Et uus saaks alguse

von -Lille-
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Estland Litauen
09.06.2013
09.06.2013
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Hei Leute!

Soooo, wie schon in der (unheimlich informativen) Kurzbeschreibung angekündigt, sollte das hier eigentlich ein Songfic werden. Und zwar zu dem Lied 'Et uus saaks alguse', dass Birgit Oigemel (über das 'O' kommt eigentlich noch so ein Dingens hier: ~) beim Eurovision Song Contest gesungen hat. Ich liebe diesen Song einfach und finde es echt unfair, dass Estland nur so weit hinten gelandet ist (Mal ehrlich, ist doch schon auffällig, dass die Esten nur Punkte von Finnland, Lettland und Litauen bekommen haben ;-D).
Und weil es hier auf FF.de viiiieeeel zu wenig EstLit gibt, kam mir dann diese Idee.
Bloß hab ich es einfach nicht auf die Reihe bekommen, das zu schreiben, was ich eigentlich geplant hatte (Ihr kennt das ja sicher, wenn die Finger wie von selbst schreiben, ohne das man noch einen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte hat^^) und jaa... Hier ist das Ergebnis!
Viel Spaß, und sorry für das viel zu lange Vorwort, ich in so eine Labertasche...

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Eduard zog sich die Kapuze tiefer ins Gesicht und senkte den Kopf, um wenigstens einigermaßen dem heftigen Wind entkommen zu können, der ihm schon die ganze Zeit heftig ins Gesicht bließ, ihm die Haare zerzauste und seine kalten Wangen rötete. Zudem fielen auch von Minute zu Minute mehr Regentropfen vom Himmel, die vermuten ließen, dass es bald anfangen würde, zu schütten wie aus Kübeln. Sehr ungemütliches Wetter, selbst für den recht kälteerprobten Esten, aber um ehrlich zu sein passten die dunklen Regenwolken, die vom Wind über den Himmel gejagt wurden, auch gut zur momentanen Laune Eduards.
Der blonde junge Mann beschleunigte seinen Schritt noch etwas, sodass er in ein flottes Traben fiel, um auch ja vor Einbruch des mutmaßlich baldigen Schauers daheim zu sein.
Aber heute schien das Pech wirklich hartnäckig auf seiner Seite zu stehen, denn etwa zwei Minuten bevor er seine kleine Wohnung erreichte, schien der Himmel auf einmal aufzubrechen und es fühlte sich an, als würde das Wasser des ganzen Peipsi-Sees aus ihn niederstürzen.
Der sonst so ruhige Este ließ einen frustrierten Fluch hören, seufzte auf und verlangsamte sein Tempo wieder. Jetzt war er ohnehin nass, was sollte also die Eile.
Inzwischen war er ganz allein auf den Straßen. Klar, wer sonst war freiwillig bei diesem Wetter draußen, wenn er auch daheim vor dem warmen Ofen im Wohnzimmer sitzen konnte?
Und trotzdem fühlte er sich im gewissen Sinne einsam. Wo waren eigentlich die Freunde, wenn man sie brauchte? Vielleicht nicht zufällig in der selben Straße, in Estland, im strömenden Regen. Aber im Generellen: Wann hatte Tino sich zum letzten Mal erkundigt, wie es seinem ältesten Freund wirklich ging? Wie es lief, mit der Beziehung zu Yekaterina? Wusste er überhaupt von der Beziehung? Eduard war sich nicht sicher. In letzter Zeit hatte er mit Tino eigentlich nur über dessen anstehende Hochzeit mit seinem Partner Berwald geredet. Natürlich war das eine große Sache, und Eduard verstand vollkommen, dass sein Freund aufgeregt war, Hilfe brauchte, sowohl bei den Vorbereitungen, als auch einfach mentale Unterstützung. Aber zwischen den ganzen Gesprächen, ob sie ganz klassisch Rosen oder Hortensien als Blumenschmuck nehmen sollten, oder doch eher Maiglöckchen, und wo die ganze Sache überhaupt stattfinden sollte, zwischen all diesen Diskussionen, die er in den letzten Wochen mit seinem Freund geführt hatte, sollte doch auch noch wenigstens ein bisschen Platz sein, für ein ehrliches „Hey, wie geht’s dir?“.
Vielleicht hatte Tino sogar gefragt. Vielleicht hatte Eduard es nur verdrängt, um nun im Selbstmitleid baden zu dürfen... Fakt war, dass er lange nicht mehr mit irgendjemandem über seine Probleme geredet hatte, und dies nun umso nötiger hatte!

Eduard seufzte, und beschleunigte seinen Schritt nun doch wieder, in Vorfreude auf eine schöne, heiße Dusche. Es dauerte auch gar nicht lange, da erreichte der Este endlich seine Wohnung. Er wollte gerade den Schlüssel aus den Tiefen seiner Jackentasche heraus kramen, da bemerkte er, dass auf der Stufe vor seiner Haustüre jemand saß. Der junge Mann hatte sich so dicht wie möglich an die Haustür gepresst um möglichst weit unter dem kleinen Vorsprung unter der Tür zu sitzen, und so weniger Nässe abzubekommen. Jedoch schien dies nicht sonderlich viel genützt zu haben, jedenfalls war er klatschnass, die Klamotten klebten ihm am Körper und das dunkelbraune Haar fiel ihm in langen, nassen Strähnen ins Gesicht.
„Toris! Was machst du denn hier?“ Eduard war schon ziemlich überrascht, seinen Freund hier zu sehen. Erstens kam Toris ihn leider selten besuchen, gerade, seit der Brünette in Polen bei seinem Freund wohnte, und zweitens war der Litauer ein Mensch, der seine Besuche meist vorher ankündigte...
„Hallo Eduard! Es tut mir leid, dass ich so unangemeldet vorbeikomme... Ich hätte vorher Bescheid sagen sollen!“ Genau das war es, was Eduard meinte...
„Nein, kein Problem, komm rein, du bist ja total durchnässt!“ Der Este schloss auf und hielt Toris – der inzwischen von der regennassen uns sicherlich ganz ausgekühlten Treppe aufgestanden war – die Tür auf.
„Du aber auch...“, murmelte der Brünette nur, schlüpfte dankbar durch die aufgehaltene Tür und zog sich – höflich wie er nun mal war – sofort die dreckigen Schuhe aus.
„Okay, bevor ich frage, warum du bei dem Sauwetter vor meiner Haustür herum sitzt, geh erst mal duschen, ich leg dir frische Klamotten hin!“ Auch der Este zog die Schuhe und die nasse Jacke aus, hängte Letztere zusammen mit Toris' Jacke ins Bad und führte den Litauer zum Badezimmer.
„Schmeiß' die nassen Klamotten einfach irgendwo hin, ich tu sie dann in die Wäsche. Oh, und hier hast du ein Handtuch...“
„Dusch du lieber zuerst, schließlich ist es dein Haus...“ Toris schien die Sache irgendwie unangenehm zu sein, zumal der Blonde wahrscheinlich wirklich nicht gerade gut gelaunt klang.
„Nein, kein Problem, beeil dich einfach, ich dusche dann danach!“ Eduard lächelte knapp, hielt dem Älteren die Tür auf und machte sich schon mal daran, trockene Kleider für sich selbst und seinen spontanen Gast heraus zu legen. Der Litauer beeilte sich wirklich, und nur gute fünf Minuten später kam Eduard endlich zu seiner wohlverdienten Dusche. Genießerisch streckte er sich dem heißen Wasser entgegen, das seine Haut allmählich leicht erröten ließ. Normalerweise spritzte er sich nach dem Duschen noch einmal kalt ab, da das den Kreislauf anregen sollte, aber diesmal verzichtete er lieber darauf. Das erinnerte ihn zu sehr an den Regen, der übrigens immer noch in Strömen vom Himmel fiel, wie der Este entdeckte, als er aus dem Fenster sah. Nun gut, jetzt konnte ihm das Wetter sowieso egal sein...

Frisch geduscht abgetrocknet und in neuer Kleidung fühlte sich der Blonde schon gleich viel besser, als er aus dem Bad ging, um nach Toris zu suchen. Erstaunlicherweise fand er den Litauer nicht etwa auf dem Sofa, oder dergleichen, sondern in der Küche, wo er gerade zwei Tassen bereit stellte.
„Hallo Eduard! Ich habe Kaffee gemacht. Ich hoffe, es stört dich nicht,aber ich dachte, das tut uns jetzt beiden gut!“, lächelte der Brünette und schenkte ihnen beiden ein.
„Danke, das ist echt nett von dir, Toris!“ Auch Eduard lächelte nun, nahm beide Tassen und trug sie ins Wohnzimmer, wo er gleich mal die Heizung aufdrehte und sich dann auf's Sofa fallen ließ.
„Komm her, setz dich!“, bot er seinem Gast an, welcher der Aufforderung sofort nachkam und sich neben ihn setzte. Nachdem beide ein paar Schlucke des heißen Getränks probiert hatten, fragte Eduard endlich, was ihm schon lange auf der Zunge lag: „Also, erzähl mal, was genau führt dich hierher?“
„Feliks hat Schluss gemacht...“ Der Este machte große Augen. Eigentlich hatte er immer das Gefühl gehabt, das zwischen Toris und dem quirligen Polen würde sehr gut laufen.
„Das tut mir echt leid! Möchtest du reden?“, fragte er, obwohl er eigentlich selbst immer noch nicht wirklich in der Stimmung war, die Probleme Anderer zu bequatschen. Doch zu seiner Überraschung schüttelte Toris nur den Kopf.
„Nein, ich brauche nur mal andere Ablenkung als das Radio oder ein Buch... Erzähl du mal: Ich hab gehört, du triffst dich mit Yekaterina!“
Eduards erster Gedanke war, woher der Litauer wusste, dass er kurz davor gewesen war, mit der Ukrainerin zusammen zu kommen, aber dann fiel ihm ein, dass Toris bis vor kurzem noch mit Feliks Lukasievic zusammen gewesen waren, der dafür bekannt war, besser über das Privatleben diverser Leute Bescheid zu wissen, als diese es selbst taten...
Der Este schüttelte nur den Kopf und sah auf den Boden.
„Nein, jetzt nicht mehr...“
Toris lächelte gezwungen und legte seinem Freund die Hand auf die Schulter.
„Das ist schade... Was ist denn passiert?“
„Nichts eigentlich. Wir haben beschlossen, dass wir doch einfach nicht so gut zueinander passen, das war's. Nichts... Tragisches!“
„Sicher? Aber du siehst trotzdem ziemlich traurig aus!“, stellte Toris fest.
„Ja...“, wich der Este erst aus, bemerkte dann aber, dass er sich eigentlich nicht wundern musste, wenn seine Freunde ihn nicht mehr nach seinem wirklichen Befinden fragten, wenn er immer tat, als wäre alles in Ordnung. Also fasste er sich einfach mal ein Herz und redete drauflos.
„Mir geht’s trotzdem nicht gut, ich fand sie eben total niedlich, und ich wollte eigentlich nicht, dass das Ganze so schnell vorbei ist, aber es ist wohl trotzdem besser so... Nur... In letzter Zeit habe ich mich so einsam gefühlt, weil... Du weißt ja, Tino wird bald heiraten, und irgendwie haben wir immer nur über ihn geredet, er hat sich einfach kaum für mich interessiert. Ich bin ihm ja nicht böse, oder so, aber trotzdem... Sonst war auch nie jemand da. Raivis hatte nie Zeit, du auch nicht...“ Er brach ab.
„Tut mir leid, das klingt jetzt alles so egoistisch, außerdem ist jetzt ja wirklich nichts so Schlimmes passiert, aber...“ Er ließ den Satz offen im Raum stehen und lehnte sich an Toris' Schulter, während dieser ihn nun ganz an sich zog.
„Schon gut, ich kann dich wirklich gut verstehen! Und manchmal darf man auch egoistisch sein!“
„Na, wenn du meinst...“
„Ja, echt!“ Er lächelte offen. „Ich glaube, heute brauchen wir beide etwas Ablenkungen, bevor wir noch im Selbstmitleid ertrinken!“
„Vielleicht hast du Recht...“

Es wurde noch ein schöner Abend. Sie sahen sich einen Film im Fernsehen an und als die Stimmung so richtig aufgetaut war, lachten und redeten die beiden jungen Männer den ganzen Abend lang über dies und das. Es lenkte sie wirklich beide von ihrem Liebeskummer ab.
Insgeheim wusste Eduard, dass Toris immer noch sehr betrübt war – wie sollte es auch anders sein, bei einer so langen Beziehung, die zu Bruch gegangen war – aber er würde darüber hinweg kommen, so wie er selbst bald über Yekaterina hinweg kommen würde und die Dinge wieder neu beginnen konnten.
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