Life is a Game made for everyone and Love is the Prize

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Charles Pic Jean-Éric Vergne Kimi Räikkönen Max Chilton Romain Grosjean Sebastian Vettel
02.07.2013
25.07.2014
54
272221
13
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Disclaimer: Ich kenne keinen der vorkommenden Prominenten persönlich, habe keinerlei Rechte an ihnen oder an sonst irgendwas, das mit ihnen zusammenhängt, und selbstverständlich verdiene ich mit dieser Geschichte kein Geld. Was es hier zu lesen gibt, ist Fiktion und basiert demzufolge auch nicht auf irgendwelchen realen Ereignissen (oder sind Sie schon mal einem Flaschengeist begegnet?).

English Version: I do not own anyone, this is purely fictional. If you got here by googling yourself please I urge you go back now!

Vorwort: Die Grundidee für diese Geschichte lieferte eine Citroen-Werbung in Kombination mit der Idee von Paralleluniversen. Kann man ganz gut bei Wikipedia nachlesen, ist aber nicht zwingend notwendig.

Ich werde keine Fußnoten für Wendungen oder Worte in einer der unten genannten Sprachen machen. Das meiste wird sich im Kontext von selbst erklären und alles andere sollte im Zweifel problemlos nachgeschlagen werden können. Falls das mal nicht funktioniert, einfach fragen.

Es wird mehrere Pairings geben, Romantik und Drama inklusive, versteht sich ja von selbst :-D , aber auch ein paar technische Details. Es geht hier ja immer noch um Motorport und der funktioniert ohne Technik nicht. Für die absolute Richtigkeit übernehme ich allerdings keine Garantie, weil ich auch nur das zur Verfügung habe, was das Internet hergibt – eine der besten Informationsquellen ist zum Beispiel das fast idiotensicher beschriftete Bild eines Sauber-Lenkrads… und natürlich Facebook. Ein Besuch bei Im a die hard F1 Fan lohnt sich immer.


Okay, jetzt bin ich nicht mehr ganz so neu hier, Reviews freuen mich aber trotzdem.


Sprachen:
„ - “ =  Englisch
„ - “ = Finnisch
« - » = Schwedisch
› - ‹  = Telefongesprächspartner / Funk





Life is a Game made for everyone and Love is the Prize



Prolog: Die Geister, die ich rief…

Runes POV

«Rune?!»

«Ja?»

«Wo steckst du?»

«Hölle, verdammt!» Ich lasse die Scherbe fallen, die eigentlich gerade auf dem Kehrblech landen sollte.

«Das ist nicht die Antwort, die ich erwartet habe.»

«Ach, Maul halten, Joakim», fauche ich und betrachte den blutenden Schnitt in meinem linken Mittelfinger, als hätte ich sowas noch nie gesehen. Das ist natürlich Blödsinn, trotzdem kommt es einem doch immer wieder so vor, wenn man sich plötzlich an etwas geschnitten hat.

«Ich hab dir bestimmt schon hundert Mal gesagt, du sollst keine Scherben anfassen.» Joakim geht auf der anderen Seite des Kehrblechs in die Hocke und greift sich meine Hand. «Du schneidest dich jedes Mal, irgendwann muss ich dich noch in die Notaufnahme bringen. Ich hol dir ’n Pflaster.»

Er steht wieder auf und verschwindet hinter der Theke. Wegen der hat er mich wohl nicht gleich gesehen, passiert auch regelmäßig und eigentlich wissen wir das beide sehr genau. Trotzdem fragt Joakim immer wieder aufs Neue. Ich weiß nicht, was er sich davon erhofft und im Grunde genommen ist das auch nicht wichtig. Es ist eh viel wahrscheinlicher, dass es sich dabei nur um eine Blödelei seinerseits handelt.

Als er mit dem Pflaster zurückkommt, habe ich mich auf den Boden gesetzt und mit dem Rücken an die Theke gelehnt. Keine saubere Lösung, wenn man bedenkt, dass hier bis vor zwanzig Minuten noch feierwütige junge Erwachsene getanzt und gesoffen haben, aber ich habe keine Lust aufzustehen. Wenn man gerade über sechs Stunden hinter der Theke gestanden hat, dann tun einem die Füße trotz bequemer Schuhe einfach weh. Das hört auch mit Zeit und Übung nicht auf, obwohl man am Ende der Schicht dann vielleicht keine Blasenpflaster mehr braucht.
Joakim hockt sich wieder neben mich. «So, Finger her», kommandiert er und ich strecke ihm schweigend die Hand hin. Es hat keinen Sinn dagegen zu protestieren, hat es nie. Das macht nur unnötigen Ärger, denn er setzt sich immer irgendwie durch und am Ende habe ich dann meistens ein schlechtes Gewissen.

«Sag mir noch mal, warum ich dich eingestellt habe, Rune», murmelt er und rückt dem Schnitt mit einem Desinfektionsmittel zuleibe, dass er nur meinetwegen angeschafft hat – hat er zumindest behauptet. Ob es stimmt, ist nicht wirklich wichtig. Es brennt, aber ich bemühe mich, nicht das Gesicht zu verziehen.

«Weil ich nach zwei Bier betrunken bin und deswegen nichts anrühre.»

«Und warum habe ich dir nicht längst gekündigt?» Jetzt klebt er das Pflaster fest. Vielleicht sollte ich mir doch mal solche dünnen schnittfesten Handschuhe besorgen, die man in Baumärkten kriegt…
Stattdessen zucke ich nur mit den Schultern. «Weil du einen Notizzettel mit der Aufschrift Erst kündigen, wenn flachgelegt an meinen Arbeitsvertrag geheftet hast.»

«Ach ja, da war was, stimmt. Wodka? Geht auch aufs Haus.»

Ich muss lachen: «Nein danke. Ich hänge an meinem Job.»

Er auch. Aber dann stehe ich auf, gehe hinter die Theke und knote den großen Müllsack zu, der dort steht.

«Wo willst du denn jetzt hin?» Joakim klingt irgendwie ein bisschen enttäuscht.

«Müll rausbringen», antworte ich.

«Bist du dir sicher, dass du nichts trinken willst?»

«Ne Cola wäre nicht schlecht.»

«Nein», erwidert er, «Ich meine was Alkoholisches.»

«Ja, hundertprozentig sicher.»

Joakim seufzt schwer: «Schade, und dabei hast du so einen tollen Hintern in dieser Jeans.»

Wieder muss ich lachen: «Alter Charmeur!» Ist er übrigens wirklich, deswegen nehme ich solche Äußerungen auch auf die leichte Schulter. Andere würden da schon sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz schreien. Finde ich albern und solange er mir nicht wieder Plateauschuhe aufschwatzt, damit ich hinter der Theke größer aussehe, ist die Welt auch in Ordnung. Die Bänderdehnung war nämlich echt fies.

«Ich hab gehört, um alte Menschen muss man sich besonders gut kümmern», kommt es prompt zurück.

«Um ganz alte Menschen», verbessere ich, «Und davon bist du noch weit entfernt.»

«Du bist herzlos, Rune!»

«Und du nicht mehr ganz nüchtern, wenn du ein Kompliment nicht erkennst, Chef», erwidere ich lachend und gehe ins Hinterzimmer. Es ist nicht so, dass ich partout nicht mit Joakim schlafen will, ganz im Gegenteil. Ich will es eben nur noch nicht jetzt und schon gar nicht nach der Arbeit. Verdammt, ich hab erst vor einem halben Jahr angefangen zu kapieren, was überhaupt mit mir los ist. Es ist eine Sache, hetero oder homo zu sein, aber eine andere, wenn man feststellt, dass man bi ist. Das ist verwirrend, zumindest für mich. Vielleicht kommen andere besser damit klar. Kann gut sein. Ich weiß es nicht. Fest steht für mich nur, dass vermutlich jeder Mensch anders darauf reagiert und man sie nicht alle über einen Kamm scheren kann.
Noch habe ich es niemandem erzählt. Joakim ist der Einzige, der davon weiß. Aber das geht ja auch gar nicht anders. Es ist quasi seine Schuld – auch wenn das nicht das richtige Wort dafür ist –, dass ich es verstanden und aufgehört habe, die Intermezzos mit anderen Männern als Phasen und kurzzeitige Geschmacksverirrungen abzutun. Nein, ich war nicht mit ihm im Bett, er hat mir irgendwie einfach zur richtigen Zeit die richtigen Fragen gestellt. Anders kann man das nicht nennen. Antworten wollte er nie hören. Doch irgendwann hab ich’s nicht mehr ausgehalten. Es war an einem Mittwoch, das weiß ich noch ganz genau, und mir war eigentlich ganz fürchterlich schlecht. Doch ich bin trotzdem hergekommen, hab mich so cool wie möglich an die Theke gesetzt, eine Cola bestellt und gewartet, bis er mich fragte, ob ich am nächsten Tag keine Vorlesung hätte. Natürlich hatte ich welche, aber darum ging’s ja nicht. Also hab ich nur gesagt, ich wüsste jetzt, dass ich bi bin. Gut, meinte er und ehe ich wirklich wusste, was nun wieder passiert war, hatte er mir einen Arbeitsvertrag hingelegt. Unnötig zu sagen, wie’s danach weiterging. Aber es ist definitiv nicht das schlechteste, was einem passieren kann, in einer Szene-Bar zu jobben.

Ich trete nach draußen und in den Hinterhof, lehne die Tür vorsichtig an und gehe zu den Mülltonnen hinüber. Sie müssen erst vor ein oder zwei Tagen geleert worden sein, denn der Sack geht mühelos rein. Kommt auch nicht oft vor. Ein Blick nach oben zeigt mir einen klaren Nachthimmel, auch wenn man die Sterne hier mitten in der Stadt nicht besonders gut erkennen kann, ganz im Gegensatz zum Mond, den sieht man irgendwie überall, aber er ist auch größer. Wenn ich jetzt wieder reingehe, da bin ich mir ziemlich sicher, wird Joakim mit einer Flasche Himbeerlikör und zwei Gläsern auf der Theke auf mich warten und weil ich nicht Nein sagen kann, werde ich höchstwahrscheinlich wieder auf seiner Couch übernachten. Keine gute Idee, nicht heute zumindest. Heute muss ich ausnahmsweise mal rechtzeitig zuhause sein, denn ich habe Erik versprochen, mit ihm Formel 1 zu schauen und seinen kleinen Bruder versetzt man nicht, so einfach ist das.

Doch als ich mich umdrehe, um wieder reinzugehen, fallen mir die Papiertüten und Pappbecher am Tor zur Straße auf. Ich schüttle kurz den Kopf. Es kommt häufiger vor, dass Leute den Hof für eine Müllhalde halten und ihre leeren McDonalds-Verpackungen hier entsorgen. Naja, aber immer noch besser als Spritzbestecke oder sonst irgendwelches gefährliches Zeug. Ich gehe rüber und beginne, die Sachen einzusammeln. Joakim würde sich nur wieder aufregen, wenn er es sähe, und das muss ja nicht sein. Nicht, wenn es sich so schnell bereinigen lässt, im wahrsten Sinne des Wortes. Doch als ich mich noch mal umsehe, nachdem ich den Müll entsorgt habe, fällt mir noch eine Getränkedose am Tor auf. Naja, da die einzigen Lichtquellen hier hinten die flackernde Lampe über der Tür zur Bar und eine Straßenlaterne auf der gegenüberliegenden Straßenseite sind, kann man leicht was übersehen. Den Mülltonnendeckel lasse ich offen, gehe wieder zum Tor und hebe die Dose auf.

Ein bisschen seltsam ist das ja schon. Sie ist zwar geöffnet, aber definitiv nicht leer. Ich seufze. So kann sie nicht in die Mülltonne. Wenn der Inhalt ausläuft, gibt das klebrige Rückstände und es werden sich mit Sicherheit noch irgendwelche Wespen in der Tonne einnisten und ich mag keine Wespen. Die scheinen es regelrecht auf mich abgesehen zu haben, sobald sie in Gruppen auftreten.
Mit einem Schulterzucken drehe ich sie über dem Gulli im Hof um. Da kann der Softdrink gleich ablaufen und kleistert nicht unnötig die Pflastersteine voll. Aber zu meinem großen Erstaunen kommt nichts raus. Verwundert schüttle ich sie, schlage sogar auf den Dosenboden und drücke sie etwas zusammen, doch das bringt auch nichts, rein gar nichts, um genau zu sein. Da hält sich wohl irgendwer für einen ganz besonders einfallsreichen Witzbold, hat sie ausgetrunken und dann mit Taschentüchern und Steinen ausgestopft, damit sie sich voll anfühlt oder sowas. Naja, nicht zu ändern, dann werfe ich sie halt so weg, denke ich mir, drehe mich um, um -

Ein gleißender Lichtblitz zwingt mich plötzlich, die Augen zusammenzukneifen und die Dose loszulassen, um mein Gesicht abzuschirmen.

Verdammt, was ist denn jetzt passiert? Ich blinzle, aber vor meinen Augen tanzen weiterhin bunte Punkte. Es dauert einen Moment, bis ich etwas erkennen kann und der schwach beleuchtete Hinterhof wieder Form annimmt. Verwirrt schaue ich nach links und rechts, versuche trotz der Sambavorstellung etwas zu erkennen. Doch das führt nur dazu, dass ich im nächsten Moment mit dem Schrecken meines Lebens zusammenzucke.

Auf der linken der beiden Mülltonnen sitzt ein junger Mann in Sportschuhen von Adidas, Jeans und Fußballtrikot. FC Barcelona, wenn man nach den Farben und dem Logo auf der Vorderseite geht. Die Nummer sehe ich nicht.

«Hola», sagt er.

«Hä?», sage ich.

Er schüttelt den Kopf. «Nicht hä, hallo!»

«Hallo», mache ich perplex. Normalerweise tauchen hier nicht irgendwelche Typen in Barcelona-Trikots auf und setzen sich auf die Mülltonnen. Schon gar nicht nachts um drei und nach merkwürdigen Lichterscheinungen.

«Mein Name ist Enrique, ich bin dein Flaschengeist für heute Nacht», fährt er fort.

«Das ist Spanisch, oder?», will ich wissen.

Er nickt: «Si, si.»

«Ich dachte immer, Flaschengeister hätten arabische Namen.»

Enrique reibt sich mit einer Hand den Nacken. «Hast du schon mal drüber nachgedacht, dass es scheiße ist, über zweitausend Jahre denselben Namen zu haben?»

«Nein.» Warum auch? So alt werde ich schließlich nicht und grundsätzlich bin ich mit meinem Namen auch zufrieden. Hätte schlimmer kommen können. Meine Eltern hätten mich auch Göran oder San Diego nennen können.

«Dann klugscheiß hier nicht rum», weist er mich zurecht, «Spuck lieber deine drei Wünsche aus, mir wird langsam kalt.»

«Ich hab aber keine Wünsche», wende ich ein. Wozu auch? Ich glaube nicht an Flaschengeister und eigentlich bin ich recht zufrieden mit meinem Leben. Ohne die ganzen Spannungen wäre es ziemlich langweilig, auch wenn sie Stress bedeuten. Und das hier sind wahrscheinlich nur die Dreharbeiten zu einer neuen Version von Versteckte Kamera.

«Warum schüttelst du dann die Dose?»

«Ich dachte, da wäre noch was drin und wollte es wegschütten», antworte ich leise.

«Vollidiot!», faucht er, «Jetzt ist’s aber zu spät, du hast mich gerufen, also musst du dir auch was wünschen, so sind nun mal die Spielregeln.»

«Können wir die nicht ein wenig verbie- »

«Nein. Wünsch dir was!»

«Äh… Ein volles Bankkonto», werfe ich ein. Das ist das erste, was mir so spontan einfällt, und ohne Geldsorgen lässt’s sich bestimmt erst mal ein wenig leichter leben und studieren.

«Ist nicht», kommt’s von Enrique, «Reichtum, Liebe und Gesundheit kann man sich nicht wünschen. Such dir was anderes aus.»

«Aber ich dachte immer, dafür wären Flaschengeister da!»

«Ja, du dachtest ja auch, wir alle hätten arabische Namen. Fehlt bloß noch, dass du mir vorschreiben willst, in was ich zu wohnen habe.»

Etwas beschämt senke ich den Kopf. Offenbar sollte man nicht alles glauben, was man so liest. «Naja, also… ich weiß nicht…», stammle ich.

«Spuck’s aus», fordert er mich auf.

«Ich wäre gern sieben Zentimeter größer, geht das?»

«Ja», sagt er, «Aber du musst den Wunsch mit einem Ich wünsche mir beginnen, sonst gilt das nicht.»

Ich seufze, halb genervt und halb resigniert. Wer hätte gedacht, dass das so eine komplizierte Angelegenheit ist? Irgendwas muss Schehezarade da wohl falsch wiedergegeben haben.
«Also gut, ich wünsche mir, dass ich sieben Zentimeter größer bin.»

«Gut, ist notiert. Jetzt der zweite Wunsch.»

Einen Moment muss ich überlegen, aber dann fällt mir ein, dass Joakim drinnen sicher schon mit dem Himbeerlikör wartet. Er wäre bestimmt besser drauf, wenn ich trotz des Versprechens noch einen mit ihm trinken könnte, und ich liebe Himbeerlikör.
«Ich wünsche mir, dass ich trinkfester bin.»

«Okay, auch notiert. Einer noch, dann hast du’s geschafft.»

«Reichen zwei denn nicht?», will ich wissen.

«Nein, der Kodex sagt drei, also müssen es auch drei sein», erklärt Enrique.

Ich seufze wieder: «Mir fällt aber nichts mehr ein.» Ist nicht ganz die Wahrheit, ich habe nur keine Lust mehr, mir weiter das Hirn zu zermartern. Es ist mitten in der Nacht und eigentlich möchte ich nur noch nach Hause, fünf Stunden schlafen und dann von Erik geweckt und vor den Fernseher geschleift werden. Er macht jedes Mal Sandwiches, damit wir während des Rennens nicht verhungern. Tun wir wirklich nicht. Es sind immer viel zu viele.

Enrique verdreht die Augen. «Was wolltest du denn als Kind immer werden?»

«Äh… Rennfahrer, glaub ich.»

«Bisschen genauer, bitte.»

«Wie genauer? Rennfahrer halt», gebe ich zurück.

«Du musst dir wenigstens ’ne Serie aussuchen.»

«Steht das auch in den Regeln?»

Der Flaschengeist nickt finster.

«Okay, Formel 1 meinetwegen», sage ich. Das spukt mir sowieso grad im Kopf rum, da muss ich nicht lange überlegen. Außerdem bin ich mir immer sicherer, gerade höllisch verarscht zu werden und habe spontan beschlossen, Humor zu beweisen.

«Dann formulier das jetzt als Wunsch», fordert Enrique mich auf.

Ich zögere. «Darf ich dich vorher noch was fragen?»

«Wenn’s denn sein muss, aber mach schnell.»

«Was passiert, wenn ich den dritten Wunsch geäußert habe?»

Jetzt massiert er sich wieder den Nacken. «Ist doch ganz klar! Dann erfülle ich dir die drei Wünsche.»

«Und wie machst du das? Ich meine, was passiert dann mit mir und so?»

«Puh, das hat mich noch nie wer gefragt», räumt er ein, «Wie erkläre ich das nun am besten? Sagen wir einfach, ich versetze dich in eine Art Paralleluniversum, in dem du all das bist, was du dir gewünscht hast.»

«Aber es ist kein wirkliches Paralleluniversum, oder?», will ich leicht verängstigt wissen. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich nicht gefragt hätte, aber das werde ich nun nicht mehr erfahren.

«Nein, nein, natürlich nicht», versichert er mir.

«Da bin ich ja wirklich erleichtert.»

«Prima. Wärst du dann bitte so nett, den dritten Wunsch auszusprechen? Meine Zehen sind schon Eiszapfen. Ich bin einfach wärmere Länder gewohnt.»

Mir ist ein wenig flau im Magen, aber jetzt ist es zu spät. Der Wunsch muss raus, wenn ich wirklich zeigen will, dass ich auch über mich selbst lachen kann. «Ich wünsche mir, dass ich ein richtig guter Formel 1-Rennfahrer bin.»

«Oho! Da will aber jemand ganz hoch hinaus!» Enrique lacht.

«Naja, man bekommt nicht jeden Tag die Gelegenheit, sich seinen Traumjob aus Kindertagen zu wünschen, also muss man das nutzen», erwidere ich mit einem Schulterzucken und warte schon darauf, dass irgendwelche Scheinwerfer aufleuchten und die Filmcrew enthüllen. Doch noch passiert nichts.

Stattdessen nickt Enrique zufrieden. «Endlich hast du’s kapiert. Ich wünsche dir viel Spaß in deinem neuen Leben.» Dann schnippt er mit den Fingern und schlagartig wird es wieder hell, so gleißend hell, dass ich mir erneut die Augen zuhalten muss.



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