Geschichte: Fanfiction / Bücher / Dracula / Blutmond

Blutmond

von Arawn
GeschichteDrama, Fantasy / P16
Dr. John / Jack Seward Jonathan Harker Mina Murray / Harker Professor Abraham Van Helsing R. M. Renfield
16.06.2013
16.06.2013
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16.06.2013 2.042
 
Disclaimer: Die Figuren gehören alle Bram Stoker, aber ich denke, er hat nichts dagegen, wenn ich mir die mal kurz borge ;) Der Beginn orientiert sich noch sehr stark an das Buch, wird aber nach und nach eigenständiger (soweit der Plan)
Da ich nicht weiß, wie weit das teilweise vielleicht ausartet, habe ich jetzt einfach mal Ü16 genommen ^^°
Viel Spaß beim lesen und hinterlasst einfach ein (konstruktives) Kommi - darüber freut sich jeder Autor ^^
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Blutmond
Prolog

Telegramm von Lowan Kohlefabrik an Tower, McGrey & Co.
2.7.1887


Holen Sie morgen 6:57 pm am Hafen fünf Kisten ab und liefern Sie sie an die Lagerhalle des gleichnamigen Unternehmens in Wandsworth.
Bringen Sie die Lieferung noch vor Mitternacht, erhalten Sie einen Bonus von fünf Pfund Bonus für jede Stunde, die noch bis Sonnenaufgang verstreicht.

D.L.

Telegramm von Tower, McGrey & Co. An Lowan Kohlefabrik
4.7.1887


Wir freuen uns, ihren Auftrag zufriedenstellend ausgeführt zu haben und hoffen auf weitere Zusammenarbeit.

Telegramm von Lowan Kohlefabrik an Tower, McGrey & Co.
11.7.1887


Morgen kommt eine erneute Lieferung von zehn Kisten an. Selbe Konditionen wie zuvor.
Ich hoffe auf erneute gute Zusammenarbeit.

D.L.

Bericht aus der Gazette
20.10.1887


Lagerhausbrand – dramatisches Ende einer florierenden Fabrik!

Am 19.10. um 8:32 p.m. loderten meterhoch Flammen in den Nachthimmel. Das Lagerhaus des aufstrebenden Unternehmens Lowan Kohlefabrik stand in Flammen.
Unzählige Kisten mit Holz verbrannten und somit ein Vermögen von rund 10.000 Pfund.
Wie es zu dem Brand kam, ist unklar, aber einem Augeneuge zufolge soll ein kürzlich aus der Nervenheilanstalt entflohener Patient in der Nähe gesehen worden sein. Der Leiter des Sanatoriums, Dr. J. Seward, streitet dies ab. Der Patient sei zwar geflohen, doch er betonte, dass er bereits in der Nähe der Kapellenruine von Carfax – das Nachbargrundstück – wieder gefasst und zurückgebracht wurde.
Die Polizei ermittelt.
Sicher ist, dass diese Firma sich nun auflöst.

Das Tagebuch von Dr. Jack Seward


20. Oktober

morgens

Die Nachtwache kam hereingestürmt. Er erzählte, der Patient Renfield sei verschwunden. Es war in letzter Zeit oft vorgekommen, dass er ausbrach. Es bestand kein Grund zur Sorge, wie sich zeigte, denn wie immer fanden wir ihn bei der alten Ruine.
Offenbar hatte er eine Ratte verfolgt, denn diese verspeiste er gerade, als wir ankamen. So oft ich ihn auch Fliegen und Spinnen essen sah, war es immer wieder ein abstoßender Anblick.
Er murmelte nur: „Danke, Meister, danke!“
Es war seltsam. Er sprach oft vom Leben, dass er sich aneignete, doch seit einigen Wochen zunehmend vom „Meister“ und vom „gnädigen Herrn“. Ich fragte ihn, ob er damit Gott meinte und spöttisch zu mir und antwortete:
„Nein, Herr Doktor! Auf welch dumme Gedanken sie kommen! Er ist mein Meister, nicht Gott! Ich sehe, Sie verstehen nicht, aber wie sollten sie auch! Nennt ein Diener seinen Herren Gott? Natürlich nicht! Sie kommen auf wirklich dumme Gedanken!“
Als ich ihn fragte, wer denn sein Meister sei, schwieg er und tat, als bemerke er mich nicht. Ein Verhalten, was er immer an den Tag legte, wenn ich ihn fragte, wer sein Meister ist.
Ich bin mir sicher, wenn ich das herausfinde, werde ich seiner Heilung einen Schritt näher sein.

abends

Die Polizei erschien und kurz darauf war auch ein Reporter da.
Renfield soll in der Nähe eines Brandes gesehen worden sein. Das muss eine Verwechslung gewesen sein, auch wenn es mich irritierte, dass sie von Renfields Flucht wussten... vielleicht war er durch die Stadt gelaufen? Aber zu Fuß hätte er die Strecke nie in der kurzen Zeit zurücklegen können und eine Kutsche hätte ihn nie mitgenommen. Selbst wenn, spätestens als er nicht zahlen konnte, hätte man mich informiert, um das Geld einzufordern.
Nachdem ich erklärt hatte, warum es Renfield unmöglich hätte sein können, verschwanden sie wieder.
Renfield wurde ein immer interessanter Fall. Vor zwei Jahren hatte man ihn bewusstlos auf einem Friedhof gefunden und als er auf der Polizeistation aufwachte und „wirres Zeug“ redete, hatte man ihn bei mir abgeliefert.
Verwandte hatte er keine. Die einzige Verbindung zu seiner Vergangenheit war die Anwaltskanlei von Mr. Hawkins, der ihn als sehr ordentlichen, gewissenhaften und manchmal auch etwas zurückhaltenden Mann beschrieb. Ob er ihn nicht allzuschlecht dastellen wollte, wusste ich erst nicht, doch Renfields Wohnung zeigte das Bild eines schon fast überordentlichen Menschen, der für die Arbeit lebte.
Ich hatte gehofft, dass er bezüglich der Gesetzbücher irgendwie zu seiner Vergangenheit sagte, doch er erwiderte nur, er würde die Welt nun klar sehen und dass diese „dummen Gesetze der anderen“ hinfällig wären. Höchst seltsam, denn es war, als wäre er eine ganz andere Person. Ich erfuhr, dass Renfield zu einem ausländichen Auftraggeber gefahren war, mehr verriet Hawkins nicht.
Und nun war Renfield ein zophagischer - Tiere verspeisender – Mann in oft gebückter, demütiger Haltung, wenn er nicht gerade wieder spöttisch auf jeden herabblickte und sehr launisch. Zudem war sein ganzes Erscheinung schmuddelig. Würde ich nicht wissen, dass das Renfield war, dann würde ich nicht glauben, dass er vor zwei Jahren noch ein eifriger Anwalt mittleren Alters mit aufrechter Haltung und einem rätselhaften Gesicht gewesen war. Er hatte seine Gefühle verborgen, nun zeigte er sie so offen, wie ein Kind.
Ich hatte so etwas noch nie erlebt...
Nun werde ich schlafen. Es war ein anstrengender Tag.

Journal von Mina Murray


20. Oktober 1887


Ich sitze gerade im Zug auf dem Weg nach Bistriz. Obwohl es eine wundervolle Landschaft ist, kann ich sie nicht genießen. Zu sehr sind meine Gedanken bei meinem Verlobten.
Der Brief, der mich erreichte, sagte nicht so viel aus. Nur dass mein armer Jonathan einer Krankheit zum Opfer fiel, sich aber schon auf dem Weg der Besserung befinde.
Wie mag es ihm wohl gehen? Welch Unglück, dass ihn diese Krankheit so weit weg von mir ereilt hatte! Ich wünschte, ich könnte mich darüber freuen, dass Jonathan mich in den nächsten Tagen bereits heiraten wird, aber die Sorge ist einfach zu groß!

Brief von Mina Harker an Lucy Westenra


26. Oktober


Meine liebe Lucy,

du liest richtig. Ich heiße nun Mina Harker! Gestern hat Jonathan mir sein Ja-Wort gegeben! Ich wünschte, ich könnte mein Glück in Worte fassen! Aber ich glaube, bald wirst du dasselbe Glück genießen und verstehen, warum es dafür keine Worte gibt.
Es war nur der Priester, einige Schwestern und wir Beide anwesend – wie hatte ich mir gewünscht, du wärst dabei gewesen – und obwohl Jonathan noch krank und erschöpft ist, habe ich ihn selten so glücklich gesehen.
Ach, meine liebe Lucy, ich glaube auch dich, die du doch einen anderen liebst, hätte sein Blick in diesem Moment hinfortgerissen. Weit weg von all den Sorgen in eine nahezu vollkommene Glückseligkeit!
Ich kann es selbst jetzt kaum glauben, Jonathan meinen Ehemann nennen zu dürfen! Für eine Frau kann es wohl nichts Schöneres geben!
Ich werde dir so viel erzählen zu haben, wenn wir zurück sind! Leider wird Jonathan erst in zwei Wochen kräftig genug für eine solche Reise sein.
Wie geht es dir und deinem Arthur? Wann werdet ihr heiraten?
Ach ich bin so glücklich!

Deine überglückliche Mina

Brief von Mina Harker an Lucy Westenra
(ungeöffnet)


15. Oktober


Liebe Lucy. Wir sind vorgestern in London angekommen.
Jonathan hat die lange Fahrt sehr angestrengt, so dass wir so bald wohl leider nicht nach Whitby kommen können.
Warum schreibst du nicht zurück? Vereinnahmen dich die eigenen Hochzeitsvorbereitungen? Dann kann ich hoffen, dass es dir wieder gut geht.

Deine Mina

Telegramm von Prof. Abraham van Helsing an Mina Harker


Liebe Mrs. Harker,

als Arzt und Freund der teuren Ms Lucy ist es meine traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, dass diese vor wenigen Tagen starb und vor drei Tagen beerdigt wurde.

In tiefster Anteilname

Abraham van Helsing

Tagebuch von Dr. Jack Seward


10. Oktober


Heute ist für uns alle ein trostloser, trauriger Tag, der uns alle zutiefst erschüttert. Trotz unseren unermüdlichen Bemühungen war es uns nicht möglich, Lucy zu retten. Keine Worte könnten die Trauer und Verzweiflung auch nur ansatzweise widerspiegeln. Mein früherer Mentor und nun teurer Freund Professor Abraham van Helsing war ohne zu Zögern nach London geeilt um mir und damit Lucy zu helfen.
Es war seltsam wie er sich in den letzten Minuten gebärdet hatte und Arthur von seiner sterbenden Frau weggerissen hatte. Vielleicht war es einer der hysterischen Anfälle, die er die letzten Tage hatte. Der früher so ruhige und nachdenkliche, mit verstecktem Humor versehene, Professor hatte die letzten Tage sich manchmal so anders gezeigt, wie ich ihn nie erlebt hatte. Doch wen hätte es nicht das Herz gebrochen, hilflos zusehen zu müssen, wie die liebenswerte Lucy zugrunde ging.
Ich kann noch immer nicht glauben, dass ihr bezauberndes Lachen für immer verloschen ist.
Der Professor hat uns nach Hause geschickt.
Er kümmert sich um alles Nötige und dafür bin ich ihm dankbar. Selbst jetzt scheint sein Verstand unermüdlich weiterzuarbeiten, wo wir alle die Hoffnung verlieren und uns die Trauer überwältigt. Ich werde mich später meinem Patienten zuwenden. Ich glaube, die Arbeit wird mir helfen, mich abzulenken.

Das Memorandum des van Helsing


21. Oktober 1887


Ich führe selten ein Tagebuch, doch habe ich nun die traurige Gewissheit:
Lucy ist das Opfer eines Nosferatu – einem Un-Toten.
Wie grässlich ist es, sich darauf einzulassen, den Legenden Glauben zu schenken! Ich bin immer offen für die Dinge, die uns schlichtweg unmöglich erscheinen. Warum kann die liebe Miss Lucy nicht ein friedliches Leben führen? Während ich alt bin und mein Leben leer und ohne Bedeutung, wird einem jungen Mädchen in der Blüte ihres Lebens und ihrer Jugend das Glück verwährt und das Leben gestohlen.
Wie grausam diese Welt doch ist!
Und doch darf ich keine Zeit verlieren! Jetzt geht es um mehr, als um den Tod eines jungen Mädchen. Doch diesen Kampf kann ich nicht allein führen.
Während ich dies schreibe, warte ich auf meinen Zug, der mich dem Bösen und dem Verderben des Lebens junger, starker Männer entgegenbringt, zurück nach London.
Alea iacta est.

Notizen von R.M. Renfield


Heute kam wieder der Herr Doktor. Kein schlechter Mann, aber so unwissend und engstirnig! Ich bat ihn um eine Katze – nein ein kleines Kätzchen! -, eine Bitte, die er mir hätte problemlos erfüllen können. Ich war etwas ungehalten, als er ablehnte, aber wer kann es mir verübeln, wenn er gesehen hätte, was ich sah. Wenn er wüsste, was ich weiß!
Der Herr Doktor hält mich für verrückt. Vielleicht hat er sogar Recht, sonst wäre ich ja nicht hier. Aber offensichtlich wird alles, was nicht schwarz auf weiß steht, als verrückt abgetan...
Aber der Meister wird mich mit unzähligen Leben belohnen! So viel, dass ich den Zerfall des Sanatoriums erleben werde und dann bin ich ein freier Mann!
Aber bis dahin muss ich geduldig sein. Und vielleicht sollte ich auch Mitleid haben. Der werte Herr Doktor hat seine Geliebte verloren – ohne zu wissen, dass sie nicht richtig tot ist.
Nun werde ich mich meinen Spinnen zuwenden. Das Papier ist alle... Was soll ich gefährliches damit anstellen? Hin und wieder borge ich mir ungefragt eines vom Herrn Doktor, wenn er nicht aufpasst.
Es ist kein Stehlen. Wenn er es vermisst, könnte er es jederzeit wieder zurückholen, aber das tut er nicht. Würde ich ihn fragen, würde er es versuchen zu lesen und dann wäre der Meister wütend...

Das Tagebuch von Jonathan Harker


19. November


Es ist so viel geschehen, dass ich entgegen meines Schwurs, nie wieder etwas in dieses Buch zu schreiben, nun doch wieder den Stift zur Hand nehme. Es ist einfach so viel geschehen und hätte ich es nicht selbst erlebt, würde ich es nicht glauben. Selbst mir erscheint es nun, da ich es niederschreiben werde, unwirklich...
Der Professor war ein Geschenk des Himmels, das bemerkte ich, noch bevor ich ihn selbst sah. Nie hätte ich gedacht, meine schrecklichen Erlebnisse auf der Burg des Grafen, würden geglaubt und gar als wahr bezeichnet werden. Selbstzweifel hatten mich zerfressen...
Doch nach und nach setzte sich alles wie ein Puzzle zusammen. Lucys Tod, das Versteck des Grafen, die vielen Agenten von ihm, die vielen Namen und gekaufte Häuser...
Ich war heute unterwegs um das letzte Versteck des Grafen auszumachen!
Nur mache ich mir langsam Sorgen. Der Professor war gestern Morgen eilig aufgebrochen nach Amsterdam und wollte am Abend zurückkommen. Nun ist es schon Mittag des nächsten Tages und kein Lebenszeichen... ich hoffe, es geht ihm gut...
Mina ruft nach mir.
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