Das Spiel ohne Gewinner

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Izaya Orihara Shizuo Heiwajima
22.06.2013
05.01.2014
21
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22.06.2013 692
 
1.Kapitel -  „Ein Informant verfügt über Wissen“




Ein Windstoß schlug das Fenster auf und brachte außer der kalten, feuchten Herbstluft Tumult mit in Izaya’s Büro, das zugleich sein zu Hause zu sein schien.
Izaya wandte sich von seinem Schachbrett ab und erneut seinem Gegenüber zu.

„Und du bist sicher, Shiki-san, dass Mirella keinerlei Regung zeigte?“

„So ist es. Wir nahmen ihr alles, was sie besaß; ihr Geld, ihre Unschuld… und drohten an, ihr Leben zu nehmen.“

„Ahh…wie ich sehe scheint sie standhafter zu sein, als sie erscheint.“

„-oder dein Plan war ganz einfach völliger Dreck.“

Izaya verengte die Augen, doch ließ sonst keine Regung zu. Jegliche Art von Schwäche konnte in seinem Business den Tod bedeuten.

„Das glaube ich nicht, Shiki-kun. So einfältig die Menschen sein mögen…jeder spielt sein Spiel auf andere Weise. Man mag ihn also als Einzigartig betrachten, doch ticken, tun sie alle gleich.“

Izaya setzte einen weißen Bauer auf dem Schachbrett einen Schritt vor und schlug damit einen schwarzen Turm.

„Doch müssen wir unser Wissen neu ordnen und neue Strategien entwickeln…“

„Komm auf den Punkt, ich will mein Geld und keine Informationen.“

In Shiki’s Stimme schwang ein knurrender Unterton mit, drohend, um Izaya keine Schwäche zu zeigen, indem er sich seinen aalglatten Worten ergab. Was er nicht wusste; eben dadurch zeigte er Risse in der Fassade… ein guter Informant weiß jegliche Art von Wissen zu nutzen, und sei es das Wissen, dass ein gewisser Krimineller auf Sticheleien aggressiv reagiert.

„Ich meine, angenommen Mirella verlor bereits alles was für sie von Bedeutung war. Würde es dann noch etwas ausmachen, wenn sie verbliebene Kleinigkeiten verliert?
Wenn einem Fisch das Wasser genommen wird, trauert er dann noch um die Mückenlarven die drin schwammen?“

Shiki murrte, begann in seinen Hemdtaschen zu kramen und sich den Kopf zu kratzen.

„Mein lieber Shiki-kun…was ich meine ist das Gefühl von Verlust. Wenn dieses nicht vorhanden ist, kann auch kein Leid entstehen. Ein Mensch braucht etwas, das ihm wichtig ist, um etwas verlieren zu können. Etwas wirklich verlieren zu können.“

Auch wenn Izaya’s Worte willkürlich entstanden waren; er hatte dennoch eine These geschaffen, zu der er glaubte stehen zu können.

„Bullshit. Geld ist Besitz, Leben ist Besitz, Familie und so’n Zeugs auch!“

Ein amüsiertes Lächeln strich über Izaya’s Gesicht, als er den überforderten Shiki betrachtete.

„Lass uns eine Wette abschließen, mein lieber Shiki. Ich werde einen Menschen zu Fall bringen, indem ich ihm eine neue Bindung raube und nicht seinen derzeitigen Besitz. Schaffe ich es, soll es als Beweis dafür dienen, dass ein Mensch durchaus auch psychisch angreifbar. Nebenbei kann es bestimmt in unserem Geschäft nützlich sein.“

„Was springt für mich dabei raus?“

Shiki verengte die Augen, er traute dem Informanten nicht und fürchtete von ihm über’s Ohr gehauen zu werden.

„Ich biete dir 150.000 Yen .“

„Und was willst du?“

„Ich will ein neues Schachbrett. Die Figuren sollen nicht mehr aus bloßem Holz sein. Nein, aus Gold und Silber.“

Izaya kicherte. Er war sich bewusst, dass grade Gold und Silber Shiki ärgern würden. Was man nicht so alles für ein Spielchen tat…

„Einverstanden. Um wen handelt es sich? Wen wirst du nur so rein Gefühlsmäßig fertig machen?“

„Wähle, Shiki-kun. Wir sind Freunde daher sollst du mir Vertrauen schenken.“

Shiki knurrte abfällig etwas wie „Freunde?“, „Dreckskerl“, „Bullshit“ oder ähnliches. Izaya schloss die Augen und lächelte.

„Ich darf’s mir aussuchen richtig? So ganz frei, ne?“

„Aber ja, aber ja, Shiki-kun.“

Shiki grinste bösartig.

„Shizuo.“

Als Shiki gegangen war lehnte sich Izaya zurück und tat einen Tiefenatemzug. Shiki glaubte ein ungeheurer Fuchs zu sein und Izaya damit treffen zu können, aber Izaya würde gewinnen. Da war er sich gewiss.

Er drehte sich in seinem Stuhl zum Fenster.
Erste Regentropfen klatschten an die Scheibe und liefen daran herab.
Es verzerrte sein Spiegelbild und ließ es beinahe erscheinen, als weinte Izaya, doch ein Informant weinte nicht.

Izaya lachte und hob seine Arme empor als würde er die ganze Welt umarmen wollen.
Dann fiel sein Blick auf die Spiegelung des Schachbretts in der Scheibe.

Die weiße Dame war gefallen, der Wind musste sie umgeweht haben.
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