... einfach weiter Fußball spielen!

GeschichteHumor, Freundschaft / P12 Slash
Die deutsche Nationalmannschaft Werder Bremen
03.06.2013
07.04.2020
55
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Okay. Hier ist sie. Die Fortsetzung auf die meine lieben Leser alle gewartet haben. Wenn sich jemand hierher verirrt hat, der die erste Geschichte nicht kennt: Es wäre sinnvoll "...einfach nur Fußball spielen!" vorher zu lesen. Es wären sonst zu viele Fragen. Und jetzt laber ich nicht lange rum. Viel Spaß beim Lesen!
Disclaimer: Glaubt ihr wirklich ich würde meine Zeit damit verbringen solche Geschichten zu schreiben, wenn ich auch nur einem der Jungs schaden wollen würde? Ich will niemandem damit schaden. Mir gehören nur Thea, die anderen OCs, die Idee und der Plot. Und ich verdiene hiermit kein Geld. Wäre aber schön wenn es so wäre! *grins*


ein Prolog: Süßholz und Tersti

„Marko! Wir müssen zum Training!“
„ ... ja, ich dich auch.“
„Marko! Training!“
„Nein, du legst auf. ....“
„Marko!!“
„Ich hab das letzte Mal aufgelegt.“
„Sag mal was machst du denn die ganze ... Aargh!!!“
„Du legst auf.“

Das war jetzt echt zu viel für mich.
Genervt nahm ich meinem Kumpel / selbstgewählten Bruder das Telefon aus der Hand.
„HEY!“
„Sorry Marko ... Hi Mesut! Tut mir wirklich leid, aber Marko und ich müssen jetzt zum Training. Tschüss!“, sagte ich ins Telefon und drückte auf den roten Knopf.
„Komm Marko, wir müssen jetzt wirklich los. Du weißt doch, dass Thomas es nicht gerne sieht, wenn man zu spät kommt.“, wandte ich mich an meinen Bruder, der mich jetzt ganz finster ansah.
Dabei sah er allerdings mehr wie ein bockiger Schuljunge und nicht wie ein angsteinflößender Mann aus.
„Bitte, dann geh ich eben alleine.“, meinte ich augenverdrehend und warf theatralisch die Arme in die Luft.
Langsam drehte ich mich um, ging zur Tür und fing im Kopf langsam an zu zählen.
Als ich bei drei angekommen war, hörte ich Marko aus der Küche rufen: „Warte auf mich Thea!“

Mein Name ist Thea Jakob.
Ich bin 20 Jahre alt, lebe in Bremen in einer halben WG mit meinem Quasibruder Marko Marin zusammen und spiele Fußball in der Männer Profimannschaft von Werder Bremen.
Ja, ihr habt richtig gehört, ich, eine Frau, spiele bei den Männern.
Hängt damit zusammen, dass mich alle Welt für meinen Zwillingsbruder Theo Jakob hält.
Leider sind er und unsere Eltern bei einem Autounfall vor fast 18 Jahren gestorben.
Braucht euch nicht leid zu tun, ich hab es inzwischen verarbeitet und habe in Marko, den Jungs bei Bremen und in der Nationalmannschaft eine gute Ersatzfamilie gefunden.

Es wissen insgesamt sechs Personen, dass ich eine Frau bin.
Meine zwei ehemaligen Betreuerinnen Melli und Käthe aus dem Waisenhaus in dem ich aufgewachsen bin, meine nicht verwandte Eckencousine Elle (ihre Mutter hat den Sohn der Schwester meines Opas geheiratet), mein Bruder Marko natürlich und sein Freund Mesut.
Das ist ein lustiger Tag gewesen, als Mesut von meiner Weiblichkeit erfahren hat.

Es hatte eigentlich garnicht lustig angefangen.
Marko und Mesut führen seit der EM 2012 eine Fernbeziehung und wie das so ist, bei Fernbeziehungen, kommen beim ein oder anderen schon mal ein paar Zweifel auf.
Deshalb stand Mesut Anfang Oktober mit grimmiger Miene und einer Reisetasche in der Hand auf Markos 'Willkommens'-Matte ...

Flashback:

„Mesut!“, rief Marko erfreut aus und wollte seinem Freund um den Hals fallen.
Doch der Madrilene wehrte ab und ging ohne zu zögern an Marko vorbei in die Wohnung und kickte die Tür hinter sich ins Schloss.
Sie fiel laut zu.
„Wo ist er?“
„Wo ist wer?“, fragte Marko leicht verwirrt und guckte Mesut dabei zu, wie der ins Wohnzimmer stapfte.
„Teddy, wer sonst? Er ist doch garantiert wieder hier. Hab ich recht?“, grummelte Mesut und wandte sich zur Küchentür.

„Was ist denn los?“, wurde Marko immer verwirrter und besorgter.
Mesut öffnete die Küchentür und blieb im Rahmen stehen.
Ich stand am Herd und achtete darauf, dass das Fleisch nicht anbrannte.
Beim Geräusch der aufgehenden Tür hatte ich mich umgedreht und lächelte Mesut jetzt überrascht an.
„Hey Mesut! Das ist ja eine Überraschung. Hallo!“, begrüßte ich ihn.
Der Mittelfeldspieler beachtete mich aber nicht weiter und drehte sich mit anklagender Miene zu Marko um.

„Jetzt kocht er sogar schon für dich?“, fuhr er meinen Bruder an.
'Was geht denn jetzt ab?', fragte ich Marko nur mit einem Blick.
'Ich hab keine Ahnung.', antwortete der blonde mir auch nur mit einem Blick.
„Ahaaa!!! Ich hab euch also erwischt! Euer Schweigen hat euch verraten.“, wechselte Mesut in einen grimmig-triumphierenden Tonfall.
„Wovon zum Teufel redest du?“, wollte ich jetzt wissen.
Ein Zischen im Hintergrund verriet mir, dass ich den Herd ganz schnell ausmachen musste.

„Wovon ich rede? Seitdem Marko und ich aus unserem Urlaub zurück gekommen sind, verbringe ich meine Zeit in Spanien damit, mich nach meinem Freund zu sehnen, auf seinen nächsten Anruf zu warten und selber anzurufen. Und du hast nichts besseres zu tun, als dich mit deinem BRUDER zu vergnügen. Himmel ihr lebt schon fast zusammen und er KOCHT für dich!!“, redete Mesut sich in Rage.
Marko war zu perplex um darauf etwas zu antworten und ich musste das Fleisch wenden.
Aber sowas bescheuertes hatte ich noch nie gehört.
Wie kam Mesut nur auf so eine beknackte Idee?
Wer hatte die beiden denn zusammen gebracht?
Das bin ja wohl ich gewesen!
Und ausserdem: Marko war schwul und ich eine FRAU!
Aber das wusste Mesut ja nicht.

„So verhält man sich nicht unter Brüdern!“, giftete Mesut und Marko ballte seine Hände zu Fäusten.
Was dann folgte war ein Streit sondergleichen, den ich nur fassungslos beobachten konnte.
Mein Essen hatte ich zum Glück schon auf die Teller verteilt.
„So einen Schwachsinn hab ich ja noch nie gehört!“
„Schwachsinn??? Warum gibst du nicht einfach zu, dass Teddy KEIN Bruder für dich ist?!!“, schrie Mesut Marko ins Gesicht.
Mir reichte das jetzt.
„Du hast Recht Mesut. Ich bin kein Bruder für Marko.“, sagte ich mit normaler aber sehr fester Stimme.
Die beiden Streithähne verstummten augenblicklich und drehten sich zu mir um.
Mesut mit finsterer Gewissheit und Marko mit verblüffter Besorgnis im Gesicht.

„Ich bin nicht Markos Bruder. Ich bin seine Schwester.“, sagte ich trocken aber ehrlich und ließ Mesut keine Sekunde aus den Augen.
Plötzlich fing der Junge an zu lachen.
„Ja sicher! Als ob ich so einen Quatsch glauben würde.“, gackerte er und beugte sich vor Lachen nach vorne.
Marko warf uns abwechselnd beängstigte Blicke zu.
Ich runzelte die Stirn über Mesuts Verhalten.
Anscheinend brauchte der junge Mann einen heilsamen Schock.

„Es ist also Quatsch, was ich erzähle, ja?“, fragte ich leicht gereizt.
Mesut nickte und wischte sich die Lachtränen aus den Augen.
„Dann erklär mir diesen Quatsch!“, sagte ich schlicht und zog im gleichen Moment meine Jogginghose und meine Unterhose aus.
Mesut erstarrte mitten in der Bewegung.
Er blinzelte einmal.
Zweimal.
Dann weiteten sich seine Augen auf Tellergröße.
Genau zwei Sekunden später verdrehte er sie nach oben und fiel in Ohnmacht ...

Flashback Ende


Ich zieh ihn heute noch gerne damit auf.
Tja ... und dann ist da natürlich noch die sechste Person.
Mein heimlicher Schwarm Marc-André terStegen.
Mit dem ziehen Marko und Mesut mich immer auf.
Ist besonders toll, wenn ich gerade versuche mein Schulzeug durchzugehen.
Ich mache nämlich gerade mein Abitur nach und Ende nächsten Jahres hab ich Prüfungen.
Da ich ab und zu zu meinen Kursen auf eine Schule in Hamburg musste, hatten die Medien in den letzten Wochen immer mal wieder wunderbare Wechselgerüchte in die Gegend gestreut.
Ich durfte dann immer wieder versichern, dass es nur um mein Abi ging und ich niemals zum HSV oder zu St.Pauli wechseln würde.
Nicht dass ich was gegen diese Vereine hätte, aber ... naja die bremer Jungs waren echt schon zu meiner Familie geworden und irgendwie übernimmt man diese Rivalität ja doch.
Aber wirklich nur sehr gering.
Ehrlich!

Jetzt waren Marko und ich jedenfalls zu Fuß auf dem Weg zum Training.
Er guckte mich ab und zu immer noch grimmig an und ich konnte mir ein kleines freches Grinsen nicht verkneifen.
Diese Telefonate waren aber auch nervig und er hatte das Auflegen absolut verdient.
So betraten wir dann auch die Kabine, wo schon munteres Treiben herrschte und die Jungs fröhlich durcheinander quaselten.
Oh und sie konnten fröhlich sein, wir waren immerhin Tabellenführer.
Obwohl die Bayern dieses Jahr wirklich hammermäßig spielten, waren wir vor ihnen.
Und wir waren bisher auch die einzigen die die auf dem Spielfeld schlagen konnten.
Naja ... schlagen ... wir haben sie fertig gemacht!

Flashback:

Es war der letzte Samstag im September, als wir zu Hause gegen München antreten mussten.
Zu diesem Zeitpunkt waren wir mit den Bayern punktgleich in der Tabelle, wobei sie um drei Tore das bessere Torverhältnis hatten.
Manuel war inzwischen doch zum FCB gewechselt und hielt seinen Kasten wirklich gut sauber.
Trotzdem hatte auch er nichts gegen die bremer Traumkombinationen in der Hand.
Aaron, Arno, Nils und Marko waren ein perfekt eingespieltes Team und wenn auch noch Clemi und ich mitmischten, hatten die Gegenspieler vor uns noch mehr Angst als vor Barcelona.

Jedenfalls fegten wir die Bayern an diesem Tag mit 5:0 vom Platz.
Die Jungs und ihre Fans guckten nach dieser Niederlage ziemlich bedröppelt aus der Wäsche und besonders Manuel wirkte sehr niedergeschlagen.
Ich konnte nicht anders, ich musste zu ihm gehen.
Meine schadenfrohe Seite wollte ein bisschen Spaß haben.
„Hey Teddy.“, meinte er, als ich mich neben ihn kniete.
„Anscheinend hast du mir etwas wichtiges verschwiegen, als du vor einem Jahr mit mir über Wechsel gesprochen hast.“, stellte er mit schmerzlichem Lächeln fest.
„Ja, hab ich.“, antwortete ich nur und nickte.

„Ich habe dir nicht gesagt, dass ich Dennis versprochen habe, jeden möglichen Titel zu holen. Und solange ich bei Bremen bin, wird kein anderer Club Deutschlands die Meisterschaft oder den Pokal gewinnen, wenn ich es verhindern kann.“
Manuel guckte daraufhin ziemlich beeindruckt aus der Wäsche und machte wortlos den Mund auf und zu.

Flashback Ende


Seid nicht böse mit mir.
Ich habe nunmal Spaß dabei, die angeblich besten im Fußball zu schlagen.
Mir hat es Spaß gemacht die Spanier im EM-Finale in Rekordhöhe zu schlagen.
Mir hat es Spaß gemacht Chelsea London im UEFA SuperCup platt zu machen.
Und es hat mir Spaß gemacht den FC Barcelona in den CL Gruppenspielen auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen.

Was mir keinen Spaß macht, ist Markos ewiges Süßholzgeraspel.
Das ist echt ätzend und geht mir sowas von auf den Keks, dass ich ihm mindestens einmal täglich sage, er soll nach Spanien wechseln.

„Hey Teddy! Was guckst du denn so komisch?“, riss mich ein grinsender Arno aus meinen Gedanken.
„Es ist noch eine Woche bis zur Winterpause. Eine Ganze Woche!!“, stieß ich verzweifelt hervor und brachte die Jungs damit zum Lachen.
Ihnen war allen klar, worauf ich anspielte und womit mein Bruder mal wieder das Telefon blockiert hatte.
Mit einem kleinen Grinsen streifte ich mir mein Trikot mit der Nummer 11 und der Aufschrift 'Werder Fans' über den Kopf.

Dieser Ausdruck 'Werder Fans' war quasi unser Trikot-Sponsor.
Eigentlich hätte 'Wiesenhof' das werden sollen, aber da hatte ich was dagegen gehabt.
Deswegen hatte ich, nachdem ich davon durch Zufall Wind bekommen hatte, sämtliche mir zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung gesetzt und über Zeitungen, Fernseher, Radio und Internet unsere Fans zu einer Reaktion aufgerufen.
Auch meine Mitspieler hatte ich zum Mitmachen überredet und letztendlich war so viel 'Sponsor'geld zusammen gekommen, wie Wiesenhof nicht in zwei Jahren zur Verfügung gestellt hätte.
So hatten die Verantwortlichen bei Bremen genug Zeit einen vernünftigen Trikotsponsor zu finden.
Die Fans freut es immer noch und die Medien hatten auch wieder ihre Schlagzeilen.
Und dieses Mal fand ich das auch völlig in Ordnung. *grins*

„Und? Freust du dich schon auf das Spiel gegen Gladbach am Freitag?“, wollte Miele grinsend von mir wissen.
Der Junge vertrat zur Zeit Tim, weil der sich beim 'Aus-dem-Bus-steigen' den Fuß gebrochen hatte.
Ausserdem standen die Zeichen bei unserem eigentlichen Stammtorhüter eh auf Wechsel.
Er wollte ein neue Herausforderung oder so.
„Und wie Teddy sich auf das Spiel freut. Besser gesagt: auf jemanden im Spiel.“, grinste Marko frech.
Das war seine kleine Rache für das Beenden seines Telefonats.

„Halt die Klappe Marko!“, grummelte ich und guckte ihn ganz finster an.
„Wuah! Rette sich wer kann! Teddy setzt seinen Todesblick ein!“, machte sich Clemens über mich lustig und stolperte ein wenig wahnsinnig durch die Kabine.
Ich warf ihm ein Handtuch an den Kopf.

Das Spiel gegen Gladbach war so eine Sache.
Mein Frauenherz schlug bei dem Gedanken an deren Torhüter natürlich höher.
Aber meine Fußballerseele regte sich darüber auf, dass ich es nicht mehr hinbekam gegen Tersti ein Tor zu schießen.
Egal wie unhaltbar ich den Ball auch schoß, der Junge wehrte jedesmal ab.
Das hatte ich im Training zur EM '12 und auch im Training bei der U21 Nationalmannschaft festgestellt.
Deswegen wollte ich in einem richtigen Spiel garnicht erst den Versuch starten.

In der U21 bin ich übrigens, weil ich mich mit Herrn Jogi Löw zerstritten habe.
Kurz vor dem EM-Finale gegen Spanien war die Lage zwischen uns eskaliert und als ich dann im Finale selber seine Taktik über den Haufen geworfen und den Jungs erklärt habe, was sie tun mussten um zu gewinnen, war der Ofen völlig aus.
Die offizielle Pressemitteilung hieß, dass ich den Wechsel in die U21 wollte, weil ich vom Alter her nicht mehr viele Chancen hatte einen U-Titel zu holen.
Aber in Wahrheit ging mir nur der Löw auf den Keks.
Leider hatte der Trainer auch andere Spieler für ihre Aufmüpfigkeit im Finale bestraft.
Arne und Clemi hatte er komplett aus der Mannschaft geworfen.
André, Lewis, Luigi und Marc-André hatte er in die U21 verbannt und Jojo und Marko wurden trotz Spitzenleistungen zur Zeit einfach nicht nominiert.
Das brachte ihm den Zorn von Mats und Mesut ein, die in der Öffentlichkeit keinen Hehl aus ihrer Unzufriedenheit machten.

Dem Bundestrainer fehlten für all diese Nichtnominierungen vernünftige Erklärungen.
Im Bezug auf die Wahrheit waren ihm ja die Hände gebunden.
Wenn er öffentlich erklärt hätte, was genau vor sich ging, wäre auch rausgekommen, dass der EM-Titel-Gewinn nicht sein Verdienst gewesen ist.
Dann hätte er seinen Trainerposten gleich aufgeben können.
Obwohl ... jetzt lief es ja auf das selbe hinaus.
Weil er seine Entscheidungen nicht gut begründen konnte, sank sein Beliebtheitsgrad mit jedem Tag der verging weiter in den Keller.

„Sagt mal, was macht ihr denn so lange hier drin?“, stand aufeinmal Thomas Schaaf in der Tür.
„Kaffeekränzchen!“, grinste Clemi unseren Trainer an und zog Arno hinter sich her aus der Kabine.
Wir andern folgten lachend.
Das Training lief auch mit Mütze, Schal und Handschuhen so gut wie schon die ganze Hinrunde und es gab auch wieder viel zu Lachen
Auch unser Trainer, der eigentlich ein recht ernster und ruhiger Zeitgenosse war, ließ sich von unserer ausgelassenen Stimmung anstecken.

Ein paar Tage später fand das Spiel in Gladbach statt.
Jojo und Marc-André gaben Marko und mir in den Katakomben einen freundschaftlichen Handschlag, wobei ich eine gewisse Röte in meinem Gesicht nicht verhindern konnte.
Auch die anderen drei U21-Spieler begrüßte ich mit kurzem Handschlag.
Und dann war Anstoßzeit.
Gladbach war nicht schlecht, sie waren ja nicht umsonst auf dem fünften Tabellenplatz, aber trotzdem dominierten wir das Spiel.
Nur am Abschluss haperte es noch gewaltig.
Tersti hielt heute aber auch wieder astrein.
Und ich lieferte in der ersten Halbzeit keinen einzigen Torschuss ab.
Er wäre doch sowieso nicht reingegangen.

Unsere Fans bemerkten das natürlich.
Als der Schiri zur Pause abpfiff, konnte man aus der bremer Gästekurve ihr typisches Lied hören, das sie seit dieser Saison immer für mich sangen, wenn sie Lust hatten.
Es war das Intro von einer Animeserie über Fußball:
„Keiner kann ihn bremsen.
Keiner macht ihm was vor.
Immer der richtige Schuss.
Immer zur richtigen Zeit.
Super Fußball, Super Fußball.
Fairer Fußball, Fairer Fußball.
Er ist unser Torschützenkönig und Held!“

Das sangen die Fans immer und danach schrien sie: „Teddy Jakob!“
Marko grinste über das Lied und setzte sich neben mic auf seinen Platz in der Kabine.
Als die Mannschaft komplett war, stellte Thomas sich vor uns und sagte genau einen Satz.
„Teddy, ich möchte bitte, dass du öfter mal auf's Tor schießt.“
Ich schaute ihn von meinem Platz aus an und nickte langsam.
Innerlich biss ich mir auf die Lippe und murmelte 'Mist, Mist, Mist.' vor mich hin.
Das konnte doch nicht klappen!
Marko warf mir einen wissenden Blick zu und flüsterte mir ins Ohr: „Keine Sorge, er wird nicht immer in der Lage sein, deine Bälle zu halten.“
Dein Wort in Terstis Ohr Marko!

Die zweite Halzeit fing an.
Und ich musste mich erst richtig überwinden, um endlich einen Torschuss zu versuchen.
In der 56. Minute schnappte ich mir den Ball von Jojo, der gerade einen Konter gestartet hatte und dribbelte in Richtung Terstis Tor.
Ich war in voller Fahrt und wollte gerade zu einem meiner Torschüsse Schwung holen, als mich plötzlich und ohne Vorwarnung einfach der Mut verließ.
Ich entschied mich um.
Und anstatt von meiner nahezu perfekten und freien Position halb links vor dem Tor zu schießen, passte ich den Ball zu Nils in die Mitte, der ihn leider nicht gut traf und voll über das Tor zimmerte.

Als ich das nächste Mal, in der 71. Minute einen Vorstoß nach vorne wagte, war leider keiner meiner Mitspieler in guter Position.
Ich musste es leider selber zu Ende bringen.
Die Verteidigung von Gladbach hatte ich schon hinter mir gelassen und nur noch Tersi verstellte mir den Weg auf's Tor.
Ich konnte es nicht.
Irgendetwas in mir weigerte sich, den Schuss auszuführen.
Ich drehte vom Tor ab und wollte weiter nach links laufen, als ich eine Berührung an meinem Fuß spürte, völlig überrascht die Balance verlor und im Gras landete.
Ich konnte den Pfiff des Schiris und den Jubel der bremer Fans hören.
Anscheinend hieß es Elfmeter.

Als ich mich aufsetzte und mich umguckte, kniete Tersti schon neben mir und fragte: „Ist alles in Ordnung mit dir?“
Ich nickte und konnte hinter dem Torwart, den Schiedsrichter auf uns zulaufen sehen.
Er wurde von ein paar Spielern begleitet und er hatte seine Hand an seiner hinteren Hosentasche.
Der wollte doch nicht wirklich eine rote Karte ziehen oder?
Schneller als gedacht, war ich wieder aufgestanden und half Tersti auf die Beine.
Fast im selben Augenblick war der Schiri mit den Spielern bei uns.
Und bevor einer der Jungs etwas sagen konnte, meldete ich mich zu Wort.

„Das war keine Notbremse. Ich war doch garnicht auf dem Weg zum Tor. Ausserdem ist doch die Nummer drei noch nachgelaufen und stand im Tor. ter Stegen war nicht der letzte Mann und der Elfmeter ist doch schon Strafe genug.“, sprudelte es aus mir heraus.
Die Gegenspieler hinter dem Schiri guckten mich sprachlos und mit großen Augen ungläubig an.
Der Schiedsrichter musterte mich nachdenklich.
„Das stimmt. Von der Mittellinie sah es genau so aus, wie Teddy das beschrieben hat.“, erklang Clemis Stimme und mein Mannschaftskapitän tauchte mit Arno und Marko im Schlepptau bei uns auf.

Wenn die gladbacher Jungs vorher schon ungläubig geguckt hatte, dann war das kein Vergleich zu jetzt.
Ihre Münder klappten auf und wären auf dem Boden gelandet, wenn sie Zeichentrickfiguren gewesen wären.
Auch Tersti und der Schiri wussten anscheinend erstmal nicht was sie dazu sagen sollten.
Passierte nicht oft, dass sich die halbe gegnerische Mannschaft für den eigenen Torwart einsetzte.

Schließlich traf der Schiedsrichter doch eine Entscheidung.
Er gab den Elfmeter, aber keine Karte.
Ich atmete erleichtert auf und zeigte Nils an, dass er den Elfer schießen sollte.
Normalerweise war ich die Nummer eins für Strafstösse, aber zum einen ließ man nur ungern den gefoulten Spieler schießen und zum anderen glaubte ich heute nicht daran, ein Tor zu schießen.
Der ExCottbuser – Bayernleihspieler versenkte den Ball dann ganz cool im linken unteren Eck, wobei Tersti noch mit den Fingerspitzen dran kam.

Die Gladbacher schoßen aber zehn minuten später den Ausgleich.
Sebastian war von Patrick Hermann ausgetrickst worden und der hatte den Ball über Miele ins Netz gelupft.
Jetzt stand es 1:1 und die Rufe der Fans nach mir wurden immer lauter.
Auch meine Kollegen, ausser Marko und Clemi, schauten mich immer auffordernder an.
Aber sie wussten ja nicht, dass ich kein Tor gegen Tersti schießen konnte.
Nur Marko und Clemi waren dabei gewesen, als mir das bei der EM zum ersten Mal passiert war.

Vielleicht mussten die Jungs und die Fans mich wirklich erstmal scheitern sehen, bevor sie es verstanden.
Also startete ich in der 86. Minute den erneuten Versuch auf Terstis Tor zu schießen.
Ich hatte die Verteidigung auch schon ausgetanzt.
Und ich wollte so gerne schießen.
Und konnte es wieder nicht.
Statt die Kugel richtung Tor zu ballern, kickte ich sie hinter mich und hoffte mit allem was ich hatte darauf, dass irgendeiner meiner Kollegen mitgelaufen war.
Und tatsächlich hatte ich mehr Glück als Verstand.
Arno war da und versenkte den Ball entgültig im Netz.

2:1 und ich war so froh, dass ich ihm um den Hals fiel und in einer Tour 'Danke, danke, danke!' in sein Ohr krächzte.
Der Junge guckte leicht verwirrt aus der Wäsche, strubbelte mir dann aber einfach durch die Haare und setzte mich wieder auf dem Boden ab.
Das Spiel endete dann auch mit 2:1 für uns und ich war froh, als ich mich in die Kabine zurück ziehen konnte.
Dort wartete ich dann still auf die anderen Spieler, die sich noch bei unseren Fans in der Gästekurve bedankt hatten.

Als Marko mit unseren Kollegen in die Kabine kam, ging er sofort zu mir und nahm mich in den Arm.
Und irgendwie war das gerade genau richtig.
Tief atmete ich den Geruch von Kuscheltieren, Schokolade und einem Hauch Vanille ein.
„Alter, was ist denn mit dir los? Warum schießt du nicht mehr auf's Tor?“, fragte Arno in seiner typischen, leicht abweisenden Art.
Ich konnte aber ganz deutlich seine Besorgnis darunter heraus hören.
Clemi übernahm zum Glück das Antworten für Marko und mich.

„Teddy ist auch nur ein Mensch. Und jetzt lasst das Thema bitte.“, sprach Clemi ein Machtwort als Kapitän und die Mannschaft gehorchte.
Ich war ihm sehr dankbar und zog mich um.
Später an diesem Abend folgte noch ein Brudergespräch mit Marko, in dem er mir erklärte, dass alles nur halb so doppelt war und er mich verstehen konnte.

Am 18. Dezember kam der FC Bayern für das DFB-Pokal Achtelfinale zu uns nach Bremen und ich schenkte Manuel einen Dreierpack ein.
Alle Zweifel und jede Kritik die nach dem Gladbachspiel auch nur ansatzweise an mir aufgekommen war, wurde somit im Keim erstickt und ausserdem kamen wir auch noch im Pokal weiter.
Und Marko konnte in der Winterpause endlich zu seinem heißgeliebten Mesut nach Madrid fliegen.
Und ich hatte endlich mal für eine Woche Ruhe.


Ich hoffe es hat euch gefallen! Über Reviews würde ich mich freuen. Und falls sich jemand übder den Spitznamen Tersti beschweren will, dann soll der-/diejenige doch einfach einen besseren auspacken.
Das Fan-Lied ist der Vorspann von "Die tollen Fußballstars".
Und bevor ich das wieder vergesse, hier ein Link bei dem ihr euch garantiert den Arsch ablacht:
http://www.youtube.com/watch?v=rHJOug04W_A
Das nächste Update kommt frühestens Ende Juni, aber eher erst im Juli.
Bis dahin, eure Susi-vanderPaar!!
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