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Ein waghalsiges Abenteuer (Bergelfen - Vorgeschichte)

von SilviaK
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P6 / Gen
13.05.2013
18.05.2013
6
9.503
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13.05.2013 1.171
 
Eine nicht ungefährliche Jagdgeschichte von Wildfang (später Felsenspringer) und Zwei Raben, zeitlich etwa 11 Sommer vor „Windfeder und die Gleiter“ angesiedelt.

Wildfang saß auf einem Felsabsatz vor der Wohnhöhle, hatte die Arme um die Knie gelegt und langweilte sich. Sein Vater war schon am frühen Morgen mit Nachtauge aufgebrochen, um Steinböcke zu jagen. Und er durfte nicht mit, weil sie in Richtung der Wolfszähne gingen, einem schroffen, steil aufragenden Gebirgszug, den nur die im Felsklettern besonders erfahrenen Jäger betreten durften.
Wildfang fand diese Regel einfach lächerlich. Er kannte jeden Felsen rund um den Höhlenberg bis hinüber zur Wasserfallschlucht - war er den Älteren im Klettern nicht langsam ebenbürtig?! Aber Eisgänger schüttelte auch heute bloß den Kopf, als sein Sohn darauf drängte, ihn endlich einmal auch in die Wolfszähne begleiten zu dürfen. Und Nachtauge, der Stammesälteste, hatte den Jungen scharf angesehen und ermahnt, in der Umgebung des Lagers oder auf ungefährlicheren Höhenzügen zu bleiben.
Gerade die spannendsten Jagdausflüge waren natürlich immer zu gefährlich, um ihn mitzunehmen! Die älteren Jäger nahmen ihn einfach nicht für voll! Dabei war er schon vierzehn Sommer alt und doch nun wirklich kein kleines Kind mehr!
Ärgerlich schleuderte Wildfang einen Stein fort und sah zu, wie er in kurzen Sprüngen die Treppe hinunterhüpfte, bis er in einer Felsspalte verschwand. Was sollte er mit dem Tag heute anfangen? Er hatte keine Lust, Kleintiere im Hangwald oder auf den umliegenden Hochplateaus zu jagen. Das war etwas für Kirin, der gerade erst neun Sommer zählte und ihm manchmal auf Schritt und Tritt folgte wie ein neugieriges Tierchen. Für ihn hatte Wildfang zur Zeit auch nur ein überhebliches „Dazu bist du noch zu klein“ übrig. Auf seinen Klettertouren, die ihn ohne Wissen der Älteren in manches gefährliche Terrain führten, konnte er so einen Knirps nicht gebrauchen.
Wildfang blickte hinunter zum Murmeltierhang, wo die Stammeskinder sich gerade um Silbermoos scharten. Nein, mit denen war auch nichts anzufangen. Alle drei erst neun Sommer alt - außer Kirin noch zwei Mädchen, die eine mit einem ständig plappernden Mundwerk, die andere eine kleine Tagträumerin, die mit ihrem gelähmten Bein kaum über die Treppen kam. Und Silbermoos - zehn Sommer älter als Wildfang - war viel zu vorsichtig für seinen Geschmack.
Wildfang blickt auf, als über ihm Schritte erklangen. Zwei Raben kam die Treppe hinab, Bogen und Köcher über der Schulter.
„Gehst du jagen?“, wollte Wildfang wissen, als er bei ihm angelangt war.
„Seh’ ich so aus?“, fragte Zwei Raben gutgelaunt zurück.
„Ja, siehst du.“ Wildfang grinste. Er mochte den schwarzhaarigen Jäger, der nach Silbermoos mit seinen 64 Sommern zu den Jüngeren im Stamm zählte. Obwohl der ihn auch noch nie zu einer Jagd mitgenommen hatte - aber daran war wohl Kirin schuld, sein kleiner Sohn, mit dem Zwei Raben oft umherstreifte, um ihm alles beizubringen, was ein zukünftiger Jäger wissen und beherrschen mußte.
„Ich will auch gleich losgehen. Wenn du willst, dann kannst du ja mitkommen“, bot Wildfang forsch an.
Zwei Raben blinzelte überrascht. Es war nicht gerade üblich, daß ein junger Elf, der noch nicht einmal seinen Stammesnamen erhalten hatte, einen Älteren auf diese Art aufforderte, ihn auf eine Jagd zu begleiten. ‘Typisch Wildfang’, dachte Zwei Raben. Aber er war selbst noch jung genug, um sich daran zu erinnern, wie es ihn manches Mal danach gedrängt hatte, es den älteren Jägern - besonders Eisgänger, der ihn nach dem Tod seines Vaters ausgebildet hatte - endlich gleichtun zu können.
„Wenn du mich wirklich mitnehmen willst, großer Jäger?“, antwortete Zwei Raben amüsiert.
Wildfang kniff die Augen zusammen, sich nicht sicher, wie er den Tonfall aufnehmen sollte. „Mach’ dich nicht lustig, sonst geh’ ich allein“, knurrte er, aber gegen Zwei Rabens Lachen kam sein Ärger nicht an.
Der Ältere knuffte ihn leicht. „Na los, hol deine Bogen und ein bißchen Proviant. Kann sein, daß wir erst zum Abend wieder hier sind.“
Innerlich jubelnd verschwand Wildfang in der Höhle, um seine Ausrüstung zusammenzusuchen. Zwei Raben, der draußen wartete, fiel plötzlich wieder ein, daß Wildfang seinen Namen ja nicht zu Unrecht trug. Zu mancher Zeit hatte er nichts als Flausen im Kopf - und seine Art, hin und wieder erst zu handeln und dann darüber nachzudenken ließ viele den Kopf über ihn schütteln. Aber Zwei Raben glaubte sich schon imstande, den Wildfang im Zaum zu halten, wenn er wieder einmal durchbrach. Schließlich war er ja selbst erziehender Vater.
Der junge Elf verließ die Höhle wieder, und die beiden stiegen die Treppe am Versammlungsplatz hinab. Kirin entdeckte sie, lief seinem Vater entgegen und blickte ihn erwartungsvoll an.
„Heute kannst du nicht mitkommen“, beschied ihn Zwei Raben und strich ihm über das blonde Haar. „Unsere Wege sind schwieriger. Wir gehen morgen wieder zusammen, ja?“
Kirin nickte, und Wildfang genoß seinen neidischen Blick. „Geh’ Murmeltiere jagen“, empfahl er ihm mit einem gönnerhaften Grinsen. Der Junge schaute ihn finster an, bevor er sich umdrehte und zu seinen Spielgefährtinnen zurückstapfte.
Wildfang sah ihm amüsiert nach. Er konnte die Kleinen immer noch mit solch einer Bemerkung ärgern. Oh ja, die drei waren sehr energisch gewesen, als er vor einigen Sommern die Murmeltiere unterhalb des Höhlenberges zu seiner nächsten Jagdbeute erklärte. Sogar der stille Kirin hatte sich der allgemeinen Empörung angeschlossen. Schließlich gab Wildfang entnervt auf - er stritt sich doch nicht tagelang sinnlos mit diesen Kindern und Silbermoos herum, die natürlich gleich bereit gewesen war, die Lieblinge der Kleinen zu beschützen!
Aber Wildfang rächte sich. Ein paar Tage später war er zum Hang geschlichen, bei sich ein Murmeltier, das er auf einem anderen Hochplateau erlegt hatte. Als die drei Kinder herunterkamen, hob er das Murmeltier, in dem noch der Pfeil steckte, stolz in die Höhe.
„Volltreffer!“, verkündete er triumphierend.
Wildfang grinste noch heute bei dem Gedanken an die entsetzten Gesichter und den Aufschrei, der darauf folgte. Er hätte sich ausschütten mögen vor Lachen! Die Kleinen wollten kaum glauben, daß er sie so hereingelegt hatte. Erst Silbermoos konnte sie beruhigen - und die korrekte Anzahl der Murmeltiere, die unter Wildfangs spöttischen Bemerkungen bis zum Abend aufmerksam gezählt wurden. Tagelang hatten alle vier ihm ärgerliche Blicke zugeworfen - aber das störte Wildfang reichlich wenig.
„In welche Richtung gehen wir?“, fragte Zwei Raben, als sie am Fuß der Treppe anlangten.
Darüber hatte Wildfang noch gar nicht richtig nachgedacht. Während ihm verschiedene verlockende Ziele durch den Kopf schossen, entging Zwei Raben keineswegs das Funkeln in den Augen des Jungen.
„Naaa, denk nicht mal dran“, warnte er schmunzelnd. „Die Wolfszähne sind tabu, Kleiner. Für dich heute genauso wie damals für mich.“
„Da wollte ich auch gar nicht hin“, entgegnete Wildfang mit unschuldigster Miene. Zumindest nicht heute, wo die Gefahr bestand, Nachtauge und seinem Vater über den Weg zu laufen. Er mußte sich ja nicht mehr Ärger einhandeln als nötig.
„Was hältst du vom Wetterkamm?“, schlug er vor. Der war mindestens genauso interessant - und er war noch nie dort herumgestiegen.
„Ah, Gemsen.“ Zwei Raben schnalzte mit der Zunge. „Gut. Dann geh mal voran, Wildfang. Schließlich nimmst du mich mit und nicht umgekehrt.“
Wildfang grinste, als sie losliefen. Zwei Raben schien wohl darauf aus zu sein, ihn zu prüfen. Na schön - warum nicht? Er würde ihm schon zeigen, was in ihm steckte.
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