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Die Bürde der schwarzen Magier I - Der Spion

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Drama / P18 / Mix
Ceryni Hoher Lord Akkarin Lord Dannyl Lord Dorrien Lord Rothen Sonea
27.06.2013
27.01.2015
60
658.584
118
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395 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
27.01.2015 10.627
 
Outtakes (Teil 2)



Und hier kommt endlich der zweite Teil der Outtakes und ich kann dieses Buch endlich auf fertiggestellt setzen. Ich entschuldige mich in aller Form, das es so lange gedauert hat. Dieser Teil enthält zwei Leserwünsche, die noch geschrieben werden wollten und leider hatten andere Projekte Vorrang. Die meisten der übrigen Szenen stammen aus der späteren Schreibphase dieses Buches.

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal ganz, ganz herzlich für die 13 Empfehlungen bedanken, die ihr diesem Buch habt zukommen lassen! Danke, dass euch der Spion so gut gefallen hat! Das ist einfach großartig! <3




Das Duell, das nie stattfand (Kapitel 27)


Kurzbeschreibung: Was wäre passiert, wenn Akkarin sich auf Duell mit dem Administrator nach dessen Herausforderung eingelassen hätte? Wäre es Osen gelungen, seinem Zorn in der Arena Luft zu machen oder hätte er sich nur vor der gesamten Gilde blamiert? Wie auch immer die Antworten auf diese Fragen lauten – dieser OS bietet einen einmaligen Einblick in die Gedanken von Lorlens Nachfolger und wie dieser über die Beziehung unserer Lieblingsschwarzmagier denkt.
Warnung: leichte OOC-ness
Dieser OS war ein Wunsch von einer lieben Leserin, die dieses Buch leider nie zu Ende gelesen hat. Da ich so viel Spaß daran hatte, ihn zu schreiben, habe ich entschieden, ihn trotzdem ins Bonusmaterial aufzunehmen, in der Hoffnung, dass andere daran Freude haben.



Der Winternachmittag vor dem Fenstern von Osens Büro war so düster wie seine Stimmung. Schon seit einer Stunde ertappte er sich dabei, wie er nach draußen zu den Masten der Arena starrte, inmitten denen zwei schwarzgewandete Gestalten kämpften. Während sich beim Anblick der kleineren etwas in seiner Brust jedes Mal schmerzhaft zusammenzog, verspürte er bei der anderen einen Zorn, den der Administrator nicht in Worte fassen konnte.

Was glaubte dieser Mann, wer er war?

Ich muss Euch von Eurem Vorhaben abraten, hatte er gesagt, als Osen vorgeschlagen hatte, ihre Differenzen in einem magischen Kampf aus der Welt zu schaffen. Denn es würde nichts an den Tatsachen ändern.

Der Administrator betrachtete die zierliche junge Frau, die sich gerade aufs erbittertste mit ihrem Mentor und Liebhaber duellierte, und er verspürte einen schmerzvollen Stich. Nein, er wäre dumm zu glauben, das würde etwas ändern. Aber es war Zeit, diesem Mann eine Lektion zu erteilen. Osen wollte den anderen Mann spüren lassen, was er von dessen Aktionen hielt. Dieser Mann war ein noch größeres Übel als jenes, das auf der anderen Seite der Berge lauerte. Und es war ein Skandal, dass sie Gilde ihn so einfach wieder in ihrer Mitte akzeptiert hatte.

Als es zum Unterrichtsende läutete, fasste der Administrator einen Entschluss. Akkarin hatte gerade zwei Stunden lang gegen seine Novizin gekämpft, er würde erschöpft sein. Die Gelegenheit hätte nicht günstiger sein können. Rasch schob Osen seinen Stuhl zurück und eilte nach draußen. Nachdem er die Tür seines Büros mit einem magischen Schloss belegt hatte, lief er mit wehenden Roben durch die Eingangshalle der Universität, die Stufen hinab und durch den Park zu der Konstruktion mit den acht Masten, zwischen denen ein starker magischer Schild summte.

Als er die Kampffläche der Arena betrat, sahen die beiden schwarzen Magier auf. „Guten Abend, Administrator“, grüßte Akkarin kühl. „Was kann ich für Euch tun?“

„Ich habe nachgedacht“, erklärte Osen bestimmt. Er erschrak über den Zorn in seiner Stimme, doch dieser überwog die Furcht vor diesem Mann um ein Vielfaches. „Ich wünsche, gegen Euch anzutreten.“

Er höre, wie Sonea die Luft einsog, und musste sich zwingen, sie nicht anzusehen.

„Jetzt.“

Akkarin musterte ihn mit ausdrucksloser Miene. Voll Unbehagen zwang Osen sich, dem durchdringenden Blick des anderen Mannes standzuhalten. Sicher las dieser gerade seine Gedanken.

„In Ordnung“, sagte Akkarin schließlich. Er beugte sich zu seiner Novizin hinab. „Geh schon einmal nach Hause und mach deine Hausaufgaben, Sonea“, sagte er. „Dann haben wir nach dem Abendessen genügend Zeit für deine erste Lektion in Schwertkampf.“

„Ja, Mylord“, erwiderte sie so unterwürfig, dass Osen unwillkürlich erschauderte. Sie verneigte sich, nahm ihre Tasche und verließ die Arena ohne jeglichen Widerspruch. Es war nicht das erste Mal, dass dem Administrator dies auffiel. Doch jetzt, wo er mit den beiden schwarzen Magiern alleine war, gab es keinen Zweifel.

Was hatte dieser Mann ihr angetan? Hatte er sie ins Bett bekommen, indem er sie gefügig gemacht hatte, oder war ihre Gefügigkeit eine Folge dessen? Der Administrator war nicht sicher, ob er das überhaupt so genau wissen wollte. In seinen Augen war es ein Fehler gewesen, dass der König dieses höchst skandalöse Verhältnis überhaupt genehmigt hatte. Osen fand, der König von Kyralia sollte sich nicht von seinen Schuldgefühlen zu solch fahrlässigen Entscheidungen hinreißen lassen. Aber Akkarin war ja sein Freund und Merin hatte ihm unrecht getan, indem er ihn und Sonea nach Sachaka verbannt hatte.

Was den Administrator betraf, so hätte Akkarin in Sachaka bleiben sollen. Dieser Mann war nicht nur ein gefährlicher und unberechenbarer Mensch, der sich der schwarzen Magie verschrieben hatte, er hatte ein junges, unschuldiges Mädchen in seine finsteren Machenschaften hineingezogen und sie in so ziemlich jeder Hinsicht verdorben. Osen konnte sich daran erinnern, dass Sonea auch nach ihrem Beitritt der Gilde ein gewisses Maß an Eigensinnigkeit gezeigt hatte. Ihr Mentor/Liebhaber – Osen fragte sich, ob Liebhaber überhaupt das richtige Wort war, da er damit eine gleichberechtigte Beziehung assoziierte – hatte ihr jedoch jegliche Rebellion ausgetrieben. Dabei war genau das eine der Eigenschaften, die Osen so sehr an ihr schätzte.

„Also Administrator“, riss Akkarin ihn aus seinen Gedanken. „Da Ihr so sehr darauf besteht, Euch vor den Augen der Gilde zum Narren zu machen, sollten wir keine Zeit verlieren. Zudem würde ich es vorziehen, Soneas Abendunterricht nicht zu spät zu beginnen.“

’Gebieter’ trifft es wohl eher, dachte er trocken. Die Erkenntnis verstärkte seinen Zorn. Er würde diesem Mann zeigen, was er von ihm und dem, was er Sonea angetan hatte, hielt.

„Das ist ganz in meinem Sinne“, erwiderte Osen entschlossen. „Bringen wir es hinter uns.“

Sich darauf vorbereitend, dem schwarzen Magier eine Lektion zu erteilen, errichtete er einen Schild. Die Luft um Akkarin begann zu vibrieren, als dieser es ihm gleichtat.

„Im Gegensatz zu den Regeln bei offiziellen Duellen dürft Ihr auch mit Gedankenschlag angreifen“, teilte Akkarin ihm mit.

Osen starrte ihn an. Meinte er das etwa ernst? Es war kein Geheimnis, dass der ehemalige Hohe Lord der Magiergilde sich nicht um Regeln scherte, doch etwas in seiner Stimme ließ den Administrator glauben, dass Akkarin sich über ihn lustig machte.

Aber wenn das vielleicht meine einzige Chance ist, ihn zu besiegen, sollte ich sie ergreifen, fuhr es Osen durch den Kopf.

„Gibt es sonst noch etwas, das ich wissen sollte?“, fragte er.

„Nur, dass ich meine Kampfweise der Euren anpassen werde.“

… damit ich auch eine Chance habe, vollendete Osen den Satz in seinem Kopf. Die kühle Herablassung des anderen Mannes machte ihn rasend. Er fand, Sonea hatte Besseres verdient.

„Also schön!“, rief er. „Fangen wir an!“

„Ich warte auf Euren Einsatz.“

In einem Ausbruch von Zorn griff Osen mit Feuerschlag an. Die Magie prallte gegen Akkarins Schild und dissipierte wirkungslos in alle Richtungen. Die Antwort des schwarzen Magiers brachte den Schild der Arena zum Glühen als gestreute Magie in einem tödlichen Muster darüber jagte. Seine Kraftreserven überprüfend stellte Osen fest, dass die Abwehr des Angriffs ihn einen beträchtlichen Teil seiner Magie gekostet hatte. Jedoch verfügte er immer noch genug für mindestens zehn Angriffe von der Intensität seines ersten Schlags.

Er konterte mit einem zweiten Feuerschlag. Der schwarze Magier wehrte auch diesen mühelos ab und antwortete mit Hitzeschlag.

Osen fluchte innerlich. Er hatte nie viel für die Kriegskunst übrig gehabt. Wie sein Vorgänger war er einst Heiler gewesen. Er bewunderte die Tricks der Krieger, wenn er ihnen bei ihren Übungen zusah, doch wenn er jemals mehr als die verschiedenen Grundangriffe gelernt hatte, so hatte er dies seit seinem Studium wieder vergessen.

Ich muss ihn ablenken …

Osen griff mit mehreren Feuerschlägen an, wie er es unzählige Male in der Arena beobachtete. Doch anstatt einen stärkeren Feuerschlag zwischen ihnen zu tarnen, setzte er den Angriff fort, während er mit seiner Magie einen Kraftschlag formte und von oben in Akkarins Schild krachen ließ.

Jetzt bekommst du, was du verdienst, dachte er grimmig.

Der schwarze Magier runzelte leicht die Stirn und Osen glaubte zu sehen, wie der Kraftschlag von dem Schild zurückprallte und in seine Richtung flog.

„Die Gilde hätte Euch niemals wieder aufnehmen dürfen!“, entfuhr es ihm. „Ohne Euch wären wir besser dran.“

„Ohne mich wäre die Gilde unfähig, der bevorstehenden Bedrohung standzuhalten“, antwortete Akkarin kühl. „Ganz besonders, weil Sonea nicht von meiner Seite weichen würde.“

„Weil Ihr Sonea ihre Selbstständigkeit genommen habt!“

Voll Zorn schickte Osen seinen Worten einen Kraftschlag hinterher. Seine Ohnmacht kannte keine Grenzen, als auch dieser wirkungslos von Akkarins Schild abprallte. Für einen winzigen Augenblick glaubte Osen zu sehen, wie der Schild unter seinem Angriff nachgab und dann nach außen schnellte.

Was für eine finstere Kunst ist das?

„Sonea ist weit selbstständiger als die anderen Novizen in ihrem Jahrgang“, erwiderte der schwarze Magier. „Sie bedarf meiner Anleitung kaum, da sie die meisten ihrer Entscheidungen selbst trifft.“

„Nachdem Ihr sie so erzogen habt, dass sie sie in Eurem Sinne trifft!“, warf Osen ihm vor. „Scheinbare Selbstständigkeit ist nichtsdestotrotz Bevormundung.“

„Ich erinnere mich an ein paar gewisse höhere Magier, die Sonea eine bestimmte Disziplin aufnötigen wollten“, entgegnete Akkarin.

„Als ob Ihr sie andernfalls nicht selbst zu Kriegskunst gezwungen hättet! Sonea war dazu bestimmt, Heilerin zu werden!“

„Die Heilkunst war einer der Gründe, aus denen Sonea sich der Gilde angeschlossen hat. Doch die Zeiten haben sich geändert. Sonea ist zu sehr bestrebt, zu schützen, was ihr lieb und teuer ist, als dass Heilkunst dazu ausreichen würde.“ Der schwarze Magier hielt inne und seine Augenbrauen zogen sich zusammen.

Osen nutze die Gelegenheit und formte seine Magie zu einem Gedankenschlag. Für einen kurzen Augenblick schien Akkarins Abwehr zu schwächeln, doch als Osens folgender Feuerschlag auf den Schild seines Gegners traf, war dieser wieder so undurchdringlich wie eh und je.

„Ja, ich hätte von Anfang an begrüßt, würde sie die Kriegskunst wählen“, sagte Akkarin. „Sie ist talentiert und es mangelt der Gilde an weiblichen Kriegern. Sie kann als gutes Beispiel vorangehen. Doch als ihr Mentor ist es meine Aufgabe, sie in jeder Hinsicht zu unterstützen.“

„Nichtsdestotrotz habt Ihr sie durch und durch verdorben“, warf der Administrator dem anderen Mann vor. „Ihr habt sie zu einer schwarzen Magierin gemacht. Und ich will nicht wissen, was Ihr ihr noch alles angetan habt, was sich nur erahnen lässt!“

„Ich habe Euch bereits gesagt, Sonea hat mich angefleht, sie schwarze Magie zu lehren.“

„Dann wäre es Eure Aufgabe gewesen, Ihr diesen Wunsch zu verweigern.“

„Sie hatte die besseren Argumente. Ohne sie würden wir beide nun nicht hier stehen.“

Und dein Redetalent lässt mich wie einen dummen Gorin wirken. Spürend, wie ihm die Argumente ausgingen, formte der Administrator einen doppelten Kraftschlag. Wie auch seine vorherigen Angriffe hatte Akkarin diesen offenkundig kommen sehen. Osen fluchte lautstark. Las dieser Mann etwa seine Gedanken? Und wieso verteidigte er mehr, als dass er angriff? Machte er sich über ihn lustig?

„Ihr tätet besser daran einzusehen, dass Sonea mir gehört“, erklang Akkarins kühle Stimme. „Ihr tut Euch selbst keinen Gefallen damit, Euch an etwas zu klammern, das niemals sein wird.“

Empört keuchte Osen auf. „Seht in Eurer Selbstherrlichkeit denn nicht, dass Sonea Euch fürchtet? Wie kann das Liebe sein?“

„Ich bin nicht daran interessiert, Soneas Motive für ihre Gefühle gegenüber meiner Person zu ergründen. Ich akzeptiere und schätze sie.“

„Ihr habt sie manipuliert!“, warf Osen ihm vor. „Und dann habt Ihr sie verdorben.“

„Ich habe es nicht nötig, Sonea zu manipulieren. Sie ist erwachsen und kann für sich selbst sprechen.“

Sofern du es ihr gestattest …

Voll Zorn griff der Administrator erneut mit Gedankenschlag an. Akkarins Antwort ließ seine Konzentration zusammenbrechen. Gerade noch rechtzeitig erkannte er, dass sich sein Schild aufgelöst hatte. Bevor Akkarins Kraftschlag dagegen prallen konnte, gelang es Osen jedoch, einen neuen zu errichten.

„Ich denke, wir beide sind uns einig, dass Sonea eine bemerkenswerte Frau ist“, sprach der ehemalige Hohe Lord. „Doch es gibt andere, auf ihre eigene Weise bemerkenswerte Frauen, deren Natur mit der Euren kompatibler ist, Administrator. Ich schlage vor, Ihr sucht dort nach einer geeigneten Partnerin.“

Wie um seine Worte zu unterstreichen, sandte Akkarin ihnen einen weiteren Kraftschlag hinterher.

Osens Schild brach zusammen. Er verspürte eine Woge der Erschöpfung, die ihn taumeln ließ.

„Administrator? Geht es Euch gut?“

Unwillig sah Osen auf. „Macht Euch keine Umstände“, brachte er hervor.

Im Gegensatz zu ihm wirkte Akkarin völlig ausgeruht. Da kann überhaupt nicht möglich sein!, dachte er fassungslos. Er hat zwei Stunden Kriegskunst hinter sich und er darf sich nicht stärken. Wie kann er noch so viel Kraft haben?

„Ihr habt Euch erschöpft, Administrator. Ich gebe Euch ein wenig heilende Magie.“

„Nein, danke“, lehnte Osen ab. Zu seinem Entsetzen hatten sich die Sitzreihen mit Magiern und Novizen gefüllt. Mit einem Mal begriff er, was für eine Dummheit er soeben begangen hatte. Hatte er wirklich geglaubt, er würde eine Chance gegen Akkarin haben, wenn dieser zuvor gekämpft hatte? Stattdessen hatte er sich zum Gespött der Gilde gemacht. Wenn er sich einen letzten Rest seiner Würde bewahren wollte, musste er Akkarins Angebot ablehnen.

Davon einmal abgesehen, dass ihm kaum etwas mehr widerstrebte, als die Hilfe dieses Mannes anzunehmen.

Akkarin bedachte ihn mit einem vielsagenden Blick. „Wie Ihr wünscht, Administrator. Geht nach Hause und ruht Euch aus.“

Osen verzog das Gesicht. Plötzlich fiel ihm wieder ein, dass in seinem Büro noch Arbeit auf ihn wartete. Seine magischen Reserven überprüfend wusste er jedoch, er würde darüber einschlafen.

„In jedem Fall hoffe ich für Euch, dass dieses Duell Euch geholfen hat, Euren Zorn unter Kontrolle zu bringen“, fuhr der ehemalige Hohe Lord fort. Seine schwarzen Augen huschten flüchtig zur Tribüne. „Denn andernfalls könnte das unerfreuliche Konsequenzen haben.“




Unerfüllte Wünsche (Kapitel 29)


Kurzbeschreibung: Sonea versucht über Akkarin zu erreichen, dass sie im Krankenhaus in der Stadt mit aushelfen kann, nachdem Lady Vinara ihr diesen Wunsch verweigert hat. Diese Szene wurde durch die Schwertkampfszene ersetzt.Warnung: leichte OOC-ness

Der Winternachmittag neigte sich bereits seinem Ende zu als Sonea die Arena betrat. Ihre Stimmung war so düster wie der wolkenverhangene Himmel. In letzter Zeit war es, als würde sie eine Niederlage nach der nächsten einstecken. Obwohl sich ihre Situation seit ihrem ersten Jahr an der Universität deutlich verbessert hatte, war sie beinahe ebenso frustriert wie zu jener Zeit. Während sie damals nur Rothen gehabt hatte, hatte sie jetzt Freunde. Und einen Mann, den sie liebte. Wenn auch sie ihn hin und wieder verfluchte.

Auch an einem ungemütlichen Tag wie diesem war die Tribüne mit Schaulustigen gefüllt. Sonea verzog das Gesicht. Würde das jemals aufhören?

Akkarin erwartete sie in der Mitte der Arena. Als er sie erblickte, huschte der Anflug eines Lächelns über sein Gesicht. Sonea stellte ihre Tasche ab und eilte auf ihn zu.

„Guten Tag, Sonea“, sagte er.

„Lord Akkarin.“ Sich der Zuschauer wohlbewusst deutete sie eine Verneigung an.

Akkarin machte einen Schritt auf sie zu und legte eine Hand auf ihre Schulter, um ihren inneren Schild zu errichten.

„Du bist verärgert“, stellte er fest.

Sonea nickte nur.

„Was ist passiert?“

„Lady Vinara“, antwortete sie finster. „Wir hatten … eine Meinungsverschiedenheit.“

Akkarin runzelte die Stirn. „Hast du ihr Ärger bereitet?“

Sonea schüttelte den Kopf. Das glaubte er doch nicht wirklich! „Sie hat mir bei einer Sache, die mir sehr wichtig ist, ihre Unterstützung verweigert.“

Er musterte sie durchdringend. „Wir unterhalten uns nach dieser Stunde darüber“, entschied er. „Ich erwarte, dass du dich solange auf unseren Unterricht konzentrierst.“

„Ja, Lord Akkarin“, sagte sie ein frustriertes Seufzen unterdrückend. Wenigstens würde sie auf diese Weise ein wenig von ihrem Ärger loswerden. Anschließend würde sie vielleicht in der Lage sein, ihren Standpunkt vernünftig klar zu machen. Akkarin war seit der Sache mit Strategie sehr viel strenger. Sonea wusste, sie würde sich selbst keinen Gefallen tun, wenn sie versuchte, mit ihm darüber zu sprechen, solange sie zu aufgebracht war.

Zu ihrer Enttäuschung kam sie entgegen all ihren Hoffnungen nicht dazu, ihren Zorn loszuwerden. Akkarin hatte offenbar beschlossen, sie eine neue Form der Schildmanipulation zu lehren.

Inzwischen beherrschte Sonea bereits mehrere Techniken, um ihren Schild blitzschnell fallenzulassen und erneut zu errichten. Zudem wusste sie, wie man ihn zusammenziehen konnte, so dass es aussah, als würde er von einem gegnerischen Angriff durchbrochen, was Raum für eine Reihe von Täuschungsmanövern bot. Die meisten dieser Tricks würde sie bei einem anderen Lehrer nicht lernen, weil sie sehr viel Geschick erforderten, wenn man seine Magie nicht sinnlos verschwenden wollte.

„Außer Balkan und mir beherrschen nur einige wenige Krieger diese Techniken“, hatte Akkarin ihr zu Beginn ihrer ersten Lektion in Schildmanipulation erklärt. „Es gab einst mehr, doch diese haben die Invasion der Ichani nicht überlebt.“

„Und das, obwohl sie durch diese Technik Magie gespart haben?“, hatte Sonea überrascht gefragt.

„Wenn der Gegner so sehr an Stärke überlegen ist, nützt auch die beste Technik nichts.“

An diesem Nachmittag zeigte Akkarin ihr, wie sie ihren Schild nur an der Stelle, wo ein Angriff sie traf, nach innen ziehen konnte und anschließend durch ein Hinzufügen von Magie zurückschnellen zu lassen, wodurch der Angriff zurück zu ihrem Gegner gelenkt wurde. Damit es funktionierte, musste Sonea ihren Schild jedoch schneller nach innen ziehen, als der Angriff erfolgte und die Bewegung im richtigen Augenblick umkehren. Bei den langsameren Kraftschlägen gelang ihr das bereits nach mehreren Versuchen. Doch besonders bei den Hitzeschlägen fehlte ihr die nötige Reaktionsgeschwindigkeit, was ihre allgemeine Frustration vergrößerte.

„Das war besser als erwartet“, sagte Akkarin, als die Stunde zu Ende war und sie den Weg zu den Residenzen einschlugen.

Inzwischen war es vollständig dunkel geworden und Akkarins Lichtkugel erhellte den von Baumgerippen gesäumten Weg vor ihnen.

„Danke“, erwiderte Sonea. „Ich bin trotzdem nicht zufrieden.“

„Es erfordert einige Übung, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, um die Bewegung des Schildes umzukehren“, entgegnete er. „Du stellst dich dabei nicht so ungeschickt an, wie du denkst. Spätestens in zwei Tagen wirst du auch die Hitzeschläge mit dieser Technik abwehren können.“

Sonea nickte. Sie wusste, Akkarin lag mit seinen Einschätzungen ihres Fortschritts meistens richtig. Sie nahm sich vor, das heute Gelernte bis zum Vierttag so perfekt zu beherrschen, dass sie Balkans Krieger damit ärgern konnte.

Als sie die Arran-Residenz erreichten, brachte Akkarin sie direkt in die Bibliothek.

„Setz dich“, wies er sie an, auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch deutend.

Sonea gehorchte.

„Du wolltest mit mir über Lady Vinara sprechen“, erinnerte er sie, nachdem er sich ihr gegenübergesetzt hatte. „Erzähl mir, was vorgefallen ist.“

Sonea holte tief Luft und straffte ihre Schultern. Er wirkte so einschüchternd, dass sie gar nicht fähig gewesen wäre, ihrem Ärger angemessenen Ausdruck zu verleihen. Stattdessen fürchtete sie nun, auf Unverständnis zu stoßen.

„Ich habe sie gebeten, meinen Unterricht in das neue Krankenhaus zu verlegen“, begann sie. „Aber sie hat es abgelehnt.“

Akkarin musterte sie mit undurchdringlicher Miene. Sonea versuchte, sich davon nicht verunsichern zu lassen. Sie hatte noch allzu gut in Erinnerung, dass er wegen ihrer schlechten Noten in Strategie ihre Stunden in Heilkunst auf den Grundkurs für Krieger reduziert hatte.

„Ich verstehe nicht, wieso Lady Vinara das getan hat“, sagte sie. „Als Oberhaupt der Heiler könnte sie sich dafür einsetzen, das Ausgehverbot dafür aufzuheben. Weil sie meine Lehrerin ist, würde sie mich sowieso in die Stadt begleiten. Was soll ich also dabei anstellen? Ich weiß, sie vertraut mir, denn sonst würde sie mich nicht alleine auf Visite schicken oder mir erlauben, schwarze Magie zu benutzen, um einen Patienten wiederzubeleben.“ Sie machte eine Pause und sah ihm mit allem Mut, den sie aufbringen konnte, in die Augen. „Bitte helft mir, sie umzustimmen.“

„Nein.“

Sonea starrte ihn an. „Nein?“, wiederholte sie ungläubig. „Warum?“

„Das kann ich dir erklären.“ Akkarin erhob sich und begann hinter seinem Schreibtisch auf und ab zu gehen. „Solange deine Noten nicht in all deinen Kursen meinen Wünschen entsprechen, käme das einer Belohnung gleich.“

Die Härte in seiner Stimme ließ Sonea zusammenzucken. Anscheinend war er noch immer verärgert, weil sie ihm ihre Lernschwierigkeiten verschwiegen hatte.

„Und nach den Winterprüfungen?“, fragte sie vorsichtig. „Ihr habt es versprochen. Sofern meine Noten …“

„Ich habe dir versprochen, dass du in diesem Fall wieder mehr Stunden in Heilkunst nehmen darfst“, entgegnete Akkarin. „Im Heilerquartier. Jeder Gang in die Stadt kostet Zeit. Spätestens zu Beginn des nächsten Halbjahres wirst du genügend Kenntnisse über das Experimentieren mit schwarzer Magie besitzen, dass du mir dabei eine ernsthafte Hilfe sein kannst.“

Er blieb vor ihrem Stuhl stehen und blickte sie ernst an. „Sonea, unsere Forschung hat im Augenblick vor allem anderen Vorrang. Je nachdem, wie sich die Lage mit Sachaka entwickelt, werde ich mir vorbehalten müssen, deine Stunden in Heilkunst im nächsten Halbjahr bei dem Grundkurs zu belassen.“

Daran hatte Sonea nicht gedacht. „Ich verstehe“, sagte sie leise.

Natürlich war ihre Forschung wichtiger als ihre persönlichen Interessen. Ihre Aufgabe Vorrang vor ihren persönlichen Interessen. Sie hatte gehofft, Akkarin würde ihr jetzt, wo das Krankenhaus fertiggestellt war, erlauben hin und wieder dort auszuhelfen. Spätestens, wenn er mit ihren Leistungen in Strategie wieder zufrieden war. Sonea hätte alles dafür gegeben, aber sie sah ein, dass er ihr diesen Wunsch verwehren musste.

„Sonea, sieh mich an.“

Sie gehorchte und begegnete seinem Blick. Der Ausdruck in seinen Augen war ein wenig weicher geworden, wie sie erleichtert feststellte.

„Du hast mein Wort, dass ich dir ermöglichen werde, im Krankenhaus auszuhelfen, sobald du deinen Abschluss hast und die Bedrohung durch die Sachakaner nicht mehr so akut ist“, versprach er.

„Danke“, flüsterte sie. Sie wusste, sie konnte darauf vertrauen, dass er genau das tun würde.




Kein Kuscheln mit kalten Händen (Kapitel 30)


Kurzbeschreibung: Nach Soneas und Akkarins Ausflug zu dem See wird er zu Balkan gerufen, um über die Lage in Sachaka zu sprechen (im Buch stellt Rothen hier mit Farand seine Schildsenker vor). Uralt-Szene.
Warnung: OOC-ness, sich nicht altersgemäß verhaltende Charaktere, seltsame Sprache.


Es dauerte fast zwei Stunden, bis Akkarin zurück war. Sonea hatte sich ein paar Bücher aus ihrem Studierzimmer geholt, um darin zu lesen. Wenn er nicht da war, dann konnte sie ebenso gut lernen. In eine Decke eingehüllt hatte sie es sich auf dem Sofa bequem gemacht.

„Entschuldige bitte, dass es so lange gedauert hat“, sagte er. „Es hätte sehr viel schneller gehen können, wenn da nicht noch diese kleine Meinungsverschiedenheit gewesen wäre.“ Sonea stellte fest, dass Akkarin erheitert wirkte. Offenbar hatte er aufgehört, sich jedes Mal darüber zu ärgern.

„Wirst du mir davon erzählen?“, fragte sie.

„Wenn du das möchtest, ja. Doch mach mir bitte zunächst ein wenig Platz auf dem Sofa.“

„Nein, du bist kalt und ich habe mich gerade erst aufgewärmt“, entgegnete sie. „Du wolltest heute unbedingt auf Magie verzichten, dann geh jetzt an den Kamin und wärme dich auf, so wie normale Menschen es auch tun.“

Akkarin schien einen Moment überrascht zu sein. Er blickte sie prüfend an, dann stellte er sich vor den Kamin und hielt seine Hände über das Feuer. Sonea begann, ihre Bücher zusammenzuräumen.

„Hast du gelernt?“, fragte er.

„Ja, mir war langweilig und ich habe mich heute genug erholt“, antwortete sie. „Was wollte Balkan eigentlich wirklich von dir?“

„Er hatte Neuigkeiten bezüglich der Lage in Sachaka und wollte meine Meinung dazu hören.“ Akkarin lächelte grimmig. „Es ist immer wieder faszinierend, wie sehr er offenbar auf mich angewiesen ist.“

„Wie meinst du das?“, fragte Sonea.

Bevor Akkarin jedoch antworten konnte, ging die Tür auf und Takan kam herein mit einem Tablett und zwei Becher mit dampfendem Würzwein. „Vielen Dank, Takan“, sagte Akkarin.

„In einer Stunde ist das Abendessen fertig, ist Euch das Recht, Meister?“, fragte er und stellte das Tablett auf den niedrigen Tisch, der neben dem Sofa stand.

„Eine Stunde ist völlig ausreichend“, antwortete Akkarin. Er verließ seinen Platz am Kamin und trat zu Sonea. „Wirst du nun freiwillig Platz machen oder muss ich es dir befehlen?“

„Das kommt ganz darauf an, wie warm deine Hände jetzt sind“, erwiderte sie. „Lass mich mal fühlen.“ Sie griff nach seinen Händen. „Die sind noch immer kalt. Also nein.“

„Sie sind wärmer als vorhin“, widersprach Akkarin.

„Aber noch immer kalt.“

„Mir ist unbegreiflich, wie jemand, der so klein ist wie du, ein ganzes Sofa für sich beanspruchen kann“, sagte er.

„Nun, du siehst doch, dass es geht“, gab sie zurück.

„Versuchst du etwa schon wieder, dich mir zu widersetzen?“

Sonea sah zu ihm hoch und lächelte süffisant. „Vielleicht“, meinte sie.

Akkarins Mundwinkel zuckten. „Sonea, wir wissen beide wie das endet“, begann er. „Und ich hatte eigentlich vor, dir bis zum Essen von meinem Gespräch mit Balkan zu erzählen.“

„Dann verschieben wir das andere eben auf später, dann kann ich mich dir noch ein wenig mehr widersetzen.“

„Sonea, du spielst da mit Mächten, die du nicht kontrollieren kannst“, erwiderte Akkarin leise. „Das ist dir doch wohl klar?“

Sonea schenkte ihm ein herausforderndes Lächeln. „Das tue ich doch ohnehin Tag für Tag.“

Akkarin lachte. Dann schob er sie sanft zur Seite, um sich neben sie zu setzen und sie in seine Arme zu ziehen. Sie kuschelte sich an ihn, glücklich, dass er zurück war.

„Kein Hautkontakt, bis deine Hände warm sind“, sagte sie streng.

„Ich versuche mein bestes.“ Er ließ die Becher mit dem Würzwein zu ihnen herüber schweben. „Also was möchtest du zuerst hören? Warum Balkan sich so aufgeregt hat oder den eigentlichen Grund, weswegen ich dort war?“

„Fang einfach ganz von vorne an“, schlug sie vor.




Nicht einmal im Urlaub hat man seine Ruhe (Kapitel 31)


Kurzbeschreibung: In den Winterferien werden Sonea und Akkarin von Balkan behelligt, wo sie doch einfach nur ihre Zweisamkeit genießen wollen. In der zweiten Szene versucht Sonea, ihren Geliebten zu ihrem Diener zu degradieren.Warnung: OOC, sich nicht altersgemäß verhaltende Charaktere, schlechter Stil, seltsame Sprache.

Nach vier Tagen ließen die Schneestürme endlich nach. Vier Tage, in denen Sonea ihre Fähigkeiten im Kriegsspiel, wie das seltsame Brettspiel hieß, deutlich verbessert hatte, was sie nur zum Teil der Tatsache zu verdanken hatte, dass sie den Spielfiguren Namen gegeben hatte. Tatsächlich hatten sie ein paar neue Regeln aufgestellt und weitere Karten gebastelt, mit denen das Spiel gleich viel interessanter war. Es fiel ihr nun deutlich leichter, strategisch zu denken, was ihr ein ganz neues Verständnis von dem bisher gelernten ermöglichte. Sie hatte Akkarin dazu überredet, ihr ein wenig Sachakanisch beizubringen und Takan hatte ein ziemlich überraschtes Gesicht gemacht, als sie plötzlich in seiner Muttersprache mit ihm gesprochen hatte. Den Rest der Zeit verbrachten sie damit, Abschriften von alten Büchern anzufertigen, wobei sie nach einer Geheimwaffe suchten, von der Akkarin irgendwo erfahren hatte.

„Diese Waffe wird in den Chroniken über die sachakanischen Kriege nicht erwähnt. Doch wenn man weiß, worauf man achten muss, lassen sich Hinweise darauf in den Büchern aus der Truhe finden. Balkan hat mich gebeten, herauszufinden, was für eine Art Waffe das ist“, hatte er gesagt.

„Ist es etwas Schwarzmagisches?“, hatte Sonea gefragt.

„Wahrscheinlich. Auf jeden Fall ist es mächtig genug, um große Zerstörung anzurichten“, hatte er geantwortet.

Als Sonea an diesem Morgen früher als an den letzten Tagen aufgewacht war, hatte sie auf einen strahlend blauen Morgenhimmel hinter den großen Schlafzimmerfenstern geblickt. Sofort war sie aufgestanden, hatte sich ihren Morgenmantel übergeworfen und war hinaus auf den Balkon getreten. Die Sonne war gerade aufgegangen und tauchte die fernen Türme der Universität in orangefarbenes Licht. Auf den Wipfeln der Bäume lag dichter Schnee, der sich ebenso auf der Wiese in ihrem Garten türmte.

„Was möchtest du heute gerne machen, Sonea?“, fragte Akkarin beim Frühstück.

Sonea nahm einen Schluck Raka und dachte nach. „Wenn der Schnee nicht noch immer so hoch liegen würde, dann fände ich es schön, wenn wir noch einmal zu dem See gehen könnten“, sagte sie.

„Nun, das wäre durchaus möglich, doch ich fürchte, dass es dunkel sein wird, bis wir dort angekommen sind“, meinte Akkarin.

„Können wir nicht auch im Dunkeln Eislaufen?“, fragte sie. „Das stelle ich mir schön vor.“

Akkarin öffnete den Mund, um zu antworten, wurde dann jedoch unterbrochen.

- Akkarin!

- Balkan!

- Wo um alles in der Welt steckt Ihr?

- Zuhause beim Frühstück, wo sonst?

- Ihr habt Euch seit Tagen nicht gemeldet. Balkan wirkte ein wenig ungehalten.

- Wir sind eingeschneit und das außergewöhnliche Wetter hat mich nicht gerade dazu verleitet, das Haus zu verlassen.

- Ich erwarte Euch in einer halben Stunde in Osens Büro.

- Wie ich bereits erwähnte, wir sind eingeschneit. Es wird Stunden dauern, den Weg zur Universität freizuräumen.

- Soll ich Euch meine Krieger entgegen schicken?

- Danke, aber das ist wirklich nicht nötig. Ich melde mich bei Euch, wenn ich die Universität erreiche.

- Meinetwegen. Verärgert zog Balkan sich zurück.

„Ich nehme an, du hast es gehört“, sagte Akkarin dann.

Sonea nickte. „Es geht also wieder los“, meinte sie. „Immerhin hat er uns länger in Ruhe gelassen, als ich geglaubt habe.“

„Ja. Sicher handelt es sich um etwas Wichtiges. Du kannst mich in die Universität begleiten, wenn du willst. Dann kannst du in die Bibliothek und deine Bücher ausleihen.“


***


Sonea war schon lange mit ihren Recherchen für die Hausarbeit fertig, als Akkarin kam, um sie abzuholen. „Ich dachte schon, du hättest mich vergessen“, bemerkte sie trocken und klappte das Buch zu, in dem sie gelesen hatte.

„Das wäre mir spätestens beim Abendessen aufgefallen“, konterte er. „Entschuldige bitte, dass es so lange gedauert hat.“

„Du kannst doch auch nichts dafür, dass gewisse Leute dazu neigen, alles tot zu diskutieren“, sagte sie.

„Nein, da hast du recht. Wollen wir gehen?“

Sonea nickte. Sie stapelte die Bücher, die sie ausleihen wollte, und klemmte sie sich unter den Arm. Lady Tya blickte ihnen finster nach, als sie die Bibliothek verließen.

„Kannst du vielleicht die Bücher für mich tragen?“, fragte Sonea, als sie die Universität verließen.

„Sonea, ich bin nicht dein Diener“, erwiderte Akkarin.

„Aber sie sind wirklich schwer und meine Arme tun weh“, wandte sie ein. „Du hast mir verboten, mich zu heilen, damit ich mich an das Schwert gewöhne.“

Akkarin blieb stehen und betrachtete sie mit ausdrucksloser Miene. „Sonea, wenn du ein Krieger werden willst, dann verhalte dich auch bitte so. Momentan führst du dich eher auf, wie ein verwöhntes Mädchen aus einem der Häuser. Das ist nicht die Sonea, die ich zur Frau will.“

Das hatte gesessen. Sie wusste, dass er recht hatte, doch sie hatte das Gefühl, ihre Ehre verteidigen zu müssen. „Schön!“, rief sie. „Wenn du das so siehst, dann gehen wir jetzt in die Arena und klären das wie richtige Krieger.“

„Du willst wohl unbedingt wieder eine Niederlage erleben“, stellte Akkarin fest. „Nun, das kannst du gerne haben. Wahrscheinlich ist es genau das, was du brauchst.“

Sonea straffte ihre Schultern, um ein wenig größer zu wirken. „Oh, mir ist durchaus bewusst, dass ich verlieren werde. Aber bis dahin werde ich dir zeigen, dass ich alles andere als ein verwöhntes Gör bin!“




Kyrima und ein formales Dinner (Kapitel 39)


Kurzbeschreibung: Nachdem Sonea Regin beim Kyrima vernichtend geschlagen hat, leisten er und Trassia ihr und Akkarin beim Abendessen Gesellschaft, was sich für alle als ein wenig seltsam erweist.
Warnungen: ausnahmsweise keine.

Diese Szene war ein Leserwunsch von der lieben Milano. Liebe Milano, falls du noch mitliest, so hoffe ich, dass der OS deinen Vorstellungen entspricht.



Regin stieß einen höchst üblen Fluch aus, den Sonea ihm nicht zugetraut hätte. Neben ihr sog Trassia entsetzt die Luft ein. „Wie konnte das passieren?“, murmelte er tonlos. „Ich war doch dabei zu gewinnen!“

„Aber du hast nicht gewonnen“, erwiderte Sonea, sich ein selbstgefälliges Lächeln verkneifend. Ja, sie hatte es ihm gezeigt. „Deine Strategie war fehlerhaft.“

„Du hast unfair gespielt“, warf ihr Freund ihr vor. „Dein letzter Zug war gegen die Regeln.“

„Nein, das war er nicht.“ Sonea zeigte ihm die Überläufer-Karte. „Dein Heiler hat mir die nötigen Informationen geliefert, die ich brauchte, um deinen König auszuschalten. Das war vollkommen regelkonform.“

Ihr Freund verzog das Gesicht. Sonea verspürte indes eine leise Genugtuung. Eine Niederlage beim Kyrima war nur eine kleine Rache für Regins größenwahnsinnige Pläne der letzten Tage, aber es war eine gute. Indem ihr Freund seinen Wunsch, ein schwarzer Magier zu werden, geäußert und die Magier davon überzeugt hatte, die Novizen in einer Schlacht gegen die Sachakaner mitkämpfen zu lassen, hatte er ihre Nerven überstrapaziert. Während sie sich mit der Vorstellung, dass sich Novizen an diesem Krieg beteiligten, anfreunden konnte, weil es ihr als sinnvoll erschien, ärgerte sie sich umso mehr über sein aufrührerisches Auftreten während der Gildenversammlung.

„Aber ...“, begann er.

Die Tür ging auf und Takan trat ein. „Das Abendessen ist fertig“, verkündete er sich verneigend. „Der Meister erwartet Euch im Speisezimmer.“

„Danke, Takan.“ Sonea erhob sich. Nach einem ganzen Nachmittag Kyrima war sie hungrig, insbesondere, wenn ihr Gegner derart nervtötend war. „Und jetzt genug davon“, herrschte sie ihre beiden Freunde an. „Ich will beim Essen nichts über dieses Thema hören.“

„Nur, weil du deinen Mentor nicht wissen lassen willst, dass du unfair gespielt hast“, feixte Regin, während sie über den Flur schritten. „Bestraft er dich eigentlich, wenn du gegen die Regeln verstößt, oder gelingt es dir, ihn mit sexuellen Gefälligkeiten davon abzuhalten?“

„Regin!“, entfuhr es Trassia. „Wie kannst du nur so reden?“

„Das war eine ernstgemeinte Frage.“

„Dann frag das doch gleich Lord Akkarin“, gab Soneas Freundin zurück. „Oder bist du dafür zu feige?“

„Trassia, lass ihn“, sagte Sonea. „Er hat gerade eine harte Lektion gelernt. Das muss er erst einmal verdauen.“

„Er ist trotzdem ein schlechter Verlierer“, grollte Trassia. Sie sah zu ihrem Freund. „Wirklich, Regin. Ich hatte mehr von dir erwartet.“

Sie stiegen die Stufen hinab und betraten das Speisezimmer. Akkarin erwartete sie an einem der bodentiefen Fenster, die Hände hinter seinem Rücken verschränkt. Als sie eintraten, wandte er sich um.

„Guten Abend“, sagte er. „Ich hoffe, Ihr seid hungrig.“

Trassia und Regin verneigten sich. Reflexartig tat Sonea es ihnen nach. „Wir sind sehr hungrig, Lord Akkarin“, sagte sie.

Ihre beiden Freunde begannen zu kichern. Sonea strafte sie mit einem finsteren Blick.

Akkarin bedachte sie mit seinem Halblächeln. „Das ist gut zu wissen. Denn ich fürchte, Takan hat sich wieder einmal selbst übertroffen, als er hörte, dass wir heute Abend Gäste haben.“ Er nahm Soneas Arm und führte sie zu ihrem Platz.

- War Regin sehr schwer auszuhalten?

- Es ging, antwortete Sonea. Ich habe ihm gezeigt, wo sein Platz ist.

- Also hast du die zweite Partie gewonnen?

- Und wie ich sie gewonnen habe!

Sie konnte seine Erheiterung spüren.

- Erzähl mir später davon.

- Oh, das werde ich!

Akkarin schob ihren Stuhl zurück und Sonea setzte sich.

„Setzt Euch“, sagte er zu ihren Freunden, auf zwei weitere Plätze deutend.

„Vielen Dank, Mylord“, sagte Regin. Er und Trassia setzten sich mit sichtbarem Unbehagen.

Akkarin trat zu einer Anrichte und öffnete eine Flasche Anurischen Dunkelwein. Er befüllte vier Gläser und ließ sie zum Tisch schweben. Verblüfft und verunsichert nahmen Soneas Freunde ihre Gläser in Empfang.

„Danke“, brachte Trassia hervor, während Regin seinen Wein erfreut betrachtete.

„Möchtest du lieber Wasser?“, fragte Akkarin.

„Nein, Mylord“, beeilte Soneas Freundin sich zu sagen. „Es ist nur so, dass ich sonst nur bei meiner Familie in den Genuss komme.“

„Dann genieß diesen Wein“, erwiderte Akkarin. „Es ist einer der besten der Verbündeten Länder.“

„Oh“, machte sie. „Dann muss er gut sein.“

Die Türen öffneten sich und Takan kam mit einem Tablett, auf dem vier dampfende Schälchen einen köstlichen Duft verströmten. „Tugorcremesuppe mit Filetstreifen vom Reber und grünem Papea“, sagte er und stellte erst Akkarin, dann Sonea und schließlich ihren beiden Gästen ein Schälchen hin. „Ich wünsche guten Appetit.“

„Ich bin sicher, es schmeckt wunderbar, Takan“, sagte Sonea.

Der Diener schenkte ihr ein kurzes Lächeln, dann verneigte er sich und zog sich zurück.

Akkarin ließ den Korb mit den Brötchen reihum schweben, bevor er sich selbst eines herausgriff. „Wie war eure Kyrima-Partie?“, erkundigte er sich wie beiläufig bei Regin.

„Interessant“, antwortete Soneas Freund. „Ich kann behaupten, dieser Nachmittag hat meinen Horizont in so mancher Hinsicht erweitert.“

Akkarins dunkle Augen blitzten kurz zu Sonea. „Das kann ich mir vorstellen.“

„Ich denke, Regin hat seine Lektion gelernt“, sagte Sonea. „Allerdings bezweifle ich, das hält lange vor.“

Regin warf ihr einen vernichtenden Blick zu und Sonea unterdrückte ein Kichern.

„Falls nicht, so kann ich euch den Dome für eine Stunde reservieren“, sagte Akkarin.

„Eine gute Idee“, stimmte Sonea zu. „Doch für diesen Fall solltet Ihr uns vielleicht einen Schiedsrichter mitgeben.“

Regin und Trassia kicherten erneut und Sonea verdrehte innerlich die Augen. Was hatten sie erwartet, wie sie und Akkarin privat waren? Oder lag es daran, dass sie sich ihm gegenüber im Beisein anderer förmlich verhielt? Nun, was sie betraf, so war ihr viel daran gelegen, ihrem Geliebten diesen Respekt entgegenzubringen. Trotz allem war sie immer noch seine Novizin.

Eine Weile aßen sie schweigend. Während Sonea die Stille zwischen sich und Akkarin als vertraut empfand und bei ihren Freunden für selbige oft sogar dankbar war, erfüllte diese sie nun mit Unbehagen. Sie war Akkarins Gesellschaft gewohnt, so wie sie die von Regin und Trassia gewohnt war. Doch sie war nicht die gemeinsame Gesellschaft von Akkarin und Regin und Trassia gewohnt.

Dabei täte ich besser, mich daran zu gewöhnen, fuhr es ihr durch den Kopf.

„Ich denke, es könnte schwierig werden, jemanden zu finden, der bereit ist, einen kompletten Nachmittag seiner Zeit für ein inoffizielles Duell zu erübrigen.“ Akkarin legte seinen Löffel beiseite und lehnte sich zurück. „Denn ich fürchte, in diesem Fall wäre der Effekt nachhaltiger.“

Regins Mund klappte auf und er setzte an, etwas zu sagen. Doch dann öffneten sich die Türen erneut und Takan trat ein mit einem Tablett voll duftender und dampfender Schälchen. Sonea entdeckte Crots mit Salzkruste, Salat aus Brasi und Monyos, kleine marinierte Rassookspieße und winzige noch warme Brötchen. Zu jeder Vorspeise erklärte der Sachakaner ein paar Worte, wünschte ihnen einen guten Appetit und zog sich dann wieder zurück.

Sonea wartete, bis ihre Freunde und Akkarin sich genommen hatten, da bediente sie sich selbst an den Crots, den Spießen und den Brötchen.

„Oh, das ist so köstlich!“, rief Trassia, als sie einen Löffel voll Crots über ihren Salat streute. „So gut habe ich noch nie gegessen!“

„Takan ist ein ausgezeichneter Koch“, sagte Akkarin. „Er wird sich über dein Kompliment freuen.“

„Ich hatte wirklich meine Zweifel, ob ein Sachakaner in der Lage ist, die kyralische Küche so gut nachzukochen“, sagte Regin, während er seinen Spieß sezierte. „Aber das hier übertrifft selbst das Essen, das ich bei meiner Familie bekomme, um Längen!“

Als ob die Herkunft des Kochs etwas über sein Talent aussagen würde, dachte Sonea säuerlich. Sie tauschte einen verärgerten Blick mit Akkarin, der kaum merklich den Kopf schüttelte.

„Was hat sich denn bei der Diskussion mit dem Rektor und den anderen Studienleitern ergeben?“, wechselte sie das Thema.

„Die Stundenpläne werden so abgeändert, dass die Novizen möglichst gut auf einen Kampf gegen die Sachakaner vorbereitet werden“, antwortete Akkarin. „Das bedeutet insbesondere für alle mehr Stunden in Kriegskunst, während der Lehrplan für die anderen beiden Disziplinen vorerst zurückgestellt und auf das nötigste beschränkt wird.“

„Was ist mit den Novizen, die Heilkunst gewählt haben?“, fragte Trassia. „Müssen wir nun mehr Kriegskunst als vorgesehen lernen?“

„Zunächst einmal ist geplant, euch den Stoff zu lehren, den ihr bis zu eurem Abschluss in Kriegskunst gelernt hättet“, antwortete Akkarin. „Sollte danach noch Zeit sein, so bleibt es den Novizen überlassen, ob sie ihre Kenntnisse erweitern wollen.“

„Also noch mehr Kriegskunst.“ Regin strahlte. „Und dafür weniger Alchemie und Heilkunst. Finde ich gut.“

Sonea fragte sich, ob das auch für ihren Unterricht gelten würde. Seit diesem Halbjahr durfte sie wieder mehr Stunden in Heilkunst belegen. Aber sollte sie ihre Zeit nicht lieber nutzen, um möglichst vorbereitet zu sein, wenn die Sachakaner kamen? Nachdenklich trank sie einen Schluck Wein. Sie entschied indes, diese Frage aufzuschieben, bis sie mit Akkarin alleine war.

„Du wirst das alles nachholen müssen, Regin“, sagte sie. „Ich verwette mein monatliches Taschengeld, dass du dich in deinem letzten Jahr zu Tode langweilst, wenn du nur noch Unterricht in Heilkunst und Alchemie hast.“

Regins Grinsen erstarb. Hilfesuchend blickte er zu Akkarin. „Ich dachte, der Lehrplan für angehende Krieger wäre umfassender, als dass ich bis zum Sommer alles gelernt habe. So ist es doch, nicht wahr?“

„Ein Teil des Stoffes in dieser Disziplin würde, vorausgesetzt, die Gilde überlebt diesen Krieg, und dass dieser noch diesen Sommer stattfindet, im letzten Jahr unterrichtet“, antwortete Akkarin. „Doch ich fürchte, dies betrifft nur die weniger spannenden Aspekte der Kriegskunst.“

„Oh“, machte Regin nur.

„Ich finde diese Aufteilung gut.“ Trassia stellte ihr Weinglas beiseite. „So kurz vor dem Krieg will ich lieber kämpfen lernen. Ich bin viel zu nervös, um mich auf Heilkunst zu konzentrieren. Lieber lerne ich jetzt weniger und freue mich darauf, den Rest nach dem Krieg nachzuholen. Sonst wäre es eine ziemliche Verschwendung.“

Ihre Worte bewegten etwas in Sonea und brachten sie erneut zu der Frage, ob jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt für die Belohnung ihrer guten Noten in Strategie war. Als sie Akkarins fragenden Blick einfing, wusste sie, dass sie ihn während ihres Gedankenganges angestarrt hatte. Ihm ein kurzes Lächeln schenkend, wandte sie sich wieder ihrem Essen zu.

„Was ist eigentlich mit diesen Waffen, von denen Lord Rothen gesprochen hat?“, fragte Trassia in die plötzliche Stille. „Werden diese uns helfen?“

„Das werden wir morgen Abend wissen“, antwortete Akkarin.

Trassia nickte offenkundig von Furcht erfüllt und blickte wieder auf ihren Teller.

„Und was, wenn Euch und Sonea dabei etwas zustößt?“, fragte Regin.

„Lord Rothen hat Versuchsreihen mit unterschiedlich starken Phiolen aufgestellt. Anhand dieser werden Sonea und ich unseren Schild entsprechend anpassen können.“

Sonea lächelte, zuckte jedoch zusammen, als sie Akkarins strengen Blick einfing. Die Frage, ob sie bei den Tests dabei sein durfte, war noch nicht eindeutig geklärt. Würde es einzig nach Akkarin gehen, so würde sie von der Zuschauertribüne aus zusehen. Sonea hatte jedoch entschieden, sich in dieser Angelegenheit durchzusetzen und sie wusste, das würde nach diesem Dinner noch eine Diskussion nach sich ziehen. Akkarin mochte ihr Mentor sein, aber er hatte nicht das Recht, ihr zu verbieten, die Tests am eigenen Leib mitzuerleben.

Als sie aufsah, bemerkte sie, dass er sie noch immer durchdringend musterte. Ja, das würde noch eine Diskussion nach sich ziehen.

„Darf ich bei den Tests zusehen?“, fragte Regin begierig.

„Da ich von Zuschauern ausgehe, spricht nichts dagegen“, erwiderte Akkarin.

Den Rest des Abendessens verbrachten sie in unbehaglicher Schweigsamkeit. Nicht einmal Takans Kochkünste und der Anurische Dunkelwein vermochten zu ändern, dass Sonea sich mit ihrem Mentor und Geliebten zusammen mit ihren Freunden seltsam fühlte. Ihre Freunde wirkten derweil völlig eingeschüchtert von dem ehemaligen Hohen Lord und sprachen nur, wenn Akkarin oder Sonea das Wort an sie richteten.

Und das, obwohl es nicht einmal ein formales Dinner ist, fuhr es Sonea durch den Kopf.

„Es ist schön, dass ihr zum Essen geblieben seid“, sagte, als sie und Akkarin ihre Freunde nach dem Dessert in der Eingangshalle verabschiedeten. „Ich hoffe, das Essen hat euch geschmeckt.“

„Es war großartig“, antwortete Regin. „Das hatte ich wirklich nicht erwartet!“

Schon gar nicht von einem sachakanischen Koch, dachte Sonea trocken.

„Vielen Dank für die Einladung, Lord Akkarin“, fügte Trassia scheu hinzu und verneigte sich mit glühenden Wangen.

„Gern geschehen“, erwiderte Akkarin. „Sonea und mich würde es freuen, würden wir das bei Gelegenheit wiederholen.“

„Oh“, machte Trassia und Regins Mund klappte auf.

„Es ist spät geworden. Seht zu, dass ihr vor dem Schlafengehen noch ein wenig Zerstreuung findet. Ab Morgen wird kein Unterricht mehr ausfallen.“

„Ja, Mylord“, erwiderten Regin und Trassia wie aus einem Mund. „Euch und Sonea eine gute Nacht.“

„Und nun, Sonea“, begann Akkarin, kaum dass sich die Türen hinter den beiden Novizen geschlossen hatten, „reden wir über deine Teilnahme an den morgigen Tests von Rothens Projekt.“

In einer energischen Geste schob Sonea ihr Kinn vor und baute sich vor ihm auf. Obwohl Akkarin sie selbst jetzt noch um mehr als einen Kopf überragte, fühlte sich das gut an.

„Versuch gar nicht erst, mir das auszureden …“




Ein bisschen bi schadet nie (Kapitel 41)


Kurzbeschreibung: Nach dem Besuch bei Luzille und ihrem Schneider kehrt Sonea leicht angetrunken zurück in die Arran-Residenz und hat daraufhin eine höchst interessante Unterhaltung. Die Szene habe ich rausgenommen, weil ich keine Verwendung für sie hatte.
Warnungen: nicht so guter Stil, Foreshadowing


Die Tür der Arran-Residenz schwang auf. Sonea trat in die Eingangshalle. Zu ihrer Überraschung fand sie Akkarin dort sitzend vor. Sie runzelte die Stirn. Hatte er nicht vorgehabt, zu experimentieren?

„Guten Abend, Sonea“, sagte er und erhob sich. „Wie war es bei Luzille?“

Schlagartig wurde sie wieder nüchtern. Aus einem seltsamen Grund fühlte sie sich ertappt.

„Seltsam“, antwortete sie. Es gelang ihr gerade noch, sich den Hüttenslang zu verkneifen. „Es gibt so viele verschiedene Kleider und man muss aufpassen, ob man nicht irgendein Haus beleidigt, indem man das falsche wählt. Und, oh, ich glaube Luzille und Trassia können sich nicht leiden ...“

Sie senkte den Blick.

„Seltsam“, wiederholte Akkarin. Er fasste sanft ihr Kinn und hob es, bis ihre Blicke sich begegneten. Sonea erschauderte leicht. „Ist das alles?“

Eine Erinnerung von ihr und Luzille vor dem Spiegel blitzte in Soneas Gedanken auf. Es geschah schneller, als sie sie vor ihm verbergen konnte. Sie spürte, wie ihre Wangen heiß wurden.

Akkarin hob leicht die Augenbrauen, als sei er amüsiert.

„Ist zwischen dir und Luzille etwas Unanständiges vorgefallen?“, fragte er.

„Nein, Lord Akkarin“, beeilte sie sich zu sagen. Sie hatte eigentlich keinen Grund, förmlich zu sein. Doch in diesem Augenblick war er so streng und ehrfurchtgebietend, dass sie nicht anders konnte. Und wieso überhaupt kam er auf die Idee, sie und Luzille hätten in ihrem Schlafzimmer etwas Unanständiges gemacht?

„Dann braucht es dich auch nicht zu beschämen“, sagte er. „Du bist jetzt mit einer Elynerin befreundet. Dieses Volk ist sehr viel ... kontaktfreudiger als wir Kyralier. Du tätest besser daran, dich an solche Dinge zu gewöhnen.“

Sonea nickte nur. „Wieso bist du nicht im Keller?“, wechselte sie das Thema.

„Weil es gleich Abendessen gibt“, antwortete er.

„Oh“, machte sie. Bei ihrem Treffen mit Luzille und Trassia hatte sie die Zeit völlig vergessen.

Akkarin musterte sie durchdringend. „Für dich gibt es zum Essen keinen Wein“, entschied er. „Ich erwarte, dass du nüchtern bist, wenn wir anschließend experimentieren.“

Sonea wollte protestieren. Sie trank immer ein oder zwei Gläser Wein zum Abendessen. Aber sie musste einsehen, dass sie in diesem Zustand keine Versuche mit schwarzer Magie durchführen sollte.

„Ja, Lord Akkarin“, sagte sie daher.

Akkarin nickte kurz und führte sie dann in den Speisesaal. Der Tisch war bereits gedeckt. Doch das Essen war noch nicht aufgetragen. Akkarin schenkte Sonea Wasser aus einer Karaffe ein. Dann wählte er eine angebrochene Flasche Wein und befüllte sein eigenes Glas.

Sonea setzte sich auf ihren Platz. Entweder es lag an all dem elynischen Wein, den sie an diesem Nachmittag getrunken hatte oder sie war gerade dabei, eine Seite an sich zu entdecken, die sie nicht verstand. Aber sie musste es wissen.

„Was dachtest du, was Luzille und ich gemacht hätten, als sie mir dieses Kleid geliehen hat?“, fragte sie.

Akkarin ließ sich mit seiner Antwort Zeit.

„Nun, die Elyner sind in vielerlei Hinsicht sehr viel freizügiger als wir oder andere Völker“, antwortete er schließlich. „Das betrifft auch das Ausleben ihrer sexuellen Vorlieben. Für uns ist es nicht gerade leicht zu beurteilen, ob ihr Verhalten aus reiner Freundschaft resultiert oder ob gewisse Absichten dahinterstecken.“

Sonea starrte ihn an. Sie wusste, es gab Männer, die andere Männer begehrten. In den Hüttenvierteln gab es Bordelle, in denen Männer ihre Körper für solche Zwecke verkauften. Ihre Freier wurden nicht ohne Grund als Goldminen bezeichnet. Es war jedoch das erste Mal, das ihr bewusst wurde, dass es dasselbe auch bei Frauen gab.

„Du willst damit doch nicht sagen, dass Luzille ...“, begann sie verstört.

„Luzille ist viel zu sehr auf ihren Mann fixiert, um Frauen dauerhaft in Betracht zu ziehen“, antwortete Akkarin. „Aber es gibt viele Frauen, die diesbezüglich eine latente Neigung haben. Auch außerhalb von Elyne.“ Er lachte leise in sein Weinglas.

Entsetzt starrte Sonea ihn an. „Findest du das etwa gut?“, verlangte sie zu wissen. Sie erinnerte sich, dass er als Novize mit einem elynischen Mädchen zusammen gewesen war. Hatte sie vielleicht eine derart latente Neigung gehabt?

„Es kann mitunter sehr anregend sein.“ Er betrachtete Sonea aufmerksam. „Solltest du einmal die Chance dazu haben, es auszuprobieren, solltest du sie nicht ungenutzt lassen.“

Sonea schnappte empört nach Luft. „Denk nicht einmal daran!“, rief sie. „So etwas ist ekelhaft und abstoßend!“

„Ah, es ist anscheinend nicht ekelhaft und abstoßend genug“, erwiderte er. „Denn sonst würde es dich nicht so sehr beschäftigen.“

Sonea funkelte ihn an. Ein Teil von ihr konnte jedoch nicht aufhören sich zu fragen, was wenn er recht hatte? Etwas Derartiges zu tun, bedeutete den Ausschluss aus der Gilde und der Gesellschaft. Aber es hatte auch ihre Neugier geweckt. Sie konnte nicht abstreiten, dass sie für einen kurzen Augenblick etwas gespürt hatte. Nur, dass sie es niemals darauf anlegen würde. Und schon gar nicht bei Luzille.




Schwarze Magier haben den besseren Sex (Kapitel 48)


Kurzbeschreibung: Was geschah zwischen Sonea und Akkarin, nachdem sie Lord Sarrin eröffnet haben, dass er ihre Reserve sein soll, und was hat das mit der Zeichnung zu tun, die Sonea in dem Buch aus Elyne entdeckt hat? Die Szene habe ich herausgenommen, weil sie in dem Kontext nicht gepasst hat und zu viel von der Entwicklung der Beziehung zwischen Sonea und Akkarin vorwegnimmt.
Warnung: eine etwas längere, erotische Szene, zu deren Stil ich nicht viel sagen muss, weil ihr das bereits von mir kennt.



Nachdem alles besprochen war, begleiteten Sonea und Akkarin das ehemalige Oberhaupt der Alchemisten hinunter in die Empfangshalle. Sonea konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken, wie Lord Sarrin zu ihrem Anliegen stand. Indem sie und Akkarin ihn gebeten hatten, ihre Reserve zu sein, verlangten sie viel von ihm. Aber er kam als einziger in Frage, weil die Gilde ihn im Jahr zuvor bereits zu ihrem Nachfolger auserkoren hatte. Sie erinnerte sich noch zu gut an ihre Gedankengänge, als sie erstmals darüber nachgedacht hatte, schwarze Magie zu erlernen. Auch nach ihrer Entscheidung hatte sie an deren Richtigkeit gezweifelt. Das Gefühl, einen anderen Menschen mit schwarzer Magie zu töten, war etwas, das sie nie vergessen würde. Plötzlich erinnerte sie sich wieder an ein Gespräch, das sie mit Akkarin kurz nach ihrer Wiederaufnahme geführt hatte.

„Sonea, wenn ich nicht aus deinen Gedanken gelesen hätte wie gewissenhaft, verantwortungsbewusst und willensstark du bist, hätte ich dich niemals in schwarzer Magie unterwiesen“, hatte Akkarin gesagt, als sie ihm ihre Bedenken anvertraut hatte. „Ich hätte es abgelehnt, egal wie sehr du mich darum gebeten hättest.“

Inzwischen hatte sie diese Unsicherheit verloren. Fast ein ganzes Jahr war vergangen, seit sie das erste Mal mit dieser Macht in Berührung gekommen war, und sie praktizierte sie so selbstverständlich, dass es zu einem Teil von ihr geworden war. Es hatte sie in keiner Weise zum Negativen verändert, sie glaubte vielmehr, an ihrer Verantwortung gewachsen zu sein. Sonea überlegte, ob sie das Sarrin sagen sollte, verwarf die Idee dann jedoch wieder.

Er muss das mit sich selbst ausmachen, so wie ich es getan habe, dachte sie. Wenn er dann immer noch Bedenken hat, dann ist der richtige Zeitpunkt.

„Sonea und ich danken Euch für Euren Besuch und wünschen Euch einen schönen Abend“, sprach Akkarin, als sie in der Empfangshalle standen.

Lord Sarrin neigte leicht den Kopf. „Das wünsche ich Euch auch.“ Er zögerte. „Ich werde über Euer Angebot nachdenken.“

Akkarin legte eine Hand zwischen Soneas Schulterblätter. „Ich bin sicher, Ihr werdet die richtige Entscheidung treffen. Gute Nacht, Lord Sarrin.“

Der betagte Alchemist neigte leicht den Kopf und Sonea glaubte, seine blauen Augen für einen kurzen Moment funkeln zu sehen, als er ihrem Blick begegnete.

Nachdem sich die Türen hinter Sarrin geschlossen hatten, drehte Akkarin sie zu sich. Einen langen Augenblick starrte er in Soneas Augen, so durchdringend, dass sie unwillkürlich erschauderte.

„Komm“, sagte er dann. „Gehen wir nach oben.“

Sonea konnte nur nicken. Mit einem Mal waren alle Gedanken an Sarrin und schwarze Magie wie ausgelöscht. Die Art und Weise, wie Akkarin sie angesehen hatte und diese winzige Veränderung in der Nuance von Autorität in seiner Stimme genügten, um seine Absichten zu erahnen, hätten es seine Gesten nicht bereits suggeriert.

Ein leises Schaudern verspürend folgte sie ihm zurück ins obere Stockwerk. Doch anstatt zurück in die Bibliothek zu gehen, bog Akkarin in den Flur mit ihren privaten Räumen ein.

In ihrem Schlafzimmer angekommen wandte Sonea sich zur Kommode, löste die silbernen Klammern, mit denen sie die vorderen Partien ihrer Haare an den Seiten festzustecken pflegte, damit sie ihr nicht andauernd ins Gesicht fielen, und kämmte die Knoten heraus.

„Sonea.“

Sie warf einen Blick durch den Spiegel. Akkarin saß auf der Bettkante und sah zu ihr herüber. „Zieh dich aus und dann komm her.“

„Ja, Lord Akkarin.“ Seine Worte erfüllten sie mit einer erregenden Mischung aus Furcht und freudiger Erwartung. Rasch entledigte sie sich ihrer Stiefel, ihrer Robe und dem Unterkleid. Dann griff sie nach ihrem seidenen Nachthemd, das über die gepolsterte Bank vor der Kommode lag.

„Habe ich gesagt, du sollst dein Nachthemd anziehen?“

Sie hielt inne. „Nein. Ich …“

„Komm her“, wiederholte er mit einer Spur von Ungeduld.

Einen tiefen Atemzug nehmend schritt Sonea auf ihn zu. Vor ihm blieb sie stehen. Akkarin musterte sie mit undurchdringbarer Miene, dann wies er auf den Boden zu seinen Füßen. Zögernd kniete Sonea nieder.

„Und jetzt gib mir deine Kraft.“

Sie blinzelte überrascht. Sie hatte gewisse Gefälligkeiten erwartet und sich bereits darauf gefreut, dem mit all ihrer Hingabe nachzukommen. Aber nicht das.

„Du wolltest doch wissen, wie es ist.“

Sie nickte. Schaudernd streckte sie ihre Hände empor. Akkarins Finger schlangen sich um ihre Handgelenke und dann sandte sie ihm seine Kraft. Es war das seltsamste Gefühl. Wann immer Sonea das tat, verspürte sie zwischen ihnen diese tiefe Verbundenheit und ein Vertrauen, das weit über Liebe hinausging und das es ihr im Unterricht erschwerte, sich gegen seine Versuche, ihre Kraft zu nehmen, zu wehren. Doch dieses Mal war es so viel intensiver. So sehr, dass es sie zu ängstigen begann.

Wie würde es sich erst anfühlen, wenn er ihre Magie nahm?

Sonea hörte erst auf, als sie ihre Magie erschöpft hatte. Sie wusste, über Nacht würde sie alles davon regenerieren.

Akkarin beugte sich zu ihr hinab und drückte seine Lippen auf ihre. „Wie hat sich das angefühlt?“, fragte er.

„Ich …“, begann sie und brach ab. Es beschämte sie zu sehr, es auszusprechen. „Ich glaube nicht, dass es das war, was in dem Buch beschrieben war.“

Er lachte leise. „Nein. Aber es war das, wo deine Gedanken es hingeführt haben.“ Behutsam strich er eine Haarsträhne aus ihrer Stirn. „Ich habe deine Magie bewusst nicht genommen, weil ich will, dass du sie mir gibst.“

Sonea erschauderte erneut. Indem sie ihm ihre Magie freiwillig überließ, zeigte sie mehr als ihre Einwilligung. Sie zeigte, dass sie sich seinem Willen unterwarf.

Aber das würde ich niemals tun, wäre nicht jede Faser von ihm es wert. Und würde ich ihm nicht absolut vertrauen.

Sonea wusste, dass sie sich zugleich auch sehr verletzbar machte, indem sie sich derart öffnete. Es hätte nicht viel Aufwand bedurft, ihre Gefühle auszunutzen und zu missbrauchen. Aber so war Akkarin nicht.

„Beantworte meine Frage.“

Sie zuckte zusammen. Sie wollte nicht darauf antworten, weil er es einfach aus ihren Gedanken lesen konnte, hätte er das gewollt. Sie liebten einander, sie brauchte keine Geheimnisse vor ihm haben. Akkarin hätte jederzeit alles aus ihren Gedanken lesen können, hätte er das nicht auf „Schlafzimmer-Themen“ eingeschränkt.

„Es besteht kein Grund, dir jegliche Privatsphäre zu rauben, würde ich nicht nahezu den gesamten Tag von deinen Oberflächengedanken penetriert“, hatte er erklärt, als sie noch nicht lange zusammen gewesen waren. „Wahrheitslesung ist eine Technik, die man nicht missbrauchen sollte, um sich die Kommunikation zu ersparen. Ich werde sie zu nicht mehr benutzen, als um deine Phantasien zu fokussieren. Alles andere wäre unmoralisch.“

Wissend, warum er so dachte, hatte Sonea das akzeptiert. Wahrscheinlich würde sie auch so denken, würden ihre Gedanken über längere Zeit nicht mehr ihr gehören. Für gewöhnlich ließ Akkarin es unkommentiert, wenn sie vergaß, ihre Oberflächengedanken vor ihm zu verbergen. Sonea konnte jedoch nicht verbergen, was in ihrem Kopf vorging, wenn sie sich liebten, weil ihr in diesen Situationen die Kontrolle über ihren Verstand abhandenkam. Aber so konnte er dabei wenigstens nicht in einen Konflikt mit seinen Grundsätzen geraten.

So gesehen könnte er es jetzt einfach in Erfahrung bringen, dachte sie. Aber Akkarin hatte so eine Art, sie derartige Dinge aussprechen zu lassen. Sie entschied jedoch, er brauchte nicht alles zu wissen.

„Es war irgendwie beängstigend“, antwortete sie, hoffend er würde es dabei belassen. „Und … demütigend.“

Er hob eine Augenbraue. Sich zu ihr hinabbeugend küsste er sie erneut, während eine Hand zwischen ihre Schenkel fuhr.

„Und warum bist du dann erregt?“

Sonea sog scharf die Luft ein. „Weil …“, begann sie hilflos. „Ich dachte, du wolltest etwas anderes machen. Etwas … nun ja …“

Seine Hand fuhr damit fort, sie zu streicheln. „Das glaube ich dir nicht.“ Er beugte sich noch tiefer zu ihr. „Du weißt, was passiert, wenn du lügst?“, murmelte er an ihrem Ohr.

„Ja, Lord Akkarin“, erwiderte sie mit brüchiger Stimme. Es wäre die Lüge wert gewesen, hätte sie damit vermutlich nicht sein gesamtes Vorhaben ruiniert.

Er schob zwei Finger in sie hinein. Sonea entfuhr ein ungewollter Laut, den sie jedoch rasch unterdrückte, während sie nicht verhindern konnte, dass ihre Atmung schneller wurde, als er anfing, seine Finger in ihr zu bewegen.

„Also?“

Sonea wusste, sie konnten dieses Spiel stundenlang ausdehnen – es hing einzig von ihr ab, ob sie anschließend wundgescheuert und am nächsten Tag unausgeschlafen sein wollte. Während Ersteres ihr relativ egal war, hatte sie auf Letzteres keine Lust.

„Es erregt mich, wenn Ihr etwas tut, das mich demütigt“, sagte sie um eine feste Stimme bemüht.

Akkarin bedachte sie mit seinem Halblächeln. „War das so schwer?“, fragte er sanft.

„Ja … nein …“ Sonea zögerte. „Es sollte es nicht sein, aber ist es nicht irgendwie pervertiert, so zu empfinden?“

„Sonea, daran ist überhaupt nichts pervertiert“, widersprach Akkarin sanft. Er zog seine Hand zurück und betrachtete sie nachdenklich. „Wieso denkst du das?“

„Weil das Nehmen von Magie keine solchen Gefühle auslösen sollte.“

„Warum sollte es das nicht?“, fragte er. „Es erfordert ebenso ein großes Maß an Vertrauen und Hingabe wie das Austauschen anderer Intimitäten.“

„Aber ich bin sicher, dass andere …“

„Wie andere darüber denken mögen, braucht dich nicht kümmern“, sagte er in einem Anflug von Strenge. „Ich habe einst ähnlich gedacht wie du, doch dann habe ich festgestellt, dass meine Definitionen von Richtig und Falsch ein wenig … engstirnig waren.“

Sonea runzelte die Stirn ob seiner Wortwahl. „Und was ist für dich richtig und was ist falsch?“

„Richtig ist, wenn es uns beiden gefällt und niemand deswegen Schaden erleidet. Falsch wäre das Gegenteil.“

So hatte Sonea das noch nicht betrachtet. Doch da sie mit niemandem über ihr Liebesleben sprach, würde sie auch niemals erfahren, wie andere darüber dachten. Was sie beide hatten, war etwas ganz Besonderes. Sie hatte nicht erwartet, dass er die in dem Buch beschriebene Praktik im Bett anwenden würde – geschweige denn, es überhaupt zu tun –, aber irgendetwas in ihren Gedanken musste ihn darauf gebracht haben. Sonea verkniff sich ein Lächeln. Akkarin verstand es wahrhaftig, ihren Liebesakt jedes Mal zu einem außergewöhnlichen und berauschenden Erlebnis zu machen.

Nur, dass sie dabei anscheinend seine Kreativität inspirierte. Bis zu Akkarin wäre Sonea nie auf die Idee gekommen, Magie dafür zu verwenden. Aber wahrscheinlich waren sie damit unter den Magiern nicht einmal alleine, nur dass schwarze Magie ihnen viel mehr Möglichkeiten bot.

„Es besteht kein Grund, sich für seine Gefühle zu schämen, Sonea“, sagte er. „Erst recht nicht vor mir.“

Sie nickte und sah zu ihm auf.

„Ich erwarte, dass du deine Scham im Schlafzimmer ablegst“, fuhr er ein wenig strenger fort. „So wie deinen Stolz.“

„Ja, Lord Akkarin.“

Akkarin küsste sie, dann zog er sie hoch. Eine Hand in ihrem Nacken trafen seine Lippen erneut auf ihre, während seine freie Hand über ihren Rücken und ihr Gesäß strich und sie dichter zu sich zog. Sonea erwiderte seinen Kuss hingebungsvoll und wünschte, er würde niemals aufhören, diese verwirrende Mischung aus Furcht und Verlangen in ihr auszulösen.

Plötzlich ließ er von ihr ab. Bevor Sonea protestieren konnte, war er hinter sie getreten und schob sie in Richtung Bett. Die Hand in ihrem Nacken beugte er sie nach vorne und zugleich brachte ein sanfter Schubs seiner Magie ihre Knie zum Einknicken. Überrascht gelang es Sonea gerade noch, sich abzufangen, so dass sie auf allen Vieren auf dem Bett kniete. Als sie sich aufrichten wollte, drückte Akkarin ihren Kopf hinab, bis ihr Oberkörper die Matratze berührte. Die Hand löste sich aus ihrem Nacken. Dann fasste er ihre Handgelenke und fixierte sie auf dem Rücken. Ein weiteres Mal umströmte sie seine Magie, als er ihre Beine ein Stück auseinander schob und sie wie ihre Schultern ebenfalls fixierte.

Sonea sog leicht die Luft ein. Sie spürte, wie sich etwas in ihrem Schoß zusammenzog. In dieser Position konnte er nahezu alles mit ihr tun, ohne dass sie sich dagegen hätte wehren können. Sie hatte nicht einmal Magie übrig, um sich zu befreien.

Das leise Rascheln von Stoff erfüllte die Stille, als er sich seiner Robe entledigte, seine Finger strichen erneut über ihren Schoß und schoben sich für einen langen Augenblick tief in sie hinein, dann umfasste er ihre Hüften. Es gab einen kurzen Schmerz, als er in sie hineinstieß, begann er sich in ihr zu bewegen und der Schmerz verwandelte sich in Erregung.

Sonea entfuhr ein weiterer ungewollter Laut. Ihre Atmung kontrollierend, versuchte sie alle weiteren Laute zu unterdrücken, doch als Akkarins Hand um ihre Hüfte langte und erbarmungslos zwischen ihren Schenkeln verschwand, kam ihr jede Kontrolle abhanden. Ein intensives Brennen breitete sich von da, wo seine Finger sie berührten, in ihrem gesamten Körper aus, und wurde durch die Unfähigkeit, sich zu bewegen auf ein unerträgliches Maß verstärkt.

- Lass es raus, befahl er mit einem Anflug von Erheiterung.

Sie gehorchte, überrascht, weil seine Präsenz bereits in ihr war. Die Erkenntnis auf eine seltsame Weise erregend.

Er begann nach ihren Phantasien zu suchen, die Sonea in ihrem Rausch alles andere als unanständig erschienen. Dabei penetrierte er sie allenthalben mit Bildern seiner eigenen Phantasien, die die ihren offenkundig in ihm auslösten, aber auch solchen, die er schon länger hegte, und sie wusste, sie würden das alles irgendwann einmal verwirklichen, wenn ihnen die Zeit dazu blieb. Sie konnte spüren, wie er sie mehr und mehr ausfüllte und er wieder und wieder innehielt, als müsse er um seine Beherrschung kämpfen. Sie ahnte, dass er sich zwischendurch immer wieder heilte, damit sie beide länger etwas davon hatten. Denn was er ihr von sich selbst zeigte, ließ sie daran zweifeln, dass er sich ohne Magie lange hätte zurückhalten können.

Als ihre Lust endlich aus ihr herausbrach, dauerte es nicht lange, bis er es ihr gleichtat, als würde ihn das den letzten Rest seiner Beherrschung kosten. Ein einziger Rausch von einem dunklen, rohen Verlangen stürmte auf sie ein und versetzte jeder Faser ihres Körpers ein zweites Mal in Brand, bis Sonea glaubte, es nicht mehr aushalten zu können.

Dann brach es abrupt ab, als die natürliche Barriere wieder an Stärke gewann und mit ihr seine Präsenz aus ihrem Geist verschwand.

Akkarin zog sich aus ihr zurück und gab sie frei. Soneas Beine gaben nach und sie sank auf der Bettdecke zusammen, wo sie sich erschöpft zusammenrollte. Der Rausch war verebbt, doch die Überreste ihres Verlangens wichen nur widerwillig. Obwohl zutiefst befriedigt, verspürte sie eine vage Enttäuschung, weil es vorbei war.

Akkarin ließ sich neben ihr in die Kissen sinken und zog sie in seine Arme. „Findest du es immer noch pervertiert?“, fragte er.

Sonea schüttelte den Kopf. „Wenn du so bist, wie vorhin, kommen mir jegliche Gedanken darüber, was anständig und normal ist, abhanden.“

Er lachte leise. „Und jetzt?“

Sie runzelte die Stirn. „Ich glaube, du hast recht. Beides erfordert Vertrauen und Hingabe. Und es beinhaltet eine gewisse … Intimität. Auch wenn die Kombination von beidem ein wenig … ungewöhnlich ist.“

„Den Eindruck könnte man haben, nicht wahr?“, sagte er und küsste sie auf die Stirn.

Sonea fragte sich, wie er das meinte. Sie dachte daran, was sie für einen kurzen Augenblick zu spürt haben geglaubt hatte. Doch sie ahnte, sie würde die Antwort auf diese Frage nicht erfahren. Was auch immer das war, Akkarin würde seine Gründe haben, das vor ihr zurückzuhalten.

Und vielleicht war das auch besser so.


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