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Das Lied des Drachen

von Nerror
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
Damian / Der Verdammte Zauberer Zandalor
01.06.2013
24.08.2013
4
6.580
 
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1 Review
 
01.06.2013 1.685
 
Und hier bin ich wieder mit einem neuen Kapitel. Danke noch mal an euch drei (Shadowstorm, TheDivnitiy und Syvina) für die netten Kommentare. Viel Spaß beim Lesen.
PS: Die Kapitelnamen haben nichts mit der Storyline zu tun und sind nur Titel von Songs, die ich während dem Schreiben immer wieder gehört habe.
Lg, Nerror

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Zeit, dieses störrische und unbeugsame Ding, hatte in dem Inneren dieses blinden und stummen Turmes eine völlig andere Bedeutung. So mochte sie außerhalb der rissigen, schwarzen Mauersteinen rasen und toben wie ein bockiges Getier, in den Gemächern der Drachenritterin floss sie nur träge dahin, das Gold der Sonne nahm zu, nahm ab, wurde erst zu strahlendem Platin, färbte sich langsam dunkler, brennendem Kupfer gleich, ehe es verblasste, bleich und silbrig wurde, der Mond sein narbiges Antlitz zeigte.



Das Chaos ward schnell beseitigt, die zerstochenen Vorhänge, hatten sie sich in der Nacht doch aufgebauscht wie verräterische Schatten, waren von Dienern ausgetauscht worden, die Drachenritterin fragte sich, wieso. Diese zerstochene, chaotische Atmosphäre hätte doch so viel besser zu ihr gepasst als das glatte, elegante. Makellos. Es schien, als wollte sie alles verspotten. Hier, in diesem Gemach. In dem einst der berühmteste und zugleich auch rätselhafteste aller Magier residierte, Maxos höchstselbst, ehe er verschwand, ohne auch nur eine Spur zu hinterlassen. Sie war nicht makellos, nicht elegant. Alles an ihr war sehnig, zum Kämpfen trainiert, seit sie alt genug war um laufen zu können. So hatte man es ihr zumindest erzählt, nachdem sie sich einem Ritual unterzogen hatte, das nie für das fragile Gewebe der menschlichen Seele geschaffen war, niemals vollendet wurde.



„Herrin.“, lautlos war Sassan an sie herangetreten. Die weiße, verschwitzte Seide hatte die Drachenritterin schon längst gegen eine zerschrammte, zerkratzte Rüstung aus mattem, gebrüsteten Metall und dunklem Leder eingetauscht, die Schwerter, welche sie immer auf dem Rücken trug, locker gegen das Geländer des Balkons gelehnt, immer bereit zum Kampf. Sie sah Sassan fragend an, die langen, schwarzen Wimpern hoben sich deutlich vor dem glänzenden Silber ihrer Augen ab.



„Was gibt es, Sassan?“, die Drachenritterin klang müde, nicht aus Mangel des Schlafes, sie klang müde, weil sie in ihrem Turm vor sich hin vegetierte, unwissend was in der Außenwelt geschah. Von den wenigen Botenfalken einmal abgesehen, die meist nur unzureichende Nachrichten mit sich widersprechendem Inhalt brachten. Doch nicht so heute, mochte die Nacht schrecklich gewesen sein, der Tag schien alles in seiner Macht stehende tun zu wollen, es besser zu machen. Sassan streckte der Drachenritterin einen versiegelten Umschlag entgegen. Das Symbol von Aleroths Champions, eine stilisierte Faust, welche eine Schlange gepackt und gewürgt hielt, abgerundet durch einen Lorbeerenkranz, deutlich stach in dem kostbaren, goldenen Siegelwachs hervor. Gold. Jener Wachs der so schwer herzustellen und vor allem so dekadent war, dass er nur auf besonders wichtigen Briefen genutzt wurde. „Hätte es nicht auch das normale Wachs getan?“



Langsam streifte die schwarzhaarige Frau ihre gepanzerten Handschuhe ab. Das Papier fühlte sich schwer an, edel. Hätte nicht eindeutig auf dem Papier gestanden, dass es für sie bestimmt wäre, so hätte die Drachenritterin das Schreiben schon längst von sich geworfen. Viel zu glatt und schön. Ein Hohn, ein spöttischer Fingerzeig auf ihr vernarbtes Äußeres. Widerwillig brach sie das Siegel, entfaltete das blütenweiße Papier und starrte entsetzt auf die verschlungene Schrift. Ohne ein weiteres Wort zerknüllte die Drachenritterin das Schreiben, stopfte es in ihre lederne Tasche, befestigt am Gürtel und eigentlich zum aufbewahren von Heiltränken bestimmt und jagte, als wären sämtliche Generäle des Schwarzen Ringes hinter ihr her – was eigentlich ein schlechter Vergleich war, immerhin entsprach dies der Wahrheit – zurück in ihr Gemach. Sassan sah verwirrt zu, wie ihre Herrin und Freundin sich das lange, filzige Haar mit einem Lederriemen zu einem schlampigen Zopf bändigte und einen Helm auf zog, der ihr Gesicht wie eine eiserne Maske versteckte. Die silbernen Augen funkelten zornig, die bleichen Lippen waren zu einem wütenden Strich zusammen gepresst.



„Herrin-?“, jeder Ansatz von Seitens Sassans, herauszufinden was der Grund für dieses übereilte Hetzen war, wurde mit einem kalten, wütenden Blick zum Scheitern verurteilt. Stattdessen schnallte sich die Drachenritterin ihre Schwerter auf den Rücken und packte Sassan an den Oberarmen.



„Ich muss einem gewissen Zauberer mal eben den Kopf gerade rücken.“, knurrte die schwarzhaarige Frau eindeutig gereizt. Sie umarmte Sassan kurz, ehe sie mit einer Eleganz, einer katzenhaften Geschwindigkeit erst auf das Geländer, dann von jenem sprang. Kalt und gierig zerrte der Wind an ihrer Gestalt, warf sie hin und her. Die Drachenritterin genoss für einen winzigen Moment das Gefühl von freiem Fall, dann begann ihre Gestalt zu flimmern, sich zu verzerren, einem Trugbild bei großer Hitze gleich. Mächtige Schwingen bezwangen den Wind, brachten den majestätischen, rotgeschuppten Körper höher, immer höher in den Himmel. Das Licht der Sonne brach sich auf zerkratzten, stählernen Platten einer Rüstung, welche sich wie eine zweite Haut an den Leib dieses prächtigen Drachen schmiegte. Ein kurzes Brüllen und ein kleiner Flammenstoß, dann war dieses herrliche, gefährliche Geschöpf in den Wolken verschwunden.



Matte Dunkelheit, nur vage Schemen. Stinkendes Stroh in der einen, eine wackelige Pritsche in der anderen Ecke. Abgenagte Knochen, eindeutig vom Menschen stammend, Essensreste, ungenießbar und von pelzigem, grünen Schimmel überzogen. Rostige Kettenglieder und schroffer Steinboden. Gestank dominierte die Zelle, nur fahles, rotes Licht fiel durch dicke Gitter. In dem diffusen Halbdunkel flammten auf einmal Augen auf, rot und von schwarzem Metall umrahmt, Sehschlitze in einem Helm, der von Stacheln und kleinen Schwingen aus Metall an den Seiten geschmückt war. Das Gesicht unter dem Helm, war es doch nicht zu erkennen, musste das eines Mannes sein, klang doch die Stimme männlich. Sie schwang heiser, spöttisch durch die Gedanken des Zuhörers.



„Meine Geschichte, die Wiederherstellung meines Schicksals, beginnt mit einem geheiligten Paladin, welcher, verblendet von seinen bisherigen Siegen, einen Nekromanten verfolgte. Dieser Paladin und seine Kumpanen hatten eine Erfolgssträhne in ihrem sinnlosen Kampf gegen den Schwarzen Ring genossen. Diese dummen Trottel – diese Kinder mit Schwertern – dachten nicht einmal daran, dass ihnen jemand ebenwürdig oder gar übermächtig war.“



Lachen, heiser und spöttisch, hallte ungehört durch die enge Zelle. Metall knarrte und knirschte, als sich die Gestalt langsam aufsetzte. Das Holz der Pritsche knarzte unter dem Gewicht. Doch das hielt den Mann nicht davon ab, ungehört, in Gedanken versunken, weiter zu sprechen.



„Sie lagen falsch. So falsch. Bald schon wurde das Lächeln von ihren selbstbewussten Gesichtern gewischt, verfolgten sie doch einen Nekromanten. Der Magier war mächtig, er beschwor den Erzdämon Samuel. Eine durchaus gewagte Beschwörung, denn Samuel seinen Willen auf zu zwingen, ist ein Akt der Unmöglichkeit. Doch leider, zu meinem großen Bedauern, erwies sich der Dämon als höchst nützlich. Diese armen, geheiligten Paladine waren keine Kontrahenten für Samuel, reichte ihm doch ein Fingerschnipsen um diese Kinder, welche Krieg spielten, zu vernichten, ich hörte man brauchte Wochen um das angerichtete Chaos zu beseitigen.“



Der Mann, dieser schwarze Ritter seufzte auf. Er erhob sich langsam von der wackeligen Schlafstätte und wanderte vorsichtig durch den Raum, schien seinen gepanzerten Beinen nicht zu trauen, zu Recht, knickte er doch einige Male um.



„Wie auch immer, Samuel ließ einen von ihnen am Leben. Er lässt immer einen am Leben, immerhin macht Foltern ja nur halb so viel Spaß, wenn das Opfer bereits tot ist. Samuel sperrte den überlebenden Paladin in seiner Zitadelle in der Dämonenwelt Nemesis ein, wo Samuel seine Fantasien von Folter an seinem Langzeitgast ausprobierte…“



Das Bild, die Vision in ihrem Kopf verschwamm, zerbrach erst in tausende von scharfkantigen Scherben und dann in winzige Staubkörner. Die Drachenritterin schüttelte ihren Schädel, geriet durch diese ruckartige Bewegung aus ihrer Flugbahn und kämpfte einige Atemzüge mit Windströmen, ehe sie wieder in jenen hinein fand, der sie direkt nach Aleroth tragen würde. Hoch oben am Gestirn des Himmels und verborgen von Wolken, so dass sie sich nicht die Zerstörung ansehen musste, welche die Orobasfjorde seid Damians überraschender Attacke dort unten herrschte, verborgen von giftigem Nebel und Kreaturen, deren Körper und Geist so verdreht waren, wie die des Verdammten. Diese Vision stimmte die Drachenritterin nachdenklich, sie konnte damit nichts anfangen. Nur Fragen, eine jede so unbeantwortet wie die nach Maxos‘ momentanen Aufenthaltsort.

Wer war dieser schwarze Ritter?

Wieso war er eingesperrt?

Warum erzählte er dies?

Hatte es irgendeine Bedeutung?

Wer war der Paladin, von dem dieser Ritter sprach?



So kam sie nicht weiter, vielleicht war diese unverfrorene Einladung von seitens eines gewissen Magiers auch eine gute Gelegenheit. Der Göttliche würde bestimmt eine Antwort haben, eine Vermutung oder irgendetwas anderes. Wieso sonst sollte ausgerechnet sie dauernd diese Visionen haben?



Hart stellten sich goldene Schwingen gegen den Wind, die Pranken – so rot wie Kupfer, eine untergehende Sonne und lodernde Flammen – setzten sicher am Boden des Mardaneusplatzes auf. Scharfe Krallen bohrten sich in die weichen Fugen zwischen den Kopfsteinen, ehe erneut die Luft flimmerte und wie ein zerbrochenes Glas flackerte. Jubelrufe und Jauchzer wurden unter der Bevölkerung laut, als die Drachenritterin sich aufrichtete und sich den nichtvorhandenen Staub von der Rüstung klopfte. Unter dem maskenhaften Visier des Helmes wurde ihre Haut unangenehm heiß und rot. Sie hasste diese plötzliche Ehrfurcht ihrer Person gegenüber. Verflucht, sogar Drachentöter, welche bisherige Aufgabe es gewesen war, Wesen wie sie zu jagen und zur Strecke zu bringen, neigten nun respektvoll das Haupt vor ihr. Dabei war sie selbst eine solche gewesen, ehe Talana sie durch einen kleinen Fehler von seitens der schwarzhaarigen Frau, in die sterbenden Krallen bekam.



Das Krähennest, bis vor Kurzem noch ein Ort, an dem Tote sich weigerten, auch wirklich tot zu bleiben, war wieder aufgeblüht, der riesenhafte Baum, die wiedergeborene Seele eines Magiers oder Alchemisten oder sonst was, warf angenehme Schatten. Girlanden waren um den mächtigen Stamm geschlungen worden. Überall hingen solche Girlanden oder Stoffbanner mit dem Wappen Aleroths. Die ganze Stadt bereitete sich auf dieses verdammte Fest vor, der Grund für ihre Wut auf jenen Magier und auch der Grund für dieses verschwenderisch kostbare Schreiben. Was die Drachenritterin wieder zum springenden Punkt für ihre Anwesenheit brachte.



Wutschnaubend, beinahe schon feuerspeiend stampfte die Drachenritterin, nachdem sie die jubelnde Menge Schaulustiger losgeworden war, die ihr unbedingt für ihren Verdienst Aleroth vor dem Untergang gerettet zu haben, danken wollten, in das Rathaus. Die wachhabenden Champions sprangen vor Schreck fast aus ihren Rüstungen, als ihre wütende Stimme durch das erhaben wirkende Gebäude donnerte.



„ZANDALOR!“
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