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Life is a Game made for everyone and Love is the Prize

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Charles Pic Jean-Éric Vergne Kimi Räikkönen Max Chilton Romain Grosjean Sebastian Vettel
02.07.2013
25.07.2014
54
232.189
20
Alle Kapitel
547 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
02.07.2013 3.157
 
A/N: Danke an Balalaika, Canastas Phi, Madrilena, livelovelaugh, Evening Star, Silvana, Tracy89, Nathi (3x!), Tiefseentraum und ShadowOfTheDay.

Und auch zu diesem Kapitel gibt es wieder einen Soundtrack: Hey Porsche – Nelly




Kapitel 19 – Streitgespräche, Wetten und White Russian


Kimis POV

Kein Sieg, nur ein dritter Platz. Mehr war nicht drin und ich bin nicht zufrieden, obwohl das Ergebnis ein gutes ist mit Romain auf vier. Zumindest fürs Team, das kann man nicht anders sagen. Doch mir persönlich… mir wäre ein Sieg lieber gewesen. Deshalb bin ich auch froh, als ich meinen Pflichtteil erledigt habe und gehen kann, später als gewöhnlich, später als Romain und unendlich froh, dass der Medienrummel für heute ein Ende hat.
Mark und ich kommen genau in dem Moment am Williams-Motorhome vorbei, als Lindström es zusammen mit seinem Physio verlässt. Es wundert mich ein wenig, dass er ebenfalls so spät dran ist. Das deckt sich nicht unbedingt mit Valtteris Aussage. Aber die war stellenweise sowieso etwas seltsam. Ich hätte das vielleicht anders angehen sollen. Naja, dann eben jetzt. Es ist nicht schwer, Lindström einzuholen. Er scheint es nicht besonders eilig zu haben.

„Hei“, sage ich, als ich aufgeschlossen habe. Er kann ja offenbar genug Finnisch, um Valtteri verstanden zu haben, also…

Er wirft mir einen kurzen Blick zu. „Hi.“ Eindeutig Englisch, hört sich aber halbwegs neutral an.

„Und bist du zufrieden mit deinem zweiten Rennen?“ Nicht unbedingt der beste Einleitungssatz für ein Gespräch, aber nach dem Crash in Japan eigentlich eine berechtigte Frage.

Wieder sieht er mich an, diesmal länger. Diese rote Sonnenbrille ist vielleicht ein klein wenig zu viel für seinen Teint, doch das wurmt mich nicht so sehr wie die Tatsache, dass ich hinter den verspiegelten Gläsern seine Augen nicht sehen kann. Dafür aber, wie seine rechte Braue sich leicht hebt.

„Weißt du“, beginnt er dann auf Englisch, „es gibt noch neunzehn andere Fahrer, die du über mich ausfragen kannst, also tu das und lass mich in Ruhe. Hast du ja offenbar schon Übung drin.“  
Er sagt das so ruhig und abgeklärt, wie er dem Medienvertreter auf der Pressekonferenz die Gegenfrage präsentiert hat, und ich weiß im ersten Augenblick nicht, wie ich darauf reagieren soll. Und dann ist es zu spät. Lindström schlägt ein schnelleres Schritttempo an und hat bereits Abstand zwischen uns gebracht, als sich meine Überraschung wieder legt.

«Du kör, Joakim», höre ich ihn noch zu seinem Physio sagen, dann mache ich mit Absicht deutlich langsamer, lasse den Abstand noch größer werden. Das ging mal gründlich daneben.

*** ~~~ ***


Runes POV

Okay, das ist also der Club… Mir ist schon wieder etwas flau im Magen, als ich aus dem Taxi steige. Diesmal konnte ich mich nicht vorm Feiern drücken. Ich hab gesagt, ich komme und da bin ich. Max und Jules sind schon da und warten. Max’ Lachen ist nicht zu überhören und ich kann nicht umhin, ihn für seine gute Laune zu bewundern, denn sie sieht nicht einmal nach Galgenhumor aus.

„Hi Vogel!“ Seine Begeisterung ist unmissverständlich, trotzdem begrüße ich Jules zuerst mit Handschlag, nur um gleich darauf festzustellen, dass das bei Max unnötig ist. Er hat mir längst wieder den Arm um die Schultern gelegt.

„Ich freue mich auch, dich zu sehen, Bambi“, sage ich leise und muss lächeln, obwohl mir eigentlich immer noch nicht danach zumute ist. In meinem Bauch haben sich Wut und Enttäuschung festgefressen. Daran hat die positive Stimmung während des Briefings genauso wenig geändert wie Andrews leises Lob und zufriedenes Schulterklopfen. Ich hätte es besser machen können, aber habe es vergeigt. Daran ist nichts schön oder gut. Punkt.

„Mann, Rune, ich dachte, du warst letzte Woche beim Augenarzt. Ich hab keine Bambiaugen“, protestiert Max prompt.

Wir sehen uns an. Seine Augen sind hinter der schwarzen Sonnenbrille nicht zu sehen, meine hinter der roten auch nicht. Doch ich weiß genau, dass Max eigentlich keine Bambiaugen hat. Wenn er überhaupt die Augen von irgendjemandem hat… Wenn ich sagen sollte, wessen Augen seine ähneln, dann… ja, dann müsste ich sagen, sie ähneln Kimis. Farbe und Form stimmen ziemlich überein. Kimi Räikkönen… Ich beiße mir von innen auf die Lippe. Arsch! Was denkt der sich eigentlich? Dass er so tun kann, als hätte es den Zwischenfall bei der Fahrerparade nie gegeben? Für wen hält der sich?!
Max beugt sich ein Stück zu mir runter – er ist immer noch gute fünf Zentimeter größer – und flüstert: „White Russian wie immer?“

„Ja“, antworte ich sofort und ignoriere meine Bedenken, mich zu betrinken. Gegen einen ist nichts einzuwenden, außerdem sollte ich jetzt trinkfester sein. Und ich mag den Geschmack von Sahne und Kaffeelikör. Aber ich hatte bisher viel zu selten Gelegenheit White Russian zu trinken. Wenn ich selbst einen gemacht habe, dann meist für Kunden. Und in allen Fällen musste ich aufpassen, wenn ich mich gebückt habe, um Sahne oder Milch aus dem Kühlschrank zu nehmen, denn für Joakim war das jedes Mal wie eine Aufforderung, mir an den Po zu fassen.

„Könnt ihr bitte aufhören, euch so schwul in die Augen zu starren? Ich krieg gleich einen Zuckerschock!“

Wir schrecken auf und sehen Jules an, der jetzt erleichtert seufzt: „Endlich. Irgendwann verhaften die euch noch mal.“

„Ach was, wir sehen aus wie Brüder, das ist harmlos“, kontert Max lachend, „Bisher hat noch jeder geglaubt, ich würde auf den Vogel aufpassen.“

Ich ergänze kichernd: „Wenn der Vogel Flügel kriegt, wird’s das Bambi aber schwer ha- “

Jules’ Smartphone würgt mich urplötzlich ab, als es Hey Porsche von Nelly anstimmt. Kopfschüttelnd zieht er es hervor und lässt es mit einer Berührung verstummen, aber ich bekomme einen Lachanfall, als im folgenden Telefonat Jean-Érics Name fällt. Das ist der Klingelton, den er für ihn hat? Ausgerechnet dies Lied? Das gibt’s nicht! Ausgerechnet dieses doppeldeutige Lied, bei dem man nie genau weiß, ob nun das Auto oder das Mädchen tiefer gelegt wird!

„Wenn du fertig bist, Rune, können wir reingehen“, meint Jules, nachdem er aufgelegt hat, „Jean sagt, er kommt später, weil er noch auf Daniel warten muss. Und Esteban hat sich bei ihm gemeldet und gesagt, er und Robin brauchen auch länger.“

„Warum will er Daniel mitbringen?“ Max klingt genervt. „Letztes Mal hat der die Stimmung doch voll ruiniert.“

„Ach komm, Max, heute ist Perez nicht mitgefahren, das könnte glatt auszuhalten sein mit ihm.“

Etwas unwillig zuckt Max die Achseln. „Ja, werden wir dann sehen.“

***


Mein Nacken schmerzt. So bequem diese Ledersitzmöbel auch sind, für den Abend nach einem Rennen sind sie offenbar nur geringfügig geeignet. Max neben mir scheint das aber nicht zu stören. Er findet die Höhe der Rückenlehne scheinbar ideal, hat den Arm darauf und damit auch wieder einigermaßen um meine Schultern gelegt, sodass ich das Gefühl langsam nicht mehr loswerde, dass es eine Macke von ihm ist. Mehr werde ich da nicht hinein interpretieren. Immerhin schwärmt er so sehr von Chloé, seiner Freundin, und hat vorhin gemeint, wir würden aussehen wie Brüder. Nun, er hat einen Bruder, einen sechs Jahre älteren, um genau zu sein. Also kann man durchaus sagen, er weiß, wovon er spricht.

Sprechen musste ich noch nicht. Jules, Jean und Robin sorgen für genug Unterhaltung. Daniel neben Jean schweigt sich aus und wirkt irgendwie fehlplatziert in dieser Runde. Noch mehr als Esteban mir gegenüber, der sich an seine Cola klammert, als sei sie ein Rettungsring. Sein Rennen lief noch schlechter als meins. Ausgeschieden mit Getriebeschaden, das ist ganz sicher frustrierender als den Teamkollegen nicht geschlagen zu haben. Aber er hat die Bambiaugen, die ich Max angedichtet habe. Groß, braun, unschuldig und absolut anbetungswürdig. Eigentlich müsste er Verehrerinnen ohne Ende haben, Verehrer wären auch drin und ich muss zugeben, wenn ich auf der Suche nach einem One Night Stand wäre, bei Esteban würde ich’s glatt mal probieren. Aber ich bin nicht auf der Suche und habe genauso wenig vor, irgendwas mit einem Arbeitskollegen anzufangen. Wenigstens so lange nicht, wie ich Arbeit und Privatleben noch nicht voll unter Kontrolle habe und bis dahin wird es noch eine Weile dauern.

„Rune!“ Max wedelt mir mit der Hand vor dem Gesicht herum, reißt mich von Estebans Anblick los.

„Ja?“

„Wir sind fertig damit, Jules zu deprimieren, jetzt bist du dran mit Rede und Antwort stehen.“

„Was?“, frage ich verwirrt. Ich will nicht wieder Wahrheit oder Wahrheit spielen. Die Fragen waren total bescheuert, nicht pervers oder so, sondern einfach nur bescheuert.

„Ja“, kommt’s von Jean, „Erzähl uns mal, was du zu Valtteri gesagt hast.“

„Ich hab mich für die Infos bedankt“, antworte ich unsicher.

„Was für Infos? Hast du etwa verstanden, was er Kimi da erzählt hat?“ Max sieht mich an, als hätte ich eben behauptet, er sei grün.

„Ja, hab ich“, räume ich ein. Röte schießt mir in die Wangen. Ich bin so ein Idiot! Aber eigentlich kein Wunder, dass ich in dem Moment vergessen habe, dass ich in diesem Universum kein Finnisch kann. Ich habe einfach Rot gesehen.

„Rune, du verarscht uns doch“, mischt sich Jules nun ein, „Erst Deutsch in Japan und jetzt Finnisch! Warum hast du das nie erzählt?“

Hilflos zucke ich mit den Schultern. „Weiß nicht, kam mir nicht so wichtig vor und, naja, also -“

„Lass ihn, Jules“, geht Max dazwischen, „So ’n paar Geheimnisse haben wir doch alle. Mich würde aber mal interessieren, was Valtteri gesagt hat.“ Erwartungsvoll sieht er mich an. Ich schlucke schwer und würde am liebsten schweigen, nippe zum Hinauszögern noch mal an meinem White Russian. Sahne, Kaffeegeschmack und scharfer Alkohol fluten meinen Mund, erst kalt, dann warm und prickelnd im Hals. Doch davon fällt mir eine Antwort auch nicht leichter und ich beginne wieder zu stammeln:

„Naja, dass ich… also, ich sei ein schlechter Teamkollege, nicht professionell und… und… und dürfe nur fahren, weil da Geld -“

„Oh mein Gott, das schon wieder!“, fährt Max mir über den Mund. Er klingt aufgebracht. „Immer dasselbe! Kann er nicht einfach mal die Klappe halten? Der hat doch gar keine Ahnung!“

Jules nickt zustimmend: „Das ist totaler Blödsinn! Als ob Williams ein Finanzproblem hätte.“ Er schiebt ein abfälliges Schnauben dazwischen. „Das kann doch keiner ernstnehmen, der noch alle Tassen im Schrank hat.“

„Echt nicht.“ Robin schüttelt den Kopf. „Aber wen wundert’s? Der hängt ja auch mit Perez rum.“

„Ey, müsst ihr dauernd auf den beiden rumhacken?“, mischt sich Daniel zum ersten Mal an diesem Abend ein. „Sergio hat die Quittung doch gekriegt und Valtteri -“

„Der nicht!“, fährt Robin ihm über den Mund, „Und mal ehrlich, man lästert nicht über Kollegen – also nicht, wenn sie danebenstehen. Dann sagt man ihnen das ins Gesicht. Die Eier sollte man haben.“

„Meinst du nicht, er hat vielleicht ’nen guten Grund gehabt, warum er Lindströ- “

„Jetzt halt mal die Luft an! So nicht“, faucht Jean seinen Teamkollegen an, „Fang du nicht auch noch so an. Wenn du was wissen willst, reiß dich zusammen und frag Rune so, wie sich das gehört. Aber nicht über drei Ecken!“

Ich hingegen fühle mich plötzlich sehr unwohl. Die Stimmung kippt, das lässt sich nicht leugnen und es scheint, als wäre ich der Grund dafür. Vielleicht sollte ich austrinken und mich verabschieden… Das könnte die Lage entschärfen und ich müsste mich nicht länger unter dem Blick winden, mit dem Ricciardo mich gerade bedenkt und der unmissverständlich klarmacht, wie wenig er von meiner Person hält. Für ihn scheine ich der Sündenbock zu sein, aus irgendeinem Grund, den hier wohl gerade nur er allein nachvollziehen kann. Doch Gehen ist wahrscheinlich keine Option, die durchführbar ist. Max’ Hand liegt jetzt auf meiner Schulter, hält mich dort fest, als wolle er mich beschützen – oder von einer Dummheit abhalten. Sicher bin ich mir da nicht, und für einen Moment herrscht Schweigen, bis Max es bricht:

„Was nun, Danny? Fragen oder runterschlucken?“

Daniel schnaubt, sagt aber nichts, verschränkt stattdessen die Arme vor der Brust. Doch dann passiert etwas, womit ich gerade jetzt am allerwenigsten gerechnet habe:

„Hast du mitgekriegt, warum Valtteri angefangen hat, das zu erzählen? Ich meine, er wird Kimi das doch nicht mal eben so aus heiterem Himmel auftischen.“ Esteban hat seine Cola auf den Tisch gestellt und sieht mich an. Hölle, der Anblick ist zum Knuddeln. Und er weiß es sicher nicht einmal. Aber wie könnte ich diesen Augen eine Antwort verweigern?

„Ja“, gestehe ich leise, „Kimi wollte von ihm wissen, was er über mich weiß. Also eigentlich hat Valtteri gar nicht angefangen, er hat nur… Aber er hätte halt nicht… Es wär nicht so wild, wenn er nicht so ’nen Blödsinn erzählt hätte.“

„Das macht’s nicht besser, Rune“, wirft Jules ein, „Valtteri hätte dich doch sehen müssen, also von da, wo er stand. Du hast doch fast neben Kimi gestanden, die ganze Zeit über. Und du hast doch mal erwähnt, ihr seid euch zum ersten Mal bei ’nem Sprintrennen in Finnland begegnet und da spricht man doch Finnisch, oder?“

Ich bejahe, verstehe aber nicht, worauf er eigentlich hinauswill.

„Dann ist er ein Idiot“, stellt Max’ Teamkollege ungerührt fest. „Dann müsste er doch wissen, dass du das verstehst.“

„Ja, ein Idiot, das kann sein, aber vielleicht wollte er auch bloß provozieren“, überlegt Jean. „Könnte ja sein, dass er, wenn er schon so einen Scheiß in deiner Hörweite erzählt, meint, du wärst an Sergios Sperre schuld.“

„Du hast ja keine Ahnung, Jean“, mischt sich Daniel überraschenderweise wieder ein und hat schlagartig die volle Aufmerksamkeit zurück.

„Dann mach uns mal schlau, Danny.“ Jean grinst schief.

Daniel streicht sich durchs Haar, macht auf einmal einen eher nervösen Eindruck. „Ey, ich hab halt ein paar Mal mit Valtteri gesprochen in den letzten Tagen und…“ In einer hilflosen Geste hebt er die Hände. „Er ist genau dieser Ansicht, dass es deine Schuld ist, Lindström.“

„Komisch, dass das jetzt keinen wundert“, ätzt Max postwendend, „Der hat doch nur Angst, dass Rune ihn in Grund und Boden fährt.“ Er tätschelt meine Schulter und die Röte kehrt in mein Gesicht zurück. So ein bisschen unangenehm ist mir das schon. Gerade nach dem heutigen Rennen, wo ich das hätte unter Beweis stellen können, nein, müssen. Deswegen schüttle ich auch zaghaft den Kopf. Das sind zu viele Vorschusslorbeeren nach so einer miserablen Leistung.

„Aber heute hast du ihn doch schon fast gehabt, Rune. Das ist echt gut, weil das war doch erst dein zweites Rennen“, merkt Esteban leise, fast verlegen an. Meine Wangen glühen jetzt. Hoffentlich sieht man das nicht. Das wäre mir echt peinlich.

„Nur fast, das zählt nicht“, nuschle ich mit gesenktem Blick.

„Nur, weil dein Stopp nicht lief“, spielt Robin alles herunter, „Das passiert mal, und ansonsten hast du ihn eigentlich im Griff gehabt. Ich hab’s genau gesehen.“

„Und Robin sieht immer alles ganz genau“, bestätigt Esteban die Worte seines Teamkollegen.

Der lacht jetzt: „Ich hab auch genügend Zeit dafür.“

„Magst du dann mit mir wetten, Robin?“, will Max schlagartig begeistert wissen.

Der Angesprochene verzieht ein wenig skeptisch das Gesicht. „Worum?“

„Um das Rennen, in dem Rune Valtteri schlägt“, schlägt Max vor, „Und der Verlierer muss dann abends eine Runde ausgeben.“

Robin nickt: „Klingt fair. Was tippst du?“

„Abu Dhabi.“

„Gut, Austin.“

„Darf ich mich anschließen?“, will Daniel plötzlich wissen, „Die Verlierer könnten hinterher ja alle ’ne Runde ausgeben.“

Mir wird ein bisschen schlecht und ich würde gerne flüchten, aber Max hält mich immer noch fest und ich den immer wärmer werdenden Rest meines Drinks in der Hand.

Robin tauscht einen Blick mit Max und nickt dann erneut, während Max sagt: „Klar. Was tippst du?“

„Dass er es nicht schafft.“

„War ja klar, dass von dir nur sowas kommen kann“, schnaubt Jules abfällig, „Aber ich bin ebenfalls dabei, Leute. Und ich sage auch Austin.“

„Gut, dann setze ich auf Interlagos“, kommt’s energisch von Jean.

Max grinst und wendet sich Esteban: „Und was ist mit dir?“

Der Mexikaner hebt leicht die Schultern: „Wenn du so fragst, kann ich mich nicht lumpen lassen, oder?“

„Nein, das wäre feige.“

Esteban sieht mich an, seufzt leise und sagt dann kleinlaut: „Abu Dhabi.“

„Gut, dann geh ich uns mal ’nen Zettel und ’nen Stift besorgen, damit wir das festhalten können“, verkündet Robin und steht auf. „Oder willst du noch auf dich selbst wetten, Rune?“

Hastig schüttle ich den Kopf. Das ist auch so schon unheimlich genug!

***


Ich bin ordentlich angetrunken, als ich ins Hotel zurückkomme. Es ist nicht bei einem White Russian geblieben, wie ich mir vorgenommen hatte, und ich habe gelernt, dass zum Wetten abschließen für Max auch gehört, sie mit Handschlag und einer neuen Runde Drinks zu besiegeln, die man nicht ablehnen kann, weil er sie ausgibt – zumindest dann, wenn er die Wette vorgeschlagen hat.

Zu meiner großen Erleichterung begegne ich auf den Hotelfluren niemandem vom Team, auch nicht Joakim. Der wäre sicher am allerwenigsten begeistert von meinem angeheiterten Zustand gewesen. Am besten wäre, er würde es nie erfahren. Deswegen stelle ich meinen Wecker auch auf eine Stunde früher als notwendig ein, bevor ich noch mal duschen und Zähne putzen gehe. So habe ich morgen eine Stunde länger Zeit, um aufzuwachen, falls das nötig sein sollte.

Doch als ich aus dem Bad komme, gehe ich nicht gleich zum Bett, sondern zum Kleiderstapel auf dem Stuhl, um den Zettel aus der Hosentasche zu kramen, auf den die anderen ihre Tipps geschrieben haben. Ich musste ihn mitnehmen, weil ich der einzige bin, der keinen abgegeben hat. Eigentlich wollte Max das machen, aber da haben Jean und Jules protestiert, und darauf bestanden, dass ich ihn kriege. Gerade ich! Das ist sowas von lächerlich! Ich glaube ja nicht mal daran, dass ich Valtteri nächstes Jahr schlagen könnte, sofern ich dann noch ein Cockpit habe. Also, zumindest nicht, wenn ich den Dreh mit Qualyfying, Boxentopps und meinen Nerven nicht rauskriege.

*** ~~~ ***


Valtteris POV

Scheiße, das wäre heute fast schiefgegangen. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was mit Lindström los ist, aber er ist seltsam. Er sollte kein Finnisch können! Woher auch? Früher hat er sich bei den Kartrennen auch mit Schwedisch durchgeschlagen. Das war kaum ein Problem, aber das heute? Damit konnte ja keiner rechnen! Doch noch schlimmer ist, dass ich jetzt nicht weiß, wie viel er gehört hat, was er daraus macht, ob er es Chilton und Bianchi weitererzählt und, und, und.

Und wäre sein letzter Stopp nur besser gelaufen, dann hätte er mich heute auch noch geschlagen. In seinem zweiten Rennen! Das hätte dem Tag die Krone aufgesetzt! Offenbar habe ich ihn unterschätzt. Aber ich verstehe nicht, wo der Fehler liegt. Der Lindström, den ich in den letzten Jahren kennengelernt habe – sofern man das so nennen kann – ist ganz anders gefahren, hat sich nicht so akribisch vorbereitet, schien viel weniger diszipliniert. Es kommt mir fast so vor, als sei er so eine Art neuer Mensch geworden. Nur wann? Niemand kann seinen Lebensstil von heute auf morgen so radikal ändern! Das ist unmöglich! Trotzdem sieht es so aus, als hätte Lindström genau das getan. Und das Team ist begeistert von ihm.

Bin ich denn wirklich der Einzige, der merkt, dass da irgendwas an ihm anders ist als früher? Dass da etwas faul ist? Naja, heute haben sie ihn zum Dopingtest geholt, vielleicht bringt das ja Licht in die ganze Sache. Ich hoffe es zumindest.



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