Dadurch ändert sich nichts

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
26.05.2013
26.05.2013
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Vorab: P16 ist weil ich ein, zweimal "böse" Worte sage, und ich nicht wusste ob ich es verantworten kann unter 16 jährige so etwas lesen zu "lassen" kam zu dem Schluss das ich es meinen kinners nicht offensichtlich erlauben würde. Ansonsten ist allerdings nichts zu befürchten.

mh... ich kann als hintergrundmusik "Discipline" empfehlen, von dennen ich mich etwas habe inspirieren lassen. Auch beide Songtexte habe ich von ihnen geklaut (wobei sie ersteren auch nur gecovert haben)

Edit: http://www.youtube.com/watch?v=UVY6vhsd1GU
Es passt verflucht gut, und da ich grad drüber gestolpert bin, möchte ich es euch schenken.
Bad Nenndorf Boys - Rhythmus
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Als ich die ersten Takte anschlage, überkommt mich dieses Gefühl. Wie immer, wenn ich auf dem Hocker sitze, die Sticks in der Hand und die Becken vor mir. „oh we're not gonna take it“ Joost fängt zu singen an, und wir Verschmelzen zu einer Einheit. Ich kann es nicht anders erklären, wir werden alle eins. Mit unseren Instrumenten. Unseren Stimmen. Mit den anderen. „this is our life, this is our song“ Nicht nur wir, von der Band, singen, nein der ganze Saal brüllt mit. „we're not gonna take it no, we ain't gonna take it we're not gonna take it anymore..“ Ich vibriere, lebe nur für den nächsten Takt. Dafür, das pochen und wummern über meinen Körper hinaus, auf die Masse zu übertragen. Schweiß läuft mir in Strömen vom Körper. Meine Stimme ist rau. Ich habe nur für die Drumms Mikros, so hört es niemand wenn ich mitsinge. Dann geht meine Stimme in den Instrumenten unter. In einer kurzen Pause zieh ich mir das verschwitzte Unterhemd vom Leib und werf es nach rechts. Dann geht es auch schon weiter. Ich lasse die Drummsticks tanzen, verausgabe mich, gehe auf. Schließlich, nach viel zu kurzer Zeit wie es mir scheint, erklärt Joost den Abend für beendet. Ich will aufbegehren, möchte weitermachen. Ich spüre das Adrenalin, das mich veranlasst noch ein kleines Solo hinzulegen und Joost damit zu unterbrechen. Er dreht sich um, grinst mich an, weiß was in mir vorgeht. Aber er deutet eine Uhr an und ich weiß das wir schon längst die Sperrstunde überschritten haben.

Wieder einmal. Wie immer. Also erhebe ich mich auch, suche den dunklen Saal ab, werde aber zu sehr von den Scheinwerfern geblendet. Schließlich werfe ich einen Stick nach links, einen nach rechts. Pfiffe, Gejohle, Schreie. Frank schiebt mich von der Bühne, ich lasse mich treiben. Ein gammeliges Sofa steht hinter der Bühne. Joost taucht auf. Grinst breit. Ebenso verschwitzt. Sein kariertes Hemd steht offen, ist dunkel vor Schweiß. Sein Geruch bringt mich um den Verstand.

Er kommt näher, springt den letzten Meter und landet auf mir und dem Sofa. Seine spitzen Knochen bohren sich in meinen Brustkorb, und ich frage mich wieder, wie ein Leichtgewicht wie er, knappe 100 Kilo die er auf die Waage bringt, so spitze Knochen haben kann, bei einem so breitem Knochenbau. „Mito! Mito!“ Er schreit laut in mein Ohr, bevor er wie bescheuert zu lachen anfängt, runter rutscht und sich ein Bier schnappt. Ich setzte mich wieder auf, betrachte seine Lippen und geb ihn dann einen Klaps auf den Hinterkopf, so das er sich verschluckt. „Schrei mir noch einmal ins Ohr, und ich reiß dir die Stimmbänder raus!“ droh ich ihm. Wie jedes mal nach einem Auftritt. „Wie wärs wenn du mich stattdessen fickst?“ „Ene mene miste, ich finger nicht ich FISTE!“ Wir sehen uns an und brechen gemeinsam in Lachen aus. Wie immer. Routine die doch nie langweilig wird, die immer aufregend bleibt. Frank taucht auf, eine Frau mit Nietenarmbändern und langen Haaren. Sie trägt ein T-Shirt von Toxpack und wieder einmal überlege ich, ob er sie deshalb ausgesucht hat. Beide fallen neben uns auf das gammelige Sofa und fangen sofort zu knutschen an.

Joost und ich sehen ihnen kurz zu, dann werfen wir uns einen Blick zu. „Gehen wir, Daan.“ Er steht auf und sieht abwartend auf mich. Ich erhebe mich schließlich, merke wie es etwas kühler wird. Joost reicht mir schon ein Hemd her. Ich zieh es über und will es zuknöpfen, aber habe schon das Gefühl das meine Schultern die Ärmel sprengen. Übertriebene Bewegungen sollte ich wohl besser nicht ausführen. „Tschau Frank!“ „Tschau Daan, tschau Joost.“ Verabschiedet er sich zwischen zwei heißen Küssen von uns. „Boys will be, boys will be, boys will be..“ Summt Joost und ich folge ihm hinaus in die Halle. Es stehen noch genügend Leute herum, und wir bekommen anerkennende Klopfer auf die Schulter. An der Bar bestellen wir uns einen Kurzen.

Kaum das der getrunken ist, packt mich Joost an der Hand und zieht mich raus. „Los Daan, wir machen was dummes.“ „Dümmer als vom Hühnerstall deines Opas in den Misthaufen zu springen?“ erkundige ich mich während ich ihm durch die Massen folge. „Ja.“ „Dümmer als mit der Cross in einen Weiher zu fahren?“ „Ja!“ energisch zieht er mich durch die Raucher und weiter. „Dümmer als die Rektorin anzumachen?“ Er wendet seinen Kopf zu mir und seine Augen blitzen als das spärliche Licht der sich entfernten Halle darauf fällt. „Ja.“ jetzt knurrt er, aber ich muss lachen, bevor ich weitersprechen kann. „Dümmer als Haschisch in der Jugendherbergsdusche zu kiffen?“ „Ja.“ Auch er lacht jetzt leise, während wir uns immer weiter entfernen, von den Menschen, dem Licht, den Autos. „Dümmer als betrunken zur Hochzeit meiner Schwester zu gehen?“ Seine Hand hat mein Handgelenk immer noch nicht losgelassen, aber es macht mir nichts aus. „Ja.“ „Dümmer als in rosa Jockstraps durch London zu laufen?“ Er hält kurz inne, weswegen ich gegen ihn laufe und ein kurzes Stück vor mir herschiebe. Schließlich. „Ja.“ Da er stehen bleibt, lasse ich ihn gegen meine Brust gelehnt stehen und lasse ihn auch noch mein Handgelenk umklammern. Er ist nicht klein, mit seinen 1, 84 cm. Aber mit knappen 2 Meter bin ich eben doch größer. „Dümmer als auf Autos zu kacken?“ Frage ich, als er sich wieder in Bewegung setzt, seinen warmen Rücken von meiner Brust entfernt, die wegen des zu kleinem Hemdes nicht gewärmt wird. „Oh ja, viel dümmer.“ Er blickt mich über die Schulter hinweg an, ich kann die Sehnen in seinem Hals sehen, die Koteletten vorm Ohr und der rasierte Schädel. „Oke, dann find ich's gut.“ erwidere ich grinsend, als er plötzlich stehen bleibt und sich umdreht. „Daan.“ er blickt mich an, grinst breit. Er lehnt gegen einem Baum, und jetzt sehe ich das wir in einem Wald sind. „Joost?“ fragend blicke ich zu ihm, aber er grinst nur weiter.

Dann packt mich seine raue Hand plötzlich im Nacken und er zieht mich runter. Seine spröden Lippen pressen sich auf meine, seine Zähne ziehen an meiner Unterlippe. Vollkommen überrumpelt lasse ich es geschehen, spüre wie er sich näher an mich presst, seine andere Hand sich unter das Hemd auf meinen Rücken schiebt. „Daan.“ sein Gesicht entfernt sich etwas von mir, sein Blick haftet auf mir. „Joost?“ verwirrt spüre ich dem nach was das war. Ich mag Joost. Wir sind zusammen aufgewachsen. Mehr oder weniger. Wir haben zusammen die Band gegründet. Mehr oder weniger. Wir zoffen uns zusammen und wir vertragen uns zusammen. Wir haben schon mit den gleichen Frauen rumgemacht, manchmal sogar gleichzeitig. Wir rasieren uns gemeinsam den Schädel, brüten gemeinsam über Songtexten oder Melodien. Wir haben gemeinsam unsere ersten Schallplatten angehört und auch gemeinsam das erste Konzert besucht. Ich war sein Trauzeuge und ich war bei ihm als er die Scheidung hinter sich brachte. Wir haben zusammen Häuser kaputt geschlagen und gemeinsam an unseren Mopeds geschraubt. Wir waren mehr oder weniger gemeinsam das erste mal beim Tättoowierer und Piercer. Wir kennen uns solange, das ich nicht mal weiß wann wir uns das erste mal gestritten hatten. Und jetzt steht er vor mir, dem Amateurboxer, Hobbyschlagzeuger und Möchtegernproll, und küsst mich. Seine Hand wandert auf meine Wirbelsäule und er lässt sich nach hinten gegen einen Baum sinken, übt Druck auf meinen Rücken aus, aber ich kann ihm noch nicht nachgeben.

Wie oft standen wir schon nebeneinander unter der Dusche, mit oder ohne Bier, haben uns zusammen Pornos angesehen und nebeneinander einen runter geholt? Wie oft haben wir uns schon gegenseitig ausgelacht wenn einer kotzen musste? So oft sind wir schon raus auf den Hügel gefahren, gelaufen, gekrochen. Haben nebeneinander gesessen und über Gott und die Welt geschwiegen. Seine Hand übt wieder druck aus, und ich gebe ihr nach, lass mich vor ihn ziehen und senke mein Gesicht zu ihm runter. Zähne klackern als sie aufeinander treffen. Unsere Zungen umspielen sich, so ungewohnt und doch vertraut. Eine Hand wandert automatisch auf seine Hüfte, mit der anderen stütze ich mich am Baumstamm hinter ihm ab. Wir lassen uns nicht aus den Augen, während seine Hände über meinen Bauch gleiten, streichen, nach unten fahren. Schließlich an meinem Hosenknopf rütteln. Ich unterbreche unseren Lippenkontakt und lehne meine Stirn gegen die seine. „Joost.... sind wir dafür nicht ein bisschen zu alt?“ Er knurrt und schiebt in einer kurzen Bewegung sein Becken gegen meines. „37 ist nicht alt.“ Ich lasse seine Hüfte los und schnappe mir eine seiner Hände. „Joost.“

Er seufzt und schließt die Augen, bevor er seine Hände von meiner Hose nimmt und sie vor seiner Brust verschränkt. „Daan?“ Ich stoße mich von dem Baum ab und trete eine paar Schritte zurück. Drehe mich im Kreis. Versuche meine Gedanken zu finden. Aber irgendwie sind da nicht wirklich viele. „Warum?“ Frage ich schließlich, weil Joost' Sohn Finn das auch ständig fragt, und es das einzige Wort ist was mir gerade einfällt. Joost zuckt mit den Schultern. „Weil du geil bist. 120 Kilo Muskeln pur. Die Stoppeln und Koteletten zu deinem markanten Gesicht. Dein geiles Brustpiercing. Weil du das gleiche lebst wie ich. Weil wir uns verstehen. Weil ich es geil finde, wie du hinter deinem Schlagzeug sitzt und mitsingst, aus dir rausgehst und dich vollkommen in der Musik verlierst. Weil es mich scharf macht, wenn du denkst das du alleine bist und unter der Dusche singst. Warum? Keine Ahnung Daan, weil du der Grund bist das ich Marije geheiratet habe. Weil ich dank dir einen anständigen Sohn habe. Daan.... ich kann dir nicht beantworten warum.“ Er schweigt und ich lasse gehörtes sinken.

Reibe mir über den Kopf. Dabei reißt das Hemd am Rücken auf, aber das ist mir egal. Ich versuche die Welt zu verstehen, will aber nicht nachdenken. „Die Band...“ fang ich schließlich an. Sehe zu ihm rüber. Er lehnt immer noch gegen dem Baum, ein Bein nach hinten gestellt. „Was soll damit sein? Das ändert überhaupt nichts. Zumindest nicht für mich. Für dich?“ Ich weiß es nicht. Zucke mit den Schultern. Drehe mich erneut im Kreis. Schließlich bleibe ich stehen. Fixiere Joost der nach wie vor am Baum steht und mich nicht aus den Augen lässt.

Ich trete auf ihn zu, komme näher und strecke meine Hände aus, lasse sie auf seiner Hüfte liegen. „Aber kein Romantik scheiß! Und getrennte Konten. Und ich sag's dir, solltest du auch nur versuchen deine kalten Füße unter meine Beine zu schieben, wenn ich schlaf, ich sag dir, ich wach auf und verprügle dich, bevor ich dich auf den Balkon sperr.“ Kurz sehe ich seinen Blick, überrannt, wie ein Karnickel im Scheinwerferlicht, dann press ich meine Lippen gegen seine. Sein Blick ändert sich, er grinst, beißt mir auf die
Zunge, boxt mir in den Bauch und zieht mich dann an sich heran. „Aber zum Ficken bin ich echt zu geschafft. Da hab ich ein, zwei Bier heute zu viel gehabt.“ schiebe ich schließlich hinterher, als wir Ewigkeiten nur dastanden und uns geküsst und miteinander gerangelt haben. „Na Daan, lass uns Frank stören gehen.“ Er grinst und läuft voran.

Kurz bleibe ich noch stehen und seh ihm hinterher, während ich überlege. Nein, es macht mir nichts aus. Warum sollte es, es ist immerhin Joost. Joost, der mich davon abgehalten hat im Winter mit Klamotten baden zu gehen, Joost der mich unter dem Auto hervor gezogen hat als ich mit dem Skateboard dagegen geknallt bin. Joost, der immer vor mir steht und seine Gitarre würgt und singt als wäre der Höllenhund hinter ihm her. „Daan, Frank kommt zum Schuss, wenn wir uns nicht beeilen.“ Joost eben. Ich setzte mich in Bewegung und trabe hinter ihm her, um unseren Bassisten beim Sex zu stören. Alles wie immer. Routine eben. Mit der Ausnahme das ich in Zukunft wohl mit dem Sänger schlafen werde.



Vier Jahre später.

„JOOOOST!“ „Daan, Pa kommt nicht schneller, nur weil du lauter brüllst.“ Finn steht neben mir, ein T-Shirt von unserer Band an und einem kleinem Iro auf dem Kopf. „Hast du eine Ahnung.“ knurre ich dem Teenager zu und wende meine Aufmerksamkeit dann wieder der Haustür zu. In dem Moment kommt er auch raus, sperrt in aller Seelenruhe zu und spaziert zu uns rüber. „Was steht ihr zwei den hier wie bestellt und nicht abgeholt? Wir sind mit den verabredet, schon vergessen?“ Er grinst uns an und diesmal ist es Finn, der ihn in den Bauch boxt. „Maaan Pa, wir warten seit Ewigkeiten.“ „Daran ist Frank schuld. Er hat noch angerufen das er nicht kommt. Die Beerdigung ist verschoben, weil seine Oma doch lebt.“

Skeptisch werfe ich Joost einen Blick zu, während wir die Straße entlang laufen, Finn vor uns. „Wie, seine Oma lebt doch?“ „Das übliche. Die Familie hat gedacht Oma ist endlich abgekratzt, aber dabei hat sie nur tief und fest geschlafen.“ „Also das fünfte mal Fehlalarm?“ erkundige ich mich und muss grinsen. Auch wenn wir, seit Finn bei uns wohnt, eine ziemlich seltsame Patchworkfamilie sind, toppt Franks Familie alles. Ständig Stirbt jemand, um dann doch nicht tot zu sein, und immer wieder tauchen Familienmitglieder von sonst wo auf. Was bin ich da froh, das wir den normalen Alltagswahnsinn meistern müssen, der sich darum dreht Finn in den Arsch zu treten damit er Hausaufgaben macht, sich davor drücken ihm zu helfen, auf die Arbeit gehen, Bandproben zu organisieren und die Auftritte unter einem Hut zu bringen.

„Sag mal, Daan.“ Finn ist uns schon weit voraus, aber ich halte an und schaue Joost an. Er grinst und erinnert mich daran wie er heute in der Nacht gegrinst hatte, als er seinen Schwanz in meinem Mund versenkt hatte und mir seine Ladung ohne Vorwarnung ins Gesicht gespritzt hat.

„Joost?“ „Hab ich dir nicht gesagt, es ändert nichts.“ Jetzt muss ich auch grinsen.
Nein, das wir zusammen sind, ändert wirklich nichts.

Nach wie vor kämpfen wir uns durchs leben, kaufen uns neue Boots wenn die alten durch sind, schreiben gemeinsam Texte und Melodien, bauen zusammen Scheiße und gehen gemeinsam auf Konzerte. Wir versuchen nach wie vor noch, uns gegenseitig zu beweisen wer der bessere Fahrer ist, nach wie vor packen wir jede Gelegenheit beim Schopf um Frank beim Ficken zu stören. Wir trinken gemeinsam und lachen uns gegenseitig aus wenn einer kotzt. Wir helfen uns nicht bei der Steuererklärung, wir mosern nicht über liegenbleibende Klamotten, und wir streiten uns auch nicht darum wer kochen muss. Wir haben Sex, ohne oder mit Vorspiel, und schlafen danach ein, ohne kuscheln zu müssen. Wir haben getrennte Konten und jeder hat sein eigenes Auto. Wir schlagen uns die Köpfe ein wenn wir Streit haben, und vertragen uns wortlos bei einem Bier wieder. Alles wie immer.

„Joost, Daan.“ Wir sehen nach vorne, zu Finn der ungeduldig dasteht. „Wenn ihr nicht gleich kommt, sag ich den anderen das meine zwei schwulen Väter erst noch poppen und deswegen auf die Backstagekarten verzichten.“ „Na warte, Bursche.“ knurrt Joost und wir sprinten beide los, hinter dem lachenden Finn her. Alles wie immer, geliebte Routine.
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