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Winni und die acht ... äh ... sieben Gleiterzwerge

von SilviaK
Kurzbeschreibung
GeschichteParodie, Fantasy / P6 / Gen
Rayek Winnowill
04.05.2013
04.05.2013
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3.010
 
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(sehr) frei nach den Gebrüdern Grimm

Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab, da saß eine Elfe an einem Fenster des Palastes, das einen Rahmen wie von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger ... nicht zum ersten Mal übrigens, denn sie hatte vom Nähen ungefähr so viel Ahnung wie vom Kochen, wollte es aber nicht zugeben.
„Typisch, sowas kann wieder nur mir passieren! Und das, wo es in diesem ganzen verdammten Palast nicht einen einzigen Heiler gibt!“ Die Elfe schimpfte leise vor sich hin und hielt ihren zerstochenen Finger aus dem Fenster, um die Näharbeit nicht zu beschmutzen. So fielen drei Tropfen Blut in den Schnee auf dem Fensterbrett. Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, überkam die Elfe ein Anfall seltenster Sentimentalität, und sie dachte bei sich: ‚Hätt ich ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie dieser Rahmen ... und bitteschön mit Heilermagie, wenns möglich ist! Mir reicht das langsam, daß ich mir hier ständig die Finger zersteche oder am Herd verbrenne! Wie sieht das denn aus?!?‘ Sie schickte noch einen hoffnungsvoll-bitterbösen Blick zum Himmel – hinauf zu den Hohen, wo immer die sich auch gerade herumtrieben (niemals da, wo man sie brauchte!) und knallte das Fenster zu, bevor sie bei dieser Kälte wirklich noch erfror!
Aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grunde hatten die Hohen ein Einsehen mit den zerstochenen Fingern dieser Elfe. Sie schickten ihr postwendend einen Erkenntnisgefährten, über den leider nichts weiter bekannt ist, als daß er nach Erfüllung derselben das Zeitliche segnete. Wahrscheinlich aus Verzweiflung ... eine Frau für die Ewigkeit, die weder nähen noch kochen kann, ist ja nun wirklich das Letzte!
Nach zwei Jahren bekam die Elfe ein Töchterlein. Das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz ... und Heilermagie hatte es auch noch! Da herrschte eitel Sonnenschein und Freude im Palast. Das Kind wurde Winnowill genannt, aber man rief es nur Winni, weil das kürzer zum Rufen war, wenn wieder mal jemand nach einem Heiler verlangte.
Das Kind wuchs heran, und mit seiner Gabe war es natürlich etwas ganz Besonderes im Palast. Das blieb ihr nicht lange verborgen. Deshalb nervte es klein Winni ziemlich bald, daß sie als so eine wichtige Persönlichkeit immer sofort springen sollte, wenn jemand meinte, sie brauchen zu müssen. Und das meistens auch noch ausgerechnet jetzt sofort in genau diesem Moment, wo sie mit tausendmal wichtigeren Dingen beschäftigt war! Ihr seidenweiches, langes Haar zu bürsten zum Beispiel. Oder sich ein ausgiebiges Schönheitsbad zu gönnen. Vor allem ihrer ungeschickten Mutter fiel immer genau dann ein Topf mit irgendwas Heißem auf die Füße, sie klemmte sich die Hand in einem Fensterrahmen ein oder tat sich sonst irgend etwas Sinnloses an, was einem normalen Elf nicht mal im Traum eingefallen wäre. Und das natürlich mehrmals am Tag! So verwundert es nicht weiter, daß klein Winni am liebsten irgendwohin verschwunden wäre, wo sie das Senden ihrer Mutter nicht hören konnte.
Dieser Wunsch sollte sich ihr schneller – aber auch etwas anders – erfüllen, als gedacht. Während Winni heranwuchs, kam ihre Mutter auf den Gedanken, sich endlich einen Gefährten zu suchen. Allein war die Ewigkeit doch etwas langweilig. Und wie auf Bestellung tauchte bald ein Elf vor den Toren des Palastes auf, der nicht weniger praktisch und magisch begabt zu sein schien als ihr Töchterlein. Sein Name war Rayek. Er trat sehr galant auf, mit einem gewinnenden Lächeln, und umgarnte das Herz der Einsamen im Nu.
Allerdings war Rayek auch sehr stolz und ziemlich von sich eingenommen. Um der Wahrheit genüge zu tun: er trug die Nase noch ein ganzes Stück höher als Winni, so daß er wahrscheinlich bei jedem Schritt über seinen Rocksaum gestolpert wäre, wäre er eine Frau gewesen. Diesem Elf, dem man im Palast bald jeden Wunsch von den Augen ablas, war die magisch begabte Winni ein ziemlicher Dorn im Auge. Zum einen, weil er es auf den Tod nicht ausstehen konnte, wenn jemand genauso begabt oder – bewahre! – womöglich noch besser war als er. Und zum anderen, weil Winni nun immer öfter das hilflose Senden ihrer mal-wieder-von-irgendwas-verletzten Mutter ignorierte. Sollte der Neue sich doch drum kümmern! War schließlich ihr Gefährte und auch noch ein Zugewanderter! Sollte gefälligst auch mal was tun dafür, daß er hier Quartier bezogen hatte und durch die Gegend stolzierte, als würde der Palast ihm allein gehören! Winni war auch nicht gut auf ihn zu sprechen, denn er hatte ihr ihren Rang als „wichtigste Persönlichkeit„ gehörig streitig gemacht. So war sie natürlich ihrerseits schnippisch und gab nicht selten Widerworte, wenn er etwas von ihr wollte.
Dieser Fremde hatte ziemlich seltsame Gerätschaften mit sich gebracht, die er nur allein in seinem Geheimzimmer benutzte und niemandem zeigte: die Rollen der Farben. Immer wieder pflegte Rayek in diese geheime Kammer zu gehen, um ihnen eine Frage zu stellen:

„Ihr Rollen der Farben in meiner Hand – wer ist der Mächtigste im Land?“

Jedesmal antworteten diese:

„Meister Rayek, Ihr seid der Mächtigste im Land.“

Da war er es zufrieden, denn er wußte, daß die Rollen ihm die Wahrheit sagten.
Doch während die Monate vergingen und Winnis Kräfte wuchsen, wuchsen auch Rayeks Befürchtungen. Als dieser wieder einmal die Rollen befragte, antworteten diese zu seinem Entsetzen:

„Meister Rayek, Ihr seid der Mächtigste hier,
aber Winnowill ist bald noch tausendmal mächtiger als Ihr.“

Da erschrak Rayek und ward gelb und grün vor Neid. Von Stund an, wenn er Winni erblickte, kehrte sich sein Herz im Leibe um, so sehr haßte er das Mädchen. Neid und Hochmut wuchsen wie ein Unkraut in seinem Herzen, immer höher, daß er Tag und Nacht keine Ruhe mehr hatte. Sogar seine Gefährtin begann sich über seine Launen zu wundern und warf ihm vor, er hätte gewiß eine Geliebte, weil er ständig in seiner geheimen Kammer verschwand und stundenlang forblieb, ohne sich zu rechtfertigen.
Als ob Rayek nicht auch ohne diese Zicken genug Ärger am Hals hätte! In schwärzester Laune rief er einen Jäger und befahl ihm, die verwünschte junge Elfe in den Wald zu führen und zu töten.
Der Jäger, der sich mit dem Magier nicht anlegen wollte, gehorchte. Er führte Winni hinaus, und diese war seelig! Zum ersten Mal war ihr erlaubt worden, die Mauern des Palastes zu verlassen! Da konnte ihre Mutter nach ihr senden, soviel sie wollte, sollte sie sich wieder einen ihrer scheußlich lackierten Fingernägel abbrechen!
„Wo solls denn hingehen?“ wollte sie abenteuerlustig wissen. Doch plötzlich zog der Jäger sein Schwert und hob es etwas ächzend, um es in das Herz der jungen Elfe zu stoßen – schließlich tat er hier nur seine Pflicht. Winni begriff, daß ihr Leben auf dem Spiel stand, und wie sonst auch funktionierte ihr scharfer Verstand sofort: „He, laß das lieber. Du glaubst doch nicht im Ernst, daß Rayek aus purer Nächstenliebe dein Rheuma heilen wird, wenn ich erstmal tot bin! Der wirft dich raus, weil du ihm so nicht mehr nützlich bist!“
Der Jäger stutzte. Während er noch überlegte, fuhr Winni mit einem strahlenden, unschuldigen Lächeln fort, das dem Jäger unweigerlich zu Herzen ging: „Ich weiß schon, von wem ich hier nicht mehr erwünscht bin, ich bin ja schließlich nicht blöd! Und wenn ich ehrlich sein soll: Mann, bin ich froh, daß ich aus diesem Kasten endlich rauskomme! Das hat mich sowas von angenervt! Paß auf, wir machen das so: ich heile dein Rheuma und du läßt mich laufen. Mein Wort drauf, hier seht ihr mich nie wieder! Aber denk dran, das ist eine besondere Heilung, nur zu meiner Sicherheit, versteht sich! Solltest du irgendwas ausplaudern, geht’s dir schlimmer als vorher!“
„So blöd bin ich nun auch wieder nicht, daß ich meine Gesundheit aufs Spiel setze, weil ich den Mund nicht halten kann„, brummte der Jäger und erklärte sich einverstanden.
Endlich war er fort und Winni streckte sich – was für ein herrliches Gefühl, endlich frei von all diesen nervigen Elfen zu sein, die nichts anderes im Sinn hatten, als ihr Tag für Tag ihre kostbare Zeit zu stehlen! Sie wanderte drauflos, um sich in der Welt draußen umzusehen – aber allzu lange hielt ihre gute Laune nicht. Sie lief über spitze Steine, die ihr die Schuhe aufrissen, durch Dornen, die an ihren Kleidern zerrten, unter Ästen hindurch, die ihr Haar in Unordnung brachten, und das war so ziemlich das Schlimmste von allem! Sie hatte nicht einmal eine Bürste eingesteckt, um sich wieder herrichten zu können, zum Kuckuck nochmal!
Zu allem Überfluß wurde es jetzt auch noch dunkel. Seltsame Stimmen und Geräusche erklangen. Immer wieder sprangen irgendwelche wilden Tiere auf Winni zu oder an ihr vorbei, vor denen sie jedesmal einen rasenden Schreck bekam und auf den nächstbesten Baum kletterte, um sich in Sicherheit zu bringen. Ach wäre das praktisch, fliegen zu können ... Dann ginge das bedeutend schneller! Und ihr würden auch nicht so sehr die Füße wehtun von dieser elenden Lauferei, die sie überhaupt nicht gewöhnt war! Außerdem hatte sie Hunger und Durst!
Das alles war so entsetztlich unter ihrer Würde, daß Winni beinahe vor Wut in Tränen ausgebrochen wäre – wenn sie dies nicht als noch würdeloser angesehen hätte. So ging sie weiter, so lange sie konnte, und gerade, als sie beschloß, vor Erschöpfung an Ort und Stelle umzufallen, da entdeckte sie ein kleines Häuschen.
Winni ging darauf zu und öffnete die Tür, ohne anzuklopfen. Es war sowieso keiner da.
Erstaunt blieb sie auf der Schwelle stehen. In dem Häuschen war alles klein, aber so zierlich und reinlich, daß es nicht zu sagen ist. Da stand ein weißgedecktes Tischlein mit sieben kleinen Tellern, jedes Tellerlein mit seinem Löffelein, ferner sieben Messerlein und Gäblein und sieben Becherlein. An der Wand hinter einem Vorhang waren sieben Bettlein nebeneinander aufgestellt und schneeweiße Laken darüber gedeckt.
‚Müssen ja komische Elfen sein, die hier wohnen. Richtige Winzlinge‘, dachte Winni, während sie sich das alles betrachtete. Wie praktisch, daß das Essen hier schon auf dem Tisch stand! Winni aß erst den einen Teller leer, aber da die Portion doch eindeutig viel zu klein gewesen war, mußten auch die anderen sechs daran glauben. Ebenso erging es den Becherlein, in denen ein überaus leckerer Wein war, von dem Winni ganz schwummerig im Kopf wurde. Sie schaffte es gerade noch, die sieben Bettlein zusammenzuschieben, so daß sie halbwegs darauf Platz hatte, dann sank sie in die Kissen und fiel in einen tiefen Schlaf.
Wenig später kamen die Bewohner des Häuschens zurück. Das waren die sieben Gleiterzwerge, die im Blauen Berg gleich nebenan nach Erz und Edelsteinen suchten, denn sie waren allesamt Felsformer. Sie zündeten ihre sieben Lichtlein an, und wie es nun hell im Häuschen ward, sahen sie, daß jemand darin gewesen war, denn es stand nicht alles in der Ordnung, wie sie es verlassen hatten. Es sah eher nach einem mittelgroßen Chaos aus.
Der erste sprach: „Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen und mein Sitzkissen zerdrückt?!?“
Der zweite: „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Und von euren auch, alles weg! Du lieber Himmel, was für ein entsetzlicher Vielfraß ist das nur gewesen?!?“ Und er guckte dabei scharf in die Runde, als ob er das jedem der Anwesenden zutrauen würde.
Der dritte – der eigentlich eine DIE war, die einzige Gleiterzwergin in der Runde: „Wer hat mein Brötchen genommen? Das ist unfair! Meins ist sowieso schon immer am kleinsten!“
Der vierte: „Wer hat mein Gemüschen gegessen? ... hehe ... Na macht nichts, ich habe dieses Grünzeug schon immer gehaßt!“
Der fünfte: „Wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen? Guckt euch die Zinken an, total verbogen! Wie soll ich denn damit noch ordentlich gabeln?!?“
Der sechste: „Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten? Jetzt hat’s Scharten an der Klinge! Und schaut euch die Tischkante an, da! Säbelt man denn da so dran rum?! Wer von euch war das?!?“
(Hier muß vielleicht eingefügt werden, daß Winni bisweilen genauso ungeschickt sein konnte wie ihre Mutter ... auch wenn sie das nie im Leben zugeben würde! Aber heute sei’s ihr verziehen – wie sollte man nach so einem Tag und so einem Waldmarsch auch noch kultivierte elfische Tischsitten betreiben?)
Der siebente: „Wer hat aus meinem Becherlein getrunken? Nicht mal diese eine Freude am Tag wird einem hier gegönnt! Ich will meinen wohlverdienten Alk!!!“
Alles in allem ein ziemlich verhagelter Feierabend. Nun schwebten die Gleiterzwerge suchend durchs Häuslein, bis rauf in den Dachboden, fanden aber niemanden, bis der siebtene den Vorhang vor der Bettecke wegzog:
Und da lag sie, die Übeltäterin. Der siebente rief die anderen, die glitten herbei und schrien vor Verwunderung, holten ihre sieben Lichtlein und beleuchteten die junge Elfe, ihre schneeweiße Haut, das glänzende, obwohl etwas zerzauste schwarze Haar, die blutroten Lippen und ihre überaus schlanke, wohlgeformte Gestalt. „Was ist das Kind schön!“ riefen sie, waren auf einmal überhaupt nicht mehr zornig, sondern sehr angetan und beschlossen, sie nicht aufzuwecken, sondern in einem der Bettlein fortschlafen zu lassen. Nur die Gleiterzwergin – eine blasse, dürre Person namens Aroree, zog ein eifersüchtiges Gesicht. Sie verstand nicht, was die anderen für ein Aufhebens um diesen ungebetenen, verfressenen Eindringling machten. Aber da sich in diesem Hause sowieso keiner darum scherte, was sie von sich gab, protestierte sie erst gar nicht.
Drei Gleiterzwerge packten Winni vorsichtig an den Armen, drei an den Füßen, und dann wurde sie so herumgedreht, daß sie im ersten Bett zu liegen kam, das dem gehörte, der von allen Zwergen am längsten war. Ihre Beine hingen zwar heraus, aber das störte nicht weiter, sie war ja nicht aufgewacht. Dann legten die sieben sich nieder. Der erste Gleiterzwerg aber, der den klangvollen Namen Kureel trug, schlief bei seinen Gesellen und seiner Gesellin, bei jedem eine Stunde, da war die Nacht herum (und alle hatten ihren Spaß *g*). Als er aus alter Gewohnheit zur Morgendämmerung in sein eigenes Bett steigen wollte, erwachte Winni vom Wegziehen der Bettdecke. Wie sie den verdutzten Gleiterzwerg vor sich und die anderen in ihren Betten sah, erschrak sie zuerst. Die sahen auch zu seltsam aus mit ihren spitzen Hüten! Aber Winni faßte sich gleich wieder, denn bis auf die verbiestert dreinblickende Blasse waren alle sehr freundlich und fragten: „Wie heißt du?“
„Ich heiße Winnowill, aber nennt mich ruhig Winni, das machen alle so.“
„Wie bist du in unser Haus gekommen?“ sprachen weiter die Gleiterzwerge – vor lauter Neugier alle durcheinander, so daß es an ein Wunder grenzte, daß Winni überhaupt verstand, was man von ihr wollte.
Da erzählte sie ihnen, daß ihr Stiefvater sie hätte wollen umbringen lassen, der Jäger hätte ihr aber das Leben geschenkt, und da wär sie gelaufen, den ganzen Tag, bis sie endlich ihr Häuschen gefunden hätte. Und wäre sie nicht sooo entsetzlich hungrig gewesen, dann hätte sie ihnen bestimmt auch nicht alles weggegessen. Winni drückte gehörig auf die Tränendrüse und zeigte ein so unschuldiges, verzweifeltes Gesicht, daß die Gleiterzwerge sämtlichst dahinschmolzen. Sogar die einzige SIE in der Runde. Und so war es Winni auch recht, denn sie hatte schon jetzt keine Lust mehr, das gemütliche Haus mit seiner gut gefüllten Vorratskammer und seinen sieben praktischen „Bediensteten“ zu verlassen, um wieder allein draußen durch die Wildnis zu rennen.
Die sieben berieten sich kurz, dann sprachen sie: „Willst du unsern Haushalt versehen, kochen, betten, waschen, nähen und stricken, und willst du alles ordentlich und reinlich halten, so kannst du bei uns bleiben, und es soll dir an nichts fehlen.“
‚Euch geht’s wohl gut, ihr Trottel? ICH soll hier arbeiten? Na wartet, euch zeig‘ ich’s...‘
„Aber ja“, sagte Winni mit ihrem strahlendsten Lächeln. „Von Herzen gern. Nur brauch ich fürs erste jemanden, der mir hier alles zeigt und ein wenig zur Hand geht, denn für so viele Leute hab ich noch nie zuvor gesorgt.“
Ehe Aroree sichs versah, zeigten sechs Finger auf sie.
„Die kann das.“
„Die kennt sich aus.“
„Die hat das sonst immer gemacht.“
Die Gleiterzwergin fiel aus allen Wolken. Eben noch hatte sie sich diebisch gefreut, daß endlich eine andere Dumme ins Haus gekommen war, der man die Arbeit unterjubeln konnte, und nun so was! Aber da sich in diesem Hause sowieso keiner darum scherte, was sie von sich gab, protestierte sie erst gar nicht und stimmte zähneknirschend zu. Winni beobachtete, dachte sich ihren Teil und fand die Entwicklung der Dinge äußerst zufriedenstellend.
Der Tagesablauf der Gleiterzwerge war so einfach wie eintönig: Morgens gingen sie in den Blauen Berg und suchten Erz und Gold, abends kamen sie wieder, und da mußte ihr Essen bereit sein. Den Tag über würde Winni allein sein, deshalb warnten die Gleiterzwerge sie und sprachen: „Hüte dich vor deinem Stiefvater, der wird bald wissen, daß du hier bist, laß ja niemanden herein.“
‚Ich bin doch nicht blöd.‘dachte Winni bei sich.„Jaja, ich werde daran denken.“ versprach sie, setzte einen naiven Blick auf und setzte hinzu: „Aber könnte nicht einer von euch bei mir bleiben? Es ist so einsam hier, da fürchte ich mich. Und er könnte auch auf mich achtgeben ... oder nein, laßt Aroree hier, dann kann sie mich gleich ein wenig einweisen und ich kann mit ihr Freundschaft schließen.“
‚Mit der dummen Pute – nie im Leben! Die wird schon sehen, was ich mit ihr vorhabe...‘
Die Gleiterzwerge waren’s zufrieden, die Männer waren bei der Arbeit sowieso lieber unter sich. Aroree hätte zwar einiges dagegen gehabt, sie traute der allzu freundlichen Neuen nicht über den Weg, aber da sich in diesem Hause sowieso keiner darum scherte, was sie von sich gab ... Sie blieb also und Winni machte sich daran, ihr neues Leben im Zwergenhäuschen einzurichten.


Anmerkungen:
Der achte Zwerg ... äh ... Gleiter (eigentlich eine Gleiterin) wurde aus Rationalisierungsgründen gestrichen.
Aufgrund einer adäquaten weiblichen Besetzung entfiel auch die Rolle der bösen Königin. Sie wurde durch einen professionellen männlichen Protagonisten ersetzt.
Falls diese Version nur noch wenig Ähnlichkeit mit dem Grimmschen Original aufweisen sollte oder die Geschehnisse eines gewissen Comics gewaltig durcheinanderwirft, so war dies von der Autorin aufs vollste beabsichtigt.

^_^


(Leider habe ich diese Parodie nie beendet, aber als ich sie nach Jahr und Tag wieder las und immer noch lachen musste, dachte ich: besser eine halbe Parodie als gar keine ;-) Ich hoffe, ihr hattet bis hierher trotzdem viel Spaß beim Lesen!)
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