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See you in Paradise

GeschichteDrama / P16 / Gen
15.05.2013
05.06.2013
8
7.496
 
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Dieses Kapitel
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15.05.2013 879
 


Letzter Aufruf für den Flug United Airlines 1617 nach Deutschland!



  Celine hörte den letzten Aufruf ihres Fluges und spitzte die Ohren. Noch ein letztes Mal drehte sie sich um und suchte die Gesichter nach dem Einen ab. Sie stellte sich in letzter aufbäumender Hoffnung auf die Zehenspitzen, um kurz danach in Enttäuschung in sich zusammenzusacken. Er war also doch nicht der Mann, für den sie ihn gehalten hatte. Traurig trottete sie zum Servicepersonal und gab ihre Flugkarte ab. Die freundliche hawaiianische Frau zeigte ihr den Weg und wünschte ihr einen angenehmen Rückflug. Den ganzen Flug über dachte Celine über alles nach, um beim Landeanflug ihre bittere Erfahrung herunterzuschlucken, ein glückliches Gesicht aufzusetzen und ihre Freunde und Familie in die Arme zu schließen.

  „Es tut mir leid mein Schatz.“, begann Celines Mutter, als sie sie umarmte, „Aber ich habe dir schon immer gesagt, dass deine Träumereien dich nicht weiterbringen. Jeder Traum ist mal zu Ende. Es tut mir wirklich leid, dich immer wieder so zu sehen. Es gibt einfach keinen Traummann und kein Traumleben.“ Celine antwortete nicht. Erstens hatte es keinen Sinn und zweitens hatte sie einfach nicht die Kraft für eine Diskussion mit ihrer Mutter. Die Enttäuschung saß einfach zu tief. Celines Mutter verstand ihre Tochter zwar, sah aber immer alles genau anders. Celines Vater hatte schon immer darüber gewitzelt, wie unterschiedlich und dennoch gleich stark die beiden Frauen in seinem Leben waren. Und er war immer dazwischen gegangen, wenn ihre so unterschiedlichen Ansichten zu stark aufeinander prallten.

  So war es auch nicht verwunderlich, dass sie sich in die Arme ihres Vaters schmiegte, um Trost zu finden. „Es tut mir so leid mein Herz.“, flüsterte er ihr zu, während er sie in seinen Armen wiegte und ihren Kopf mit einen langen Willkommenskuss bedachte. Natürlich hatte er aufgrund seiner Lebenserfahrung mit diesem Ergebnis gerechnet, aber dennoch das Beste für seine geliebte Prinzessin gehofft. Sein Herz war geteilt. Sollte er dem Herzensbrecher weh tun oder ihm danken? Insgeheim hatte er gehofft, dass es so endete, da er seine Tochter einfach zu stark vermisste. Sie war ihm gefühlsmäßig einfach so ähnlich, sein Fels in der Brandung. Natürlich liebte er seine Frau, aber ihre Erfahrungen hatten sie hart gemacht. Leise schluchzte Celine ein paar Tränen, bevor sie sich wieder fing. „Danke Papa.“, flüsterte sie und gab ihm einen Kuss auf seine Wange. Dabei kitzelte sie der Bart ihres Vaters. Eine weitere schmerzhafte Erinnerung an ihn flammte auf. Sie hoffte inständig, dass der Schmerz bald nachlassen würde.

  Ihre Freunde nahmen sie kurz in den Arm und stupsten sie aufmunternd. Sie waren so gnädig nichts zu der ganzen Sache zu sagen. Nur ihre beste Freundin Janine drückte sie lange. „Soll ich dich nach Hause fahren und ein bisschen bei dir bleiben?“ Celine nickte und so löste sich das kleine Begrüßungskomitee auf. Die ganze Rückfahrt über schwiegen Celine und Janine. Janine wusste, dass Celine einfach Ruhe benötigte, um sich neu zu ordnen. Und sie würde so lange schweigen, bis Celine es brechen würde. Und dann würde sie zuhören. So wie es Celine schon einige Male bei ihr getan hatte.

Rückblick

  Die Sonne schien kräftig am Himmel. Gerade war sie in Hawaii willkommen geheißen worden und schon setzte sie sich hin und verfasste die ersten Zeilen ihres neuen Buches. Es sollte der neue Bestseller werden und dem letzten Buch in nichts nachstehen. Dieser Druck hatte sie hier her verschlagen. Sie war immer noch überrascht, wie viel Erfolg sie mit ihren Werken bis jetzt gehabt hatte. Doch bei jedem Buch wuchs der Druck ein Stück mehr. Jetzt war sie 21 Jahre alt und saß an ihrem fünften Buch. Das war wirklich viel in den letzten Jahren gewesen. Aber schreiben war schon immer ihre größte Liebe und Besessenheit. Es erhielt ihre Hoffnungen und ihre Träume.

  Ihre Mutter hatte nie viel für Geschichten und rührselige Szenen übrig gehabt, ob nun im Buch oder im wahren Leben. Nicht das sie ihre Tochter nicht liebte, aber Gefühle waren für sie etwas, was man sich nicht leisten konnte und etwas, was einen nur einschränkte. Ihr Vater jedoch war wie Celine selbst ein Träumer. Zu Anfang erzählte er ihr unendliche Geschichten und Abenteuer, doch schon bald wurde es zu einer gemeinsamen Leidenschaft, in welcher Celine im Laufe der Jahre ihren Vater übertraf.

  Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie an die wunderschönen Kindheitserinnerungen dachte. Sie fügte schnell noch ein paar Notizen für ihr neues Buch hinzu, als ein Schatten auf sie fiel.

  „Hi, nehmen sie jemand anderem das Sonnenlicht!“, empörte sie sich gespielt.
„Es gibt Menschen die würden sich über Schatten in dieser Hitze freuen.“, bekam sie als Antwort, während sie die Gestalt genauer betrachtete. Er stellte sein rechtes Bein auf die Bank direkt neben ihre Tasche und lehnte sich darauf.
„Das kann schon sein, aber das wird sicher erst in ein paar Tagen soweit sein. Wenn sie wollen, dürfen sie dann gerne mein Schattenspender spielen.“

  Der Mann lachte und stellte sich ihr vor. Nachdem sie ihm erklärt hatte, was für Notizen sie aufschrieb, nahm er ihren Block und notierte ihr seine Nummer, denn er wurde von einer Gruppe unkonventionell gekleideter Menschen gerufen. „Sobald du Sehnsucht nach schattiger Gesellschaft hast.“, sagte er, als er weglief. Celines Interesse war geweckt. Sie würde sich wohl noch am gleichen Abend melden.

Rückblick Ende
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