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Die Rückkehr der glorreichen Sieben Cheyenne Serie 03

von Cheyenne
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Buck Wilmington Chris Larabee Ezra Standish Josaih Sanchez Nathan Jackson Vin Tanner
01.07.2013
13.09.2013
5
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01.07.2013 3.882
 
Die Rückkehr der glorreichen Sieben

Teil 1 Der Banküberfall


Spoiler Wagon Train und Trial

Die Geschichte spielt circa drei Monate nach der Folge Wagon Train und vor Trial.

Der ältere Mann wurde von Tag zu Tag ungeduldiger. Inzwischen war es nun zwei Monate her, als auch der letzte der ehemaligen Sieben die Stadt verlassen hatte. Seit dieser Zeit wartete der Richter vergebens auf eine Nachricht seiner Tochter. Er hatte versucht, sie ausfindig zu machen. Vergebene Liebesmüh bei einer Frau wie Cheyenne. Sie hielt es nie lange an einem Ort. Sollte sie doch einmal etwas länger in einer Stadt gewesen sein, sprach man noch lange über den Mut der jungen Frau. Gerüchte verbreiteten sich zwar schnell auch außerhalb der Städte, doch manchmal waren die Nachrichten schon Monate alt, ehe sie in Four Corners ankamen. Trotzdem hatte der Richter in die Orte, wo Cheyenne gewesen sein soll, Telegramme geschickt. Immer wieder war die Antwort gekommen, dass die junge Frau bereits Meilenweit entfernt war.
Richter Travis schüttelte die Gedanken ab und nahm seine Arbeit wieder auf. Zurzeit beschäftigte ihn ein Fall.
Eine junge blonde Frau betrat das Büro des Richters. Er sah angespannt auf. Mary Travis, seine Schwiegertochter lächelte und sagte: "Ein Telegramm ist gerade aus Tennessee eingetroffen." Sie überreichte das Papier und der Richter las erstaunt den Inhalt.
Darin hieß es, das seine Tochter Cheyenne, auf dem Weg nach Four Corners wäre und in den nächsten Tagen hier eintreffen müsste.
Immer noch verständnislos sah der Richter auf Mary. Die junge Frau erklärte:" Tennessee war für mich das Naheliegende. Egal wo Cheyenne auch ist. Sie kehrt in gewissen Abständen nach Hause zurück, um ihren Mann und ihre kleine Tochter zu besuchen. Deshalb habe ich ein Telegramm fortgeschickt. Das hier ist die Antwort."
Der Richter lächelte Mary dankbar an. Seine Schwiegertochter war eine intelligente junge Frau. Sie war ja nicht umsonst die Herausgeberin der hiesigen Zeitung.

Zwei Tage später, gegen Mittag näherte sich der Stadt Four Corners die Postkutsche. Es war eigentlich nicht Cheyennes Art dieses Transportmittel zu benutzen. Doch sie hatte sich entschlossen ihre Tochter mit zum Großvater zunehmen und sie wollte für das sechsjährige Kind die Reise so angenehm wie möglich gestalten. Die Kutsche kam vor dem Hotel zum Stehen und als Erstes sprang das Kind hinaus. Dann verließ eine dunkelhaarige Frau die Kutsche. Die junge Frau sah sich kurz um, entdeckte aber kein bekanntes Gesicht.
"Es ist toll hier", rief die Kleine übermütig.
"Michele", kam die Ermahnung der Mutter.
Aus dem Gebäude der Zeitung, ganz in der Nähe des Hotels näherte sich eine blonde Frau. Mary Travis begrüßte ihre Schwägerin Cheyenne. Die dunkelhaarige Frau stellte ihr Tochter Michele vor. Die Kleine sah anders als ihre Mutter aus. Sie hatte zwar dunkle Augen aber ihre Haare waren blond mit einem goldigen rötlichen Schimmer. Vermutlich war das kleine Mädchen schwer zu bändigen. Sie hatte das Temperament ihrer Mutter geerbt.
Die ganze Zeit über hatte Cheyenne hin und wieder einen Blick zum Gefängnis geworfen. Früher hatte man wenigstens einen der Sieben dort auf der Bank oder auf einem Stuhl sitzend gesehen. Doch jetzt sah das Gebäude wie ausgestorben aus. Richter Travis
war dem Blick seiner Tochter gefolgt. Er sagte bitter: "Du suchst vergebens. Sie sind alle fort."
Erstaunt blickte die junge Frau ihren Vater an. Sie konnte es nicht glauben.
"Aber wieso? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie auf einmal nicht mehr hier sind", fragte sie. Dabei zeigten sich Zweifel auf Cheyenne schönen Antlitzes. Richter Travis seufzte und sagte: "Doch. Von heute auf morgen sind  sie alle eigene Wege gegangen."
Wie hatte eigentlich alles angefangen, versuchte sich der Richter zu erinnern und erzählte.
"Eigentlich gab es keine besonderen Anzeichen. Mal abgesehen, das Vin Tanner nicht von ihrem letzten Auftrag zurückgekommen war. Er hatte sich in eine Frau verliebt und war mit ihr durchgebrannt. Vermutlich nach Mexiko. Kurz, nachdem die anderen sechs in Four Corners waren, passierte es dann ...
Es waren einige Bewohner, die Druck ausübten. Ohne Vin waren es nur noch sechs. Die anderen setzten ihre Arbeit nur noch halbherzig fort. Chris verbrachte die meiste Zeit auf seiner Ranch oder im Saloon. Ezra spielte Poker. Josiah arbeitete hart an der Kirche. Keiner wollte es zugeben aber Vin fehlte ihnen. Dann forderten die Stadtleute plötzlich einen ordentlichen Gesetzeshüter. Eines Tages waren deine Freunde fort ...

Einige Wochen früher

Ezra beendete gerade ein Spiel und verabschiedete sich von seinen Mitspielern, dann steckte er lächelnd das gewonnene Geld ein. Der Betrag war recht ansehnlich. Noch während er sich in seinem Glück sonnte, spürte er den durchdringenden Blick eines Beobachters auf sich ruhen. Er sah sich im Saloon um und entdeckte Nathan den Heiler. Der Schwarze schüttelte den Kopf und seufzte. 'Würde Ezra sich jemals ändern. Vermutlich nicht', dachte Nathan. Kurz danach verschwand er aus dem Saloon.
Am nächsten Tag versuchte, einer der Verlierer, sein Geld mit einer Pistole zurückzugewinnen. Nathan und Josiah kamen glücklicherweise dazwischen und brachten den Mann in die Justizvollzugseinrichtung.
Ezra murmelte: "Ein schlechter Verlierer.", und schlenderte weg. In diesem Moment geriet der sonst ruhige Heiler in Rage. Nicht einmal Danke sagen konnte der verdammte Spieler. Ständig brachte er sich mit seinen Kartenspielen in Gefahr, und wenn nicht die anderen seinen Rücken decken würden, hätte er bestimmt schon eine Kugel eingefangen. Nathan schrie den Spieler an: "Du verdammter Betrüger und Schwindler. Geld und immer wieder Geld, das einzige Wort was du kennst. Selbst mit dem Land des
verstorbenen Geiger wolltest du Gewinn machen. Ein Denkmal, eine Klinik du hattest doch nur deine Spielhölle im Kopf. Wir können hier auf so einen Mann verzichten."
Ezra wollte eigentlich etwas darauf erwidern. Er dachte an die Worte des Heilers beim Wagenzug. Doch dann verschloss er seine Wut und Enttäuschung hinter seiner Mauer. Er wurde still und wartete, bis Nathan seine Predigt beendet hatte. Dann drehte sich Ezra um und trat in den Saloon ein. Er verschwand in seinem Raum. Am nächsten Morgen fand man eine Nachricht am Gefängnis in der, Ezra mitteilen ließ, dass seine Mutter ihn zurzeit benötigte. Wenig später kam ein Brief, das sich seine Rückkehr auf unbestimmte Zeit verschiebt. Seit dem gab es keine Spur von dem Spieler.
In diesen Moment fühlte sich Nathan schuldig. Mit den Worten hatte er den Freund verletzt. War Ezra sein Freund? Er wusste, dass sie Freunde waren, jedenfalls bis zu dem Tag, als der Spieler fortging.
Erst Vin und nun Ezra. Der Heiler spürte, dass sie nicht länger Sieben waren. Wie lange würde es dauern, bis auch der Rest verschwand. Als hätte Nathan eine Vorahnung gehabt. Kurze Zeit später passierte es dann tatsächlich.
Chris der Anführer war seit ihrer Rückkehr sehr schweigsam. Vin war ein guter Freund von ihm gewesen. Einerseits gönnte der Anführer dem Scharfschützen sein Glück. Anderseits fehlte ihm der ruhige Texaner. Chris fühlte sich, als wäre ein Teil von ihm selbst fort. An dem Abend als Ezra mit seinen gepackten Satteltaschen in den Mietstall ging, stand der Anführer vor der leeren Pferdebox des Scharfschützen. Chris drehte sich um und entdeckte den Spieler.
"Mister Larabee, meine Mutter benötigt mich einige Tage", stammelte Ezra in der Hoffnung Chris würde die Ausrede akzeptieren. Tatsächlich blickte der schwarz gekleidete nur finster auf den ehemaligen Mitstreiter und wünschte:" Viel Glück Ezra. Wo auch immer dich dein Weg hinführt." Nach diesen Worten wandte sich Chris zum Ausgang.
"Ich werde zurückkommen. Sie haben mein Wort Mister Larabee", murmelte der Spieler.
Chris pausierte für einen Moment am Stalltor. In diesen Moment gingen viele Dinge durch seinen Kopf. Der Anführer erwartete nicht, von dem Spieler zurückzukommen. Obwohl er sein Wort gegeben hatte. Konnte man dem Wort eines Spielers und Betrügers Glauben? Er hatte begonnen Ezra zuvertrauen, nachdem jedoch der Heiler die Worte zu dem Spieler gesagte hatte, die Chris zufällig hörte, hatte der Anführer bereits erwartete, dass der Spieler fortgehen würde. Jetzt, nachdem Vin verschwunden war, konnte Chris auch Ezra nicht halten. Er konnte seine Drohung von damals im Seminolendorf nicht wahr machen. Ezra war sein Freund, ein Teil seiner Familie und er konnte ihn nicht erschießen.
'Komme zurück und ich werde dir vertrauen', dachte der Anführer, bevor er nun endgültig den Stall verließ.
Danach war es J. D Dunne, der endlich seinen Traum verwirklichen wollte, zu den Texas Rangern zugehen. Er reiste bald darauf ab. Josiah, der Prediger begleitete einen Wagenzug nach Utah. Übrig geblieben waren nur noch, Buck, der Casanova. Chris, der Revolverheld und Anführer. Nathan, der Heiler. Nachdem Chris Larabee in Notwehr einen rasenden Familienvater, der seine eigene Frau und die beiden Kinder töten wollte, erschossen hatte, wurde er noch schweigsamer. Hatte Chris vorher schon nicht viel gesprochen, so sagte er jetzt kein Wort und zog sich stets in die dunkelste Ecke des Saloons zurück um sich sinnlos zu betrinken. Er fühlte wieder die Hilflosigkeit und die Schuld am Tod seiner Familie. Eines Tages hatte er einen Streit mit seinem besten und langjährigen Freund Buck Wilmington, der ihm nur helfen wollte, gehabt. Daraufhin war auch der Schürzenjäger verschwunden. Kurz danach tauchte eine junge Frau auf Alice. Sie war die Witwe eines Freundes und die Sieben hatten ihr einmal geholfen. Diesmal konnte sich die junge Frau revanchieren und es gelang ihr, Chris aus seiner miesen Stimmung zu holen. Chris ging fort und arbeite seit dem auf ihrer Ranch als Vorarbeiter. Da hielt es auch Nathan nicht länger in Four Corners. Der Heiler begab sich auf die Suche nach Ezra Standish. Der Brief des Spielers war aus Kansas gekommen, also wandte sich Nathan nordöstlich Richtung Texas ...


Noch während der Richter erzählte, kam ein großer, dunkelhaariger Mann herbei geschlendert. An seiner Brust prangte das Marshalsabzeichen. Er trug saubere Kleidung und die Stiefel waren auf Hochglanz poliert. Genauso blitzte das Gewehr in der Hand des Mannes. Dieser grüßte die beiden Frauen und den Richter mit einem Kopfnicken. Dann mischte er sich in das Gespräch ein.
"Das war doch nur ein besoffener, wild um sich schießender Haufen", sprach er abschätzig über Cheyennes Freunde.
Die junge Frau wollte aufgebracht etwas erwidern, aber der Richter kam ihr zuvor.
"Mister Copper, ich möchte ihnen meine Tochter Cheyenne und meine Enkelin Michele vorstellen."
"Bin sehr erfreut", antwortete Mister Copper und zog seinen Hut.
Cheyenne bemerkte Marys missbilligenden Gesichtsausdruck. Die Freundin wandte sich wortlos zum Gehen. Cheyennes erster Blick von dem Marshal war auch nicht gerade der Beste. Sie hatte das Gefühl, er ist ein Mann, der nur große Reden schwang und nicht viel tat. Die junge Frau drehte sich um und sagte: "Sie entschuldigen mich Mister."
Dann schloss sie sich Mary an.
Am Abend beim Essen erfuhr Cheyenne von ihrem Vater und Mary den wahren Grund ihres Herkommens.
Richter Travis war besorgt, wegen dem Weggehens der sieben Freunde. Seit dem Tag gab es niemanden, der in der Stadt, das Gesetz vertreten hatte. Deshalb musste er einen Marshal kommen lassen. Bald schon hatte sich herausgestellt, dass dieser Mann eine Katastrophe war. Meistens kam er erst aus seinem Sheriffbüro, wenn alles vorbei war. Dann brauchte er eine gewisse Zeit, um den Verbrechern zu folgen. Es war deshalb auch kein Wunder, wenn die Männer entkamen.
"Deshalb sind wir froh, dass du da bist", warf Mary ein.
Cheyenne lächelte und fragte ihren Vater: "Du willst also, das ich, Mr. Copper ein wenig auf die Finger sehe."
"Mir wäre es lieber, du übernimmst seinen Job", hatte der Richter daraufhin geantwortet.
In diesen Moment verstand die junge Frau, dass die Lage Ernster war als bisher angenommen. Wie es mit der Feigheit des Marshal bestellt war, erfuhr Cheyenne eine Woche später.
Sie und Mary kamen mit den Kindern von einem kleinen Spaziergang zurück. Die beiden Frauen lachten und scherzten. Richter Travis beobachtete mit Genugtuung das gute Verhältnis der beiden Frauen. Selbst die beiden Kinder Michele und Billy verstanden sich prima. Für ihn waren die vier Menschen die einzige Familie, die er noch hatte. In ihrer Fröhlichkeit merkte keiner, was sich gerade in der Bank abspielte.

Vor einigen Stunden kamen mehrere Männer nach Four Corners geritten. Marshal Copper hatte das beobachtete und wollte durch den Hinterausgang des Saloons. Auf die Frage von Inez, der Bardame im Saloon, wo er hin wollte, antwortete der Marshal: "Fischen, bin schon spät dran."
Gleich darauf war er verschwunden.
Kurz danach betraten die Männer den Saloon und bestellten Whisky. Da die Männer ruhig blieben, und versuchten nicht aufzufallen, sah Inez keinen Grund den Richter zu verständigen. Etwa gegen Mittag kamen zwei weitere Reiter. Sie kamen ebenfalls in den Saloon, tranken ein Glas Whisky und stellten ein paar Fragen. Nachdem sie erfahren hatten, dass der Marshal beim Angeln war, sahen sich die beiden Männer verschwörerisch an und verließen gleich darauf nacheinander den Raum. Zielstrebig gingen sie zur Bank und traten in den Schalterraum. Um diese Zeit war die Bank wie ausgestorben, genauso die ganze Stadt. Ein guter Moment für einen Überfall dachten die beiden maskierten Banditen. Während einer am Fenster stand und  die Straße beobachtete, sackte der andere das Geld ein. Dann verließen sie die Bank und eilten zu ihren Pferden. Im nächsten Moment waren sie im Sattel.
Aus der Bank kam aufgeregt der Besitzer gelaufen und rief: "Überfall.", in der Hoffnung jemand würde ihn hören. Einer der Reiter zielte auf den Bankier und schoss. Die Kugel schlug in das Holz eines Pfosten ein, direkt neben dem Bankier. Der warf sich auf den Boden und suchte Deckung hinter einem Blumenkübel.

Cheyenne und Mary wollten gerade das Zeitungsgebäude betreten, als sie den Ruf des Bankiers vernahmen. Cheyenne rief zu Mary: "Kümmere dich um die Kinder.", dann eilte die junge Frau zum Schauplatz des Geschehens. Unterwegs zog sie aus einem Scarbard, am Sattel eines Pferdes, das Gewehr eines Reiters. Nachdem sich Cheyenne überzeugt hatte, das die Winchester geladen war, stellte sie sich mitten auf die Straße. Die beiden Banditen kamen genau in ihre Richtung. Cheyenne feuerte einen Schuss in die Luft ab. Da die beiden Männer nicht daran dachten anzuhalten, landete der nächste Treffer vor den Vorderhufen des einen Pferdes im Sand. Das Pferd erschrak und scheute. Es stieg auf die Hinterhufe und wirbelte mit den Vorderbeinen in der Luft herum.
Der Reiter war nicht auf die Reaktion gefasst gewesen und fiel aus dem Sattel.
Als Mary sah, das Cheyenne nachladen musste, da ihr Gewehr nur zwei Schuss hatte, traf sie eine Entscheidung. Zu Billy sagte sie: "Bring Michele ins Haus.", dann ergriff sie ebenfalls ein Gewehr und stand plötzlich direkt neben der Freundin.
Der zweite Bandit wollte gerade seine Pistole ziehen und auf Cheyenne feuern.
"Absteigen und Hände nach oben", rief die blonde Frau. Dem Banditen blieb keine andere Wahl. Inzwischen rappelte sich sein Freund wieder auf die Beine. Gerade wurde ihm die Waffe abgenommen. Das Gleiche geschah auch bei dem anderen Banditen.
Richter Travis war herbeigeeilt und entwaffnete die Räuber. Der Bankier war froh, sein Geld so schnell zurück erhalten zu haben.
"Danke Mary", sagte Cheyenne.
"Du bist für mich so etwas wie eine Schwester. Ich konnte dich doch nicht allein lassen", antwortete die blonde Frau.
Der Richter war besorgt gewesen, als die beiden Frauen plötzlich die Banditen aufhalten wollten. Da die Sache so glimpflich abgelaufen war, freute er sich. Plötzlich sah er den Marshal.
"Mister Copper, hier haben wir zwei Gäste für sie", rief  der Richter.
Der Marshal wollte sich gerade nach seinem missglückten Angelausflug wieder in die Stadt schleichen, da wurde er vom Richter entdeckt. Nun kam er herbei und nahm die Gefangenen in Augenschein. Bevor er sie zusammen mit dem Richter zum Gefängnis brachte, sagte er warnend: "Die Sache riecht nach Ärger."

Die Männer im Saloon waren durch die Schüsse angelockt vor die Tür getreten. Als man die Männer verhaftete, wollte einer von ihnen zur Waffe greifen, um den Banditen zu helfen. Ein anderer hielt ihn davon ab.
"Warte, bis der Boss hier ist", beruhigte er den Aufgebrachten. Danach hatten es die Männer eilig zu verschwinden. Inez sah ihnen verständnislos nach.

Am anderen Morgen betrat Cheyenne den Saloon, um zu frühstücken. Die Kinder waren mit dem Vater einer Freundin beim Angeln und Mary arbeitete in der Zeitung. Um diese Zeit war der Saloon leer. Inez setzte sich zu der jungen Frau und sie unterhielten sich über die Ereignisse des letzten Tages. Plötzlich seufzte Cheyenne. Sie sah zu dem Tisch, an dem ihre Freunde früher oft gesessen hatten.
Inez sagte: "Ich vermisse sie auch. Seit sie weg sind, ist es sehr ruhig."
"Es muss nicht für immer sein", hoffte Cheyenne.
Gerade kam die Postkutsche an und Inez verschwand hinter dem Tresen. Sie wusste aus Erfahrung, dass die Fahrgäste und die Kutscher der Kutsche meist hungrig waren. Es dauerte nicht lange und ein vornehm gekleideter Herr betrat den Saloon. Zielstrebig ging er auf Inez zu und fragte: "Ich bin Anwalt und auf der Suche nach Marshal Jones, man sagte, er ist hier."
Die junge Frau schaute an dem Mann vorbei zum Tisch und deutete dann auf Cheyenne. Der Anwalt drehte sich um und entdeckte nur die dunkelhaarige Frau. Ungläubig trat er neben den Tisch und fragte: "Miss Jones?"
Cheyenne antwortete: "Marshal Jones. Ja das bin ich."
"Ich bin der Anwalt der beiden Bankräuber, die gestern verhaftet wurden. Wie man mir sagte, ist die Verhandlung für nächste Woche angesetzt. Ich würde gern mit den beiden Herren reden."
Cheyenne stand auf und musterte den Anwalt.
"Mister ...?", fragte sie.
"Verzeihen sie meine Unhöflichkeit. Brian Wegner", sagte der Anwalt mit einem falschen Lächeln.
"Die Männer sind im Gefängnis. Ich werde Richter Travis von ihrer Ankunft informieren."
Ohne weitere Worte ließ die junge Frau den Anwalt stehen. Der Mann war ihr einfach unsympathisch. Er wirkte Aal glatt und hinterhältig.
Wegner beobachtete die junge Frau, wie sie das Zeitungsgebäude betrat. Er selbst wandte sich dann dem Gefängnis zu. Hier traf er auf Copper. Er brachte seine Anliegen vor und durfte nach hinten zu den Gefangenen.
Der Marshal beobachtete zwar die Männer, hörte aber nicht auf die Worte. Teilweise sprachen die Drei sehr leise.
Inzwischen traf Cheyenne auf ihren Vater und fragte: "Sagt dir der Name Brian Wegner etwas."
Richter Travis schaute von seinen Papieren auf und fragte erstaunt: "Der Anwalt."
"Ja, er ist gerade bei den beiden Gefangenen."
"Verdammt", rief der Richter und sprang auf. "Wegner hat zuletzt für einen Kerl gearbeitet, der mit seiner Bande das nördliche Territorium von Texas terrorisiert hatte. Die beiden müssen zur Bande gehören."
Cheyenne führte die Gedanken ihres Vater zu Ende."Wenn dieser Wegner so schnell hier auftauchen konnte, muss ihr Boss ebenfalls in der Nähe sein."
Orrin nickte und dann eilten beide zum Gefängnis. Gerade kam der Anwalt wieder heraus, ein erfolgreiches Lächeln auf den Lippen. Da er sah, wie die beiden auf ihn zu kamen, blieb er stehen und wartete.
"Ich werde am Montag wiederkommen zur Verhandlung. Da ja meine Klienten schuldig sind, wird der Prozess kurz ausfallen. Ihrem Ruf nach, Richter sind sie gerecht und fackeln nicht lange", sagte er. Dann verabschiedete er sich mit einem Nicken und strebte dem Hotel zu.

Cheyenne beobachtete, wie der Mann im Hotel verschwand. Sie fühlte sich etwas unbehaglich und ihr Instinkt für Gefahr meldete sich gerade. Sie sagte zu ihrem Vater: "Ich traue ihm nicht. Mich interessiert, was er mit den Gefangen zu reden hatte."
Sie wandte sich zum Gefängnis und überraschte den Marshal. Dieser hatte sich gerade auf der Veranda gemütlich gemacht. Er saß auf einen Stuhl und lehnte mit der Lehne an der Wand. Cheyenne fragte, ohne zu grüßen: "Was hat der Anwalt mit den Gefangenen besprochen."
"Keine Ahnung", antwortete Copper unwillig wegen der Störung.
Nun begann der Richter: "Sie waren doch dabei, als er mit den beiden sprach."
"Natürlich. Ich habe die Drei nicht aus den Augen gelassen."
Cheyenne lächelte und beugte sich zu Copper hinunter. "Dann müssen sie schwerhörig sein. Oder hat man sie bezahlt, dass sie weghören."
Das wirkte. Der Marshal sprang auf und wollte sich verteidigen. Besser er wollte aufspringen. Stattdessen verlor er das Gleichgewicht und fiel mit dem Stuhl um. Cheyenne hatte ihm mit dem Fuß den Stuhl weggezogen. Nun betrat die junge Frau das Gefängnis und sah nach den Gefangenen. Sie fand alles in Ordnung und den Schlüssel am richtigen Platz. Gerade wollte sie den Raum wieder verlassen, als einer der Männer sagte: "Mein Bruder wird mich herausholen. Er war in der Stadt, als sie mich verhaftet haben."
Cheyenne stockte für einen Moment. Da war wieder dieses Gefühl für Schwierigkeiten. Die junge Frau drehte sich noch einmal um und antwortete: "Wieso hat er ihnen dann nicht geholfen, als wir sie verhafteten?"
Der Bandit schwieg daraufhin. Er konnte unmöglich der Frau erzählen, dass die Hilfe bereits unterwegs war.
Travis und seine Tochter wandten sich zum Gehen, immer noch verärgert über das Verhalten von Copper. Die junge Frau musste nun endgültig einsehen, dass ihr Vater recht hatte. Der Marshal war eine Katastrophe. Sie fragte sich, wie der Mann nur solange in dem Job überleben konnte.

Wegner hatte sich auf sein Zimmer zurückgezogen und dachte nach. Er wollte seinen Bruder ohne größere Aufmerksamkeit zu erregen befreien. Die Anwesenheit der beiden Marshal stimmten ihn etwas nachdenklich. Er hatte auch gehört das die andere Frau und der Richter an der Verhaftung mitbeteiligt gewesen waren. Das Copper ein Versager war, ahnte er nicht. Die Rufe: "Mami, Mami.", "Tante Cheyenne", lockten den Anwalt ans Fenster.
Er sah, wie zwei Kinder zum Marshal und dem Richter liefen. Da zog er seine Schlussfolgerungen und wusste, was er zu tun hatte.

Inzwischen erzählte Michele stolz von ihrem Anglerglück. Ihre Mutter lächelte und sagte dann liebevoll: "Michele gehst du bitte mit Billy zu Tante Mary. Mami muss arbeiten."
Michele verstand sofort. Sie wusste, was ihre Mutter tat und das es wichtig war. Die Kleine umarmte Cheyenne und rannte dann mit Billy davon. Wobei der ältere Junge das Mädchen an die Hand nahm.
Während Cheyenne in Richtung Hotel weiter ging, traf sie eine Entscheidung. Zu ihrem Vater sagte sie: "Ich werde mich um die Angelegenheit kümmern. Mein Gefühl sagt mir, das in den nächsten Tagen etwas passiert."
Travis hatte darauf nichts zu erwidern. Es dauerte nur ein paar Minuten bis Cheyenne, umgekleidet das Hotel wieder verließ. Sie hatte ihr elegantes Kleid ausgezogen und trug nun einen einfachen Rock und eine Bluse, darüber eine Lederweste. Um die Hüften trug sie einen Pistolengurt und in der Hand hatte sie ihre Winchester. So ausgerüstet steuerte die junge Frau den Saloon an und holte sich einen Stuhl. Sie setzte sich neben die Pendeltür auf die Veranda, dabei legte sie das Gewehr quer über ihre Knie. Von hier aus konnte sie die ganze Mainstreet bis hinunter zum Gefängnis beobachten.
Nach einer Weile brachte ihr Inez einen Kaffee. Die Mexikanerin lächelte und sagte: "Als du dich vorhin umgezogen hast, hat der Anwalt sich ein Pferd aus dem Mietstall geholt und ist aus der Stadt geritten."
Cheyenne nickte und antwortete: "Ich bin bereit."

Fortsetzung:  Die Entführung

© 16.07.2001
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