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Mad

KurzgeschichteTragödie / P12
11.05.2013
11.05.2013
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11.05.2013 604
 
Also, ich bin etwas ratlos, in welches Genre ich diesen OS einordnen soll und hab jetzt mal das genommen, was meiner Meinung nach am besten passt (wer aber genauer weiß, in welches Genre die Geschicht gehört, schreibt mir das einfach :) )
Wie schon gesagt, ist es diesmal recht düster...
naja, lg
Evy
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~Schattenkönig POV~
Ich kannte diesen Teil der Katakomben nicht.
Neugierig lief ich den Tunnel entlang, immer weiter, bis er in einem breiten, mit glatten Steinen ausgekleideten Gang mündete.
Ich ging auf das halb eingebrochene Steinportal am Ende zu.
Es musste hier einmal eine Art unterirdisches Schloss gegeben haben.
Ich erkundete die Räume. Die meisten waren recht uninteressant: Eine Küche mit einem Ofen (rußig), eine “Bibliothek“ mit leeren Regalen (staubig)
und ein Schlafzimmer, in dem ein Himmelbett mit bordeauxroten Vorhängen (zerrissen) stand.
Aber am Ende gelangte ich in einen großen, runden Saal, der mit hunderten,
zum Teil angelaufenen und/oder zerbrochenen Spiegeln ausgekleidet war.
Als ich eintrat, begann sich der Raum zu drehen und es erklang eine traurige,
aber auch schöne Spieluhrmelodie.
Ich ging auf einen der blanken Spiegel zu. Mein Spiegelbild.
Ich hatte es schon lange nicht mehr richtig gesehen.
Nur gelegentlich im funkelnden Schild eines Bücherjägers oder in einer Wasserpfütze, aber dann hatte ich immer schnell weggeschaut.
Jetzt sah ich mich klar und in voller Größe und ich empfand eine seltsame Mischung aus Wohlgefallen und Abscheu.
Ich bewunderte die unglaubliche Energie und Eleganz, die von mir ausging, wie von einer mächtigen Raubkatze, aber ich bemerkte auch,
dass die Pergamentfetzen, die meine Hände bedeckten, rötlich-braun verfärbt waren, von dem vielen Blut, das ich vergossen hatte.
Mein Spiegelbild starrte mich aus toten, bluthungrigen Augen an
und mein Gesicht kam mir vor wie eine unwirkliche Maske, eine schrecklich-schöne Fratze, erschaffen, um Furcht zu verbreiten.
Ich war einsam geworden, genauso, wie ich es mir als kleiner Junge gewünscht hatte. Einsam wie ein Spiegelbild.
Und ich erkannte das Monster. Nicht jenes, das Smeik geschaffen hatte,
sondern das Monster unter dem Papier, in mir. Das Monster, das nach Blut gierte und sich daran gerade zu besoff, um die Schmerzen zu vergessen,
um zu vergessen, dass es niemals an die Oberfläche zurückkehren können würde.
Ich weinte und vergoss doch keine einzige Träne.
Keine Ahnung, was Smeik mit meinen Augen angestellt hatte, aber mir standen keine mehr zur Verfügung.
Aber ich fühlte dasselbe. Verzweiflung. Hoffnungslosigkeit. Ich fühlte mich ein wenig wie ein Hund, der als Welpe im Regen ausgesetzt worden war und der sich in eine aggressive Bestie verwandelte, weil man ihn verraten hatte.
Eine hilflose Wut stieg in mir hoch. Ich musste irgendetwas tun. Mit einem Satz sprang ich zurück auf die Füße und schlug zu.
Der Spiegel zerbarst in hunderte, winzig kleine Splitter.
Ich hielt kurz inne. Dann zerbrach der nächste Spiegel unter meinen Hieben.
Und noch einer. Ich geriet in einen regelrechten Rausch, dachte nicht mehr nach, zerschlug nur Spiegel um Spiegel um Spiegel um Spiegel,
bis der Boden von tausenden Scherben bedeckt war.
Und ich stand da…und lachte. Ich lachte nicht aus Freude. Worüber auch?
Ich lachte hysterisch. Es war ein schauriges Geräusch, das vielfach von den Wänden wiederhallte.
War ich wahnsinnig? Vielleicht. Aber wen kümmerte das?
In den Katakomben garantiert niemanden.
Man musste ja sowieso verrückt oder lebensmüde sein, um überhaupt freiwillig hierher zu kommen. Alles Ansichtssache.
Ich lachte weiter, bis meine Beine irgendwann bleischwer vor Müdigkeit wurden und ich immer noch leise kichernd auf den Boden sank.
Ein Bett aus Spiegelscherben. War das nicht irgendwie ein Wiederspruch in sich?

Ich schlief ein, aber war gefangen in Albträumen von blutverschmiertem
Pergament und meinem eigenen hysterischen Gelächter,
begleitet von der traurigen Spieluhrmusik.
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