Die Iden des März

von Schafi95
KurzgeschichteAllgemein / P12
06.06.2013
06.06.2013
1
455
 
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
 
 
Gaius Iulius Caesar betrat das Theater des Pompeius. Man hatte dieses Gebäude für eine Senatssitzung auserwählt, was Caesar nur recht war. Hier gab es wenigstens so etwas wie Schatten, was an diesem schon sehr warmen Märztag für eine angenehme Kühle sorgte. Er sah sich um. Auf den Rängen des Theaters hatten sich die Senatoren niedergelassen. Einige wirkten sehr entspannt – wahrscheinlich empfanden sie den Temparaturkontrast genauso wie Caesar selbst – während andere sichtlich bemüht waren, entspannt zu wirken.
Eigentlich hätte die Senatssitzung in einem speziell dafür vorgesehenen Raum stattfinden sollen, doch dieser war als zu stickig beurteilt worden.
Wieder schweifte Caesars blick über die Senatoren, von denen einige immer nervöser zu werden schienen. Der Diktator des Römischen Reiches ahnte auch, woran dies lag. Am Morgen dieses Tages war seine Frau Calpurnia aus Alpträumen hochgeschreckt, in der festen Überzeugung, er, Caesar, würde die Senatssitzung nicht überleben. Daraufhin hatte sie den Augur Spurinna aufgesucht und war mit den Worten „Cave Idus Martias“ zurückgekehrt. „Hüte dich vor den Iden des März“, murmelte er halblaut.
Doch er hatte darauf bestanden, an der Sitzung teilzunehmen, in dem festen Wissen, dass in den Reihen der Senatoren Mitglieder einer Verschwörung gegen ihn saßen, die nur so auf seinen Tod lauerten.
Noch vor dem Eingang des Theaters war er Spurinna begegnet. „Die Iden des März sind da!“, hatte Caesar ihm verkündet. „Da sind sie, aber noch nicht vorbei“, hatte der Seher ihm geantwortet und war, ohne einen Blick zurückzuwerfen, gegangen.
Tuscheln breitete sich aus und ein paar Senatoren rutschten unruhig auf ihren Sitzen herum. Vielleicht würde er heute sterben. Aber wenn dies der Preis für seine Unsterblichkeit, sein Weiterexistieren in der Geschichte dieser Welt, war, dann sollte es so sein. Er würde den Tod freudig begrüßen, so wie er es schon vor jeder Schlacht in den gallischen Kriegen getan hatte. Er war bereit, dieses unentdeckte Land zu betreten.
Jemand vertrat ihm der Weg. Caesar musterte diesen jemand lange und eingehend von den Sandalen über die Hand, die einen Dolch fest umklammert hielt, bis hin zum nur zu gut bekannten Gesicht seines Gegenübers.
„Et tu, Brute?“, flüsterte Caesar. Dann sah er, wie Brutus seinen Dolch hob und ihn seinem Mentor in die Brust hieb. Als er ihn wieder herauszog, quoll sofort ein Schwall Blut aus der Wunde. Caesar sank langsam auf die Knie, während sich immer mehr Senatoren um ihn versammelten, um mit Dolchen auf ihn einzustechen.
Von Gaius Iulius Caesar blieb ein zerschundener Körper in einer riesigen Blutlache – und die Erinnerung an einen der mächtigsten Männer der Geschichte, der den Grundstein für eines der größten Imperien der Welt gesetzt hatte.