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Das Meer, die Geige und Du

von SoundSky
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 Slash
Dänemark Finnland Norwegen Schweden
08.05.2013
09.03.2014
43
223.870
14
Alle Kapitel
110 Reviews
Dieses Kapitel
12 Reviews
 
 
08.05.2013 2.235
 
Hallöle und willkommen zu meiner ersten FF hier! :D
Na ja, es ist nicht meine erste FF überhaupt, aber eine, die ich wirklich zu Ende bringen will.
Und das ist selten bei mir. XD

Wie ihr vielleicht schon raus lesen konntet, sind die Hauptpersonen in dieser Fanfiktion Dänemark(Mathias) und Norwegen(Lukas).
Aber ich wollte von Anfang an nicht, dass es diese typische "Liebe auf den ersten Blick" - Theater wird, weswegen sich die Geschichte hauptsächlich erst mal auf die Freundschaft der beiden und Mathias Leben in Norwegen bezieht.
Romantik kommt erst später, aber ich werde die Kapitel davor auch schon versuchen, damit etwas zu "würzen" :DDD

Ich hoffe, sie findet Anklang, aber selbst wenn nicht habe ich beschlossen, diese FF zu Ende zu bringen, egal ob sie nun jemand liest oder nicht. ^^
Aber ich freue mich natürlich, wenn jemand Gefallen an ihr findet!

Dann mal viel Spaß ;3

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Es war ein grauer Tag.
Einfach so einer, bei dem man am liebsten den ganzen Tag nur im Bett bleiben, Chips futtern und fernseh gucken würde.
Aber ich hatte mich dazu gezwungen aufzustehen, um wenigstens etwas Verantwortungbewusstsein zu zeigen.
Ich lebte in einer WG mit drei anderen Leuten und da wurde strikt eingeteilt, wer wann was zu tun hatte.
Und mir wurde das Einkaufen für die nächste Woche aufgebrummt.
Ich war nicht gerade begeistert von dieser Aufgabe, aber ich wollte es mir einfach nicht mit diesen Menschen verscherzen.
Sie waren die Einzigen gewesen, die mich aufgenommen hatten.

Ich seufzte einmal und schaute in den wolkenverhangenen Himmel, der mit seinem tristen Farben nicht gerade zur Besserung meiner Laune beitrug.
Heute genau auf den Tag war es einen Monat her, dass ich nach Norwegen gekommen war.
Seit einem Monat plagte ich mich mit billigen Teilzeitjobs, einer Sprache und vorallem mit Menschen, die ich absolut gar nicht verstand, herum.
Hier war alles so anders als bei mir zu Hause in Dänemark.
Die Leute waren viel hektischer, schienen oft gelangweilt oder gar desinteressiert am gesamten Konzept des Lebens.
Ich fand es etwas deprimierend hier zu sein, aber es war trotzdem ganz erträglich.
Denn wenn die Sonne sich doch einmal aus ihrem Versteck hinter den Wolken hervor traute, wechselte das gesamte Land sofort von „scheiß Welt“ auf „Hallo Leben!“

An meinem ersten sonnigen Tag hier wurde ich fast erschlagen von dem plötzlichen Stimmungswechsel der Leute.
Man wurde mit einem strahlenden Lächeln begrüßt, alle waren extrem freundlich und ich hatte damals auch noch das Glück gehabt, zwei Drinks in einer Bar aufs Haus zu bekommen.
Allerdings war das bisher die Ausnahme gewesen und ich sehnte mich jedes mal bei dem Wetterbericht danach, dass der Moderator irgendetwas von „Sonne“ sagte.
Bis jetzt hatte er mir diesen Gefallen nicht getan.

Leise vor mich hinsummend lief ich die Landstraße entlang, die ich mir als Route für den Rückweg ausgesucht hatte.
Ich hätte mich auch durch das Getümmel in der Stadt quetschen und dann in einen stickigen, überfüllten Bus steigen können, aber meine Lust dazu hatte sich ziemlich in Grenzen gehalten.
Auch wenn dieser Weg schneller gegangen wäre, so war ich doch mehr der Typ dafür, an der frischen Luft zu sein.
Der Wind pfiff mir um die Ohren und zerwühlte mir mein eh schon wuscheliges Haar.
Doch das machte mir nichts.
Ich kannte den Wind als stetigen Begleiter von zu Hause.
Ich hatte seitdem ich denken konnte an der Küste gelebt, und da war es eben schon  immer etwas stürmischer gewesen.
Diese zarte Ähnlichkeit zu Dänemark zauberte mir ein Grinsen ins Gesicht.
Bis jetzt hatte ich einen Monat überlebt, da würden ein paar weitere auch nicht schwer werden, oder?

Ich ging noch eine ganze Weile bis sich mein Optimismus wieder komplett gesammelt hatte.
Und jetzt erschien mir die Welt gar nicht mehr so grau.
Auch wenn es angefangen hatte, zu nieseln.
Doch ich ging mit einem breiten Grinsen einfach weiter, versuchte die winzigen Tropfen zu ignorieren und nicht daran zu denken, was passieren würde, wenn plötzlich ein Wolkenbruch vom Himmel auf mich niederprasseln würde.
Wahrscheinlich würde das Brot durchweicht werden oder mir würden gar die Tüten reißen.
Bei diesem Gedanken seufzte ich.
Bloß das nicht.
„Also dann hop, hop Matty, sonst sitzt du in der Scheiße“, motivierte ich mich selber und beschleunigte mein Tempo.

Ich wäre fast an ihm vorbei gegangen, wenn ich die Melodie nicht gerade so noch wahrgenommen hätte.
Zuerst dachte ich, es wäre irgendein Hirngespinst gewesen oder ich hätte mich verhört, aber ich war mir ziemlich sicher gewesen, Geigenmusik zu hören.
Perplex blieb ich stehen und strengte mein Gehör an.
Eine schöne Melodie drang an mein Ohr und ich schloss kurz die Augen, um erkennen zu können, um welches Lied es sich handelte.
„Hm... hm, hmmm“, summte ich leise mit und öffnete meine Augen wieder.
Kennen tat ich das Lied nicht, aber es klang verdammt schön.
Ich ging zielstrebig auf die Düne zu, die den Blick auf das graue, wilde Meer verdeckte.
Dahinter musste sich die Person befinden, die auf der Geige spielte.
Zwar war Klassik absolut nicht mein Geschmack, aber der Geigenspieler spielte nicht nur klassisch, sondern auch... Dubstep.
So merkwürdig es auch klang, die Musik wurde definitiv von Dubstepbeats begleitet, die mir ein fröhliches Rumwippen mit dem Kopf entlockten.
Ich hatte so etwas noch nie zuvor gehört und ich war extrem neugierig darauf zu erfahren, wer diese sonderliche Musik spielte.
Mit großen Schritten erklomm ich die Düne, versuchte dabei aber keinen Laut zu machen.
Was ziemlich schwer ging mit den ständig knisternden Tüten in meinen Armen.
Eines dieser glitschigen Drecksdinger fiel mir sogar fast zu Boden, doch ich machte eine enorm merkwürdig aussehende Verrenkung um ihren Absturz zu verhindern.
Mit meinem Knie bugsierte ich die Einkaufstüte wieder in eine sichere Position und schlich die letzten Meter die Düne hinauf.
Ich kniete mich in den feuchten Sand, der sich sofort an meine Jeans heftete.
Doch ich ignorierte das nasse Gefühl an meiner Haut und suchte den Strand nach dem Geigenspieler ab.
Zuerst konnte ich nichts außer das weite Meer und einen grauen Himmel erkennen, aber dann sah ich ihn.
Er hob sich kaum von der blassen Landschaft ab.
Ein schlanker, junger Mann - ich schätzte ihn auf Anfang zwanzig -  mit sehr hellen, blonden Haaren und in seinen Händen eine matt schimmernde Geige.
Seine Kleidung war ziemlich elegant im Gegensazu zu mir.
Er trug eine dunkelgraue Hose, ein silbernes Hemd und hatte sich darüber eine dunkelgraue Weste geworfen.
Es hätte nur noch eine Krawatte gefehlt und ich hätte ihn glatt für einen Ober gehalten.
Ich dagegen trug meine dunkelblaue, verwaschene Lieblingsjeans, ein rotes T-Shirt und eine Jacke, von der ich selbst nach all den Jahren, die ich sie besaß, nicht sagen konnte, ob sie nun braun oder dunkelgrau war.
Ich kam mir ziemlich schäbig vor, ehrlich gesagt, aber ich verwarf dieses Gefühl einfach wieder.

Er hatte sich das Ende des Instruments zwischen sein Kinn und seine rechte Schulter geklemmt und zog mit sanften Bewegungen den Bogen über die Saiten.
Seine rechte Hand ruhte in einer komischen Position auf dem Hals der Geige, aber er wechselte flink in eine andere, nicht normalaussehenden Stellung.
Seine Augen waren geschlossen, als ob er sich extrem konzentrieren würde.
Zu seinen Füßen stand ein Laptop, an dem zwei kleine Boxen angeschlossen waren.
Aha, darauß kam also das Dupstebgedöns.
Vorsichtig stellte ich die Tüten neben mir ab.
Eine war dabei umzukippen, aber ich hielt schnell mit meiner Hand dagegen.
Nachdem ich sicher war, dass sie nicht mehr versuchen würde, den Sand ganz genau zu begucken, wandte ich meine Aufmerksamkeit wieder dem Mann zu.
Er hatte sich während des Spielens keinen Millimeter von der Stelle gerührt, nur seine Hände und sein Haar waren in stetiger Bewegung.
Ganz fasziniert von seiner Fingerfertigkeit beugte ich mich etwas vor, um genauer erkennen zu können, wie er seiner Geige nun genau die Töne herauskitzelte.

Inzwischen hatte das Musikstück gewechselt, von einem ruhigen zu einem eher rockigeren.
Aus den Boxen pulsierte der harte Beat, der selbst den Sand in der Nähe in Vibration versetzte.
Noch nie hatte ich so etwas gehört, aber falls dieser Typ berühmt war: Jetzt hatte er jedenfalls einen neuen Fan!
Der Dubstep befand sich gerade in einer sanfteren Phase, weswegen der Part des Saiteninstruments nun sehr klar zu hören war.
Ich merkte, wie mir eine Gänsehaut über die Arme lief.
Dieser Kerl war ein verdammt begnadeter Musiker, das musste ich ihm lassen.

Ich blieb noch eine ganze Weile da und lauschte einem Lied nach dem anderen.
Der Niesel hatte zwischen zeitlich zu Regen übergewechselt, aber weder mich noch den Geigenspieler störte das.
Er ging ohne zu Zögern von einem Lied zum nächsten über, als ob er den Verlauf des Dubsteprhythmusses auswendig könnte.
Und in der ganzen Zeit hatte er nicht einmal seine Augen geöffnet.
Ich war aber nicht so bewegungslos geblieben wie er.
Inzwischen hatte ich mich auf den Hintern gesetzt, mich wieder hingekniet, sogar mal kurz gestanden, aber aus Angst, dass er mich sehen könnte, sofort wieder hingesetzt und jetzt lag ich auf meinem Bauch.
Der nasse Sand, der durch mein T – Shirt gerieselt war, fühlte sich zwar eklig an, aber ich versuchte einfach, es aus zu blenden.
Die Musik war einfach viel zu schön, um jetzt zu gehen.
Doch plötzlich brach der Typ in mitten eines Liedes ab.
Oh – oh.
Er öffnete seine Augen und fixierte die Düne, auf deren Spitze ich mich versteckte.
In meinem Bauch zog es vor Aufregung und ich biss mir auf die Unterlippe.
Vor mir war eine ganze Menge Gras, deswegen hoffte ich, dass er mich nicht gesehen hatte.
Ich meine, ich hörte ihm schon seit einer gefühlten Ewigkeit zu und da bemerkte er mich erst jetzt?
Wahrscheinlich war einfach ein lauter Vogel über mich hinweg geflogen.
Genau!
Das musste es sein.

Ich drückte mich tiefer in den Sand, der seinen Weg jetzt sogar schon in meine Hose gefunden hatte, und hoffte inständig, dass er mich wirklich nicht gesehen hatte.
Ich kam mir schon so vor wie ein Stalker, aber wenn der Kerl mich jetzt auch noch beim Spannen erwischte, wäre das eine verdammt peinliche Situation.
Ich würde ihm erklären müssen, warum ich in Sand mariniert hier lag und ihn mit Tüten voller durchweichter Brötchen und geschmolzenem Eis beobachtete.
Ich begann zu grinsen.
Es wäre zwar peinlich, aber auch lustig.
Das würde ich später definitiv meinen Freunden in Dänemark simsen.

Noch immer behielt der Musiker den Berg aus Sand im Auge.
Er schaute genau auf die Stelle, an der ich lag.
Ich schluckte.
Okay Mathias, es war Zeit, ein paar vernünftige Erklärungen zu finden.
Ich könnte ihm die Wahrheit sagen, aber irgendwie fand ich diese Idee ganz schön bescheuert.
„Hey, ich lieg hier nur so rum weil ich deine Musik extrem geil finde!“
So etwas sagte man nicht, ohne danach als kompletter Vollidiot abgestempelt zu werden.
Und bisher hatte ich das gut vermeiden können.
Obwohl... nach einem Monat Aufenthalt wurde es wohl langsam Zeit.

Ich holte tief Luft und bereitete mich innerlich schon mal darauf vor, gleich mit den unmöglichsten Sachen konfrontiert zu werden, doch nach einer gefühlten Ewigkeit Luftanhalten kam immer noch nichts.
Ich atmete mit einem leisen „Hmmm“ aus und lugte vorsichtig aus den dichten Grashälmen, um zu schauen, ob er nun direkt vor mir stand oder immer noch die Düne anstarrte.
Ich hob überrascht meine Augenbrauen als ich sah, dass keiner mehr da stand.
Kein Geigenspieler mehr, kein Laptop mehr.
Nur das Meer wog sich unruhig hin und her, rauschte unaufhörlich und ließ mir die Stille noch unnatürlich vorkommen.
Nachdenklich schob ich meine Unterlippe nach Vorne und legte den Kopf schief.
Wie hatte der Kerl so schnell abhauen können?
Das war ja fast wie in diesen Filmen aus Amerika.
Nur, dass ich nicht ein verknallter, pubertierender Teenager war und er kein unglaublich hübsches Mädchen, was mich sofort in seinen Bann gezogen hatte.
Mit einem Seufzen ließ ich mich in den Sand zurückfallen und betrachtete die fluffigen Wolken, die sich langsam Richtung Süden verzogen.
Es regnete zwar immer noch, aber ich konnte ein paar kleine Stückchen des blauen Himmels ausmachen, der ungeduldig hinter der Wolkenwand auf seinen Auftritt wartete.
Ein paar vereinzelte Regentropfen fielen mir ins Gesicht und rannen meine Schläfen hinunter.
Ich fuhr mit meinen Fingern durch den klumpigen Sand und warf eine handvoll in die Luft.
Sofort rieselte alles wieder auf mich herab und der größte Teil landete in meinem Gesicht.
Lachend strich ich mir die Körner aus den Augen und dachte daran, dass ich unbedingt nach Hause sollte.
Meine Mitbewohner würden sich Sorgen machen, wo ich so lange abbleibe und außerdem wollte ich schnell die Standpauke wegen der durchnässten Einkäufe hinter mich bringen.

In meinen Ohren klang das letzte Lied des Geigenspielers.
Fröhlich mit summend stand ich auf und klopfte mir den gröbsten Dreck von den Klamotten.
Dann griff ich mir die inzwischen mehr als nassen Tüten und machte mich auf den Heimweg.
Zwar war ich nicht in einem Film, aber die Szenerie von eben erinnerte mich stark daran.
Und dass es doch etwas wie im Film, oder wenigstens eine kitschige Soap, werden würde, war mir in dem Moment nicht bewusst.
_________________________________________________________________________

Ich hoffe, euch hat das erste Kapitel gefallen. :D
Es ist etwas karg, das gebe ich zu. v.v
Aber es ist der beste Einstieg für eine Geschichte, den ich bis jetzt hingekriegt habe! XD

Ich werde jeden Sonntag neue Kapitel hochladen.
(Und ja, Lindsey Stirling hat mich hier sehr inspiriert mit  der Idee "Geige+Dubstep" C:)

- Sound
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