Tale of an Uzumaki

GeschichteDrama, Freundschaft / P18
OC (Own Character)
09.05.2013
23.05.2020
227
845.024
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23.05.2020 4.016
 
*Obitos Sicht*

Was war hier los? Völlig überrumpelt starrte ich Rin an, deren Blick mich zu durchbohren schien und mir die Kehle zuschnürte. Aber selbst, wenn ich hätte sprechen können, so wüsste ich gar nicht, was ich hätte erwidern sollen. Ich verstand überhaupt nichts.
„Ich werde dich immer im Auge behalten“, wiederholte sie, ein schwaches Lächeln auf den Lippen, „Das habe ich dir damals versprochen und ich habe nie damit aufgehört.“
Das wusste ich. Wie hätte ich diese Erinnerung vergessen können? Es war einer der schönsten Tage in meinem Leben gewesen. Aber trotz ihres mitfühlenden Ausdrucks konnte ich mich bei der Erwähnung ihres Versprechens nicht zu einem Lächeln durchringen. Stattdessen ließ es mir die Haare zu Berge stehen.
„Was...was meinst du damit?“, brachte ich schließlich heraus.
Ihre braunen Augen schienen vor Mitgefühl überzulaufen, während ihr Gesichtszüge noch weicher wurden. Plötzlich zog ein Windstoß auf, schoben sich Wolken vor die Sonne und hüllten uns in ihren Schatten.
„Ich weiß, was du tust, Obito. Genauso, wie du weißt, dass das hier nur ein Traum ist, nicht wahr?“
„Warte, wie meinst du…? Nein!“
Bevor sie es verhindern konnte, hatte ich mir ihre Hand gegriffen. Ihre warme Hand, die sich so lebendig in meiner eigenen anfühlte. Sei irrte sich!
„Nein! Das ist kein Traum. Das hier muss die Realität sein!“, widersprach ich ihr und drückte ihre Hand so fest ich konnte, „Du spürst das doch, oder? Ich bin hier, bei dir und du bei mir. So wie es sein sollte! Das hier – wir hier – das hier ist real!“
Rin sah mich mit einer Engelsgeduld an, während sie langsam ihre Hand aus meinem Griff befreite. Und auch, wenn ich sie nicht loslassen wollte, konnte ich mich nicht dazu bringen mich gegen sie zu wehren. Fühlte sie denn nicht meine Nähe? Spürte sie nicht, dass dies hier nichts anderes als die Realität sein konnte?
„Du musst damit aufhören Obito“, sagte Rin bestimmt, „Du kannst so nicht weitermachen.“
Ich würde so gerne verstehen, was sie meinte, was genau sie bedrückte, damit ich ihr helfen konnte. Aber für mich ergaben ihre Worte einfach keinen Sinn.
„Was meinst du damit?“
Ihr Gesicht nahm plötzlich einen schmerzverzerrten Ausdruck an, der mir einen Stich in die Brust versetzte, bevor sie sich abwandte, meinen Anblick aus irgendeinem Grund nicht länger zu ertragen schien. Was war los? Wieso benahm Rin sich so eigenartig? Was lief hier schief?
„Was hast du, Rin?“
„Ich...ich kann dir einfach nicht länger dabei zusehen, wie du all diese schrecklichen Dinge tust“, brachte Rin schließlich schluchzend heraus, „Hör bitte damit auf, Obito.“
Ich wollte erneut meine Hand nach ihr ausstrecken, aber Rin zuckte davor zurück, zuckte vor mir zurück.
„Rin...“
„Bitte Obito, bitte hör damit auf“, flehte sie erneut, hob ihren Kopf um mich aus tränenerfüllten Augen anzusehen.
Ich ertrug es nicht. Ich ertrug nicht sie so zu sehen. Ich wollte sie in meine Arme nehmen, ihr versichern, dass alles in Ordnung war, dass alles in Ordnung kommen würde. Aber ich traute mich nicht. Inzwischen waren weitere Wolken aufgezogen, die immer größere Teile des Himmels verdeckten und die Landschaft in einen Flickenteppich aus Licht und Schatten verwandelt hatten.
„Es ist alles gut, Rin“, versuchte ich sie stattdessen mit Worten zu beruhigen, „Ich bin hier für dich. Ich werde immer für dich da sein. Du musst dir keine Sorgen machen. Ich würde alles für dich tun.“
Aber meine Worte schienen sie nicht zu besänftigen, stattdessen begann sie heftig de Kopf zu schütteln.
„Aber das will ich doch gar nicht! Du kannst nichts mehr für mich tun. Also bitte hör auf damit! All diese Menschen...Warum tust du das?“
All diese Menschen? Meinte sie etwa, die Dinge, die ich tat, wenn ich nicht bei ihr war? Aber dann war es doch ganz einfach! Denn nichts davon war echt.
„Das hat doch alles gar keine Bedeutung“, gab ich ihr beschwichtigend zu verstehen, „Nur das hier – meine Zeit mit dir - ist von Bedeutung. Nur das hier ist real.“
„Nein, Obito“, antwortete sie, schüttelte erneut den Kopf, „Du weißt, dass das nicht stimmt. Du weißt genau, dass das hier der eigentliche Traum ist.“
Wieso sagte sie das? Wieso musste das hier ein Traum sein?
„Das hier ist kein Traum! Zumindest nicht für immer. Ich werde es Realität werden lassen. Für dich!“
„Aber du kannst nichts mehr für mich tun“, hielt sie weiterhin dagegen, „ Das musst du doch selbst wissen.“
Diesmal war ich es, der heftig seinen Kopf schüttelte.
„Du irrst dich!“, beteuerte ich ihr, „Ich kann. Und ich werde. Das schwöre ich dir. Ich werde dich zurückbringen!“
„Aber zu welchen Preis? Musst du dafür wirklich all diese grausamen Dinge tun, all diese Menschen töten?“
„Und wenn das zu einer besseren Welt führt? Hier haben sie schließlich ihr Leben lang nur gelitten. Aber in einer neuen Welt, einer besseren Welt haben sie die Chance ein glückliches Leben zu führen.“
Wieso verstand sie nicht? Alles, einfach alles würde besser sein. Niemand würde mehr leiden müssen.
„Ich kann sie zurückbringen, wenn du willst! Sie würden glücklich und zufrieden sein. Wäre das nicht besser, als ihr Leben in dieser Hölle fortsetzen zu müssen?“
Ich wartete darauf, dass sie mir zustimmte, dass sie begriff. Sie musste doch wissen, warum und wieso ich es tat. Das musste sie doch wissen!
„Rin, nichts von dem hat irgendeine Bedeutung. Diese ganze Welt – diese Hölle – ergibt doch gar keinen Sinn! Nichts von dem, was ich tue, wäre in einer besseren Welt jemals geschehen. Nichts von dem wird in meiner neuen Welt jemals geschehen sein. Es macht keinen Unterschied, es ist egal. Es ist völlig egal, hörst du! Es ist mir egal, was ich tun muss! Wichtig ist nur, wieso ich es tue.“
Ich wartete auf ein Zeichen, die kleinste Änderung in ihrem erschütterten Gesichtsausdruck, die mir sagen würde, dass sie es verstand. Sie musste es doch verstehen. Sie hatte mich immer verstanden. Sie war der einzige Mensch, der sich je die Mühe gemacht hat.
„Du...du weißt doch, dass ich das alles nur für dich tue, nicht wahr?“, fragte ich sie zaghaft, fast flehentlich, „Du verstehst doch, wieso ich das alles tue, nicht wahr?“
Aber sie gab mir nicht die Antwort, die ich erwartet hatte. Die Antwort, von der ich wusste, dass Rin sie mir gegeben hätte.
„Das ist Wahnsinn, Obito. Siehst du das nicht?“, entgegnete sie nur. „Bitte...geh nach Hause.“
„Nach Hause? Wo soll das denn sein?“
Während die Wolkendecke immer dichter und dichter wurde, hatte sie nach und nach die letzten Sonnenstrahlen ausgelöscht und die Welt um uns herum war vom Schatten verschlungen worden. Die Straßen, die jetzt menschenleer waren, selbst die riesigen Steinköpfe. Nichts davon war mehr in der Dunkelheit zu erkennen. Der einzige Fleck, der geblieben war, der einzige Ort, den noch ein Sonnenstrahl erreichen konnte, war die Bank, auf der Rin saß.
„Konoha ist dein Zuhause. Du kannst zurückkehren. Du kannst Hokage werden. Minato-sensei und Kakashi warten dort auf dich.“
„Kakashi? Minato-sensei?“, presste ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, „
Die Kriegshelden, die immer alles geschafft haben? Wirklich alles, außer ihre Kameraden zu beschützen! Alles, außer ein Versprechen zu halten!“
Ich ballt meine Hände zu Fäusten.
„Ich meine, klingt das richtig für dich? Sollten die Dinge wirklich so sein? Kakashi war doch immer der Überfliegen und ich, ich war der Versager! Ich war derjenige, der immer zu spät kam. Wieso konnte es also passieren, dass er zu spät war, um dich zu retten? Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn! Das kann gar nicht sein! Das akzeptiere ich nicht! Das werde ich niemals akzeptieren!“
„Aber das musst du“, entgegnete Rin mit fester Stimme, „Ich bin tot, Obito.“
„Das ist eine Lüge!“, fuhr ich sie an, „Diese ganze Welt ist eine Lüge. Und deshalb gibt es auch niemanden in Konoha, der auf mich wartet. Er mag Kakashis Namen tragen, er mag so aussehen, wie er, aber er ist nicht Kakashi! Kakashi hätte niemals sein Versprechen gebrochen. Kakashi ist kein mieser Versager! Und ein Konoha ohne dich gibt es überhaupt nicht! Nichts davon ist echt! Wieso willst du das nicht verstehen?“
Konoha, Kakashi. Ich brauchte sie nicht. Ich wollte sie nicht. Ich wollte nur Rin. Ich brauchte nur Rin. Und Rin würde das verstehen. Rin war die einzige, die das verstehen würde.
„Obito“, sagte sie und sah mich für einen langen Moment an, ein Moment, der mir die Hoffnung gab, „Es ist einfach nicht richtig...“
Ich wich vor ihr zurück, konnte nicht fassen, was sie sagte.
„Aber...aber Rin...“
Ich konnte sie nur verständnislos ansehen, während sich die Wolkendecke endgültig zu schließen begann, der helle Fleck um uns herum immer weiter zusammenschrumpfte. Wieso konnte sie mich nicht verstehen? Wieso wollte sie nicht? War es nicht das, was sie sich wünschte? Was wir beide uns wünschten?
Langsam zog der Schatten über uns beide hinweg. Nein, nein, nein. Nein, hier stimmte etwas nicht. Das war alles nicht richtig. Es war unmöglich, dass Rin meine Gefühle nicht verstand, sie nicht teilte. Das hatte sie immer getan. Rin würde mir zustimmen. Natürlich würde sie mich verstehen.
„Du bist nicht Rin“, schlussfolgerte ich, „Du...das alles hier...das ist nur eine Fälschung.“
„Obito“, versuchte sie weiterhin auf mich einzureden, „Du musst verstehen...“
„Ich muss nichts! Du willst mich doch auch nicht verstehen!“
„O...Obito...“
Ein vorsichtiger, ängstlicher Ausdruck trat in ihr Gesicht, aber ich lies mich davon nicht beirren, ließ mich nicht länger täuschen. Ich kannte die Wahrheit. Ich kannte Rin.
„Wieso?“, fragte ich sie, während ich einen Schritt auf sie zukam, „Wieso versuchst du mich von ihr fernzuhalten?“
Wieso versuchten alle sie von mir fernzuhalten? Diese ganze Welt – dieser Höllenpfuhl – er würde mich nie zu ihr lassen. Dieser Alptraum würde sie mir niemals freiwillig überlassen. Also würde ich diese Realität mit Gewalt einreißen. Ich würde Rin zurückbringen. Und dafür würde ich alles zerstören!
„Obi...“
„Hör auf!“, schrie ich, ließ mein Gegenüber erschrocken zusammenzucken, „Hör auf zu lügen. Du bist nicht Rin. Also wage es nicht mit ihrem Mund zu sprechen.“
Rin. Ich würde sie wiedersehen. Ich würde wieder mit ihr lachen können. Wir würden wieder zusammensein. Und niemand würde sich mir in den Weg stellen können! Kein Mensch, keine Fälschung, keine Lüge…Nichts!
„Bitte, Obito...hör auf!“
„Sei still!“
Ehe ich mich eines Besseren besinnen konnte, hatte ich meine Faust erhoben und schlug ihr ins Gesicht, entlud all meinen Zorn. Aber plötzlich hatten sich Rin und die Umgebung verändert. Blut lief zwischen ihren Mundwinkeln hervor. Ich blickte an ihr herab und sah, wie ich meine Hand in ihrer Brust versenkt hatte und Blut daraus hervorspritzte.
„O...bito!“
Erschrocken fuhr ich hoch. Dunkelheit umfing mich, genau wie zuvor. Aber Rin war verschwunden. Ich sah auf meine Hand herab, die ich dank meines Sharingans selbst in der Dunkelheit erkennen konnte. Vollkommen weiß, ohne eine Spur von Blut. Und trotzdem konnte ich es noch immer zwischen meinen Fingern fühlen. Aber es war nicht real gewesen. Ich saß aufrecht in meinem Bett. Ich war nie mit Rin zusammen in Konoha gewesen. Das war nicht Rin gewesen. Langsam erhob ich mich, rief mir ins Gedächtnis, was ich zu tun hatte. Ich hatte schon zu viel Zeit mit dieser falschen Realität verloren. Es war ein Alptraum gewesen. So wie der Rest dieser verfluchten Welt.

Versteckt in der Krone eines Baumes blickte ich durch das Fenster hinein und beobachtete die Frau, die in der Küche stand. Ihr glattes, rotes Haar reichte fast bis zum Boden und versteckte ihr Gesicht, während sie sich über die Arbeitsplatte beugte. An einem anderen Fenster saß ein jüngeres Mädchen mit dem selben roten Haar und blickte gedankenverloren hinaus. Es war ruhig in dem Haus geworden, seit der Junge verschwunden war. Mit der Zeit war jedoch mehr als deutlich geworden, dass er nicht gegangen war ohne dem Mädchen etwas zu hinterlassen.
Weniger als der Zustand des Mädchens interessierte mich der ihrer größeren Schwester, derJinchuuriki des Kyubi. Sie war der eigentliche Grund, weswegen ich hier war. Seit einigen Wochen konnten ihre weit geschnittenen Klamotten  die Wölbung ihres Bauches nicht mehr verstecken. Es würde noch ein paar Monate dauern, aber meine Zeit würde kommen. Und bis dahin würde ich die Frau nicht aus den Augen lassen.
Als ein blonder Mann hinter sie trat, wich ich instinktiv tiefer in den Schatten der Äste zurück, doch er war zu beschäftigt um meine Anwesenheit zu bemerken. Er hatte nur Augen für seine Frau, der er behutsam einen Arm um den Bauch schlang und ihr einen Kuss auf die Wange drückte.
Bebend ballten sich meine Hände zu Fäusten, während sich ein alter Zorn in mir regte. Minato Namikaze. Wieso musst ausgerechnet er der Mann der Jinchuuriki sein? Wieso hatte man einen Mann wie ihn überhaupt zum Hokage gemacht? Jedes Mal, wenn ich ihn sehen musste, stellte ich mir diese Frage aufs Neue und jedes Mal wurde mir erneut klar, wie lächerlich das Amt des Hokage war.
Minato wandte sich kurz zum Mädchen an dem Fenster um.
„Hallo, Aori. Wie fühlst du dich?“, las ich von seinen Lippen ab.
„Gut.“
Die Antwort des Mädchens war kurz und angebunden, wie in den letzten Monaten, seitdem der Junge, seitdem Akasuna no Sasori Konoha verlassen hatte. Dieser Mann hatte einen Nukenin eines fremden Dorfes jahrelang in seinem Haus beherbergt und war immer noch Hokage. Lächerlich, absolut lächerlich. Und auch wenn nur die wenigsten von seiner Blamage erfahren hatten, so hatte ich doch sichergestellt, dass sich die Gerüchte verbreiten würden.
„Obito“, flüsterte der Zetsu mir ins Ohr, „Anbu.“
Die Frau wurde jetzt streng bewacht und mein Zeitfenster für den heutigen Tag war vorüber. Doch der Tag würde kommen, an dem der Kyubi mit gehörte und der vierte Hokage alles verlieren würde.

Strähne um Strähne fiel mein Haar zu Boden, während ich es immer kürzer trimmte. Ich erkannte kaum etwas von dem Jungen wieder, der mir im Spiegel entgegenblickte, aber ich konnte nicht behaupten, dass das etwas in mir auslöste. Noch immer durchzogen tiefe Narben mein Gesicht, doch mein Körper hatte sich dank der Zellen des ersten Hokage vollständig erholt. Ich benötigte keinen Aufpasser mehr.
„Warum schneidest du dir die Haare?“, fragte der Zetsu, der mir jahrelang als Rüstung gedient hatte, „Ist es ein angenehmes Gefühl? Fühlt es sich gut an?“
Ich unterdrückte ein Seufzen.
„So ist es einfach praktischer.“
Wenn ich eines in den Jahren mit diesem Zetsu gelernt hatte, dann dass es einfacher war ihm einfach eine Antwort zu geben.
„Ahh, ich verstehe. Es ist also ein wenig so wie Scheißen“, schlussfolgerte und war mit seiner eigenen Erkenntnis sichtlich zufrieden.
Ich machte mir nicht die Mühe ihn zu verbessern. Das führte zu nichts. Und schließlich war ich ihn ab heute los. Also konzentrierte ich mich lieber auf mein eigenes Spiegelbild, kürzte meine Haare bis auf ein paar Zentimeter herunter, sodass sie wieder in alle Richtungen abstanden.
„Jetzt siehst du wieder aus wie früher“, fügte der Zetsu unnötigerweise hinzu, „Das weckt Erinnerungen… nun ja, viel mehr Erinnerungen habe ich ja auch nicht.“
Ich ließ ihn kommentarlos vor sich hinplappern.
„Ich weiß noch, wie du so schwach warst, dass du nicht einmal das Bett verlassen konntest. Ich habe dich stundenlang beobachtet, in der Hoffnung, dass du vielleicht scheißen würdest. Aber du hast leider immer nur im Schlaf gesprochen...Rin, Kakashi, der Idiot, Rin, Rin...“
„Das reicht!“, unterbrach ich den Zetsu  scharf, „Das interessiert niemanden mehr.“
Es wurde wirklich Zeit, dass er verschwand.
„Dabei fällt mir ein, es ist schon ewig her, seitdem du geschlafen hast. Bist du gar nicht mehr müde?“
„Du hast es doch selbst gesagt. Zetsu müssen nicht schlafen und ich damit auch nicht.“
„Ja, da hast du recht“, gab er zu, „Aber wieso hast du dann überhaupt geschlafen, wenn du nicht mu...“
„Ich habe gesagt es reicht!“, unterbrach ich ihn, „Schluss mit diesem albernen Geplapper. Geh schon, mach dich nützlich.“
Ich hatte schon wirklich genug meiner Zeit verschwendet. Ich hatte heute besseres zu tun.
„Aber Madara meinte, dass ich dich nicht aus den Augen lassen solle...“
„Madara ist tot, oder nicht? Ich habe jetzt hier das sagen. Also mach was ich dir sage!“
„Aber was soll ich denn machen?“, fragte er ratlos.
Wieso war ich mit dieser Kreatur gestraft?
„Beobachtete Nagato“, nannte ich ihm den ersten Befehl, der mir in den Sinn kam, „Ich rufe dich, wenn ich dich brauche. Jetzt geh.“
„Okey-dokey!“, rief er gehorsam und saltutierte, „Tobi, hinfort!“
Als er endlich im Boden versunken war, stieß ich trotz meiner Wut ein schnaubendes Lachen aus. Tobi? Dieses Ding hatte die ganze Zeit über einen Namen gehabt und ich hatte es nicht einmal gewusst? Egal. Jetzt war es nicht mehr wichtig.
Ich stieß meinen Atem mit einem langen Seufzen aus. Ich musste mich auf wichtigere Dinge konzentrieren. Der Tag war gekommen. Heute würde der Kyubi mein sein. Ich nahm die Maske, die vor mir lag. Was ich im Spiegel vor mir sah, hatte keine Bedeutung. Für eine Weile würde ich Madara Uchiha spielen müssen, also war es besser mein Gesicht zu verbergen. Wobei es keinen Unterschied machte. Madara war ein so leerer Name, wie der andere. Nur war er mir im Augenblick nützlich. Heute Nacht würde Madara Uchiha erreichen, was er sich immer gewünscht hatte. Er würde Konoha in Schutt und Asche legen.
Ich wollte mir gerade die Maske aufsetzen, als mich ein weiteres paar Augen im Spiegel anblinzelte. Erst als sie klappernd zu Boden fiel, bemerkte ich, dass mir die Maske aus der Hand gerutscht war. Dennoch schaffte ich es nicht, meinen Blick von ihrem Gesicht abzuwenden, ihren braunen Augen, die mich ansahen. Anstarrten. Durchbohrten. Verurteilten.
Mit einem Aufschrei, zerschmetterte ich den Spiegel mit meiner Faust. Ich spürte die Splitter gar nicht, die sich in meine Hand gebohrt hatten. Sie wurden von der unsäglichen Wut in meinem Bauch überschattet, die nie ganz verschwand, jeden Moment überzukochen drohte. Und sie würde nie verschwinden. Nicht in dieser Welt. Egal wie viele Fälschungen sich mir in den Weg stellen würden. Ich würde sie alle vernichten. Ich würde einfach alles vernichten.

Ich kehrte ohne meine Beute in die Dunkelheit meiner Dimension zurück. Ich hatte es geschafft, ich hatte die Kontrolle über das Kyubi gewonnen, doch der vierte Hokage hatte es geschafft seine Frau in Sicherheit zu bringen. Kushina Uzumaki. Trotz der Extraktion des Kyubi war sie noch am Leben und mit ihren Fähigkeiten könnte sie mir den Kyubi selbst in geschwächtem Zustand wieder entreißen. Doch ihre Stunden waren gezählt. Nein, der vierte Hokage war das wahre Problem. Aber ich wusste genau, wie ich ihn aus seinem Versteck locken konnte.
Konoha war still und ruhig, als ich dorthin zurückkehrte. Das Dorf hatte noch keine Ahnung davon, was geschehen war, noch was ihm bevorstand. Ich war inmitten sauber aufgereihter Steinplatten gelandet. Niemand würde zu dieser Zeit zum Friedhof inmitten des Dorfes kommen. Zumindest hatte ich das erwartet. Doch in einiger Entfernung, stand eine einzelne Person vor einem der Grabsteine, vor der ich mich eilig in den Schutz der Schatten zurückzog. Doch der junge Mann sah kein einziges Mal auf, während er mit dem Grabstein vor sich zu reden schien. Worte, die ich aufgrund seiner Gesichtsmaske auch mit meinem Sharingan nicht deutlich von seinen Lippen ablesen konnte. Dennoch konnte ich einen Namen ganz deutlich erkennen.
Ganz von selbst spannten sich meine Muskeln an, während die so vertraute Wut erneut hochzubrodeln begann. Was für ein glücklicher Zufall. Heute bot sich mir die Gelegenheit gleich zwei Fehler aus der Welt zu räumen. Ehe ich mich jedoch auf den unvorbereiteten Kakashi stürzen konnte, packte jemand meinen Arm. War ich entdeckt worden? Ich wollte bereits herumfahren um den Störenfried mit meinem Kamui zu entfernen, als mich ihre Stimme erstarren ließ.
Obito. Das kannst du nicht tun. Kakashi ist dein Freund.
Rin. Es war so lange her, seitdem ich ihre Stimme das letzte Mal so deutlich in meinem Kopf gehört, seitdem ich die Wärme ihrer Berührung gespürt hatte. Für einen Moment verlor ich mich in meinen Erinnerungen. Nein! Nein, das hier war eine Lüge, eine Halluzination. Gewaltsam riss ich mich von ihrem Griff los und schüttelte die Starre von mir ab. Rins Abbild glich ihr immer noch bis aufs Haar und doch wusste ich, dass es eine Fälschung war.
Schnell wandte ich mich wieder Kakashi zu, nur um zu beobachten, wie er sich abwandte und mit einem Satz verschwunden war. Zähneknirschend fuhr ich zu dem Abbild herum, hatte bereits eine Hand zur Faust geballt, hatte das perfekte Ziel für meine Wut gefunden, als ich in der Bewegung innehielt. Was tat ich hier? Ich verschwendete nur meine Zeit. Ich war nicht wegen Kakashi hier. Ich durfte mich nicht ablenken lassen. Ich würde mich von einer Halluzination nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ich hatte ein wichtigeres Ziel vor Augen.
Ohne weiter auf sie zu achten, ging ich an ihr vorbei zu dem Grabstein, vor dem Kakashi gestanden hatte. Meine Augen verengten sich zu Schlitzen, als ich die Gravur las.
Rin Nohara.
Eine weitere Lüge. Ebenso wie das Abbild, welches mir gefolgt war. Ich würdigte ihr keines Blickes, richtete meine Aufmerksamkeit stattdessen auf die Vase, die jemand auf dem weißen Stein abgestellt hatte und in der eine einzige, frische Blume steckte. Wie sinnlos. Hier lag doch niemand.
Obito.
Abermals hallte ihre Stimme in meinem Kopf wider.
Wieso tust du das? Wieso willst du all diesen Menschen wehtun? Obito…
„Sei still“, brachte ich sie zum Schweigen, „Sei einfach still. Du kannst mich nicht täuschen. Und du wirst mich sicher nicht von ihr fernhalten.“
Ich hielt meine Stimme unter Kontrolle, würde mir nicht die Blöße geben jemanden anzuschreien, der nicht einmal hier war. So sehr mich ihre Anwesenheit auch abstoßen mochte.
Obito.
„Nein, du irrst dich. Obito gibt es nicht mehr“, erklärte ich ihr und genoss es, wie sie unter meinen Worten zusammenzuckte.
Dieser Name bedeutete gar nichts mehr. Wenn Rin wirklich gestorben war, dann war Obito mit ihr gestorben. Ich war niemand und ich wollte niemand sein. Ich nahm mir die Vase, die auf dem leeren Grab stand. All dies hier war bedeutungslos. Als hätte sie meine Gedanken gelesen, streckte die Illusion ihre Hand nach mir aus, öffnete ihren Mund um mir eine weitere Lüge ins Ohr zu flüstern.
Obi…
Als die Vase durch ihren Körper flog, verschwand sie, einen leeren Namen auf ihren Lippen, während die Vase klirrend auf dem Boden zerschellte. Nichts, gar nichts von all dem hier war echt. Aber ich würde das ändern. Ich würde sie zurückbringen und all dem hier ein Ende bereiten. Ich streckte meine Hand in die Höhe, bevor ich sie nach unten riss und meine Handfläche auf den kalten Grabstein presste. Und ich würde mit Konoha anfangen.
Kuchiyose no Jutsu: Kyubi! (jap. für „Kunst der Geisterbeschwörung: Kyubi“)

Kushina und der vierte Hokage waren an diesem Tag gestorben, so wie ich es geplant hatte. Doch den Kyubi hatte ich verloren. Stattdessen war er in einem Jungen versiegelt worden, der sich mir energischer in den Weg stellte, als jeder andere vor ihm. Aber jetzt war es egal. Ich war nicht mehr auf Naruto angewiesen.
Als der vierte Hokage das Yin-Chakra des Kyubi in sich selbst versiegelte um die Bürde seines Sohne zu mildern, hatte er doch tatsächlich die einzig gute Tat in seinem Leben vollbracht. Während das Chakra des Kyubi versiegelt wurde, wechselte der Klumpen aus Insekten immer wieder zwischen dem Aussehen einer Bestie und das eines Mannes. Letztendlich musste ich Minato-sensei dankbar sein, hatte er doch noch zum wahren Frieden beigetragen. Bald würde alles wieder so sein, wie früher. Bald würde er wieder Hokage sein und diesmal würde er rechtzeitig kommen, um sein Team zu beschützen, diesmal würde er seinen Sohn aufwachsen sehen. Der Anfang einer besseren Welt war zum Greifen nah.
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Tobi: „Tag...wie lange ist es nun her...Tag mehr als vierzehn: Nagatos Leiche ist noch immer nicht zurück, nachdem Obito sie gefunden hat. Seitdem habe ich Nagato aus den Augen verloren, aber ich halte weiter die Position!“
Tobi: „Warte. Mit wem rede ich hier überhaupt?“
Tobi: „Na mit dir selbst.“
Tobi: „Ja genau, das tue ich!“
Tobi: „Hm…Ob ich Obito hätte Bericht erstatten sollen, als er Nagatos Körper gefunden hat? Nein. Es ist sicher wichtig, dass ich hier bleibe und darauf warte, dass Nagatos Leiche zurückkommt. Obito wird mich schon rufen, wenn er mich braucht...ganz sicher...“
Tobi: „Du hast sicher recht, Tobi.“
Tobi: „Danke, Tobi!“
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