Situations

von - Leela -
KurzgeschichteAllgemein / P12
Eddie Futura Jake
30.06.2013
03.10.2013
2
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Diese Kurzgeschichten gehören zu dem Projekt »Meme 4«. Bei den Meme-Projekten geht es darum, bestimmte Situationen anhand einer vorher festgelegten Liste von Charakteren zu schreiben, ohne vorher zu wissen, was auf welche Charaktere zukommt und welche Konstellationen sich daraus ergeben. Die Liste der Charaktere zu diesem Projekt lautet wie folgt:

1. – Eddy
2. – Apparitia
3. – Tracy
4. – Tasha
5. – Scared Stiff
6. – Futura
7. – Jake

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Situation 1:

Vorgabe:
● 1 und 3 haben beide einen Scheißtag gehabt und treffen sich abends in einer Kneipe (ob sie zufällig aufeinandertreffen oder sich verabreden, könnt ihr selbst entscheiden), wo sie zusammen einen trinken und sich unterhalten. Dabei übertreibt 3 es leider und 1 muss sich um ihn/sie kümmern.
● Eddy und Tracy haben beide einen Scheißtag gehabt und treffen sich abends zufällig in einer Kneipe, wo sie zusammen einen trinken und sich unterhalten. Dabei übertreibt Tracy es leider und Eddy muss sich um ihn kümmern.


Ein Desaster kommt selten allein

Tasha hörte nur noch die Haustür zuschlagen und zuckte unwillkürlich zusammen.
      Indes kam Jake nachdenklich in’s Büro und schien ebenfalls nicht ganz bei der Sache zu sein.
      „Alles in Ordnung?“ fragte sie vorsichtig.
      „Ich weiß nicht… Ich habe Tracy noch nie so ungehalten erlebt. Er hat mich eben einfach stehen gelassen und ist gegangen, wohin auch immer! – Und was ist mit dir? Wo ist denn Eddy?“
      Sie machte eine hilflose Geste. „Das einzige, was ich von ihm noch gesehen habe ist eine schöne Rückenansicht, bevor die Tür vom Ghostkommando in’s Schloß gehauen wurde.“
      Jake sah sie perplex an.
      „Es ist wohl heute einiges schief gegangen.“ meinte Tasha mit einem kleinen humorlosen Lächeln.
      Etwas verloren standen die beiden im Büro, bis Jake sagte: „Dann machen wir uns zusammen einen schönen Abend, oder?“ Er ließ ein verlegenes Lächeln folgen.
      Sie konnte nicht anders, als das Lächeln zu erwidern. „Okay…!“

Eddys Weg hatte ihn einige Meter die Straße hinunter in eine kleine gemütliche Kneipe geführt, die den Ghostbustern schon als sporadisches Stammlokal diente.
      Schon als er eintrat, sah die Wirtin auf. „Na, keinen guten Tag gehabt, Süßer?“ erkundigte sie sich fürsorglich, als er sich einen der Barhocker nahm.
      „Das kannst du wohl sagen, Elaine!“ erwiderte er erschöpft.
      „Was ist denn los bei euch in Ghost Command?“ erkundigte sie sich erstaunt. Auf Eddys verwirrten Blick hin deutete sie an die andere Seite des Tresens, wo Tracy mit ebenso betretener Miene saß.
      Eddy hielt konsterniert inne, dann ging er zu dem Gorilla herüber, der bereits von Elaine sein Bananenbier bekommen hatte. „Tracy, was machst du denn hier?“
      Tracy brummte etwas unverständliches und nahm einen weiteren Schluck Bier.
      „Du ertränkst deinen Frust in Bananenbier?“ übersetzte Eddy.
      „Oki Doki!“ kam es mißmutig.
      Eddy hielt nachdenklich inne. „Dann hast du wohl einen genauso tollen Tag hinter dir wie ich…“
      Tracy sah erstaunt, aber auch etwas zweifelnd auf.
      Inzwischen gesellte sich Elaine von der anderen Seite zu ihnen und sah Eddy an. „Was darf ich dir denn bringen, Schätzchen? Himbeersoda?“
      „Ja, bitte!“ erwiderte Eddy, und wenigstens die Wirtin schaffte es, ihm heute Abend noch ein Lächeln zu entlocken. Elaine kannte die Jungs mittlerweile alle so gut, daß manche Fragen nur noch rhetorisch kamen, und sie war mit ihrer fürsorglichen, fast mütterlichen Art so manches Mal schon ein willkommener Zufluchtsort für einen von ihnen geworden.
      Elaine stellte den gefüllten Maßkrug vor Eddy auf den Tresen. „Und, was hat dir den Tag verhagelt? Tracys Geschichte kenne ich ja schon.“
      Nun wurde auch der Gorilla aufmerksam. „Ja, erzähl mal! Was hat dir den Tag vermiest?“
      Eddy ließ sich auf die verschränkten Arme sinken und starrte in die Leere. „Ach, alles irgendwie. Heute Morgen schon eine Diskussion mit Jake, bei der ich mir mal wieder ziemlich blöd vorgekommen bin, dann wollte ich das machen, was ich eigentlich sowieso vorhatte - nämlich malen - auch wenn ich da schon keine rechte Lust mehr hatte, jedenfalls hatte ich gerade angefangen, als ich feststellte, daß mir ein paar Farben fehlten, unter anderem welche, die ich unbedingt gebraucht hätte - es ist ja nicht so, daß Tasha die aus der Stadt mitbringen wollte, als sie das letzte Mal dort war - und zum krönenden Abschluß, als ich mich völlig gefrustet dazu entschlossen habe, mir als Alternative etwas zu essen zu machen, fällt mir das letzte Glas Marshmallowcreme aus dem Regal und verteilt sich in Scherben über den gesamten Küchenboden. Und ab da hatte ich dann keine Lust mehr!“
      „Hm, verständlich. Hast du denn immer noch nicht rausgefunden, wo du die Marshmallowcreme herbekommen kannst?“ erkundigte sich Elaine, die sich daran erinnerte, wie Eddy händeringend auf der Suche nach der Creme war, als diese nach und nach in den Läden aus dem Sortiment genommen wurde.
      „Doch, aber dafür müßte ich nach Kanada oder Skandinavien fahren. Für meinen Toast hat das vorhin leider nichts genützt!“
      Elaine lächelte aufmunternd. „Komm’ erst mal ein bißchen zur Ruhe und genieße deine Soda. – Ich muß mich eben um ein paar Gäste kümmern!“
      Eddy nickte, dann wandte er sich Tracy zu. „Und was ist dir passiert, daß du so schlecht drauf bist?“
      „Frag’ nicht.“ kam die durch Bananenbierschaum gemurmelte Antwort.
      „Komm’ schon, meine Geschichte kennst du jetzt auch.“ bat Eddy.
      „Na gut!“ meinte Tracy, und begann zu erzählen…

      [Gerade arbeitete Tracy intensiv an einer neuen Erfindung. Es erforderte Geschick und Aufmerksamkeit, und die Geduld des Gorillas kannte keine Grenzen, als er vorsichtig eine filigrane Arbeit ausführte.
      Genau in dem Moment, als er vorsichtig an einer heiklen Stelle arbeitete, flog die Tür zur Werkstatt auf, und Jake rief: „Hey, Trace, was hältst du davon…“
      Weiter kam er nicht, denn der Gorilla, schreckte aufgrund der Störung zusammen und löste dadurch eine Kaskade aus, die seine gesamte Erfindung mit lautem Gepolter zum Einsturz brachte. Den Draht noch in der Hand, mit dem er gerade gearbeitet hatte, stand er vor einigen Stunden Arbeit, die sich gerade in Nichts aufgelöst hatten und starrte auf den Haufen Metall zu seinen Füßen, ohne bereits richtig realisiert zu haben, was gerade passiert war.
      Jake war selbst erschrocken zusammengezuckt und hatte die Hände vor’s Gesicht geschlagen. „Oh… Das tut mir leid, Tracy! Ich konnte ja nicht ahnen, daß du gerade an einem Kartenhausprojekt arbeitest…“
      Das war der Moment, in dem Tracy kurz davor stand, aus dem Fell zu fahren und sich so abrupt zu Jake umdrehte, daß der vorsichtshalber ein bis zwei Schritte rückwärts stolperte. „Kannst du lesen?“ knurrte der Gorilla. Jake schnappte nach Luft, als Tracy ihm folgte und die Tür zur Werkstatt zuschlug, damit Jake das Schild mit dem: »Bitte nicht stören!« lesen konnte.
      „Oh…“ Jake lachte nervös. „Das tut mir leid…“
      „Sagtest du bereits!“ grollte Tracy und schritt an ihm vorbei, um Handfeger und Schaufel zu holen.]

      „Ach du meine Güte!“ kommentierte Eddy. „Das ist wirklich ärgerlich!“
      Tracy grunzte etwas, das wie eine Bestätigung klang und nahm noch einen Schluck Bananenbier.
      Eddy überlegte derweil, daß sein Tag vielleicht doch nicht ganz so schlecht gewesen war wie Tracys, immerhin war nichts passiert, was einen nachhaltigen Schaden verursacht hatte; selbst das Glas Marshmallowcreme konnte man irgendwie wiederbeschaffen. Manchmal brauchte man nur jemanden, dem es noch schlechter ging als einem selbst, um die Sache aus einer anderen Perspektive zu betrachten. „Oh, Tracy, das tut mir so leid für dich!“
      Tracy hob sein Glas, um mit Eddy anzustoßen, und der erwiderte die Geste gerne. Gemeinsam getragenes Leid war irgendwie gleich leichter zu ertragen.
      „Kannst du denn deine Erfindung wieder aufbauen?“ fragte Eddy vorsichtig.
      „Keine Ahnung!“ erklärte Tracy.
      „Dann hast du dir keine Pläne gemacht?“ mutmaßte Eddy.
      Der Gorilla schüttelte den Kopf. „War ein spontanes Projekt.“
      „Oh…“ Eddy sah betroffen in die Leere. Sicher war es dann noch ärgerlicher. „Jake hat es aber sicher nicht herausfordern wollen.“ lenkte er für seinen Partner ein.
      „Das nützt mir auch nichts!“ gab Tracy zurück und nahm einen großen Zug aus seinem Maßkrug.
      „Ja, ich weiß…“ meinte Eddy zerknirscht.
      Einen Augenblick versanken die beiden in Gedanken, während sie sich ihren Getränken widmeten.
      Nach einer Weile kam Elaine wieder um den Tresen herum, als die beiden bereits gedankeversunken in ihre leeren Krüge starrten. „Noch mal Himbeersoda und Bananenbier?“ erkundigte sie sich.
      „Ja, bitte!“ erwiderte Eddy.
      Tracy nickte zustimmend.
      Die Wirtin kümmerte sich sofort um die Bestellung und tauschte die Krüge vor Eddy und Tracy aus. „Soll ich es mit auf eure Rechnung anschreiben?“ fragte sie.
      „Ja, das wäre nett.“ erwiderte Eddy.
      „Am besten bei Jake!“ fügte Tracy mißmutig an, wobei man ihn nur noch knapp verstehen konnte.
      Eddy konnte sich ein spontanes Schmunzeln nicht verkneifen. „Meins kannst du dann auf Jake, Tasha und mich verteilen! – Nein, war nur ein Spaß.“
      Elaine schüttelte mit einem Grinsen den Kopf. „Na, wenigstens dir ist der Humor nicht ganz vergangen.“
      „Ich glaube, ich mußte vorhin einfach nur mal raus.“ meinte Eddy.
      Elaine nickte. „Ja, manchmal hilft das. Schön, daß es zumindest bei dir klappt. Aber was machen wir mit dem armen Tracy?“
      Eddy schaute etwas ratlos. „Ich würde dir ja sogar bei deiner Erfindung helfen, wenn du noch weißt, wie das geht…“
      Plötzlich kam Leben in den Gorilla, als er eine abwehrende Geste machte und vehement den Kopf schüttelte.
      „Na, herzlichen Dank! Das habe ich gerade gebraucht!“ kommentierte Eddy. „Passend zum Tag werde ich mal wieder als Jahrhundertstollpatsch abgestempelt!“
      „Ich glaube, es geht Tracy eher darum, daß er niemanden an seine Erfindung lassen möchte, vor allem, wenn es so etwas heikles ist wie diese, oder?“
      Tracy nickte.
      „Na gut!“ beruhigte sich Eddy wieder. „Das sei dir zugestanden.“ Er nahm einen Schluck Himbeersoda und warf Elaine einen dankbaren Blick zu. „Wenn einen das nicht wieder aufbaut, dann weiß ich auch nicht…“
      Plötzlich sackte Tracy schlicht auf dem Tresen zusammen und blieb dort reglos liegen.
      Eddy und Elaine zuckten erschrocken zusammen.
      „Oh-oh… Das war wohl ein Bananenbier zu viel.“ bemerkte Elaine.
      „Meinst du? Sonst schafft er doch locker noch eins mehr…“ wunderte sich Eddy.
      „Er hatte vorhin schon eins!“ bemerkte sie betreten.
      „Ja, aber trotzdem! Das hat ihn noch nie so ausgeknockt!“
      „Meistens eßt ihr aber auch etwas, wenn ihr hier seid, und ich habe seine Verfassung nicht mit eingerechnet.“ gestand Elaine.
      Etwas beklommen stupfte Eddy Tracy an. „Tracy?“
      Der Gorilla hob den Kopf, gab etwas von sich, was noch undeutlicher klang als gewöhnlich und sank wieder zurück auf die verschränkten Arme.
      „Ich glaube, ich bringe ihn mal besser nach Hause.“ stellte Eddy fest und stand auf.
      Elaine musterte ihn besorgt. „Schaffst du das?“
      „Ich muß! Aber so weit ist es ja nicht bis nach Hause.“
      Elaine sah noch nicht so ganz überzeugt aus, nickte aber. „Dann wünsch’ ihm mal gute Erholung von mir!“
      Eddy nickte, während er sich den völlig desolaten Gorilla griff und auf dem Weg zur Tür abstützte. Elaine machte ihnen schnell die Tür auf und sah ihnen besorgt nach, als sie den Heimweg antraten.

Wie weit der Weg bis nach Hause tatsächlich werden konnte, merkte Eddy erst, als sie auf dem Weg waren. Der Gorilla war schwer, und er mußte ihn stützen, damit er nicht beim Schwanken entweder an einer Hauswand, oder - noch schlimmer - auf der Fahrbahn landete.
      Am schlimmsten allerdings war, daß Tracy irgendwann anfing, einige Gassenschlager zu singen, und versuchte, mit jedem Passanten in’s Gespräch zu kommen, der ihnen über den Weg lief. Am meisten tat ihm die alte Dame mit dem Rollator leid; obwohl er sich nicht einmal ganz sicher war, ob es ihr nicht sogar geschmeichelt hatte, als Tracy sie angeflirtet hatte. Mit zusammengebissenen Zähnen hatte er Tracy weitergezerrt. Und wieder einmal wußte er, warum er selbst sehr vorsichtig mit Alkohol war. Was Tracy wohl dazu sagen würde, wenn er ihm am nächsten Tag davon erzählte…?
      Jetzt mußte er jedoch erst mal aufpassen, daß er nicht unter dem Gorilla begraben wurde, als er gefährlich gen Fahrbahn abdriftete. Er stemmte sich mit seinem gesamten Gewicht gegen Tracy, und mit aller Kraft gelang es ihm, ihn wieder in die andere Richtung zu dirigieren. Dafür mußte er nun aufpassen, daß Tracy nicht in eine der dunklen Seitengassen abdriftete.
      Als er seinen Freund soweit wieder unter Kontrolle hatte, daß er geradeaus laufen konnte, atmete er durch. Was für ein Abend…

Jake und Tasha hatten es sich mittlerweile vor dem Skelevision bequem gemacht. Es lief gerade eine Wiederholung von Star Trek, und Jake hatte »Ben & Jerrys« besorgt, sozusagen als Seelentrost für diesen so merkwürdig verlaufenen Tag.
      „Sind deine Eltern eigentlich Star Trek-Fans?“ erkundigte sich Jake.
      „Wie kommst du jetzt darauf?“
      „Na, ich habe mich gerade gefragt, ob du nach Tasha Yar benannt worden bist!“
      Sie sah ihn erstaunt an. „Na, nun denk’ mal nach! Wenn du meinen Jahrgang zurückgerechnet hast, kommst du bestimmt selbst drauf.“
      Jake stutzte und errötete leicht. „Oh, äh…“
      In dem Moment hörten sie Tumult aus der Garage und schreckten auf.
      „Was ist denn da los…?“ entfuhr es Jake, und sprach damit Tashas Gedanken aus.

Eddy hatte es nicht geschafft, Tracy die Treppe zum Ghostkommando hochzubekommen. Alternativ hatte er sich dazu entschlossen, den Weg durch die Garage anzutreten. Tracy schwankte gefährlich, und Eddy mußte alle Aufmerksamkeit und Kraft aufbringen, um ihn in die Richtung zu lenken, in die er ihn haben wollte. „Okay! Jetzt ist mein Tag richtig im Arsch!“ bemerkte er zu sich selbst. „Gut, daß ich nur Himbeersoda hatte!“
      GB schreckte aus dem Schlaf, als plötzlich Gepolter laut wurde, und eine lallende Stimme etwas vor sich hinsang, daß von der Melodie her wie 99 Luftballons klang.
      Eddy stellte Tracy in der Garage ab, taxierte dessen Gleichgewicht genau aus und sah sich besorgt an, wie der Gorilla leicht schaukelte, während er noch einen Moment in einer umsichtigen Geste die Hände erhoben hatte, um im Zweifel eingreifen zu können. „So, bleib’ jetzt bitte einfach einen Moment so stehen!“ wies er seinen Partner an, während er sich sinnig entfernte, um das Garagentor zu schließen.
      Er war noch dabei, als er plötzlich ein bedrohliches Geräusch hinter sich vernahm, so als wenn jemandem übel wurde, und kurz darauf hörte er auch schon den erstickten Aufschrei von GB. „Hey, nicht doch! Bist du verrückt?“
      Eddy wirbelte herum und sah, wie sich der Gorilla gerade über das Ghostbuggy lehnte, um sein Bananenbier Retour gehen zu lassen. „Nein, nein, nein, nein, nein…“ Das Garagentor war vorerst vergessen, dafür rannte Eddy zu dem Gorilla, riß ihn von GB weg, und - wie er das geschafft hatte, wußte er nicht - drängte ihn zu der Seite der Werkbank, wo ein Eimer stand. Mit Müh’ und Not postierte er Tracy dort mit den Händen an der Wand, um den Koloß abzustützen und amtete durch.
      Und nicht nur er atmete durch. „Du hast was gut bei mir!“ meinte GB hörbar erleichtert.
      Eddy war gerade gar nicht aufnahmefähig für den Dank des Ghostbuggys und bemühte sich, sich erst mal selbst zu sammeln, bevor er nun das Garagentor endgültig schloß. Dann verschaffte er sich einen Überblick. Tracy stand noch immer an der Wand abgestützt und übergab sich in den Eimer. Es war kein schöner Anblick. ‚Okay. Irgendwie muß ich ihn nach oben in sein Bett kriegen. Im Augenblick ist das aber ein ungünstiger Zeitpunkt.’ dachte er bei sich.
      Während Tracy Töne von sich gab, als würde er sterben, sah Eddy sich den Weg von der Werkbank bis zum Skelevator an. Er mußte es schaffen, Tracy in die Kabine zu bugsieren, dann hatte er die halbe Miete. „Kannst du bitte einen Moment die Tür offen lassen, Skevi?“ fragte er den Skelevator.
      „Ja, sicher kann ich das! Was hast du vor? Willst du einen Schrank nach oben transportieren?“
      „So etwas ähnliches.“ murmelte Eddy und sah nach Tracy.
      Der hatte sich mittlerweile soweit wieder beruhigt, daß es ihm mit ruhigen Durchatmen gelang, auf den Füßen zu bleiben.
      Eddy nutzte die Chance und dirigierte Tracy zum Skelevator. Als er das geschafft hatte, lehnte er seinen Kameraden an die Wand und atmete erneut durch.
      „Wo soll es denn hingehen?“ erkundigte sich der Skelevator.
      „Erste Etage und möglichst direkt zu Tracys Bett.“ erwiderte Eddy erschöpft.
      „Tut mir leid, aber da habe ich keinen Zugang zu!“
      Eddy sah alarmiert auf. „Wie, du hast keinen Zugang zur ersten Etage?“
      „Ich meinte zu Tracys Bett!“
      Eddy stöhnte. „Das war auch nur so. Jetzt fahr schon los, ich will das wandelnde Elend endlich schlafen legen!“
      In dem Moment machte Tracy erneut Anstalten sich zu übergeben, und spätestens jetzt erkannte der Skelevator den Ernst der Lage. „Bin schon auf dem Weg!“ Mit Irrsinnsgeschwindigkeit schoß der Skelevator los.
      Das Resultat war, daß Tracy sich allein aufgrund der Wucht der Fahrt hatte erneut übergeben müssen, und daß Eddy sich ihm fast angeschlossen hätte.
      „Danke, Skevi! Das war gerade sehr undiplomatisch!“ bemerkte Eddy, als sie in der ersten Etage zum Stehen kamen.
      „Das habe ich gemerkt…“ ließ sich der Skelevator verhalten vernehmen.
      „Ich mach’ das gleich sauber!“ versprach Eddy und dirigierte Tracy nun aus dem Skelevator zum Büro, wo die beiden von zwei besorgten Blicken empfangen wurden.
      „Was ist denn mit euch passiert?“ entfuhr es Jake.
      „Mit mir nichts.“ erwiderte Eddy. „Aber Tracy hat sich komplett abgeschossen!“
      Tracy stand schwankend im Büro und machte den Eindruck, den Begriff »Elend« erfunden zu haben.
      Jake lief sofort zu den beiden herüber, um Eddy zu unterstützen. Doch so weit kam er gar nicht, denn anscheinend war Tracy noch soweit aufnahmefähig, um ihn als Verursacher des ganzen Übels zu identifizieren und schob ihn, zwar mit einer unkoordinierten Geste, aber mit grimmiger Miene weg. „Hey…“ rief Jake aus dem Konzept gebracht.
      „Ich glaube, er verbindet gerade nicht so wirklich etwas positives mit dir.“ vermutete Eddy, der sich bemühte, den schwankenden Affen zu stützen.
      „Schaffst du das denn allein?“ fragte Jake.
      Eddys Blick drückte stille Verheißung aus. „Sicher! Ich habe ja schon Übung! – Aber ich habe eine schöne Aufgabe für dich: Du könntest mal den Skelevator saubermachen!“
      Jakes Blick verhieß eine stille Vorahnung, der er nicht gerade mit Freude entgegensah, er wehrte sich aber nicht dagegen und machte sich an die Arbeit.
      „Geht’s?“ fragte Tasha und stützte Tracy von der anderen Seite.
      Etwas erstaunt bemerkte Eddy, wie allein das schon eine Entlastung für ihn war. „Kriegen wir ihn in sein Zimmer?“
      „Irgendwie muß das gehen!“ Zusammen stützten sie den desolaten Affen, bis sie in seinem Zimmer angekommen waren. Tasha nahm schnell die Bettdecke vom Bett, während Eddy seinen Kumpel im Gleichgewicht hielt.
      Gemeinsam schafften sie es schließlich, den Gorilla in sein Bett zu verfrachten, wo er praktisch umgehend unter lautem Schnarchen einschlief. Tasha horchte auf, als Tracy etwas im Schlaf murmelte, das entfernt klang wie: „Morgen Schlösser austauschen.“
      Sie sah Eddy an. „Weißt du, was er damit meint?“
      Eddy hob die Schultern.
      Tasha legte Tracys Hut beiseite und deckte ihn zu. „Sollten wir sicherheitshalber noch einen Eimer aufstellen?“ fragte sie.
      „Ich bin nicht sicher, ob das jetzt noch erforderlich ist.“ kommentierte Eddy, wenn er darüber nachdachte, was der Affe bereits alles von sich gegeben hatte.
      „Schaden kann’s aber nicht.“ meinte Tasha.
      Eddy nickte. „Apropos Eimer, ich muß noch mal runter zu GB in die Garage schauen. Ich konnte knapp verhindern, daß er das Ghostbuggy als »Eimer« zweckentfremdet.“
      So trennten sich erst mal ihre Wege, und Tasha warf Eddy einen mitfühlenden Blick nach.
      Jake hatte mittlerweile den Skelevator ordentlich gewischt und das Chaos beseitigt.
      „Tracy sollte sich öfter mal übernehmen.“ meinte der Skelevator. „Dann werde ich wenigstens mal anständig gesäubert!“
      „Sehr witzig!“ kommentierte Jake.
      „Ganz Unrecht hat er aber nicht!“ bemerkte Eddy unvermittelt, so daß Jake zusammenzuckte. „Sorry.“ meinte er verlegen. Dann erklärte er: „Ich muß eben noch mal runter zu GB, den Rest des Chaos aufräumen.“
      „Gut!“ Jake nahm den Wischeimer und den Feudel und machte ihm den Weg frei.
      Eddy stellte sich in die Kabine und atmete durch. „Und dieses Mal bitte schön sinnig, Skelevator!“ wies er vorsichtshalber an.
      Der Skelevator kommentierte das lediglich mit einem verlegenen Lachen und fuhr los.
      Kurz darauf trafen sich Jake und Tasha, und sie schnappte erfreut nach Luft, als sie dem konsternierten Jake den Wischeimer aus der Hand nahm. „Prima, den brauche ich gerade!“ Und schon war sie mit dem Eimer verschwunden, und ließ Jake mit dem Feudel und einer verdutzten Miene stehen.
      Ein paar Minuten später konnten zumindest die beiden wieder durchatmen. Sie wechselten einen nachdenklichen Blick.
      „Mit Tracy werden wir erst mal nichts anfangen können.“ stellte Tasha fest. „Aber wollen wir etwas schönes für Eddy machen? Nach dem Tag ist das mehr als verdient, oder?“
      Jake nickte. „Ich weiß auch schon was! Wir machen gleich Schokoladenpudding! Schokolade ist Seelenfutter, das kann Eddy gerade sicher gut gebrauchen!“
      „Prima!“ freute sich Tasha.
      Indes gesellte sich Eddy völlig erschöpft wieder zu ihnen. „Okay! Das war’s. Dieser Tag ist deklariert als der schlimmste in meinem Leben! Das wird heute auch nicht mehr besser!“
      Tasha und Jake grinsten sich an.
      „Abwarten!“ meinte Jake, und die beiden gaben ihm einen euphorischen Wink in die Küche. Doch gerade als sie enthusiastisch eintreten wollten, stockte Tasha im Schritt, und Jake quiekte erschrocken auf. „Was ist das denn…?“
      Mit Entsetzen sahen sie auf das zersprungene Glas Marshmallowcreme, und Jake verzog angewidert die Miene, als das Zeug bereits unter seinen Schuhen klebte.
      Eddy ließ sich ein resigniertes Schmunzeln vernehmen. „Ich sagte doch, heute wird’s nicht mehr besser! Glaubt mir doch einmal im Leben!“
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