Hölle, Himmel oder doch beides?

GeschichteRomanze / P16 Slash
Dante Tegan
01.05.2013
30.01.2016
10
18073
6
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Hey,
das erste Kap ist geschafft. *Schweiß von der Stirn wisch*
Ich hoffe doch sehr, dass es euch gefällt, auch wenn noch nicht sonderlich viel passiert. Zwischen den  Erscheinungsdaten der Kaps kann eine ganze Weile vergehen, denn momentan hab ich nicht so viel Zeit.
So und jetzt viel Spaß beim Lesen.
lg
Sleepwalker



Kapitel I:

Auch einen Monat später hatte Dante nicht vergessen, was alles passiert war. Verdammt, wie konnte man auch so eine Demütigung, wie Lucan sie ihm zuteil werden gelassen hatte, vergessen? Jede Nacht zerbrach er sich während der Patrouillen den Kopf, wie er das dem Ordensführer nur am besten heimzahlte. Jede Nacht, wenn er nicht gerade mit Tegan losgeschickt wurde. Aber genau das wurde irgendwie immer häufiger. Mr. Thorne erklärte dies immer mit »Du kommst mit ihm am besten zurecht! Soll ich den Anderen etwa allen den Kopf abreißen lassen?« Dieser verdammte Mistkerl! Nur weil er und T. bei ihren Rundgängen in bedrücktes Schweigen verfielen, hieß das noch lange nicht, dass sie gut miteinander konnten! Beim Thema Tegan kam ihm – wie im letzten Monat immer – ihre gemeinsame Nacht in den Sinn. Er schob den Grund des Ereignisses immer noch auf seine Verkleidung. Sie waren immerhin beide Männer und noch dazu Krieger! Es war also ein Ding der Unmöglichkeit, dass das was zu bedeuten hatte. Und außerdem hatten sie ja beschlossen, dass es ein einmaliger Ausrutscher war. Trotzdem, diese Nacht war…
Krachend traf seine Faust die Wand. Das durfte doch nicht wahr sein! Am liebsten wäre er jetzt nach draußen gestürmt und soweit vom Hauptquartier – eigentlich ja Tegan – gerannt, wie nur irgend möglich. Doch Pustekuchen, es war helllichter Tag, zwölf Uhr Mittag, um genau zu sein, die schlimmste Tageszeit von allen. Er würde allerspätestens nach einer halben Stunde ein knuspriges Grillhähnchen sein. Verdammt! Ein zweites Mal machte seine Faust Bekanntschaft mit der Wand, in der nun eine nicht zu übersehende Delle war. Schon seit einem halben Monat hatte er es sich zur Gewohnheit gemacht, mindestens zwanzig solcher Dellen pro Tag in Wände zu bringen. Zu Lucans Leidwesen machte er das ja nicht nur in seinem Zimmer, sondern auch überall sonst, wo ihn seine Gedanken überkamen. Luc hatte ihn auch schon mal darauf angesprochen, ob das vielleicht eine Racheaktion wäre. Als er ihm dann  geantwortet hatte, dass es eher eine Art Training sei, hatte der Gen-Eins ihm mal vorgeschlagen eine nette alte Dame zu besuchen. Dass diese »nette alte Dame« nicht die liebevolle Oma »von nebenan« war, sondern eine Psychologin, war wohl nicht erwähnenswert. Danach hatte er sich vorgenommen, dass Lucan furchtbar leiden würde, noch mehr als er das vorher schon geplant hatte. Und genau da lag das Problem, ihm fiel partout nichts ein, was angemessen war. Dass das wiederum mit den Gedanken an Tegan zu tun hatte, war leider nicht zu leugnen.
Wieder eine neue Delle in der Wand! Wenn das so weiterging, dann hatte er bald einen neuen Rekord aufgestellt! Und an allem war nur dieser Bastard schuld! Hätte der ihn nicht für diese peinliche Sache eingespannt, dann wäre das mit T. bestimmt auch nicht passiert! Wobei er wieder beim Ausgangsthema war!
Und noch eine Delle in der Wand. Mist, das musste aufhören, sonst hatte Gideon seine Formel, die er zur Berechnung der Stabilität der Wände aufgestellt hatte, doch nicht umsonst erstellt. Okay, er musste zugeben, dass das Computergenie sie nur aufgestellt hatte, weil es Angst hatte, dass das unterirdische Hauptquartier in sich zusammenstürzte, weil er zu viele Dellen in die Wände gedonnert hatte. Einmal hatte er so fest zugeschlagen, dass er sich ein paar Mittelhandknochen angebrochen hatte. Und zu seinem Leidwesen hatte ausgerechnet Tegan ihn finden und auf die Krankenstation bringen müssen. Zudem hatte er wegen diesem blöden Bruch nur noch mit der linken Hand zuschlagen können und hätte den Gen-Eins beinahe dabei getroffen. Alles in allem nervte er schon alles und jeden damit. Einmal hatte er sogar eine Straßenlaterne einknicken lassen. Aber wie das halt so mit blöden Angewohnheiten war, man wurde sie nur schwerlich wieder los. Er musste hier raus, sonst würde das ewig so weitergehen, aber wohin. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass  alle Anderen um diese Uhrzeit schlafen müssten. Und im Übungsraum würde sich wohl am besten eignen. Dort konnte er sich austoben, machte aber gleichzeitig nichts – jedenfalls nicht so schnell – kaputt. Kurz nachdem er die Entscheidung gefällt hatte, war er auch schon durch das halbe Hauptquartier gerannt und öffnete gerade die Tür zu seinem Ziel.
Massenhaft blitzte ihm gestähltes Metall entgegen oder lächelten Schusswaffen ihn an. Sie schienen ihn alle regelrecht anzuflehen, dass er sie doch bitte benutzen möge. Das Licht hatte er ausgelassen, immerhin brauchte er es nicht, um sehen zu können. Und diese nervige Moderatorin aus dem Fernsehen hatte ihn sowieso den halben Vormittag mit den Folgen der Klimaerwärmung zu getextet. Dies war jetzt also sein Part beim Klimaschutz. Wäre er nicht so mies gelaunt, dann hätte er jetzt sicher gelacht. Er wünschte sich diesen Klugscheißer Harvard zurück, der ihm das ganze Paragraphenregister der Agentur auswendig aufsagen konnte und den er so schön sticheln konnte. Aber nein, er würde sein rechtes Ei darauf verwetten, dass Lucan ihn wieder zu Tegan gesteckt hatte! Was sollte dieser ganze Mist eigentlich? Hatte er irgendwas Schlimmes verbrochen, oder warum schien ihn in letzter Zeit jeder foltern zu wollen? Bevor er wieder anfing eine Wand zu demolieren, begann er lieber auf einen der wehrlosen extra schweren Sandsäcken einzuschlagen.

Auch drei Stunden später, als Dante unter der Dusche stand, ließen ihn seine Gedanken nicht wirklich in Ruhe. Sein Körper war vollkommen erschöpft, doch leider nicht sein Kopf. War wohl doch nicht so eine gute Idee gewesen zu trainieren. Aber hinterher war man immer schlauer. Seine Gedanken, so gut wie ihm möglich, verdrängend, duschte er fertig, zog sich an und verschwand wieder in sein Zimmer. Vielleicht gelang es ihm ja doch Lucan davon zu überzeugen, dass es keine gute Idee war ihn mit Tegan auf die Menschheit loszulassen. Aber wie sollte er das nur anstellen?


Auch Tegan hatte es aufgegeben auf einen ruhigen Schlaf zu hoffen. Immer öfter schlich sich ein ihm nur allzu gut bekannter Italiener in seine Gedanken. Und augenscheinlich hatten die nicht jugendfreien Bilder, die ihn auf Schritt und Tritt zu verfolgen schienen, nicht vor so bald wieder zu verschwinden. Heute Abend würde er wieder mit Dante auf Patrouille müssen. Was sollte er nur tun? Seit dem Vorfall vor etwa einem Monat konnte er sich in der Gegenwart des Dunkelhaarigen nicht mehr richtig konzentrieren. Während ihrer Kontrollgänge durch die Stadt war er abgelenkt, so stark sogar, dass er letztens fast einen Rogues übersehen hätte, der kurz davor war seine Beute zu reißen. Und das war ein Zustand, der ihm mehr als nur missfiel, bedeutete es doch eine Schwäche, die er sich nicht zugestand. Schwächen waren etwas, was einen zerstören konnte, löschte man sie nicht vorher aus. Damals, als das mit Socha passiert war, da hatte er sich geschworen, dass er nie wieder eine solche Schwäche akzeptieren würde. Dante war die erste Person, die er nach Socha in sein Bett gelassen hatte – im übertragenen Sinne. Und zu seinem persönlichen Pech konnte er den Italiener nicht einfach mal so loswerden, immerhin war er ein Lebewesen und ein guter Ordenskrieger noch dazu. Das hörte sich jetzt ziemlich seltsam an, doch ohne einen triftigen Grund tötete er nicht. Von der einen Seite zur anderen wälzte er sich und wieder zurück. Es war zum Verzweifeln, warum musste das auch ausgerechnet ihm passieren? Helfen würde es ja sowieso nicht, also stand er auf, um zu duschen. Dass das wiedermal nicht ohne Zwischenfälle geschah, war ihm von vorneherein klar gewesen.

Einige Stunden später stand er zusammen mit den anderen Ordenskriegern in der Kommandozentrale und warteten auf ihren Anführer. Aber der ließ auf sich warten und so verfielen die Meisten von ihnen in Gespräche. Wie fast immer hielt er sich aus solchen Sachen raus und beobachte im Stillen von außen. Irgendwann kam es, wie es kommen musste, das Thema kam auf Dantes und seinen gemeinsamen Auftrag, mit dem das ganze Debakel erst so richtig angefangen hatte. Kade war so ungeschickt gewesen den Älteren damit aufzuziehen, wie er in dem Kleid ausgesehen hatte. Zu seinem eigenen Leidwesen, wusste er noch zu genau, wie der Andere ausgesehen hatte und wie es sich angefühlt hatte, als er ihm die untypischen Klamotten vom Leib „gerissen“ hatte. Plötzlich war es doch ganz froh, dass er schon im Übungsraum gewesen war und sich seine Ausrüstung geholt und den langen Mantel gleich mit übergezogen zu haben. Seine Augen hatte er schon seit einer Weile geschlossen und so musste er nur versuchen seine Fänge vor den Anderen zu verbergen. Verdammt, er hatte  gedacht, dass er es endlich geschafft hätte nicht mehr so schnell auf die Bilder in seinem Kopf zu reagieren. Da hatte er sich wohl kräftig geirrt. Mit Mühe bekam er sich relativ schnell wieder in den Griff und keiner der Anderen schien seinen Zustand bemerkt zu haben. Gerade noch rechtzeitig, wie sich im nächsten Moment herausstellte, denn Lucan kam  durch die Glastür herein. Ohne Umweg setzte er sich auf seinen angestammten Platz am runden Tisch. Auch ging es gleich so direkt weiter, ein Indiz dafür, dass dem anderen Gen-Eins irgendwas durch den Kopf spukte oder etwas passiert sein musste, was alles andere als gut war.
„Wir nehmen die üblichen Teamaufteilungen, Tegan und Dante, ihr übernehmt das Hafengebiet. Niko und Rio,…“, bestätigten sich seine Befürchtungen. Er würde Lucan wohl mal klar machen müssen, dass er diese Aufteilung langsam mal streichen sollte. Doch Dante kam ihm zuvor.
„Sag mal Lucan, hast du sonst keine Probleme oder warum steckst du mich die ganze Zeit mit T. in eine Gruppe?“, der Italiener schien vorhin nicht mehr die Gelegenheit gehabt zu haben Kade einen Kopf kürzer zu machen, jetzt würde wohl Lucan dafür herhalten müssen.
„Hast du ein Problem damit?“, kam die scharfe Erwiderung, der Ältere schien es gar nicht zu mögen, dass seine Autorität offen in Frage gestellt wurde, doch damit hätte dieser rechnen müssen. Eigentlich hätte der ältere Gen-Eins wissen müssen, dass die Aktion mit Dante und dem Ball noch Nachwirkungen haben würde.
„Hätte ich dann so reagiert?“, es kam selten vor, dass D. bockte, doch jetzt schien eine Grenze überschritten worden zu sein, die es besser wohl nicht getan hätte.
„Aber ihr versteht euch doch so gut“, hielt der Ordensführer dagegen.
„Das wir uns nicht gleich die Köpfe abschlagen oder in einen Haufen Matsch verwandeln, nennst du »ihr versteht euch doch so gut«?“, er musste zugeben, dass der Italiener ganz amüsant war, wenn er zickte.
„Ihr bringt euch wenigstens nicht gleich um. Bei den Anderen muss ich leider davon ausgehen, dass sie alleine in irgendeiner Gasse wieder auftauchen oder versehentlich bei einem Kampf gleich mit eliminiert werden“, damit drehte sich der Ältere um und ging. Dass der Dunkelhaarige davon alles andere als begeistert war, konnte jeder im Raum nur allzu gut sehen. Wenn Lucan sich da mal nicht verrechnete!
Dante stand fast schon vor Wut dampfend da, die Hände zu Fäusten geballt. Die transformierten  Augen und die ausgefahrenen Fänge, riefen in ihm Gedanken wach, die er lieber im Verborgenen wusste, nur die Glyphen waren anders als damals, pulsierten aus reiner Wut. Es gelang ihm, nicht noch einmal in seinen Gedanken zu versinken. Aber auch das nur knapp.
  „Lass uns das hinter uns bringen und uns später beschweren“, lenkte er ein und drehte sich demonstrativ zum Gehen um. Die bevorstehende Nacht würde wieder einiges von ihm abverlangen.
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