûl ihn anscheinend auch wiedersehen wollte, und sein Herz schlug höher. Er machte sich glücklich auf den Weg nach Hause, wo ihn seine Schwester schon wütend zeternd erwartete. Doch nicht einmal das konnte seine gute Laune trüben.

In den Nächsten Tagen trafen sich Calad und Azanûl immer öfters. Dabei hielten sie immer einen gewissen Sicherheitsabstand zueinander. Sie sprachen zuerst sehr abschätzend und vorsichtig miteinander, aus Angst vom jeweils Anderen über strategische Schritte, des eigenen Volkes, ausgefragt zu werden. Doch von Tag zu Tag fassten sie mehr vorsichtiges Vertrauen. Oft sprachen sie über ganz normale und banale Dinge des Alltags und sie gewöhnten sich ab jedes ihrer Worte abzuwägen. Meist blieben sie den ganzen Tag auf der Lichtung sitzen, genossen den Sonnenschein und unterhielten sich. Alles was sie taten geschah mit der Zeit immer mehr mit dem Vertrauen zweier alter Freunde, oder sogar Brüder. Der Hass ihrer Völker schien nur noch wie eine alte verschwommene Erinnerung zwischen ihnen zu hängen.

An einem lauen Sommerabend saßen sie dicht beieinander und angenehmes Schweigen umhüllte sie. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, bis Calad plötzlich merkte, dass er von Azanûl, schon eine ganze Weile, beobachtet wurde. Fragend blickte er den Alb an und begann zu lächeln, als dieser erst nicht reagierte. Jedoch verschwand das Lächeln, als er bemerkte das der Alb sich langsam zu ihm beugte. Er wusste nicht was er tun sollte, daher hielt er einfach nur still. Mit starkem Herzklopfen und gebannt von grünen Augen spürte der Elb, wie sich die Lippen Azanûls hauchzart auf die seinen legten. Verzaubert ließ er es geschehen und schloss seine Augen.

Die Berührung dauerte nur einen Augenblick, doch als der Alb merkte, dass Calad sich nicht wehrte wagte er mehr. Er küsste ihn erneut, doch diesmal stärker. Sein Herz machte Freudensprünge, als der Elb den Kuss erwiderte, doch wieso er sich so freute verschloss sich ihm. Immer fester drückte er seinen Mund auf den des Anderen und bat vorsichtig mit der Zunge um Einlass, der ihm sofort gewährt wurde. Wie in einem vorsichtigen Tanz umkreisten sich ihre Zungen. Es fühlte sich seltsam und ungewohnt an, wie als hätte der Dunkelhaarige noch nie geküsst, doch gleichzeitig durchströmte ihn eine ungewohnte, heiße Kraft, ausgehend von seinem Mund. Wie als würde ihn Calads Licht durchdringen. Und es dauerte nicht lang und sie wurden leidenschaftlicher.

Als Azanûl jedoch Calad an der Wange berührte, zuckte dieser plötzlich erschrocken zurück. Mit weit aufgerissenen Augen starre er den Alb an und presste seine Hand auf seine Lippen. Erst jetzt schien er zu begreifen, was er gerade zugelassen hatte. Vollkommen verwirrt blickte er sich Hilfe suchend um und nuschelte: ,,Ich muss gehen“, und lief fort.

Überrumpelt von Calads Reaktion blieb Azanûl wie versteinert sitzen. Nach einigen Augenblicken des begreifens schlug er, mit einem Wutschrei, seine Faust so fest gegen den Baumstamm, an dem er saß, dass seine Knöchel knackten. Wieso habe ich das getan, fragte er sich immer und immer wieder. Warum konnte ich mich nicht zurück halten?

Und nach einer Weile des tobens begriff er plötzlich. Calad hatte in diesem Moment einfach so unbeschreiblich schön ausgesehen, dass er ihn hatte einfach küssen müssen. Und mit dieser Erkenntnis brach auch eine weitere über den Alb herein. Calad war nicht nur ein Freund für ihn. Der Elb hatte ihm sein Herz gestohlen. Das ist unmöglich, redete er sich ein. Albae und Elben hassen einander! Ich Kann nicht das Gegenteil empfinden. Was habe ich mir dabei gedacht, als ich mich ihm auf diese Art genähert habe? Aber seine Gefühle sprachen etwas anderes.

Verzweifelt sah er in die Richtung, in die der Elb verschwunden war, mit der Hoffnung dieser könnte wieder zurück kommen. Doch es regte sich nichts. Azanûl ergriff pure Angst davor, Calad nie wieder sehen zu können. Er wäre ihm beinahe in blinder Panik hinterher geeilt, doch wenn er noch tiefer in das Reich der Elben vordrang wäre es sein Tod.

Tränen liefen seine Wangen hinab. Diese Tatsache verwirrte ihn noch mehr. So viele Gefühle stürzten gleichzeitig auf ihn ein. Doch das Einzige woran er wirklich denken konnte war Calad. Verzweifelt  kauerte er sich an den Baumstamm und raufte sich sein Haar. Was ist nur mit mir geschehen, fragte er sich. Dann weinte er stumm vor sich hin. Ich habe alles zerstört.

--*--

Vollkommen außer Atem kam der Elb in der Baumstadt an. Er rannte schnell in seine Gemächer und schloss die Tür ab. Erschöpft ließ er sich an der Tür herab gleiten und blieb einfach sitzen. Was hatte das zu bedeuten, fragte er sich und berührte wieder seine Lippen mit den Fingern. Es kam ihm so vor als könnte er Azanûls Mund immer noch auf dem seinen spüren und ihm wurde plötzlich heiß. Vollkommen verwirrt durch die Reaktion seines Körpers stürzte er in sein Badezimmer, zog sich aus und ließ eine Schüssel mit kaltem Wasser,  über sich laufen, um sich abzukühlen.

Zitternd vor Kälte zog er sich schließlich wieder an und legte sich in sein Bett. Allerdings verhinderten seine Gedanken das Einschlafen. Wieso hat er mich geküsst? Warum habe ich es zugelassen? Was hat das alles zu bedeuten? Langsam bereute er es, dass er so kopflos geflohen war, denn wäre er geblieben hätte er vielleicht Antworten auf seine Fragen bekommen. Der Kuss hatte ihm ja auch gefallen, obwohl er ein seltsames, intensives Gefühl in ihm verursacht hatte.

Er fragte sich auch was Azanûl jetzt wohl tat. Calad bekam Schuldgefühle, denn durch seine Reaktion musste der Alb nun genauso verwirrt und unsicher sein wie er selbst. Seufzend schloss er die Augen und versuchte zu schlafen. Was ihm, dank seiner Erschöpfung, nach einer Weile gelang.

Jedoch wachte er keuchend und schweißgebadet nach einer Weile wieder auf. Sein Körper schien zu glühen. Wieder hatte ihn Azanûl in seinen Träumen besucht, doch diesmal war es unaussprechlich für ihn, was sie Beide getan hatten.

Mit großer Mühe stand Calad wieder auf und schleppte sich in sein Bad. Erneut ließ er eiskaltes Wasser auf seinen Körper fließen, doch diesmal wollte es nicht die gewünschte Wirkung zeigen. Immer wieder tauchten Bilder aus seinem Traum vor seinen Augen auf. Fast schon verzweifelt versuchte er sich auf etwas anderes zu konzentrieren, doch es gelang ihm nicht. Es war als hätte eine dunkle Kraft von ihm Besitz ergriffen, die ihn allerdings nicht schaden wollte.

Seufzend trocknete er sich ab und begann damit sich zu berühren. Er strich sich über seine Brust, den Bauch und wanderte immer tiefer. Leise stöhnend berührte er sein aufgerichtetes Glied und massierte es vorsichtig. Keuchend schloss er die Augen und erinnerte sich an den Traum. An den warmen Körper Azanûls, an dessen Hände und Lippen. Calad massierte sich immer schneller und fester. ,,Azanûl“, hauchte, stöhnte und keuchte er immer wieder. Kurz vor seinem Höhepunkt dachte er an den Kuss und er spürte die Lippen den Albs förmlich auf den seinen. Erneut durchdrang ihn die Kraft des Anderen und er kam mit einem lauten Stöhnen.

Erschöpft ging er, so wie er war, zurück in sein Bett. Und plötzlich füllte ihn ein gewaltiges Gefühl der Leere und Einsamkeit. Er spürte das sich nicht nur sein Körper  nach dem Alb sehnte, auch wenn er es nicht verstand. Dennoch hatte er Angst davor wieder auf die Lichtung zu gehen. Er befürchtete Azanûl dort nicht mehr zu begegnen. Mit diesen dunklen und düsteren Gedanken schlief der Elb schließlich ein.

--*--

Wieder stand Azanûl wartend auf der Lichtung. Eine Woche war seit der letzten Begegnung zwischen Calad und ihm vergangen und er war jeden Tag auf die Lichtung gekommen, in der Hoffnung den Elb wieder zu sehen. Doch nichts war geschehen. ,,Ich habe alles verdorben“, sagte er zu sich selbst, als der Tag sich dem Ende neigte und er sich auf den Weg zurück machen wollte.

Als er sich jedoch noch einmal umdrehte, weil er Abschied von dem friedlichen Ort nehmen wollte, da er nicht vor hatte je wieder dort hin zu kommen, erblickte er Calad. Der Elb stand schwer atmend an einen Baum gestützt am Rand der Lichtung. ,,Willst du etwa schon gehen?“, fragte der Elb keuchend, genauso wie ihn Azanûl vor Wochen gefragt hatte.

Das Herz des Albs machte einen Sprung vor Freude und er lief freudestrahlend auf Calad zu. Doch in Mitten der Lichtung blieb er abrupt stehen. Unentschlossen blickte er den Elb an und wusste nicht was er tun sollte.

Deutlich bemerkte Calad dies und trat deshalb seinerseits langsam auf Azanûl zu. ,,Es tut mir leid, wenn ich dich verletzt haben sollte“, sagte er. ,,Es hat mich nur so sehr verwirrt. Ich musste mir erst im Klaren darüber sein was das alles hier bedeutet und... was ich für dich empfinde. Und ich glaube das bin ich jetzt.“

Azanûls Herz schlug ihm bis zum Hals. Er konnte es nicht fassen, dass der Elb den er, dem Gesetz seines Volkes zu wider, liebte die gleichen Gefühle für ihn hegte. Er blickte Calad gebannt an, der nur noch einen Schritt von ihm entfernt war.

Da standen sie, wie Licht und Schatten, voreinander. Wie Tag und Nacht, Himmel und Erde, Schwarz und Weiß. Die Strahlen, der untergehenden Sonne, schienen auf sie und auf die Lichtung, auf der sie standen. Die Zeit schien stehen geblieben zu sein. Nichts war mehr von Bedeutung. Nur sie beide waren das was noch zählte.

Der Alb war schließlich derjenige der die letzte Entfernung zwischen ihnen überbrückte und Calad vorsichtig an dessen Seite berührte. Unbeholfen, wie zwei Jünglinge, kamen sie sich mit ihren Gesichtern näher, bis sich ihre Lippen federleicht berührten.

Calad wusste nicht recht was er tun sollte, doch ließ er sich von seinen Gefühlen leiten und legte seine Hände auf Azanûls Schultern. Ihre Lippen berührten sich entschlossener und fester. Beide schlossen ihre Augen und genossen den Geschmack und das Gefühl des Anderen. Ihre Umarmung wurde fester und nun umschlangen sich auch ihre Zungen.

Schwer atmend trennten sie sich kurz und sie sahen sich in die Augen. ,,Ich liebe dich“, flüsterte Calad, mit allem Mut den er aufbringen konnte. Lächelnd hörte dies der Alb und erwiderte: ,,Ich dich auch. Wir müssen verrückt sein.“ Leise lachend küssten sie sich wieder und sie verloren sich ineinander.

Azanûls Hände fuhren über den Rücken des Elbs und pressten ihn an sich, bis seine Finger sanft über Calads Hintern strichen. Dieser stöhnte auf und drängte sich noch dichter an den Dunklen. Überrascht von dieser Reaktion fuhr der Alb immer wieder über Calads Hinterteil und erfreute sich an dessen Nähe.

Der Elb hingegen versuchte sich verzweifelt an den Schultern des Anderen festzuhalten, denn das was dieser tat brachte ihn beinahe um den Verstand. Er drängte sich dem warmen Körper immer mehr auf, ungeachtet seines bereits steifen Glieds, was der Alb unwillkürlich auch zu spüren bekam. Und plötzlich kam es Calad so vor, als würde zu viel Stoff zwischen ihnen bestehen. Somit zog er seine Hände von Azanûls Schultern und legte sie an die Verschlüsse von dessen Tunika. Schnell war diese geöffnet und sie fiel zu Boden.

Nun war Calads Tunika an der Reihe, die der Dunkelhaarige öffnete, während der Elb ihm schon das Hemd über den Kopf ziehen wollte. Lachend ließ es Azanûl geschehen und sah zu, wie sich der Andere sein Hemd selbst auszog und dann schnell wieder die Nähe des Anderen forderte. Nun rieb Haut auf Haut und eine Gänsehaut breitete sich auf den Körpern der Beiden aus. Ihre Zungen um schlangen sich und ihre Hände erkundeten den Körper des jeweils Anderen.

Nach einer Weile der Leidenschaft legten sie sich zusammen auf den Boden, so das der Alb den Blonden halb unter sich hatte. Nun wanderten die Lippen Azanûls weiter nach unten und streiften erst den Hals, dann die Schultern, dann die Brust und schließlich den Bauch, wo er kurz mit seiner Zunge in den Bauchnabel eintauchte.

Calad keuchte und stöhnte dabei und er konnte sich kaum zurückhalten. Er wollte Azanûl spüren. Nichts wollte er mehr in diesem Moment. Sein Herz raste und all sein Blut schien in seiner Körpermitte versammelt zu sein. Er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, er nahm nur noch Azanûl war und dessen Tun. Noch nie hatte ihn ein Mann so aus der Fassung gebracht.

Der Alb war bereits am Hosenbund angelangt und er lächelte, ob des ungestümen Elben. Deutlich konnte er das Glied spüren, das stark gegen den Stoff der Hose drückte. Schnell öffnete er die Schnüre und da sprang es ihm förmlich entgegen. Unsicher betrachtete der Alb es und überlegte, ob er es wirklich wagen sollte. Er nahm seinen Mut zusammen und umschloss Calads Glied mit seiner Rechten und nahm langsam die Eichel in den Mund.

Die Reaktion des Blonden war gewaltig. Seine Hände krallten sich in die schwarzen Haare Azanûls und ein lauter Lustschrei entrang seiner Kehle. Er bog zuerst seinen Rücken durch und keuchte auf, dann krümmte er sich zusammen. Nach wenigen Zungenbewegungen des Albs kam der Blonde, laut den Namen des Anderen schreiend.

Keuchend ließ Calad die schwarzen Haare los und rang nach Atem. Azanûl kam wieder auf Augenhöhe mit ihm und lächelte sanft, während er ein Bein des Elbs nach oben hob, um an dessen verborgene Öffnung zu gelangen. Davon bekam der Blonde kaum etwas mit, da er noch viel zu sehr mit sich selbst und seinen Gefühlen beschäftigt war, doch als der erste Finger in ihn eindrang hielt er sich überrascht stöhnend wieder an den Schultern des Schwarzhaarigen fest. Dieser knabberte währenddessen an Calads Ohr.

Dem ersten Finger folgten ein zweiter und dritter. Der Alb konnte spüren wie die Muskeln um seine Finger immer wieder zuckten und wie warm der Andere war. Es erregte ihn sehr zu sehen wie sich Calad wieder in Ekstase verlor und er konnte sich selbst kaum mehr zurück halten. Deshalb fing er die Lippen des Elben erneut zu einem leidenschaftlichen Kuss ein und legte sich zwischen dessen Beine.

Der Alb zog seine Finger zurück, was den Blonden unwillig knurren ließ. Wieder lachend hob der Dunkle die Beine des Elbs hoch, um sich besser bewegen zu können. Kurz vorher hatte er noch schnell seine Hose geöffnet und nun drang er vorsichtig und langsam in Calad ein.

Dieser bog seinen Rücken erneut durch und keuchte auf. Er hatte das Gefühl zu zerreißen, denn Azanûl schien viel zu groß für ihn zu sein. Auch wenn der Alb versuchte vorsichtig zu sein, schmerzte es ungemein. Und als er vollkommen ausgefüllt war, rollte ihm eine Träne über sein schmerzverzerrtes Gesicht.

Das blieb Azanûl nicht verborgen, deshalb ließ er Calad Zeit und er hörte auf sich zu bewegen. Er küsste die Träne von dessen Wange und strich ihm zärtlich über sein Gesicht. ,,Versuch dich zu entspannen. Der Schmerz wird vergehen“, flüsterte er, obwohl ihm bald seine Selbstbeherrschung verlassen würde und sein Körper nach Befriedung schrie.

Der Dunkle hatte nicht gelogen, denn Calad fühlte tatsächlich, wie der Schmerz Stück für Stück verschwand und einem mehr oder weniger angenehmem Druck platz machte. Unwillkürlich bewegte er seine Hüften, was Azanûl zum aufstöhnen brachte.

Nun konnte er sich nicht mehr beherrschen, wenn er nicht ausbrechen wollte und dem Elb dadurch noch mehr Schmerzen zufügen wollte. Langsam bewegte er seine Hüften zurück und stieß wieder zu.

Der Blonde hielt sich an Azanûls Schultern fest und verzog wieder kurz sein Gesicht, als der Schmerz wieder kam. Doch dieser verschwand bald und ließ ein Wohlgefühl zurück. Stöhnend wand er sich unter dem Alb, was diesen anspornte, sich schneller zu bewegen. Calad drängte sich ihm entgegen und bewegte nun selbst sein Becken im Rhythmus.

Immer fester und schneller stieß der Schwarzhaarige zu und er hörte mit großer Freude das Stöhnen und Keuchen des Anderen. Und auch er selbst konnte seine Stimme nicht zurück halten und immer wieder sagte er den Namen des Elbs. Er spürte wie ihn dessen Licht auszufüllen schien.

Der Blonde krallte sich bereits in die Schultern und Arme des Dunklen und verlor beinahe seine Sinne, als er spürte, wie sein zweiter Höhepunkt nahte. Und als Azanûl kurz seine Position änderte und dadurch einen Punkt streifte, der ihn Sterne sehen ließ, war es um Calad geschehen. ,,Azanûl!“, rief er laut und ergoss sich auf seinen Bauch.

Der Alb hatte gespürt, wie sich die Muskeln um ihn immer fester zusammen zogen und als der Elb die Klippe erreicht hatte, zog er den Dunklen einfach mit sich. Mit einem heißeren Stöhnen verströmte er sich im Körper des Elbs und brach über ihm zusammen.

Schwer nach Luft ringend lagen Beide eng umschlungen auf der Lichtung. Überwältigt von ihren Gefühlen sahen sie sich an und Beide flüsterten gleichzeitig: ,,Ich liebe dich.“ Lächelnd küssten sie sich innig und trennten sich voneinander, jedoch blieben sie dicht nebeneinander liegen.

Calad lag in Azanûls Armen und sie betrachteten zusammen die Sterne am Nachthimmel. Doch plötzlich fiel ein Schatten über ihre Zweisamkeit. ,,Und wie soll es nun weitergehen?“, fragte der Alb auf einmal.

Fragend blickte ihn der Blonde an: ,,Was meinst du damit?“

,,Ich meine damit, wie es mit uns weitergehen soll. Wir entstammen den beiden Völkern, die sich einander am meisten hassen und versuchen sich gegenseitig zu vernichten. Wie sollten wir da zusammen leben können? Sollen wir uns heimlich, Nacht für Nacht, treffen und unser Leben lang bangen, den Anderen bei einem Kampf zu verlieren und zu wissen, wenn der Andere stirbt, dann durch die Hand des eigenen Volkes? Was wäre das für ein Leben? Und falls wir uns selbst irgendwann auf dem Schlachtfeld begegnen sollten, müsste einer von uns sterben, egal ob wir es wollen, oder nicht.“

Schweigend hatte Calad zugehört und die Worte seines Liebsten hatten ihn tief getroffen und nachdenklich gemacht. Nach einer Weile meinte er: ,,Wärst du etwa nicht bereit, es zumindest zu versuchen?“

,,Doch, das wäre ich“, sagte Azanûl: ,,Aber die Frage ist, wie lang wir das aushalten würden.“ Wieder breitete sich Schweigen aus, während der Alb seine Arme enger um den Blonden legte.

,,Es gäbe noch eine Möglichkeit“, sagte der Elb leise. Aufmerksam sah ihn der Dunkle an. ,,Es soll eine Gruppe geben. Sie besteht aus den unterschiedlichsten Wesen, Menschen, Zwerge, Elben und sogar Albae, so heißt es. Unter ihnen könnten wir frei leben, auch wenn das hieße, dass wir von Stadt zu Stadt reisen und ein Leben als Nomaden führen müssten.“

,,Das würde bedeuten, dass wir unser Leben hier aufgeben müssten. Für mich wäre es kein größeres Problem. Ich habe keine Familie, oder Verwandten mehr und ich bin nur ein einfacher Krieger. Doch wie steht es mit dir?“, fragte Azanûl, der den feuchten Schimmer in Calads Augen bemerkte.

Dieser schluckte kurz und sagte dann: ,,Ich würde meinen Beruf, mein Leben und meine kleine Schwester hier für dich zurück lassen, auch wenn Fae das nicht verstehen wird. Ich liebe dich und ich könnte mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen.“

,,Ich möchte aber nicht, das du deine geliebte Familie nur für mich aufgibst, mit der Befürchtung sie nie wieder zu sehen.“ Azanûl hatte sich besorgt aufgerichtet.

,,Ich möchte es aber!“, rief Calad und setzte sich dem Dunklen gegenüber. ,,Ich möchte ein freies Leben mit dir verbringen, anstatt in ständiger Angst um dich zu leben!“ Schon beinahe verzweifelt hatte er sich in die Arme des Anderen geworfen.

Azanûl hatte Angst davor, dass wenn sie nun zusammen fort gingen, Calad diese Entscheidung irgendwann bereuen würde. Sanft legte er seine Arme um den Körper seines Liebsten und er war bereit dieses Risiko einzugehen, denn nichts wünschte er sich mehr als ein Leben mit Calad zusammen.

,,Lass uns sofort aufbrechen! Umso eher wir gehen, desto mehr Zeit haben wir für uns“, bat der Elb mit leuchtenden Augen. Und als er das Nicken Azanûls, nach einer Weile sah, küsste er ihn überschwänglich.

Sie Zogen sich an, sammelten ihre Sachen zusammen und verabredeten sich für den Morgen auf der Lichtung. Zur Verabschiedung küssten sie sich lang und zärtlich und machten sich dann auf den Weg.

Der Alb packte, bei sich zu Hause, die notwendigsten Sachen, wie Essen, Kleidung, Waffen und eine Karte ein und machte sich gleich wieder auf den Weg zurück, ohne auch nur einmal zurück zu sehen.

Calad packte ebenfalls Essen, Kleidung und Waffen ein. Dann ging er in das Gemach seiner Schwester, wo er sie schlafend vorfand. Zärtlich küsste er ihre Schläfe und flüsterte: ,,Lebe wohl“, dann beeilte er sich schnell zu verschwinden. Tief durch atmend stand er in einiger Entfernung zur Baumstadt und blickte zurück. Viele wundervolle Erinnerungen verband er mit diesem Ort, denn es war schließlich seine Heimat gewesen. Trauer überkam ihn und er fing an zu zweifeln. Tue ich wirklich das Richtige, fragte er sich. Doch dann erinnerte er sich an Azanûl und an die Zeit mit ihm. Die Verbindung zwischen ihnen war stärker, als Erinnerungen aus alten Zeiten. Nie war er glücklicher gewesen, als mit diesem Alb. Calad schüttelte den Kopf, so als könnte er damit sie dunklen Gedanken vertreiben, straffte sich und ging weiter in Richtung der Lichtung.

Fast zeitgleich trafen die beiden Liebenden ein und sie standen sich eine Zeit lang nur lächelnd gegenüber. Schließlich gingen sie zusammen, dicht nebeneinander, Richtung Süden. So verließen Calad und Azanûl, gegen alle Regeln, ihre Heimat, während im Osten die Sonne aufging und die Schatten vertrieb.


Ende
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