Won't feel the pain I've caused

KurzgeschichteDrama, Angst / P18 Slash
Ian Gallagher Mandy Milkovich Mickey Milkovich
11.06.2013
10.07.2013
3
21074
5
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
Titel: Won't feel the pain I've caused
Warnings: Angst, Slash, Bad Language, Rape - mention
Spoiler: Shameless US Season 3 Survival of the Fittest
Inhalt: Du hast mal geglaubt, dass das schlimmste ist, jemanden sterben zu sehen. Doch du weißt nun, dass das schlimmste ist, jemanden zu sehen, der keinen verdammten Willen mehr hat überhaupt zu leben.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Ian/Mickey, regular Cast
Disclaimer: Sie gehören Showtime und Paul Abbott und ’Somebody to die for’ gehört Hurts.
A/N: Was eigentlich ein One Shot werden sollte, hat sich zu etwas mehr entwickelt… Ich liebe kaputte Charaktere und Mickey ist in seiner Zerbrochenheit einfach nur wunderbar. Ich fand es schade und hoffe inständig, dass sein Charakter in der nächsten Staffel ein wenig mehr beleuchtet wird und wir einen wirklichen Einblick auf seine kaputte Welt bekommen, die bisher ja nur eingedeutet wurde und die ihn nun mal zudem gemacht hat, was er ist. Ich denke, dass er unglaublich interessant ist und viel potential hat – in welcher Hinsicht auch immer ;)

~*~

Won't feel the pain I've caused

1. Kapitel

I could drag you from the ocean,
I could pull you from the fire
And when you're standing in the shadows
I could open up the sky



Du hast dir nie Illusionen gemacht. Du weißt, wie die Welt läuft. Und sie ist ein gottverdammtes Miststück. Deine Aussichten liegen tief, deine Hoffnungen sind noch weniger ausgeprägt. Wenn nicht sogar ganz verkümmert. Dein Dad hat gute Arbeit geleistet.

Du trauest nichts davon nach, denn du kannst dich nicht daran erinnern, dass es jemals anders war. Sicher, irgendwann hattest du Träume gehabt, Wünsche, doch die sind zersplittert unter der harten Hand deines verdammten Vaters. Du hast keine Erwartungen mehr. Du weißt, an welcher Stelle du in dieser beschissenen Welt stehst und das es nicht gerade die Sonnenseite ist. Du erwartest nichts. Du willst nicht mal wirklich was, außer den nächsten Tag überleben. Mal ohne Blut in deinem Gesicht ins Bett zu gehen, oder den Schmerz in deiner Brust. Es ist nicht viel, warum also kann es nicht erfüllt werden? Warum beißt du dir an diesen simplen Hoffnungen die Zähne aus?

Die Antwort ist einfach. Und du kannst sie dir sogar selbst beantwortet. Weil du nicht einmal das Wert bist. Weil dir nicht einmal das erfüllt werden kann. Du bist Dreck, Müll und der wird nun einmal genau so behandelt. Niedergetrampelt. Weggeworfen. Und manchmal auch angezündet. Egal, wie auch immer. Dein Platz ist am Boden.

Aber du hast etwas Gutes in deinem erbärmlichen Leben gehabt. Nur hast du es nicht erkannt. Hast es getreten und gepusht, bis es unter deinen Fingern zerbrochen ist. So wie du unter den Fingern deines Dads zerbrochen bist. Die Symbiose sollte dich nicht überraschen. Das hat es am Anfang auch nicht. Aber dann hast du es erkannt. Hast begriffen, was du getan hast und das nur, weil du es nicht anders kennst. Weil dir nie etwas anderes beigebracht wurde.

Liebe bedeutet Schwäche. Zuneigung lässt dich bluten. Du hast es an deiner Mom gesehen. Jede Sekunde ihres Kampfes, bis sie aufgegeben hat. Bis er den letzten Funken Willen aus ihr rausgeprügelt hat und sie alles selbst beendete, anstatt auf die Gnade des alten Mannes in den Wolken zu hoffen. Sie bereit war, euch das bisschen Liebe zu nehmen, dass ihr von ihr kanntet. Sie zu gebrochen war, um sich darum zu scheren, dass sie euch alleine in seiner Macht zurücklässt.

Du hast daraus gelernt. Es zu deinem Leidsatz gemacht. Dein Leben ist abgefuckt genug, du wolltest nie für jemanden fallen und dich verletzlich damit machen, angreifbar.

Aber Vorsätze sind nur so lange gut, wie man sich auch an sie erinnert. Du hast deine vergessen. Nicht von Anfang an, aber ihre Bedeutung wurde immer kleiner. Die warnende Stimme immer leiser, bis da nur noch ein Flüstern war und du dir erlaubtest zu fühlen.

Du warst noch immer ein Arschloch und du konntest nicht aus deine Haut. Warst öfter kälter gewesen, als anschmiegsam. Doch deine Mauer hatte Risse bekommen. Wurde von blassen Fingern niedergerissen, bis da Licht war, das du vorher nicht gekannt hast. Deine Welt war nicht plötzlich erfüllt von Regenbögen und Einhörnern, aber von Sommersprossen. Von Feuerrotem Haar, dass zu weich unter deinen Fingern war. Von grünen Augen, die zu viel sahen und doch zu wenig wahrnahmen.

Er hat dich schwach gemacht und du hast ihn gehasst dafür. Bis du dich wieder in seine Wärme hast fallen lassen. Du warst angeekelt von dir selbst. Von deinen Willen deinen Abstand zu halten und deinen Drang genau diesen zu durchbrechen.

Doch es spielt keine Rolle mehr. Hat es vielleicht nie. Denn er ist nicht mehr da. Ist gegangen, wie die verdammte Pussy die er ist. Hat das getan, was er dir immer vorgeworfen hat. Beschissener Heuchler.

Nur wird es dadurch nicht besser. Ist das Loch in deiner Brust damit nicht verschwunden, die Taubheit nicht gelindert. Es gibt nicht mehr viel, dass den Nebel lichtet, in den du dich selbst verlierst. Manchmal reicht dein guter alter Freund Jack, um dich etwas anderes als Dumpfheit spüren zu lassen. Manchmal muss es aber auch mehr sein. Und Schmerz ist gut darin, dich lebendig fühlen zu lassen. Du hast einen Ruf, der nicht gerade dadurch geschadet wird, wenn du irgendjemanden anpisst und dir die Fresse polieren lässt.

Du weißt, was Selbstzerstörung bedeutet, wie sie schmeckt. Du steckst mittendrin. Es ist nicht schwer, etwas zu spielen, was du nicht bist. Es gibt nicht viele Ziele in deinem Leben. Du hattest nie wirklich welche. Momentan besteht alles nur daraus, dich selbst zu betäuben. Deine Stunden in dem dreckigen Titten-Schuppen runterzuschruppen. Mit der Kohle etwas durchzubringen, was für dich keinen Wert hat. Es aber auch nicht muss. Denn du bist nicht immer der selbstgerechte Wichser.

Deine Absichten liegen woanders. Sind niedriger und grundlegender.

Deinen Verstand durch Alkohol, Drogen oder Schmerz zu betäuben. Es ist ein guter Plan und du wirst jeden Tag besser darin, dass Zittern in deinen Händen unter Kontrolle zu bekommen. Manchmal ist da der Blick von deiner Schwester, der auf dir brennt, als würde sie dich stumm anbrüllen was zur Hölle du hier eigentlich tust? Nur weißt du es nicht. Du versuchst nur die Stunden zu überleben. Nur weißt du nicht für was. Es ist ja nicht so, als erwartest du, es würde sich ändern. Irgendwas. Alles. Nichts.

Alles ist grau. Die Farbe ist mit ihm gegangen und du erwartest nicht, dass sie zurückkehrt. Oder er. Zumindest nicht zu dir. Redhead hat klar gemacht, wo ihr am Ende steht und das ist an verschiedenen Enden in einem finsteren Tunnel. Du in schwarzer Dunkelheit und Redhead im Zwielicht. Für ihn war die Welt nie abgrundtief Finster. Er weiß nicht wirklich, wie es ist, lieber tot sein zu wollen, als noch eine weitere Sekunde zu existieren. Er weiß es nicht und du hast dir auch nie die Mühe gemacht, es zu erklären. Es ist dein Bullshit und den willst du nicht analysieren lassen. Sezieren lassen, wenn es ohnehin nicht besser wird, oder sich irgendwas ändert.

Manche Menschen haben Glück. Auf welche Art auch immer. Andere nicht. Und das ist etwas, dass man nicht erläutern muss.

Du zähltest immer zu den Glücklosen. Doch du hast das Beste daraus gemacht. Wenn schon niemand Erwartungen in dich setzt, dann musst du dich auch nicht anstrengen, dann kannst du der kranke Bastard sein, für den dich alle halten. Du bist gut darin, anderen Angst einzujagen. Den Zorn rauszulassen, den sie ohnehin alle mit dir verbinden. Das hat dich am Leben erhalten. Zumindest bis zu einem bestimmten Punkt.

Gott, manchmal hasst du ihn so sehr, dass du nur kotzen willst.

Vor ihm war alles anders. Nicht besser, aber leichter. Gefühle waren gefährlich, dass hast du gewusst und gespeichert. Hast es nie vergessen, weil du es jeden Tag in den Augen deiner Schwester gesehen hast. In der Fratze, die dein Vater trug. Nichts zu fühlen war erträglicher. Und nach ihm, ist es alles was du hast. Ist es das, was dir den Verstand raubt, denn du kannst an diesen kalten, leeren Ort nicht mehr zurückkehren. Erinnerst dich nicht mehr an den Weg, oder auch nur, wie du einen Herzschlag lang so durchhalten konntest. Denn es war kein wirkliches Leben, es war dahinsiechen. Wie eine verdammte Kakerlake oder Made.

Er hat dich nicht zu einem besseren Menschen gemacht, aber er hat Hoffnung geweckt. Nur ist Hoffnung für jemanden wie dich nicht vorgesehen. Es ist kein gutes Leben, aber es ist deins und du hängst daran. Meistens jedenfalls.

Wenn du nicht gerade von Erinnerungen überschwemmt wirst, die du sonst gut verschlossen halten kannst. Doch irgendwann, an einem heißen Mittag im Sommer, sind da plötzlich diese Bilder. Prallen auf dich nieder. Reißen dich in die Tiefe. Du weißt nicht einmal mehr, was es gewesen ist. Du weißt vieles nicht mehr von diesem Tag. Doch du erinnerst dich daran, dass du die Whiskeyflasche festgeklammert hast, als könnte sie dich retten. Vor dir. Vor deinen Gedanken. Vor der Finsternis. Scheißegal. Sie war dein Rettungsanker.

Und dann ist alles dunkel. Doch Mandy hat dich mit deiner Waffe in der Hand gefunden. Sternhagelvoll, so dass du nicht mal mehr deinen Namen gewusst hättest. Du kannst nicht sagen, ob du dir den Schädel wegblasen wolltest. Du kannst nicht sagen, ob du einfach nur etwas zum festhalten gebraucht hast, was dir nur selten irgendeine Unverwundbarkeit versprochen hat. Du weißt es nicht. Du erinnerst dich nur an ihren Gesichtsausdruck. Die nackte Panik. Die schwellende Wut, als sie dir die Knarre entrissen, geschrien und dich geschlagen hat.

Du kannst nicht sagen, weswegen der Gedanke dich zu verlieren so erschreckend für deine Schwester gewesen ist. Aber vielleicht erinnerst du sie auch an einen Traum, den sie schon vor langer Zeit begraben hat und nur noch Fragmente und Bruchstücke übrig sind.

Danach bist du vorsichtiger geworden und Mandy hat angefangen, die Waffen wegzuschließen. Das wiederum hat dazu geführt, dass euer Dad königlich angepisst war und das an ihr ausgelassen hat. Es muss wohl dieser Moment gewesen sein, indem du kapiertest, wenn du schon selbst nichts mehr hast, wofür du kämpfen willst, dann wenigstens für sie. Sie ist vielleicht eine nervige, selbstgerechte Schlampe, aber sie trotz allem deine kleine Schwester und du wirst nicht zusehen, wie ihr Kopf unter den Fäusten eures Versagervaters zersplittert.

Du hast deine Waffe nie als irgendeinen Ausweg gesehen. Sie war es sicherlich. So irgendwie. Aber so empfindest du es nicht. Sie war nur deine Fahrkarte in einen zerbrechlichen Schutz.

Vielleicht hast du auch nur die Sicherheit gebraucht, dass du deinem alten Herrn irgendwann selbst das Licht ausblasen kannst. Für alles was du wusstest, wolltest du ihn umbringen. Und für all das, was du nicht wusstest, wolltest du es ganz besonders langsam machen. Denn da war etwas in Mandys Augen, dass selbst dir Angst machte und du musstet dich wirklich fragen, was in der Zeit passiert ist, die du im Jugendknast verbracht hattest. Nur weißt du auch darauf eine Antwort. Mandy war sein Liebling. Das umfasst jedoch mehr als nur weniger Schläge.

Nur musstest du es nicht. Der elende Junkie hat es selbst geschafft, sich ins Jenseits zu befördern. Einen Monat bevor Svetlana ins Nichts abgehauen ist.

Die Jungs sind danach verschwunden. Tauchen nur noch sporadisch auf. Meist dann, wenn ihre Kohle alle ist und sie denken, es gibt bei euch was zu holen. Es gibt nur noch euch. Nach Terrys Tod hattet ihr eine zerbrechliche Normalität, die nur selten unterbrochen oder gestört wurde. Es war irgendwie heilsam. Angenehm. Nur wie es nun einmal für eure kleine, abgefuckte Welt ist, hat das nicht lange gehalten. Und brach über euch zusammen, mit dem schwinden der ohnehin knappen Kohle. Ihr seid es gewohnt, nichts zu haben und eure Ansprüche sind deswegen mehr wie gering. Nur ab und an eine warme Mahlzeit ist doch wünschenswert.

Die Meth-Vorräte sind aufgebraucht und du willst keine neuen besorgen. Nicht nur weil Mandy dich ansieht und du das wortlose Flehen in ihrem Blick siehst. Es ist gutes Geld. Nur ist es schmutzig und Mandy hat gehasst, dass euer Dad Leben zerstörte, damit er weiter vor sich hinvegetieren kann. Sie will das Zeug nicht mehr im Haus haben. Und du tust ihr den Gefallen, auch wenn du es nicht zugibst. Es darauf schiebst, dass die Cops zu viele Kontrollen fahren und damit das Geschäft vermiesen. Mandy muss es nicht sagen, doch du weißt, dass sie deine Absicht mühelos durchschaut.

Der Job im Titten-Schuppen war Glückssache, oder zurückzuführen auf deinen ohnehin miesen Ruf. Nur sie haben einen Türsteher gebraucht. Einen Kerl, der genauso stinkend und mies ist, wie die Typen, die sich in den Laden verlaufen und ihre dreckigen Pfoten nicht bei sich behalten können. Yeah, die Erfüllung deines Traumes. Unglaublich.

Aber der Job bringt Geld rein und das ist alles was zählt, während Mandy sich nicht darum Sorgen soll, dass die Lichter ausgehen und die Heizung kalt bleibt. Wenigstens einer von euch soll es aus diesem Scheißloch raus schaffen und ihre Chancen stehen besser als deine.

Ihr seid vielleicht der letzte Dreck, aber das heißt noch lange nicht, dass ihr keine Wünsche mehr habt. Wenigstens Mandy soll ihre erfüllen können, wenn du deine begraben hast. Ihr seid Familie, wenn schon keiner zuhört oder euch sieht, dann müsst ihr eben für euch selbst einstehen. Ihr seid füreinander da. Vielleicht auf eure Weise und die ist rau und hart, aber sie ist wenigstens echt.

Und dann bekommst du die Scheidungspapiere. Du bist nicht überrascht. Du bist erleichtert, denn du konntest nicht die Scheidung einreichen, wenn du keinen Plan hattest, wo die verrückte Russin war. Sie hat dir das abgenommen und du bist nur zu glücklich einzuwilligen.

Eine weitere Last ist weg. Nur wird das Atmen dadurch nicht leichter. Denn ein Puzzlestück fehlt noch immer.

Gallagher ist ein Minenfeld zwischen euch, das entweder zur Explosion führt oder einfach nur tödlichem Schweigen. Du weißt, dass Mandy über ihn Bescheid weiß. Lip hält sie auf dem Laufenden, aber sie erzählt dir nichts und du bist dankbar. Irgendwie.

Sie und Lip haben eine fragile Übereinkunft getroffen, die nur bis zu Ian reicht, da es ihre gemeinsame Sorge für ihn ist, die sie noch immer aneinander bindet. Zumindest sind sie gut darin, genau das vorzutäuschen. Doch die beiden sind wie Motte und Licht. Kreisen umeinander, damit einer in Flammen aufgeht. Wer spielt keine Rolle, denn das Spielchen geht immer wieder von vorne los. Dauerschleife oder Teufelskreis.

Du könntest es lustig finden, wie das Schicksal mit euch spielt und euer Weg immer wieder zu einem gottverdammten Gallagher führt. Nur findest du es nicht witzig.

Du bist außen vor bei ihrem kleinen Ian-Abkommen und es ist okay für dich, weil du weißt, dass Mandy noch immer etwas angepisst auf dich ist, weil du sie so lange belogen hast. Und auch das ist okay, den sie kapiert, dass du nicht die Worte hattest, etwas zu erklären, was du lange selbst nicht verstanden hast.

Du musst auch nicht wissen, wie er sein Leben weiterführt, um dich beschissen zu fühlen. Das bekommst du so hin.

Und du leistest gute Arbeit. Du merkst es an Mandys Augen, die dir manisch folgen, als befürchtet sie deine gut behütete Fassade würde brechen und du auf das hässliche Linoleum in der Küche bluten. Das deine inneren Wunden sich endlich öffnen und alles aus dir heraus bricht. Aber du hast dich unter Kontrolle.

Jedenfalls so lange, wie sie hinsieht und du nicht alleine in deinem Bett liegst und an die Decke starrst. Die Risse der Tapete abstreifst, die sich langsam von den feuchten Wänden löst. Das sind die Momente, in denen du aufplatzt, in denen du einfach los lässt und deine Tränen in deinem Kissen erstickst. Dir nicht einmal in der dunklen Einsamkeit deines Zimmers diese Schwäche eingestehst.

Und wozu auch? Was sollte es besser machen? Was würde es ändern? Du ist noch immer abgefuckt und Gallagher noch immer nicht zu Hause.

In der Stille zu leiden, alleine, habt ihr zur Perfektion gebracht. Es hatte ohnehin nie einer hingesehen. Nicht einmal ihr selber. Es war gesünder gewesen, seinen Kopf in die andere Richtung zu drehen, wenn euer Dad mal wieder einen seiner Machttrips gefahren ist und beweisen musste, wie viel Stärker er doch im Gegensatz zu euch ist. Du bist kein Märtyrer und du hast genug Schläge eingesteckt, als für einen anderen einzutreten.

Lektion gelernt, gelebt und weitergegeben.

Es ist leichter für dich, Dinge kaputt zu machen, als sie zu bewahren. Und Firecrotch weiß es nur zu genau. Er hat oft genug unter deinen Händen geblutet, ist an dein Talent gestoßen, um zersplittert zurückzubleiben. Du bist nicht stolz darauf. Aber das bist du auf vieles nicht und es ist einfacher am Ende zu bereuen, als wirklich vorher über die Konsequenzen nachzudenken.

Du hast ohnehin schon zu oft bewiesen, dass das Denken nicht deine Stärke ist. Zumindest nicht dann, wenn Redhead involviert ist. Vielleicht hättest du es schon viel früher wissen müssen. Sehen sollen. Doch du warst zu blind, zu panisch, zu erfüllt von ängstlicher Verleugnung, als zu erkennen, dass sich der verdammte Gallagher in deinem Kopf eingepflanzt hat und von da nicht mehr zu vertreiben ist. Nicht einmal jetzt. Ein Jahr, fünf Monate und sechsundzwanzig Tage später. Du zählst nicht. Es ist dir nur am Rande aufgefallen.

Es ist nicht unbedingt leichter geworden. Du hast dich nur an die Taubheit gewöhnt, an das dumpfe Pochen, dass dich ständig daran erinnert, dass irgendetwas fehlt. Es ist nicht immer schlecht. Manchmal hast du auch gute Tage. Sie sind selten und nichts bringt dich mehr wirklich zum Lächeln. Aber das hatte vorher auch meist nur Firecrotch geschafft, also ist es nicht unbedingt etwas, dass einschneidend auffällt. Außer Mandy natürlich. Doch sie bewacht dich ohnehin seit diesem Tag wie eine beschissene Adlermutter. Vielleicht zählt auch das einfach nur zu eurer neu entdeckten Verbundenheit. Es stört dich nicht. Es ist irgendwie sogar angenehm.

Eigentlich ist es ein normaler Donnerstag. Wie jede beschissene Woche. Doch die Kaffeemaschine hat den Geist aufgegeben und damit ist deine Laune im Arsch. Schon im Boden, noch bevor der Tag für dich überhaupt angefangen hat.

Deine Schicht hat ungewöhnlich spät und mit einem verdammten Kinnhaken und Tritt in die Eier geendet. Gottverdammte Junkies, die nicht kapieren, dass ihre Pfoten an ihren eigenen Schwänzen und nicht an den Ärschen der Mädels gehören. Dementsprechend schlecht gelaunt und explosiv bist du an diesem Donnerstag. Und Mandy weiß es. Nur interessiert es sie einen Scheiß. Macht es ihr sogar nur noch mehr Spaß, deinen dünnen Geduldsfaden zu strapazieren. Was darin endet, dass du deine Hand um ihr loses Haar wickelst und einmal kräftig ziehst.

Ihr Geschrei dröhnt in deinen Ohren und lässt dich zusammenzucken, bevor du sie spielerisch von dir stößt. Ihr Gemecker ist danach keine Überraschung.

„Lass dich flachlegen, Arschloch! Vielleicht wird deine Laune dann besser.“

Ihr Fick-dich-Grinsen täuscht nicht über den Ernst ihrer Worte hinweg. Doch du hast dafür nur ein gelangweiltes Schnauben übrig. Ihr hattet dieses Wortduell schon zu oft. Sie kennt den Ausgang und du machst dir nicht mehr die Mühe, ihre Beleidigungen abzuschmettern. Vielleicht ist das sogar eure kranke Art zu sagen ’Ich liebe dich’. Ihr habt mit dieser Erklärung ohnehin kein Glück und noch weniger gute Erinnerungen.

„Oh, Scheiße.“

Ihr scharfes Einatmen ist bereits Warnung genug. Du brauchst nicht den gefluchten Nachsatz. Nur versteckst du es hinter deiner Arschloch-Attitüde. „Was? Hast du dir ins Höschen gemacht, Prinzessin?“

Du kannst ihr Gesicht nur als erstarrt bezeichnen. Als blanke, geschockte Maske. Sie muss dich nicht ansehen, um den Zwiespalt aus Freude, Erleichterung und abgrundtiefer Sorge zu erkennen. „Er ist zurück… Ian ist wieder da.“

Ihr Blick geht von ihrem Handy zu deinem Gesicht. Du weißt nicht, was sie darin sieht, denn du hast das Gefühl, die Luft ist dir aus den Lungen geschlagen worden. Es kostet dich Kraft dich nicht zusammenzukrümmen, oder auch nur ihre Musterung zu erwidern.

Du siehst ihre Absicht, noch bevor sie überhaupt die Entscheidung getroffen hat, auf dich zu zugehen und drehst dich einfach um. Murmelst irgendwas davon, dass du zu deiner Schicht musst und dass sie nicht das ganze verdammte Bier aussaufen soll. Und dann stehst du in der kühlen Abendluft des Chicagoer Herbstes.

Dein Kopf ist leer und du bist dankbar dafür. Denn du weißt nicht, was du denken sollst. Ganz abgesehen, dass du keinen Schimmer hast, was du fühlen sollst. Du spürst das Kribbeln in deinen Fingern und musst sich dazu zwingen, nicht nach links abzubiegen, sondern den Weg nach rechts zu nehmen. Richtung Titten-Schuppen.

Die kleine, penetrante Stimme, malträtiert dich, dass du zum Haus der Gallaghers gehen sollst. Wenigstens durchs Fenster einen flüchtigen Blick auf ihn werfen sollst. Nur um sicher zu gehen, dass er auch wirklich okay ist. Doch du erstickst sie und sagst dir immer wieder, dass es nicht mehr dein Bier ist, was Gallagher mit seinem Leben anstellt.

Yeah, wer glaubt dir schon den Scheiß?

> + <

And I could give you my devotion
Until the end of time
And you will never be forgotten
With me by your side



Du bezeichnest diesen verfluchten Schuppen nicht als Club. Das Eden ist nichts weiter, als eine dreckige, heruntergekommene Spelunke. Es hat nichts mit Paradies zu tun. Man sieht es in den Augen der Mädels, die versuchen ihr eigenes, erbärmliches Leben über die Runden zu kriegen, indem sie sich vor sabbernden, widerlichen Kerlen anbiedern. Manchmal willst du kotzen, wenn du die Leblosigkeit in ihren Augen siehst. Doch dann hörst du ihr Lachen aus der Garderobe und erinnerst dich wieder daran, dass es immer zwei Seiten gibt. Das Leblosigkeit eine Art Schutz sein kann, die dich davor bewahrt, von dem Mist um dich herum zu sehr berührt zu werden. Und die Mauern der Tänzerinnen sind dicker, als du deine je aufgebaut hast.

Du weißt, was Panik ist. Sie hat dich dein ganzes Leben lang begleitet und wachsam gemacht für die kleinsten Veränderungen im Benehmen deines Dads. Sie hat dir manchmal auch das Leben gerettet. Nur diese Panik jetzt ist anders. Sie existiert seinetwegen. Wegen Gallagher.

Vier Jahre sind noch nicht einmal annähernd rum, doch du bist dir bewusst darüber, dass es selbst diese lange Zeit nicht geschafft hätte, dich auf seine Rückkehr vorzubereiten. Und du musst dich wirklich fragen, warum es dich so aus der Bahn wirft? Er ist nicht deinetwegen wieder da. Er ist nur eine weitere glücklose Seele, die in den hartherzigen Schoß der Southside zurückgekehrt ist. Mehr nicht.

Dein Kopf dreht sich. Du fängst wieder an, alles in Frage zu stellen. Und das nur seinetwegen. Die bloße Erwähnung seines Namens, hat diese Wirkung auf dich. Lässt dich grübelnd und nachdenklich zurück, nur weil du seine Motive, oder seine verfluchten Veranlassungen ergründen willst. Du weißt, dass du eigentlich nur zu Mandy gehen brauchst, um deine Antworten zu bekommen. Doch er ist dein kleines, schmutziges Geheimnis. Es gibt nicht viele, die über eure merkwürdige Verbindung bescheid wissen. Und dabei willst du es auch belassen.

Du starrst dich im Spiegel an und kannst dich schon lange nicht mehr selbst erkennen. Es ist lange her, dass du keine Strenge und Ernüchterung in dem Spiel deiner blauen Augen gesehen hast. Das Leben hat dich hart gemacht. Das weißt du. Doch die Southside hat noch eine Prise Desillusion dazugegeben.

Deine Hände fahren in die Flut aus dunklem Haar. Du schließt die Augen. Und bist wieder da. Bist wieder in dieser Zeit, die alles für dich verändert hat. Die dich verändert hat und etwas zurückließ, dass du nicht erkennst.

Du wartest vor dem Kash ’n Grab auf ihn. Siehst seine Form, die durch den dunklen Laden streift, sich der Tür nähert. Du willst das Grinsen von deinem Gesicht wischen, nur gelingt es dir nicht. Wird nur noch breiter, als Gallagher auf die Straße tritt und sich mit zusammengezogenen Brauen umsieht. Die letzten Strahlen der Sommersonne fallen auf sein rotes Haar und du willst dir selbst eine reinhauen, weil es dir überhaupt aufgefallen ist.

„Steig ein, Gallagher.“

„Wo hast du das Auto her?“

Deine Finger trommeln nervös auf dem Lenkrad, als du ihn mit einem Augendrehen bedenkst. „Spielt keine Rolle.“

Gallagher starrt dich an. Und sein Kopf wirbelt in alle Richtungen, als erwartet er, der eigentliche Besitzer stürmt um die Ecke und knallt ihnen eine Kugel in den Kopf. Doch keiner wird den schäbigen Schlitten vermissen und du weißt, dass Gallagher das ebenso weiß.

Nach einem gefluchten ’Fuck’ steigt er endlich ein. Das Grinsen auf seinem Gesicht, beschleunigt deinen Herzschlag. Du drehst den Blick weg, konzentrierst dich auf das Fahren und darauf, deine Freude hinter deiner Zigarette zu verbergen.

„Okay, wo soll’s hingehen, Mickey?“

„Egal. Einfach nur weg.“ Und das ist die Wahrheit. Du hast keinen Schimmer. Es war ein Impuls und an dem Leuchten in dem satten Grün erkennst du, dass es zur Abwechslung mal eine verdammt gute Idee war, dem zu folgen.

„Wo genau, ist einfach nur weg?“ Doch Gallagher pusht. Wie immer. Nur löst es kein Zucken mehr in deinen Finger aus, oder weckt wirklich deinen Zorn. Aber das ist nichts, was du ihm zeigst.

Harscher, als du wirklich fühlst, „Gottverdammt! Brauchst du für alles ’nen beschissenen Plan, Gallagher? Was für ’ne Pussy bist du?“

„Fein. Dann einfach nur weg.“ Redhead grinst und lehnt sich tiefer in den Sitz zurück.

Es gibt dem nichts hinzuzufügen und du machst dir auch nicht die Mühe, etwas aus deinem Schädel vorzukramen. Stattdessen reichst du Gallagher deine Zigarette und drehst das Radio voll auf. Manchmal ist Chicago nicht ganz so herzlos und kalt. Manchmal gönnt sie ihren Schützlingen auch einen Moment zum Aufatmen und simplen Zufriedensein.

Du hast früh gelernt, diese flüchtigen Momente aufzusaugen und zu bewahren.

Es gibt wohl romantischere Orte, als den verdammten Schrottplatz. Aber das war ja auch nicht deine Absicht. Kein bisschen. Ihr könnt die Karre hier einfach zurücklassen, ohne, dass es großartig auffällt. Und du magst die Stille. Das merkwürdige Luftanhalten der Stadt, die vor euch liegt wie eine blinkende Decke. Hier kannst du die Sterne sehen und dich dem trügerischen Gefühl hingeben, dass die ganze Scheiße, die euer Leben bestimmt, weit weg ist.

Hier ist es nicht tödlich, wenn deine Finger die Hand von Gallagher streifen und du sie dort lässt, anstatt sofort wieder zurückzuzucken.

Du willst nicht deine Desillusion zeigen, du willst nur Gallagher klar machen, dass das Leben nun mal keine verdammte TV-Serie ist und das Entscheidungen dazu führen, dass man blutet oder im Graben landet, mit gespaltenem Schädel.

Vielleicht legst du deswegen so viel Nachdruck in deine Worte. Vielleicht ist es aber auch deine eigene Furcht, die du sonst gut verschlossen hältst. Jedoch nicht bei ihm. Bei ihm fällt alles schwerer und ist doch so unglaublich leicht.

„Das Leben ist kein beschissener Regen aus Apfelkuchen.“

„Apfelkuchen?“ Gallagher wirkt verwirrt. Aber vielleicht liegt das auch an dem Joint, der zwischen seinen Lippen klemmt.

Du drehst den Kopf von den Sternen weg und blickst zu ihm herüber. Ihr liegt auf der Motorhaube, dicht nebeneinander, so dass du die Hitze von Redheads Körper auf deinen nackten Arm spüren kannst. „Yeah, Apfelkuchen. Oder verdammte Blaubeeren. Was, zur Hölle, du auch immer bevorzugst.“

„Okay, Mickey.“ Gallagher zieht die Brauen hoch. Da ist Belustigung in seiner Stimme, doch du weißt, dass er dich nicht auslacht. Im Höchstfall vielleicht nachsichtig zustimmt.

„Was, du glaubst das nicht?“

Gallagher reißt den Blick von den Sternen los. Er rutscht etwas höher, so dass sein Rücken fest gegen die Frontscheibe presst. „Ich glaube, du bist einfach nur bitter.“

Redhead zuckt nicht einmal zusammen, denn er ist der einzige, der mit so einer Aussage auch wirklich durchkommt. Und du beweist es ihm, indem du einfach nur die Schulter hochziehst. „Ich bin Realist, Gallagher. Das ist ein riesiger Unterschied.“

„Yeah, was auch immer.“

Firecrotch grinst mit zurücklehnten Kopf, blickt zu den Sternen auf und bemerkt nicht mal im Geringsten wie deine Augen auf ihm brennen. Wie stark du den Drang unterdrücken musst, nach ihm zu greifen, an dich zu ziehen und dieses verdammte Grinsen von seinen Lippen zu wischen. Seinen Mund mit deinem zu bedecken.

Nur tust du das nicht. Denn, gleichgültig was ihr tut, wie tief Gallagher mit seinem Schwanz in dir drin steckt, dass ist zu intim. Für dich. Du würdest zu viel preisgeben. Würdest zu viel verlieren. Und das kannst du nicht.

Das Problem ist nur, dass es dir egal ist. Das der Wunsch, die Neugierde, ihn zu küssen immer stärker wird. Das du es nicht mehr mit harten, distanzierten Ficks übertünchen kannst. Du willst wissen, wie es sich anfühlt. Und dieser Wunsch macht dir Angst. Denn du weißt nur zu gut, wie Wünsche enden in deiner Welt.


Du reißt die Augen auf und bist wieder in trister Dunkelheit. Nach diesem Tag ist alles anders geworden. Gallaghers Präsenz ist dein ständiger Begleiter. Du suchst ihn, egal wo du hingehst. Und Firecrotch findet dich.

Immer.
Review schreiben