Die schattigen Jahre

GeschichteFamilie / P12
21.05.2013
23.05.2013
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Dieser Zweiteiler dreht sich um das Treffen zwischen Yasopp und Lysop. Es ist kurz nach der Zusammenkunft zwischen den Strohhut-Piraten und den Rothaar-Piraten angesiedelt. Vorgeschichte oder wie es zu diesem Treffen gekommen ist, ist nicht Teil dieser kleinen Erzählung. Es geht einzig und alleine um die Begegnung von Vater und Sohn; da ich mich schon lange gefragt habe, wie ein Treffen zwischen den Beiden aussehen könnte. Denn wenn Ruffy auf Shanks trifft, trifft Lysop wohl oder übel auf seinen Vater!

Um nicht der Geschichte etwas vorne weg zu nehmen, am Ende befindet sich noch ein Nachwort von mir! Aber eines kann ich gleich sagen! Ich bin mit dem Ergebnis mehr als zu frieden. Zu Beginn dachte ich mir, dass es nicht so wird wie ich mir das vorgestellt habe, aber nach einigen Anläufen habe ich nun das Ergebnis niedergeschrieben, welches ich mir gedacht hatte.

Ich hatte zwar vor einen One-Shot zu schreiben, da dieser aber etwas länger geworden ist wie geplant, habe ich beschlossen den One-Shot zu teilen.

Wer Fehler gefunden hat, darf mir diese gerne mitteilen.

Lg
Magic

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Gemächlichen Schrittes entfernten sich Lysop und Yasopp von der feiernden Meute. Sie hatten einige Zeit mit ihnen gemeinsam verbracht, um auf ein Wiedersehen und das Kennenlernen anzustoßen. Als ob es ansonsten einen besonderen Grund benötigte, warum Piraten auf etwas Anzustoßen hatten, geschweige denn eine Feier zu schmeißen. Dieses Mal aber gab es einen ganz besonderen Grund, selbst wenn auch ohne diesen eine Party stattgefunden hätte. Es ließ sich doch immer ein guter Grund finden. Aber mit der Ankunft von Ruffy war es etwas, worauf viele von ihnen bereits lange gewartete hatten.

Lysop hielt sich zu Beginn im Hintergrund. Ihm war durchaus bewusst geworden, dass er nun auf seinen Vater treffen würde. Was würde er zu ihm sagen? Wie würde er sich ihm gegenüber verhalten? Würde er ihn überhaupt erkennen? Würde er überhaupt mit ihm reden wollen? Oder war er einfach nur eine Schande? Lysop fühlte sich in seiner Haut nicht wohl, da er absolut nicht einschätzen konnte wie sein Vater auf ihn reagieren würde. Ruffy hatte noch versucht ihm diese aberwitzigen Gedanken auszureden und „das alles sowieso gut verlaufen wird“. Es war ein eigenes Talent von Ruffy Dinge so zu sehen, wie man sie sehen wollte. Aber Lysop konnte diese Art leider nicht teilen. In ihm ging viel zu viel auf einmal vor. Im Gegensatz zu Ruffy, der es kaum noch abwarten konnte, dass sie endlich mit den Rothaar-Piraten zusammen trafen; verspürte Lysop eine Anspannung. Er hatte sich doch geschworen ein mutiger Krieger des Meeres zu werden. Und weiß Gott hatte Ruffy ihn schon oft an seine Grenzen getrieben. Das Vertrauen, das Ruffy in ihn hatte, überraschte ihn immer wieder aufs Neue. Diese Selbstverständlichkeit, die sein Kapitän an den Tag legte und mit der er die Fähigkeiten seiner Crew schätzte. Genau in diesen Situationen, wenn Ruffy sein vollstes Vertrauen in ihn legte, wurde Lysop bewusst, dass er tun musste wozu er in der Lage ist – sein musste – sein sollte. Doch immer noch glaubte er selbst nicht an sich. Aber alle anderen taten es und es musste ihm doch eine Bestätigung geben, dass es sich lohnte so zu sein. Immer wieder musste er sich Situationen neu bewusst werden. Er konnte sie nicht im Stich lassen! Niemanden von seiner Crew! Alle verließen sich auf ihn.

Aber jetzt, in diesem Moment, war er wieder wie immer. Sich seiner selbst nicht bewusst. Er wusste nicht wie er sich verhalten sollte. Jahrelange hatte er seinen Vater nicht gesehen. Die Erinnerungen, die er an ihn hatte, waren bloß von Nebel umgeben und ließen kein klares Bild zu. Was er sich jedoch genau ins Gedächtnis rufen konnte waren die Dinge, die ihm die Menschen aus dem Dorf erzählten. Besonderes jedoch hafteten die Worte in seinem Kopf, die seine Mutter im mitgeteilt hatte. Alles was er über seinen Vater wusste, hatte er von anderen Personen in seiner Umgebung erfahren. Selbst hatte er nur schwache Erinnerungen. Er kannte diesen Menschen, der sein Vater war, nur von Erzählungen und Geschichten. Aber wer konnte ihm schon garantieren, dass was ihm erzählt wurde nicht subjektiver Natur war? Diese Dinge wusste er von Yasopp, seinem Vater.

Von Yasopp, dem Piraten, wusste er ebenfalls nur durch Erzählungen. Wenn jemand schlecht auf ihn zu sprechen kam, weil sein Vater ein Pirat war, dann verteidigte er ihn. Nicht wissend, was für eine Art Pirat sein Vater war und ob die Dinge, die über ihn erzählt wurden nicht doch der Wahrheit entsprachen. Das Wissen, welches er in diesem Fall hatte, umfasste einen großen Bogen. Von Ruffy wusste er, dass sein Vater ihn nicht vergessen hatte und so viel über ihn sprach, dass Ruffy ihn daraufhin erkannt und angesprochen hatte. Aber sein Vater war stark! Er gehörte zu einer der mächtigsten Crews, die über diese Meere segelten. Er war weltweit als gefürchteter Pirat bekannt. Was ist, wenn sein Sohn eine Enttäuschung für ihn ist? Ein Schwächling und Angsthase wie er? Würde sein Vater ihn verachten? Würde er abstreiten, dass er sein Sohn ist? Vielleicht sogar abstreiten je einen Sohn gehabt zu haben? Lysop wusste nicht was er denken sollte. Alles in Allem schwirrten ihm die Gedanken! Seine Gefühle konnte er sich nicht erklären, aber je länger er darüber nachdachte, desto mehr wurde ihm bewusst, dass er sich vor dem Treffen mit seinem Vater fürchtete. Ja, er hatte beinahe Angst! Nein, nicht nur beinahe – er hatte Angst! Angst davor, dass sein Vater nichts von ihm wissen wollte! Angst davor, dass er in belächelte! Angst davor, dass er ihn verstoßen würde, weil er eine Schande für ihn war!

Und dann war da noch die Wut auf Yasopp, den Vater. Der Mann, der ihn und seine Mutter zurück gelassen hatte. Aus Sicht des Piraten, da Lysop selbst einer war, konnte er die Entscheidung seines Vaters verstehen. Er konnte es nachvollziehen, warum er in See gestochen war. Warum er seine Familie zurück gelassen hatte und nie mehr nach Hause zurückgekehrt war. Aber hatte er sich einmal gefragt, was mit seiner Familie passierte, nachdem er ging? Hatte er einmal nur einen Gedanken daran verschwendet, dass ihnen etwas passiert sein könnte? Hatte er nur ein einziges Mal das Gefühl zurück zu kehren? Nur für einen kurzen Moment, um sich zu vergewissern, dass alles mit ihnen in Ordnung war? Er hätte doch nicht bleiben müssen! Niemand hätte das verlangt! Mutter ganz bestimmt nicht! Sie hatte es immer unterstützt, dass Yasopp in See gestochen war. Selbst Lysop hatte sie es gesagt, als dieser angefangen hatte zu behaupten, dass das Schiff zurückgekommen war. Banchina hatte gewusst, dass Yasopp nicht zurückkommen würde und versuchte es ihrem Sohn beizubringen. Sie hatte gemerkte, dass in Lysop ein leichter Groll gegen seinen Vater aufkeimte, da er sich nicht darum zu kümmern schien, ob sie lebten oder starben. Seit sie krank geworden war, wusste Banchina, dass es für sie keine Heilung mehr gab. Sie musste aber Lysop überzeugen, keine negativen Emotionen gegen seinen Vater zu hegen. In sich drinnen wusste sie aber, selbst wenn Lysop stolz darauf war der Sohn eines Piraten zu sein, dass da etwas war, dass tief an seinem Herzen nagte. Irgendwann, dessen war sich Banchina sicher, würden sich Vater und Sohn wiedersehen. Selbst wenn die Meere noch so unendlich erscheinen mögen – irgendwann, an irgendeinem Ort, werden sich ihre beiden Männer wieder treffen. Für sich hoffend, dass Lysop eines Tages verstehen würde, warum sie keinen Groll hegte, warum ihr Mann in ihren letzten Momenten nicht an ihrer Seite war.

Unsicher, als sich diese beiden Piratenbanden gegenüberstanden, blickte sich Lysop in den Reihen um. Sein Puls hatte sich beschleunigt, das Adrenalin pumpte durch seine Adern. Er war mehr als nervös vor diesem Treffen. Auf einmal spürte er einen Blick auf sich ruhen. Langsam wandte er sich der Quelle zu und blickte in wachsame Augen. Dort stand er! Sein Vater! Der Mann, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hatte! Der Mann, der als Piraten in See gestochen war! Der Mann, an den er sich nicht mehr selbst erinnern konnte! Der Mann, dem er als mutiger Krieger des Meeres gegenübertreten wollte! Aber so wie Lysop sich jetzt benahm, konnte er alles was er sich vorgenommen hatte vergessen. Er war kein mutiger Krieger der Meere, zumindest nicht jetzt in diesem Augenblick. Lysop wollte es nicht wahrhaben, aber sein Vater strömte eine Aura aus, die ihn nervös machte. Abwartend und mit voller Geduld blickte sein Vater ihm entgegen. Dieser Blick schien Lysop gefangen zu halten, denn plötzlich schien er um sich herum nichts mehr wahrnehmen zu können. Alles um ihn herum war ausgeblendet und er sah nur noch seinen Vater dort stehen. Erst als er etwas auf seinem Rücken spürte, dass ihn nach vorne stieß, bemerkte er, dass er auf seinen Vater zu stolperte.

„Komm schon Lysop“, sagte Ruffy und bugsierte ihn vorwärts. „Jetzt stell‘ dich doch nicht so an!“ Keinen Augenblick hatte Lysop den Augenkontakt zu seinem Vater gebrochen. Aber er konnte spüren, dass nun noch mehrere Augenpaare auf ihm ruhten. Als er seine Fokussierung von seinem Vater loseisen konnte, bemerkte er die amüsierten Blicke mit denen man ihn betrachtete! Was war denn jetzt so amüsant? War er also doch nur einen Lachnummer? Die Augen wieder auf seinen Vater gerichtet, konnte er sehen, dass Yasopp seine Augenbrauen nach oben gezogen hatte und irgendwie nachdenklich wirkte. Zumindest hatte Lysop das Gefühl. War er also doch noch nicht soweit seinem Vater unter die Augen zu treten? Wollte dieser ihn gar nicht sehen? Doch seine Gedanken wurden plötzlich unterbrochen, als ihm jemand einen Krug in die Hand drückte.

„Du bist also Yasopps Bengel“, wurde angemerkt. „Weißt du, dein alter Herr, auf dich angesprochen, kann einfach nicht die Klappe halten.“ Eine weitere Stimme mischte sich unter die Erste. „Genau, jetzt wird’s sogar noch schlimmer als zuvor! Jetzt quatscht er uns noch schlimmer als zuvor die Ohren voll!“ Lachen war die Folge. Lysop war nun vollkommen verwirrt. Er wusste nicht, ob er die Situation lustig oder beängstigend finden sollte. Anscheinend schien seine Anwesenheit zu einiger Belustigung unter den Piraten zu führen.

„Lasst den Jungen doch einmal Luft holen!“, mischte sich noch eine baritonähnliche Stimme hinter Lysop ein. Als Lysop sich umdrehte musste er schlucken, als er plötzlich seinem Vater gegenüber stand. Lysop musste zu ihm aufsehen, da er doch ein gutes Stück kleiner als Yasopp war.

„Achtung! Achtung! Vater im Anmarsch!“ Mit diesen Worten zogen sich die Piraten, die Lysop in Beschlag genommen hatten, zurück und machten sich auf den Weg zur großen Feiergesellschaft. Einige Momente blickten sie sich schweigend an, ehe Yasopp die Stille durchbrach. Zumindest die Stille, die zwischen Vater und Sohn geherrscht hatte. Die feierwütigen Piraten hatten nämlich dafür gesorgt, dass der Lärmpegel ziemlich anschwoll. „Was hältst du davon, wenn wir uns auf den Weg zur Bucht hinter diesem kleinen Wald machen? Dort können wir uns in Ruhe unterhalten, ohne dass wir uns anbrüllen müssen, um gegen diesen Lärm anzukämpfen!“ Yasopp brachte ein Lächeln zustande, welches jedoch sofort wieder erstarb und zu einer verwirrten Mine wurde.

Lysop stand immer noch schweigend da und starrte seinen Vater an. Nicht wissend, was er darauf antworten sollte oder wie er überhaupt antworten sollte. Es schien beinahe so, als habe er die Fähigkeit zu sprechen verloren. Just in diesem Moment! Es war die Unsicherheit, die ihn zuvor gelähmt hatte, aber als sein Vater vorgeschlagen hatte mit ihm zu sprechen – alleine, ohne Zeugen, wurde Lysop mulmig zumute. Was erwartete ihn, wenn er mit seinem Vater alleine war? Er hatte es sich oft vorgestellt, wie ein Treffen mit seinem Vater von statten ging, aber jetzt, wo es endlich so weit war, war alles wie weggeblasen.

„Ich verstehe, wenn du nicht mit mir reden möchtest. Du hast natürlich allen Grund dazu! Ich war jetzt nicht gerade der beste Vater … aber ich dachte zumindest mache ich den Vorschlag!“ Yasopp hatte Lysops Unsicherheit bemerkt und sie als ein Nein definiert. Den Widerwillen mit ihm zu reden. Aber Yasopp konnte es ihm nicht verübeln. Nach all den Jahren, wie konnte er da erwarten, dass sein Sohn so mir nichts dir nichts mit ihm reden würde, als wäre nichts gewesen? Hatte er wirklich gedacht, dass sie einfach so tun könnten, als wäre nie etwas passiert? Insgeheim hatte Yasopp diesen Wunsch gehegt. Seit ihm bewusst geworden war, dass sein Sohn Pirat geworden ist, war er stolz. Hoffnung keimte in ihm auf, dass er seinen Sohn wieder sehen konnte. Den Sohn, den er immer in Erinnerung behalten hatte. Die Crew hatte ihm bereits mehrfach an den Kopf geworfen, dass sie nicht an seiner wortreichen Erzählung über seinen Sohn interessiert waren und er einfach die Klappe halten sollte. Insgeheim musste Yasopp lachen, denn er schien seinen Leuten definitiv auf die Nerven gegangen zu sein. Aber was soll’s? Es ging hier schließlich um seinen Sohn! Sein Sohn, der der Weltregierung und der Marine gehörig in den Arsch getreten hatte.

Er platzte beinahe vor Stolz, als er über die Taten seines Sohnes las! Nicht jeder marschiert mal so eben nach Enies Lobby oder greift einen Weltaristrokraten an oder fordert die Weltregierung heraus. Die Strohhut-Piraten wussten definitiv wie sie sich Freunde zu machen hatten. Aber immer wieder kamen sie aus diesen Situationen heraus, die beinahe als unmöglich erschienen.

Zwei Jahre Pause und dann preschten sie mit vollem Karacho in die Neue Welt? Es war schon so anstrengend genug die Änderungen seit dem Krieg zu verarbeiten und gegen diese anzustehen. Damals hatten sie noch gedacht, dass es schon turbulent sei, bis dann die Strohhüte vor nicht allzu langer Zeit nach einer kleinen Auszeit ein Lebenszeichen von sich gegeben hatten. Und was für eines! Seit ihrer Rückkehr ging alles drunter und drüber! Alles und jeder schien auf dieses eine Auftauchen, dieses Zeichen gewartet zu haben, um sich plötzlich gleichzeitig in Bewegung zu setzen. Wie Dominosteine begannen alle Normen zu wackeln, die die Welt zu dem gemacht hatten, wie sie die letzten Jahre und Jahrzehnte war.

Yasopp konnte es beinahe nahe nicht mehr erwarten endlich seinem Sohn gegenüber zu stehen. Jetzt, als es soweit war und sein Sohn eine gewisse Distanz zu ihm hatte, wunderte sich Yasopp wirklich über sich selbst, dass er gedacht hatte, dass diese Treffen ohne Probleme vonstattengehen würde. Tief in sich drin hatte er es gewusst, doch er wollte es nicht wahr haben – die Tatsache, dass sein Sohn vielleicht gar nichts mit ihm zu tun haben wollte. Aber diese Entscheidung musste er akzeptieren. Sie verband zwar das Blut, aber das Recht sein Vater zu sein, an seinem Leben teilzuhaben, hatte er aufgegeben, als er in See gestochen war. Yasopp bereute es nicht, dass er diesen Schritt gegangen war, aber hin und wieder erwischte er sich bei dem Gedanken daran, wie es wohl gewesen wäre, wenn er es nicht gemacht hätte.

Yasopp wollte gerade an seinem Sohn vorbei gehen und sich diese Blamage ersparen, als Lysop endlich sprach.

„Okay!“

Es war nur ein Wort, doch Yasopp fühlte sich ein wenig erleichtert. Nicht, dass er zugegeben hätte, dass er überhaupt besorgt war. 
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