Nightquest - Deep Shadows and Brilliant Highlights

GeschichteHumor, Schmerz/Trost / P16 Slash
Emppu Vuorinen Marco Hietala
03.06.2013
27.10.2013
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03.06.2013 1.506
 
Hey there!
Sooo, ich kann´s natürlich nicht sein lassen, eigentlich wollte ich noch ein bisschen warten hiermit, aber hey =) Ich bin einfach zu gespannt, was ihr dazu sagt. Außerdem hat Jussi angefangen, sich zu langweilen, und hat in meinem Kopf alles kaputt gemacht, deswegen muss ich ihn leider wieder auf euch loslassen.
Bedankt euch außerdem bei Lacci, die hat gebettelt, bis ich nicht länger widerstehen konnte :D
Also herzlich Willkommen zurück an alle alten Nightquest-Hasen und herzlich Willkommen an alle Neuzugänge, und ich wünsche euch allen viel Spaß beim Lesen!
glg
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2013

Kitee war nicht die größte aller finnischen Städte, aber doch eine der bekannteren. Die international gefeierte Band Nightwish hatte hier ihren Ursprung; und hier lebten die Nightwish-Musiker noch immer, von den wechselnden Sängerinnen mal abgesehen.
Tuomas Holopainen saß in seinem Arbeitszimmer am Flügel und starrte an die Wand. Das war besser, als auf die Tasten zu blicken.
Die Wand war übersät mit Bildern, Fotoartikeln und Auszeichnungen. Wo auch immer er hinsah, in diesem Zimmer blickte Nightwish zurück. Direkt gegenüber von ihm, so dass er es immer sah, wenn er Klavier spielte oder hier an neuen Songs bastelte, hing eine alte Fotografie von Tarja und ihm. Das Bild zeigte sie beide auf einer Wiese im Sommer, er hatte die Augen geschlossen und den Kopf auf Tarjas Schulter gelegt, sie hatte gerade die für sie so typische Suche nach ihrer Brille begonnen. Der Fotograf – Emppu – hatte genau den Augenblick eingefangen, in dem Tarja zu Tuomas gesehen und gelächelt hatte.
Sie sahen aus wie ein Paar. Es fiel Tuomas leicht, Songs zu schreiben, wenn er dabei Tarja in der Nähe wusste – selbst wenn sie nur auf einem Bild anwesend war.
Vorsichtig senkte der Keyboarder den Blick, starrte auf die Tasten, die er so gut kannte. Noch vorsichtiger legte er die Hände auf die Tasten und verzog das Gesicht, als die kaum verheilten Verletzungen schmerzten.
Tränen stiegen Tuomas in die Augen. Seine Hände, die einst so gekonnt und flink über die Tasten getanzt waren, waren jetzt unbeweglich und hässlich, als hätte Doktor Frankenstein versucht, ihm neue Finger anzunähen, und dabei eine Ledernadel und Wollfäden benutzt. Die Narben, noch rot und schmerzend, zogen sich von den Fingern über Handrücken und Handinnenfläche, über die Handgelenke und die Pulsadern bis zur Mitte seiner Unterarme, jede einzelne einen halben Zentimeter breit und das Resultat seines Versuches, die Welt von Tuomas und Tuomas von der Welt zu befreien. Er musste sich die Narben nur ansehen, und schon stiegen Erinnerungen in ihm auf – Erinnerungen an das Hotelbadezimmer, in dem er auf dem Boden gesessen hatte, an seine eigenen Hände, die mechanisch und brutal die Rasierklinge tief in seine Haut gebohrt hatten, an das Gefühl der Hilflosigkeit und Angst, als er die linke Hand um die Rasierklinge geschlossen und zugedrückt hatte; die Umrisse der Klinge waren noch da, in seiner Handinnenfläche, durchkreuzt von anderen Narben. Er erinnerte sich an die Kälte und daran, wie Tarja in den Raum gestürzt war und wie sie ihn zitternd und weinend auf die Stirn geküsst und umarmt hatte.
Das war alles, was er jetzt noch mit seinen Händen verband – seinen missglückten Selbstmordversuch. Er spielte nicht mehr.
Seine Hände… Was sollte er so tun? Wie sollte er jemals wieder in der Lage sein, Klavier und Keyboard zu spielen? Wie sollte er je wieder jemanden berühren – wer würde zulassen, dass er ihn berührte?
Mit langsamen Bewegungen, um die andauernden Schmerzen nicht zu vergrößern, schloss Tuomas den Deckel und fuhr sich durch die Haare. Er zog die Handschuhe an, die er jetzt immer trug, wenn er das Haus verließ, und machte sich auf den Weg in seine Lieblingsbar. Wenn er betrunken war, sah er seine Hände nicht so deutlich. Das machte alles erträglicher.

Und der Ruf eilte um die Welt: Tuomas braucht Hilfe!

Tarja ging nur an ihr Handy, weil die Nummer ihrer Mutter angezeigt wurde. Sie schaltete ihr e-Piano aus und nahm ab: „Ja?“
„Tarja, meine Liebe, ich bin´s!“, rief Marjatta Turunen, die ewig gut gelaunte Mutter der finnischen Eisprinzessin.
„Hi, Mama! Ist es wichtig? Ich sitz grad am Piano.“
„Ja, es ist wichtig. Es ist sehr wichtig. Es geht um Tuomas.“
Eine eiskalte Hand schloss sich um Tarjas Herz und drückte fest zu. Im Gegensatz zu Tuomas erinnerte sie sich nur noch verschwommen an die eine Nacht in Hildesheim, die beinahe ihre Welt zerschlagen hätte, aber woran sie sich erinnerte, war das Blut, das überall gewesen war, und die Albträume, die sie und Ville Valo regelmäßig aus dem Schlaf gerissen hatten. „Was ist passiert?“, fragte sie ängstlich.
„Oh, nichts, aber na ja…“ Marjatta seufzte. „Ich war vorgestern auf dem Weg, um zu Tiina zu gehen, und kam an unserer Bar vorbei und dachte, ich schau mal rein, ob Teuvo da ist. War er nicht, aber Tuomas war da. Ich mich also zu ihm gesetzt – er trägt ja jetzt immer diese Handschuhe, das ist ganz furchtbar – und ein bisschen geredet, ihn gefragt, wie´s ihm geht und so. Und alles, was ich aus ihm rausbekommen hab, war, dass er keinen Sinn mehr sieht. Er spielt ja nicht mal mehr Klavier!“
Tarja spürte, wie sie unkontrolliert zu zittern begann. Mit plötzlich sehr kalten Händen nahm sie die Brille ab. „Du meinst-“
„Ich meine, dass er Hilfe braucht“, sagte Marjatta. „Und du weißt ja, dass Marco und Emppu und Jukka alle mit ihren Familien weg sind, um mal eine Nightwish-freie Zeit zu haben… Und ich dachte, ich sag mal meinem berühmten Töchterchen Bescheid, immerhin bist du ja wieder relativ dicke mit ihm.“
Das stimmte so nicht, aber Tarja machte sich nicht die Mühe, ihre Mutter zu korrigieren. Sie bedankte sich für die Info und legte auf. Dann warf sie einen Blick auf die Uhr. In Finnland war es jetzt nach Mitternacht… Es war nicht ungewöhnlich, dass Marjatta um diese Uhrzeit schon oder noch wach war. Ganz anders sah das mit Ville aus.
Trotzdem rief Tarja ihn an. Sie zitterte und hatte das unangenehme Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, und in diesen Situationen half es, Villes Stimme zu hören. Dazu kam: seit Ville sich in Hildesheim und danach in Kitee mehrere Wochen lang um sie gekümmert hatte, zickte er eher selten rum, wenn sie um diese Uhrzeit anrief.
„Wasn los?“, brummte er, als er ranging. „Hast du mal auf die Uhr geguckt?“
„Tut mir Leid, dass ich dich wecke.“ Ihre Stimme war genauso zittrig wie ihr Körper.
Sofort veränderte Villes Einstellung sich – er schaltete von hundemüde und muffelig auf Tarja beschützen, ohne sich mit Verständnislosigkeit oder so aufzuhalten. „Was ist passiert?“
„Tuomas…“
„Atme erstmal durch, Kleines. Was ist mit Tuomas?“
Tarja fasste zusammen, was ihre Mutter ihr erzählt hatte. „…und du weißt ja, dass ich nicht damit klarkomme, mich an Hildesheim zu erinnern und so.“
Ville atmete hörbar aus. „Das ist natürlich scheiße jetzt“, stellte er fachkundig fest. „Pass auf. Ich möchte, dass du dir jetzt einen Tee machst und dich dann mit Marcelo aufs Sofa setzt und irgendeinen bescheuerten Film guckst, ich regel das alles hier.“
„Marcelo ist auf Dienstreise“, flüsterte Tarja. Die ersten Tränen liefen über ihre Wangen. Ein kleiner, neutraler Teil von ihr verfluchte sie für diese Reaktion – sie war eine erwachsene Frau und sollte nicht gleich Panik kriegen, wenn sie an Tuomas´ Selbstmordversuch erinnert wurde – aber der größere Teil bettelte: „Kann ich nicht nach Helsinki kommen?“
„Sekunde.“ Es raschelte, dann: „Jussi! Wach mal auf.“
Tarja hörte, wie Jussi sich aufsetzte: „Hmm? Wehe, es is keine gute Idee.“
„Was dagegen, wenn Tarja herkommt?“
„Nee, soll kommen, kann ich weiterschlafen?“
Ville lachte. „Hast du gehört, Tarja? Jussi ist einverstanden, du kannst also sein Gästezimmer haben, wenn du nicht bei mir im Turm schläfst. Aber mach dir jetzt trotzdem was Warmes zu trinken und schreib mir, wann du am Flughafen bist.“
„Danke“, flüsterte Tarja. Nur noch ein paar Stunden, dann konnte sie sich bei Ville ausweinen.

Ville indes dachte kurz nach. Dann ließ er den schlafenden Jussi alleine im Bett zurück und rief in Helsingborg, Schweden, an.
Auch Anette war nicht begeistert, geweckt zu werden. Aber nachdem Ville ihr erklärt hatte, um was es ging, sah die Sache natürlich ganz anders aus: „Okay, du passt auf Tarja auf und ich rufe Marco an und berede das mit ihm.“

Von Marco ging die nächtliche Telefonkette weiter zu Sami, der wiederum Jukka anrief, der Emppu anrief, und Emppu rief bei Ville an: „Tut mir Leid, dich zu wecken, aber ich glaube, wir könnten deine Hilfe gebrauchen.“
Ville überlegte ganz kurz, ob er das Handy aus dem Fenster werfen sollte, und entschied sich dann für die einfachere Version: „Ich hab die besseren Kontakte, Junge, ich weiß Bescheid. Ich kümmer mich drum. Und wenn mein Handy innerhalb der nächsten halben Stunde noch mal piepst, schick ich irgendwem ´ne Briefbombe.“ Immerhin hatte auch Tarja ihn aus dem Schlaf geklingelt, um zu sagen, wann sie in Helsinki ankommen würde. Der Master hatte generell einen unruhigen Schlaf, und ein ständig klingelndes Handy machte es nicht gerade besser. Natürlich konnte Emppu da nichts für; aber Ville hatte kein Problem damit, seinen Unmut an Unschuldigen auszulassen.
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