Clues

von - Leela -
GeschichteAbenteuer / P12
Eddie Futura Jake Jessica Tracy
22.06.2013
23.06.2013
3
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Diese Geschichte entstand für das Projekt »Sieben Tage, eine Woche«.


Montag

(Vorgabe: Taschenlampe)

Die Ghostbuster hatten es sich im Büro bequem gemacht. Während Tasha sich auf dem Sofa an Eddy gelehnt hatte und für die kommende Prüfung lernte, hatte er sich ein neues Buch genommen und las. Jake saß am Schreibtisch und malte gelangweilt auf seinem Block rum. Tracy schraubte unterdessen am Skelevision, welches daraufhin unentwegt kicherte.
      Jake ließ den Stift fallen und seufzte. „Es passiert im Augenblick gar nichts aufregendes!“ beschwerte er sich.
      „Also, ich für meinen Teil habe gerade viel Spaß am Lesen!“ bemerkte Eddy ohne vom Buch aufzusehen.
      Jake atmete tief durch. Er hatte die Message verstanden, deswegen wußte er trotzdem nichts mit sich anzufangen.
      Gerade als er darüber nachdachte, was er tun könnte, erschütterte ein ohrenbetäubender Lärm das Ghostkommando. Die Freunde zuckten synchron zusammen, Eddy fiel das Buch aus den Händen, Tasha verteilte ihre Dokumente vor Schreck über dem ganzen Fußboden, und das Skelevision schrie jäh auf, als Tracy ihm versehentlich den Schraubenzieher in’s Innere trieb.
      Plötzliche Stille setzte wieder ein.
      „W-was war das?“ ließ sich Eddy als erster unsicher vernehmen.
      Jake, der im Affekt vom Stuhl aufgesprungen war, stützte sich auf dem Schreibtisch ab. „Wenn ich das wüßte! Wenn ich nicht ganz blöd bin, kam das aus dem Keller!“
      „Ihr habt einen Keller?“ fragte Tasha überrascht.
      „Ja!“ Eddy war es fast peinlich, daß er ihr den bei der Hausführung nach ihrem Einzug unterschlagen hatte. „Den haben wir auch nur durch Zufall entdeckt!“
      „Laßt uns nachsehen!“ warf Tracy indes ein. Selbst der Gorilla schien beunruhigt, und das wollte was heißen.
      Die anderen nickten, und so machten sie sich gemeinsam auf den Weg nach unten.
      Als die Büroeinrichtung wieder unter sich war, atmete das Skelevision erleichtert auf. „Gott sei Dank!“
      „Willst du gar nicht wissen, was da los ist?“ fragte Ansabone nervös.
      „Doch! Aber erst mal bin ich froh, daß ich eine Pause von diesem handwerkenden Gorilla habe!“

Tasha war bald noch aufgeregter als die Jungs. Sie brannte förmlich darauf, den geheimnisvollen Keller kennenzulernen, dessen Zugang sich verborgen in einer Wand im Erdgeschoß befand.
      Jake öffnete vorsichtig die Tür und machte das Licht an.
      „Was ist, wenn es sich wiederholt, Jake?“ fragte Eddy ängstlich.
      „Dann wiederholt es sich!“ erwiderte Jake gedankenvoll und stieg hinab.
      Eddy und Tasha wechselten einen Blick.
      „Na, toll. Das hilft mir weiter!“ bemerkte er demoralisiert.
      „Kommt schon!“ trieb Tracy.
      „Wollen wir keine Taschenlampe mitnehmen?“ fragte Tasha.
      „Wozu?“ rief Jake hinauf. „Wir haben hier unten überall Licht!“
      „Ich meine ja nur, vorsichtshalber! Falls das »Wasauchimmer« uns einen Stromkreis zerschießt.“
      Jake drehte sich zu ihr um und grinste. „Du und Eddy, ihr paßt wirklich hervorragend zusammen! Sogar, was die Ängstlichkeit angeht!“
      Tasha straffte die Schultern. „Ich wollte es nur erwähnt haben!“ bemerkte sie schmollend und ging vor Eddy die Treppe hinunter.
      Eddy sah verhalten die Treppe hinunter, atmete durch und folgte den anderen. „Nur zum Thema Ängstlichkeit,“ warf er noch einmal ein, als er zu Jake aufgeschlossen hatte. „Wenn es wirklich eine Explosion war, und es sich wiederholt, möchte ich nicht dabei sein, falls hier alles einstürzt!“
      „Man kann es auch übertreiben, Eddy!“ kommentierte Jake. Er winkte Tasha zu sich. „Komm’ her, wenn wir schon hier unten sind, machen wir gleich mal eine richtige Führung durch den Keller! Dabei können wir schauen, ob alles in Ordnung ist, gehen wieder nach oben, und alles ist gut!“
      Tasha war sofort bei ihm. „Oh, ja!“
      Eddy schmollte. Mußte Jake ihm dabei jetzt auch noch den Rang ablaufen?
      „Also,“ begann Jake bei dem Raum zu seiner rechten, der direkt neben der Zugangstür am Fuße der Treppe lag. „Hier ist der Heizungsraum. Im übrigen sind hier auch die Ableseuhren für Strom und Gas.“
      „Aha. Dann hat das ja schon mal einen praktischen Nutzen, daß du mir das zeigst!“ schmunzelte sie.
      Er führte sie eine Tür weiter. Als er sie öffnete, staunte Tasha. Von hier führten noch einmal ein paar Stufen in die Tiefe. „Das hier ist unser Weinkeller – von dem wir übrigens, wie eben erwähnt, auch nichts wußten!“
      „Ja! Willst du vielleicht die Story erzählen, wie du dich hier maßlos betrunken hast und dabei den Flaschengeist verschluckt hast?“ Eddy konnte sich diesen zynischen Einwurf nicht verkneifen.
      Jake räusperte sich. „Ein andernmal vielleicht! – Dort drüben ist ein Vorratskeller. Dort haben wir Konserven und Eingemachtes gelagert, und haben auch eine Kühltruhe hier unten stehen.“
      „Ach, jetzt weiß ich, wo Tracy immer seine Zutaten für die tollen Gerichte herhat, die er so zubereitet!“ meinte Tasha.
      Tracy grinste gewinnend.
      Jake schloß die Tür und öffnete die nächste. „Das hier ist einfach ein Abstellraum für alle Dinge, die man nur ab und zu braucht, und die ansonsten Platz wegnehmen. Weihnachts-Deko, und so’n Zeug.“
      Tasha warf Tracy einen abschätzenden Blick zu. „Langsam bist du gar nicht mehr so mysteriös!“ stellte sie fest.
      Tracy entglitten erschrocken die Gesichtszüge, und Jake und Eddy mußten unwillkürlich lachen.
      Jake gab ihr einen Wink und führte sie ein Stück weiter zur nächsten Tür.
      „Der Keller ist ja riesig!“ stellte sie fest.
      „Ja! Als wir das erste Mal hier unten waren, haben wir uns fast verlaufen, und dachten irgendwann schon, das kann gar nicht mehr alles zum Ghostcommand gehören. Aber irgendwie scheint es doch so zu sein. – Hier ist ein richtiger Partykeller!“ Als Jake die Tür öffnete, sah sie einen Tresen, der den Raum durchschnitt, eine gemütliche Sitzecke und eine freie Fläche, auf der man sicher gut Spiele machen oder tanzen konnte.
      „Wow…“ entfuhr es ihr fasziniert. „Und das zeigt ihr mir erst jetzt?“
      „Ich bedaure auch gerade, daß ich nicht früher daran gedacht habe.“ bemerkte Eddy versonnen, als er sich des lauschigen Plätzchens wieder gewahr wurde, an den er sich zu so manchen Gelegenheiten schon mit Tasha hätte zurückziehen, und mit dem er sie vielleicht sogar schon viel eher hätte beeindrucken können.
      Jake drehte sich um und führte sie weiter. „Auf der Seite sind noch Regale für alles mögliche, und dort ist noch ein Abstellraum, an den kommst du sogar von außen dran. Da haben wir zum Beispiel die Fahrräder stehen und alles mögliche Zeug zur Pflege, übrigens auch für GB.“
      „Ach! Und ich dachte, das hättet ihr alles in der Garage! Die ist doch auch schon so groß.“
      „Die Garage nutzt Tracy ja größtenteils als Werkstatt.“ warf Eddy ein. „Deswegen haben wir das ganze Zubehör für GB hier!“
      Tasha nahm das etwas verwirrt zur Kenntnis, sagte aber nichts dazu.
      Jake ging zur letzten Tür, welche gegenüber des Heizungsraumes auf der anderen Seite der Treppe lag. „Hier, zu guter letzt, gibt es noch einen Raum, wo wir Geister mit niedriger Gefahrenstufe lagern oder zwischenlagern können.“
      Tasha sah sich den Raum ein wenig beklommen an. Es standen ein paar Behälter sorgfältig in Regalen, von denen sie nicht wissen wollte, was sich darin befand.
      Jake wandte sich zu Tasha um. „Tja, so viel zu den Kellerräumen!“
      Tracy war während des Rundgangs bedächtig durch den Keller gewandert und hatte sich umgesehen, und als Jake die letzte Tür schloß, analysierte er: „Alles in Ordnung!“
      Die vier wechselten forschende Blicke und nickten leicht. Sie wollten gerade wieder nach oben gehen, als Eddy nachdenklich innehielt.
      Jake drehte sich zu ihm um. „Eddy, was ist? Eben konnte es dir nicht schnell genug gehen, wieder nach oben zu kommen!“
      „Ja, ich weiß… Sag’ mal, Jake, was ist eigentlich da!“ Er zeigte auf den Zwischenraum zwischen dem Fahrradkeller und dem Partyraum.
      „Äh… Eine Wand?“ gab Jake Auskunft.
      Eddy verdrehte die Augen und seufzte. „Ja! Das weiß ich! Und wenn du jetzt gerne fragen möchtest, warum ich so blöd frage: Hinter der Wand zwischen dem Fahrradkeller und dem Partyraum wäre Platz für noch einen weiteren Kellerraum! Ich frage mich, was da ist!“
      Jake hob die Schultern. „Was weiß ich? Wahrscheinlich gar nichts! Oder es gehört schon zum anderen Haus!“
      Eddy schien sich damit nicht zufrieden zu geben. „Ich kann mir nicht vorstellen, daß in diesem Haus ein Platz ungenutzt bleiben würde. Ich werde das Gefühl nicht los, daß sich irgend jemand etwas dabei gedacht hat.“
      Während Jake seufzend den Kopf schüttelte, kratzte Tracy sich am Kopf. „Mal sehen.“ sagte der Gorilla und ging zu der Wand hinüber, um sie abzutasten.
      „Kannst du mit Klopfen nicht feststellen, ob sich dahinter ein Hohlraum befindet?“ fragte Tasha.
      Tracy kam der Idee sofort nach, und zu ihrer Überraschung brachte das sofort einen Erfolg. Überrascht sahen sich Eddy, Tracy und Tasha an.
      „Leute!“ warnte Jake. „Fangt jetzt nicht an, hier einen Durchbruch zu starten! Vermutlich steht ihr dann in einem völlig fremden Keller, und ich darf die Situation dann wieder erklären, wenn wir uns vor unseren Nachbarn rechtfertigen dürfen.“
      Tasha war zu Tracy getreten und untersuchte wie er die Wand. „Ich glaube, wir brauchen keinen Durchbruch zu starten! Schaut mal hier…“ Sie hatte ein kaum sichtbares Viereck gefunden, das in die Wand eingelassen war. Als Tracy darauf drückte, schob es sich ein Stück zurück, und legte einen Hebel frei.
      Eddy hielt den Atem an. „Was ist das? – Ein Hebel, ich weiß!“ kam er eventuellen Kommentaren zuvor. „Aber was tut er…?“
      Tasha sah sich zu den anderen um. „Wollen wir es ausprobieren?“
      In dem Moment konnte man einen kollektiven Herzschlag in den Kellergewölben spüren. Tracy nickte unmerklich.
      Tasha biß sich auf die Unterlippe und zog den Hebel herunter.
      Augenblicklich wurden größere Linien sichtbar, die Umrisse einer Tür, und sie ließ sich drehen, als Tracy sich bedächtig dagegen stemmte.
      Jetzt wurde auch Jake nervös und kam zu ihnen herüber.
      Die vier starrten in die Dunkelheit.
      „Sind das noch mal Stufen?“ fragte Eddy, als er vor sich in die Tiefe sah.
      „Scheinbar ja.“ Tasha tastete die Wände auf ihrer Seite vergeblich nach einem Lichtschalter ab. Tracy tat es ihr mit dem gleichen Erfolg auf der anderen Seite gleich.
      „Wollen wir runter?“ fragte Tasha und sah Jake erwartungsvoll an.
      „Wir können uns ja mal vorsichtig umsehen…“ erwiderte der bedächtig.
      „Gut…“ meinte Eddy gedehnt. „Da du derjenige ohne die Taschenlampe bist, geh’ du bitte vor!“
      Jake warf ihm einen grummelnden Blick zu. „Wir sollten jetzt doch mal die Taschenlampe holen gehen!“
      Tasha lehnte sich lässig an die Wand und warf ihm einen tiefgründigen Blick zu. „So ängstlich?“
      „Nein, ich will nur etwas sehen können!“ gab Jake zurück.
      „Ach?“ bemerkte sie.
      „Ist ja schon gut! Du hast ja gewonnen! Ich gehe und hole sie.“ erwiderte Jake und lief die Treppe nach oben.
      „Und ihr habt wirklich nichts von diesem verborgenen Raum gewußt?“ erkundigte sich Tasha, während sie warteten.
      „Nein, wirklich nicht!“ bekannte Eddy. „Mir ist eben wirklich nur durch Zufall zum ersten Mal aufgefallen, daß in dieser Ecke nicht der ganze Raum hinter den Wänden ausgenutzt worden ist. – Zumindest nach unserem bisherigen Kenntnisstand.“ ergänzte er, als er in die Tiefe sah.
      „Ich bin so gespannt, was da unten ist!“ meinte Tasha aufgeregt.
      „Wer weiß, wahrscheinlich werden wir enttäuscht sein, wenn wir einfach einen leeren Lagerraum vorfinden.“ mutmaßte Eddy.
      Tasha sagte nichts dazu, doch ihr Blick sagte, daß sie daran noch nicht glaubte.
      Mittlerweile kam Jake wieder zu ihnen zurück. „So, jetzt können wir los!“ Er ging vor und übernahm sofort die Führung, nicht ohne vorher die Taschenlampe einzuschalten.
      Tasha und Eddy warfen sich einen schmunzelnden Blick zu, folgten ihm, und nach ihnen bildete Tracy den Abschluß. Jake, Eddy und Tasha waren gerade ein paar Stufen in die Tiefe gegangen, als Tracy allem Anschein nach oben die Tür zurück in den Rahmen rauschen ließ.
      Jake schrie auf, und ließ im Affekt die Taschenlampe fallen.
      Eddy und Tasha, die zuerst nur zusammengezuckt waren, beobachteten jetzt entsetzt, wie der Lichtschein die verbleibenden Stufen herunterpolterte.
      „Jake! Bist du verrückt geworden?“ zischte Eddy.
      „Tut mir leid.“ erwiderte der zerknirscht. „Tracy, war das wirklich notwendig?“
      „Tut mir auch leid.“ erwiderte der.
      „Also, tasten wir uns doch im Dunkeln vorwärts.“ stellte Tasha fest.
      „Wollen wir nicht lieber umkehren…?“ fragte Eddy.
      „Nicht ohne die Taschenlampe.“ knirschte Jake.
      „Aber wir könnten doch eine Taschenlampe holen, um die Taschenlampe zu suchen.“ schlug Eddy zaghaft vor.
      „Eddy! Jetzt werd’ nicht albern!“ zischte Jake. „So schlimm ist es auch wieder nicht! Wir werden es auch ohne den Luxus einer Taschenlampe nach unten schaffen, bis wir sie wieder erreicht haben!“
      „Außerdem möchte ich wissen, was da unten ist!“ ergänzte Tasha aufgeregt.
      „Nenn’ meine Freundin nicht noch mal ängstlich.“ seufzte Eddy.
      Die vier stiegen nun aufgrund der Dunkelheit äußerst bedächtig die Stufen hinunter, bis ein ferner Lichtstrahl ihnen entgegenfiel – der Ort, an dem die Taschenlampe liegen geblieben war. Als sie sie erreichten, stellten sie fest, daß sie das Ende der Treppe erreicht hatten.
      Jake hob die Taschenlampe auf und leuchtete um sich.
      Die vier staunten. Sie waren nicht, wie sie mittlerweile hätten erwarten müssen, in einem Teil der Kanalisation gelandet, sondern standen an dem Ufer eines Flusses, der in einem großen Gewölbe sachte an ihnen vorbeifloß. Zu beiden Seiten schienen sich die wie Kaimauern angelegten Ufer endlos zu erstrecken, doch die felsigen Wände waren so uneben, daß sie immer wieder so weit über den Pfad ragten, daß eine Passage schier unmöglich erschien.
      Tasha warf die Arme in die Luft. „Tja! Ohne ein Boot werden wir wohl nie herausfinden, wo der Fluß hinführt!“
      „Bist du verrückt?“ entfuhr es Eddy erschrocken. „Du willst doch nicht ernsthaft hier unten herumgeistern und in einem Boot auf einem unbekannten Fluß umherfahren ohne zu wissen, was sich hier alles verbirgt!“
      „Wieso? Ich hab’ Semesterferien, ich kann es mir erlauben! Und Jake wollte ohnehin etwas aufregendes erleben…“
      Jake schaute unschlüssig durch die Gegend. „Zu Fuß kommen wir auf keinen Fall weiter! Tracy, haben wir ein Boot zur Verfügung?“
      Der Gorilla überlegte angestrengt.
      „Ich halte das für keine gute Idee…“ murmelte Eddy.
      Tasha trat vorsichtig an das Ufer und sah in das Wasser. „Wenn man so etwas nur auf die Schnelle bauen können… Aber ich fürchte, weiter als bis hier werden wir heute nicht kommen.“
      Jake fing Eddys Blick auf, der - auch wenn er nichts sagte - deutliche Erleichterung zum Ausdruck brachte. Hinter ihm sah Jake allerdings den grübelnden Gorilla und ahnte bereits, daß Eddys Hoffnungen nicht erfüllt werden würden. Seine Vermutung bestätigte sich, als sich die Miene seines animalen Partners plötzlich aufhellte.
      Tracy schnippte mit den Fingern. Eine Zeitlang wühlte er nun in seinem Ghostpack, und war in einer Staubwolke nicht mehr gesehen, aus der Hämmern und geschäftiges Treiben klang. Sie wußten alle nicht, woher der Gorilla all das Material nahm, aber innerhalb kürzester Zeit hatte er ein kleines, aber dennoch geräumiges, komfortables Boot zusammengebaut. Die drei staunten, Eddy mit mißmutiger Miene. Tracy präsentierte sein Werk stolz. „Tadaa…!“
      Jake grinste Tasha zu. „Also doch ein geheimnisvoller Gorilla!“
      Tasha indes freute sich. Sie stellte sich vor Eddy und nahm seine Hände. „Komm schon. Bist du gar nicht neugierig?“
      „Schon… Aber könnt ihr mir nicht einfach später erzählen, was ihr gefunden habt?“ argumentierte er.
      „Hey… Wir sind doch bei dir.“ Sie legte die Arme um ihn und überredete ihn mit einem Kuß. Wie immer funktionierte das. Eddy seufzte und Tasha schmunzelte.
      Tracy hatte derweil das Boot zu Wasser gelassen und half den anderen an Bord. Dann nahm er die Ruder, und die Gruppe trat ihre Reise in’s Ungewisse an.
      „Wo sind wir hier nur?“ fragte Eddy unsicher in den Raum.
      „Ich bin mir nicht ganz sicher.“ sagte Jake. „Aber normal für den Untergrund von New York ist das nicht! Könnte es sein, daß wir ein Tor in eine andere Welt passiert haben?“
      „Aber was hat dann die Explosion damit zu tun? Hat sie das Tor geöffnet?“ fragte Eddy.
      „Entweder das, oder sie sollte uns darauf aufmerksam machen.“ überlegte Jake.
      „Na, dann hat jemand aber sehr viel Aufmerksamkeit vorausgesetzt!“ lachte Tasha. „Eddys Theorie finde ich da schon wahrscheinlicher. Wenn Eddy nicht zufällig so beharrlich gewesen wäre, hätten wie den Zugang nie gefunden!“
      „Ha!“ stieß Jake triumphierend hervor, als es ihm plötzlich bewußt wurde. „Stimmt! Du hast dir dieses Abenteuer selbst zu verdanken, Eddy!“
      Eddy atmete frustriert schmollend durch.
      „Es kann auch sein, daß die Explosion gar nichts mit der Tür zu tun hat, und es nur zufällig zusammenpaßte, daß wir sie ausgerechnet jetzt gefunden haben.“ sinnierte Tasha weiter.
      „Wie auch immer, wenn eine der drei Theorien zieht, war das schon verdammt großer Zufall!“ sagte Jake. „Das stimmt schon.“
      „Ich glaube nicht an Zufälle!“ meinte Eddy.
      Während sie weiterfuhren, nahm Jake die Taschenlampe wieder zur Hand und leuchtete in den Raum vor sich. „Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich sagen, wir sind in einem Berg.“
      „Ich bin gespannt auf das Ende.“ meinte Tasha. „Hoffentlich geht der Fluß nicht gleich in einen Wasserfall über, wenn er aus dem Berg rauskommt.“ Sie spürte, wie Eddy neben ihr zusammenzuckte, und augenblicklich tat ihr ihr unbedarfter Kommentar leid.
      Plötzlich wurde Jake aufmerksam und leuchtete genauer vor sich. Er versuchte, etwas in der Dunkelheit zu erkennen. „Leute, ich glaube, da vorne ist etwas im Wasser…“
      Unwillkürlich wurden alle ganz aufmerksam. Tracy ließ das Boot sachter durch das Wasser gleiten.
      Tatsächlich drifteten nach wenigen Metern die Ufer auseinander, so daß für einen gewissen Bereich ein See entstand, und in der Mitte des Sees war eine Insel.
      „Tracy, können wir dort anlegen und Rast machen?“ fragte Jake.
      „Oki Doki!“ bestätigte der Gorilla. Er schipperte das Boot sanft auf das Ufer der Insel zu, und zog es, nachdem die anderen an Land gegangen waren auf den Grund.
      Erst jetzt fiel Jake auf, wie spät es mittlerweile geworden war. „Okay, ich bin dafür, daß wir hier ein Lager für die Nacht aufschlagen, und morgen weiterfahren. – Tracy, hast du Schlafsäcke dabei?“
      „Na, aber oki doki!“ grinste der.
      „Wenn ich das gewußt hätte, hätte ich mir Proviant mitgenommen!“ bemerkte Eddy.
      Er hatte kaum ausgesprochen, als Tracy einen kleinen Kühlschrank aus seinem Ghostpack auspackte. Dem Ghostbuster blieb sprachlos der Mund offen stehen.
      „Kommt, wir machen ein Lagerfeuer, dann können wir Würstchen und Marshmallows rösten.“ schlug Jake vor, der bereits einen Blick in den Kühlschrank warf.
      „Also, mich erstaunt dieser Affe immer wieder.“ meinte Eddy, mehr zu sich.
      Wenig später saßen sie gemütlich am Lagerfeuer zusammen, und so langsam schien auch Eddy sich einigermaßen wohlzufühlen. „Sagt mal, wäre es eigentlich komisch, wenn wir mit unserem Beruf Geistergeschichten am Lagerfeuer erzählen würden?“ fragte er.
      Jake lachte. „Warum sollte das komisch sein? Wir können sogar aus Erfahrung erzählen!“
      „Das meine ich ja! Es sind dann gar nicht mehr diese klassischen erfundenen Geschichten, die man sich ausdenkt, um sich zu unterhalten, und den anderen Angst einzuflößen.“
      Jake überlegte kurz. „Was haltet ihr davon, wenn ich mir eine kurze Geistergeschichte ausdenke, und wir uns danach schlafen legen?“
      Damit waren die anderen sofort einverstanden.
      „Okay!“ begann Jake. „Also, die Geschichte handelt von einer kleinen Gruppe von Abenteurern, die ihr Nachtlager auf einer einsamen Insel aufgeschlagen haben. Gerade sitzen sie gemütlich um ein Lagerfeuer herum und rösten Marshmallows, als…“
      Eddy lehnte sich leicht zu Tasha herüber. „Warum kommt mir die Situation gerade so bekannt vor…?“
      Tasha grinste. „Vielleicht war Jake schon mal hier!“
      „Sag’ bloß so etwas nicht!“ bat Eddy, als die Geschichte von Jake mit bösen Geistern weiterging.
      „Was tut ihr hier auf meiner Insel…?“ intonierte er mit unheilvoller Stimme, dann warf er kurz ein: „Wartet mal!“ Er holte sich die Taschenlampe, machte sie an und ließ sein Gesicht in einem unheimlichen Licht erstrahlen, während er die Worte noch einmal wiederholte.
      Eddy schrie unwillkürlich auf und rückte näher an Tasha heran, die das Geschehen der Geschichte gebannt verfolgte.
      Auch Tracy hörte aufmerksam und gespannt zu, als es um wilde Verfolgungsjagden und verschwundene Abenteurer ging, die schließlich alle den Geistern der Insel zum Opfer fielen, welche - wie sich herausstellte - einigen alten Strafgefangenen gehörte.
      „Noch heute patrouillieren die versklavten Geister der Abenteurer an den Ufern der Insel, um jeden zu warnen, der sich der Insel nähert!“ schloß Jake bedeutungsvoll die Erzählung, und noch immer lag das unwirkliche Licht der Taschenlampe auf seinem Gesicht. Dann machte er das Licht aus und verkündete so das Ende der Geschichte.
      Eddy hatte sich mittlerweile in Tashas Arme geschmiegt und zitterte leicht. „Na toll. Und danach soll ich hier auf der Insel schlafen können!“
      „Es war doch dein Vorschlag!“ wunderte sich Jake.
      „Das stimmt allerdings, Schatz!“ schmunzelte Tasha.
      Eddy seufzte. „Warum kann ich eigentlich nicht einmal nachdenken, bevor ich etwas sage…?“
      Jake lachte herzlich. „Kommt, Leute, laßt uns unser Nachtlager aufschlagen. Morgen haben wir einen aufregenden Tag vor uns!“
      „Das hatte ich befürchtet!“ murmelte Eddy und nahm von Tracy einen Schlafsack entgegen.



(Anm. d. Aut.: Bezüge zum Hörspiel »Der Flaschengeist«)
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