Das Lied des Drachen

von Nerror
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
Damian / Der Verdammte Zauberer Zandalor
01.06.2013
24.08.2013
4
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Auf ein neues wage ich den sprung in dieses fandom :3 ich hoffe, meine idee, meine neue leidenschaft findet zuspruch. bitte spart auch nicht mit kritik, ist sie doch der lohn eines jeden hobbyautoren.

Grüße, Nerror
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In der drückenden Stille dieser halbrealen, halbträumerischen Ebene trug jedes Geräusch weit, doch wer sollte schon auf den Klang sich kreuzender Schwerter, magischen Entladungen und schrillen Schreien achten, waren doch all jene, welche hörten an diesem Fleck versammelt. Zwischen Säulen, ehrfurchterregend und so hoch, als wollten sie den ewig grauen Himmel stützen. Zwischen ihnen, umschlungen von schlangengleichen, tiefschwarzen Ketten, ein glänzender Kristall, der einzige Lichtfleck in dem diffusen Halbdunkel dieser Halbwelt. Wie eine winzige Sonne schien dieser Kristall alles Leben anzuziehen, unterstrichen die Kämpfer unter ihm diese Meinung doch.



Katzenhaft, nicht mehr ganz menschlich in Geschwindigkeit und Eleganz, sprang eine Frau im Zickzack und wich gleichermaßen magischen Geschossen als auch tödlichen Schwerthieben aus. Das wenige Licht, welches der Kristall, hoch über ihnen, absonderte ließ ihre zerschrammte Rüstung mattglänzen. Wie hässliche, dunkle Narben im Gebilde des Metalls zeigten die Kratzer, tiefe Schrammen, Überbleibsel eines gegnerischen Schwerthiebes. Obwohl sie ungleich weniger Schaden austeilte und viel öfter Feuerbällen oder wirbelnden Klingen auswich, schien sie nicht müde zu werden, ihre langen, dünnen Schwerter wirbelten noch genauso leicht durch die fahle, geschmacklose Luft dieser Halbwelt wie zu Beginn des Kampfes. Es schien kein Bewegungsmuster zu geben, nach dem sie kämpfte, stattdessen schlug sie zu sobald sich die Möglichkeit bot und war wieder weg sobald der Gegner sich erholte.



Die Kontrahentin schien nichtsdestotrotz wild entschlossen zu sein, die Frau in der verschrammten, vernarbten Rüstung zu vernichten. Die feinen Bänder, welche ihre leichte und gewagte Lederrüstung schmückten wirbelten in diesem atemberaubend schnellen und tödlichen Tanz hinter ihrer Besitzerin her, versuchten verzweifelt auf gleicher Höhe wie schwarze, verbrannte Haut zu bleiben. Grellblaue Augen, voller heißglühendem Zorn leuchteten aus dem Kohleschwarz und nässendem Rot der Verbrennungen, schienen ihre Gegnerin zu durchbohren, zu martern, zu vergiften.



Ganz am Rande des erbitterten Kampfes zwischen den beiden Frauen, die eine mit zornigen, blauen Augen, die der anderen silbern, weiß, wie eine magische Münze, hatte sich der Geist, der Urheber dieses tödlichen Klingentanzes zurückgezogen. War doch seine Stärke nicht die Klinge sondern die Mächte arkanen Ursprungs. Zwischen den, von langen, scharfen Krallen bewehrten Fingern entstanden Feuerstürme gleichermaßen wie Portale für Diener dunklerer Abstammung. Niedere Goblinkrieger, Kreaturen, Dämonen und Untote erhoben sich aus leuchtenden Pentagrammen, schnaubend, keuchend, zischen und fauchend schoben sie sich näher an die Kämpfenden heran. Sie fanden ihren Tod, schnell und unbarmherzig in den wirbelnden Klingen oder den lodernden Flammen, beschworen von der silberäugigen Frau.



Der Höhepunkt des Kampfes näherte sich rasant, ebenso wie auch die Geschwindigkeit stieg mit der die Hiebe ausgeteilt wurden. Doch, mit dem höchsten, erreichten Punkt des Kampfes folgte auch das Ende. Geräusche verebbten schlagartig, hallten als Echo in diesem Niemalsland nach und wurden von der unendlichen Weite verschluckt. Blut sickerte, rot und warm aus Wunden, gierig sogen der aschegraue Boden, die gesprungenen Platten und der zerbrochene Stein den Lebenssaft ein, als erhofften sie dadurch real zu werden, zu existieren und nicht mehr nur eine verschwommene Vision in einer Halbwelt zu sein, welche dem Untergang geweiht war.



Ein Netz aus haarfeinen Rissen zog sich über den Kristall, die winzige Sonne in dem Nichts, doch noch hielt er, galt es doch noch einen Gegner zu besiegen. Obwohl sie blutete, erste Anzeichen der Erschöpfung trug, richtete die Siegerin, jene mit den silbernen Augen, ihre Schwerter auf den Geist. Getrieben von Selbstblendung und Verachtung fand er sein abruptes Ende in den singenden, wirbelnden Schatten der Klingen. Mit dem Tod der Königin und des Magiergeistes verebbte auch jene schwarze Magie, welche sie hier gefangen hielt. Glockenhelles Klirren, gläsernes Knirschen, der Kristall sprengte seine schlangenhafte, schwarzen Fesseln und offenbarte sein leuchtendes, kostbares Herz.



Zugleich schien auch der endlosweite Horizont immer näher zu kommen, die Säulen bogen sich unter ihrer unsagbaren Last, knarrten protestierend und gaben eine nach der anderen nach. Jenes leuchtendes Herz des Kristalles, jener Mann weswegen so viele Schlachten geschlagen, gewonnen und verloren wurden, hob die Hand. Goldenes Licht, göttliche Magie entströmte dem Leib des Mannes, sprengte die Fessel jener Halbwelt.



Licht, Lärm und Wind begrüßten die Frau. Sie hatte es geschafft. Der zweite Schritt war geschafft. Doch sie machte sich nichts vor, sie – die Frau und ihre Verbündeten – hatten jenem Verdammten, jenem Dämonen, dem König des Chaos eine Wunde verpasst, schmerzhaft zwar, doch nicht im mindesten gefährlich. Eher hatten sie ihm eine schallende Ohrfeige verpasst. Die Frau seufzte, heute waren sie es die jubelten, hatten sie doch eine wichtige Spielfigur in diesem wirren, blutigen Spiel zurück gewonnen. Doch schon morgen könnten ihre Gegner es sein, die Jubelten und wenn dies geschah, dann war es endgültig. Sie hatten vielleicht eine Schlacht gewonnen, doch der Krieg hatte gerade erst begonnen.
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