Verbotene Frucht

KurzgeschichteAllgemein / P16 Slash
Mohinder Suresh Sylar
18.06.2013
18.06.2013
1
2403
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Hallo zusammen,

die Szene hat mich einfach angesprungen und ich konnte nicht anders, als sie aufzuschreiben (auch wenn sie aus jedem Zusammenhang gerissen, keiner richtigen Zeitlinie zugeordnet und im Grunde völlig sinnlos ist).
Aber „Mylar“ ist eben einfach absolut mein Pairing (ich bin spät dran, ich weiß, habe aber erst vor ein paar Wochen Heroes für mich entdeckt). Fanatischer Serienkiller mit übermenschlichen Kräften, der eine Schwäche für einen engelsgleichen Wissenschaftler aus Indien hat? *hach* Wer kann dazu schon nein sagen? :-D

----------

„Hallo, Mohinder.“
Mohinder erstarrte mitten in der Bewegung, die Hand bereits nach der Tür des Kühlschranks ausgestreckt, als er die Stimme vernahm, von der er gehofft hatte, sie nie wieder hören zu müssen. Eine Stimme, die in seinen Ohren knisterte wie die Flammen des Fegefeuers, voll verborgener Gewalt und dem leisen Versprechen auf unvorhergesehenes Leid.
Er presste die Lider fest aufeinander und ballte in hilfloser Wut die Fäuste, während er versuchte, die nackte Angst hinunter zu würgen, die sich seine Kehle hinaufwand wie ein stummer Schrei. Es kostete ihn unbeschreibliche Anstrengung, sich zu seinem Besucher umzuwenden. Doch ihm weiterhin den Rücken zuzudrehen, davor hatte er ungleich mehr Angst.
„Sylar“, war alles, was er herausbrachte und doch war für ihn damit alles gesagt. Denn dieses eine Wort, dieser Name vereinte in sich all das, was Mohinder hasste, was er verloren hatte oder niemals erreichen würde. Er war für ihn längst zu einem Synonym für Hölle geworden.
Sylar hatte sich nicht verändert. Seine hohe, schlanke Gestalt ragte bedrohlich über Mohinder auf und dass, obwohl er am anderen Ende des Raumes scheinbar lässig im Durchgang zur Küche lehnte. Trotz der gnadenlosen Hitze, die die Stadt seit Wochen heimsuchte, trug er einen schwarzen Kapuzenpullover zu einer ebenfalls schwarzen Jeans. Die dunklen Augen unter den kräftigen Brauen waren unbewegt, intensiv und erschreckend und schienen die Wärme einfach aus Mohinder herauszusaugen. Zum ersten Mal seit Beginn dieser Hitzewelle war ihm kalt.
„Du siehst nicht besonders glücklich aus, mich zu sehen“, bemerkte Sylar, die Lippen zu einem spöttischen Grinsen gekräuselt. Dann streckte er seine Hand aus, eine entspannte Geste, die Mohinder instinktiv zusammenfahren ließ, denn er wusste, was sein Gegenüber mit einem kurzen Zucken seines Fingers zu tun imstande war. Er könnte ihn durch die Küche katapultieren wie ein Spielzeug, ihm jeden Knochen brechen, ihn aufschlitzen und dann einfach in seinem eigenen Blut liegen lassen. Der erwartete Schmerz blieb jedoch aus. Stattdessen segelte einer der Äpfel aus der Obstschale neben Mohinder durch die Luft und landete auf Sylars ausgebreiteter Handfläche.
Mit sichtbarer Belustigung schüttelte Sylar den Kopf, während er seine Zähne in den Apfel grub. „So wie es aussieht, haben wir zwei immer noch Vertrauensprobleme“, sagte er und spielte damit auf ihre letzte Begegnung an, bei der er Mohinder mit vorgehaltener Waffe gezwungen hatte, ihn zu heilen und ihm seine verloren gegangenen Kräfte wiederzugeben. Dem indischen Wissenschaftler wurde noch immer schlecht bei dem Gedanken, dass er den Mann, den er eigentlich hätte töten sollen, um die Morde an so vielen Unschuldigen, insbesondere den Mord an seinem eigenen Vater, zu rächen, geheilt hatte. Und das mit seinem eigenen Blut.
„Welchen Grund hätte ich auch, dir zu vertrauen?“ Mohinders Stimme klang selbst in seinen eigenen Ohren bitter und er hasste es, dass er seine Gefühle nicht besser unter Kontrolle hatte. Dass er zu weich war, ganz wie sein Vater es ihm immer vorgehalten hatte.
Sylar grinste noch immer, doch das Amüsement war aus seinen Augen verschwunden. In der Sekunde, in der Mohinder begriff, was geschehen würde, war es jedoch bereits zu spät, um zu reagieren und Sylars Geist legte sich mit stählernem Griff um seine Glieder. Unfähig sich zu rühren, setzte er zu einem wütenden Protest an und musste feststellen, dass er nicht einmal seinen Mund öffnen konnte.
„Ich habe meine Fähigkeiten erweitert“, erklärte Sylar. Die dunkle Begeisterung, die in seiner Stimme mitschwang, ließ Mohinder frösteln. „Seine Opfer auf der Stelle zu halten, ist ja gut und schön, aber das ewige Geschrei geht einem irgendwann doch auf die Nerven.“ Er schnalzte mit der Zunge, ehe er sich von seinem Platz löste und auf Mohinder zuhielt. „Ich habe mir sogar noch eine andere, nette Fähigkeit angeeignet. Willst du sie sehen?“
Mohinder starrte ihn nur hasserfüllt an, obgleich die Angst mit Übelkeit erregender Intensität in ihm wütete. Sylars Worte kreisten wie ein gewaltiger Mahlstrom durch seine Gedanken. Opfer. Er war sein nächstes Opfer. Er war gekommen, um es zu Ende zu bringen. Um ihn zum schreien zu bringen.
„Oh, was für ein Blick. Wenn ich ein Herz hätte, würde es sicher anfangen zu bluten. Apfel?“, fragte er übergangslos und Mohinder spürte, wie der unsichtbare Griff um sein Haupt nachließ. Als er dennoch keine Anstalten machte, in den Apfel zu beißen, den Sylar ihm hinhielt, legte sein Gegenüber den Kopf schräg. „Warum musst du eigentlich immer so stur sein?“ Er legte Zeigefinger und Daumen aufeinander, nur um sie gleich darauf zu spreizen.
Mohinders Mund imitierte die Bewegung, indem er sich ohne seinen Willen öffnete.
Mit fassungslosem Entsetzen gewahrte er den Glanz, der in Sylars sonst so starre Reptilienaugen trat. Das höhnische, unauslöschliche Grinsen wurde breiter, immer breiter, verzerrte sein Gesicht zu einer wahnsinnigen Grimasse. Er schien Mohinder gar nicht mehr zu sehen, hatte nur noch Augen für seine eigenen, übermenschlichen Fähigkeiten. Nein. Nicht seine Fähigkeiten. Er hatte sie gestohlen. Hatte sie seinen schreienden Opfern bei vollem Bewusstsein aus dem Kopf geschnitten.
Panik fuhr durch Mohinders Körper wie eine Druckwelle, fegte jeden klaren Gedanken hinweg. Er versuchte sich zu wehren, sich mit aller Kraft gegen Sylars mentale Fesseln zu stemmen und war gefangen in einem Körper, auf den er keinen Zugriff mehr hatte. Nicht einmal seine Stimmbänder gehorchten ihm, verwehrten sich gegen den befreienden Aufschrei, der in seiner Kehle festsaß.
„Nehmen wir doch beide einen Bissen, was meinst du?“ Sylar hielt den Apfel zwischen sie, eine verächtliche Geste falscher Romantik. Und doch war es eine Einladung, der Mohinder folgen musste.
'Wie eine Marionette', fuhr es ihm durch den Kopf und er war unfähig Sylar irgendetwas entgegenzusetzen.
Sylar beugte sich vor und Mohinder warf seine Bewegungen zurück wie ein Spiegel. Biss in den Apfel, als sein Gegenüber es tat, schluckte und konnte nichts weiter tun, als die flüchtige Begegnung ihrer feuchten Lippen stumm zu ertragen. „Mohinder...“ Sylars Stimme war beinahe ein Seufzen. Er ließ den Apfel zu Boden fallen und legte seine großen Hände besitzergreifend an Mohinders Wangen, fuhr mit dem Daumen auffordernd über seinen Mund. „Ich habe dich wirklich vermisst. Vor allem das hier...“
Etwas in Mohinder schrie bei diesen Worten auf, krampfte sich schmerzhaft zusammen und schrie, schrie, konnte nicht aufhören seine Wut und Verzweiflung hinauszuschreien. Er hatte ihm vertraut, war mit ihm tagelang zusammen unterwegs gewesen. Er hatte ihn gemocht, ihm in einem Moment unentschuldbarer Zuneigung sogar geschworen, ihn vor Sylar zu beschützen, nur um zu erfahren, dass Zane Taylor, zumindest der Zane Taylor, den er kannte, niemals existiert hatte. Dass es immer Sylar gewesen war. Von Anfang an. Selbst in dieser einen Nacht...
Tränen stiegen Mohinder in die Augen, liefen ihm ungehindert über die Wangen. Ein weiterer Stich, diesmal aus Scham, brannte in seiner Brust. Das Gefühl, diesem Ungeheuer ausgeliefert zu sein, war beinahe mehr als er ertragen konnte. Und er konnte nichts tun. War unfähig, wie er es immer gewesen war.
'Vergib mir, Vater…'
Ein Flackern ging durch Sylars Blick und sein Lächeln verschwand so plötzlich, als wäre es weggewischt worden. Stattdessen offenbarte seine Miene einen Ausdruck von unangebrachtem Bedauern, als überraschte ihn seine eigene Grausamkeit. „Mohinder…“ Der Griff um Mohinders Gesicht wurde sanfter, als Sylar sich vorbeugte. Unendlich behutsam küsste er ihm die Tränen von den Wangen und stieß beruhigend die Luft zwischen den Zähnen aus. „Ist schon gut. Ich werde dir nicht wehtun.“
Die Zärtlichkeit in seiner Stimme machte es nur noch schwerer zu ertragen. Denn auch diese Worte hatte Zane, hatte Sylar ihm ins Ohr geraunt, als sie beieinander gelegen hatten, tief in den Armen des anderen versunken.
'Ich werde dir nicht wehtun.'
'Ich werde dir nicht wehtun.'
Wie ein verzweifeltes Versprechen, von dem er, in dem Moment da er es aussprach, bereits fürchtete, es nicht einhalten zu können.
'Ich werde dir nicht wehtun.'
Nein. Er hatte weitaus schlimmeres getan. Er hatte seine Seele zerfetzt.
Sein Gesicht an Mohinders geschmiegt, begann Sylar leise zu summen, eines dieser alten Lieder, die er so liebte und die so geisterhaft aus seinem Mund klangen. Es war falsch, dass ein Serienmörder solche unschuldigen, sehnsüchtigen Liebeslieder hörte. Einfach falsch, das alles.
„Tanz mit mir“, flüsterte Sylar. Es war nur dem Klang nach eine Bitte, denn er gab ihm keine Gelegenheit für einen Widerspruch, legte seine Hände sacht um Mohinders Hüften, begann ihn im Einklang mit seinem eigenen Körper zu wiegen und Mohinder hatte keine Wahl als sich zu fügen. Es war kein Tanz im eigentlichen Sinne, nur die Ahnung von Bewegung und Nähe. Gegenseitiger Kontakt auf ein Minimum reduziert und doch schmerzhaft intim.
Mohinder wollte sich abwenden, wollte so viel Abstand zwischen sie bringen, wie es nur irgend möglich war. Und konnte nicht.
Wo sie ihn berührte, schien Sylars Hand Mohinders Haut in Flammen zu setzen, zog eine brennende Spur über seinen Arm, hinauf zu seiner Schulter, seine Brust entlang, ehe er abrupt sein Kinn nach oben drückte und Mohinder auf diese Weise zwang, ihm ins Gesicht zu sehen. Ihre Lippen, noch immer süß und klebrig vom Nektar des Apfels, trafen sich zu einem sanften Kuss, der seine Unschuld zu schnell hinter sich ließ.
Mit einem Seufzen zerrte Sylar ihn in eine innigere Umarmung, krallte sich an ihm fest und vergrub seine Hand fest in seine dunklen Locken, während er mit seiner Zunge weiter in ihm vordrang. Und Mohinder erwiderte den Kuss, nicht weil er es wollte, sondern weil er es musste. Er musste es, konnte nicht anders, als auf diesen Mann zu reagieren. Denn so sehr er es auch vor sich selbst und dem Rest der Welt zu leugnen versuchte, er wusste, dass seine Faszination für diesen Mann niemals nachlassen würde.
Sylar war ein Monster. Ein Mörder. Molly nannte ihn den 'Boogeyman'. Molly, deren Eltern Sylar ebenfalls ermordet hatte. Trotzdem konnte Mohinder seine Gedanken nicht daran hindern, mit erschreckender Regelmäßigkeit zu ihm abzuschweifen.
Welche Fähigkeiten hatte Sylar noch dazu gewonnen? Wen hatte er dafür getötet? Wie fühlte es sich an, Dinge mit bloßen Gedanken bewegen zu können? Wie war es, jemandem auf diese Weise den Schädel zu öffnen und sich, auf der Suche nach seiner Gabe, durch sein Gehirn zu wühlen?
Er wollte es nicht wissen.
Er wollte alles wissen.
Entsprach auch nur ein einziges von Sylars Worten der Wahrheit? Glaubte er tatsächlich daran, dass das Schicksal sie zusammengeführt hatte? Hatte er ihn vermisst? War er noch nicht fertig mit ihm? Sehnte er sich nach Vergebung?
Und die eine schreckliche Frage, gegen die Mohinder sein Bewusstsein so verzweifelt zu verbarrikadieren suchte, die weitaus schmerzhafter war, als alle anderen: 'Hätte ich ihn retten können?'
Es war zu spät jetzt noch darüber nachzudenken.
Oder nicht?
Mit schier übermenschlicher Anstrengung gelang es Mohinder, sich von Sylar loszureißen. Seine Gedanken rasten, ihm schwindelte und er musste sich an der Schulter seines Gegenübers festhalten, weil er fürchtete, sonst den Boden unter den Füßen zu verlieren. „Was willst du hier, Sylar? Warum bist du hergekommen?“
„Ich... Nichts... Ich wollte dich sehen.“ Entschieden zog Sylar ihn erneut an sich, beinahe als hätte er Angst, Mohinder könnte sich plötzlich in Luft auflösen. So fest, dass der Wissenschaftler kaum atmen konnte. „Ich werde das in Ordnung bringen“, stieß er hervor, mit einem Schmerz, der ihm nicht zustand, und dem Klang der Besessenheit in seiner Stimme, die er sonst nur für eine seiner Fähigkeiten aufbrachte. „Ich kann das reparieren. Es gibt diesen Kerl, der die Fähigkeit hat, Erinnerungen zu löschen -“
„Nein!“ Auf einen Schlag war die Panik zurück, schlimmer als jemals zuvor. „Nein!“ Immer heftiger schüttelte Mohinder den Kopf, grub seine Hände in Sylars schwarzen Pullover, ohne es zu bemerken und flehte, ohne sich dessen bewusst zu sein. „Nein. Bitte, Sylar. Tu das nicht. Das nicht.“
„Mohinder...“
„Versprich es mir. Versprich mir, dass du das nicht tun wirst.“ Er wusste nicht, wie er dazu kam, ein Versprechen von einem Mörder einzufordern, geschweige denn ob er wirklich so verrückt war, daran zu glauben, dass er es halten würde. Aber zu vergessen, was geschehen war, einfach nicht mehr zu wissen, wer der Mann an seiner Seite tatsächlich war, das könnte er nicht ertragen. Nicht noch einmal. „Bitte...“ Das Wort saß wie ein Stein in seiner Kehle, würgte ihn. „Bitte.“
Er ließ sich Zeit mit seiner Antwort, doch schließlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, nickte Sylar und Mohinders Verzweiflung spiegelte sich dabei in seinen Augen wider. „Ich verspreche es“, sagte er langsam. „Es tut mir leid.“ Dann zog er ihn noch einmal heran, zu einem letzten, hungrigen Kuss, bevor das dämonenhafte Grinsen auf sein Gesicht zurückkehrte. „Das bedeutet nicht, dass ich aufgebe. Wir beide zusammen, das ist Schicksal, Mohinder. Du weißt, dass ich recht habe und du weißt auch, dass ich alles dafür tun werde, damit es sich erfüllt.“
Mohinder schloss die Augen und nickte, teils aus Resignation, teils aus Zustimmung. 'Ja. Ich weiß.' Als er die Lider wieder hob, war Sylar fort. Nur der Apfel auf dem Boden bewies ihm, dass es kein Traum gewesen war. Er und die Süße der verbotenen Frucht auf seinen Lippen.

----------

Falls es jemanden interessiert, das Lied, das Sylar gesummt hat, war „Once upon a time“ von Jack Jones (die Version gefällt mir am besten) ^^

http://www.youtube.com/watch?v=V8uxTiGauW4

Danke fürs lesen und vielleicht bis zum nächsten Mal. :-)

LG
Mara
Review schreiben