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Nachdenklich

von Corynna
Kurzbeschreibung
GedichtFamilie, Schmerz/Trost / P16 / Gen
15.05.2013
19.07.2015
40
6.183
2
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Dieses Kapitel
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15.05.2013 1.331
 
Du hast die Geschichte angeklickt, yei! Ich empfehle dir aber, das lieber nicht zu lesen, wenn du auch nur in irgendeiner Art und Weise gaaaaanz blöde Gedanken hast, die depressiv sind oder so. Das hier handelt nämlich über Selbstverletzung.

Lies also nicht weiter, wenn du dir nicht sicher bist, ob du es verträgst, okay? Ich weiß, ich kann dir das nicht direkt verbieten, immerhin habe ich sie hier online gestellt (will eine Meinung und so). Ich spreche nur eine Empfehlung aus. Zwar ist es nur eine Geschichte, handelt sich aber halt um ein sensibles Thema, was allerdings nicht meine eigenen Absichten widerspiegelt.

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Keiner weiß, wie ich mich fühle. Wieder mal. Immer noch? Keine Ahnung! Ist mir auch egal! Eigentlich nicht, aber was soll ich tun? Genug Zeichen zeige ich, genug Worte spreche ich. Doch wieder mal, oder immer noch, versteht sie keiner. Niemand. Wie immer. Wie sonst auch. Wieso auch sollten sie mich verstehen? Mein Freund? Der eine Fast-Vergewaltigung abtut und nicht gänzlich begreift, was damit verbunden ist? Was für Folgen das hat? Habe ihm davon erzählt, ganz blöde Idee, ganz, ganz blöde Idee! Hat mir nicht sonderlich gut getan. Hänge seit Wochen in einem Tief fest und weiß nicht, wie ich rauskommen soll. Rede mit vielen Leuten, Freunden von mir, die mir immens wichtig sind. Denen ich wichtig bin. Die jeden Hebel in Bewegung setzen würden. Und das nur für mich. Für mich kleine unwichtige Person. Ich weiß, dass das typische Zweifel sind, mit denen ich versuche, mich in den Schatten zu stellen. Mein Licht zu vergeben, das ich scheinbar eigentlich ausstrahle. Das Leute an mir anziehend finden. Oh? Toll soll das sein? Segen und Fluch zugleich nenne ich es! Als Kompliment nehmen soll ich es? Netter Scherz! Erlebt es erst mal selbst. Du kannst dich vor Verehrern nicht retten, eine neutrale Freundschaft zwischen Junge und Mädchen? Irgendwann nicht mehr möglich, vor allem wenn du strahlst – und das weder vor Freude, noch weil du zu lange neben radioaktivem Müll gestanden hast! Sondern weil deine Persönlichkeit so anziehend ist. Weil ich so anziehend bin. Und das ist nicht überheblich. Das meine ich so, wie ich es schreibe! Und zwar genau so!
Kleine Tropfen füllen das Fass meiner Seele immer mehr, schwappen manchmal über. Das sind dann meine kleinen Ausraster, meine Depri-Phasen, mein Kreativ-Tief – oder wie eine Freundin es gerne nennt: KreaTief. Hier gelang es meinen Freunden noch, mich hochzuziehen. Mich mit ihren Armen abzufangen. Und ich war und bin ihnen so dankbar dafür! Sie wenden ihre Energie, ihre Kraft für mich auf. Immer wieder und immer noch. Ich kämpfe! Will leben, will eine Zukunft haben, will mein Leben auf die Reihe bekommen. Aber immer, sobald ich scheitere, zieht es mich tiefer. Desto mehr verschluckt mich das Loch. Es ruft förmlich nach mir, lockt mit Ruhe, Sorgenfreiheit, Frieden, Harmonie und all das will ich! Dafür kämpfe ich! Nur bringt das nicht den Erfolg, nicht mal im Ansatz.
Träume verfolgen mich, jagen mich in die dunkelsten Ecken. Werde brutal vergewaltigt, ermordet und immer wieder gefoltert. Nacht für Nacht. Würde ich meine Augenringe nicht mit Schminke abdecken, könnte man mich schon für einen Halbtags-Panda halten. Diese schlaflosen Nächte, in denen ich wachliege, schreiend hochschrecke, weine und total desorientiert bin helfen mir nicht für den Tag. Bei der Macht schaue ich in der Früh im Spiegel schrecklich aus. Ich sehe mein Gesicht und es ist mir fremd. Die Wangen fallen langsam ein, habe abgenommen. Mein Körper schaut dürr aus. Ich nehme nicht mit Absicht ab, ehrlich. Nur zeigen sich langsam die Spuren des Stresses, des Drucks und der lauernden Streitigkeiten. Ich finde Essen manchmal echt widerlich und abstoßend und esse ich es, wird mir schlecht. Habe mich aber bisher noch nicht ein Mal übergeben müssen. Bin froh darüber, dass mir das Essen nicht noch mal „Hallo“ sagen will. Danke dafür, Magen, vielleicht haben dir die Horror- und Splatterfilme doch gut getan und dich gestärkt. Puh.
Durch die letzten Jahre bin ich stärker geworden, meine Psyche hat nicht mehr ganz den Mist angestellt, den sie vorher verzapft hat. Habe lange den Cuttern, Scheren und Rasierklingen Stand gehalten. Wie stolz ich auf mich bin. Ernsthaft, es für so lange Zeit geschafft zu haben, wirklich ‚clean‘ zu sein Das ist eine super Leistung, das erkenne ich an. Aber heute? Das Fass lief über. Mein Nachhilfe-Lehrer, der mir bei meinen Abi-Vorbereitungen für die Mathematik-Prüfung hilft, meinte etwas zu erwähnen. Dumme Idee. Er meinte sagen zu müssen, dass er wohl Gefühle für mich hegt. Nicht in dem Sinne von wegen Liebe und so ein Quatsch, er findet mich sexuell anregend oder hat er erregend gesagt? Was tut das zur Sache. Danke! Mein Abitur in zwei Wochen wird sich freuen! So waren meine Gedanken noch vor ein paar Minuten.
Eine Künstlerin hat viel Werkzeug. Pinsel, Farbe, Papier, Pappe, Holz, ein Wassergefäß und natürlich die Schere und einen Cutter. Meiner ist allerdings kaputt, die Klingen fallen ständig raus und natürlich taten sie das auch, als ich ihn die Hand nahm.
Die rausfallende Klinge hat mich versehentlich getroffen und meine Hand geschnitten. Rot ist immer noch meine Lieblingsfarbe und blutrot ist unbestritten schön. Wird nur noch von rubinrot und bordeauxrot übertroffen. Ich hab dieses silbern glänzende Werkzeug aufgehoben, es angesehen und ein Schalter legte sich in meinem Kopf um. Auf einen Modus, der mir jetzt gar nicht mehr gefällt. Der meiner Familie und meinen Freunden wohl Angst machen würde.
Ich wollte nicht mein Blut sehen, ich wollte den Schmerz fühlen, der mich hoffentlich auf den Boden der Tatsachen zurückbringt. Ich zog die Klinge über meinen Handrücken und verdammt tat das weh. Hatte mich ja lang dem Schmerz entwöhnt. Der Kratzer brennt, pocht und sticht. Mein Ärmel war hochgekrempelt, weil ich gerade mit Aquarellfarben hantierte. Ich legte den silbernen Streifen auf die Unterseite meines Armes. Eine solche Kühle strahlte aus, dass ich zusammenzuckte. Ich richtete die Klinge mit der scharfen Seite auf meine zarte Haut, drückte und schnitt. Das hat weniger wehgetan als die kleine oberflächliche Verletzung an meiner Hand, doch das Blut quoll hervor. Das wunderbare Rot verließ meinen Körper.
Dann landete ich hart in der Realität, schleuderte die Klinge von mir. Verdammt, ich war blöd! Verdammt, ich bin blöd! Es war so lange her, so lange konnte ich stolz auf mich sein. Wohin hat das geführt? Ein Rückfall hatte Besitz über mich ergriffen und diese Handlung herbeigeführt.
Und jetzt? Jetzt sitze ich hier und schreibe diese Zeilen. Schreibe es mir von der Seele und hoffe, damit zu heilen. Nicht körperlich. Aber seelisch. Und ja, es passiert. Aber ob das von dem pochenden Schmerz von meinem Arm oder tatsächlich vom Schreiben kommt, kann ich noch nicht sagen.
Sich selbst zu verletzen ist eine dämliche Idee, tut weh, hinterlässt Narben. Stellt offen zur Schau, was du gemacht hast. Aber es ist doch meine Vergangenheit? Es ist das, was meine Persönlichkeit geformt hat und mich jetzt auch ausmacht. Die Stärke, die ich dadurch gewonnen hab, dass ich es bereits ein Mal geschafft habe, aus diesem Kreislauf auszubrechen. Meine Familie ist mir heilig, sie ist so wertvoll. Ich liebe meine Schwester. Meine Freunde sind mir so wichtig! Sie sind immer da und ich hab es noch nicht geschafft, sie davon zu überzeugen, dass ich schlecht bin. Also bin ich es nicht. Oder?
Aber jetzt? Jetzt habe ich eine Dummheit gemacht mit der es jetzt auszukommen gilt. Was, wenn jemand das sieht? Eigentlich wäre es mir egal, wenn ich es denn als harmlosen Kratzer tarnen könnte. Ich habe einen Kater, aber der ist so lieb, der geht eher als Kuscheltier durch und nicht als das Raubtier, das er eigentlich ist. Und das weiß jeder um mich rum, die Ausrede nehmen sie mir also nicht ab. Mache ich alle um mich hilflos? Handle ich falsch? Aber es erscheint mir in dem Moment doch als richtig oder zumindest hilfreich. Erst, wenn der Schalter wieder umgelegt ist, erkenne ich.
Was jetzt tun? Weiter machen, definitiv, weiter kämpfen! Nicht aufhören!
Ich will leben!
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