Der Rand des Himmels

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
10.05.2013
18.05.2014
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Als Loki die Augen wieder öffnete fiel mildes Morgenlicht durch die Fenster in das Haus hinein. Vögel zwitscherten und leise Stimmen waren von außerhalb zu hören. Die Nord setzte sich langsam auf. Die Felle und Decken rutschten von ihr herunter und sie entdeckte ein frisches Leinennachthemd, das ihr irgendjemand angezogen hatte.

Der Schmerz in ihrem Oberkörper war abgeklungen,  das Atmen bestand nicht mehr nur aus Qual, ihr Blick war nicht länger von roten Streifen verschleiert. Ihr Blick glitt etwas desorientiert durch den Raum, in dem sie lag. Eine Truhe rechts neben dem Bett,  dahinter ein Regal, eine Feuerstelle, eine Bank und ein Esstisch. Alles recht einfach, aber gemütlich. Auf einem Stuhl neben dem Bett saß die Frau, Gerdur, wenn Loki sich richtig erinnerte. Sie sah von einer Stickarbeit auf und lächelte Loki an.

„Ihr seid aufgewacht, sehr gut. Mein Bruder sagte, dass Ihr Loki heißt? Es freut mich, Euch kennen zu lernen. Und ich sollte Euch dafür danken, dass Ihr meinen Bruder aus Helgen herausgeschafft habt. Er hat mir alles erzählt, während Ihr geschlafen habt.“

Loki lächelte schwach. „Euer Bruder hat eher mich gerettet, nicht anders herum.“ Sie strich sich mit zitternden Fingern eine Strähne des verschwitzten, blonden Haares aus der Stirn. Dann fiel ihr Blick auf die verblassenden Kratzer auf ihren Armen. „Ich danke Euch für den Heiltrank. Ich werde ihn Euch ersetzen.“

Gerdur winkte ab. „Beleidigt mich nicht, Ihr seid eine Freundin meines Bruders, natürlich helfe ich Euch.“

Loki sah sich um, bei der plötzlichen Kopfbewegung schossen wieder kleine Blitze durch ihr Sichtfeld. „Wo steckt Ralof überhaupt?“

Gerdur schüttelte missbilligend den Kopf. „Er hat sich gleich aufgemacht, nachdem Ihr über den Berg wart. Meinte etwas von den Jarl in Weißlauf warnen und mal sehen, was die verfluchten Elfen dazu  sagen.“

Loki seufzte und sank zurück in die Kissen. „Ich konnte mich nicht mal bedanken."

Sie sah Gerdur an. „Ich bin nicht von hier, könnt Ihr mir sagen, wo Weißlauf liegt?“

„Einfach der Straße nach Norden folgen, wieso?“

Loki zögerte. „Ich kann nicht bleiben.“

Die Frau seufzte. „Ihr solltet Euch lieber erst ausruhen, bevor Ihr Euch auf den Weg macht.“

Loki schlug die Bettdecke beiseite und hievte vorsichtig die Beine aus dem Bett. „Ich bin ausgeruht“, sie ignorierte die Sternchen, die durch ihr Blickfeld tanzten und stand auf. „Ich bin schon viel zu lange hier…“, sie sah die Frau mit gerunzelter Stirn an „Wie lange habe ich geschlafen?“

„Fast zwei Tage. Ihr solltet wirklich noch warten.“
Loki schüttelte den Kopf und fuhr sich gehetzt durch die Haare. „Bin schon viel zu lange hier“, murmelte sie.

Gerdur schnaubte, dann erhob sie sich ebenfalls. „Ihr könnt sagen, was Ihr wollt, ich lasse Euch so nicht gehen. Ich mache Euch etwas zu essen, währenddessen könnt Ihr ein Bad nehmen“, sie deutete auf eine Leiter am Ende des Raumes, die in den Keller führte. „Ich hole Euch Wasser, nun geht schon.“

Loki ging unsicher auf die Treppe zu und stieg hinab in den Keller. Hier standen Regale voller Lebensmittel, Säcke und Kisten und in hinter einem Vorhang ein Badezuber. Das Holz der Treppe knarrte, als Gerdur mit einem Eimer voll Wasser nach unten kam. Sie half Loki dabei, das Kleid über den Kopf zu ziehe. Die Nord stieg ungelenk in den Zuber, bevor sie sich darauf vorbereiten konnte, schüttete Gerdur ihr das Wasser über den Kopf. Es war kalt und presste Loki die Luft aus den Lungen, sie atmete keuchend ein und Gerdur lächelte sie an.

„Ich komme gleich noch mal mit heißem Wasser“, sie drückte Loki einen Schwamm in die Hand. „Solange müsst Ihr hiermit Vorlieb nehmen.“

Loki war gerade dabei, die großen Prellungen auf ihrem Oberkörper zu bestaunen, als Gerdur mit dem heißen Wasser kam. Sie hatte ein paar Kleidungsstücke unter dem Arm.

„Die müssten passen. Es sind alte von mir, keine Sorge, ich brauche sie nicht mehr. Wenn Ihr sie nicht nehmt, dann werde ich sie wegwerfen müssen.“

Loki zögerte kurz, dann lächelte sie. „Danke.“
Gerdur schüttete das Wasser in den Zuber und ging wieder nach oben. Loki sank seufzend in den Zuber und legte die Arme um die Knie. Ihre Haare trieben wie Seegras auf der Oberfläche des Wassers. Es plätscherte leise, wenn sie sich bewegte. Und es war unglaublich angenehm. Sie schloss die Augen und versank in der Wärme. Bis sie plötzlich Schwefel roch und die Wärme sich in stickige Hitze verwandelte. Das Brüllen des Drachen ließ sie die Augen aufreißen. Sofort nahm die Temperatur wieder ab und der Gestank und das Brüllen verschwanden.

Mit der Entspannung war es damit vorbei, Loki wusch sich, bis ihre Haut rot war, dann stieg sie aus dem Zuber und zog sich an.
Gerdurs Kleider waren ihr etwas zu klein, sie bestanden aus grobem, blauen Stoff und einem weißen Unterkleid. Während Loki sich mit den Fingern durch die Haare fuhr und sie einigermaßen bändigte, trat sie wieder zu Gerdur nach oben.

Loki setzte sich auf die Bank hinter dem Esstisch, darauf stand eine Schale mit Eintopf, der Loki all ihre blauen Flecken vergessen ließ. Dieser Eintopf war das Beste, das Loki je gegessen hatte. Dicke, saftige Fleischstücke drehten sich neben Möhren, Erbsen und Spargel in der dickflüssigen Suppe. Gerdur sah der Nord beim Essen zu, während sie ihre Stickarbeit fortführte.
„Das Kleid steht Euch“, merkte sie an.

„Hm“, machte Loki mit vollem Mund.

„Wie alt seid Ihr?“

„Hm-hm.“

„Nun, ist ja auch egal. Mein Bruder ist 32. Bestes Alter“, meinte Gerdur sehr beiläufig.
Loki hielt kurz inne und sah die Frau vor sich mit erhobener Augenbraue an.
„Ich meine ja nur. Esst ruhig weiter, ich wollte nicht aufdringlich sein.“

Loki schluckte und mäßigte ihr Tempo etwas. „Ich bin nur auf der Durchreise“, erklärte sie.

„Und wohin wollt Ihr?“, Gerdur hatte die Stickarbeit niedergelegt und sah Loki nachdenklich an.

„Nach Morrowind.“

„Habt ihr Verwandte oder Freunde dort?“

Loki kaute und schluckte ein Stück Fleisch runter. „Nein.“

„Dann… reist Ihr einfach so?“

Loki zuckte mit den Schultern.
Gerdur begann wieder zu sticken. „Ist das nicht recht einsam?“

„Man gewöhnt sich daran.“ Loki nahm einen Schluck aus dem Becher, der neben ihrer Schale stand, dann legte sie den Löffel in die leere Schale und erhob sich. „Ich danke Euch. Einfach der Straße folgen, sagtet ihr, oder?“

Gerdur stand ebenfalls auf. „Ja… Loki, Ihr müsst nicht gehen. Mein Bruder würde sich freuen, wenn Ihr bleibt.“

Loki lächelte. „Ich bin nicht dafür gemacht, an einem Ort zu bleiben. Ich werde quasi gejagt.“

„Das Gefühl kenne ich“, meinte Gerdur lächelnd. „So ging es mir auch, in meiner Jugend. Bis ich Hod kennenlernte.“

Loki wandte sich zur Tür, ihr Blick strich über einen polierten Messingteller in einem Regal, kurz blitzte ihr Spiegelbild auf und Loki sah die roten Zeichen, die ihr ins Gesicht tätowiert waren. Eine Stimme drängte sich an den Rand ihres Bewusstseins, ein dunkles Lächeln. Damit du es nie vergisst, Liebling.
„Ich glaube nicht, dass Ihr dieses Gefühl kennt“, flüsterte sie, so leise, dass Gerdur sie nicht verstehen konnte. „Nochmals danke für alles“, wandte sie sich wieder an die Frau und trat nach draußen.

Die strahlende Sonne und das Rauschen der Bäume versuchten Loki vor zu gaukeln, dass vor kurzem kein  Drachen Helgen angegriffen hatte, sondern das alles normal, wie immer war. Sie stand auf einer kleinen Holzterrasse, vor ihr lag eine eingezäunte Koppel, eine braune Kuh hob träge den Kopf, als sie Loki erblickte. Irgendwo gackerte ein Huhn. Der Wind spielte mit den feuchten Spitzen ihrer Haare und den Schößen ihres Kleides. Sie fragte sich, wie lange es her war, dass sie ein Kleid getragen hatte.

Im Dorf warf man ihr neugierige Blicke zu, die sie jedoch ignorierte, ebenso wie das leise, dumpfe Pochen in ihren Schläfen. Die frische Luft tat ihr gut. Der Himmel war mit kleinen, weißen Schäfchenwolken bedeckt, Vögel sangen in den hellen Tannen.
Wenn man bedenkt, dass ich vorgestern noch hingerichtet werden sollte, ist das hier auf jeden Fall eine positive Entwicklung. Loki schritt unter dem hölzernen Torbogen von Flusswald hindurch und genoss die Bewegung.

Sie achtete darauf, nicht zu tief einzuatmen, denn dann meldeten sich ihre Rippen wieder. Ihre Schritte wurden größer, sie überquerte eine massive Steinbrücke und folgte dann dem Wegweiser, der nach Weißlauf deutete. Der Pfad aus Pflastersteinen schlängelte sich mit dem Weißfluss durch die bergige Landschaft. Es ging eine leichte Steigung bergauf, dann hinab. Der Wind frischte auf und trug den Duft von
Kiefernnadeln zu Loki hinüber. Das Rauschen des Flusses schwoll an, dann erreichte Loki den Wasserfall. Der Weg schlängelte sich  nicht ganz so gerade den Berg hinab. Über Loki spannte sich der unendliche, weißblaue Himmel, vereinzelte Wolken zogen über das Firmament. Die Nord sah auf ihre Füße. Sie trug immer noch die einfachen Leinenschuhe, die sie zur Hinrichtung bekommen hatte. Die Sohlen waren dünn, Loki konnte jeden Stein an ihren Füßen spüren. Und es gefiel ihr. Sie war nicht dafür gemacht, lange an einem Ort zu bleiben. Sie spürte, wie ein kleines Lächeln schüchtern an ihren Mundwinkeln zupfte. Stimmen ertönten und Loki sah auf.
Ihr kamen ein paar Soldaten der Sturmmäntel entgegen, die etwas über Helgen erzählten und Loki damit aus ihren Naturbetrachtungen auf den harten Boden der Realität holten.

Sie musste sich bei Ralof bedanken, sich dann Geld für eine ordentliche Ausrüstung beschaffen und über die Berge nach Morrowind.
Und dann? Fragte die Stimme ihrer Mutter in ihrem Kopf. Wohin willst du dann?
Loki strich mit den Fingerspitzen über die Köpfe ein paar hochgewachsener Gräser, die den Weg säumten. Dann laufe ich weiter. Und immer weiter. So wie bisher.

Vor ihr tauchten  die Umrisse einer Burg auf einem Berg hinter einer der Hügelkuppen auf. Zu Füßen der Burg lag Weißlauf, davor verstreut mehrere Gehöfte, als hätte ein Riesenkind sie im Spiel um sich geworfen.

Die Bauern waren auf den Feldern mit der Ernte beschäftigt und sahen nicht auf, als Loki an ihnen vorüberschritt. In einem Stall wieherten ein paar Pferde, ein Mann rief nach jemandem und eine Frau schimpfte irgendwo mit keifender Stimme. Loki warf einen Blick über die Schulter und sah denn schnell wieder nach vorne. Stell dich nicht so an, selbst wenn er hier wäre, würde er dich nicht so auffällig verfolgen.

Der Weg führte Loki über zwei Brücken durch die Befestigungen der Stadt. Das Stadttor selbst war geschlossen, an beiden Seiten standen recht gelangweilt drein blickende Wachen. Sie sahen auf, als sie Loki kommen sahen.

„Halt! Die Stadt ist wegen Drachen abgeriegelt. Zutritt nur mit amtlicher Genehmigung“, brummte der rechte Soldat.

Loki runzelte unwillig die Stirn. Es hätte so einfach sein können… „Und inwiefern soll ein geschlossenes Tor einen Drachen aufhalten?“

„Was wisst Ihr schon über Drachen, he?“, fragte der Rechte verärgert.

Der Linke nickte. „Haltet lieber Euren vorlauten Mund. Der Jarl hat bereits eine Truppe Soldaten losgeschickt, zusammen mit seinem Huscarl und einem Überlebenden aus Helgen, um den Drachen zu töten, der am westlichen Wachturm gesehen wurde.“

Loki horchte auf. „Ein Überlebender aus Helgen? Zufällig ein blonder Nord? Nicht gut auf Elfen zu sprechen?“

Der linke Soldat nickte verwundert. „Ja. Kennt Ihr ihn?“

Loki warf einen Blick nach Westen. Der Wachturm war in einiger Entfernung auszumachen.  „Wann wurde dieser Drachen am Wachturm das letzte Mal gesehen?“

„Vorgestern. Er taucht meistens in der Abenddämmerung auf. …Wieso?“

„Nur so.“ Loki drehte sich um und ging los. Ich gehe zu Ralof, bedanke mich kurz und verschwinde mit erleichtertem Gewissen. Und wenn ich ihn nicht finde… hab ich es wenigstens versucht.

Der gepflasterte Weg führte sie wieder von Weißlauf fort. Auf ihrem Weg kam Loki an den ledernen  Zelten einer Khajit-Karawane vorbei, die katzenartigen Wesen unterhielten sich mit ihrem schweren Akzent und beachteten Loki nicht weiter.
Der Wachturm vor Loki wurde mit jedem ihrer Schritte größer, zu seinen Füßen konnte sie die lagernden Soldaten ausmachen, sie trugen alle leichte kaiserliche Rüstungen aus Leder.Offenbar hat da jemand den Zusammenhang zwischen Feuer und Metall erkannt , dachte Loki. Bald schon konnte sie eine laute, rauhe Stimme hören.

„Wenn ich die Hilfe einer Elfe brauche, dann frage ich danach!“

„Glaubt Ihr, es macht mir Spaß meine Zeit mit Euch zu verbringen? Ich bin nur hier, weil der Jarl mich darum gebeten hat!“

Ralof stand einer Dunmer gegenüber. Sie trug eine einfache Lederrüstung, hatte die schlanken Arme vor der Brust verschränkt und blitzte den Nord aus roten Augen wütend an.

Ralof schnaubte abfällig, dann wandte er sich brüsk ab, entdeckte Loki und erstarrte. „Bei allen Göttern! Loki! Was treibt Ihr hier?“

Die Dunmer bedachte die magere Nord mit einem verächtlichen Blick. „Ihr solltet lieber von hier verschwinden, Bürger. Wir sind auf Drachenjagd.“

„Ach, haltet den Mund, Elfe!“, fuhr Ralof der Dunmer in die Parade „Diese Frau hat schon gegen mehr Drachen gekämpft, als Ihr Euch vorstellen könnt!“
Loki stellte unangenehm berührt fest, dass plötzlich sämtliche Soldaten und die Dunmer sie anstarrten.
„Äh, nun, gegen einen. Und gekämpft ist auch nicht wirklich-“ Ralof schlug ihr auf die Schulter und Loki wurde der Atem aus den Lungen gepresst. Ihre lädierten Rippen heulten auf.

„Freut mich, Euch zu sehen.“

„Mich auch“, keuchte sie hustend.

„Aber was treibt Euch her?“

Loki rieb sich die Schulter. „Ich wollte mich bedanken. Für die Sache in Helgen. Ohne Euch wäre ich gestorben.“

Ralof sah sie kurz verwundert an, dann lachte er. „Ach, ich habe Euch gerettet, ja? Als dieser Drachen gesprochen hat, lag ich winselnd auf dem Boden, Ihr habt dem ein Ende gesetzt! Wie habt Ihr Euch nur bewegen können? Ich konnte vor Schmerz kaum atmen!“

Loki konnte nur die Schultern zucken. „Ihr habt den Jarl also gewarnt, ja?“

Er nickte. „Und habs gleich bereut. Erst musste ich für seinen Hofzauberer einen komischen Stein aus einem Hügelgrab holen und jetzt soll ich mich um einen Drachen kümmern. Als hätte ich nicht genug zu tun!“ Er grinste. „Aber das Gold, das mir winkt… Die Lieder, die man auf mich singen wird, gar nicht zu erwähnen.“

Loki nickte. Das klang einleuchtend. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie die Dunmer die beiden fassungslos anstarrte, während sie sich hier zwanglos unterhielten. Sie selbst warf immer wieder besorgte Blicke in den Himmel und  hielt ihr Schwert fest in der Hand, ebenso die Wachen, die um den Turm verstreut standen. Dabei sollten Ralof und ich diejenigen sein, die sich fürchten, immerhin haben wir erlebt, zu was ein Drachen imstande ist.

Loki warf ebenfalls einen Blick in den Himmel. Sie machte sich nichts vor, sie hatte  Angst und deshalb würde sie nicht noch länger hier herumstehen und ihr Leben in Gefahr bringen.
„Ich denke, ich mache mich dann lieber wieder auf den Weg.“ Sie sah wieder Ralof an. „Sagt, wisst Ihr, wann die Tore von Weißlauf wieder geöffnet werden?“

Der Nord nickte. „Sobald der Drachen erledigt ist. Ihr müsst also nicht mehr lange warten.“

Loki lächelte ihm zum Abschied zu und drehte sich um, als ein ohrenbetäubendes Brüllen, sie fast von den Füßen hob.

„DRACHEN!“, schrie einer der Soldaten und deutete mit dem Schwert in den Himmel.
Ach, wirklich?!
Ein gewaltiger Schatten rauschte über sie hinweg, verdunkelte die Sonne. Dann landete das Biest auf dem Dach des Wachturms. Loki hatte das schreckliche Gefühl, eines Déjà-vus, als der Drachen die kleinen Menschen unter sich verächtlich betrachtete.

Ein paar Pfeile zischten auf ihn zu, keiner von ihnen konnte durch den dicken Panzer des Ungetüms gelangen. Der Drachen brüllte noch einmal auf und erhob sich wieder in die Luft. Mit den Krallen riss er große Brocken aus dem Mauerwerk des Turms, eine Wache fiel aus einem der oberen Stockwerke und krachte mit einem aufplatzenden Geräusch auf den Boden.

Loki wartete nicht länger, sondern rannte los. Der Rock des Kleides behinderte sie, es war, als würde er sich um ihre Beine schlingen und sie zu Boden ziehen. Hinter ihr wurden Schreie der Männer laut, als die Steine auf sie nieder prasselten.
„Weicht nicht zurück!“, brüllte die Dunmer. Dann hörte Loki das Geräusch. Es war genauso, wie in Helgen. Ein dumpfes Pochen, ein Rauschen, ein gewaltiges Vibrieren. Drachensprache.

Dieser Drachen schien nicht so mächtig zu sein, wie der aus Helgen,  oder aber Loki war schon weit genug weg, jedenfalls war der Schmerz bei weitem nicht so schlimm, wie bei dem schwarzen Drachen. Sie warf einen Blick zurück. Die Dunmer kniete im Gras, hatte die Hände auf die hochempfindlichen Ohren gepresst und schrie irgendetwas in ihrer Sprache.  Ralof stand schwankend, eine schwere Axt in beiden Händen. Er brüllte auch etwas, aber es klang eher nach „Komm runter, du verfluchtes Biest!“, als nach Schmerzensschreien.

Doch der Drachen saß bequem auf dem Turm und dachte gar nicht daran, herunterzukommen. Mit Schrecken sah Loki, wie Ralof plötzlich auf ein  Knie sank. Sie warf einen Blick auf die sicheren Mauern Weißlaufs. Es hätte so einfach sein können…

Sie drehte sich um und rannte zurück. Mit jedem Schritt wurde das Vibrieren in ihren Knochen stärker, bald schon konnte sie kaum mehr gerade laufen, sie bleib schwankend stehen, sah zu dem Drachen hoch, der sie mäßig interessiert betrachtete und brüllte mit aller Kraft „FEIGLING!“

Der Drachen hielt kurz verdutzt inne. „Was?“, fragte er auf Nord.

„Ich habt mich schon verstanden, Angsthase!“, schrie sie. „Kommt runter und kämpft Ihr erbärmlicher Feigling!“

Der Drachen schien kurz wütend zu sein, doch dann lachte er donnernd auf. „Wie amüsant! Eine mutige Ameise. Es wird mir eine Freude sein, Euch zu töten.“ Seine gewaltigen Flügel knatterten, als er sich in die Luft erhob.

Loki hob ein Schwert auf, das einem der toten Soldaten gehörte. Einen Schild fand sie auf die Schnelle keinen, das des Soldaten ragte zersplittert unter einem Steinbrocken hervor.  

„Loki!“ Sie drehte sich um. Ralof versuchte mit mäßigem Erfolg wieder auf die Beine zu kommen. „Schlagt diesem Biest seinen verdammten Kopf ab!“  

Dann landete der Drachen direkt vor Loki. Der Boden erzitterte, die Nord stürzte, direkt über ihr krachten die Kiefer des Monsters aufeinander. Sie rollte sich weg, wirbelte herum, schlug unbeholfen mit dem Schwert nach dem Kopf des Tiers. Der Drachen lachte.

„Passt auf, dass Ihr Euch nicht selbst verletzt!“

„Passt auf, dass ich Euch nicht Eure verfluchte Zunge abschneide!“

Wieder lachte der Drachen, dann schoss sein Kopf plötzlich vor, Loki schlug mit dem Schwert zu, der Stahl schabte über die festen  Panzerplatten an der Schnauze des Tieres. Die Nord drehte sich zur Seite, ein heißer Schmerz schoss ihren Körper entlang, als die Krallen des Drachen sie erwischten. Sofort färbte sich Gerdurs Kleid rot, doch das Adrenalin in Lokis Adern betäubte den Schmerz fast augenblicklich.  Der Drachen brüllte wütend auf, als ihn eine Pfeilsalve der Soldaten in die Seite traf.
„Ihr erbärmlichen kleinen Würmer! Ihr wagt es, in einen Zweikampf einzugreifen?“ Er riss den Rachen auf, holte Luft, in diesem Moment schlug Loki ihre Klinge mit voller Wucht in das linke Bein des Drachen. Die gewaltigen Panzerschuppen brachen, die Schneide des Schwertes biss in weiches Fleisch. Das Biest knickte überrascht ein und wandte seine Aufmerksamkeit wieder ihr zu.

„ICH bin Euer Gegner!“, schrie Loki und riss das Schwert aus der Wunde. Eine filigrane Spur aus Blutstropfen folgte der Klinge wie ein Kometenschweif.

Der Drachen sah mittlerweile nicht mehr sehr amüsiert aus, anscheinend wollte er das Ganze jetzt beenden.  Er sprach eine einzelne Silbe und Loki spürte, wie ihr vom Druck des Wortes das Schwert aus der Hand geschleudert wurde.

„Loki!“, hörte sie Ralof hinter sich brüllen, als der Drachen sich aufbäumte und den Rachen aufriss. Seinen Worten folgte eine gigantische Druckwelle, Loki hatte sich hingekauert und die Hände in das Erdreich gekrallt, trotzdem wurde sie von den Füßen gehoben und zurückgeschleudert. Sie schlug mit dem Kopf auf einen Stein und ihr wurde schwarz vor Augen.

Als sie die Lider wieder hob, sah sie Ralof, die Elfe und die Soldaten, die sich zwischen sie und den Drachen gestellt hatten. Das Monster, stieß mit dem Kopf vor, seine Kiefer schlossen sich um einen Mann, der nicht schnell genug hatte auseichen können. Er riss ihn von den Füßen, hob ihn in die Luft und biss zu. Das Blut des Mannes spritzte zu allen Seiten, ein Arm landete im roten Gras, der Drachen ruckte den Kopf zu Seite und schleuderte die Leiche von sich.

Loki kam langsam wieder auf die Beine. Blut spritzte in ihr Gesicht, als der Unterkörper einer Wache neben ihr hart auf dem Boden aufschlug, der Oberkörper lag in einer anderen Ecke.

Ein Erinnerungsfetzen blitzte vor Lokis Augen auf. Warum tust du das?! Ein Lachen und die Stimme, die sie nie vergessen würde. Weil ich kann. Und weil mich niemand aufhält.

Loki stieß einen der Soldaten vor sich beiseite und stellte sich vor den Drachen. Er sah sie zufrieden an. Dann öffnete er den Rachen, die Worte quollen wie eine Welle aus Schmerz aus ihm hervor, hinter Loki ging einer der Soldaten in die Knie, die Elfe schrie in hilfloser Wut und Schmerz auf, Ralofs schwere Kriegsaxt fiel auf den Boden, als er die Hände auf die Ohren presste.

Loki wusste nicht wirklich, was sie tat, als sie ebenfalls den Mund öffnete und einfach zurückbrüllte. Es war kein wirkliches Wort, jedenfalls keines, das sie kannte, sondern nur ein Laut, Verkörperung ihrer Wut, ihrer Hilflosigkeit. In ihrer Brust begann es zu vibrieren, ein tiefes Pochen, wie ein gewaltgier Herzschlag, klang in ihren Ohren wider. Und dann schien es, als wäre ein Damm gebrochen, ihre Stimme veränderte sich plötzlich, klang lauter, durchdringender.
Das Echo ihres Schreis explodierte vor ihr, traf den Drachen mit voller Wucht und schlug seinen gewaltigen Kopf beiseite. Er knickte mit seinem verletzten Bein ein, zu benommen und vor allem, zu überrascht, um zu reagieren.

Loki aber reagierte. Sie wirbelte herum, ergriff Ralofs schwere Axt, holte weit aus und ließ die Klinge mit voller Wucht auf den Hals des Drachen nieder sausen. Das Blatt fraß sich durch den schweren Panzer, traf auf einen Halswirbel und ließ ihn zersplittern. Der Drachen bäumte sich auf, jetzt klang sein Schrei nicht mehr verächtlich oder amüsiert, sondern qualvoll. Loki war die Axt aus der Hand gerissen worden, da stürmte die Elfe an ihr vorbei und hieb ihre Klinge in das verletzte Bein des Drachen, er knickte endgültig ein, kippte zur Seite weg und schlug krachend auf dem Boden auf.

„JETZT!“, schrie die Elfe „TÖTET IHN!“ Loki blieb zurück, während die verbliebenen Soldaten und Ralof mit einer kleineren Axt von seinem Gürtel auf den am Boden liegenden Drachen zustürmten und ihr blutiges Werk beendeten.

Das Monster hatte keine Chance, bald schon wurde sein Brüllen, schriller, gequälter, dann brach es ab, die mächtigen Gliedmaßen zuckten noch einmal und plötzlich lag es still.

Loki starrte die tote Bestie an, langsam begann sie wieder klar zu denken. Der Schmerz in ihrer Seite erwachte zu neuem Leben, ihre Beine fingen an zu zittern. Und das letzte, was sie sah, war ein seltsamer, goldener Schein, der aus dem toten Drachen auf sie zu floss. Dann war da nur noch Dunkelheit.

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So. Für die nächste Zeit war´s das jetzt erstmal mit Drachen. Und wieder ist Loki ohnmächtig. Hat aber auch eine schwache Konstitution, das Mädchen. Im nächsten Kapitel erfolgen die Auftritte der Gefährten. Und des Fanboy Farengar Heimlich-Feuer.
Hoffe, es hat euch gefallen
Eure Vikki
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