Essentielle Veränderung

GeschichteSci-Fi, Übernatürlich / P12
29.06.2013
29.06.2013
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Wörter: Adel, Licht,Matrose, Schuhkarton, Auflauf.

Das Orakel besagt:
"Nicht einmal wer adlig vom Gemüt,
Oder wer aus großem Lichte sei erblüht,
Den wird beschützen,
Vor einer Bedrohung,
Erschaffen aus Pappe, Nähten und Lederimitat.
Nur retten kann,
Ein holder Mann.
Der See.

Dieser Orakelspruch aus einem Matrosenlied von den alten Griechen gilt bis heute als unentschlüsselbar.

Doch Peer Ibsen war das herzlich egal. Der Matrose schrubbte Grade das Deck der Gorch Fock, Deutschlands größtem Schulschiff, eher gesagt, Deutschlands dreckigstem Schulschiff. Ibsen, der erst vor zwei Monaten aus Norwegen nach Deutschland gekommen war, hatte sich sofort der Marine gemeldet, was schon als kleines Kind sein größter Traum war. Allerdings sprach er kein einziges Wort Deutsch, welches der Ausbilder sofort ausnutzte und ihn zum Deck schrubben abkommandierte.


Der Prophet der pseudo-christlichen Sekte stand auf seinem Zimmerbalkon des Hotels Adlon. Während er die Berliner Morgenluft genoss, lächelte er fast unweigerlich. Er hatte das Matrosen- Orakel entschlüsselt. Die Apokalypse war nah. Er war an seinem Ziel. Er hatte lange darauf hingearbeitet, doch die harte Arbeit machte sich bezahlt.
'Morgen wird die ESSENZ fertig sein. Ab da kann mich niemand mehr aufhalten!!'

Peer Ibsens Ausbilder bekam Ärger. Sein Chef, Admiral von Weidmann, weilte zwar in Berlin, hatte es jedoch geschafft selbst aus dem Adlon heraus ihn zur Schnecke zu machen.
"Was haben sie sich dabei gedacht? Einen Matrosen, der extra aus Norwegen zu uns kommt, Arbeiten aufzuerlegen, die eigentlich andere machen sollten, ist inakzeptabel! Bringen sie das in Ordnung!" "Ja, Sir." Danach war plötzlich die Leitung tot. Der Ausbilder starrte 2 Sekunden lang auf den Hörer, ehe ihm klar wurde, dass sein Ausbilder aufgelegt hatte.

Ein vereinzelter Sonnenstrahl brach durch die Wolkendecke und versetzte das Deck der Gorch Fock in ein schummriges Licht. Der Ausbilder sah den in der Ferne arbeitenden Norweger, seufzte und setzte sich zögernd in Bewegung. Bewaffnet mit einem Wörterbuch versuchte er Peer Ibsen klar zu machen, dass er sich beim Kapitän melden solle, um sich dort um die Seekarten zu kümmern.
Nachdem Ibsen immer mit noch immer unwissenden Gesicht Richtung Brücke abgezogen war, machte der Ausbilder einen Rundgang über das Schiff. In 5 Minuten würde die Gorch Fock zu einer zweiwöchigen Schulungsreise aufbrechen. Seine Gedanken wanderten in Richtung seiner Familie. Seine Frau, mit der es seit 2 Jahren auch nicht mehr gut lief, war vor 2 Monaten einer Sekte beigetreten, die lediglich einem Anführer folgte, sie nannten ihn "den Propheten". Auch ihn wollten sie in die Sekte eingliedern, aber er schob die Antwort schon seit 4 Wochen vor sich her. Das Schiffshorn ertönte und die Gorch Fock legte ab.

Nachdem die Frau des Ausbilders vom Gemeinschaftstreffen zurückgekehrt war, und ihre Tochter aus dem Kindergarten abgeholt hatte, machte sie sich an das Mittagessen, Gnocchiauflauf. Währenddessen kickte sie die herumliegenden Zeugen ihres Schuhtickes, Schuhkartons, aus dem Weg. Ihr Mann war gerade auf See, Zeit also, um sich von ihm zu erholen. Wenn er nur endlich der Gemeinschaft beitreten würde, dann würde ihre Ehe auch viel besser laufen. Das Telefon klingelte und während sie vollkommen in das Gespräch vertieft war, wurde der Auflauf langsam schwarz. Doch wenn der Prophet persönlich sie anrief, um sich nach den Fortschritten auf ihrer Arbeit zu erkundigen (sie arbeitete in einem Marinelabor) , dann vergaß sie alles.


Nachdem Admiral von Weidmann mit der Frau gesprochen hatte, rief er seinen engsten Berater an. Heuchlerisch betrat dieser mit gekrümmten Rücken die Hotelsuite. Irgendwann würde er ihm noch einmal den Rücken durchbrechen, das schwor sich der Landadlige von Weidmann. Jetzt sprach es auch noch: "Allerhöchster, Allerehrwürdigster Prophet, was kann ich in meiner Ehrwürdigkeit für sie tun?" "Lauere Mitglied 3620 auf und Stehle ihren Schlüssel für das Marinelabor. Mehr übersteigt deine Kompetenz." Während der Berater sich katzbuckelnd aus dem Staub machte, überlegte der Admiral, wie er dem Ausbilder den Tod seiner Frau schmackhaft machte.
 
 
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