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A new beginning (4)

von JaneS
Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Chris Fehn Craig Jones Joey Jordison Mick Thompson OC (Own Character) Sid Wilson
08.05.2013
18.05.2018
97
297.974
4
Alle Kapitel
23 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
08.05.2013 2.940
 
Hallöchen meine Lieben!
Tja, da bin ich wieder und es geht weiter.
Auch wenn ich mir geschworen hatte nie wieder ein Wort über Elá, Mina und die 9 zu schreiben, so ist es nun doch geschehen und ich möchte eventuell unbeantwortete Fragen beantworten, die in der ersten Trilogie offen blieben.
Warum musste Elá sterben? Was war die Ursache usw.?

Und ich möchte meine Leser bitten, nachsichtig zu sein.
Ich musste mich selbst erst einmal in diese Materie wieder einlesen und bin nicht mehr so vertraut mit der Schreiberei.
Immerhin habe ich fast 3 Jahre kein Wort zu Papier gebracht ;-)
Sollten sich kleine Fehler einschleichen überliest sie, da ich kein Internet privat habe und somit keine Beta-Leserin kann ich nur mit meinen eigenen Augen drüber fliegen. Und aufgrund des Inetmangels werden auch immer mal wieder gleich mehrere Kapitel hochgeladen, also wundert euch nicht.
Ich schreibe täglich und da kann es mal passieren, dass an einem Tag 2 Kapitel fertig werden.
Da ich aber nur ein- oder zweimal die Woche online komme staut sich das natürlich =)

Ich wünsche mir, dass ihr diese Geschichte genauso voller Herzblut liest wie ich sie schreibe, denn auch nach 3 Jahren lässt mich diese geschichte rund um Elá einfach nicht los. Ich möchte endgültig abschließen und loslassen, doch dazu fehlt der gute Schluss ;-)
Nun, ich wünsche euch viel Spaß beim lesen, freue mich auf eventuelle Reviews und bin gespannt, wie ihr diese Story auffassen werdet.

*Kakao für alle!*





Kirschbäume


Manche Dinge konnte auch die verstrichene Zeit nicht heilen. Mancher Schmerz saß zu tief und hielt einen fest umklammert und immer wieder fragte er sich, wie man an ein früheres Leben anknüpfen, wie man weiter machen konnte wenn man zu verstehen begann, dass es kein Zurück mehr gab. Und es gab einfach in seinem Leben kein Zurück mehr, schließlich hatte er sich um seinen Sohn zu kümmern und konnte schlecht in der Vergangenheit leben. Sie fehlte ihm aber so unwahrscheinlich, dass er manchmal hier her kam und fast unter der Last des Schmerzes zusammen brach. Heute standen die alten Kirschbäume auf seinem ehemaligen Grundstück in voller Blüte und es duftete sommerlich frisch. Hier hatte er sie geheiratet und hier war die alte Hängematte, in der er nun saß und an sie dachte. Das Haus war abgerissen worden und das Grundstück seither als Wiese für die Hunde der Nachbarschaft genutzt worden, doch für ihn war dieser Ort immer wieder eine magische Verbindung zu Erinnerungen, die tief in ihm verborgen waren. In der Hand hielt er ein Bild von ihr, auf dem sie fröhlich lächelte und sich an Mina, ihre beste Freundin anschmiegte. Es war schon einige Jahre alt, aber es war ihm sehr wichtig und deshalb hob er es immer in seiner Geldbörse auf. Alles in seinem Leben drehte sich nun mehr um Benjamin, seinen Sohn. Sie hatte ihm seine größte Liebe geschenkt und ihn Vater werden lassen, ehe sie ihr Leben für das Kind gegeben und dahin geschieden war. Seit jenem Tage vor über zwei Jahren war er ein anderer Mensch, sein Lachen war verklungen und das Glück aus seinem Leben gewichen. Einzig wenn er mit seinem Sohn zusammen war konnte er sich frei fühlen, denn Benjamin war seiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Manchmal erschreckte ihn diese Ähnlichkeit, doch er war auch so dankbar dafür jeden Morgen das Gesicht seines Kindes sehen und berühren zu dürfen. Einzig Bennys Augenfarbe war anders, denn er hatte die eisblauen Augen aus der Familie seines Vaters geerbt, doch das schwarze Haar, die kleine geschwungene Stupsnase und die Gesichtszüge hatte er definitiv von Elá. Seine Blüte, die so glücklich durchs Leben zu gehen schien und die alle schweren Niederschläge mit einer Kraft weg steckte, die niemand einer so zarten und zierlichen Frau zugestanden hätte. Und doch hatten viele dieser Niederschläge ihren Tribut gefordert und sie geschwächt. Wäre er heute nicht Vater eines kleinen Jungen hätte er eigentlich keinen Sinn mehr im Leben gesehen. Das Haus in Ankeny war viel zu groß für ihn allein und alles erinnerte ihn dort an sie. In der Scheune, also dem Studio hingen hunderte Bilder und alles trug irgendwie ihre Handschrift. Jeder Ort, den er kannte war voll mit Erinnerungen an eine Zeit vor der Dunkelheit, vor dem Schmerz und der Trauer. Seine Freunde kümmerten sich um die Familie, doch ließen sie ihm auch den nötigen Freiraum und sprachen nur sehr selten bei seiner Anwesenheit über Elá. Ihr Leben ging weiter und auch sie hatten sich um Dinge zu kümmern, die ihre volle Aufmerksamkeit verlangte. Mina war ein paar Monate nach Elás Tod selbst Mutter geworden und hatte ihre kleine Tochter, Jim würde noch diese Woche heiraten und Joey hatte sich mit seiner Lynn auf Weltreise abgesetzt, einzig Craig war ab und zu an seiner Seite und gab ihm im Stillen die Kraft, den Tag irgendwie zu überstehen. Sie fehlte so sehr, nicht nur in seinem Leben. Alle waren damals zu Tode geschockt gewesen, Mina war sogar in Ohnmacht gefallen. Es war ein herber Schlag für die ganzen Freunde gewesen und nach einigen Tagen hatten sie erst so richtig realisiert, dass die kleine Deutsche mit der quirligen Art ganz plötzlich nicht mehr da war. Alle saßen zusammen in der Scheune und weinten hemmungslos, alle waren am Boden zerstört. Nur er, er selbst hatte sich zurückgezogen und versuchte stark zu sein. Er kämpfte für seinen Sohn und die Erinnerung in seinem Herzen. Und auch wenn er in den ersten Wochen nach ihrem Tod einige Bilder von den Wänden genommen hatte um nicht immer in ihr Gesicht sehen zu müssen, so hatte er doch das von Craig gezeichnete Kohlebild über Bennys Bett aufgehängt und betete im Stillen dafür, dass sie ihren Sohn jeden Tag sehen konnte. Sie war an einem besseren Ort und er wusste, dass sie nun keine Schmerzen und keine Angst mehr leiden musste. Doch manchmal wünschte er sich, sie wieder im Arm halten oder noch einmal in ihre wunderschönen schokoladenfarbenen Augen blicken zu können.

Nach einer gefühlten Ewigkeit steckte er das Bild von ihr wieder in seine Geldbörse und sah hinauf zu dem Kirschbaum, der im leichten Frühlingswind rauschte. Es war ihr Lieblingsort gewesen und hier hatte sie immer gedöst oder geschlafen, wenn das Wetter warm genug war. Hier hatte sie damals auch gelegen und um ihre Tochter geweint, die sie im fünften Schwangerschaftsmonat verloren hatte. Der Gedanke daran trieb ihm eine dicke Gänsehaut die Arme hinauf und für einen Moment fühlte er sich nicht ganz so allein, als wäre sie jetzt bei ihm und würde ihn trösten, doch es war nicht so. „Warum hast ausgerechnet du gehen müssen, meine Blüte? Ich verstehe es einfach nicht.“, murmelte er und legte sich die Hand ins Gesicht, weil ihm die Tränen kamen und er verzweifelt war. Es war ihnen niemals vergönnt gewesen. Schon bei ihrer ersten Begegnung hatte das Schicksal sie wieder auseinander gerissen, ihr Visum war abgelaufen und er hatte einige Zeit ohne sie hier gesessen, ehe er sie nach Deutschland holen war. Dann lebten und liebten sie sich, doch kaum schien es nur ansatzweise bergauf zu gehen kam der nächste Tritt in die Magengrube. Die halbe Vergewaltigung, das Kind verloren, Pauls Tod, der Einbruch ins alte Haus, die Lüge von Judith mit der Affäre…
Seufzend stand er auf und atmete mehrfach tief durch. Es war ein grauenhafter Tag heute und es ging ihm schlecht, doch nachher musste er zu seiner Mutter und Benny abholen, vielleicht würde das ja seine Laune etwas heben können. „Ich liebe dich, meine Blüte. Vergiss das niemals.“, murmelte er und legte den Strauß Rosen nieder, den er hier immer an den Baum legte und ihr so gedachte. Es waren nur vier Rosen. Eine für ihre ungeborene Tochter, eine für ihren Sohn Benny, eine für sie und eine für ihn. „Und sie wird euch immer lieben, daran glaub ich fest.“, sprach jemand hinter ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter, doch er musste sich nicht umdrehen. Natürlich stand Craig hinter ihm, der auch ab und zu von Waterbury nach Johnston kam und hier einige Blumen für Elá und Paul nieder legte, das Grundstück hier war zu so einer Art Gedenkstätte innerhalb der Band geworden. Da Paul auf der anderen Seite der Straße gelebt hatte war dieser Ort für ihn sowieso grauenhaft. „Wo hast du denn Melissa gelassen?“, fragte er und stand endlich auf, rieb sich über die Augen und sah seinen Freund an, der nur still zu den Blumen herab sah und ebenfalls traurig zu sein schien. „Bei der Arbeit, wo sonst sollte Liss sich vom Alltag ablenken? Wie geht es dir heute? Du siehst furchtbar aus.“, brummelte Craig und kratzte sich den Dreitagebart, wobei er ihm aufmerksam ins Gesicht sah. „Beschissen geht’s mir. Ich dachte, dass es mit der Zeit besser werden würde, aber dem ist nicht so. Es wird jeden beschissenen Tag schwerer.“, gab er ehrlich zu und sah noch einmal hinauf zu den wunderschönen Blüten, die sie so geliebt hatte, ehe er sich auf dem Absatz umdrehte und Richtung Auto lief. Craig folgte ihm still und schien in Gedanken versunken zu sein. „Dieser Ort ist so voller Traurigkeit.“, meinte der Sampler und blieb neben ihm am Auto stehen, mit einem sehnsüchtigen Blick zurück in den Garten. „Ich weiß noch, als sie zum ersten Mal bei mir schlief und wir Nachlauf im Haus gespielt haben. Meine Lieblingstasse war von der Treppe auf den Steinboden gefallen und die Splitter im ganzen Flur verteilt. Aber wir haben es erst am nächsten Tag bemerkt. Ich höre sie heute noch lachen, als würde sie direkt hier neben mir stehen.“, sagte er und öffnete seine Wagentür, dabei huschte ihm eines der seltenen Lächeln über die Lippen. „Die erste Berührung zwischen uns. Es war wie ein Stromschlag, der zwischen uns funkte.“, fügte er hinzu und sah zu seinem Freund, der noch immer still die Bäume beobachtete und leise nickte. „Ja, ich erinnere mich auch ganz oft zurück. Die Mücke fehlt uns allen sehr. Da fällt mir ein, dass ich Mina und Sid gestern traf und sie uns eingeladen hat. Ich soll dir Bescheid geben. Morgen wird Amelia zwei Jahre alt und wir sollen alle vorbei kommen. Auch du! Und drück dich nicht, das wird dir und Benny ganz gut tun.“, meinte Craig und sah mit einem undefinierbaren Blick zu ihm auf, ehe er zu seinem Auto lief und einstieg. „Wir sehen uns.“, antwortete er und hatte keine Lust auf Kindergeburtstage und diese Fröhlichkeit, aber vielleicht würde es ihn wirklich ein bisschen ablenken.

Das Rührgerät ratterte in ihrer Hand umher und durchwühlte die Zutaten für die kleine Geburtstagstorte, die sie ihrer Tochter backen wollte. Mit prüfendem Blick stand sie vor der Arbeitsplatte ihrer Küche und nippte ab und zu an ihrem Kaffee, der nur noch lauwarm war und konzentrierte sich auf das Rezept. Schon verrückt, dass sie sich seit der Geburt von Amelia dieses bekloppte Hobby zugelegt hatte, aber die Endergebnisse waren immer so lecker! Außerdem hatte ihr kleiner Schatz morgen ja ihren zweiten Geburtstag und das war doch Grund genug, eine kleine leckere Torte zu basteln. Ihr Gatte hatte sich heute frei genommen und spielte mit Amy im Wohnzimmer, sie konnte das Kind quieken und Lachen hören, ehe Sid irgendwelche Geräusche von sich gab und anscheinend mit der kleinen Maus Nachlauf spielte. Lächelnd über das Familienglück und Sid, der nun grunzte und tutete rührte sie den Teig weiter und sah nochmal ins Rezept. „Mehl, Eier, Zucker, Backpulver… eh, ich hab alles. In eine gefettete Rundform geben und knapp vierzig Minuten bei hundertachtzig Grad backen. Wo hab ich denn die Form?“, murmelte sie Gedankenverloren und sah sich um, irgendwo hier hatte sie das Teil doch hingelegt! Und als sie sich bückte, um den Küchenschrank mit ihren Backutensilien zu studieren klopfte es an der Terrassentür und sie schrak so heftig zusammen, dass sie sich den Kopf am Schrank stieß. „Autsch, verdammt!“, meckerte sie und richtete sich auf, ihr Blick glitt durch die Küche in das Gesicht von Craig, der mit einer Zigarette im Mundwinkel vor der Tür stand und sich mit der Hand die Augen abschirmte. „Großer Gott, hast du mich erschreckt!“, meinte sie keine Minute später, nachdem sie ihm die Tür geöffnet hatte und sich mit einer Hand die Beule am Kopf berührte. „Hallöchen auch.“, grinste er nur und hielt ihr die Zigarette hin, da sie zu ihm in den Garten kam und die Tür leicht zu zog. Noch vor Amys Geburt hatten sie sich abgewöhnt im Haus zu rauchen, es war gesünder für die kleine Maus. „Und was führt sie hier her, Mister?“, wollte sie mit hochgezogenen Augenbrauen wissen und klaute ihm die Kippe, um genüsslich daran zu ziehen und den Rauch zu inhalieren. „Na, mein kleines Patenkind natürlich. Ich war gerade am Tiburon Place und dachte mir, dass ich kurz hier vorbei schaue, ehe ich nach Hause fahre.“, antwortete er und steckte sich eine Hand in die Hosentasche, während er sich die andere noch immer schützend über die Augen hielt. Heute war ein wunderschöner sonniger und warmer Frühlingstag und hoffentlich würde das Wetter auch morgen wieder mitspielen, dann könnten sie den Geburtstag nämlich im Garten feiern. „Chris wird kommen.“, warf er noch hinterher und nahm seine Zigarette wieder entgegen, sog am Filter und sah in das unergründliche Grün ihrer Augen. Ja, es war schön das zu hören und sie freute sich, gleicher Zeit machte sie sich auch unheimlich Sorgen um ihn. Seit ihrem Tod war es ihm nicht sehr gut ergangen und bei einer Feier oder einem Zusammenkommen der Band saß er gern mal weit abseits und schien so in Gedanken versunken, dass er von seiner Umgebung nur wenig mitbekam. „Warum bist du eigentlich durch den Garten geschlichen? Wir haben doch eine Klingel!“; fiel ihr da brühwarm ein und wieder sah sie ihren besten Freund erstaunt an, doch der winkte nur grinsend ab und deutete mit dem Daumen zur Tür. „Dein Hausschwein grunzt und quiekt mir da zu viel rum.“, feixe er und fing sich einen Knuff von ihr auf den Oberarm ein, doch beide kicherten darüber.

Nach dem kurzen Trip zum Tiburon Place in Johnston und seinem kurzen Trip hierher freute er sich wie keiner im Ort, als Amy mit ausgestreckten Armen in kleinen wackeligen Schritten auf ihn zu gerannt kam. Mina hatte ihn zum Patenonkel gemacht und erst hatte er Zweifel an der Sache gehabt, doch seit die Kleine dann auf der Welt war und er sie zum ersten Mal im Arm gehalten hatte strotzte er nur so vor Glück, wenn die kleine Maus bei ihm war. „Hey Prinzessin! Wo ist denn mein kleiner Schatz?“, fragte er und ließ sich umarmen, hob Amy hoch und sah der Kleinen ins Gesicht. Es war schon erstaunlich, dass sie eine Mischung aus Minas giftgrünen und Sids wasserblauen Augen hatte, ihr Blick war so aufgeweckt und ihre roten Wangen zeugten von dem Spaß, der ihr Vater ihr gerade im Wohnzimmer verpasst hatte. Und sie hatte auch die Locken ihrer Mutter, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. Sid kam nach Luft ringend auf die Beine und setzte sich auf das Sofa, denn im ganzen Wohnzimmer lag das Spielzeug verstreut und er schien mit ihr herum getobt zu haben. „Craig, schön dich zu sehen. Was führt dich denn hier her?“, wollte er wissen und streckte ihm die Hand entgegen, doch Craig grinste nur und ließ sich von Amy einen dicken Schmatzer auf die Backe drücken. „Na was wohl?“, gab er eine Gegenfrage zur Antwort und setzte sich ebenfalls auf das Sofa, Amy blieb auf seinem Schoß und zupfte ihrer Puppe das Kleidchen zurecht. „Und wie bist du reingekommen? Ich habs gar nicht klingeln gehört.“, meinte der DJ und kratzte sich verwundert am Kopf, ehe er zur Küchentür sah und anscheinend zu verstehen begann. „Mina hat mir geöffnet und auch fast ihren Kochlöffel um die Ohren geschlagen, weil ich sie erschreckt hatte. Was backt sie da eigentlich wieder leckeres?“, antwortete er und half Amy, die Puppe zu halten, sodass die Kleine ihr die Haare bürsten konnte. „Irgendeine Torte für den Geburtstag morgen, frag mich nicht. Ich hab Küchenverbot, weil ich ihr zu viel des Teigs nasche, wie sie sagt. Also hab ich mich eben mit meiner Tochter beschäftigt und gemeinsam haben wir das Wohnzimmer in einen Zirkus verwandelt.“; grinste er DJ schelmisch und streichelte seiner Tochter über die roten Wangen, die ihn aber nicht weiter beachtete. „Wohl eher in ein Schlachtfeld, so wie es hier aussieht. Ich hab Chris vorhin getroffen, er wird morgen auch kommen und Benny mitbringen.“, meinte er nur gelassen und sah seinem Kumpel ins Gesicht, auch bei Sid schien der Gesichtsausdruck sofort auf Trauer umzuschwenken. „Wie schön, dann kann Amy ja mit Benny spielen. Joey hat sich auch schon angekündigt, vorausgesetzt er kommt rechtzeitig in Urbandale an. Gibt’s denn was Neues von Chris?“, hakte Sid vorsichtig nach und es wurde kurz still, einzig Amelia brabbelte mit ihrer Puppe und zog ihr gerade den Rock aus. „Nein. Es geht ihm nicht gut.“, antwortete er wortkarg und dachte darüber nach, in welcher Verfassung er den Witwer vorhin angetroffen hatte. Es musste doch irgendeine Möglichkeit für den Percussionisten geben, wieder am täglichen Leben teilzunehmen und seine Trauer irgendwie zu verarbeiten, doch auch ihm fiel keine Möglichkeit ein und soweit er wusste wollte Chris auch keine Hilfe von Außenstehenden annehmen. Zu privat und zu intim war seine Trauer über den Tod seiner Frau, aber das ewige Alleinsein konnte auch unmöglich gut für ihn sein. Immerhin hatte er seinen Sohn, der ihn auf Trab hielt und mit dem Gedanken sah er zu seinem Patenkind herab, die auf seinem Schoß herum wuselte und mit ihrer Puppe sprach, als würde sie alles verstehen. Vielleicht war Benny das letzte Stück Seil, an dem Chris noch hing?
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