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Life is a Game made for everyone and Love is the Prize

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Charles Pic Jean-Éric Vergne Kimi Räikkönen Max Chilton Romain Grosjean Sebastian Vettel
02.07.2013
25.07.2014
54
232.189
20
Alle Kapitel
547 Reviews
Dieses Kapitel
11 Reviews
 
02.07.2013 3.180
 
A/N: Danke an Balalaika, Madrilena, Tiefseentraum, Canastas Phi, Tracy89, ShadowOfTheDay, Sternengrau, Nathi und freakylittlegirl. Ihr seid die Besten!

Zum Kapitel muss ich sagen, dass es eins meiner liebsten ist, die ich für diese Geschichte schon geschrieben habe. Es hat superviel Spaß gemacht, all die anderen Fahrer einzubringen und ich hoffe, dass ihr alle viel Freude beim Lesen habt.




Kapitel 9 – Ich kann sagen: Alles kaputt


Joakims POV

Er ist unglaublich, Rune ist einfach unglaublich. Im Medical Center dachte ich noch, er klappt gleich zusammen, wenn wir gehen, aber es ist nichts passiert. Kaum sind wir draußen gewesen, war er komplett ruhig. Als hätte man einen Schalter umgelegt. Kein Zittern, keine Unkonzentriertheit und keine Unsicherheit mehr. Und dabei ist es geblieben, bis wir wieder zurück im Hotel waren, hinter verschlossenen Türen in seinem Zimmer. Da sind wir jetzt immer noch, aber Rune schläft und ich sitze telefonierend am Fenster.

«Jedenfalls weiß ich nicht, was der Arzt den Stewards gesagt hat, aber sie wollten sich den Unfall direkt nach dem Rennen noch vornehmen und waren der Ansicht, Rune könne seine Aussage dazu gleich abliefern. So eine pro forma Angelegenheit. Er musste ihnen sagen, dass er sich an nichts in der Zeit zwischen der Anweisung zum Stopp und dem Helmabsetzen erinnert, das war alles, dann durfte er wieder gehen», fasse ich den Nachmittag für Daniel zusammen. Runes Vater ist der einzige aus der Familie, der überhaupt sowas wie Interesse für ihn zeigt.

›Dann müssen sie für alles andere auf Bilder und Telemetrie zurückgreifen?‹, hakt er nach.

«Und auf die Aussagen von Perez und Hülkenberg.»

›Wann ist mit einem Ergebnis zu rechnen?‹

Gott, diese Frage ist so verflucht typisch für ihn! Ergebnis! Ist das Ergebnis nicht scheißegal, solange es Rune gut geht? Ich verdrehe die Augen. «Kann man nicht genau sagen, aber es wird sicher nicht lange dauern. Das nächste Rennen ist ja schon in zwei Wochen.»

›Gut.‹ Seine Stimme hat jetzt wieder diesen geschäftlichen Ton angenommen, der kein bisschen zum Gesprächsthema passt. ›Ach, und sag Rune bitte, ich bin in den nächsten zwei Wochen geschäftlich unterwegs, und Elina fliegt am Donnerstagabend mit ihren Freundinnen für fünf Tage nach Italien.‹

Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, dass Rune für ihn nicht mehr ist als genau das: ein Geschäft, eine Werbefläche oder irgendwas in dieser Richtung! Auf jeden Fall ist da etwas gewaltig in Schieflage geraten.

«Ja, mach ich.»

›Danke. Auf bald.‹

Und dann hat Daniel aufgelegt, bevor ich noch etwas sagen kann. Ich seufze leise und stehe auf. Es ist dunkel geworden und eigentlich sollte ich entweder das Licht anmachen oder in mein Zimmer rübergehen. Aber letzteres scheint eine dumme Idee zu sein, obwohl Rune schläft und ich rein gar nichts tun kann. Naja, außer mein Notebook zücken und den Trainingsplan für die nächsten Tage auf das verstauchte Handgelenk abzustimmen. Vielleicht gar keine so schlechte Idee…

Als ich mit dem Computer unter dem Arm wenig später ins Zimmer zurückkomme, hat sich nichts verändert. Rune liegt weiterhin auf der rechten Seite im Bett und schläft wie ein Toter. Schlafen, das war das einzige, was er noch wollte, als wir wieder hier waren. Duschen, Zähneputzen und dann ins Bett. Und jetzt sieht er sogar fast entspannt aus, fast, wenn da nicht diese kleine Falte zwischen seinen Augenbrauen wäre, die ihn verrät. Er ist nicht entspannt und schläft wahrscheinlich nur, weil seinem Verstand zur Stressbewältigung nichts Besseres einfällt.

Kopfschüttelnd stelle ich das Notebook auf den Tisch, schalte es an und gehe, während es hochfährt, zum Bett, um Rune ordentlich zuzudecken. Wollte er zwar vor dem Einschlafen nicht, aber jetzt schläft er ja und er hat Gänsehaut. Und einen beeindruckenden Bluterguss auf der linken Schulter. Der wird morgen erst richtig wehtun... Gerade morgen, wenn der Rückflug nach Europa ansteht. Das wird alles andere als angenehm für ihn werden.
Plötzlich leuchtet sein Smartphone auf dem Nachttisch auf. Er hat es mal wieder auf lautlos gestellt, aber nicht ausgeschaltet. Ich verziehe das Gesicht, überlege einen Augenblick, ob ich es einfach ignorieren soll, entscheide mich dann jedoch dagegen. Ich werde den Anrufer nur wegdrücken, wenn es Heidi ist. Mit der spreche ich nicht. Dann hab ich hinterher nur wieder drei Tage Tinnitus – und wer will das schon? Aber es ist nicht Heidi.

*** ~~~ ***


Max’ POV

Rune hat nicht angerufen. Kay, nach dem Crash fast klar, aber ich würde halt gern wissen, ob er heute Abend noch kommt. Es ist schon fast halb zehn und abgesehen von ihm sind wir vollzählig. Heißt Jules, Charles, Jean-Éric, Esteban, Robin, seines Zeichens Testfahrer bei Sauber, und ich, naja, und Rune, aber der fehlt ja.
Also rufe ich ihn jetzt an. Funktioniert ja auch andersrum so ein Smartphone. Sieht bestimmt komisch aus, wenn da sechs Formel 1-Piloten rumsitzen und den anstarren, der telefoniert. Da macht’s keinen Unterschied, ob das nun in einem Club passiert oder anderswo. Ich muss lange warten, ziemlich lange. Normalerweise ist Rune schneller dran. Meist gleich nach dem ersten Klingeln. Aber als dann endlich abgenommen wird, erlebe ich die nächste Überraschung: Runes Physio ist dran!

Und mein verblüfftes Gesicht muss Gold wert sein, denn während ich noch nach Rune frage, macht Jules schon eine fragende Geste in meine Richtung, aber ich bedeute ihm, sich noch was zu gedulden, als Ahlgren antwortet:

›Rune schläft. Das wird nichts mit der Party.‹

„Was hat der Arzt denn gesagt?“ Das würde ich Rune auch fragen. Aber er zögert mit Antwort, sodass ich in Jules Richtung stumm „Ahlgren“ sage. Leider ist mein Teamkollege scheinbar nicht besonders gut im Lippenlesen und zuckt nur ratlos mit den Achseln.

Dann bekomme ich doch noch eine Antwort: ›Sah schlimmer aus als es ist. Ein verstauchtes Handgelenk und ein paar leichte Prellungen.‹

„Danke für die Info“, sage ich, obwohl ich das Gefühl habe, dass da noch mehr sein muss. Rune würde sich nach ’nem Crash nie mal so vor die Reifen setzen. Das macht er einfach nicht! Aber es wäre dumm, jetzt noch nachzubohren. Physios sind ein verschwiegenes Pack, wenn es um uns Fahrer geht, und ich will mein Glück nicht strapazieren. Wahrscheinlich hab ich schon mehr Info gekriegt als jeder andere Außenstehende.

„Und?“, will Jean-Éric wissen, nachdem ich aufgelegt habe.

„Kommt nicht mehr“, antworte ich.

„Doch so schlimm?“ Esteban zieht die Augenbrauen zusammen.

„Sieht so aus“, räume ich ein und stecke das Smartphone zurück in die Hosentasche.

„Was soll das denn heißen?“, mischt Jules sich ein, „Du hast doch grad mit ihm gesprochen.“

„Ja, ne, sein Physio war dran.“

„Ach, dann sollte das Ahlgren heißen, was du da eben meintest.“ Er schlägt sich theatralisch mit der Hand vor die Stirn.

„Blitzmerker“, meint Charles und tippt ihm gegen die Schläfe.

Jules verschränkt die Arme vor der Brust und zieht eine Schnute. „Lippenlesen ist keine Voraussetzung für ’ne Superlizenz!“

„Klar, sonst hättest du auch keine“, wirft Robin dazwischen.

Und Esteban ergänzt: „Darauf könnten wir doch anstoßen!“

Alles lacht, selbst Jules, doch der wird zuerst wieder ernst und wendet sich an die beiden Sauber-Fahrer:

„Wie geht’s denn Nico?“

Der Mexikaner zuckt die Achseln. „Alles in Ordnung. Dem ist nichts passiert.“

„Außer dass er sich total ärgert natürlich“, ergänzt Robin.

„Würde ja jeder“, faucht Jean-Éric mit einem Mal so aggressiv dazwischen, dass wir ihn alle für einen Augenblick verblüfft anschauen. „Ja, was denn?“, hängt er an, „Sergios Aktion war übertrieben und unnötig! Da kapier ich immer nicht, was die alle an Romain rumnörgeln, wenn ich den fahren sehe.“

Der Rest von uns wendet sich erst mal schweigend seinen Drinks zu, ich für meinen Teil etwas peinlich berührt. Da hab ich mich wohl doch nicht getäuscht, als ich neulich dachte, dass er Romain während der Fahrerparade und der Pressekonferenz auffällig lang angesehen hat. Und wenn ich noch mal so drüber nachdenke… Er hat schon häufiger versucht, den Lotus-Piloten so vehement in Schutz zu nehmen.

„Naja“, höre ich mich sagen, „wir werden doch mitkriegen, was die Stewards davon halten.“ Ein beschissen dürftiger Versuch, die Situation zu entschärfen, das ist mir auch klar, aber besser als nichts oder noch minutenlang in die Röhre zu schauen.

„Meine Worte“, murmelt Robin, nur um uns gleich darauf alle zu erschrecken, indem er quer durch den Raum brüllt: „Nico, magst du mal rüberkommen?!“

„Was soll das denn?“, zischt Charles, „Zivilisierter ging’s jetzt nicht oder was?“

„Na, wenn wer weiß, ob die schon was verurteilt haben, dann Nico“, grinst Robin und lehnt sich zufrieden zurück.

„Und deswegen musst du gleich so schreien?“ Estebans Augenbrauen heben sich ein Stück in mildem Erstaunen.

„Aufstehen und hingehen hätte mir zu lange gedauert.“

Charles neben mir schüttelt ergeben den Kopf und flüstert: „Tu was, Max!“

„Was denn?“, will ich wissen.

„Weiß ich nicht. Irgendwas.“

„Ich würde dir ja was Alkoholisches bestellen, aber du musst noch fahren.“

„Ja, mach das, Max“, kommt’s begeistert von Jules auf meiner anderen Seite, „Ich kann’s für ihn trinken.“

Charles geplagtes Seufzen geht allerdings unter, als Nico tatsächlich zu uns kommt und sich neben Esteban auf die Ledercouch quetscht. „Ah, mein Lieblingskindergarten“, grinst er, „Was gibt’s, Robin?“ Die Protestzwischenrufe von Jean und Jules ignoriert er.

„Das wollen wir von dir wissen“, erklärt der Angesprochene.

„Ja?“

„Gibt’s schon ’ne Entscheidung der Stewards?“

„Noch nicht, aber ich denk- “

„Wer ist das da eigentlich bei Paul?“, unterbricht ihn Esteban und reckt den Hals, um besser sehen zu können.

„Was?“ Nico wirft ihm einen Blick zu, der deutlich zeigt, dass er ihn grad voll aus dem Konzept gebracht hat.

„Wer das da bei Paul ist“, wiederholt der Mexikaner geduldig.

„Gerard Butler, glaub ich.“

„Ja, toll, das sagt uns jetzt auch so viel“, klagt Charles.

Doch Jean wartet prompt mit einer Erklärung auf: „Mir schon! Du solltest einfach mehr gute Filme schauen, Charlie, echt! Dann wüsstest du das auch. So welche wie Gamer, Law Abiding Citizen oder Machine Gun Preacher.“

„Und warum steht er da bei Paul?“, fragt Charles ungerührt weiter.

„Weil er sich hier nicht her traut, solange Nico unseren Kindergarten verstärkt“, kräht Esteban heiter dazwischen.

„Blödsinn“, kommt’s sofort von Jean, „Der ist Schotte, deswegen steht er da mit Paul zusammen.“

„Uh, hast du das gehört, Max?“ Jules boxt mir spielerisch in die Seite. „Schotten unter sich. Bleib mal lieber schön hier bei mir sitzen, du als Engländer würdest da nur stören.“

„Ja!“, pflichtet Jean ihm sofort bei, „Da lebst du als Engländer gefährlich, mein Lieber.“

„Und was ist mit Jenson und Lewis?“, hake ich ein klein wenig verschnupft nach.

„Die sind schon alt und groß und können allein auf sich aufpassen“, wirft Nico lachend ein.

Ich schmolle ein wenig, aber als die anderen in sein Lachen einstimmen, steckt es mich doch an. Schade, dass Rune nicht kommt. Der hätte sofort eine Lanze für mich gebrochen und einen blöden Spruch über Franzosen rausgehauen.

„So, Jungs, wenn’s das jetzt war, verabschiede ich mich wieder und -“, setzt Nico an, als wir uns wieder beruhigt haben.

Esteban fällt ihm jedoch ins Wort: „Und gehst dich um deine Freundin kümmern, schon klar.“

„Ja“, grinst Robin, „Mach’s anständig!“

Nico steht auf, grinst und streckt seinen Teamkollegen nur die Zunge raus, bevor er uns kurz winkt und geht. Kaum ist er außer Sichtweite prusten wir wieder los vor Lachen.

„Mach’s anständig!“, japst Charles, kann sich nicht mehr aufrecht halten und fällt gegen Robin, der ihn etwas unsanft wieder aufrichtet. „Was Jugendfreieres konntest du nicht sagen, oder?“

„Warum sollte ich?“, giggelt der Niederländer zurück.

„Weil wir der Kindergarten sind!“, erklärt Jean-Éric lauthals.

Jules unterstützt seinen Landsmann sofort: „Das ist zu viel für unsere armen, unschuldigen Ohren.“

„Oh mein Gott! Und das alles ohne einen einzigen Tropfen Alkohol!“ Esteban wirft die Hände in die Luft und das Gelächter geht unverändert weiter. Wahrscheinlich schauen die älteren Fahrer schon wieder alle. Aber was sollen wir machen? Hier mit Bitterleidensmienen rumsitzen, weil unsere Autos nicht superkonkurrenzfähig sind? Davon ändert sich auch nichts.

„Na, bei euch ist ja Stimmung.“ Plötzlich quetscht sich Sergio auf den Platz, auf dem Nico eben noch gesessen hat. Schlagartig verstummen wir alle und nur Esteban bringt ein zurückhaltendes „Hola“ zustande. Man muss kein Genie sein, um zu merken, dass die Stimmung gerade bis in die Eiszeit gekippt ist. Aber ihm scheint’s nicht aufzufallen. „Was gibt’s denn zu feiern?“

Jules räuspert sich kurz, bevor er antwortet: „Dass du uns nicht abgeschossen hast.“

Von jetzt auf gleich schaut Sergio aus, als wolle er ihn am liebsten mit bloßen Händen in Stücke reißen. Dabei hat Jules schon irgendwie recht. Wir sind alle verdammt froh, dass uns nicht dasselbe wie Nico und Rune passiert ist, aber das laut zu sagen… und dann noch Sergio gegenüber?!

Doch gerade als Sergio den Mund aufmacht, vermutlich um sich zu verteidigen, stelle ich mich auf die Seite meines Teamkollegen: „Das muss man ja echt schon feiern, wenn man sich mal ansieht, was du diese Saison zusammenfährst. Räikkönen und den eigenen Teamkollegen in Monaco, Maldonado in Singapur und Korea und Rune jetzt.“

„Man könnte glatt zum Schluss kommen, du hast was gegen Bottas’ Kollegen“, fährt Jean eiskalt fort, „Wir sollten wohl Wetten drauf abschließen, ob du’s in Indien schaffst, Lindström krankenhausreif zu fahren.“

„Ja, gute Idee. Also gib uns mal ’ne Auskunft, wie der Plan aussieht, damit wir besser setzen können, ob’s klappt“, springt Charles sofort auf den Zug auf.

Shit, shit, shit! Das läuft hier grad ein wenig aus dem Ruder, schießt’s mir durch den Kopf. So war das nun wirklich nicht geplant, aber man kann ja auch nicht einfach alles runterschlucken. Irgendwann ist’s genug und dass Sergio jetzt schon wieder… Dass er scheinbar nichts lernt… Da fehlen einem bloß die Worte.

„Habt ihr auch noch was zu sagen?“, faucht er Esteban und Robin an, die bis jetzt schweigend dagesessen und in ihre Gläser gestarrt haben.

„Nein“, murmelt Esteban kaum hörbar, aber Robin hat wirklich noch was auf der Pfanne:

„Was sollten wir auch sonst sagen? Nico hast du heute ja schon einwandfrei abgeräumt, da sollten wir besser die Klappe halten, sonst sind wir die nächsten, sobald du mit Lindström fertig bist.“

„Niemand von uns hat Bock, für deine Egoprobleme Blitzableiter zu spielen, Checo“, legt Jean noch mal nach und liefert damit die nächste Vorlage für Jules:

„Ja, werd’ endlich erwachsen und lern fahren!“

Und das gibt ihm offenbar den Rest. Er steht auf, faucht ein letztes „Ihr spinnt doch alle!“ und geht.

Jules und Jean klatschen sich ab. Völlig absurd und übertrieben in dieser Situation, ehrlich. Ich find’s nicht gut. So sollte man nicht mit Kollegen umgehen, nicht mal, wenn man sauer ist, aber das hier hat sich wahrscheinlich schon über die ganze Saison hochgeschaukelt und wenn Jean wirklich… in Romain… Ich will gar nicht dran denken!

„Ihr seid ein richtiges duo infernale“, sagt Robin nach einer Weile mit breitem Grinsen zu den beiden Franzosen.

Jules winkt ab: „Ach, gegen Perez’ Fahrstil sind wir ein Dreck. Hey, Jean, hast du das eigentlich ernst gemeint, dass er was gegen Bottas’ Kollegen habe?“

„Sonst hätte ich’s nicht gesagt.“

„Das klingt schon an den Haaren herbeigezogen, das ist dir klar, oder?“, mischt Charles sich ein.

Jean nimmt einen Schluck von seinem Wasser, bevor er erwidert: „Nein. Die beiden hängen doch ständig aneinander wie zwei Kletten. Und weiß der Teufel, was er damit bezwecken will. Ich hoffe jedenfalls, dass er diesmal kriegt, was er verdient.“

„Das bringt nur überhaupt nichts, wenn er nichts draus lernen will“, meldet Esteban sich wieder zu Wort, „Ich meine, stellt euch mal vor, der steht auf Bottas und will ihm damit imponieren, dann -“

„Das wäre aber reichlich bescheuert“, unterbricht Robin trocken, „Da halt ich’s noch für wahrscheinlicher, dass er nur wegen seinem Fahrstil auf Deutsch „Alles kaputt“ sagen kann. Ihr kennt das Interview?“

Esteban und ich nicken, der Rest schüttelt die Köpfe.

„Na, dann lasst mich mal erzählen, Kinders.“ Robin setzt sich bequemer hin, schlägt die Beine übereinander und beginnt…

*** ~~~ ***


Sebastians POV

Heikki fährt, mir ist der Beifahrersitz jetzt einfach lieber, denn da kann ich in aller Ruhe nachsehen, ob Jenson sich in der Zwischenzeit gemeldet hat. Hat er tatsächlich. Er schreibt, er sei schon im Hotel und nicht mehr feiern gegangen. Keine Lust auf Fragen nach Sergio. Der hat heute auch wirklich den Vogel abgeschossen, kein Zweifel.

Kann in einer Stunde da sein, schreibe ich zurück.

Auf die Antwort warte ich nur Sekunden: Freu mich.

Mehr nicht. Aber es reicht aus, um mir ein Kribbeln im Bauch zu bescheren, das vor morgen garantiert nicht wieder verschwinden wird.

„Könntest du bitte aufhören, dein Handy so anzugrinsen, Seb? Ich mache mir Sorgen um deinen Geisteszustand“, murmelt Heikki ein wenig vorwurfsvoll.

„Schon wieder?“, will ich wissen. Meine Laune kann absolut nichts mehr trüben. Wir haben noch eine ganze lange Nacht für uns, für uns ganz allein, bevor wir uns für eine Woche nicht sehen. Besser könnte es kaum kommen.

„Immer noch.“

„Seit der Trennung ununterbrochen, scheint’s.“

Er seufzt beinahe lautlos, schüttelt leicht den Kopf. „Ist manchmal eben nicht so einfach, Seb.“ Dann grinst er: „Aber Reisen mit dir macht auch Spaß. Also keine Sorge, dir bleib ich erst mal treu.“

„Ich fühle mich geehrt“, grinse ich zurück, als unser Hotel in Sichtweite kommt.

„Die Ehre ist ganz meinerseits“, gibt er zurück, „Wo ich dich doch immer so schinde.“

***


Aber die Schinderei lohnt sich, das muss ich zugeben. Im Hotel angekommen brauche ich keine halbe Stunde, um meinen Koffer schon mal einigermaßen zu packen, zu duschen, saubere Sachen anzuziehen – als ob das so wichtig wäre, wo ich sie sowieso gleich wieder los sein werde – und vor Jensons Zimmertür zu stehen. Aus der Puste bin ich kein bisschen. Jenson auch nicht, obwohl er die Tür schon offen hat, bevor meine Hand zum zweiten Mal das Holz berühren kann.

Wir sagen nichts. Alles geht ganz schnell, ich schlüpfe ins Zimmer, er schließt die Tür wieder und schließt ab. Eine ganze Nacht nur für uns. Eine Nacht ohne Rücksicht auf die möglicherweise dünnen Wände.

*** ~~~ ***


Heikki H.s POV

Das darf nicht wahr sein! Hab ich ernsthaft das Zimmer unter Button erwischt?! Schicksal, willst du mich verarschen?! Freundin weg, aus der eigenen Wohnung geworfen, kaum Zeit, die Umzugskartons in der neuen auszupacken, und jetzt auch noch das! Und ich dachte, in Japan wären nur die Wände dünn, nicht auch noch die Decken! Fataler Irrtum!

Ich ziehe mir das Kissen über den Kopf, um die Geräusche auszublenden. Es gelingt nur mäßig. Da sollte ich mich wohl echt glücklich schätzen, dass sie nicht wieder abgemacht haben, sich bei Seb zu treffen. Hoffentlich ist das Bett da oben stabiler als meins aussieht… Allerdings knarzt es doch so laut, dass ich es unweigerlich mitkriege. Naja, vielleicht sind die Decken ja doch ein wenig dicker als die Wände und ich bleibe wenigstens von weiteren Geräuschen verscho-

Der nächste Irrtum!

Dabei will ich doch gar nicht wissen, wie Button beim Sex klingt. Oder Seb. Nein, bei Seb ist das was anderes. Wir kennen uns so gut, dass es da eigentlich keinen nennenswerten Unterschied mehr macht. Aber Button… In einem Anflug von Verzweiflung drücke ich mir das Kissen fester auf die Ohren, doch es hilft immer noch nicht.

Schätze, das wird eine lange, harte Nacht werden… Schicksal, du bist ein Arschloch!



***
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