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Gruppe 02: Entführung mal anders

von MDU-Story
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
11.06.2013
20.06.2013
10
8.902
 
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
11.06.2013 1.173
 
Herzlich willkommen bei der zweiten Gruppe des meine, deine, unsere Story-Projekts von LilliAngel.

Ich, Muileh, die Leiterin der zweiten Gruppe, bin unglaublich glücklich, dass diese Geschichte nun fertig ist und als zweite Geschichte hochgeladen werden kann. Updates werden in den nächsten neun Tagen täglich erfolgen, sodass die Story nach diesen Tagen dann hier fertiggestellt ist :)

Hier ist die Liste der Schreiber (ich werde allerdings über jedes Kapitel noch mal einen Link des Autors setzen). Die Gruppe ist nicht ganz so, wie zu Beginn geplant, was verschiedene Gründe hatte (:

1. Muileh
2. inuzukagirl
3. EmmaLisa
4. Seaside
5. An Ny
6. LilliAngel
7. Mrskreativlos
8. crazyLena
9. Blue Secret
10. Sabilein


Liebe Grüße! (:



Kapitel 1 - Muileh

Zitternd stehe ich da und lasse meinen Blick immer und immer wieder auf meine zerbrochene Armbanduhr huschen, in der sich langsam aber sicher das Wasser sammelt. Ein Wunder, dass ihr Ticken noch immer zu hören ist, leise, aber ja, sie geht noch. Beinahe schon seltsam.
Bilder drängen sich in meinen Kopf, verwirren mich, bewirken, dass mir erneut schwindelig wird und ich bemühe mich, es alles wieder zu verdrängen, doch natürlich funktioniert es nicht. Was habe ich erwartet? Dass ich einmal blinzle und Lenia beim nächsten Atemzug wieder neben mir sitzt, auf meinem Bett, und wir den Kakao trinken, den ich ihr versprochen habe?

Mein Schwindelgefühl wird stärker, mein Kreislauf spielt schon wieder verrückt und ich kralle mich an dem Geländer fest, das die Bushaltestelle von der Straße trennt. Ein paar Menschen beäugen mich mistrauisch, mustern mich abfällig mit ihren gleichgültigen Blicken. Ignorieren die immer noch leicht blutende Wunde an meiner Schläfe, meine zerissenen Sachen oder die Tatsache, dass ich seit mehr als einer Stunde regungslos hier stehe, bloß in T-Shirt, Jeans und schäbigen, ausgelatschten Sneakers, während der Regen auf mich einprasselt. Mit gesenkten Blicken laufen sie vorbei, stürmen in das Kino mir gegenüber, ziehen sich die Kaputzen tief ins Gesicht, drohen mit ihren spitzen Regenschirmen jede Sekunde irgendwen aufzuspießen.

Ein vibrieren reißt mich aus meiner Fassung und die Nervosität wird noch stärker, während ich das Handy aus meiner Tasche ziehe. Ich habe es mir neu gekauft, von meinem eigenen Geld, weil unsere Mom das nie wollte, dass Lenia oder ich ein Smartphone bekommen, aber ich habe es gebraucht. Alle hatten eins, es war wichtig ... Ich muss schlucken. Alle waren auf der Party. Ich auch verdammte scheiße, ich auch. Ich bin einfach so gegangen, obwohl ich Mom versprochen habe gut auf Lenia aufzupassen, obwohl ich es nicht sollte, obwohl sie es nicht leiden kann. Ja scheiße, ich habe es trotzdem gemacht, weil ich musste, weil jeder da war.
Ich tippe wild auf dem Handy herum, bis die SMS erscheint, es ist nur ein Wort, ein Wort und vier Ziffern.

Skyfall, 16:55

Scheiße! Scheiße, was sind das für Arschlöcher, wieso tun sie das? Verdammt, wieso haben sie mir Lenia weggenommen? Wieso ziehen sie diese lächerliche Nummer überhauptdurch? So etwas gibt es nur in Filmen, in Büchern, es ist bescheuert, einfach nur bescheuert. Wild drücke ich auf die Rückruftaste, doch bevor es auch nur zweimal klingeln kann, werde ich weggedrückt. Tränen steigen mir in die Augen und ich habe das Bedürfnis zu schreien. Warum haben sie Lenia mitgenommen, warum?

Ich schluchze leise auf. Ich bin ein schlechter Bruder, ja, bin ich. Es war nur für einen Abend, sie ist doch schon sieben, sieben ist nicht so klein, sie hätte das allein geschafft, sie schafft das auch, wenn unsere Mom in der Kanzlei ist und ich weg. Es war eigentlich das Gleiche, eigentlich hätte es gleich sein müssen, nicht anders, schließlich war da nicht so viel zum Unterscheiden.


Ich hätte nicht so viel trinken sollen, ich hätte diesen Macho nicht provozieren sollen, verdammte Scheiße, ich hätte mich nicht Prügeln sollen, aber wieso haben sie mir Lenia weggenommen? Einfach so, nur wegen ein paar Kratzern? Ich habe ihre Mädels angemacht, na und, warum Lenia, sie ist erst sieben, warum haben sie das gemacht?
Erneut drücke ich auf Wahlwiederholung.

Vergiss es Scheißer und komm ins Kino

Die SMS kommt kaum einen Atemzug, nachdem ich erneut wegklicke. Ich sollte die Polizei anrufen. Mir wird heiß und kalt, Lenia hat bestimmt riesige Angst, die Polizei würde sie bestimmt rausholen, ohne einen Kratzer, dann müsste ich jetzt nicht in dieses Kino, mich mit irgendwelchen widerwertigen Arschlöchern herumschlagen. Ich sollte, vielleicht, weil ...

Aber ich kann nicht, das ist mir mehr als bewusst. Ich habe so lange auf Mom eingeredet, dass sie uns allein lässt. Wegen der scheiß Party, weil ich Zeit mit Lenia verbringen wollte. Wenn ich die Polizei rufe, verliert Mom sicherlich ihren Job, oder wir werden ihr zumindest weggenommen, weil sie uns alleingelassen hat über diese Geschäftsreise, diese vier Tage, die perfekt auf diese Party fallen. Vernachlässigung, werden sie sagen, schließlich bin ich erst siebzehn, noch Minderjährig.

Ich fahre mir mit der Hand übers Geischt und versuche mich zu sammeln. Eigentlich sind sie harmlos, sie würden einer Siebenjährigen niemals etwas antun, das weiß ich. Lenia ist sicher, sie krümmen ihr kein Haar, sie wollen mich nur ärgern. Es ist nur wegen der Mädchen, wegen der Prügelei, wenn Mom in drei Tagen zurück kommt, wird sie nichts davon erfahren, nichts mitbekommen haben. Sie wird denken, ich habe eine schöne Zeit mit meiner kleinen Schwester verbracht, so wie ich es ihr gesagt habe...

Als kurz kein Auto kommt, sprinte ich über die Straße auf das Kino zu. Meine Uhr zeigt halb fünf an, länger muss ich nicht warten, ich kann mich sicherlich schon ins Kino setzen, vielleicht haben sie Lenia dabei, wahrscheinlich, hoffentlich, sie sitzt bestimmt da, dann ist das alles zu Ende.


Bevor ich das Gebäude betrete, versuche ich noch ein letztes Mal die Nummer anzurufen, doch ich werde erneut weggedrückt. Das Kino ist ungewöhnlich voll, aber wahrscheinlich ist das normal für so nasses Wetter. Erneut starren mich die Leute an, für Ende Oktober ist es schließlich schon kalt und das Blut hat selbst der Regen nicht von meiner Kleidung wischen können, doch ich versuche mich nicht darauf zu konzentieren.

Als ich schließlich an der Kasse stehe, werde ich aus einer seltsamen Trance gerissen, der Mann sieht mich mehr als gereizt an, als ich erst nach seinem dritten Versuch mich anzusprechen reagiere und schnell, hektisch, als ich begreife, dass ich dran bin, stoße ich das hervor, was in der SMS stand.

"Skyfall, 16:55"

In meiner Tasche krame ich nach Geld und ziehe viel zu spät einen zerknitterten zwanzig Euro Schein heraus. Noch feindselig werde ich von allen Seiten angestarrt, während ich das Rückgeld und die Karte entgegennehme und so schnell ich kann weg haste, einfach in den Vorstellungsraum, zu Lenia.

Doch Lenia ist nicht im Kino und ich werde immer nervöser, das Handy fest in meinen Händen umklammert. Sie sollen mir endlich sagen, wo sie sind, was sie wollen. Das Licht geht aus, die Werbung beginnt, ich schlucke heftig. Es zieht alles unwirklich an mir vorbei, bis es in meinen Händen wibriert. Schweiß tritt mir auf die Stirn.

Genieße den Film, deine kleine Prinzessin hatte doch keine Lust auf Kino.
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