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☀ POEM: Die Ballade von Dorian Gray

GedichtPoesie / P16 / Gen
Basil Hallward Dorian Gray Lord Henry Wotton Sibyl Vane
29.05.2013
29.05.2013
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Zur musikalischen Untermalung des Gedichts…
(Tears & rain – James Blunt)




Die Ballade von Dorian Gray

Ein junges, männliches Gesicht so zart und rein,
die Linien berührend markant und klar,
die Züge wie in Pastell gemalt ganz fein,
so bot das Äußere des Dorian sich Basil dar.

Basil war entzückt ob dieser seltenen Schönheit
und der Wunsch ihn zu malen wuchs heran.     
Dorian in seiner Unschuld als Model bereit,
der Künstler versonnen mit der Arbeit begann.

„Das sind die Auserwählten“, sprach er versonnen,
„denen schöne Dinge nichts bedeuten als Schönheit.“
Dorian lächelte vor Ehrfurcht leicht beklommen,
bisher lag ihm fern jede Art von Eitelkeit.

„Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol“,
brachte Basil einmal nachdenklich und leise hervor.
Er schaffte es tatsächlich mit Farbe und Benzol,
ein Gemälde zu fertigen, so perfekt wie nie zuvor.

Dorians Ebenbild war das Kunstwerk schlechthin,
Basil hatte sein Äußerstes dafür gegeben,
er ließ seine Seele voller Liebe mittendrin,
die Illusion ließ das Bildnis fast wirklich leben.

Lord Henry Wotton erschien im Atelier des Malers
und erstarrte als er den holden Jüngling sah.
Dorian saß verträumt und im Geiste woanders
und stellte sich mit Bild gleich doppelt dar.

Im Gespräch wuchs die Faszination füreinander,
Henry konnte Dorians Interesse rasch gewinnen.
Der Lord war prickelnd für Dorian wie Champagner,
Basil sah des Jünglings Ehre sogleich zerrinnen.

„Die Wurzel des Optimismus ist pures Grauen“,
lernte das Motiv und lauschte dem neuen Meister.
Basil war entsetzt, wie konnte Dorian ihm nur trauen?
Doch schon waren geweckt seine negativen Geister.

Lord Henry ging in den Garten hinaus und sah allein,
wie Gray sein Gesicht in den kühlen Fliederblüten vergrub
und fieberhaft ihren Duft trank, als wäre es Wein.
Hingerissen nahm er ihn mit in den privaten Club.

Ein wildes Leben für ihn begann und gefiel,
zu bremsen versuchte es Tante Agatha.
Es war offensichtlich, dass ihr dies missfiel,
derweil besuchte Dorian William im Theater.

Die Julia verzauberte seine Sinne sofort,
ihr Name war wie Poesie: Sibyl Vane.
Nun zog es Dorian täglich an diesen Ort,
so konnte er sie heimlich am Abend seh’n.     

Ihre Lippen glichen dem Rosa der reifen Himbeeren,
geschmeidig wirkte Sybil, vom gold’nem Haar bis zu den Zeh’n.
Dorian wollte sie küssen, liebkosen, gar sanft verehren
und träumte davon neben dieser Rose spazieren zu geh’n.

Er gestand ihr seine Liebe hinter der Bühne
und fortan sang ihre Stimme allabendlich.
Doch Henry redete ohne Schuld und Sühne
und verunsicherte Dorian gar wissentlich.

„Jede Begierde, die wir ersticken“, erklärte der Lord,
„brütet in unserer Seele und vergiftet uns!“
So zog der junge Mann Sybil mit sich fort
und schmeckte die Himbeeren ihres Mund’s.

„Die gemalten Kulissen waren meine Welt“, sagte Sybil indem sie seinen Blick vermied.
„Ich kannte nichts als Schatten, und hielt sie für etwas Wirkliches.
Du lehrtest mich, was die Wirklichkeit wirklich ist“, bekannte sie ihm verliebt.
Dorian nickte begeistert, denn er fühlte für sie Ähnliches.

„Der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden,
ist ihr nachzugeben“, hörte Dorian den Lord im Ohr.
Gray konnte seine Gefühle nicht mehr verbergen
und holte zarte Liebkosungen und Versprechen hervor.

Er verführte die Jung’fer nach allen Regeln der Kunst
und wollte ihr sogar ewige Treue schenken.
Doch Lord Henry buhlte tief um seine Gunst,
so verließ’ Dorian Sybil kalt und ohne Bedenken.

Sybil, unter dem Herzen trug sie schon Dorians Kind,
beendete vor Scham ihr Leben, das war wahrlich keine Komödie.
„Es war selbstsüchtig von ihr“, sagte Dorian geschwind
und fand Gefallen an der schrecklichen Schönheit der Tragödie.

„Das Gewissen macht uns alle zu Egoisten“,
lächelte Lord Henry zutiefst zufrieden.
So beruhigte er Dorian mit unfeinen Listen,
der jegliche Reue hatte seitdem vermieden.

Doch was er nicht ahnte, es war zu grandios,
sein Bildnis war fortan seine Seele.
Ein Spiegelbild seiner Taten ganz famos,
erste Risse entstanden an seiner Kehle.

So feierten Dorian und Henry weiter mit Lust und Sherry,
hemmungslos fuhr Dorian fort Frauen liebevoll zu kränken.
Der Schönling erklärte vergnügt: „Du musst zugeben Harry,
dass die Frauen den Männern das wahre Gold des Lebens schenken.“

Hinter allem Erlesenen in der Welt lag etwas Tragisches.
Welten mussten in Wehen liegen, damit die kleinste Blume erblühen konnte.
So geschah mit Dorian und dem Bildnis zögerlich Magisches,
das Bild zerfiel im Alter während Dorian sich in Jugend sonnte.

Dorian war wie Musik für den Lord, im Takt des Wallens und Wogens.
Sich mit ihm zu unterhalten war, wie auf einer kostbaren Geige zu spielen,
er reagierte auf jede Berührung und jedes Zittern des Bogens.
Reizvoll zu sehen, dass Dorian zuletzt auch Männer verfielen.

Henry schenkt Dorian das ‚Yellow Book’ eines Tages,
worin der junge Mann begeistert liest und sich vergiftet.
Er kauft es gleich neun Mal als Erstausgabe und mag es,
merkt nicht, dass es betört und den Wahn verdichtet.

„Es gibt kein moralisches Buch“, beteuert der Adelige.
„Bücher sind gut oder schlecht geschrieben!“
Dorian nickt zustimmend, vergessen ist Ehr’ und alles Heilige,
der Mann ist tief gesunken und durchtrieben.

Basil Hallward, der alte Künstler besucht sein Lebenswerk,
und entdeckt mit Entsetzen die versteckte Grimasse des Bildes.
Er wird wütend, seine Gefühle eine Explosion, ein Feuerwerk,
daneben Dorians Antlitz, jung und der Ausdruck hat etwas Mildes.

Dorian ist gekränkt, verängstigt und wie von Sinnen,
als er wütend selbst das Messer hebt,
er sticht den alten Freund zu Tode, Blutbahnen rinnen,
an den Händen nun der Teufel klebt.

Die Leiche lässt er heimlich des Nachts verschwinden.
Dafür gab es keine Sühne; aber wenn Vergebung unmöglich war,
war doch Vergessen möglich und neue Lügen winden
sich um sein Leben tief, drückend und dennoch beängstigend klar.

Dorian gesteht Henry verstört den brutalen Mord,
er hofft auf seinen Freund.  „Kunst ist für die Oberschicht,
Mord für die Arbeiterklasse“, erklärt ernsthaft der Lord
und glaubt dem jungen Schönling  dieses Grauen nicht.

So schafft das Wesen der ew’gen Jugend sein Leben nicht zu bessern,
beschließt, dass er  die Ursache des Übels nun vernichtet.
Er zerstört das alte Bildnis seiner selbst mit scharfen Messern
und merkt nicht, dass er sich damit nur selber richtet.

Während Dorian zu Boden sinkt, seine Schönheit vergeht,
sein Gesicht entspricht plötzlich dem wahren Alter,
die Reinheit des Äußeren wie ein Blatt im Wind verweht,
er war seines Lebens und seiner Seele eigener Verwalter.

Dagegen erwacht das Bildnis zu glatter Perfektion,
erstrahlt in voller Lieblichkeit vor der hässlichen Leiche.
Zarte Haut, rosige Lippen, war das alles eine Illusion?
Oder gar in Dorians Leben die letzte Beichte?

Die Seele ist eine schreckliche Wirklichkeit.
Man kann sie kaufen und verkaufen und um ihren Preis feilschen.
Die Blüte der Jugend, ein Traum der Menschheit.
Wer wollte nicht die Seele gegen Jugend tauschen – nur für ein Weilchen?

„In jedem von uns ist eine Seele“, sagte Dorian Gray.
Aber diese Erkenntnis kam für ihn zu spät.
In London fällt leis’ und leicht der Schnee.
Der Pakt mit dem Teufel hat nur Unheil gesät.

© Elayne R. 2013

     


Zitate frei aus „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde, Anaconda Verlag, Ausgabe 2009

„Das sind die Auserwählten, denen schöne Dinge nichts bedeuten als Schönheit.“

„Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol.“

„Die Wurzel des Optimismus ist pures Grauen.“

„Lord Henry ging in den Garten hinaus und sah, wie Dorian Gray sein Gesicht in den großen, kühlen Fliederblüten vergrub und fieberhaft ihren Duft trank, als wäre es Wein.“

„Jede Begierde, die wir ersticken, brütet in unserer Seele und vergiftet uns.“

„Der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden, ist, ihr nachzugeben.“

„Das Gewissen macht uns alle zu Egoisten“

“Die Vorübergehenden blickten verwundert auf den mürrischen, schwerfälligen jungen Mann in schlecht sitzenden Kleidern, der sich in Begleitung eines so anmutigen, vornehm aussehenden Mädchens befand. Er glich einem einfachen Gärtner, der mit einer Rose spazieren geht.“

"Die gemalten Kulissen waren meine Welt. Ich kannte nichts als Schatten, und hielt sie für etwas Wirkliches. (…) Du lehrtest mich, was die Wirklichkeit wirklich ist." 

„Es war selbstsüchtig von ihr“. Er findet Gefallen an der, wie er sagt, „schrecklichen Schönheit einer griechischen Tragödie.“

„Du musst zugeben, Harry, dass die Frauen den Männern das wahre Gold ihres Lebens schenken.“

„Hinter allem Erlesenen in der Welt lag etwas Tragisches. Welten mussten in Wehen liegen, damit die kleinste Blume erblühen konnte…“

„Und wie bezaubernd er beim Essen am Vorabend gewesen war, als er ihm, mit staunenden Augen und vor ängstlichem Entzücken halb geöffneten Lippen, im Klub gegenüber gesessen hatte und die roten Kerzenschirme das erwachende Wunder seines Gesichts in ein noch tieferes Rosa tauchten. Sich mit ihm zu unterhalten war, wie auf einer kostbaren Geige zu spielen. Er reagierte auf jede Berührung und jedes Zittern des Bogens…“

„Es gibt kein moralisches oder unmoralisches Buch. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben. Weiter nichts.“

„Dafür gab es keine Sühne; aber wenn Vergebung unmöglich war, war doch Vergessen möglich.“

„Kunst für die Oberschicht, Mord für die Arbeiterklasse.“     

„Die Seele ist eine schreckliche Wirklichkeit. Man kann sie kaufen und verkaufen und um ihren Preis feilschen.“

„In jedem von uns ist eine Seele. Ich weiß es.“







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