Noir ~ Desire for Freedom

GeschichteDrama / P16
Kirika Yumura Mireille Bucket
09.06.2013
09.06.2013
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09.06.2013 915
 
Ein Auftrag

Ich senkte meinen Arm... und sah auf den leblosen Körper hinab. Der Mann der dort am Boden lag hatte keine Chance gehabt. Noch bevor er seine Waffe ziehen konnte hatte ich ihm eine Kugel in die Brust gejagt. Das Blut dass aus seiner Wunde floss tränkte seinen Anzug in ein dunkles Rot.
Ich schloss die Augen und musste an die vielen Menschen denken, die schon vor diesem Mann aus dem Leben geschieden waren. Durch meine Hand. Unzählige Leben hatte ich genommen. Aber mit welchem Recht? Durfte ich das tun? Weil ich....Noir war?

„Kirika!“

Ich öffnete meine Augen und drehte mich langsam um. Mireille sah mich an und kam auf mich zu. Ich bewegte mich nicht und starrte sie nur an...wie ich es immer tat, nachdem ich meine Arbeit getan hatte...

„Wir sind hier fertig, lass uns verschwinden.“

Mit einem leichten Nicken antwortete ich Mireille und folgte ihr schließlich zu unserem Auto. Dann stieg ich wortlos in den Wagen und sah aus dem Fenster. Ich fragte mich, wie lange es so noch weiter gehen sollte. Wie vielen Menschen würde ich wohl noch das Leben nehmen?

„Mireille?“

Ich sah sie nicht an. Ich wollte nicht dass sie meine Unsicherheit und Angst in meinen Augen lesen konnte.  Diese tiefe Traurigkeit die sich in mir spiegelte.

„Ja?“

„Warum?  Warum fällt es uns so leicht? Diese Leute haben bestimmt auch Familie und Freunde... Ich meine wieso hören wir nicht einfach auf?“

Mireille schien über meine Frage überrascht. Oder vielleicht hatte sie auch nicht damit gerechnet, dass ich plötzlich so gesprächig war. Entweder dies oder sie wusste selbst keine Antwort darauf. Kurz warf sie einen Blick zu mir hinüber, achtete dann aber wieder auf die Straße.

„Kirika... nicht alle Menschen sind gut. Diese Leute die wir als Auftrag bekommen, haben selbst genug Dreck und Blut an ihren Händen kleben. Und du solltest dir keine Gedanken darüber machen. Das könnte dich eines Tages das Leben kosten. Über seine Opfer nachzudenken ist nicht gut für unseren Job...“

Als Mireille das sagte klang es so kalt. Und etwas in mir wusste dass sie Recht hatte. Aber ein anderer Teil in mir schrie danach damit endlich aufzuhören.
Mireille lenkte den Wagen in eine Seitengasse und stellte den Motor ab. Wir waren wieder „Zuhause“. Und hier brauchten wir nichts anderes zu tun, als auf den nächsten Auftrag zu warten.

Wenig später standen wir vor der Tür zu unserem Apartment. Bevor Mireille aufschloss sah sie mich noch einmal kurz an. Doch sie sagte nichts. Vermutlich wollte sie über die Sache von vorhin im Auto nicht mehr sprechen. Aber ich merkte genau dass ihr etwas auf der Seele brannte. Ich konnte in ihren Augen lesen, dass sie sich Sorgen machte. Sorgen? Um mich? Oder war es etwas anderes? Ich wollte sie danach fragen. Hielt es aber dann doch für besser nichts zu sagen.

Mireille schloss auf und lies mich zuerst hinein. Dann warf sie hinter sich die Tür ins Schloss und warf ihre Sachen einfach auf eine Komode.

„Machst du uns einen Tee?“ fragte sie mich und verschwand anschließend zu ihrem Arbeitsplatz. Ohne etwas darauf zu antworten lief ich also in die Küche, nahm zwei Tassen aus dem Schrank und setzte den Tee auf. Danach ging ich zu Mirelle an den Billiardtisch den sie als Schreibtisch umfunktioniert hatte. Als sie mich bemerkte wirkte sie etwas nervös und ich sah kurz auf den Monitor ihres Notebooks den sie eben erst eingeschaltet hatte. Darauf konnte ich ein Foto von einem Mädchen erkennen. Sie war etwa in meinem Alter und ich kannte sie. Mireille folgte meinem Blick und seuftzte kurz. An ihrem Gesichtsausdruck konnte ich erkennen dass sie mir gleich etwas wichtiges sagen würde. Aber ich war mir irgendwie nicht ganz sicher ob ich es auch wissen wollte.
Mireille sah mich wieder an und begann zu erzählen.

„Das Mädchen heisst Yumemi...“
„.. sie geht in meine Klasse...“
„Was?“ fragte Mireille, denn sie war nicht sicher ob sie eben richtig verstanden hatte.
„Wir sind Klassenkameradinnen...“

Mireille riss die Augen auf und starrte mich kurz ungläubig an. Scheinbar wusste sie nun nicht wie sie weiter machen sollte. Ich konnte allerdings schon ahnen, dass sie unser neuer Auftrag sein sollte. Mireille bekam einen mitleidigen Blick. Doch für sie war das da am Bildschirm nur ein weiteres Opfer. Moment mal. Schätzte ich Mireille wrklich so kaltblütig ein? Würde sie denn wirklich auch ein Mädchen dass so alt war wie ich selbst, töten?

„Kirika... sie ist...“
„Ich versteh schon.“
„Kirika, du musst das nicht tun. Dann werde ich diesmal allein gehen.“

Mit diesem Satz bekam ich meine Antwort. Hatte ich mich so sehr in Mireille getäuscht?
Sie kann ein junges Mädchen einfach so umbringen? Weil sie Geld einbringt?
Auch wenn sie sie nicht kennt, kann sie ohne zu zögern abdrücken? Ich wollte mich mit eigenen Augen davon überzeugen.

„Schon gut. Ich werde mitgehen...“ sagte ich nur. Mireille sah mich noch einmal unsicher an bevor sie weiter sprach. Sie erzählte mir noch ein paar Einzelheiten. Aber ich hörte kaum zu. Meine Gedanken schweiften ab.

Das Mädchen das in meine Klasse ging war also unser neues Ziel. Sagte Mireille nicht, dass alle unsere Opfer selbst schlimme Dinge getan haben? Aber was sollte dieses junge Mädchen schreckliches getan haben, was den Tod verdiente ? Würde Mireille auch dafür eine Antwort haben?
Ich wusste noch nicht wie ich damit umgehen sollte. Nie hätte ich gedacht, jemals jemanden aus meiner näheren Umgebeung umbringen zu müssen. Konnte ich das denn?
Ich würde es spätestens morgen Nacht erfahren...
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