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Urlaub in Zamonien

von No Cookie
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Hildegunst von Mythenmetz
29.06.2013
13.08.2013
12
15.295
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29.06.2013 664
 
Urlaub in Zamoninen


Endlich war sie da. Die am sehnlichst erwartete und am heißesten geliebte Zeit des ganzen Jahres. Frühlingsanfang.
Da der Professor sich schon seit ungezählten Ewigkeiten nicht mehr in seiner Lehranstalt hatte blicken lassen, wurde die Leitung derselben schlicht in die Hände der alteingesessenen Schüler gelegt, die doch längst Professorenniveau erreicht hatten. Zur großen Freude uns einfacher Schüler hatten diese beschlossen sich am Brauch der freien Tage zu beteiligen und die Tore der Nachtschule für ein bis zwei Wochen zu schließen.
Voller Freude hatte ich all meine Pyras zusammengekratzt um diese großartige Möglichkeit zu nutzen. Ich wollte all die berühmten, sagenumwogenen und wunderschönen Orte von denen ich doch soviel gelesen hatte wenigstens einmal mit eigenem Auge betrachten. Um dieses Ziel zu verwirklichen hatte ich eine Rundreise durch Zamonien, mit geschulter Führung gebucht.
Es war nichts großartiges, ehrlich gesagt nur eine Pauschalreise der unteren Preisklasse, aber mehr ließ mein Pyrasbeutel einfach nicht zu und es war allemal besser als gar nichts.
Bereits seit drei Tagen schaukelte ich nun schon auf dem Rücken des braven Kamedars, welches uns als Reisemittel diente durch die Zamonische Landschaft.
Mit staunend aufgerissenem Mund und respektvollen beeindruckt sein, bestaunte ich, die wenigen Minuten die uns dafür blieben, all die Sehenswürdigkeiten zu denen wir geführt wurden. Meine Reisekameraden taten es mir gleich, manche ganz unbelehrbaren kauften gar von windigen Händlern, sehr schlecht gezeichnete Gemälde der Attraktion.
Wir waren ein wirklich lieblos zusammengeworfener Haufen, wo einer kaum zum anderen passte und für die Qualität der ganzen Reise stand. Direkt vor mir ritt eine Buntbärenfamilie, wobei die Kinder ununterbrochen lautstark in ihren Körben tobten und den armen Vater bereits am ersten Abend zu einer heftigen Schimpftirade gebracht hatten. Zwei Kamedare hinter mir hatte das wohl unglücklichste Paar seinen Platz gefunden. Ein Natifftoffe mit Fell schwarz wie die Nacht und stets tadellosester Kleidung musste sich sein Reittier mir einem Stollentroll teilen, welcher in meckerndes Gelächter ausbrach wann immer ihn sein steifer Nachbar unter die Augen kam.
Ich selbst hatte da mehr Glück, mehr oder weniger. Pompöösus war ein Schweinsbarbar wie er im Buche stand. Sein dunkelbraunes Fell war Fettig und starrte stets vor Dreck. Die prachtvollen Röllchen, die durch seine üppigen Pfunde hervorgerufen wurden quollen über die Ränder seiner Sitzgelegenheit hervor und trugen maßgeblich Schuld an der Schlagseite unseres Kamedars. Er war ständig am Essen, rülpste bei jeder Gelegenheit lauthals und er hatte wirklich keinerlei Manieren. Kurz gesagt, ich mochte ihn, er erinnerte mich einen Mitschüler mit dem ich oft und gerne meine Zeit verbrachte.
Unter Kontrolle gehalten wurde dieser Haufen von unserer Reiseleiterin. Einer Tratschwelle die von Freunden und auch von uns Gerüchteküche gerufen wurden.
Sie trug diesen Namen nicht ganz zu unrecht. Zumindest hatte sie uns diese Überzeugung schon am ersten Tag unter Beweis gestellt. Scheinbar tat sie nichts lieber als schmutzige Geheimnisse oder üble Verleumdungen über ehemalige Reisegäste in der Welt zu verstreuen.
Trotz allem lauschten wir ihr gebannt, wenn sie in beeindruckender Geschwindigkeit und leicht gelangweilter Stimme Fakten, Daten und einige Neuentdeckungen über all die Sehenswürdigkeiten erläuterte.
Doch das alles war für mich nur verhalten wichtig, eine interessante Einleitung für die Sensation, welcher ich nun seit drei Tagen ungeduldig harrte. Und heute sollte es soweit sein. Endlich würde ich sie zu Gesicht bekommen. Die Lindwurmfeste.
Heimat der größten Dichter der Welt... Schöpfer der herrlichsten Wunderwerke.... meiner Götter des geschriebenen Wortes....
Peinlich berührt schüttelte ich meinen Kopf und wischte mir die schweißnassen Hände, die bis eben noch die Reisebroschüre heftig zerknittert hatten, an der Latzhose ab. Da war wohl wieder das Buchlingblut mit mir durchgegangen. Ein Erbe eines Onkels väterlichseits.
„Nun sieh dir das an“ klang Pompöösus Stimme dröhnen an mein Ohr und ein Schlag, der wohl meine Aufmerksamkeit erregen sollte, erschütterte meine ganze Erscheinung.
Gehorsam blickte ich auf nur um zu sehen wie sich die Lindwurmfeste majestätisch über den Horizont erhob. Die dunkeln Felsen riefen mir aus der Ferne einlandend zu und die Sommersonne ließ sie erstrahlen als wäre sie aus feinstem Kristall.
Endlich, endlich wir waren da.
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