Through the Darkness of the Night

OneshotHumor, Schmerz/Trost / P16 Slash
Jenson Button Sebastian Vettel
18.06.2013
18.06.2013
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Disclaimer: Ich kenne keinen der vorkommenden Prominenten persönlich, habe keinerlei Rechte an ihnen oder an sonst irgendwas, das mit ihnen zusammenhängt, und selbstverständlich verdiene ich mit dieser Geschichte kein Geld. Was es hier zu lesen gibt, ist Fiktion und basiert demzufolge auch nicht auf irgendwelchen realen Ereignissen.
Lyrics stammen aus Kyrie eleison von Mr. Mister.

English Version: I do not own anyone, this is purely fictional. If you got here by googling yourself please I urge you go back now!

A/N:





Through the Darkness of the Night

Kyrie eleison, kyrie eleison, kyrie

Seine Gedanken gehen seit heute Mittag im Kreis, wieder und wieder und immer wieder und jetzt schon seit Stunden. Es muss bereits nach 22 Uhr sein, schätzt er. Doch an Schlaf ist nicht zu denken. Er weiß, sobald er sich hinlegt, wird er mit den Schatten im dunklen Schlafzimmer allein sein und dann wird es kein Entrinnen mehr geben. Dann werden alle Fluchtwege Teufelskreise sein. Also versucht er es mit dem einzigen, was gerade irgendwie hilfreich scheint – Wodka. Smirnoff. Vielleicht findet er bei dieser Gelegenheit auch heraus, was Kimi an dem Zeug mag, versucht er sich abzulenken. Natürlich völlig erfolglos. War klar. Er kann sich nicht einfach abschießen, um abzuschalten. Er nicht.

The wind blows hard against this mountain side,
across the sea into my soul
It reaches into where I cannot hide,
setting my feet upon the road

Oder es ist einfach noch nicht genug Alkohol. Ohne aufzuschauen ordert er den nächsten Wodka, muss nicht lange warten, bis der Barkeeper das volle Glas vor ihm abstellt. Zum Glück ist die Hotelbar unter der Woche einigermaßen menschenleer. Kimi mag es ja nichts ausmachen, wenn er in volltrunkenem Zustand beobachtet oder sogar gefilmt wird. Aber so taff, um damit gelassen umzugehen, fühlt er sich keineswegs und heute noch weniger als sonst, das steht fest. Ohne zu zögern stürzt er auch dieses Glas in einem Zug herunter, ignoriert das Brennen in Hals und Rachen. Abscheuliches Zeug, dieser Wodka.

My heart is old, it holds my memories,
my body burns a gemlike flame
Somewhere between the soul and soft machine,
is where I find myself again

Genauso abscheulich wie ihr Anruf vorhin. Als hätte sie es gar nicht erwarten können, ihm das Messer zwischen die Rippen zu stoßen. „Es ist aus.“ Mehr nicht, nur diese drei verfluchten Worte. Keine Begründung, kein „es tut mir leid“, nichts. Als wäre er ihr auf einmal total egal, als hätte er ihr nie etwas bedeutet. Sie hat ihn aussortiert wie ein Sommerkleid, das dieses Jahr leider aus der Mode gekommen ist. Sobald er nach Hause kommt, wird sie weg sein, mitsamt ihren Sachen, da ist er sicher. Und insgeheim wartet er nur auf die Schlagzeilen, die unweigerlich folgen werden, sobald den Medien aufgeht, dass es vorbei ist, sobald sie einen neuen Lebensabschnittspartner hat.

Er hat versucht, Kimi anzurufen. Ohne Erfolg. Vielleicht liegt es an der Zeitverschiebung. Dabei hätte er einen Ratschlag gerade heute gut gebrauchen können. Sein Freund hat sowas immerhin erst vor Kurzem ohne viel Aufsehen über die Bühne gebracht. Aber nein, das Schicksal scheint es heute wirklich nicht gut mit ihm zu meinen, wenn es dafür sorgt, dass ihn ausgerechnet an einem Tag wie diesem scheinbar alles im Stich lässt. Alles außer dem Alkohol. Eigentlich sollte er das nicht denken, gar nicht erst so anfangen, aber er kann nicht anders, bestellt den nächsten Wodka. Manchmal muss man die einfache Lösung wählen, weil man sonst erst recht wahnsinnig werden würde.

„Hi, wusste gar nicht, dass du auch hier bist, Sebastian.“ Jenson nimmt auf dem freien Barhocker neben ihm Platz. Genau in dem Moment, in dem der Barkeeper ihm den neuen Wodka hinstellt. „Für mich auch einen“, bestellt der Brite, bevor er seine ungeteilte Aufmerksamkeit wieder ihm widmet. Sehr zu seinem Missfallen. Er will sich doch nur in Frieden betrinken, in der Einsamkeit in Selbstmitleid versinken, bis er morgen nicht mehr weiß, wie er ins Bett gekommen ist, wenn er es überhaupt noch schafft.

„Ja, hi“, murmelt er nur, richtet den Blick wieder auf das Glas und schiebt es ein wenig auf der Theke hin und her.

„Hast du auch ’nen Sponsorentermin gehabt?“ Der Barkeeper stellt ihm ebenfalls einen Wodka hin.

Kann Jenson nicht die Klappe halten? „Hm.“

„Klingt, als wäre dein Tag genauso scheiße gewesen wie meiner.“ Jetzt prostet er ihm auch noch zu! Der Höflichkeit halber macht er mit. Er trinkt auf ex, Jenson stellt das Glas halbleer wieder ab. „Sieht auch so aus, als wäre dein Tag beschissen gewesen“, ergänzt er mit kritischem Blick auf sein Glas.

Warum kann er nicht einfach still sein? Kimi wäre still, würde nur dasitzen, schweigen und es wäre okay. Aber nein, er ist ja nicht hier! „Beschissener als du dir vorstellen kannst“, sagt er, obwohl er eigentlich schweigen wollte. Vielleicht wirkt der Alkohol ja doch endlich. Wäre ja zu schön.

„Was ist passiert?“

„Kannst du den Mund halten und trinken?“, fragt er zurück, bestellt diesmal für den Briten mit. Nur zur Sicherheit.

„Beziehungsstress?“, bohrt der jedoch ungerührt nach, als würde es ihm einen Heidenspaß machen, noch Salz in die Wunde zu streuen.

„Trink!“, knurrt er ungehalten, als die Gläser vor ihnen abgestellt werden. Jenson atmet scharf ein, sagt aber erst mal nichts weiter. Zum Glück. Stattdessen leert er sein erstes Glas und greift zum zweiten. Man kann ihm nicht ansehen, ob der Alkohol auch in seinem Hals brennt, er verzieht keine Miene.

„Na, dann auf die Frauen.“

Kriegt der überhaupt was mit, schießt es ihm durch den Kopf. Oder hat er das ironisch gemeint? Ihre Gläser klirren aneinander, ehe ihm richtig klar ist, dass er seins schon gehoben hat. Endlich. Auch das Brennen im Hals lässt langsam nach.

Kyrie eleison, down the road that I must travel
Kyrie eleison, through the darkness of the night
Kyrie eleison, where I'm going will you follow
Kyrie eleison, on a highway in the light

Vielleicht muss man erst ein paar Gläser intus haben, bevor es besser schmeckt. Auf jeden Fall mehr, als er bisher immer getrunken hat. Es wäre dumm, jetzt aufzuhören. Vor allem, weil Jenson die nächste Runde anfordert. Soll ihm recht sein. Hauptsache, seine Gedanken hören endlich auf zu kreisen. Hauptsache, er kann nachher schlafen.

„Was ist passiert?“, wiederholt Jenson mit seinem dritten Glas in der Hand.

Diesmal kann er sich zum Antworten durchringen: „Es ist vorbei.“ Kimi hätte er es ja auch gesagt. Okay, ihm hätte er gesagt, dass sie ihn verlassen hat, aber das muss Jenson nicht wissen. So dicke sind sie nicht, dass er ihm sowas erzählen würde.

„Ganz sicher?“

„Ja.“

„Gut, aufs Singleleben!“ Wieder klirrt Glas an Glas.

Eigentlich hätte er wissen müssen, dass der Brite eine andere Einstellung zu Beziehungen hat als er selbst. Er gilt ja nicht umsonst als Playboy. Ist allerdings nicht schlimm. Angeblich soll es helfen, hin und wieder den Blickwinkel zu verschieben. Aber Jensons Trinkspruch war komisch. Er stellt das leere Glas ab, sieht ihn zum zweiten Mal an. Kann man aufs Singleleben trinken, wenn man liiert ist?

„Was ist mit Jessica?“, fragt er und schimpft sich eine Sekunde später stumm einen Idioten. Das ist viel zu direkt. Außerdem kann ein Jenson Button sowas sehr wohl. Jeder Playboy kann das, sonst ist er keiner.

Jenson zuckt nur mit den Schultern, verlangt dem Barkeeper statt einer Antwort zuerst eine ganze Flasche Smirnoff ab und füllt ihre Gläser erneut.
„Keine Ahnung.“

„Was?“ Das ergibt doch keinen Sinn! Er sollte doch wissen, was mit seiner Freundin ist!

„Ist seit letzter Woche vorbei“, winkt Jenson ab, hebt sein Glas und schlägt es leicht gegen seins, „Auf die Liebe!“

Er trinkt fast automatisch. Wie kann er nur - Nein, völlig klar: Jenson steckt das so leicht weg, weil er weiß, dass er jede um den Finger wickeln kann, wenn er nur will. Wenn er seinen Charme spielen lässt, liegen ihm die Frauen doch reihenweise zu Füßen.

„Ist sie hier?“

Die Frage reißt ihn aus seinen Überlegungen, aber glücklicherweise ist er trotz Alkohol noch geistesgegenwärtig genug, um zu reagieren, bevor es peinlich wird: „Nein.“

„Also am Telefon?“

Muss er so scharfsinnig sein? Kimi würde nicht dermaßen nachbohren. Aber dem würde er ja auch alles erzählen. Kann man also nicht vergleichen. „Ja“, murmelt er.

„Shit.“ Jenson füllt die Gläser bis zum Rand.

When I was young I thought of growing old,
of what my life would mean to me
Would I have followed down my chosen road,
or only wished what I could be

Es fühlt sich so an, als würden die Gedanken in seinem Kopf langsamer werden, als hätten sie den Tank leergefahren, während er einen anderen stetig füllt. Könnte sein, dass Jensons Auftauchen doch nicht so schlecht ist.

„Du oder sie?“

„Sie“, gesteht er nun doch.

„Weiber…“ Jenson schüttelt den Kopf und schiebt ihm den nächsten Wodka hin. „Pass bloß auf, dass sie in zwei Wochen nicht angekrochen kommt.“

Misstrauisch schielt Sebastian auf die Flasche zwischen ihnen. Schon fast wieder halbleer, aber Jenson schenkt auch großzügig ein. Warum nicht? Ertränken sie den Frust eben gemeinsam, wenn es eh schon passt, nur auf Ratschläge könnte er eigentlich gut verzichten.
„Glaub ich nicht“, gibt er mühsam zurück. Seine Zunge fühlt sich schwer an.

„Auf deinen Optimismus, Sebastian.“

Das klingt nun wirklich sarkastisch, aber der Wodka spült diese Erkenntnis schnell weg. Er hört auf, die Gläser zu zählen und auf Jensons seltsame Trinksprüche zu hören. Dabei ist ihm bis jetzt noch gar nicht bewusst gewesen, dass man auf solchen Unsinn überhaupt trinken kann. Kimi braucht keinen Grund zum Trinken, er tut es einfach. Punkt.

„Hädde nisch gedascht, dasch dasch ma scho enned“, hört er sich schließlich sagen. Die Zunge hat den Dienst offensichtlich quittiert.

„Tut man doch nie.“ Ein neues Glas, ein neuer Spruch, irgendwas über Neuanfänge diesmal.

„Isch daschde eschd, schi wärsch.“ Jetzt schafft er es nicht mal mehr, das Glas noch richtig auf der Theke abzusetzen. Es kippt auf die Seite, rollt ein Stück Richtung Kante, doch der Barkeeper fängt es ab, bevor es fällt.

„Sie sollten es für heute gut sein lassen“, merkt er an. Es ist nach der Begrüßung und der Frage nach dem Getränk, das erste, was er sagt. Guter Mann, schießt es Sebastian noch durch den Kopf. Hat nicht zu viel gequatscht. Kimi würde das gut finden. Sollte er ihm bei Gelegenheit mal sagen, dass man hier tatsächlich seine Ruhe hat.

Er sieht Jenson an und umgekehrt, dann wendet der Brite sich an den Barkeeper: „Ist wohl besser. Setzen Sie’s auf meine Rechnung.“

Kyrie eleison, down the road that I must travel
Kyrie eleison, through the darkness of the night
Kyrie eleison, where I'm going will you follow
Kyrie eleison, on a highway in the light

Der Barkeeper nickt. Auf seinem Namensschild steht Jackson. Warum fällt ihm das erst jetzt auf? Das Ding hat der doch bestimmt schon die ganze Zeit an. Doch eh er dazu kommt, länger über plötzlich auftauchende Schilder nachzudenken, zieht Jenson ihn auf die Beine und hinter sich her. Er stolpert, der Raum verschwimmt für einen Moment vor seinen Augen, dann schwankt er, bis Jenson ihm einen Arm um die Schultern legt, ihn festhält und langsamer weiterführt.

„In welcher Etage ist dein Zimmer?“

„Fiade“, nuschelt er.

„Welche Nummer?“

„Fiahuschaiuschaschi.“

„Was auch immer. Ich glaube, du schläfst besser bei mir.“

Spricht er wirklich so undeutlich? Kann doch gar nicht sein! Jenson will ihn auf den Arm nehmen, ganz sicher. Ist doch gar nicht so viel Wodka gewesen, nur diese paar Gläser. Der Brite bugsiert ihn schließlich in einen Fahrstuhl, lehnt ihn gegen die Kabinenwand. Wenigstens müssen sie nicht durch die Lobby. Man weiß ja nie, wem man da begegnet… Es gibt immer wieder Paparazzi, die sich ganz besonders gut tarnen können. Oder Leute, die gar keine Paparazzi sind, zumindest nicht hauptberuflich.

Als sich die Türen wieder öffnen, weiß er nicht, in welcher Etage sie nun sind, aber es kümmert ihn auch nicht. Eigentlich möchte er sich nur noch hinlegen, hinlegen, die Schuhe ausziehen und die Augen schließen. Und schlafen. Lange, lange schlafen. Aber Jenson schleift ihn weiter, hinaus auf den Flur, bis zu einer, seiner Zimmertür, öffnet diese und schiebt ihn vor sich in den dahinterliegenden Raum und schließt die Tür hinter ihnen wieder, schließt sie auch ab.

„Man sollte meinen, jemand, der so gut mit Kimi befreundet ist, verträgt mehr.“

„Hä?“ Er dreht sich zu Jenson um. Der Brite hat sich an die Tür gelehnt, mustert ihn kopfschüttelnd von oben bis unten.

Seine Knie fühlen sich plötzlich weich an, wie mit Kaugummi gefüllt. Irgendwo muss er sich festhalten, wenn er nicht umfallen will und was wäre einfacher als die Hand nach Jenson auszustrecken. Der ist ja gerade eh in Reichweite. Instinktiv fasst er nach dem Hemd des anderen, krallt die Finger in den Stoff und zieht sich wieder richtig auf die Füße. So schafft er es niemals zum -

„Keine Angst, ich hab dich“, raunt es plötzlich an seinem Ohr, jagt einen Schauer an seiner Wirbelsäule hinunter. Er schaut auf und direkt in blaugraue Augen, die ihn gefangen nehmen, bis die Zeit still zu stehen scheint. Dann wandert sein Blick ein Stück nach unten, wenn auch eher unfreiwillig, aber sein Kopf fühlt sich so schwer an. So leer, bis er an Jensons Lippen hängenbleibt.

Der Brite schmunzelt: „Siegerschampus macht scheinbar auch nicht besonders trinkfest.“

Was würde er jetzt dafür geben, ihn küssen zu können? Nur dieses eine Mal. Er leckt sich über die Lippen, die sich auf einmal unerhört trocken und rissig anfühlen. Kann er es wagen? Kann er? Warum eigentlich nicht? Er ist betrunken. Sehr sogar. Wenn er es jetzt nicht tut… Trunkenheit ist eine gute Entschuldigung. Notfalls.
…dann tut er es nie. So eine Gelegenheit kriegt man nur einmal im Leben. Also lehnt er sich vor, legt seine Lippen auf die des Briten. Einen Augenblick lang fühlt es sich steif an, ungelenk, als ob er noch nie jemanden geküsst hätte, dann wird es weicher, spürt er, wie Jenson die Berührung erwidert, wie wirklich ein Kuss daraus wird. Erst leicht und spielerisch, bis er nach Luft schnappen muss, dann erneut und die Initiative geht nicht mehr allein von ihm aus. Kühle Hände schieben sich unter sein T-Shirt, legen sich leicht auf seine erhitzte Haut, schieben den Stoff nach oben. Der Alkohol hat sein Blut in Wallung gebracht, nagt nun gnadenlos an allen Hemmungen und instinktiv macht er sich an Jensons Hemd zu schaffen. Es ist ihm egal, ob er die Knöpfe durch die Löcher kriegt oder abreißt, solange nur nackte Haut zum Vorschein kommt. Viel nackte Haut zum Anfassen, zum Streicheln, zum Küssen. Er lässt sich widerstandslos vom Älteren Richtung Bett schieben, muss sich keine Gedanken machen zu stolpern. Jenson wird ihn festhalten, tut er ja sowieso schon mit Händen und Küssen.

Gemeinsam fallen sie aufs Bett, Jenson halb auf, halb neben ihn. Sie strampeln sich, lachend zwischen Küssen, die Schuhe von den Füßen, schälen sich aus ihren Klamotten. Aber alles geht so quälend langsam, findet er, und der unterste Knopf von Jensons Hemd will und will einfach nicht weichen, ganz gleich wie sehr er ihn hin und her schiebt, daran zerrt. Den Briten kümmert es nicht. Er hat ihm das T-Shirt ja auch schon über den Kopf gezogen und irgendwo in den Raum geworfen, lässt eine Hand jetzt in seine Hose gleiten, streift seine wachsende Erregung.

oh oh oh oh oh oh oh
oh oh oh oh oh oh oh

Kyrie eleison, down the road that I must travel
Kyrie eleison, through the darkness of the night
Kyrie eleison, where I'm going will you follow
Kyrie eleison, on a highway in the light

Er blinzelt. Irgendwas kann hier nicht richtig sein. Das sieht nicht aus wie sein Zimmer. Das hat keine beigen Wände sondern weiße, ganz bestimmt. Aber vielleicht täuscht das auch. Er kriegt die Augen ja kaum auf, hat höllische Kopfschmerzen und keine Ahnung, wie er überhaupt ins Bett gekommen ist. Also eigentlich genau das, was er sich gestern noch gewünscht hat, als er in die Bar gegangen ist und den ersten Wodka bestellt hat. Die Bar. Der Wodka. Jenson!

Sebastian beißt die Zähne zusammen, setzt sich auf und sieht sich um. Der Brite liegt schlafend auf der anderen Seite des Bettes, nackt unter der verrutschten Decke. Er schluckt schwer und es überkommt ihn siedend heiß. Haben sie oder haben sie nicht? Scheiße! Er hätte sich nie so abschießen dürfen, dass er die Kontrolle verliert, niemals! Er braucht die Kontrolle doch! Wenn er sie verliert, kann er auch alles verlieren. Nicht nur Hanna, sondern wirklich alles!

Niemand darf erfahren, wo er diese Nacht verbracht hat. Niemand darf je davon erfahren. Er könnte die Risse nicht mehr kitten, die eine derartige Schlagzeile verursachen würde. Vielleicht… Wenn er sich nicht erinnern kann… Sie haben ja beide ziemlich tief ins Glas geschaut… Wenn er nur verschwindet, bevor Jenson aufwacht… Vielleicht kann er dann einfach so tun, als hätte nie stattgefunden, was er sich so lange heimlich ausgemalt hat. Vielleicht kann er es dann weiterhin verdrängen, seine Rolle so gut wie eh und je spielen und nach einer neuen Freundin, einem neuen Alibi Ausschau halten.

Vorsichtig steht er auf, langsam, damit sich die Matratze nicht zu sehr bewegt, sammelt leise seine Klamotten ein, die überall im Zimmer verteilt liegen. Zum Schuhe anziehen setzt er sich auf den Boden, aus Angst ein Stuhl könne knarzen, wenn er ihn benutzt. Solange Jenson nicht aufwacht, ist alles in Ordnung.
Mit seiner Zimmerkarte schon fest in der Hand schleicht er schließlich zur Tür, wirft noch einen letzten Blick zum Bett. An einen Teil der Nacht würde er sich doch gerne erinnern. Aber es ist gut so, gut, dass er es nicht kann. Das würde alles nur noch komplizierter machen.
Beinahe lautlos schlüpft er auf den Flur hinaus, nur die Tür macht ein leises Geräusch, als er sie hinter sich schließt. Ein rascher Blick nach rechts, ein hektischer nach links, aber er ist allein. Erleichtert atmet er aus und macht sich auf den Weg zu den Fahrstühlen. Er muss dringend duschen.

Kyrie eleison, down the road that I must travel
Kyrie eleison, through the darkness of the night
Kyrie eleison, where I'm going will you follow
Kyrie eleison, on a highway in the light

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Grinsend dreht er sich auf den Rücken, schiebt den linken Arm unter den Kopf und starrt an die Decke. Wirklich zu putzig, wie Sebastian sich davongestohlen hat. Der Deutsche hat nicht mal gemerkt, dass er längst wach ist, dass er ihn die ganze Zeit über aus halb geschlossenen Augen beobachtet hat. Also erinnert er sich wohl doch daran, was letzte Nacht passiert und durchaus wiederholenswert ist, wie er findet.
Jetzt muss er eigentlich nur noch eine Möglichkeit auftun, ein zweites – und drittes und viertes, je nachdem wie lange es dauert, bis Sebastian ein Licht aufgeht – Mal mit ihm zu trinken.

Lachend steht er auf und geht duschen. Wer hätte gedacht, dass ein Weltmeister so goldig sein kann…

Kyrie eleison, down the road that I must travel
Kyrie eleison, through the darkness of the night
Kyrie eleison, where I'm going will you follow
Kyrie eleison, on a highway in the light



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