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Kopf oder Zahl?

von Zidana
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 Slash
Benny Lafitte Dean Winchester
28.05.2013
27.10.2013
6
6.161
 
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28.05.2013 1.258
 
Seit einer Ewigkeit


Es waren einige Wochen vergangen, in denen dieses ungewöhnliche Duo nun schon zusammen die Wälder des Fegefeuers durchkämmt hatten. Vergeblich mochte die Sache vielleicht in den Augen Deans gewesen sein, denn sie hatten noch keine Spur von dem Engel.

Benny fand das Ganze aber nicht sinnlos. Dean hatte etwas mehr Vertrauen zu ihm aufgebaut. Allerdings hatte sich der Vampir dafür nicht einmal extra Mühe gegeben. Er war einfach so, wie er eben nach den unendlich vielen Jahren geworden war. Hier unten. Und Dean schien das zum mindestens ein wenig sympathisch zu sein.
Es war Tag 100, wenn Benny sich nicht irrte, an dem Dean offener wurde und plötzlich sämtliche Sachen aus den Jahren erzählte, in denen er noch mit seinem Vater zusammen gejagt hatte. Das ‚Familiengeschäft’ nannte er es als Scherz immer wieder und erzählte dabei, wie Sam das ganze mitgenommen hatte, dieser schlussendlich aber dennoch mit zur Jagd gekommen war.

Vielleicht, dachte sich Benny, vielleicht war es doch ganz gut, dass er zu der Zeit schon hier unten festgesessen hatte. Dean hätte ihn wahrschlich niemals verschont, wenn sie sich auf der Erde begegnet wären. Soweit der Vampir das richtig verstanden hatte, war es sozusagen Sams Part, sich mit den Monstern dieser Welt einzulassen.

Gerade als der Ältere beginnen wollte auch etwas von sich zu erzählen, hörten sie ein verdächtiges Knacken. Abrupt blieben sie beide wie beim Stopptanz stehen. Die blauen und die grünen Augen huschten ohne Fokus durch den Wald auf der Suche nach einem Angreifer.

Benny versuchte in der erdrückende Stille, die sie sich ja für gewöhnlich mit langen sinnfreien Gesprächen vertrieben, etwas zu finden, was auf eine Richtung schließen ließ. Aber nichts. Sie schienen schon die ganze Zeit alleine zu sein.

„Hörst du was?“ Fragte Dean im Flüsterton, sein provisorisches Messer schon in der Hand, bereit zu Angriff.

Benny aber schüttelte den Kopf, da war einfach nichts. Nichts zu hören und nichts zu sehen, aber er fühlte es. Er fühlte, dass sie beobachtet wurden. Er hob einen Finger an die Lippen, als der Mensch wieder etwas sagen wollte und dieser gehorchte ihm.

Und dann wirbelten sie beide gleichzeitig herum. Die Messer schnitten mit einem lauten Knirschen ins Fleisch und zerbarsten Knochen, während sich die schwarze eklige, klebrige Flüssigkeit der zwei Leviathane ihren Weg auf die ohnehin schon schmuddeligen Klamotten der Männer bahnte.

So schnell wie die Lautstärke angestiegen war, sank sie wieder, nur das Atmen der zwei Sieger war noch zu hören.

„Manchmal hab ich wirklich den Verdacht, die Kerle werden hier unten dumm“, meinte Dean. Sein Messer wischte er an dem Mantel des einen Leviathans ab.
„Sie können es sich erlauben“, gab Benny zurück. Er sah auf die zwei Köpfe hinunter, die neben den Körpern lagen.

„Lass uns verschwinden bevor sie sich wieder zusammensetzen“, meinte Dean.

Natürlich machten sie es dann wie immer. Sie teilten sich auf. Nicht weit auseinander, aber so, dass ihre Wege auseinander gingen. Vielleicht klang es etwas merkwürdig, aber es hatte bisher immer funktioniert. Zirka 150 Meter gingen sie auseinander, trotzdem konnte Benny jede von Dean Bewegungen erkennen. So hatte er jede einzelne seiner Eigenarten studiert und konnte jede Bewegung voraussagen.

Lange dauerte es nicht bis Benny wieder zu Dean zurückkehrte. Das derzeitige Ziel war eine Lichtung die Benny schon oft besucht hatte, weshalb er den Weg auch kannte. Er hatte dem Menschen gesagt, dass es gut möglich war, dass der Engel sich dort aufhielt. Es war einfach sich dort zu verstecken und zu verteidigen.
Bald trafen sie dort auch ein. Ihr Gespräch war gerade auf eine alte Liebe von Dean gefallen, doch der hielt abrupt inne, als er den von dem Vampir beschriebenen Ort wieder erkannte. Beide blickten sich suchend um und Dean rief einige Male nach dem Engel. Doch der meldete sich nicht. Stattdessen tauchte plötzlich eine Gruppe Männer aus dem Unterholz auf.

„Gestaltenwandler“, murmelte Benny in Deans Richtung, während sie beide einige Schritte zurück wichen.

Erstaunlicherweise wollte der Mensch es dann ausnahmsweise einmal auf die diplomatische Weise versuchen. Er ließ das Messer sinken und fragte: „Wisst ihr, wo der Engel ist?“

„Möglicherweise“, gab einer der Männer zurück. Benny hätte gerne ein bissiges Kommentar abgegeben, doch er hatte schon vor langer Zeit entschieden, Dean das Reden zu überlassen.

„Raus mit der Sprache!“ Setzte der Mensch etwas lauter nach.

Die Gestaltwandler fingen jedoch nur an zu lachen und stürmten dann brüllend wie eine wildgewordene Herde auf Dean und Benny zu.

Ohne dass es jemandem aufgefallen wäre, hatten beide Männer ihre Waffen erhoben und wehrten die ersten Angriffe ab. 8 Gestaltwandler hatte Dean gezählt. Im nächsten Augenblick waren es nur noch 7, denn wenn Dean eines gelernt hatte hier unten, dann dass so gut wie alles tot war, wenn man ihm den Kopf abhackte. Die Frage war zwar immer wieder gewesen, wie lange war etwas tot, aber das musste man dann ja nicht mehr unbedingt abwarten.

Auch Benny hatte einen zur Strecke gebracht, denn die Gestaltwandler schienen nicht schlauer als die Random-Gegner aus Videospielen, die immer nur einzeln angriffen.

Der Vampir spürte Dean in seinem Rücken, seine Schulterblätter bewegten sich und er war angespannt. Die Berührung war schneller weg, als sie gekommen war, dafür hörte er Dean jetzt.

„Wo ist der Engel!?“ Brüllte er den einen an, den er zu Boden gedrückt hatte.
Benny erwartete keine Antwort. Niemand, Nichts hatte bisher geantwortet. Und zwar schon gar nicht auf diese Frage. Angeblich wollte niemand den Engel gesehen haben.

Auch dieser Gestaltenwandler nicht, denn Dean hackte ihm in nächsten Augenblick den Kopf ab. Drei weitere folgten und am Ende blieb nur noch einer übrig, der sich wie ein Angsthase aus dem Staub machte.

„So wird das nie etwas“, murrte Dean, wischte dabei mal wieder sein Messer an den Klamotten eines Toten ab und begab sich dann ein wenig weiter auf den gegenüberliegenden Rand der Lichtung zu.

Benny behielt es für sich, dass er der Meinung war, der Engel wolle sich nicht finden lassen und sagte stattdessen: „Wir finden den Engel schon noch. Einige nette Plätzchen fallen mir noch ein.“

Der Winchester seufzte, ließ sich an einem Baum hinabgleiten und schloss die Augen, während er den Kopf gegen das Holz sinken ließ.

Der Vampir hockte sich so neben ihn, dass sie sich ansehen konnten. Und niedergeschlagen blickte das Grün in das Blau.

„Ich versteh das nicht“, flüsterte Dean. Ganz leise und schwach hallten seine Worte durch den dunklen Wald. Es war einer dieser wirklich seltenen und ziemlich kurzen Momente, in denen Benny unter die harte Schale des Menschens sehen durfte.

Jedes Mal bröckelte ein bisschen mehr der Fassade ab und konnte sich auch nicht wieder heilen. Dean war kaputt von innen, die Seele wohl nur noch ein Stück schwarze Kohle. Anders konnte Benny sich es eigentlich nicht vorstellen. Nicht in diesen Momenten. Aber dann, wenn der Winchester plötzlich wieder Scherze machte oder die ganze Sache sehr ernst anging, wurde dem Vampir immer wieder bewusst, dass dieses Stück Kohle eigentlich ein leuchtender Kristall war, der bloß mit etwas Ruß bedeckt war. Ruß der aus Angst, Selbstverachtung und Schuld bestand.

Der Ältere lächelt traurig ohne es selber zu merken und versank dabei in dem Leuchten von Deans Augen, der ihn erstaunlicherweise erwartungsvoll ansah.
Benny verspürte den Drang Dean zu helfen. Der junge Mann hatte es geschafft ihm einen Funken Hoffnung zu geben, ihn zu motivieren und nun hatte er die Verpflichtung, ihm auch etwas zu geben. Nur den Engel, den konnte er ihm nicht gegeben.
Und da entschied er sich für etwas, das er schon seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht hatte. Er beugte sich langsam vor und küsste ihn.
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