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Manchmal sind wir zu blind das Glück vor uns zu begreifen

von HalHal
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Agron Nasir
06.07.2013
27.01.2016
7
16.201
2
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7 Reviews
Dieses Kapitel
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06.07.2013 1.702
 
Anmerkungen:

Die Geschichte lag schon eine Weile auf meinem Pc herum. Sie ist mehr oder weniger fertig. Vielleicht findet ja der ein oder andere Interesse daran, dann werde ich sie nach und nach posten. :)

Kommentare, Anmerkungen sind immer willkommen. Hoffentlich, Viel Spaß dabei.


#Agron#  I

Agron betrachtete den jungen Mann neben sich. Der 18-Jährige war blass trotz seines dunklen Teints und wirkte erschöpfter denn je. Nasirs schwarze Locken umrahmten sanft seine im Schlaf so sanft wirkenden Züge. Seine schwarzen langen Wimpern flatterten manchmal, während er hin und wieder etwas Unverständliches murmelte.

Der Deutsche überprüfte die Uhrzeit, 02:00  Uhr nachts. Allmählich überzog auch ihn ein Hauch von Müdigkeit. Er hasste er, wenn sein kleiner Freund Doppelschichten schob. Schon oft hatte er versucht ihn zu überzeugen den schlecht bezahlten Job in diesem schäbigen Fastfoodschuppen aufzugeben. Meist endeten diese Diskussionen in böse Wortgefechte, die sie beide jedes Mal bereuten. Zumindest war Nasir bei ihm eingezogen nachdem er seine Volljährigkeit erreicht hatte und aus diesem Waisenhaus ausziehen durfte.

Dies lag nun fast ein Jahr zurück und ebenso lange, dass sein jüngerer Bruder, der nur zwei Jahre älter als Nasir war, von einer Schlägerbande ausgeraubt, verprügelt und schließlich sterbend zurück gelassen wurde, ohne wenigstens einen Notruf abzusetzen. Noch immer gab er sich selbst die Schuld daran, denn Duro und er hatten einen Streit wenige Stunden zuvor, er wusste nicht einmal mehr warum, so nichtig war es. Er hatte nicht einmal mehr Zeit sich bei ihm zu entschuldigen.

In dieser schweren Zeit war Nasir das Einzige, was ihm noch am Leben hielt und was ihm Kraft gab. Der Jüngere hatte jede freie Sekunde mit ihm verbracht, seine Tränen getrocknet und ihn gehalten oder seine Schläge abgefangen, wenn er ihm den Alkohol abnehmen wollte. Eines Nachts hatte er sich so sehr gewehrt, dass er ihn versehentlich an eine Tischkante geschubst hatte, sodass  er sich eine Platzwunde an der Braue zugezogen hatte, die ihn drei Stiche und einer Menge Kopfschmerzen gekostet hatte.

Von jenem Tag an hatte der Deutsche jedoch keinen Schluck Alkohol mehr angerührt. Nasir war ihm nicht einmal böse gewesen, sondern hatte ihn wieder in Schutz genommen und war einfach nur da, was seinem damaligen Freund überhaupt nicht gefallen hatte, worauf dieser ihre zweijährige Beziehung einfach beendete. Wieder kümmerte es den Jüngeren nicht, Agron war sich nicht sicher, ob er ihm überhaupt eine Träne nachgeweint hatte.

Agron kannte den Syrer seit Duro und er mit 12 und 8 in dieses kirchliche Waisenhaus für Jungen kamen, nach dem Tod ihrer Eltern. Der Dunkelblonde erinnerte sich noch immer an diesen kleinen, zierlichen, schwarzhaarigen Jungen mit den riesigen schokobraunen traurigen Augen, der einsam in einer Ecke saß und leise vor sich hin weinte, da ihn wieder einmal die großen Jungen geärgert hatten, Ashur und Quin, ein Syrer und Italiener (behauptete er jedenfalls beharrlich).

Duro hatte ihn aufmerksam gemacht auf den Kleinen und fragte seinen größeren Bruder, warum der fremde Junge weinte. Duros Herz war stets groß und schloss jeden sofort darin ein, im Gegenteil zu Agron, der stets misstrauisch anderen gegenüber war und vorsichtig, einfach auch, weil er Duro beschützen wollte. Doch dieser kleine Junge erweichte ihn und weckte etwas in ihm, was er sonst nur für seinen Bruder empfand. Schnell hatten sich Duro und Nasir angefreundet, was den schüchternen Jungen langsam veränderte. Agron gegenüber war er stets schüchtern und vorsichtig, da er schon damals so groß war und eine etwas grimmige Miene trug.

Erst als er dem Jungen seine sanftestes und breitestes Lächeln gezeigt hatte, taute der kleine Syrer schließlich auf und lernte ihm über die Zeit immer mehr zu vertrauen, bis die drei Jungs schließlich unzertrennlich wurden, wie drei Brüder mit einer eigenen kleinen Familie. Manchmal fühlte sich Agron wie ein Vater für die beiden, die er über alles liebte.

So überstanden sie die oftmals nicht leichte Zeit im Waisenhaus. Als Agron seine Volljährigkeit erreicht hatte, durfte er schließlich eine eigene Wohnung beziehen. Fortan versuchte er das Sorgerecht für seine beiden Brüder zu bekommen, jedoch bekam er es nur für seinen leiblichen Bruder, sodass Nasir hätte allein zurückbleiben müssen im Waisenhaus, also hatte Duro sich entschieden bei ihm zu bleiben, was wieder typisch war für seinen großherzigen Bruder.

Agron arbeitete so viel er konnte und legte jeden Cent den er hatte in all den Jahren zur Seite, die er hart erarbeitete in zahlreichen harten und undankbaren Jobs. Sein Ziel war es genug Geld aufzutreiben für Duro und Nasir um wenigstens ihnen einen Platz auf dem College bezahlen zu können. Er selbst hatte inzwischen eine Ausbildung in einem Sicherheitsunternehmen abgeschlossen und verdiente nun genug Geld um sich eine etwas größere Wohnung in der Innenstadt leisten zu können, in der er und Nasir genug Platz hatten.

Doch der Kleine wehrte sich vehement auch nur einen Cent von ihm anzunehmen, zu stur und zu stolz waren seine beiden Zweitnamen. Einerseits konnte Agron es verstehen, da er einfach beweisen wollte, wie groß er wirklich war. Dennoch wollte er nicht, dass sich sein kleiner Mann, wie Duro und er ihn immer genannt hatten ( was der Jüngere hasste), sich kaputt arbeitete, wenn er es hätte einfacher haben können, schließlich, so war Agron überzeugt, schuldete er ihm dies einfach, da er den Kleinen in den Letzten Monaten oft wie Scheiße behandelt hatte und sogar seinen Geliebten verloren hatte an ihn.

Agron wollte einfach nur alles richtig machen und ihm die Familie bieten, die er nie hatte. Auch wenn Nasir sich stets als stark und unbrechbar gab, wusste er, dass der Jüngere leichter zu verletzen war, als er zugab. Er hatte nie geweint um Duro, obwohl er ihn genauso geliebt hatte wie einen Bruder, entweder lag es an seiner Mentalität, Trauer nicht offen zu zeigen. Agron hingegen war das komplette Gegenteil, seine Gefühle sprudelten oft unkontrolliert aus ihm heraus, egal ob Freude, Leid oder Wut. Damals hatten Nasir und Duro ihn oft gemeinsam ausbremsen müssen, jetzt musste der Jüngere ihn allein ertragen.

Der Ältere lächelte sanft und fuhr ihm sanft durchs Haar, das sich stets so weich und fest zugleich anfühlte. Nasir drehte leicht den Kopf und schmiegte sich in die Berührung, sodass er nun seine Wange berührte. Der Deutsche verweilte einen Augenblick und rutschte schließlich von der Couch um den Jüngeren in sein Bett zu tragen, wie er es inzwischen fast jede Nacht tat.

Instinktiv schlang der Syrer seine Arme um seinen Hals und schmiegte sich in seine Halsbeuge, wo er leise tief einatmete, doch diesmal wanderte er im Schlaf seine Lippen sanft über seine Kehle, als wenn er sich in sein Kissen kuscheln wollte. Agron schluckte, als ihm ein wohliger Schauer über den Rücken jagte, wofür er sich hasste, doch jedes Mal, wenn der Kleine ihn auf diese Weise berührte, begann sein Puls zu rasen und sein Herz sich zu verkrampfen. In den letzten Monaten war dieses Gefühl immer schlimmer geworden. Immer öfter erwischte er sich dabei, wie er den Jüngeren öfter berührte, als nötig oder länger in seine Augen blickte, als sonst, stets hoffend, dass der andere keinen Verdacht schöpfen würde.

Jedoch machte er es ihm auch nicht gerade leicht in diesen Momenten, besonders, wenn er müde war, wurde er manchmal anhänglich wie eine Katze und schmiegte sich abends auf der Couch  an ihn und schlief in dieser Position ein.
Agrons Gefühle spielten in jenem Moment verrückt, sodass er sich manchmal spontan kalt abduschen ging und seinem Verstand klar machte, dass der Syrer nicht nur acht Jahre jünger war, sondern auch noch sein bester Freund und sein kleiner Bruder war.

Auch wenn der Kleine in Bars von anderen Typen angetanzt wurde, musste er sich arg zusammenreißen, was inzwischen auch seinen Kumpels aufgefallen war und sie ihn manchmal damit aufzogen, dass er sich wie eine Glucke verhielt.

Seufzend legte er den Jüngeren in sein Bett und wollte sich leise von ihm lösen, doch der Syrer umklammerte ihn nahezu verzweifelt, sodass Agron überrascht sein Gleichgewicht verlor und neben ihm auf das Bett sank. Nasir umschlang seine Taille und presste sein Gesicht gegen seine breite Brust.
„Nich…weg…bitte…“, wisperte er kaum verständlich im Schlaf.
Agron lächelte traurig, da er wusste, dass der Jüngere scheinbar wieder von seiner Kindheit träumte, von den wenigen Momenten, an die er sich vor dem Waisenhaus noch erinnerte.
Er hatte ihm nie viel davon erzählt, ob er sich an etwas erinnerte und an wie viel, wusste er nicht, nur dass er dann manchmal Minutenlang aus dem Fenster starrte, nach diesen Träumen.

Manchmal hörte man leise traurige Wortfetzen in seiner Muttersprache.

„Nich… geh’n…bitte…“, wisperte Nasir wieder und umklammerte ihn etwas fester.
„Ich bin bei dir, schlaf jetzt Nasir.“, flüsterte Agron und küsste ihn sanft auf die Stirn, um ihn ein wenig zu beruhigen.
„Hab dich lieb…“, erwiderte Nasir leise und lehnte sich plötzlich nach vorn und berührte sanft mit seinen eigenen Lippen die des Älteren und küsste ihn zärtlich zurück, während seine Hand langsam über seine Brust zu seinem Herzen fuhr und sanft durch den dünnen Baumwollstoff über seine Narbe strich, ein Überbleibsel der Nacht in der sie ihre Eltern verloren hatten. Noch immer kribbelte sie manchmal, wenn er an den Handlangen Metallsplitter dachte, der sich bei dem Autounfall in seine Brust gebohrt hatte.

Noch verweilten Nasirs unglaublich süße und unbeschreiblich weiche Lippen auf seinen und bewegten sich reizend gegen ihn. Er keuchte erschrocken und wich etwas zurück, indem er den Kopf zur Seite abdrehte, wobei Nasir ein enttäuschtes Seufzen entwich.
Agron schluckte und musste seinen ungleichmäßigen Atem wieder unter Kontrolle bringen.
Dieses Gefühl war beängstigend und überwältigend zugleich, welches Nasir durch diese simple Berührung in ihm ausgelöst hatte.

Zu seiner Erleichterung beließ es der Syrer dabei, schmiegte sich nun nur noch zufrieden an seinen wärmenden Freund und vergrub sein Gesicht in dessen Halsbeuge.

Agron war verwirrt, wie vom Blitz getroffen, sein Herz hämmerte völlig unkontrolliert gegen seine Brust. Seine Sinne gerieten ihm ebenfalls außer Kontrolle, schlicht durch den Geruch seines besten Freundes, den er liebte wie einen Bruder und dem Gefühl ihn in den Armen zu halten, auch wenn er es schon so oft getan hatte. Dieses Mal war es anders, tief in ihm drin war nun endgültig etwas erwacht, was in all den Jahren heimlich gewachsen sein musste und nun an die Oberfläche wollte, um seine Fänge in sein Herz zu bohren.
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