Der Chef / Ironside: Die Farbe des Todes

GeschichteDrama, Krimi / P12
03.07.2013
15.07.2013
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Der Chef / Ironside: Die Farbe des Todes

Diese Geschichte spielt zwischen Pilotfilm und Season 1, Sommer 1967

Ironside und sein Team:
Chef Robert T. Ironside, der ehemalige „Chief of detectives” in San Francisco, wurde durch eine Kugel Paraplegiker. Er arbeitet jetzt als Berater direkt für den Polizeichef. Er wohnt und arbeitet im Dachgeschoss des Polizei-Hauptquartiers und benützt einen umgebauten Mannschaftswagen als Einsatzfahrzeug. Er ist brummig, bärbeissig und brillant.
Det. Sgt. Ed Brown, ein Vietnam-Veteran, ist seine rechte Hand. Er ist immer höflich und korrekt und oft Ziel seines Ärgers.
Officer Eve Whitfield ist eine Millionärstochter und Polizistin aus Leidenschaft.
Mark Sanger, der afro-amerikanischer Ex-Sträfling und jetzt Ironsides Helfer, wohnt bei ihm. Er holt den Schulabschluss nach und wird später Jus studieren.


Kapitel 1
Sonntag

Das kleine Flugzeug legte sich in eine Steilkurve und drohte abzustürzen. Mit einer raschen Bewegung nahm Bill Frazer seinem Stiefsohn die Fernsteuerung aus den Händen und brachte das Modell wieder auf einen sicheren Kurs.
„Tolle Reaktion!” lobte Ed Brown.
„Sieht so aus, als sei ich immer noch für alle möglichen Rettungsaktionen zuständig”, lachte Bill. Er spielte dabei auf den Beginn ihrer Freundschaft an, als er den kleinen Eddie vor ein paar grossen Raufbolden ‚gerettet‘ hatte.
Geschickt landete er das Modell.
„Hört mal, Jungs”, wandte er sich an seine Stiefsöhne Eric und Jamie, „jetzt machen wir aber mal eine Pause. Ist das ok für euch?“
Die Jungen waren gut erzogen und widersprachen nicht: Ihr neuer Stiefvater und sein Freund hatten jetzt mehr als drei Stunden mit ihnen gespielt.
Betty, ihre hübsche, blonde Mutter, stand auf von der Decke, auf der sie sich hatte braun brennen lassen, und zwar viel länger als sie sich hätte träumen lassen. Mit einem raschen Kuss zeigte sie Bill, dass sie ganz mit ihm einverstanden war. „Klar doch. Los, geniesst es!”

Ed und Bill tauschten alte Erinnerungen aus ihrer Kindheit aus, während sie den Bergwald durchstreiften. Sie kannten einander, seit Ed in der ersten und Bill in der fünften Klasse gewesen war. Inzwischen war der schlaksige Ed seinem ‚grossen‘, starken Freund längst über den Kopf gewachsen, aber der Respekt, den sie trotz des Altersunterschiedes von Anfang an vor einander gehabt hatten, war unverändert geblieben – oder sogar seit den Schultagen noch gewachsen.
Die zwei Männer verstummten, und jeder schien in seine eigenen Gedanken versunken zu sein.
Vor ein paar Monaten hatte Bill Betty geheiratet, eine junge Witwe, die zwei Jahre älter war als er selber, und er hatte ihre beiden elf- und neunjährigen Söhne adoptiert.
Bill brach das Schweigen.
„Ich könnte mich fast selber beneiden. Solch eine Familie zu haben ist ein Geschenk Gottes.”
Ed lächelte. „Danke, dass du sie heute mit mir teilst. Betty ist eine einmalige Köchin, und du hast zwei grossartige Kinder. Ich habe dieses Picknick sehr genossen, und dieser Ort ist so still und friedlich…“ Seine Stimme verlor sich, während er die Schönheit der Landschaft in sich aufnahm. Was für ein Kontrast zu seinem hektischen Polizistenleben in San Francisco!

Als sie zurück zu ihrem Picknickplatz kamen, Bills und Bettys „Geheimplatz”, war er verlassen.
„Betty, Eric, Jamie – wo seid ihr?” rief Bill.
Ed folgte der Spur abgebrochener Zweige und Blätter durch das Unterholz, dann hörte er Jamies hohe Kinderstimme: „Da sind wir!“
Die Männer folgten seiner Stimme. Sie sahen Eric auf dem Boden knien, neben dem abgestürzten Modellflugzeug.
Betty schaute traurig drein. „Bill – es tut mir so leid. Ich habe nicht aufgepasst. Die Buben versuchten, das Flugzeug allein zu fliegen, und jetzt ist es kaputt.“
Bill kauerte auch nieder. Er versuchte, den Schaden abzuschätzen. „Vielleicht können wir es flicken… aber… sag mal, warum ist alles nass hier herum? Es hat doch während Wochen nicht geregnet, und ich sehe keinen Bach…“
Er schaute sich um. Sein Blick blieb an Ed hängen, der aussah, als ob er einem Geist begegnet wäre: Sein Gesicht hatte alle Farbe verloren und seine Augen waren vor Schreck geweitet.
Dieser Anblick passte überhaupt nicht zu dem mutigen kleinen Jungen, den er vor vielen Jahren kennengelernt hatte, und erst recht nicht zu dem unerschrockenen ‚Marine‘ und Polizisten, zu dem sein Freund herangewachsen war.
„Ed, was ist denn los mit dir?”
Ed wusste, warum der Boden nass war. Nur zu gut kannte er den schwachen Geruch in der Luft, und er wusste, warum die Blätter der Büsche welk herunterhingen. Ein Sturm von Bildern ging durch seinen Kopf: Schüsse – brennende Häuser – rennende und schreiende Menschen – der durchdringende Schmerz in seinem Rücken, wo der Granatsplitter ihn getroffen und seine militärische Karriere beendet hatte… und, vielleicht das Schlimmste von allem…
„Bill – lass das Modell. Komm, wir gehen sofort heim. Bitte.“ Obwohl Ed ganz ruhig gesprochen hatte, entging Bill die Dringlichkeit in seiner Stimme nicht.
„Betty, Jungs, los, wir tun, was Ed sagt.” Damit hob er Jamie vom Boden auf und trug ihn zurück zum Picknickplatz. Die anderen folgten, Ed zuhinterst.

Während sie rasch alles in Bills Chevy packten, was sie für das Picknick gebraucht hatten, nahm Jamie seinen Stiefvater an der Hand und fragte: „Daddy, bist du böse auf uns wegen des Flugzeugs?“
Bill hielt inne, liess sich auf ein Knie hinunter und legte seinen Arm um die Schultern des Kleinen. „Nein Jamie, mach dir keine Sorgen. Es ist etwas ganz anderes.” Er wusste zwar nicht genau, was ‚es‘ war, aber Ed würde es ihm noch früh genug sagen.

Aber als sie vor dem Haus der Frazers anhielten, sagte Ed lediglich: „Bitte, nehmt alle eine lange Dusche. Wechselt eure Kleider. Steckt alles in die Waschmaschine, auch die Turnschuhe der Jungen, und reinigt auch eure eigenen Schuhe.”
Damit drehte er sich um und wollte gehen.
Bill wusste genau, dass Ed kein Theater um nichts machen würde, deshalb nahm er seinen Rat ernst. Aber er verstand ihn immer noch nicht.
„Warum, Ed?“ fragte er.
„Diese Nässe, die wir dort oben angetroffen haben, könnte gefährlich sein. Ich glaube, das war ein Herbizid und Entlaubungsmittel, das wir in Vietnam einsetzten: ‘Agent Orange’.”
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