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Peters House

GeschichteMystery / P12
Lindsay Donner Peter Axon Professor Connor Doyle
07.06.2013
07.06.2013
1
5.728
 
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07.06.2013 5.728
 
Titel: Peters House
Autor: DancingStar
Crossover: PSI Factor/ Sue Thomas F.B.Eye
Pairing: Connor/ Lindsay, Jack/ Sue
Rating: 12
Kategorie: AU, Mystery, Romance, Humor
Inhalt: Peter hat ein Haus geerbt. Der Bau entpuppt sich als Todesfalle.
Anmerkungen: Es gibt nichts Schlimmeres als eine Grippe. Allerdings hat man dann jede Menge Zeit, zuhause diese Geschichte fertig zu schreiben. ;-)


Peters House

Es war ein sonniger Tag im Mai, als Peter Post von einem Anwalt erhielt. Seine Kollegen Jack und Sue scherzten, ob er vielleicht in eine Radarkontrolle geraten war. Einmal hatte die Bußgeldstelle Peter ein Foto geschickt, auf dem er mit überhöhter Geschwindigkeit in seinem Wagen geblitzt worden war. Sie fanden das beiliegende Foto besonders lustig, da Peter auf dem Foto aussah, als sitze er mit geschlossenen Augen hinter dem Steuer seines Autos. Noch heute hing das Bild an einer Pinnwand im Mobilen Labor. Zur allgemeinen Belustigung, wie Jack manchmal sagte.
„Ich weiß nicht, warum ich Post vom Anwalt bekomme“, sagte Peter und riss den Umschlag auf, „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich kürzlich wieder in eine Radarkontrolle geraten bin.“ Peter überflog den Brief. „Mein Onkel Eddie ist gestorben“, las Peter ihnen schließlich vor und setzte sich zu seinen Freunden auf die Couch, die soeben ihr Mittagessen verspeisten, „Und er hat mir seinen Besitz hinterlassen: Sein Blockhaus.“
„Du hast ein Haus geerbt?“, fragte Connor und nahm ihm den Brief vom Anwalt ab. Er las das Dokument selbst durch. „Hier steht, dass sich das Haus in Minnesota befindet“, sagte Connor, „Wozu brauchst du ein Haus in Minnesota?“
„Wäre doch ein nettes Ferienhaus“, erklärte Peter, „Wir alle könnten in unserem nächsten Urlaub zum Angeln hinfahren.“
„Wie alt sind wir? 85?“, wollte Jack wissen und sah sie ungläubig an.
Sue setzte sich zwischen Peter und Jack. Ihr Hund Levi folgte ihr, denn er hoffte, dass ein Teil ihres Mittagsessens vielleicht für ihn abfiel. „Der Anwalt hat sogar Fotos von dem Haus in den Briefumschlag gelegt“, stellte Sue fest und fischte vier Abzüge heraus. Die Fotos zeigten ein massives Blockhaus mit einem großzügigen Garten im Vordergrund. Es gab eine Garage und einen Teich zum Angeln. Sue musste zugeben, dass das Haus sehr nett aussah.
„Wir könnten es uns zumindest einmal anschauen…“
„Wir?“
„Ich hatte nicht vor, mir das Haus allein anzusehen“, gab Peter zu, „Los kommt. Ich habe noch nie ein Haus besessen.“

Sie nahmen das nächste Flugzeug nach Minnesota und weil sie ziemlich spät am Airport von Minneapolis eintrafen und noch einen weiten Weg bis zu Peters neuem Haus hatten, beschlossen sie, die Nacht in einem Hotel zu verbringen. Es war ein ruhiges Hotel in der Nähe des Flughafens, aber die startenden und landenden Flugzeuge ermöglichten ihnen doch eine erholsame Nachtruhe.
Um Mitternacht wurde Peter von einem permanenten Klingeln geweckt und als er müde den Kopf hob, bemerkte er, dass sein Handy auf dem Nachttisch unruhig hin und her tanzte. Das Display leuchtete und ein blauer Telefonhörer war darauf zu sehen. Die eingehende Nummer war ihm unbekannt.
„Hallo?“, meldete er sich und hörte nur ein Rauschen in der Leitung. „Hallo?“, wiederholte er, doch noch immer kam keine Antwort. „Muss sich wohl jemand verwählt haben“, murmelte er, legte auf und sank mit dem Gesicht voran wieder in sein Kissen.

Zur gleichen Zeit klingelte in Lindsays Hotelzimmer ebenfalls ein Handy. Sie war in ihrem Bett eingeschlafen doch der Fernseher lief noch, als sie von einem stetigen Spice Girls- Klingelton geweckt wurde. „Was…?“, verwirrt richtete sie sich auf und griff nach ihrem Handy. Erst auf den zweiten Blick bemerkte sie, dass sie die Rufnummer des Anrufers noch nie gesehen hatte. Lindsay strich müde ihre Haare glatt und nahm das Gespräch dann entgegen. „Wer ist da?“, fragte sie mit rauer Stimme.
Dann lauschte sie. Als keine Antwort kam sah sie zweifelnd auf ihr Handy und legte dann auf. Sie griff nach der Fernbedienung, schaltete den Fernseher ab und ließ sich wieder in ihr Bett fallen.

Der Klingelton seines Handys schreckte Connor in seinem Hotelzimmer aus dem Schlaf. Er hatte nicht besonders lange geschlafen und nachdem der Tag sehr ereignisreich gewesen war, hatte er ein wenig Ruhe gebrauchen können. Connors Augen brannten, als er nach seinem Mobiltelefon griff und dem Anrufer antwortete. „Hier ist Connor… Doyle“, meldete er sich schlaftrunken und ließ sich anschließend mit seinem Telefon in der Handy rückwärts in sein Kissen sinken. Auch er bemerkte, dass sein vermeidlicher Gesprächspartner nicht mit ihm reden wollte. „Wer ist denn da?“, fragte Connor, doch auch auf diese Frage erhielt er keine Antwort. Also legte er auf.

Unterwegs zu dem Haus mussten sie den Mietwagen einmal auftanken, also hielten sie an einer Tankstelle. Connor kümmerte sich darum, dass der Wagen betankt wurde. Peter, Lindsay, Jack und Sue standen vor dem Auto und unterhielten sich. „Mir ist gestern Nacht etwas ziemlich schräges passiert“, berichtete Peter und grinste, „Mein Handy hat geklingelt und als ich das Gespräch angenommen habe, war niemand am Telefon.“
„Wirklich?“, Connor sah auf, „Mir ist das Gleiche passiert.“
„Ja, mir auch“, stimmte Lindsay zu und sah Jack und Sue an, „Was ist mit euch?“
„Nein“, Sue schüttelte den Kopf. Levi hatte sie gestern Nacht nicht aufgeweckt, also nahm sie an, dass ihr Handy nicht geklingelt hatte. Sie fanden es seltsam, allerdings beschlossen sie, dem Ereignis nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken und Sue schlug vor, dass sie im Inneren des Tankstellenrestaurants etwas essen sollten. Zuerst setzten sie sich an einen Tisch am Fenster, aber sie wechselten, als im hinteren Bereich des Restaurants ein Tisch mit Couch frei wurde. „Entschuldigt mich für eine Sekunde“, sagte Peter zu ihnen und stand auf um sich einen Kaffee zu holen.
Fünf alte Menschen, drei Männer und zwei Frauen, betraten das Restaurant und setzten sich an einen Tisch am Fenster. Der Tisch, an dem sie vorher gesessen hatten. „Das sind wir, wenn wir alt sind“, sagte Sue leicht lächelnd zu Lindsay, „Ich hoffe, wir sind dann immer noch befreundet.“
„Das hoffe ich auch“, stimmte Lindsay zu. Sie fand es süß, dass Sue so dachte.
Eine Kellnerin kam zu ihnen und fragte sie, ob sie sich schon entschieden hatten, was sie essen wollten. „Wir sollten nur eine Kleinigkeit essen“, schlug Connor vor, „Bis zum Haus ist es nicht mehr weit.“
„Haben Sie hier eine Ferienhütte?“, fragte die Kellnerin.
„Nein, unser Freund hat das Haus von seinem Onkel geerbt“, antwortete Sue und zeigte zu Peter, der noch immer am Counter auf seinen Kaffee wartete. „Er sieht aus, wie Eddie“, murmelte die Kellnerin, „Entschuldigen Sie. Mir ist nur aufgefallen, dass er aussieht wie ein Einwohner, der kürzlich gestorben ist.“
„Eddie Axon?“, fragte Lindsay, „Wir wohnen in seinem Haus… Was ist mit ihm passiert? Wie ist er überhaupt gestorben?“
„Der Sherriff hat ihn eines Morgens tot in seinem Wohnzimmer gefunden. Eddie saß in seinem Sessel während direkt vor ihm der Fernseher noch lief… Er hatte vermutlich einen Herzinfarkt, hat sein Arzt gesagt.“
„Das heißt, Eddie Axon ist in seinem Haus gestorben?“, fragte Lindsay.
„Ja“, die Kellnerin bemerkte, dass ihr Chef sie beobachtete und ungeduldig auf seine Armbanduhr klopfte. Schließlich schüttelte sie den Kopf, „Haben Sie sich schon entschieden, was sie essen möchten?“
Sie bestellten fünf Flammkuchen und warten, bis Peter mit seiner Tasse Kaffee zurückkam. Natürlich bemerkte er den besorgten Gesichtsausdruck seiner Freunde. „Was ist?“
„Wusstest du, dass dein Onkel in seinem Haus gestorben ist?“, wollte Lindsay wissen, „Die Kellnerin hat es uns erzählt.“
„Das wusste ich nicht“, gab Peter zu und auch er wirkte für einen Moment erschreckt. Er empfand es selbst als unheimlich. Nach zehn Minuten bekamen sie ihre Flammkuchen und nachdem sie noch eine halbe Stunde sitzen geblieben waren um sich auszuruhen, fuhren sie weiter zu Peters neuem Ferienhaus.

Sie waren innerhalb von zehn Minuten bei dem Haus und Connor, der den Wagen fuhr, wusste nicht was er sagen sollte, als er  das Haus zum ersten Mal sah. „Meine Güte“, murmelte Sue vom Rücksitz aus, „Auf den Fotos, die der Anwalt geschickt hat, sah es viel besser aus.“ Tatsächlich wirkte die Farbe des Blockhauses auf den Fotos viel satter und der Garten sah gepflegter aus.
Sue und Jack stiegen als erste aus dem Wagen. „Was ist?“, wollte Jack wissen, als nur noch Peter auf der Rückbank sitzen blieb. Peter schüttelte wortlos mit dem Kopf, bevor auch er ausstieg. Connor und Lindsay waren die letzten, die den Wagen verließen.
„Levi, lauf nicht so weit weg!“, rief Sue ihrem Hund nach, der bereits die Gegend erkundete. Sie folgte ihm ein Stück. „Ich gehe besser mit ihr“, schlug Lindsay vor und Connor nickte.
„Sei vorsichtig! Hier oben gibt es Schlagen“, sagte er zu ihr, während er seine Tasche aus dem Wagen holte.
„Zum Glück haben wir uns vor einigen Tagen noch einen Film über eine gigantische Killerschlange angesehen“, murmelte Lindsay wenig begeistert, während sie zu Sue aufschloss.
„Was hat er gesagt?“, wollte Sue von Lindsay wissen. Sie hatte nicht sehen können, was Connor ihrer Freundin zugerufen hatte. Sue war taub und um zu wissen, was ihre Gesprächspartner sagten, musste sie sie sehen können.
„Er hat gesagt, dass es hier Schlagen gibt“, wiederholte Lindsay und rollte mit den Augen.
„Wir hätten uns Angriff der Killerschlage nicht anschauen sollten“, sagte Sue. Innerlich schwor sie sich, dass sie nie wieder mit ihren Freunden ins Kino gehen würde. Vor allen Dingen dann nicht, wenn Peter und Jack einen Gruselfilm anschauen wollten.
„Heute ist ein wirklich schöner Tag“, stellte Sue fest und Lindsay nickte zustimmend. Sie beobachteten, wie Levi an einem Grasbüschel schnupperte, dann rief Sue nach ihm. Levi rannte an ihr vorbei zum Haus und Sue wollte ihm folgen, als sie sich noch einmal umdrehte.
„Hast du etwas gehört?“, fragte Lindsay und in der nächsten Sekunde bemerkte sie, dass diese Frage sehr überflüssig war. Sie entschuldigte sich. Manchmal vergas sie, dass Sue nicht hören könnte.
„Ich weiß nicht…“, Sue zuckte hilflos mit den Schultern, „Ich habe das Gefühl, dass man uns beobachtet.“
„Wirklich?“, Lindsay stellte sich auf die Zehenspitzen und versuchte, auszumachen, ob ihm Gebüsch vielleicht jemand saß und sie beobachtete. Sie rief sogar einmal „Hallo?“, aber sie erhielt keine Antwort.

„Hilfst du mir, die Taschen ins Haus zu tragen?“, fragte Connor und Jack und Lindsay erklärten sich sofort bereit, ihm zu helfen. Sie hatten zehn Taschen bei sich und Lindsay machte sich mit den ersten beiden auf dem Arm auf den Weg zur Tür. Peter sperrte für sie auf und im Inneren des Hauses drückte Lindsay einen Lichtschalter. Die Glühbirne über ihren Köpfen blieb dunkel.
„Das Licht funktioniert nicht“, stellte sie fest, „Peter, bist du sicher, dass der Strom funktioniert?“
„Ich habe zumindest keine Nachricht bekommen, dass die Stadtwerke den Strom abgestellt hätten“, antwortete er, „Ich sehe mir den Sicherungskasten an.“ Er machte sich alleine auf den Weg zu dem Stromkasten, der sich auf der anderen Seite des Hauses befand. Peter stellte fest, dass der Kasten nicht einmal verschlossen war. Er nahm sich vor, dass er dies als erstes ändern musste, wenn er nicht wollte, dass jemand seinen Strom stahl. Allerdings gab es hier draußen niemanden, der seinen Strom stehlen könnte, denn der nächste Nachbar wohnte zwei Kilometer weit weg.
„Peter, was ist?“, rief Connor ihm zu, „Brauchst du eine Extraeinladung?“
„Nein, ich…“, er prüfte die Stromkabel, „Also, der Sicherungskasten ist völlig in Ordnung.“ Er klappte den Kasten zu und machte sich auf den Weg zu seinen Freunden. An der Haustür angekommen drückte Peter noch einmal auf den Lichtschalter und eigentlich hatte er erwartet, dass die Glühbirne dunkel blieb, doch in dem Haus wurde es hell.
„Es hat vor einigen Minuten nicht funktioniert“, schwor Lindsay ihm, als sie an Peter vorbeiging, „Das schwöre ich.“

Peters Onkel Eddie hatte das Haus immer in einem guten Zustand gehalten: Die Einrichtung war sauber und alle Geräte funktionierten tadellos. Im Wohnzimmer gab es sogar einen Fernseher, mit dem Peter den Sportkanal empfangen konnte. Offenbar war Peters Onkel selbst ein großer Sportfan, denn im Wohnzimmer lagerte er eine Sammlung an Baseballhandschuhen und signierten Bällen aus der National Baseball League.
Sie aßen gemeinsam zu Abend und währenddessen redete Peter von dem Teich hinter dem Garten, in dem er morgen einen Fisch fangen wollte.
Schließlich wurde es Nacht. Lindsay lag in ihrem Zimmer im Bett und las, als ein schlagendes Geräusch über ihr den Raum in völlige Dunkelheit tauchte. Sie schlug die Decke zur Seite, stand auf und machte sich mit einer Taschenlampe auf den Weg in die Küche. Sie hoffte, dass Peters Onkel dort irgendwo eine Ersatzglühlampe übrig hatte.
Auf der Treppe stieß sie mit einer Gestalt zusammen und sie hörte einen Aufschrei. Die Person war Sue und Lindsay hielt ihre Taschenlampe vor ihr Gesicht.
„Was machst du hier?“, fragte Sue.
„Ich suche eine Kerze oder Ersatzglühbirne…“, antwortete Lindsay, „Die Glühbirne in meinem Zimmer ist durchgebrannt.“
„Bist du sicher?“, natürlich wusste Sue von der vermeintlich kaputten Lampe, die erst auf wundersame Weise durch Peters Anwesenheit „geheilt“ wurde. „Lass uns zusammen in die Küche gehen. Ich glaube, ich habe dort heute einige Glühbirnen gesehen“, schlug Sue vor und gemeinsam gingen sie die Treppe hinunter. „Du siehst gruselig aus, wenn du die Taschenlampe vor dein Gesicht hältst“, fügte sie dann hinzu, obwohl ihr durchaus klar war, dass sie Lindsays Antwort nicht hören konnte. Sue bereute ihre Situation niemals. Doch es gab Momente, in denen sie sich in der endlosen Stille fürchtete. Die Kombination aus Stille und Dunkelheit war für sie fast das Schlimmste, was es gab.
Sie erreichten die Küche und Sue ging zielstrebig zu der Schublade, in der sie heute die Glühbirnen gesehen hatte. Sue reichte Lindsay eine davon. „Ich helfe dir, sie auszuwechseln“, bot Sue an, denn sie konnte sich gut vorstellen, dass es nicht leicht war, eine Glühbirne in einem dunklen Zimmer auszutauschen. Lindsay bedankte sich und als sie ein kratzendes Geräusch am Fenster hörte, drehte sie sich zu dem Fenster um. „Was ist los?“, fragte Sue besorgt.
Lindsay trat näher und stellte fest, dass das Geräusch von einem Ast verursacht wurde. „Es ist nichts“, Lindsay schüttelte den Kopf, „Lass uns die Glühbirne austauschen.“

Am nächsten Nachmittag sah Connor, wie Lindsay alleine im Wohnzimmer saß und ein dickes Buch las. „Hey“, begrüßte er sie, Bist du alleine hier? Wo sind Peter, Jack und Sue?“
„Peter wollte angeln gehen. Er sagte hinter dem Garten gibt es einen noch größeren Teich in dem er noch größere Fische für unser Abendessen fangen will… Sue und Jack sind mitgekommen. Jack glaubt nicht, dass es dort so große Fische gibt.“ Sie lächelte ein wenig. Und Connor tat es  auch. Er wusste nicht, ob es an der Tatsache lag, dass sie alleine waren, oder weil sie ebenfalls lächelte.
Connor setzte sich vor sie auf die Couch. „Was liest du da?“
„Du stellst viele Fragen in letzter Zeit“, stellte sie fest, klappte das Buch zu und reichte es ihm, sodass er den Titel lesen konnte. Es war ein spanischer Klassiker, wie er bemerkte.
„Hat Peter dich nicht gefragt, ob du auch zum Angeln mitkommen möchtest? Ich frage, weil er mich nämlich nicht gefragt hat“, eigentlich war Connor dankbar dafür, denn er hatte eigentlich keine Lust, stundenlang an einem Teich zu sitzen um darauf zu warten, dass ein Fisch anbeißen würde.
„Naja, er hat gefragt“, antwortete Lindsay, „Aber ich hatte keine Lust, mitzukommen. Ich kann mir eine schönere Freizeitgestaltung vorstellen, als den ganzen Tag an einem Teich zu sitzen.“
Connor grinste, als sie das sagte. „Darf ich dir noch eine Frage stellen?“
„Ist das hier eine Spanische Inquisition?“, sie lächelte noch einmal.
„Warum hat er mich nicht gefragt?“, Connor lehnte sich in ihre Richtung.
„Das hat er… Indirekt. Peter wollte wissen, ob ich wisse, wo du bist als er in seiner Angelausrüstung vor mir im Wohnzimmer stand. Ich sagte ihn, ich hätte keine Ahnung“, Lindsay sah ihn an und sie ahnte, worauf er hinauswollte. „Ich dachte mir, wir sollten ein wenig Zeit miteinander verbringen.“
„Wirklich?“, Connor war überrascht, das von ihr zu hören.
Aber Lindsay verstand es völlig falsch. „Entschuldige“, sagte sie und stand eilig auf, „Ich wusste nicht, dass du… Ich wusste nicht, dass du eine Freundin hast… Tut mir leid.“
„Was? Ich… Ich habe keine Freundin!“, rief er und stand ebenfalls auf. Sie trafen im Türrahmen aufeinander. „Um die Wahrheit zu sagen, es ist großartig, dass wir Peter, Sue und Jack für eine Weile los sind um alleine zu sein. Und ich… Ich halte sehr viel von dir. Ich mag dich sehr und…“ Connor bemerkte kaum, wie er ihr ein Stück näher kam und seine Hände um ihre Taille wanderten.
„Ich mag dich auch sehr“, sie nickte und lächelte, „Du bedeutest mir viel.“
„Ja, du mir auch.“ Connor zog sie fester für einen Kuss an sich und ihnen wurde beinahe schwindelig, als sie sich zum ersten Mal küssten. Lindsay legte ihre Arme um seinen Hals. Ihr war, als würde sie den Boden unter den Füßen verlieren und einfach davonfliegen. Für immer.
„Lindsay, wir haben vier Fische…!“, rief Peter, als er die Tür aufstieß und dann wie angewurzelt im Türrahmen stehen blieb sodass Jack und Sue beinahe in ihn hineingerannt wären. Peter sah, wie Connor und Lindsay nah beieinander im Türrahmen zur Küche standen und noch immer einander festhielten. Er entschuldigte sich und marschierte mit seiner kompletten Angelausrüstung und Jack und Sue wieder aus dem Haus.

Lindsay wusch den Salat für ihr Abendessen, als Sue zu ihr in die Küche kam. „Hi“, Sue lächelte und grinste verschwörerisch.  Lindsay erwiderte ihren Gruß, ließ ihre Freundin aber nicht aus den Augen.
„Was ist los?“, wollte sie dann von ihr wissen.
„Nichts…“, Sue ging zum Kühlschrank und holte eine Dose Cola heraus. Dann setzte sie sich zu Lindsay an den Tisch. „Wir waren heute ziemlich überrascht, als wir…“
„Sag das nicht“, warnte Lindsay und hob eine Hand, „Connor und ich wissen sehr wohl, was heute passiert ist.“
„Ich glaube, Peter ist ein wenig eingeschnappt“, mutmaßte Sue, „Naja, jetzt ist er nur von Paaren umgeben. Und ich denke, er war ein wenig in dich verliebt.“
Als Sue das sagte, ließ Lindsay den Salat in die Plastikschüssel vor sich fallen. „Meine Güte“, murmelte sie. Das letzte was sie wollte, war, dass sich nun alles um sie herum verändern würde. Aber die Veränderung war bereits im Gange. Dass sie nicht für alle positiv sein könnte, hatte sie nie bedacht. „Du musst mit ihnen reden“, schlug Sue vor und Lindsay nickte. Sie wusste, dass sie Recht hatte.
„Du siehst wirklich aus, wie dein Onkel in jungen Jahren“, stellte Jack fest, der beobachtete, wie Peter auf der Couch durch ein Fotoalbum seines verstorbenen Onkels blätterte.

„Wir müssen reden“, sagte sie nach dem Abendessen ernst zu Connor. Er war hinaus gegangen um ein wenig frische Luft zu schnappen, während Levi sein Geschäft erledigte.
„Das klingt wirklich nicht gut“, stellte Connor fest. Er beobachtete aus den Augenwinkeln, wie sie sich auf das Geländer der Veranda setzte. „Ich denke, wir sollten uns ein wenig zurückhalten mit… Naja, zumindest bis wir diesen Ort verlassen haben. Peter geht es momentan nicht gut. Er trauert noch immer um seinen Onkel…“
„Was hat Peter damit zu tun?“, er legte die Stirn in Falten.
„Naja, Sue hat mir gesagt, dass er offensichtlich ein wenig in mich verliebt ist und…“
„Dann ist Sue ziemlich schlecht informiert. Peter hat eine Freundin im Hauptquartier, ihr Name ist Ella, oder so ähnlich… Ich kenne sie nicht sehr gut, aber habe die beiden schon mehrmals zusammen gesehen. Es gibt also kein Grund, dir Sorgen zu machen.“
Lindsay nickte. „Das ist schön.“ Aber aus irgendeinem Grund fiel es ihr schwer, das zu glauben. Sie musste trotzdem mit ihm darüber sprechen.
„Gut, dann macht es dir hoffentlich nichts aus, wenn ich die heutige Nacht bei dir verbringe“, sagte Connor und er konnte sehen, dass Lindsay über diese Ankündigung sehr erstaunt war.
Sie wollten noch eine Weile nebeneinander auf der Terrasse sitzen bleiben, doch dann lehnte sich Connor zu Lindsay und flüsterte ihr zu: „Ich denke, wir sollten wieder reingehen.“
„Warum?“, sie sprach genauso leise.
„Ich bin mir nicht sicher… Aber ich glaube, jemand beobachtet uns.“

„Guten Morgen, ihr…“, Peter klang am nächsten Morgen euphorisch, doch er hielt inne, als er das entsetzte Gesicht seiner Freunde sah, die sich in der Küche um den Kühlschrank versammelt hatten. Als Peter näher trat, sah er ebenfalls, dass jemand den gesamten Inhalt des Kühlschrankes aus dem Boden verteilt hatte. Das Wasser war geschmolzen und hatte das Butterpapier durchgeweicht, sodass nur eine weiche, gelbe Masse zurückgeblieben war. Und dadurch, dass der Kühlschrank vermutlich die ganze Nacht über geöffnet war, war der Motor durchgebrannt.
„Wer war das?“, fragte Peter und er hatte sofort einen Verdächtigen, „Was das Levi?“
„Levi war die ganze Nacht bei mir und Jack im Zimmer. Die Tür war heute Morgen geschlossen, als wir aufgewacht sind.“
„Vielleicht hat er die Tür wieder hinter sich geschlossen, als er zurückgekommen ist“, sagte er und bemerkte den ungläubigen Blick, den Sue und Lindsay ihm zuwarfen. „Also schön. Es tut mir Leid“, entschuldigte er sich, „Was ist mit der Hintertür? Vielleicht war es ein Waschbär, der ins Haus gekommen ist.“ Allerdings hatte Peter noch nie einen Waschbären gesehen, der die Tür eines freistehenden Kühlschranks öffnen konnte. „Wenn es einer von euch war, sollte derjenige es nun zugeben“, schlug Peter vor, aber sie alle schüttelten die Köpfe.
„Also gut. Schreibt mir eine Liste, dann fahre ich zu Wallmart und gehe einkaufen.“
„Jetzt?“, fragte Lindsay, holte aber trotzdem einen Zettel und einen Stift und schrieb einige Dinge auf, die sie unbedingt brauchten. Sie erinnerte sich an die Wallmart- Filiale direkt am Highway und Peter erklärte ihr, dass der Laden auch am Sonntagmorgen geöffnet hatte. Er ging nach draußen und warf den Einkaufskorb, den er von Sue bekommen hatte, auf den Vordersitz des Mietwagens. Dabei schüttelte er den Kopf, denn er fand den grünen Korb ein wenig peinlich.
Bevor er nun doch in den Wagen stieg und losfuhr, um neue Lebensmittel für sie einzukaufen, kam Lindsay aus dem Haus und bat ihn, noch einen Moment zu warten. „Hast du etwas vergessen?“, fragte Peter und kramte nach der Einkaufsliste.
„Nein, aber ich finde, wir sollten dringend miteinander sprechen“, sie blieb einige Meter vor ihm stehen und verschränkte die Arme vor dem Brustkorb, „Hör zu, Peter. Was du gestern gesehen hast…“
„Ich freue mich für euch, aber was ist damit?“, Peter verstand nicht.
„Also, Sue hat mir erzählt, dass… Ähm. Naja… Stimmt es, dass du mit Ella aus der EDV- Abteilung ausgehst?“, fragte sie schließlich. Sie beobachtete, wie Peters Pupillen unruhig hin und her huschten. „Ja, aber woher weiß Sue davon?“
„Ach, nicht so wichtig“, grinste Lindsay, „Connor hat es mir erzählt, weißt du?“ Sie ging einige Schritte rückwärts zum Haus, winkte ihm und Peter stieg schließlich doch in das Auto und fuhr davon. Auf der Veranda traf Lindsay auf Connor. „Und? Was hat er gesagt?“, wollte er neugierig wissen.
„Du hattest Recht. Er geht tatsächlich mit Ella aus“, antwortete sie, während sie das Haus gemeinsam betraten.

Peter war bis zum Nachmittag unterwegs. Seine Freunde vermuteten, dass in der 40 Meilen entfernten Wallmart- Filiale wohl besonders viel los war und er nur deshalb so lange brauchte, einige Lebensmittel einzukaufen. Lindsay und Connor saßen gemeinsam im Garten. Das Wetter war heute so gut, dass die Sonne schien, aber sie brauchten noch immer ihre Jacken damit sie nicht froren. Lindsay blätterte soeben eine Seite in ihrem Buch um, als von drinnen ein schmerzerfüllter Schrei erklang. Sofort schlug Lindsay das Buch zu und sie und Connor standen auf, um ins Haus zu eilen.
„Was ist passiert?“, fragte Connor. Er war im Türrahmen stehen geblieben, aber Lindsay hatte die Küche betreten. Sue hielt ihre Hand bereits unter den eiskalten Wasserstrahl des Wasserhahnes.
„Ich habe mir die Hand auf der Herdplatte verbrannt.“
Lindsay ließ ihre Hand über der Herdplatte schweben und stellte fest, dass sie eiskalt war. Aber die Brandblasen an Sues Hand logen nicht. „Der Herd ist aus. Wie hast du das gemacht?“
„Er war angeschaltet, das schwöre ich!“, rief Sue, „Die Herdplatte war glühend rot, als ich sie angefasst habe.“ Sue wollte für sie das Mittagessen kochen und hatte bereits das Gemüse geschnitten. Auch ein Topf stand bereits neben dem Herd, aber der Topf war leer.
Connor trat näher und überprüfte die Knöpfe des Herdes. Sie standen alle in der Position 0. Er versprach, dass er sich das Gerät sofort anschauen würde und nachdem Connor die Sicherung für die Küche im Sicherungskasten entfernt hatte, holte er den Werkzeugkasten, der einmal Onkel Eddie gehört hatte. Connor schob den Herd von der Wand weg. Obwohl Onkel Eddie sein Haus stets gepflegt hatte, bestand seine Küche aus einzeln zusammen gestellten Schränken und auch der Herd und der Kühlschrank waren nicht fest in die Einrichtung integriert.
„Sei bitte vorsichtig“, sagte Lindsay zu Connor. Während sie Sues Hand mit einem Verband versorgte, kam Jack herein und fragte sie, was passiert war. Er war heute alleine zum Angeln gegangen und hatte zwei Fische gefangen. Sie erzählten ihm, was passiert war und auch Jack wirkte sehr besorgt.
„Gibst du mir den Elektroprüfstift?“, fragte Connor und Jack kramte im Werkzeugkasten. Er fand den Prüfstift sofort, ergriff aber das Werkzeug, welches danebenlag und so reichte er Connor schließlich einen Schraubenzieher. „Autsch!“, rief Connor plötzlich, er ließ den Schraubenzieher fallen und sein Oberkörper schnellte fast automatisch in die Höhe, „Das war das falsche Werkzeug!“ Er hatte einen kleinen Stromschlag erhalten, den sein Handwerkerhandschuh und die Isolierung des Schraubenziehers zum größten Teil abgefangen hatten.
„Normalerweise nimmt man für solche Arbeiten auch die Sicherung raus“, murmelte Jack.
„Das habe ich. Ich war am Sicherungskasten bevor ich angefangen habe.“ Für eine Sekunde zweifelte er, ob er wirklich den richtigen Schalter umgelegt hatte und so machten sich Jack und Connor gemeinsam auf dem Weg zu dem metallenen Sicherungskasten, der auf der Rückseite des Blockhauses befestigt war. Die Sicherung für die Küche war noch immer abgeschaltet.

„Ich muss dir etwas zeigen“, Lindsays Stimme klang ernst, als sie Connor alleine in der Küche antraf. Sue und Jack hielten sich im Wohnzimmer auf und Jack versuchte, sich ein wenig um seine Freundin zu kümmern.
„Erinnerst du dich noch an die Anrufe, die du, Peter und ich neulich nachts im Hotel fast zeitgleich auf unseren Handys erhalten haben?“, wollte sie wissen und er nickte, „Ich habe mein und dein Handy überprüft. Auf unseren Handys ging um 23:59 Uhr ein Anruf von dieser Nummer ein.“ Sie zeigte ihm die Displays ihrer beiden Handys und Connor gab zu, dass er diese Nummer nicht kannte.
„Ich auch nicht. Aber jetzt weiß ich, zu welchem Anschluss diese Telefonnummer gehört. Es ist Onkel Eddies Telefonnummer. Wenn meine Vermutung stimmt, dann dürfte zum Zeitpunkt des Anrufes niemand in diesem Haus gewesen sein, denn Onkel Eddie war bereits tot. Außerdem kennt hier niemand unsere Handynummern… Also frage ich dich: Wer hat uns drei in dieser Nacht von diesem Anschluss aus angerufen?“
Ihm war durchaus bewusst, dass sie die Antwort bereits kannte. Und er wusste auch, dass sie ihm selbst nicht gefiel.

Nachdem er die Einkaufstüten auf dem Küchentisch abgestellt hatte, ging Peter ins Wohnzimmer, wo seine Freunde bereits versammelt waren. Zuerst bemerkte er den Verband an Sues Hand. Dann sah er, dass sie ihre Taschen gepackt hatten und diese bereits im Flur auf ihren Abtransport warteten.
„Was ist passiert?“, fragte Peter.
„Dein Haus ist gefährlich“, sagte Lindsay und stand auf, „Sue hat sich die Hand an einem ausgeschalteten Herd verbrannt und Connor hätte fast einen Stromschlag bekommen, obwohl er die Sicherung entfernt hat.“
„Der Herd ist einfach nur kaputt“, entschuldigte Peter sich, „Ich werde einen neuen kaufen.“
Aber Lindsay fand, dass es auch Dinge gab, die sich nicht durch ein kaputtes Elektrogerät erklären ließen: Beispielsweise die Geräusche, die sie manchmal hörte. Und dass sie sich alle beobachtet fühlten. Oder der Kühlschrank, der auf wundersame Weise geplündert worden war. Es war fast so, als wollte jemand- oder etwas- sie von diesem Ort vertreiben. Plötzlich erinnerte Lindsay sich daran, dass das Licht im Haus nicht funktionieren wollte, als sie den Lichtschalter betätigte und als Peter wenige Sekunden später selbst darauf drückte, war alles in Ordnung. Und was war mit den unheimlichen Telefonanrufen, die sie fast zum gleichen Zeitpunkt erhalten hatten? Der Spuk hatte bereits begonnen, als sie in Minnesota eingetroffen waren.
„Dieses Haus ist gefährlich“, wiederholte sie, „Und ich glaube, du weißt das genauso gut wie wir.“
„Unser Rückflug geht morgen“, Sue bemühte sich, nicht allzu aufgeregt zu klingen, während sie von der Couch zu Peter aufsah und Jack einen Arm um sie gelegt hatte, „Vielleicht können wir schon einen Tag früher fliegen.“
„Sie hat Recht“, stimmte Connor zu, „Sie braucht außerdem einen Arzt.“
Connor, Lindsay, Jack und Sue beobachteten, wie Peter rastlos im Wohnzimmer auf und ab ging. „Vielleicht sollten wir erst bei der Airline anrufen und fragen, ob wir schon heute nach Hause fliegen können, bevor wir die ganze Nacht am Flughafen verbringen müssen“, er reichte Connor sogar sein Handy und widerwillig griff er danach. Connor sprach mit einer Dame vom Service, die ihm erklärte, dass alle Abflüge aus Minneapolis bereits überbucht waren.
„Also fliegen wir morgen“, sagte Peter schließlich, als Connor das Gespräch beendet und das Handy zurückgegeben hatte.

Sie hatten sich damit abgefunden, dass sie noch eine Nacht in diesem Haus verbringen mussten. Lindsay schwor sich, dass sie in der Dunkelheit kein Auge zutun würde, aber irgendwann überwältigte sie die Müdigkeit und sie schlief doch ein.
Jemand  griff nach ihrer Schulter und rüttelte daran. „Lindsay!... Lindsay, wach auf!“, hörte sie Jack sagen und als sie die Augen öffnete, legte sich sofort ein grauer, rauchiger Schleier um sie. „Was ist los?“, fragte sie. Jack halft ihr aufzustehen, dann drehte sie sich herum, und sah, dass Connor im Bett saß und hustete. Sue brachte ihm ein Glas Wasser.
„Das Haus brennt“, antwortete Jack, „Wir haben das einzige Zimmer mit Feuermelder…“
Sie schlüpfte in ihre Schuhe und eilte um das Bett herum um Connor zu helfen. „Wir müssen hier raus, bevor wir eine Rauchvergiftung bekommen“, schlug er vor und damit waren alle einverstanden.
„Wo ist Peter?“, fragte Lindsay besorgt.
„Er ist schon unten.“ Gemeinsam mit Levi gingen sie die schmale Holztreppe hinunter und Lindsay war erleichtert, Peter an der Tür zu sehen. An seinem Gesichtsausdruck konnte sie erkennen, dass Peter keine Ahnung hatte, wie es zu dem Brand gekommen war. Levi rannte als erster an ihm vorbei nach draußen. Auf der letzten Stufe brach Sues Fuß durch das trockene Holz und sie schrie auf. „Geht ihr vor“, befahl Jack Connor und Lindsay, aber sie bleiben bei ihnen. Jack half seiner Freundin, sich aus der eingebrochenen Stufe zu befreien. „Es klappt nicht!“, jammerte Sue. Die scharfen Kanten des Holzes bohrten sich in ihre Haut. „Geht! Lasst mich hier!“
„Wir lassen dich nicht zurück“, versprach Lindsay ihr und suchte nach einem Gegenstand, mit dem sie Sues Fuß aus der Falle befreien konnte. Schließlich reichte Connor ihr einen Regenschirm. Fragend sah Lindsay ihren Freund an, doch dann steckte sie die Spitze des Schirmes in ein Loch in der Treppe und hebelte die Einbruchsstelle um Sues Fuß größer, bis Sue sich befreien konnte.
Währenddessen fragte Peter sich, warum seine Freunde noch immer inmitten des brennenden Hauses auf sie warteten. Auf dem Weg zur Tür bemerkte Lindsay, wie er zögerte und in diesem Moment stürzte der Türbalken hinter Peter zusammen. „Wir müssen zur Hintertür raus!“, rief Jack.
Aber Peter zögerte noch immer. Und sie sahen es auch. Connor und Lindsay sahen ebenfalls, dass sie noch einmal im Wohnzimmer zu stehen schienen und dort auf Peter warteten.
„Das ist eine Halluzination, Peter!“, rief Lindsay ihm zu und als er nicht reagierte, fügte sie ein nahezu wütendes „Peter!“ hinzu.
„Ich weiß nicht, ich…“, aber wenn es sich um eine Halluzination handelte, warum sahen Lindsay, Connor, Jack und Sue es auch?
„Wir müssen raus hier“, sagte Jack und schob Sue aus dem Haus, „Sonst werden wir mit dem Haus verbrennen.“
Connor nickte. Bevor er nach der Türklinke griff, hielt er inne: Er fühlte, dass das Metall heiß war, also griff er nach dem Baseballhandschuh, der in Onkel Eddies Bücherregal lag, zog ihn an und öffnete die Tür. Sue und Jack verließen das Haus durch die Küche, Connor und Lindsay blieben auf der Türschwelle stehen. „Peter, komm schon!“, rief Connor Peter zu.
„Bleib bei uns“, sagte der Connor, der mit Lindsay, Jack und Sue inmitten des brennenden Wohnzimmers stand. Sie trugen Kleidung, die an einigen Stellen mit Ruß beschmiert war.
„Ihr seid nicht real“, stellte Peter fest und ging einen Schritt zurück.
„Wieso bist du sicher, dass wir es nicht sind?“, fragte Lindsay, „Wir sind deine Freunde, Peter.“
„Nein.“ Er schüttelte hektisch den Kopf. Aber er zögerte für eine Sekunde, denn die Gestalten, sahen genau wie seine Freunde aus, jedoch gab es einen Unterschied, den er nur bemerkte, wenn er zu den Personen schaute, die wirklich seine Freunde sein mussten. Es war ihr Schatten.
„Du enttäuscht uns“, sagte Connor.
„Wir sind deine Freunde.“
„Du leugnest uns.“
„Das tue ich nicht. Ihr seid nicht real! Ihr seid nicht die echten!“, mit diesen Worten drehte Peter sich herum und beeilte sich, aus dem Haus zu kommen, bevor der Türbalken hinter ihn herunterstürzte. Der Rest des Hauses stürzte in sich zusammen und brannte lichterloh in der Dunkelheit der Nacht.

Sie beobachteten aus sicherer Entfernung, wie die Feuerwehr versuchte, das Haus zu löschen und einige kleine Brände beseitigte, die auf die nebenstehenden Bäume übergesprungen waren. Ein Ambulanzwagen war ebenfalls eingetroffen und versorgte sie mit heißem Kaffee und warmen Decken. „Eigentlich ist es schade“, sagte Peter zu Connor, „Es war ein schönes Haus.“
„Es war eine Todesfalle“, korrigierte Connor seinen besten Freund und bemerkte aus den Augenwinkeln, wie Peter einsichtig nickte. Das Feuer prasselte und strahlte eine gemütliche Wärme aus. Peter hasste diesen Gedanken, aber so war das Holz zumindest für eine Sache gut.
„Woher wusstest du, dass sie eine Halluzination sind?“, wollte Sue interessiert von Peter wissen.
„Sie haben keinen Schatten geworfen“, antwortete Peter und sah sie an, „Eine Halluzination kann keinen Schatten werfen. Ein echter Mensch kann das schon.“
Sie nickte zustimmend.
„Was machen wir als nächstes?“, fragte Peter plötzlich und schaute seine Freunde an.
„Hat er wirklich gefragt, was wir als nächstes machen?“, Jack klang ungläubig.
„Hat er.“
„Vielleicht sollten wir eine CD aufnehmen… Ich könnte „I can hear the bells“ aus den Musical Hairspray singen“, schlug Lindsay vor, „Das heißt, wenn das spannend genug für euch ist.“
Sie schienen für eine Sekunde überlegen zu müssen und schließlich nickten alle- bis auf Peter. „Das dachte ich mir“, erklärte Sue, drückte Peter ihren Kaffeebecher in die Hand und machte sich gemeinsam mit Connor, Lindsay, Jack und Levi auf dem Weg zu dem Mietwagen, mit dem sie hergekommen waren.

Fin
 
 
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