Jungenjahre II

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Adam Milligan Castiel Dean Winchester Gabriel/Trickster Sam Winchester
01.07.2013
26.08.2013
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Hallo ihr Lieben!
Ich hatte schon lange den Gedanken eine Fortsetzung zu „Jungenjahre“ zu schreiben, weil mir die Geschichte doch sehr ans Herz gewachsen ist. Ich glaube, es ist nicht wirklich von Nöten den ersten Teil zu kennen um das hier verstehen zu können.
Eine kurze Zusammenfassung des wichtigsten vom ersten Teil:
Castiels Vater war ein fanatischer Anhänger einer christlichen Glaubensgemeinde und wollte in seinem Sohn einen Weg in den Himmel finden, indem er ihn mit einem henochischen Symbol und Engelsflügeln gezeichnet hat.  Nach Anlaufschwierigkeiten sind Dean und Castiel zusammengekommen. Bei Gabriel und Sam hatte es weniger Probleme gegeben, wenn man mal von der Geschichte mit Crowley und Lucifer absieht.
Ich hoffe ich kann ein paar von euch für diese Fortsetzung gewinnen und wünsche euch viel Spaß beim Lesen : )

Jungenjahre II

Dean sah neben sich auf den Beifahrersitz auf dem Castiel friedlich schlummerte. Sein Kopf war gegen die kühle Scheibe gesunken hinter der weiße und gelbe Lichter auf schwarzem Grund vorbei rauschten.
Dean legte eine Hand auf Castiels festen Oberschenkel und strich sanft darüber. Unglaublich, dass sie nun ein halbes Jahr zusammen waren. Er konnte sich noch sehr gut an ihre anfänglichen Schwierigkeiten erinnern und an den Ausflug zu dem See im Wald. Er wusste noch wie Castiel vor ihm zu seiner Schwester geflüchtet war und wie er auf dem Bett gesessen hatte, das Gesicht in Castiels Pullover vergraben.
Die Zeit war so schnell vergangen. Sie hatten ihren Abschluss gemacht und somit einen Lebensabschnitt hinter sich gelassen. Gleichzeitig hatten sie einen neuen gemeinsam begonnen.
Sie waren das ganze Wochenende unterwegs gewesen, hatten im Auto geschlafen, waren in fremden Flüssen schwimmen gewesen und waren durch fremde Felder gelaufen. Jetzt war es Sonntagnacht und Castiel schlief neben ihm, weil er völlig geschafft war.
Dean hatte ihn auch fahren lassen. Er hatte ihn auf den heiligen Fahrersitz seines geliebten Impalas gelassen und ihm zugesehen, wie er das Lenkrad mit seinen hellen Finger umfasste und die andere Hand auf dem Schaltknüppel liegen hatte. Als Castiel den Kopf geneigt hatte um in den Rückspiegel zu sehen, war das vielleicht das erotischste was sich Dean hatte bis dahin vorstellen können.
Er hatte noch gut zwei Stunden Fahrt vor sich, über ihm der Mond, unter ihm der warme Asphalt.

Als er bei Castiels Gelände auf die Auffahrt fuhr wurde sein Freund wie auf Kommando wach, rieb sich die Augen und setzte sich auf.
„Wir sind schon da?“, fragte er verschlafen
„Ein Bett wartet auf uns.“, gab Dean zurück und parkte seinen Wagen neben Castiels.
Hand in Hand gingen sie ins Haus und geradewegs ins Schlafzimmer. Die Sachen aus dem Auto würden sie morgen holen und auch alles andere auf den nächsten Tag verschieben. Jetzt zogen sie sich nur müde aus und fielen nebeneinander in die noch kühlen, weichen Laken.
Castiel drehte sich auf die Seite und Dean schmiegte sich fest an seinen nackten Rücken, schlang einen Arm um ihn und hauchte einen Kuss auf seinen Nacken.
„Gute Nacht, Cas.“
„Gute Nacht, Dean.“
Aber während Dean friedlich einschlief und sein heißer Atem angenehm gegen Castiels Haut schlug, lag Castiel jetzt wach und dachte an das was seit Freitag auf dem Küchentisch lag. Die Vorstellung daran was auf sie zukommen würde schnürte ihm, jetzt wo er dem Beweis dafür wieder so nahe war, die Luft ab und er griff nach Deans warmer Hand um sich daran festzuhalten.


Während die beiden noch in anscheinender Harmonie bei Castiel im Bett lagen und den frühen Montag entgegen träumten, ging es ein paar Häuserblocks weiter weniger harmonisch zu.
„Herrgott, Sam! Ich habe doch gar nichts gemacht!“, fauchte Gabriel energisch.
„Nein, gar nicht!“, kam es scharf und sehr sarkastisch zurück. Sam stand seinem Freund mit hochrotem Kopf gegenüber, die Haare wirr, weil er so wütend hindurch fuhr während er durch das Zimmer stapfte. Es lag ein erboster Ausdruck in seinem Gesicht, was seine Züge unschön verzerrte.
Gabriel hatte es mit Geduld versucht, aber jetzt kochte es auch in ihm.
„Wie wäre es wenn du mir mal vertrauen würdest?!“, herrschte er Sam an.
„Das würde ich ja gerne!“
„Dann mach es auch!“
Sam knurrte und schien kurz davor zu sein, irgendwas nach Gabriel zu werfen. Diese Unschuldsmasche machte ihn dermaßen rasend!
„Ganz ehrlich, Sam?! Deine Eifersucht ist nicht mehr normal!“
„Deine Hormone sind nicht mehr normal! Du bist einfach ein scheiß notgeiler Arsch!“
Sam sah sofort an Gabriels gekränktem Blick, dass er zu weit gegangen war, aber da war es auch schon zu spät.
„Das muss ich mir jetzt echt nicht antun.“, brummte Gabriel und griff nach seinem Rucksack, der auf Sams Schreibtischstuhl gestanden hatte, „kannst mich ja anrufen, wenn du wieder ein Mensch bist.“
Damit ließ er Sam stehen und knallte ordentlich seine Tür.
Sam ließ sich geschafft auf sein Bett sinken. Die Laken waren noch ungemacht von der Nacht, die sie zusammen darin verbracht hatten.
Alle Wut war aus ihm heraus gesickert und jetzt fühlte er sich einfach nur noch elend. Er hätte seinen Freund nicht so beschimpfen sollen, das wusste er jetzt ganz sicher, aber die Wut hatte er nicht mehr unter Kontrolle gehabt.
Erst als er die dunklen Flecken auf seiner hellen Schlafanzughose sah merkte er, dass er weinte. Mürrisch fuhr er sich über die feuchten Augen und vergrub das Gesicht in den Händen.
Warum konnte er Gabriel nicht einfach vertrauen?
Er fischte nach seinem Handy, durchsuchte seine Kontakte und starrte dann auf Gabriels Namen. Er traute sich nicht ihn jetzt anzurufen. Frustriert schmiss er das Gerät weg und warf sich in die Kissen. Sie rochen noch nach seinem Freund und er drückte sein Gesicht fest in den weichen Stoff.
So lange waren sie ja noch gar nicht zusammen und schon unterstellte er Gabriel untreu zu sein. Aber er konnte nichts dagegen machen! Ständig flirtete sein Freund mit anderen oder machte irgendwem schöne Augen. Jedenfalls sah das für ihn so aus. Vielleicht reichte er Gabriel ja nicht mehr aus? War er ihm zu langweilig? Die Unwissenheit und die Unsicherheit nagten sehr an ihm. Er wusste von Gabriels sprunghaftem Lebensstil, den er vor ihm gehegt hatte, und er konnte einfach nicht glauben, dass der Blonde damit jetzt abgeschlossen hatte.
Vielleicht hatte Gabriel recht: er vertraute ihm einfach nicht.
Die Erkenntnis traf ihn noch härter als die bloße Vermutung. Er schluchzte haltlos in das Kissen und wollte nur eins, nämlich dass einfach alles vorbei wäre.

Gabriels Wut war schon verraucht kaum dass er aus Sams Zimmer raus war, aber die Enttäuschung lag noch immer übel schmeckend auf seiner Zunge. Sam misstraute ihm und das zu Unrecht. Er hatte doch niemand anderes im Kopf außer seinen großen Liebling! Er war verrückt nach ihm, aber Sam wollte ihm einfach nicht glauben.
Er zog seine Jacke enger um seinen Körper, denn der Tag war noch sehr jung und es war kalt und dunkel draußen.
Sam unterstellte ihm seit neustem, dass er untreu werden würde und dass er immer anderen hinterher sah. Dabei dachte er, dass er Sam doch wirklich zeigen würde, wie sehr er ihn liebte.
Frustriert trat er eine leere Cola-Dose aus dem Weg und vergrub die Hände tief  in seinen Jackentaschen.
Es verletzte ihn sehr, Sam so wütend zu sehen. Aber seit zirka zwei Wochen nahmen diese Wutausbrüche eine ungesunde Häufigkeit an. Eben noch hatten sie sich in Sams Bett gestreichelt und den Morgen genossen bevor Sam los müsste zu seinem Praktikum und im nächsten Moment war Sam wegen irgendwas an die Decke gegangen. Er war aus dem Bett gesprungen und hatte Gabriel beschimpft und gewütet wie von Sinnen.
Gabriel wusste langsam nicht mehr wie er mit diesen Wutausbrüchen umgehen sollte. Es war als wäre Sam dann nicht er selbst. Er fühlte sich machtlos und hilflos dagegen, aber das schlimmste war, dass ihm Sam nicht vertraute.
Er schloss die Haustür auf und trat in den Flur. Es war ungewohnt ruhig im Haus und er nutzte das um in Ruhe in der Küche zu frühstücken. So wirklich Hunger hatte er aber keinen.
Was sollte er denn machen, damit Sam ihm vertraute?
Plötzlich als er lustlos in sein Schokoladenbrot biss hörte er etwas im Wohnzimmer. Es klang als wäre eine Glasflasche umgefallen und ein Stück über den Holzboden gerollt.
Er stand auf, ließ sein Frühstück zurück, und ging ins Wohnzimmer.
Da lag sein Bruder Michael auf der Couch, ein Arm war vom Polster gerutscht und hatte anscheinend die Wasserflasche umgestoßen. Er war noch komplett angezogen und sah furchtbar zerknittert aus.
„Michael?“, fragte Gabriel vorsichtig und stellte die Flasche auf den Couchtisch, „Michael, bist du wach?“
Sein großer Bruder brummte verschlafen und drehte sich mit dem Rücken zu Gabriel.
Der seufzte und sah auf die breiten Schultern, die sich im Schlaf regelmäßig hoben und senkten. Michael war die letzten Tage schon völlig fertig und ausgelaugt gewesen, aber Gabriel wusste nicht warum. Irgendetwas war zweifelsohne nicht richtig bei ihnen zu hause. Nicht, dass es sonst immer friedlich bei ihnen zuging. Aber seit mehreren Tagen war es anders. Michaels Nerven schienen völlig blank zu liegen und die kleinsten Dinge brachten sein Gemüt, was ansonsten ziemlich standhaft war, zum überschäumen. Raphael war schon vor zwei Monaten nach Kanada gegangen um seiner neuen Arbeit nachzugehen. Gabriel hatte das Gefühl, dass sein Bruder es kaum hatte erwarten können, endlich wegzukommen und im Grunde war es bei ihm ja auch nie anders gewesen. Sein Vater war schon seit zwei Wochen nicht mehr bei ihnen gewesen, was aber nicht unnormal war. Was Lucifer trieb wusste Gabriel nicht, aber er merkte, wie auch das an Michael zehrte.
Und jetzt auch noch die Sache mit Sam. Ihre Beziehung bröckelte schon seit Tagen, aber es war ein sehr unterschwelliger Prozess, der so schleichend ging, dass man ihn nicht festmachen oder aufhalten konnte.
Sam konnte so rasend werden! Er war groß und stark und ganz klar einschüchternd wenn er wütete, oder Sachen zerstörte, weil er kaum mehr Kontrolle über seine Kraft hatte. Gabriel verstand das alles nicht. Er wusste nicht, was er falsch machte. In einer Sekunde war sein Großer ein wahres Schmusetier und im nächsten eine Bestie. Das konnte nicht normal sein.



Sam machte sich währenddessen mehr als lustlos fertig um zu seinem Praktikum zu gehen. Diese Arbeit in der Kanzlei machte ihm eigentlich Spaß und er lernte jeden Tag viel Neues und sammelte wertvolle Erfahrungen. Er wollte Jura studieren, wenn dieses Praktikum fertig war. Aber er hatte noch nicht mit seinem Vater darüber gesprochen, auch nicht mit Dean. Nur Gabriel wusste es, was aber daran lag, dass dieser die Bewerbung auf seinem Schreibtisch entdeckt hatte. Irgendwie hatte er Angst was sie dazu sagen würden, dass er die Stadt und den Staat verlassen wollte. Schließlich hatte Dean hier seinen Job und das würde bedeuten, dass sie sich auf sehr lange Zeit trennen würden.
Mit Gabriel musste er noch einmal darüber reden, denn das einzige was der dazu gesagt hatte, war ein verträumtes „Ich folge dir überallhin, Babe.“. Nicht gerade die Art von ernsthafter Zukunftsplanung, die angebracht war.
Nach dem Praktikum würde er wie gewohnt ins Fitnessstudio gehen und an sich arbeiten. Gabriel hieß dieses neue Hobby nicht gut, weil Sam mehr Zeit mit dem Training als mit ihm verbrachte. Aber das war Sam egal. Er hatte es satt der kleine Streberbruder zu sein. Er hatte es satt, dass sein Vater ihn wie Luft behandelte, was ganz neue Dimensionen angenommen hatte, seit er das Praktikum machte. John war der festen Überzeugung, dass der Beruf des Anwalts nicht für einen echten Winchester und erst recht nicht für einen wahren Mann war. Und mit dieser Meinung hielt er nicht hinterm Berg. Sam gab es nicht zu, aber dass sein Vater ihn nicht so zu lieben schien, wie er Dean liebte, das machet ihn sehr traurig und drückte immer wieder auf seiner Laune. Aber er hatte ja seit zwei Wochen ein neues Ventil für diese Gefühle gefunden…



Als Dean von der Arbeit kam, fühlte er sich auf angenehme Weise erschöpft und ausgearbeitet. Noch immer pendelte er zwischen seinem Zuhause und Castiels Haus hin und her. Er wollte Sam auch nicht alleine mit ihrem Vater überlassen, denn er merkte sehr wohl, dass die beiden sich seit Wochen öfter als sonst in den Haaren hatten. Da Sam kein Einkommen hatte musste er aber noch zuhause wohnen und Dean bemühte sich auch oft dort zu sein, auch wenn Castiel ihm schon oft angeboten hatte, bei ihm einzuziehen. So halb hatte er das auch schon. Er hatte Kleidung und Kulturbedarf dort und noch so einiges an anderen Dingen. Sein Jugendzimmer war leerer geworden.
Er parkte neben Castiels Wagen und stieg aus.
„Cas?!“, rief er in den Garten, denn die Terrasse stand offen.
Der Garten war unverändert wunderschön. Die Bäume hatten den Winter gut überstanden und jetzt wo es Frühling wurde, sprossen neue hellgrüne Blätter hervor und weiße, runde Knospen.
„Hier, Dean!“, kam es zurück.
Castiel stand auf einer Leiter und beschnitt einen Birnenbaum. Er trug eine lockere Jeans und eine kurze, dicke Jacke mit einem weichen, weißen Fellkragen. Dean fand ihn wunderschön, wie er dort in der Frühlingssonne stand und sich auf den Baum konzentrierte.
„Soll ich dir helfen?“
„Nein, aber du könntest mir den Tee aufgießen. Das Wasser müsste fertig sein.“
Dean betrat das Haus und ging geradewegs in die offene Küche. Der silberne Wasserkocher dampfte und Dean zog die Tasse heran, in der schon ein Teebeutel hing, um das heiße Wasser darüber zu gießen.
Als er sich gegen die Arbeitsfläche lehnte fiel sein Blick auf etwas was neben der Zeitung und der angebrochenen Wasserflasche auf dem Küchentisch lag. Es war ein länglicher Umschlag in rot und weiß.
Dean stieß sich von der Kante ab und nahm den Umschlag in die Hand. Das Logo einer Fluggesellschaft war auf der Vorderseite zu sehen. Dean klappte den schweren Umschlag auf und sein Blick fiel auf ein Flugticket. Ein einzelnes. Es war ein One-Way-Ticket nach Lyon in Frankreich.
Er warf einen Blick hinaus in den Garten wo Castiel gerade von der Leiter stieg und die Astschere gegen den Baumstamm lehnte. Er zog die Arbeitshandschuhe aus, legte sie ebenfalls zu der Schere und kam dann auf das Haus zu.

„Was ist das, Cas?“, fragte Dean kaum, dass Castiel durch die Terrassentür getreten war und seine Jacke ausgezogen hatte.
Castiel trat an ihn heran und nahm sich seine Teetasse, „es ist ein Flugticket.“, antwortete er.
„Das sehe ich! Aber was- Cas- was soll das sein?“, verlangte Dean jetzt etwas lauter zu wissen. Er sah seinen Freund scharf an und wollte nichts anderes als zu hören, dass das nichts zu bedeuten hatte.
„Ich werde nach Frankreich gehen.“, sagte Castiel dann und nahm einen vorsichtigen Schluck von dem noch sehr heißen Getränk.
„Für wie lange?“
„Für immer.“
Dean schluckte und versuchte zu verstehen, was Castiel da gerade gesagt hatte. Er starrte auf das einzelne Ticket in seinen kalten Händen, wie es dort einsam lag und nur einen von ihnen beiden weit wegbringen würde. Sehr weit weg.
„Ich werde mich der Glaubensgemeinde meines Vaters anschließen, so wie es sein Wunsch gewesen ist. Er vermerkte auch in seinem Testament, dass er möchte, dass ich seinem Weg folge.“, erklärte Castiel und seine nüchterne Stimme stach Dean wie ein Dolch ins Herz.
„Aber- warum?“
„Weil es sein Wunsch war, Dean.“
Sie sahen sich an und Dean merkte wie seine Finger schweißig wurden und seine Kehle trocken. Warum fühlte er sich gerade so wertlos?
„Sein Wunsch?!“, brachte er schließlich wütend hervor, „sein verdammter Wunsch?!“
„Es ist eine Möglichkeit für mich, ihm noch einmal Respekt zu erweisen.“, sagte Castiel ruhig.
„Castiel!“, stieß Dean hervor.
Castiel konnte Deans Blick nicht länger standhalten. Es war kein gutes Zeichen, dass Dean ihm bei seinem vollen Namen nannte und das wusste er ganz sicher.
„Dean, ich möchte nicht, dass du so wütend wirst.“, bat Castiel jetzt leiser und er zog den Kopf ein wenig ein, als Dean das Ticket auf den Tisch knallte.
„Ich glaube ich verhöre mich?!“, sagte Dean aufgebracht, „seit wann weißt du denn von diesem grandiosen Plan?“
„Seit mein Vater verstorben ist.“
Dean holte tief Luft um nicht völlig die Nerven zu verlieren, „ein halbes Jahr! Castiel, ein scheiß halbes Jahr! Und du hieltest es nicht für nötig, mir davon zu erzählen?!“
„Ich habe nicht-“
In Dean brodelte es. Er konnte einfach nicht glauben was Castiel ihm da erzählte. Er hatte es anscheinend die ganze Zeit gewusst, dass sie beide zusammen nicht für immer währen würden. Dass sie ein Verfallsdatum hatten, welches jetzt erreicht war.
„Du hast nicht was?! Oh, warte! Ich weiß schon! Du hast nicht geglaubt, dass wir so lange zusammen bleiben würden, richtig?!“
„Nein, Dean, so ist das nicht. Ich-“
„Dann frage ich mich wirklich, warum wir überhaupt zusammen gekommen sind, Castiel!“, Dean schrie jetzt fast. Sein Gesicht war rot und Castiel konnte deutlich die Wut in seinen Augen sehen. Sein ganzer Körper schien vor Anspannung zu beben.
„Das fragst du nicht wirklich, Dean?“, wollte Castiel verletzt wissen.
„Doch, das frage ich dich! Du bist so ein verdammter Mistkerl, Castiel! Was hast du denn gedacht, was wir hier machen?! Uns die Zeit vertreiben bis du wieder ein braver Mönch werden kannst?!“, rief Dean und schleuderte die Wasserflasche vom Tisch. Sie schlug dumpf auf und spritzte das Wasser durch das halbe Zimmer. Dann lief er vor Castiel hin und her nur um mit zitternden Finger vor ihm stehen zu bleiben.
„Und ich habe auch noch geglaubt, es würde dir irgendetwas bedeuten. Aber nein, bei der besten Gelegenheit machst du dich davon um deinem tollen Vater einen Gefallen zu tun!“, knurrte er.
Castiel sah betrübt in seinen dunklen Tee. Er wusste nicht was er sagen sollte und wollte Dean nicht noch wütender machen.
„Es ist sehr wichtig, Dean.“, versuchte er es.
„Für wen?! Hast du mal gecheckt was dein Vater mit dir angerichtet hat?!“
„Dean-“
„Er hat dich verdammt nochmal misshandelt!“, Dean griff grob nach Castiels Pullover und zerrte ihn hoch bis zur Brust. Mit der anderen Hand stieß er ihn dann gegen das vernarbte Zeichen von sich.
Castiel stolperte rückwärts, der heiße Tee schwappte auf seine Brust und den Boden und er zuckte vor der Verbrennung zurück. Er biss die Zähne zusammen und strich seine Kleidung gerade.
„Du hast mich sehr enttäuscht, Castiel.“, sagte Dean jetzt sehr ruhig, „geh doch hin wo der Pfeffer wächst. Dann bist du mich endlich los.“
Er drehte sich um und stapfte aus dem Raum, gab der Flasche noch einen Tritt, sodass sie gegen die Wand flog und einen feuchten, dunkeln Fleck hinterließ. Dann riss er die Haustür auf und knallte sie hinter sich zu.
Castiel starrte ihm nach und ließ sich dann vorsichtig auf den Boden sinken. Seine Beine waren unglaublich weich, er konnte kaum stehen. Er vergrub das Gesicht in den Händen um seine Tränen zu verstecken. Seine Schultern bebten und sein ganzer Körper erzitterte unter seine Trauer, die er empfand. Er hatte Dean nie so gesehen. Noch nie so enttäuscht und verletzt und er konnte den Anblick nicht ertragen, der sich in sein inneres Auge gebrannt hatte.
„Es tut mir leid.“, flüsterte er atemlos und hoffte, dass wenigstens Gott ihn hören würde.
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