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Mr. Monk in Brasilien

GeschichteHumor, Krimi / P12
Lindsay Donner Peter Axon Professor Anton Hendricks Professor Connor Doyle
25.05.2013
25.05.2013
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25.05.2013 5.757
 
Titel: Mr. MONK in Brasilien
Englischer Titel: Mr. MONK in Brasil
Autor: DancingStar
Crossover: PSI Factor/ Monk
Pairing: Connor/ Lindsay
Rating: 12
Kategorie: Crime/ Humor
Inhalt: Mr. Monk macht Urlaub. Als in seinem Hotel ein Mord geschieht, trifft er auf weitere Urlauber, die an der Klärung des Verbrechens interessiert sind.
Kommentare:  Ich liebe Monk. Der erinnert mich sehr an meine besten Freunde :-)

Rio de Janeiro, eu te amo :-)


Mr. MONK in Brasilien

Es war eine Überraschung und Mr. Monk hasste Überraschungen.
Er wollte diesen Urlaub nicht, aber seine Freunde hatten gesagt, er sollte sich entspannen. Schneller als ihm lieb war, hatten sie ihm ein Ticket nach Rio de Janeiro geschenkt. Seine Assistentin Natalie hatte sogar persönlich dafür gesorgt, dass er zum Flughafen ging und sich in den Flieger setzte. Bei Gelegenheit musste Mr. Monk sich bei Natalie, Captain Stottlemeyer und Randy bedanken, dass sie in nach Brasilien geschickt hatten. Natürlich meinte er es nicht ernst, denn wo, wenn nicht in Südamerika gab es eine Unmenge an Bakterien? Mr. Monk hatte sich bei einem Arzt informiert: In Brasilien war es nicht ratsam, Leitungswasser zu trinken, man durfte nur abgekochte Milch trinken, kein Obst aus Straßenverkäufen essen und ebenso war es ratsam einen Strohhalm zu benutzen, sodass er beim Trinken nicht die Flasche berührte. Natürlich war das Alltag für Mr. Monk. Er war mit zwei Koffern in dieses Land gekommen: In einem befanden sich unzählige Desinfektionstücher, in einem anderen seine Kleidungsstücke. Dass er dafür Übergepäck bezahlen musste, nahm er gerne in Kauf. Ebenso hatte er seinen eigenen Duschkopf von Zuhause mitgebracht: Mr. Monk hasste es, sich unter fremde Duschköpfe stellen zu müssen, denn er glaubte dann, dass das Wasser nicht sauber war. Auch sein eigenes Kopfkissen hatte im Check In- Gepäck den Weg nach Südamerika gefunden.
Nun saß Mr. Monk in einem schäbigen BMW und der brasilianische Fahrer brachte ihn soeben in das Hotel, welches seine Freunde für ihn reserviert hatten. Es war Februar und denkbar heiß im Land des Samba: Die Sonne brannte vom Himmel und die Luftfeuchtigkeit war hoch. Monk fühlte sich als liefe er gegen eine Mauer, als er vor dem Hotel aus dem Fahrzeug stieg und dem Fahrer wiederwillig Trinkgeld reichte. Im Inneren des Gebäudes ärgerte er sich zuerst über die ausschließlich portugiesisch sprechende Rezeptionsdame, bevor ihn ein Portier in sein Zimmer brachte. Das Zimmer war sparsam eingerichtet und Monk begann sich zu fragen, wie viel Geld seine Freunde für dieses Hotel ausgegeben hatten. Hoffentlich nicht allzu viel.
Monk beschloss, dass er sich von der Einreise erholen musste und so legte er sich ins Bett. Zuvor bezog er es mit seiner eigenen Bettwäsche, die er aus San Francisco mitgebracht hatte.

Am Abend beschloss er, sich das Hotel ein wenig genauer an zusehen: Mr. Monk hatte eigentlich vorgehabt, seien gesamten Aufenthalt in seinem Zimmer zu verbringen, aber da es keinen Roomservice gab und er nicht genau wusste, wo sich das Hotelrestaurant befand, musste er sein Zimmer verlassen. Der Mann an der Rezeption sprach kein Englisch und durch Gesten schickte er Monk auf die Dachterrasse des Hotels. Er hatte gelesen, dass viele Hotels in Rio de Janeiro einen Pool auf dem Dach hatten und so auch dieses. Doch anstelle einer ruhigen Terrasse mit angrenzendem Fitnessstudio erwartete ihn eine lebhafte Party. Scheinbar alle Gäste des Hotels hatten sich auf dem Dach versammelt: Einige Kinder sprangen lachend in den Pool, eine Gruppe Urlauber trank Cocktails an einer Bar. Unschlüssig blickte er sich um und fragte sich für eine Sekunde, was er tun sollte. Monk überlegte, ob er in sein Hotelzimmer zurückgehen und sich dort verschanzen sollte, wie er es geplant hatte, doch etwas brachte ihn dazu, nicht auf dem Absatz kehrt zu machen.
Er beschloss, sich an einen Tisch in der Nähe der Tür zu setzen und die Menschen zu beobachten. Monk war ein genialer Beobachter. So fand er heraus, dass der glatzköpfige Mann in der roten Badehose der Vater von zwei Kindern war, die im Pool spielten und anhand der Worte, die er seiner Frau zurief, stellte Monk fest, dass der Mann aus einem spanisch- sprachigem Land in Südamerika kommen musste. Ein anderes Pärchen kam aus Rio Grande do Sul und ein anderes aus Santa Catarina, das erkannte Monk daran, weil der Mann ein Fußballtrikot der Mannschaft aus Florianópolis trug.
Eine blonde Frau eilte zu ihm und fragte ihn auf Portugiesisch, ob er den freien Stuhl neben sich noch brauchte. Sie gehörte zu der Gruppe, die sich an der Bar soeben noch mit Cocktails eingedeckt hatte.
„Es tut mir Leid. Ich spreche Ihre Sprache nicht“, entschuldigte er sich und seine Pupillen huschten unruhig hin und her.
„Sie sprechen Englisch?“, fragte sie und drehte sich einmal zu ihren Freunden um, „Ich wollte Sie fragen, ob sie diesen Stuhl brauchen.“
„Nein.“
„Sind Sie alleine hier?“
„Ja, ähm… Naja… Also ich… Ich bin nicht interessiert.“
„Was?“, die blonde Frau legte ratlos die Stirn in Falten, dann verstand sie, „Das war keine Einladung zu einem Date. Ich wollte Sie fragen, ob Sie vielleicht mit an unseren Tisch kommen möchten. Englischsprachige Touristen sind in Brasilien selten.“
Das hatte Monk bereits bemerkt. Und auch, wenn er sich über die Einladung freute, schüttelte er den Kopf. Die blonde Frau griff noch einmal nach dem Stuhl und trug ihn zu dem Tisch zurück, an dem ihre Freunde auf sie warteten.

„Wer war das?“, wollte Connor interessiert von Lindsay wissen, als sie sich neben ihm setzte und nach ihrem Cocktail griff.
„Ich weiß nicht“, gab sie zu und drehte sich noch einmal nach dem Mann um, „Er hat einen amerikanischen Akzent.“
„Hast du ihn gefragt, ob er zu uns an den Tisch kommen möchte?“, wollte Peter von ihr wissen und Lindsay nickte. Sie erzählte ihnen, dass ihr neuer Bekannter offenbar keine Lust hatte, mit ihnen zu sprechen. Peter, Connor, Anton und Claire sahen nun zu Monk, der bemerkte, dass sie ihn beobachteten und er fühlte sich noch unsicherer als zuvor, denn er fing an, ratlos abwechselnd nach links und rechts zu schauen. „Was ist mit ihm?“, fragte Peter dann, „Was hast du zu ihm gesagt?“
„Nichts. Ich…“, jetzt verstand sie, worauf er hinaus wollte und sie war entsetzt, „Ich habe ihn lediglich gefragt, ob er sich zu uns setzen möchte.“
„Vielleicht sollte ich mit ihm reden“, schlug Anton vor, stand auf und ging zu Monk hinüber. Es dauerte nicht mal eine Minute bis die beiden mit Monks Stuhl zurückkehrten. Er setzte sich zu ihnen und sie begannen ein Gespräch über San Francisco. Für Monk war es seltsam über seinen Beruf und seine Heimatstadt zu sprechen, doch er schien diesen Leuten trauen zu können. Sogar von Trudy erzählte er ihnen. Nachdem er erfahren hatte, dass auch seine neuen Bekannten aus beruflichen Gründen in Brasilien waren und dass sie offenbar ihr Geld verdienten, in dem sie mysteriösen Phänomenen hinterherjagten. Monk hielt diesen Beruf für ziemlich fragwürdig aber andererseits war er nicht dazu berechtigt, sich ein Urteil über sie zu bilden. Er wollte ihnen soeben erzählen, dass seine Freunde ihn auf diesen Trip geschickt hatten, als ein Schrei ihr Gespräch unterbrach. Der Schrei kam aus dem Fitnessstudio des Hotels. Der Barkeeper schaltete die Musik sofort aus und die Gäste beeilten sich, die schmale Treppe hinauf zu huschen.
„Wir sollten nachsehen“, schlug Connor vor, stand auf und kämpfte sich durch die Menschenmenge, die die Treppe bereits blockierte. Er entschuldigte sich, als er einige Personen beiseiteschob. „Lindsay, was heißt „Entschuldigung“ auf Portugiesisch?“, fragte er, als er bemerkte, dass die Meisten Menschen ihn gar nicht verstanden.
„Desculpe“, antwortete sie. Connor wiederholte, was sie gesagt hatte und gefolgt von seinen Freunden, kämpfte er sich durch die Menge, bis sie schließlich die gläserne Tür zum Fitnessstudio erreichten. Sie sahen eine junge Frau, die das Studio soeben betreten hatte. Ein toter Mann lag ausgestreckt auf einem der Laufbänder.

Sie verstanden die Polizei kaum, als diese kam um sich die Leiche des Mannes genauer anzusehen.
„Sport ist Mord“, sagte Peter, als ein Polizist Fotos von dem Mann machte.
„Mr. Monk, Sie sind Privatdetektiv. Sie sollten der Polizei Ihre Hilfe anbieten“, schlug Lindsay vor. Sie und ihre Freunde und Mr. Monk standen noch immer auf der kleinen Terrasse vor dem Fitnessstudio und beobachteten durch die Glasscheibe, wie die Männer von der Brasilianischen Policia ihre Arbeit machten.
Anton und Connor bemerkten, wie Monk gequält mit den Augen rollte. „Aber diese Leute verstehen doch gar nicht, was ich sage“, in Gedanken fügte er noch hinzu, dass sie fast wie seine Assistentin Natalie klang. Lindsay bot an, den Dolmetscher zu spielen. Auch, wenn ihr Portugiesisch nicht fehlerfrei war. „Sie sollten helfen, Mr. Monk.“
„Ich bin sicher, die Polizei hat es hier öfter mit Leuten zu tun, die erschlagen wurden.“
„Erschlagen?“ wiederholte Peter ungläubig und sie alle sahen zu dem toten Mann, der auf einem Laufband lag und in dessen Schädel der Absatz eines blauen Sambaschuhs in den Schädel gerammt wurde, „Und womit?“
„Zum Beispiel mit einem Stück Holz… Danach hat jemand einem Sambaschuh seinen Schädel durchbohrt… Aber die Verletzung auf der anderen Seite des Schädels muss von einer größeren, massiveren Waffe stammen. Ich gehe davon aus, der Killer war eine Frau“, und als Monk sah, dass Lindsay fragen wollte, warum er das dachte, fügte er hinzu: „Er wurde schließlich mit einem Damenschuh ermordet.“
„Das muss gar nichts heißen… Vielleicht wurde der Schuh gestohlen.“
„Das ist eine sehr brutale Art, zu sterben“, fügte Connor und als er sah, wie die Polizisten mit den Kopf schüttelten, ermutigte er den Detektiv noch einmal, sich an der Ermittlung zu beteiligen. Monk willigte ein, als alle Augen unruhig auf ihn ruhten. Gemeinsam mit Lindsay als Dolmetscher und dem gesamten Team im Rücken machte er sich auf den Weg zur Polizei um seine Hilfe anzubieten.

Die Polizeistation, auf der der Mord untersucht wurde, befand sich nicht weit entfernt vom Hotel und der zuständige Beamte hatte ihnen sogar erlaubt, bei der genauen pathologischen Untersuchung des Schuhes durch eine Glasscheibe zuzusehen. Lindsay rollte angewidert mit den Augen, als die Gerichtsmedizinerin den Schuh aus dem Schädel des Mannes zog und Gehirnmasse von den glitzernden Schmucksteinen abkratzte.
„Es handelt sich um den Schuh für den rechten Fuß und er hat Schuhgröße 6“, sagte die Frau in ihr Mikrofon und Peter war froh, dass ihre Gerichtsmedizinerin die englische Sprache beherrschte, „In Brasilien entspricht das einer Schuhgröße 37.“
Peter nickte und vermutete, dass sie nach einer kleinen Frau suchten, sollte es sich wirklich um eine Killerin handeln.
„Also ist die Besitzerin des Schuhes eher klein“, schlussfolgerte Lindsay und Peter nickte erneut, weil er ihre Gedanken gelesen hatte. Ihre Suche gestaltete sich als schwierig: Viele Brasilianerinnen waren klein und hatten zierliche Figuren.
Hinter ihnen ging eine Glastür auf und Monk und Connor traten ein. Lindsay stellte fest, dass Connor nicht sehr glücklich aussah. Und sie bemerkte, dass Monks Zeigefinger in eine dicke Mullbinde eingewickelt war. „Was ist passiert?“, wollte Peter wissen, der den Verband ebenfalls gesehen hatte, „Haben Sie in der Nase gepopelt und sind dabei gestolpert?“
Lindsay fand Peters Scherz gar nicht lustig und gab ihm einen Klaps auf die Schulter.
„Nein, ich… ich bin nicht gestolpert. Ich habe mich geschnitten… an einer Papierkante… als ich die Berichte gelesen habe…“ Und als die Krankenschwester in der Krankenstation der Polizei seinen Finger verbunden hatte, hatte er ihr gesamtes Desinfektionsmittel aufgebraucht.
„Was haben Sie herausgefunden?“, wollte Monk wissen und die Gerichtsmedizinerin griff noch einmal nach ihrem Mikrofon: „Wir suchen nach einer kleinen Frau, wenn wir den Vermutungen ihrer Kollegen trauen können.“
Lindsay verstand nicht, was daran falsch sein sollte.
„Jedenfalls wurde Gustavo Barros Torres tatsächlich mit einem Stück Holz erschlagen und dann wurde ein Sambaschuh in seinen Schädel gerammt. Zuvor hat er sich allerdings noch mit einer Frau vergnügt. Wir haben fremde DNS- Spuren an ihm gefunden.“
Peter und Connor waren erstaunt. „Sie kennen unser Opfer?“
„Er hatte einen Ausweis bei sich“, sagte die Gerichtsmedizinerin, „Und außerdem ist Gustavo Barros Torres hier in Brasilien ein Superstar. Er hat für zwei Staffeln bei Por Amor mitgespielt und…“, sie bemerkte, dass, ihre Zuhörer ihr keine Aufmerksamkeit mehr schenkten und widmete sich ein wenig beleidigt ihrer Arbeit. Sie hoffte, noch einen Fingerabdruck am Schuh zu finden.
„Das wird ja immer besser“, murmelte Lindsay, „Die Leiche ist ein Schauspieler.“ Noch dazu ein berühmter und ein gutbezahlter. Lindsay fragte sich, warum er dann ausgerechnet in einem Mittelklassehotel abgestiegen war. Sie glaubte, dass man sich auch als brasilianischer Superstar etwas besseres Leisten konnte.

In der Lobby ihres Hotels setzten sie sich auf große Ledersessel und beobachteten, wie Lindsay und Connor mit dem Hotelpersonal sprachen. Sie wollte wissen, ob Gustavo Barros Torres tatschlich hier abgestiegen war und natürlich hüllte sich das Personal in Schweigen. „Wir brauchen Hilfe“, schlug Lindsay vor, die für Connor hauptsächlich als Dolmetscher fungierte. Er fragte sie, woran sie dachte und ohne zu antworten, machte sie sich auf den Weg zu den großen Ledersesseln. Sie blieb vor Mr. Monk stehen und befahl ihm, mit ihr zu kommen. Peter war überrascht, dass Monk gehorchte und ihr zur Hotelrezeption zurückfolgte. „Das ist Mr. Monk“, sagte sie auf Portugiesisch zu dem Mann, „Er hilft der Polizei den Mörder von Gustavo Barros Torres zu finden. Wir brauchen Ihre Hilfe: Wir möchten wissen, ob er hier in diesem Hotel gewohnt hat.“ Als sie dies sagte, schaute sie der Mann sehr entsetzt an. Und weil es sich bei Monk offensichtlich um eine wichtige Person handelte, durchsuchte er seinen Computer. Dann schüttelte er den Kopf. Er entschuldigte sich bei Mr. Monk, weil er keine Daten über  den berühmten Schauspieler finden konnte.
„Vielleicht hat er einen falschen Namen benutzt“, schlug Monk vor, doch der Mann hinter der Rezeption schüttelte den Kopf. „Das kann nicht sein. Jeder unserer Gäste muss uns beim Einchecken den Ausweis zeigen.“
Jetzt war es an ihnen, überrascht zu sein: „Sie sprechen Englisch?“

Der junge Mann hieß Marcelo und war bereit, ihnen zu helfen, also trafen sie sich eine halbe Stunde später, am Ende seiner Schicht im Restaurant des Hotels. „Ich schwöre bei Gott, dass niemand vom Personal wusste, dass Gustavo Barros Torres in diesem Hotel abgestiegen ist… Verstehen Sie mich nicht falsch, aber: meine Kollegen sind sehr geschwätzig. Wenn jemand bemerkt hätte, dass Gustavo hier ist, hätten es alle innerhalb kürzester Zeit gewusst.“ Ihre Theorie mit dem falschen Namen war ohnehin zerschlagen, wenn es stimmte, dass jeder Hotelgast seinen Ausweis zeigen musste.
„Vielleicht hatte er falsche Papiere“, schlug Claire vor und der Rest ihres Teams nickte. Man hatte sie vor ihrer Ankunft in Brasilien gewarnt, dass sie ihre Papiere gut im Safe verschließen sollten. Ein Ausweis war auf dem Schwarzmarkt viel Geld wert.
„Gustavo ist hier so berühmt, den hätte man sogar mit gefälschten Papieren erkannt“, versprach Marcelo ihnen, „Er hat definitiv nicht in diesem Hotel gewohnt.“
„Aber was wollte er dann hier?“, fragte Connor und bemerkte aus den Augenwinkeln, wie Monk mit seinen ausgestreckten Händen wellenartige Bewegungen machte und seine Handflächen dabei gegen einen imaginären Spiegel zu pressen schien.
„Warum fuchteln Sie mit den Händen?“, fragte Lindsay und Monk hörte sogleich damit auf.
„Was Gustavo hier wollte, ist tatsächlich eine gute Frage“, bemerkte Marcelo und Lindsay wollte wissen, was er damit meinte. „Er sollte jetzt in São Paulo sein, um seinen neuen Film zu drehen. Dass er sich jetzt in Rio aufhielt, wusste niemand.“
„Oh doch. Irgendjemand hat es gewusst!“, widersprach Peter, „Und dieser jemand ist sein Killer.“

Am Abend klopfte es an Monks Zimmertür und er erhob sich träge von seinem Sessel, um dem Besuch zu antworten. Der Rest des Teams stand vor seiner Tür.
„Warum sind Sie noch hier?“, fragte Lindsay. Sie verstand nicht, warum Monk an einem Samstagabend in seinem Hotelzimmer saß und ins Portugiesische übersetzte Krimiserien mit Untertiteln bevorzugte, von denen er wahrscheinlich nicht einmal ein Wort verstand.
„Ich sehe fern“, Mr. Monk wollte nicht zugeben, dass er sich vor den Bakterien und Keimen fürchtete, „Obwohl ich zugeben muss, dass dieser Film keinen Sinn ergibt.“ Er hatte inzwischen zu TNT Brasil gewechselt, wo der Simpsons- Film gezeigt wurde, „An manchen Stellen in der Geschichte ist die Kuppel, die über der Stadt angebracht wird, meterdick und manchmal im Film ist sie nur wenige Zentimeter dick.“
Connor und Peter konnten nicht fassen, dass sein einziges Problem die Kuppel in einem Zeichentrickfilm war. „Es ist schönes Wetter draußen“, sagte Lindsay, „Wir gehen an die Copacabana. Dort findet eine Strandparty statt. Marcelo hat uns heute doch gesagt, dass viele Prominente dort sein werden und vielleicht können wir dort herausfinden, wer von Gustavos Anwesenheit in Rio wusste. Kommen Sie doch auch mit.“
“Nein”, Monk schüttelte hektisch den Kopf, “Ich bleibe lieber hier…. Außerdem stecken wir in einer Mordermittlung. Wie können Sie da an eine Party denken?”
Claire musste zugeben, dass er durchaus Recht hatte, aber sie fand auch, dass sie sich davon den Tag nicht verderben lassen durften. Außerdem versuchten sie auf der Party herauszufinden, wer davon wusste, dass sich Gustavo in Rio aufhielt.
„Okay“, gab Connor leise nach und sie verließen sein Zimmer. Bevor sie endgültig gingen, erinnerten sie ihn daran, dass sie sich morgen zum Frühstück treffen würden.

It's a jungle out there
Disorder and confusion everywhere
No one seems to care, well I do
Hey, who's in charge here?
It's a jungle out there
Poison in the very air we breathe
Do you know what's in the water that you drink?
Well I do, and it's amazing
People think I'm crazy, 'cause I worry all the time
If you paid attention, you'd be worried too
You better pay attention
Or this world we love so much might just kill you
I could be wrong now, but I don't think so!
'Cause there's a jungle out there.
It's a jungle out there.               („It´s a jungle out there“ by Randy Newman)

Am nächsten Morgen wollten sich nicht im Hotel frühstücken sondern in einem kleinen Café in der Nähe der Copacabana. Da ihr Hotel nicht weit vom berühmtesten Strand der Welt entfernt war, war es leicht, sich zu Fuß auf den Weg zu machen. „Es ist furchtbar hier“, während sie eine Straße hinuntergingen, drehte Monk sich zu einer Gruppe Straßenmusiker herum, die den Bossa- Nova „The Girl from Ipanema“ spielte, „Sogar die Musik ist furchtbar.“
„Sagen Sie nichts, was Sie später bereuen könnten“, warnte Connor ihn. Die Brasileiros mochten es gar nicht, wenn man ihr Land oder ihre Kultur nicht schätzte. Und noch weniger mochten sie es, kritisiert zu werden. Allerdings waren die Menschen zu Recht stolz auf diesen wundervollen Ort, dachte Connor. Und das Sprichwort „Gott ist ein Brasilianer“ schien zu stimmen.
Unterwegs kamen sie bei Zona Sul, einer brasilianischen Supermarktkette, vorbei. Connor schickte Lindsay, Anton, Claire und Peter voraus, damit sie ihren reservierten Tisch bekommen würden. Er selbst wollte noch einige Einkäufe erledigen.
„Sie wollen hier wirklich einkaufen?“, fragte Monk, der überraschender Weise bei ihm geblieben war.
„Aber natürlich“, antwortete Connor und holte arglos eine Flasche Cola aus dem Kühlregal. Obwohl es bereits Februar war, wurden in Brasilien noch immer Cola- Flaschen mit Weihnachtsmann- Motiv verkauft.
„Dieser Kühlschrank ist schmutzig“, beschwerte der Detektiv sich, aber Connor konnte keinen Schmutz sehen, „Außerdem: Haben Sie schon das Fleisch gesehen?“, er zeigte auf den hinteren Teil des Ladens. Dort hingen große Stücke Schweinefleisch und Rindfleisch in einer riesigen Kühlkammer, in die man durch Glasscheiben sehen konnte.
„Mr. Monk, dass Fleisch auf diese Art verkauft wird, ist in Brasilien so üblich“, erklärte Connor, „Außerdem ist das ein sauberer Supermarkt und die Lebensmittel in Brasilien werden alle in sauberen Fabriken hergestellt.“ Connor zeigte ihm sogar, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum auf den Lebensmitteln noch lange nicht überschritten war, machte sich auf den Weg zur Kasse und bezahlte für die Flasche Cola und für seine Süßigkeiten insgesamt 7 Reais. Dann verließen die beiden den kleinen Supermarkt. „Sie müssen bald einmal etwas essen: Sie verhungern sonst noch.“ Und in Gedanken fügte Connor hinzu, dass ihm das Frühstück im Restaurant recht kam.
Sie trafen auf Peter, Anton, Claire und Lindsay in einem kleinen Straßencafé. Sie konnten in Mr. Monks Gesicht sehen, dass es ihm Widerstrebte sich zu setzen weil an der Straße ziemlich viele Autos vorbeifuhren.
Der Kellner kam und brachte ihnen ihre Auswahl aus einem kontinentalen Frühstück. Lindsay hatte sich erlaubt, für Monk Kaffee und Cornflakes und einige kleine Gebäckteile auszusuchen.
„Ich kann das nicht essen.“
„Wieso nicht?“
„Weil…“, Mr. Monk überlegte, „Die Milch, verstehen Sie?“
Lindsay betrachtet die Glaskanne voller Milch in ihrer Hand. Für eine Sekunde sah es so aus, als verstünde sie sein Problem tatsächlich, doch dann kippte sie die Milch in seine Schüssel. „Sie müssen etwas essen, Mr. Monk. Außerdem ist das hier abgekochte Milch aus der Restaurantküche.“
„Wie viele Schokolinsen sind in der Schüssel?“, fragte Monk nun.
„Warum fragen Sie das?“, wollte Lindsay wissen und ihr Ton erinnerte den Detektiv ein wenig an Natalie, die jetzt bestimmt zuhause in ihrer nicht keimverseuchten Wohnung hockte und nicht keimverseuchte Milch trank.
„In der Schüssel muss eine gerade Anzahl von Schokolinsen sein“, antwortete Mr. Monk.
„Du hättest Müsli für ihn bestellen sollen. Das kann er zumindest nicht zählen“, kommentierte Peter und Lindsay stellte die Milchkanne ab und sah ihn ungläubig an.
Während Peter aß, fragte er sich, welche Phobien Monk wohl noch hatte: Gestern Abend hatte er zufällig beobachtet, wie Monk in seinem Hotelzimmer mehrere Minuten lang eine Kerze ausrichtete, er desinfizierte sich ständig die Hände mit Tüchern, er putzte ständig, er sortierte alles Mögliche und offenbar fürchtete er sich vor Clowns. Außerdem brachte Monk zum Essen nur sein eigenes Besteck mit, so auch jetzt. Er hatte Mr. Monk gestern Abend gefragt, warum er das alles tat und Monk hatte ihm erklärt, dass sich diese Phobien nach dem Tod seiner Frau Trudy verstärkt hatten, die in einem Parkhaus ermordet worden war.
„Entschuldigen Sie mich, ich…“, Monk erhob sich von seinem Stuhl, „Ich habe nur drei Stücke Kleingebäck auf meinem Teller.“ Er stand auf, um sich am Büfette noch ein viertes Stück zu holen. Peter, Connor und Lindsay sahen ihm ungläubig nach.
„Es erstaunt mich, dass seine Freunde es überhaupt mit ihm aushalten“, sagte Connor, als Monk außer Hörweite war.
„Also schön“, seufzte Lindsay, „Er ist ein wenig neurotisch, aber er weiß, was er tut. Wenn es stimmt, was ich auf der Internetseite der Polizei aus San Francisco gelesen habe, dann ist er ein genialer Detektiv.“
„Es fällt mich schwer das zu glauben“, verkündete Peter, „Vielleicht ist er einer von den irren Leuten, die sich heimlich im Keller einschließen und dann alle Psycho- Filme ohne Unterbrechung anschauen.“
„Den Eindruck macht er nicht auf mich“, widersprach Connor und Lindsay bedankte sich dafür, dass er nun zu ihr hielt.
Monk kam mit seinen Gebäckstücken zurück und fragte sie, was sie gestern Abend auf der Strandparty herausgefunden hatten. „Wir haben mit einigen Leuten geredet. Dann sind wir rausgeflogen“, antwortete Lindsay.
„Wie… Also, wie kann man denn von einem Strand rausgeworfen werden?“
„Peter hat einem Barmann das Okay- Zeichen für Taucher gezeigt. Er wusste nicht, dass dieses Zeichen in Brasilien ein obszöner Ausdruck für eine gewisse Körperöffnung ist. Danach wurden wir der Party verwiesen.“
„Das meinte ich nicht“, erklärte Monk, „Wie viele Leute wussten, dass sich Gustavo in Rio aufhält?“
„Sehr viele wussten davon und es wird Wochen dauern, die alle zu überprüfen: Seine Kollegen vom Filmset in São Paulo wussten es, sein Produzent wusste es. Sein Assistent, dem er eine SMS geschickt hat. Der Drehbuchautor und sein bester Freund wussten Bescheid, da er beide vom Flugzeug aus angerufen hatte. Eine Telefonrechnung der TAM- Airline bestätigt das….Und seine Ehefrau, die alle bedauern, dass er jetzt tot ist.“
„Wo ist seine Frau jetzt?“, wollte Monk wissen. Er fragte sich, warum sie sie bis jetzt noch nicht getroffen hatten. Er hatte vermutet, dass sie ihren Mann nach Rio begleitet hatte.
„Wir haben seinen Produzenten getroffen und er, sie würde sich momentan in Fortaleza aufhalten, dem Ferienwohnort der beiden. Angeblich kann sie nicht nach Rio kommen, weil sie hochschwanger ist und die Airlines sie nicht mehr mitfliegen lassen.“ Wie Gustavos Frau die Nachricht über den Tod ihres Mannes aufgenommen hatte, wusste sie nicht: Darüber hatte der Produzent kein Wort verloren. Monk kombinierte: Also war die Frau, deren DNS- Spuren die Polizei an der Leiche gefunden hatte, nicht Gustavos Ehefrau.
„Wusstet ihr, dass Gustavo von seiner schwangeren Frau die Scheidung wollte?“, fragte Claire plötzlich und ihre Kollegen sahen sie überrascht an, „Das hat mir Marcelo erzählt.“
„Das wäre ein Motiv ihn zu töten“, kombinierte Connor, „Unter der Voraussetzung das Gustavo viel Geld hatte.“ Er beschloss, dass Lindsay seine Frau ihn einmal anrufen sollte.

Carina, Gustavos Frau erwies sich als Plaudertasche und nach bereits fünf Minuten am Telefon rollte Lindsay genervt mit den Augen. Ihr Portugiesisch war außerdem nicht perfekt und am Telefon verstand sie noch weniger, als wenn sie ihre Gesprächspartner direkt vor sich sah. Zuerst fragte sie Carina, wie es ihr ging und erst am Ende ihres Gespräches kam sie zu der Frage nach Ihrer Schuhgröße. Carina antwortete, ihre Schuhgröße sei 6 und natürlich wollte sie wissen, warum Lindsay das fragte. Lindsay bedankte sich und legte auf. Gestresst presste sie die Spitzen ihrer beiden Zeigefinger gegen den Nasenknochen auf Höhe der Augen. „Was ist?“, fragte Connor besorgt und sie schüttelte den Kopf.
In diesem Moment betrat Peter den Raum. Er war für ein kurzes Telefongespräch mit der Polizei auf den Balkon gegangen. „Die Polizei hat herausgefunden, in welchem Hotel Gustavo eigentlich gewohnt hat“, rief Peter ihnen zu, „Und in seinem Zimmer haben sie eine Quittung für ein Paar blaue Sambaschuhe gefunden.“
„Das verstehe ich nicht“, gab Lindsay zu, „Er wurde mit seinem eigenen Schuh ermordet.“
„Nicht ganz“, sagte Connor, „Vielleicht waren die Schuhe ein Geschenk für seine Frau. Die Größe würde passen.“
„Aber wie kommt der Schuh von seinem Hotel in das Hotel, in dem er ermordet wurde?... Außerdem: Warum sollte er ihr etwas schenken wollen, wenn es stimmt was Marcelo erzählt hat und er die Scheidung eingereicht hatte?“ Und wo war der zweite Schuh?
Da war noch etwas anderes, was man gefunden hatte: Einen Briefumschlag mit drei Plastikröhrchen. Peter hatte solche Röhrchen schon einmal gesehen. Er war sicher, dass sie für Vaterschaftstest verwendet wurden.

Sie wollten sich das Hotelzimmer des Toten einmal ansehen, also fuhren sie zusammen mit einem Taxi ins Stadtteil Leblon. Dieses war, neben Ipanema, für seine bessergestellten Einwohner und unabhängige Kunst bekannt. Die Sonne brannte heute vom Himmel, als sie vor dem San Christianos ausstiegen. Connor, Lindsay und Monk waren bereits früher am Hotel, als das Taxi, mit dem Peter, Anton und Claire fuhren.
„Ich gehe rein und frage, ob die Polizei noch da ist“, schlug Connor vor und Lindsay nickte ihm zu. Sie versprach, mit Monk hier draußen zu warten.
„Was soll das?“, fragte Monk und Lindsay verstand nicht.
„Was soll was?... Mr. Monk, wovon sprechen Sie?“
„Sie sind verliebt in ihn.“
„Was?!“, Lindsay sah ihn entsetzt an, „Woher wissen Sie das?“
„Das kann ich sehen“, und bevor Lindsay ihm noch widersprach, fügte er ein „Ich bin Detektiv“ hinzu.
„Sagen Sie mir gleich noch, dass jeder es sehen kann?“, fragte sie ihn barsch und in diesem Moment kam Connor zurück. Er blieb neben Lindsay stehen und sah die beiden ziemlich verwirrt an, da er ihren letzten Satz gehört hat. „Was kann jeder sehen?“, wollte er wissen.
„Ach nichts“, antworteten Monk und Lindsay gleichzeitig, das zweite Taxi traf ein und sie beschlossen, gemeinsam ins Hotel zu gehen. Sie hatten Glück: Die Polizei war noch vor Ort und sie ließen sie sogar einmal in Gustavos Zimmer. Es war eine schicke Unterkunft aber es sah hier nicht so aus, als habe ein Kampf stattgefunden: Alles war ordentlich und aufgeräumt. Daraus schlossen sie, dass das nicht der Ort war, an dem Gustavo Barros Torres umgebracht worden war.

Am Abend nach dem Dinner, warteten sie an der Rezeption ihres eigenen Hotels auf Taxen, die Marchelo für sie gerufen hatte. Sie wollte noch einmal zur Polizeistelle fahren um zu erfahren, ob man an dem Sambaschuh nicht doch noch irgendwelche Spuren gefunden hatte.
„Ich weiß, wer es getan hat“, sagte Monk plötzlich, „Der Produzent war es…. Sie haben ihn auf der Party getroffen und von allen Leuten, die wussten, dass Gustavo in Rio ist, war er der einzige, der sich ebenfalls hier aufhält... Er hat herausgefunden, dass sich Gustavo heimlich mit einer Frau aus Rio trifft. Er hat ebenfalls heimlich eine Affäre mit Gustavos Frau. Das Kind, mit dem sie schwanger ist, ist nicht das von Gustavo. Er muss das gewusst haben und wollte die Scheidung. Und als sein Produzent von der Frau aus Rio erfahren hatte, hat er die Chance genutzt um Gustavo aus dem Weg zu räumen. Somit ginge Gustavos Noch- Ehefrau nicht leer aus, sondern bekäme den gesamten Nachlass ihres toten Mannes… Und damit das ganze wie ein Unfall aussah, hat er ihn kurzerhand im Fitnessstudio auf dem Laufband deponiert.“
„Ja. Nur hat er sich nicht geschickt angestellt: Die Laufbänder waren abgeschaltet, als die Leiche  gefunden wurde und auch der Schuh steckte noch in seinem Schädel.“ Sie hatte ein fabelhaftes Auge für die Details.
„Wie heißt sein Produzent?“, wollte Monk wissen.
„Mariano Durita“, antwortete Marcelo hinter dem Counter und hielt einen Moment inne. „Diesen Namen habe ich schon einige Tage zuvor auf der Gästeliste gesehen.“
„Also das ist die Verbindung!“, rief Lindsay, „So kommt der Sambaschuh in dieses Hotel: Der Produzent, mit dem Gustavos Frau heimlich eine Affäre hat, hat ihn in Gustavos Gepäck gesehen und weil er das Geschenk für seine Frau nicht mehr brauchen würde, hat dieser Mariano Durita es an sich genommen. Er wollte es Carina schenken.“
„Dummerweise hat er nicht damit gerechnet, dass Gustavo ihn in seinem Hotel aufsuchen würde. Obwohl auch er eine Affäre hatte, wollte er wissen, warum ausgerechnet sein Produzent so etwas tat.“
Monk nickte zustimmend. „Wenn wir das Hotelzimmer von Mariano Durita durchsuchen, finden wir dort bestimmt den zweiten Schuh.“

Mariano Durita wohnte nicht in selben Hotel wie Gustavo, aber auch seine Unterbringung ließ vermuten, dass er den einen oder anderen Real mehr besaß, als seine Mitbürger. Der Mann war überrascht, als er den Besuch, in seinem Zimmer stehen sah und der Portier sich entfernte.
„Sind Sie Fans von Gustavo?“, wollte er wissen. Ein Grinsen huschte über sein Gesicht, welches dann von einem traurigen Gesichtsausdruck verbannt wurde.
„Nein, wir versuchen gemeinsam mit Mr. Monk den Killer zu finden“, erklärte Claire ihm. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie, wie sich Peter, Anton und Connor suchend im Raum umschauten.
„Das ist ein schönes Zimmer, Mister Durita“, während Peter sprach entdeckte er eine Tüte, in der der zweite Schuh, ein blauer Sambaschuh, versteckt war. Peter benutzte seinen Kugelschreiber, um den Schuh anzuheben. Er wollte nicht, dass seine Fingerabdrücke darauf waren.
„Sehr seltsam. Es ist der linke Schuh. Größe 6. Passt zu dem, mit dem Gustavo ermordet wurde“, Peter wartete eine Sekunde um zu sehen, wie Mariano darauf reagierte, „Wir wissen, dass Sie es waren.“
Mariano warf nervös einen Blick durch den Raum. „Er hat seine Frau nicht verdient!“, rief er, „Ich hab nach ihm gesucht und als ich ihn in seinem Hotelzimmer nicht finden konnte, habe ich seinen Fahrer bezahlt, damit er mit sagt, wo Gustavo hingefahren ist. Ich bin ihm gefolgt und habe ihn gesehen, wie er sie betrogen hat mit einer Frau aus dem Grand Copacabana Hotel.“
Das war ihr Hotel. Das Hotel, in dem Gustavo tot aufgefunden worden war.
„Ich habe gewartet, bis er fertig war, und als er aus ihrem Zimmer gekommen ist und auf den Aufzug gewartet hat, hab ich meine Chance ergriffen und ihm mit einem losen Brett niedergeschlagen. Ich hasse ihn für das, was er Carina angetan hat. Ich wollte, dass er leidet und in diesem Moment erschien mir nichts erstrebenswerter, als ihm den Schuh in den Schädel zu rammen, den er für Carina gekauft hat.“
„Da gibt es nur ein Problem“, sagte Connor und beobachtete, wie Peter mit seinem Handy bereits die Polizei rief, „Gustavo hat gewusst, dass auch Sie eine Affäre mit seiner Frau hatten.“
„Woher wissen Sie das?“
„Wir haben einen Vaterschaftstest in seinen Sachen gefunden. Den wollte er wohl durchführen, sobald das Kind geboren war.“

Fünf Tage später war der Tag ihrer Abreise und auch heute war es erdrückend heiß in Rio de Janeiro. Nach dem Frühstück war es Zeit zum Aufbrechen und sie hatten sich in der Lobby des Hotels versammelt, sodass sie nur noch auf ihren Fahrer warten mussten, der sie zum Flughafen brachte. Dort würden sie in ihre Maschine steigen, die sie von Rio nach São Paulo brachte und von dort weiterflog nach Kanada.
Aufgrund der Hitze trug Lindsay ein blaues, kurzes Kleid. „Wow“, sagte Claire, als sie Lindsay darin sah, „Zieh dich besser um.“
„Wieso?“, wollte Lindsay wissen.
„Niemand sieht dir in die Augen, wenn du ein Kleid mit einem so tiefen Ausschnitt anziehst.“
„Connor schon.“ Außerdem fand sie ihr Kleid völlig in Ordnung.
„Träum weiter“, Claire rollte mit den Augen und setzte sich zu Peter auf die Couch. Sie fragten sich, wie lange sie noch auf ihren Fahrer warten mussten, bis dieser sie abholen kam.
Schließlich stellte Connor seinen Koffer neben Lindsays und setzte sich darauf. „Schade, dass wir heute wieder nach Hause fliegen“, sagte er und verschränkte die Arme vor dem Brustkorb.
„Ja, das ist schade…. Obwohl es hier sehr schön war“, sie machte eine kurze Pause, „Ich gebe zu, der Mord war weniger schön, aber….“
Er nickte zustimmend und sie faltete ihre Hände. Dann warf sie einen Blick auf ihr Kleid und fragte sich, ob Claire vielleicht nicht doch recht hatte.
„Wo ist Monk eigentlich?“, wollte Connor von ihr wissen.
„Wenn ich mich nicht irre, müsste er längst im Flieger nach San Francisco sitzen. Er war sehr erleichtert, als sein Fahrer ihr heute abgeholt hat.“
Wieder nickte Connor.
„Ich bin monk“, platzte es plötzlich aus Lindsay heraus, „Ich bin sicher, er hat mich angesteckt.“
„Was?“, fragte er.
Lindsay schaute über ihre Schulter, dann rutschte sie näher an ihn heran. „Ich habe auch manchmal Zwänge“, erklärte sie ihm leise weil sie befürchtete, er würde sie sonst für verrückt halten. Connor sah sich einmal suchend um und flüsterte dann: „Wirklich?... Und welche?“
„Bevor ich meine Wohnung verlasse, muss ich kontrollieren, ob der Herd und das Bügeleisen ausgeschaltet sind… Ob das Licht im Badezimmer noch brennt. Ob die Fenster verschlossen sind…“
„Und… wie lange brauchst du dafür?“, frage Connor.
„Das kommt darauf an…“
„Wie viel du kontrollieren musst?“
„Ja“, sie nickte und beobachtete, ob ihre Freunde ihr Gespräch belauscht hatten, „Was ist mit dir?“
„Nein“, er schüttelte den Kopf, „Ich habe so etwas nicht.“ Beide standen lachend von ihren Koffern auf, als sie sahen, dass ihr Fahrer seinen Wagen vor dem Hotel abgestellt hatte.

Fin
 
 
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