Schatten der Vergangenheit

KurzgeschichteDrama, Freundschaft / P12
Holger Ehlers Saskia Berg
26.06.2013
26.06.2013
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Moin Moin. Hier mal etwas neues. Erst einmal, dieser OS ist nicht von mir, leider muss ich dazu sagen. Denn ich finde ihn einfach genial. Dennoch wurde ich gebeten ihn hoch zu laden. Lob, Kritik, Blumen, Kekse, faule Tomaten, ich nehme alles entgegen und reiche es weiter.
Genug der Worte, viel Spaß beim lesen.
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Schatten der Vergangeheit


Sie rannte. Blind vor Wut. Immer weiter.
"Frau Berg!!Stop!!" Holger Ehlers mobilisierte all seine Energie und wurde schneller. Er riss seine Kollegin zu Boden, der harte Asphalt des Parkplatzes verkratze seine Arme.
"Ahhhh!! Nein!! LASSEN SIE MICH LOS!!!!!!" Saskia schrie, wehrte sich gegen ihren Kapitän. Er umfasste ihre Hüfte fest, drückte sie zu Boden. "STOP!! Hör auf" Auch er schrie jetzt, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen,  dachte, er könne seine Kollegin dadurch erreichen.
Saskia wehrte sich immer weiter, wandt sich hin und her. Sie konnte sich nicht befreien, der Griff, mit dem ihr Kapitän sie am Boden hielt, war zu stark. "Lassen Sie mich los!!!" knurrte sie.
"Nein! Was wollen Sie tun?" Holger wollte wissen was seine, sonst so beherrschte Wachhabende Offizierin, so aus der Fassung gebracht hatte.
"Er muss bezahlen!! Ich muss zu ihm!!" Ehlers war völlig perplex. Was war nur mit seiner Kollegin los, das war nicht die Saskia, die ihm sonst jeden Tag begegnete. Seit sie diese eine Akte gelesen hatte und rausgerannt war, verstand er gar nicht mehr.
"Er ist schuld!! An allem!! Ich will das er leidet!!" "WER!!!?? Frau Berg, was ist denn los!!?"
Seine Kollegin war plötzlich still geworden. Zu still. Er bemerkte, dass Saskia etwas fest umklammert in der Hand hielt. Sanft bog er die Finger auseinander. Es war ein Bild. Darauf waren, ein Mann, eine junge Frau und ein kleines Mädchen zu sehen. "Wer, wer ist das?" fragte er leise. "....Mama.....Papa......Ich....." Ihre Antwort war mehr ein flüstern "Oh...", doch bevor der Kapitän weiter sprechen konnte, unterbrach Saskia ihn. "Weg...Sind weg..." Holger runzelte die Stirn. "Wo...Wo sind die beiden denn?" Er konnte sich die Antwort schon denken, dennoch ließ ihm ihre Antwort einen kalten Schauer über den Rücken laufen.
"Da....." hauchte Saskia und zeigte nach oben zum wolkenverhangenen, bleischweren Himmel.

Holger lief erneut ein eiskalter Schauer über den Rücken, als ihm klar wurde, dass seine Vermutung stimmte.

Saskia Berg war Vollwaise!

Alles hätte er erwartet aber nicht das! "Was...was ist...passiert?" fragte er vorsichtig. "Auto...Unfall...Fahrer...flucht..." flüsterte sie und wendete den Blick vom dunklen Himmel nicht ab. "Sie...Sie haben...den Mann gefunden...oder?" Saskia nickte.
"Oh Nein..." Holger zog sie in seine Arme und drückte sie an sich. Er erschrak, als Saskia plötzlich zu schreien begann. "10!!!ICH WAR 10!!!" Holger zuckte zusammen. "Shhh...Ganz ruhig..."
Saskias Gesicht nahm einen kindlichen Ausdruck an, sie begann zu zittern. "Saskia...Hey, komm...Sie...Du bist doch meine starke WO...lass uns rei ..." weiter kam der Kapitän nicht, da Saskia wieder begann, sich zu winden.
"ICH WILL NICHT MEHR STARK SEIN!!! NEIN!!!" Sie versuchte, mit geschickten Bewegungen, seinem Griff zu entkommen, doch Holger hielt sie noch fester. "Shhhhh...Saskia..." Er flüsterte in ihr Ohr, merkte, wie ungewohnt es für ihn war, ihren Vornamen in den Mund zu nehmen.
Sie zitterte, schluchzte, drückte sich an ihn. "Saskia...Bitte, beruhige dich doch...Das was mit deinen Eltern passiert ist, ist unglaublich grausam und es tut mir wahnsinnig leid...aber es darf Dich nicht zerstören.."
Saskia schwieg. Sie starrte vor sich hin, zitterte und rührte sich sonst nicht. "Hey...komm erzähl mal. Wie waren die beiden denn? Hm?"
Er wusste, dass es wehtat, dass es alte Wunden in Saskia aufriss, doch es war die einzige Möglichkeit, sie wieder ins hier und jetzt zu bringen.
"....lieb..." antwortete sie leise, wispernd auf seine Frage.
"Und wie hießen die beiden?" fragte er behutsam weiter.
"Ele...na....Robert......" Er lächelte sanft.
"Elena, Robert und Saskia...Ihr wart sicher eine sehr glückliche Familie." Sofort biss er sich auf die Zunge und wünschte sich tausend Tode. 'Oh Nein....Falsche Frage' dachte er. Tatsächlich sank Saskia in sich zusammen, der kindliche Ausdruck kehrte auf ihr Gesicht zurück. "Saskia....Hey...." Er drückte sie, rüttelte sie leicht. "Es tut mir leid...". Sie reagierte nicht auf ihn. Sie rollte sich zusammen, starrte mit weltentrücktem Blick umher. "Mama...Papa...wir wollten doch schwimmen gehen...Los kommt! Sonst sind alle schönen Plätze weg...Papa ich hab ne eins in Mathe, toll oder?"
Holger erschauderte. Sie hörte sich an, wie ein Kind. "Saskia! Bleib hier, na komm! Erzähl mir mehr von...Saskia! Bitte!! Bleib hier!" Er durfte nicht zulassen, dass sie sich in diesem Flashback verlor. Saskia begann wieder, sich zu winden, aber es war eher wie im schlaf.
"Nein!!! MAMAAAA!!! PAPAAA!!! ICH WILL NICHT GEEEEEHN!!!" Holger erschauderte wieder und drückte sie noch fester an sich. "Mama!!! NEIN!!! NICHT IN DEN KASTEN!!! DA SIEHT SIE DOCH NICHTS!!! MAMAA!!! PAPAAAA!!! TU DOCH WAS!!! DIE SPERREN MAMA EIN!!!"
Holger erstarrte, ihm wurde schlagartig bewusst, dass dies kein normaler Flashback mehr war. Saskia erlebte den Tag noch einmal! Sie begann wieder zu schreien und zu schluchzen. "PAPAA!!! WACH AUF, LASS UNS HEIM GEHEN!!! KOMM!!! WIR HOLEN MAMA DA RAUS!!! JETZT KOMM SCHON!!! PAPAAAA!!!"
Holger schloss die Augen, doch seine Ohren konnte er leider nicht verschließen. Er strich Saskia über die dunklen, kurzen Haare.
Eine kleine Träne rollte über Holgers Wange. Er wischte sie nicht weg. Saskia zitterte wieder stärker. "Papa...?? Papa...ist der Kasten bequem? Warum seid ihr denn nicht gemeinsam da drin!? Ihr könnt gar nicht mehr kuscheln...Papa...Ich brauch euch doch! Kommt aus dem Loch da raus!!! Da ist es kalt, Mama wird noch krank! Los kommt. Gehn wir heim...Bitte...Papa...steh doch auf!"
Mittlerweile flossen Holgers Tränen wie Sturzbäche seine Wangen hinab. Saskia lag auf seinem Schoß, zitterte und...schlief! Sie war in seinen Armen wie ein Kind eingeschlafen. Er drückte sie an sich, registrierte erst jetzt, dass es angefangen hatte zu regnen. Dicke tropfen kamen vom Himmel, durchnässten ihn und Saskia. Er zog seine Jacke aus und legte diese über seine Kollegin. Diese rollte sich darunter zusammen und schlief weiter. Der kindliche Ausdruck in ihrem Gesicht war geblieben, Tränen hatten ihre Augen gerötet.
Sacht strich er über ihre Wange. Sein Einsatzhemd klebte an ihm, doch kalt war ihm keineswegs. Wärme durchströmte ihn. Er kannte dieses Gefühl. Zum ersten mal hatte er es verspürt, als er seinen Sohn Erik das erste mal im Arm gehalten hatte. Es war Vaterliebe, rein und klar. Es verwirrte ihn, dass er ausgerechnet bei Saskia diese Gefühle verspürte. Seit Eriks tragischem Tod hatte sich Holger gegen jegliche Emotion gewehrt, nichts und niemanden mehr an sich heran gelassen. Jetzt, hier, mit Saskia im Arm, fühlte er sich wie damals. Jung, verantwortungsvoll. Und...Er fühlte sich in Saskias Nähe einfach nur wohl und angekommen. Daheim.
Sanft lächelte er. Saskia hatte sich noch weiter zusammengerollt und war unter der Jacke verschwunden. Der Regen hatte weiter zugenommen. Holger beugte sich über sie schützend, väterlich besorgt. Jetzt erst wagte er es, seinen wirren Gedanken, der ihm schon die ganze Zeit im Kopf herumschwirrte, auszusprechen, zu akzeptieren- Saskia war wie eine Tochter für ihn.
Jetzt wurde ihm bewusst, dass er das schon immer gefühlt hatte. Seit sie unter seinem Kommando stand, fühlte er sich für sie besonders verantwortlich. Jedesmal wenn sie im Alleingang unterwegs war, wenn sie in Gefahr war, hatte er Todesängste ausgestanden. Jetzt begriff er, warum. Er hatte gespürt, dass Saskia ein Geheimnis mit sich trug, welches seine Kollegin schwer belastete.
Wieder musste er an die vergangenen Minuten denken. Saskia war für diese kurzen Augenblicke wieder 10 Jahre alt gewesen.... Ein Schauer durchlief ihn, als ihm ihre Schreie wieder in den Sinn kamen. Sie war so verzweifelt, fast schon am Ende gewesen.
Wenn Sie aufwachte, würde er sich normal verhalten. Wenn sie ihn fragen würde, was passiert sei, würde er ihr vorsichtig alles erzählen und ihr seine Hilfe anbieten. Saskia brauchte Hilfe, um alles verarbeiten zu können und er würde alles tun um ihr diese Hilfe zu geben. "Ich verspreche dir, Saskia...dass Dir niemand auf dieser Welt je weh tun wird...Solange ich lebe werde ich auf Dich aufpassen..." flüsterte er in ihr Ohr.
Sie wachte nicht auf, doch ihr Gesicht entspannte sich und ihre Hand, die schon die ganze Zeit seine festhielt, verstärkte ihren Griff noch. Er wusste, dass es nicht leicht werden würde, alles mit ihr zusammen aufzuarbeiten und Vertrauen aufzubauen, doch er war sich sicher- irgendwie würde er auch das hinbekommen...


E.N.D.E
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