Glück im unglück - Colin Morgan Love Story

von Liliy
GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
03.07.2013
06.11.2013
12
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Kapitel 1




„Und wenn etwas ist, ruf an!", mahnte mich meine Mutter ernst. Ich verdrehte genervt meine Augen und pustete eine Haarsträhne aus meinem Gesicht. Na gut… Cardiff gehörte jetzt nicht wirklich zu dem sichersten Teil Englands, aber immerhin war ich schon 21 Jahre alt und konnte mich verteidigen, oder? „Ja, ja sicher, Mama", wehrte ich ab und schob sie sanft zur Tür. „Und denk daran jeden Abend die Tür abzuschließen… Und wenn du raus gehst, dann sieh nach ob alle Fenster zu sind", redete sie weiter. „Mein Gott, ihr seid doch nur 3 Tage weg!" „Es kann immer mal etwas passieren." Daraufhin gab sie mir einen Kuss auf die Stirn. Ich warf ihr ein leichtes Lächeln zu.
Im nächsten Moment ertönte die raue Stimme meines Vaters von draußen, der schon die Koffer in das Auto geladen hatte: „WO BLEIBST DU DENN, SCHATZ?!" „ICH KOMME!", rief sie und wendete sich wieder mir zu: „Sei schön artig, Liebling." „Bin ich doch immer", meinte ich lässig und zuckte mit den Achseln. „Ich habe dich lieb."
„Ich dich auch." Nach diesem Satz verschwand sie aus unserem Haus und eilte zum Auto. Sie schwang sich hinein und knallte die Tür zu. Gleich danach fuhr mein Vater los und sie verschwanden aus meinem Blickfeld. Ich grinste noch zufrieden hinterher.
Dann verzog ich mich wieder ins Haus. „3 Tage keine Eltern, keine Pflichten, keine Regeln", trällerte ich vor mich hin und ging sogleich hinunter in den Keller, um eine Tiefkühlpizza aus dem Gefrierschrank zu nehmen. Denn kochen gehörte nicht sonderlich zu meinen Stärken. Während die Pizza im Ofen backte, ging ich nach oben in das Schlafzimmer meiner Eltern. Neben ihrem Bett stand ein Baseballschläger. Diesen hatte meine Mutter dort hingestellt, falls wirklich mal ein Einbrecher im Haus sein sollte. Ich nahm in an mich und stellte ihn neben unsere Haustür. Nach ein paar Minuten genoss ich dann gemütlich mein Abendessen vor dem Fernseher.
Das war das letzte, an das ich mich später noch erinnern konnte..  

Schlagartig öffnete ich meine Augen. Etwas hatte gescheppert.
Mein Herz begann aufgeregt zu schlagen. Blitzschnell saß ich aufrecht in meinem Bett und lauschte. Waren wirklich Schritte zu hören, oder bildete ich mir das nur ein? Erst wollte ich mich wieder schlafen legen, doch ich zögerte. Mir fiel ein, dass ich den Baseballschläger neben die Haustür gestellt hatte, also momentan unerreichbar für mich. So ein Mist! Wieso hatte ich das bloß getan? Ich musste mir eine andere Waffe suchen, also sah ich auf die Fensterbank. Das Einzige, was mir nützlich erschien war die Taschenlampe. Ich stand leise auf und umklammerte sie nervös. Lautlos schlich ich aus meinem Zimmer heraus.
Verdammt, warum hätten wir uns keinen Hund oder so anschaffen können? Der würde schließlich Alarm schlagen! Als erstes kam ich an dem Badezimmer vorbei. Vorsichtig spähte ich hinein.
Keiner war zu sehen. Das Fenster war auch verschlossen, also ging ich weiter. Ich fasste spontan den Entschluss mich erst einmal besser zu „bewaffnen". Immer noch mit der Taschenlampe in der Hand ging ich in den Flur, doch als ich neben die Haustür blickte erstarrte ich. Ich hatte das Gefühl nicht atmen zu können.
Der Schläger…. Er war weg! Nun bekam ich es mit der nackten Angst zu tun. Meine Atmung wurde schneller und schneller und immer schneller. Heiße Tränen rannen mir über die Wangen.
Ich spürte wie pure Verzweifelung mich ergriff. Was nun? Plötzlich sah ich etwas Schwarzes aus dem Augenwinkel und ließ einen grellen Schrei los. Dann spürte ich, wie mir etwas Schweres auf den Kopf geschlagen wurde und ich fiel zu Boden. Der Aufprall war hart, doch um mich herum wurde in dem Moment sowieso alles schwarz.

Mein Kopf dröhnte. Und wie er dröhnte! Langsam öffnete ich die Augen, um mich zu orientieren. Erst war alles ganz verschwommen, doch dann wurde es langsam klar. Ich realisierte, dass ich auf dem Boden lag, doch wo war ich? Und noch viel dringender und schlimmer war: WER war ich überhaupt? Ich dachte angestrengt nach, was meine Kopfschmerzen noch verschlimmerte, konnte mich aber an nichts erinnern. Plötzlich fiel mir ein Mann ins Auge.
Er saß auf einem Ledersessel vor einem größeren Tisch und rauchte eine Zigarre. Ich wollte aufstehen und zu ihm gehen, bemerkte aber dabei, dass meine Hände hinter dem Rücken gefesselt waren.
Ein leises Wimmern drang aus meiner Kehle, welches die Aufmerksamkeit des Mannes auf mich zog. Er fing an zu lächeln. Dann nahm er noch einen Zug seiner Zigarre, erhob sich und kam langsam auf mich zu. Immer noch grinsend beugte er sich über mich und musterte mich erst einmal genau. „Auch schon wach? Wie schön", raunte er mit dunkler und rauer Stimme. Mir fiel auf, dass er einen Akzent hatte. Vielleicht irisch? „Wo… wo bin ich?", brachte ich hervor und starrte zu dem Mann hoch. „Im schönen Irland, meine Liebe." „Was wollen Sie von mir?" Der Mann wendete sich von mir ab und ging aus meinem Blickfeld. Nach wenigen Augenblicken tauchte er, mit einer Wasserflasche in der Hand wieder vor mir auf.
Er  zog mich grob auf die Knie, damit ich mich so niederlassen konnte. Dann öffnete er die Flasche und drückte sie mir unsanft an die Lippen. Ich trank so schnell ich konnte, denn er kippte das Wasser fiel zu schnell, sodass etwas an den Seiten hinunterlief. „Nun von dir will ich gar nichts", antwortete er schließlich, „Aber von deinen Eltern. Sie sollten für ihr geliebtes Töchterchen eine große Summe abgeben, wenn sie sie lebend wieder haben wollen." Er stellte die Flasche zur Seite und entfernte sich wieder ein paar Schritte von mir .Mir wurde bewusst, dass ich mich selbst an meine eigenen Eltern nicht erinnern konnte. Ich dachte, dass es jetzt besser wäre nichts zu sagen, also schwieg ich und sah betrübt zu Boden.
Der Mann wendete sich von mir ab. „Ich bin gleich wieder da. Und wage es ja nicht irgendetwas zu unternehmen um zu fliehen. Glaube mir, du würdest es bitter bereuen!", zischte er und verschwand daraufhin in einem der angrenzenden Räume.

Augenblicklich sah ich mich nach einem spitzen Gegenstand um, damit ich die Fesseln durchschneiden konnte.
Doch war es weise einen Fluchtversuch zu unternehmen? Ja, dachte ich. Es war besser, als von einem wahnsinnigen Trottel festgehalten zu werden. Wer wusste, ob er mich nicht doch umbringen würde wenn er hatte was er wollte? Mein Blick fiel auf den Tisch.
Vielleicht hatte ich Glück und würde darauf eine Schere oder irgendetwas finden. Verzweifelt und mit großer Mühe kämpfte ich mich auf die Beine und taumelte, vom Überlebensinstinkt gesteuert, auf den Tisch zu. Ich suchte die große Platte mit den Augen ab und entdeckte sogleich einen Zirkel. Keine Schere oder Messer, nur ein einfacher Zirkel, aber immerhin besser als nichts. 
Vorsichtig zog ich ihn mit meinem Kinn an den Rand und drehte mich dann um, damit ich ihn mit den Händen fassen konnte.
Es schien Stunden zu dauern, bis ich endlich das dünne Seil durchgeschnitten hatte, aber schließlich atmete ich erleichtert aus, als es nicht mehr in meine Fleisch schnitt. Jetzt musste ich nur noch so schnell wie möglich hier heraus kommen… So leise ich konnte schlich ich aus dem Raum und in einen langen Flur.  
Am Ende war eine Tür, die einer einfachen Haustür glich, also ging ich zu ihr und öffnete sie. Glücklicherweise war sie nicht verschlossen. Blitzschnell rannte ich hinaus und atmete die frische Luft ein.
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