Berliner Platz, 17. November 2033

von drome
KurzgeschichteFantasy, Sci-Fi / P12
06.06.2013
06.06.2013
1
832
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
06.06.2013 832
 
Warum nur musste Stefan ausgerechnet an diesen Job geraten. Seit dem Einsturz der Station ist keiner mehr in den Norden der Stadt vorgestoßen. Zu groß war die Gefahr, dass die Mutanten einen Weg ins Innere der dunklen und verkommenen Schächte finden. Mit leisen Schritten und größter Vorsicht näherte er sich langsam dem Berliner Platz. Es herrschte absolute Stille. Nur der Wind gab ein leises Heulen von sich. Die flackernde Deckenbeleuchtung hatte etwas unheimliches an sich. Stellenweise zeigten die Schatten der Trümmer und Deckenreste,  grässliche Fratzen an den Wänden der Station.

Als Stefan die Station erreichte, ging der erste Blick direkt zu dem großen Trümmerhaufen am westlichen Tunnel. Die Decke war größtenteils eingestürzt und offenbarte das grausame Bild der Oberfläche. Getrocknetes Blut befleckte den ehemals gefliesten Boden und immer wieder bröckelten kleine Teile der Decke herab. Die Trümmer am Tunnel ließen nur einen kleinen Einblick in den die westlichen Schächte zu. Ein kleiner Spalt, kaum groß genug, um sich durch  zu zwängen, zeigte nichts - außer Dunkelheit. Offenbar lieferte das Kraftwerk gerade noch genügend Strom, um die nördliche Tunnelanlage ab und zu mit Licht zu versorgen. Eine Überprüfung bis zur nächsten Station Uni Essen würde wohl erstmal reichen, um den Berliner Platz wieder sicher zu machen.
Stefan zog seine P8 aus dem Halfter, richtete sie auf den Nordtunnel und ging Schritt für Schritt auf den schier endlosen Schacht zu. Die Deckenlampen schienen pulsartig Lichtstöße auf ihn abzuschießen. Immer wieder verlor Stefan die Sicht, so dass er Mühe hatte, Genaueres zu erkennen.

Er erreichte den Anfang des Tunnels und blickte in die endlose Tiefe. Nur vage konnte der Soldat in der Ferne eine alte verrostete U-Bahn ausfindig machen, die zur Seite an die Wand gekippt war. Er näherte sich sehr leise und achtete darauf, jede Ecke und jede dunkle Nische genau zu untersuchen, um keine dieser Schleimschnecken zu übersehen. Immer wieder sah er den giftigen Schleim dieser Viecher an den Wänden und achtete darauf, diesen nicht zu berühren. Kurz vor der Bahn verlief ein stillgelegter Versorgungschacht. Das Licht des Tunnels warf immer wieder Lichtstöße hinein, so dass er eben noch die von der Decke hängenden Spinnenweben erkennen konnte. Überall an den Wänden konnte man Blutflecken erkennen. Kleine Steinbrocken, Stofffetzen, leuchtende Pilze und Unmengen an diesem Schleim pflasterten den Weg. An ein weiteres Durchkommen war nicht zu denken.

Langsam schlich Stefan weiter auf dem Bahngleis entlang. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn und seine Hände wurden feucht. Plötzlich nahm er im Augenwinkel eine Bewegung wahr. Hastig drehte er sich um in Richtung U-Bahn. Seine Hände begannen zu zittern und Angst machte sich breit in ihm, während er stehen blieb und hellhörig von links nach rechts in die Bahn schaute. Er konnte nicht auffälliges sehen, bis plötzlich ein leises Stöhnen zu hören war. Es war ein grausames tiefes Geräusch, welches scheinbar direkt von der Hölle in sein Ohr getrieben wurde. Stefan wich einen Schritt zurück und sah, wie sich ein großer Schatten in der Bahn auftat. Das flackernde Licht ließ ihn jedoch nicht erkennen, was dort genau passierte. Ein leichtes Jammern kam aus seinem Mund und innerlich betete er, dass er lebendig aus dieser Situation  kommen würde.
Aus dem Stöhnen des Schattens wurde ein lauter Schrei, bei dem der Boden bebte. Ein schriller Ton, der Stefan’s Ohren fast zum Platzen brachte. Noch nie hatte er so einen grausames Geräusch gehört. Der Schatten trat ins Licht und verwandelte sich in ein Nosalis. Seine grässliche Fratze schrie immer weiter und schaute Stefan direkt in die Augen. Noch nie hatte er so ein gräßliches Monster gesehen. Er wollte schießen, jedoch versagten seine Hände vor Schock. Das Monstrum sprang aus der Bahn hoch bis zur Decke in Stefan’s Richtung und schrie dabei immer weiter ohne Luft zu holen. Noch bevor Stefan den ersten Schuss lösen konnte, erfasste ihn der Nosalis mit seiner Pranke und schleuderte ihn an die Wand. Stefan schnappte nach Luft und versuchte auf den Beinen stehen zu bleiben. Und wieder ertönt der laute Schrei des Monsters, der Mark und Bein erstarren ließ und setzte erneut zum Sprung an. Doch kurz bevor das Ungetüm den Soldaten erreichte, packte Stefan all seinen Mut zusammen und richtete die P8 auf ihn.

Aus Furcht wurde Hass und Stefan feuerte los in Richtung des Ungetüms. Die lauten Schüsse hallten durch die Tunnelschächte und das Monster fiel zu Boden, noch bevor es den Soldaten erreichen konnte. Ein klägliches und verkümmertes Fauchen drang aus ihm und das Blut floss aus seinem Körper auf den Boden und vermischte sich mit dem stinkenden Schleim der Schnecken.

Stefan beobachtete die letzten Regungen, bis das Monster schließlich in sich zusammensackte und sein Leben ein Ende fand. Mit einem tiefen Atemzug beruhigte Stefan sich, steckte seine Waffe zurück in den Halfter und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er setzte sich an die Wand, um etwas zu verschnaufen. Einige Minuten vergingen, bis sein Herzschlag sich wieder normalisierte und er seinen Weg durch den Tunnel zur Universität Essen fortsetzen konnte.

Geschrieben von Heiko Müller - 2013 ©
Review schreiben