The start of somethin new

von Orla
GeschichteRomanze, Fantasy / P12
Angus - Mystischer Ritter der Erde Cathbad Deirdre - Mystischer Ritter der Luft König Conchobar Rohan - Mystischer Ritter des Feuers Torc
27.04.2013
10.05.2013
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27.04.2013 1.345
 
Der schwere Mantel des Schweigens hatte sich über die dunklen Räumlichkeiten gelegt. Keiner der beiden hatte sich in den vergangenen Minuten geregt.
“Du willst nicht reden? Ganz wie du willst. Das ist sehr bedauerlich. Ich glaube nämlich das du einiges zu erzählen hast. Warum hast du den alten Finnegan angegriffen?”
Ein abfälliges Schnauben entrann seiner Kehle, als sie den Namen des Mistkerls erwähnte. Noch immer hielt er seine abwehrende Sitzposition bei. Die Knie hatte er vor der Brust angezogen, seine Hände darum verschlungen und sein Blick wandte sich stur von ihr ab.
“Er hatte es verdient. Dieser Mann ist ein absoluter Widerling.”
Woher wusste sie von der Sache? Die Angelegenheit musste sich mal wieder verbreitet haben wie ein Lauffeuer. Es war ja auch nicht gerade unauffällig gewesen, als ihn die beiden Soldaten aus der Werkstatt geschliffen hatten.
“Du trägst viel Temperament und noch mehr angestaute Wut in dir.”
Wieder musste er aufschnauben. Woher sollte sie wissen, was in ihm vorging? Sie war nicht dabei gewesen, hatte nicht täglich das mitmachen müssen, was er im stillen erduldet hatte. Sie kannte ihn nicht, sie wusste gar nichts von ihm. Was wollte dieses Mädchen nur damit bezwecken?
“Du hast nicht näher nachgedacht, stimmts? Es war eine unbedachte Handlung. Ich versteh dich. Es war nur eine frage der Zeit, ehe sich seine gleichgültige Art gegen ihn richten würde.”
Ihre letzten Worte ließen ihn dann doch aufhorchen. Anscheinend war sie doch nicht so unwissend, wie er bisher gedacht hatte.
“Was weißt du schon davon?” Unverwandt sah  er ihr ins Gesicht. Ihre Miene hatte sich nicht wirklich verändert. Noch immer lag ein sanftes Lächeln auf ihren Zügen.
“Genug, nehme ich an. Jedenfalls reicht es, um zu wissen, dass du kein schlechter Mensch bist.”
“Nur gute Menschen landen nicht im Kerker. Du solltest jetzt besser gehen.”
Seine Worte schienen sie doch härter getroffen zu haben, als es überhaupt seine Absicht gewesen war. Sofort als die Worte aus seinem Mund herauf gerutscht waren, bereute er sie wieder.
“Niemand im Dorf glaubt daran, dass du es verdient hast, wie er dich behandelt hat. Jeder weiß, dass die ganzen  Arbeiten, die Finnegan in den letzten Monden verkauft hat, von dir waren.”
Aufgebracht erhob sie sich, ließ dabei das Tablett fallen. Mit halblautem Klirren zersprang der Pokal in kleine Scherben.
“Nur hat auch nie jemand etwas dagegen getan! Wo waren denn alle, wenn er wieder mal im Rausch seine Frau schlug oder die Tiere misshandelte? Wenn jeder bescheid wusste, wieso hat ihm keiner Einhalt geboten? Wo waren die ganzen Menschen, frage ich dich!”
“Und dennoch hätte es dir klar sein müssen, dass er am längeren Hebel sitzt. Er ist im Vorstand der örtlichen Gilde. Ist dir überhaupt klar, was das bedeutet? Nur noch ein paar Monde. Verstehst du das? Du hast alles hingeworfen, wofür du dich gequält hast. Warum nur?”
Natürlich war es ihm klar. Es war ihm bereits bewusst, als er realisierte, was er getan hatte. Sein Chef mochte zwar ein Saufkopf gewesen sein, doch war er noch immer in dieser vermaledeiten Gilde. Und nun, da er sich gegen seinen Lehrmeister so dermaßen ausgesprochen hatte, würde er wohl nie als anerkannter Meister in seinem Handwerk zugelassen. Ohne die Unterstützung der Gilde, konnte er keine eigene Werkstatt eröffnen oder sich in seinem Beruf beweisen.
“Kümmere dich lieber um deine Angelegenheiten und rede nicht von Dingen, von denen du nichts verstehst. Du bist nicht meine Mutter. Du hast nicht das geringste Recht, dich hier so auf zu spielen.”
Er verstand es einfach nicht. Warum nur hatte sie solches Interesse an ihm? Und wieso war er so unsagbar grob zu ihr. Sie wollte ihn bestimmt nur aufheitern, ihm zeigen, dass es noch nicht zu spät für ihn war. Es gab unzählige, die wegen schlimmeren Vergehen hier gelandet waren. Und doch, seine Wut, welche sich in seinem Eingeweiden angesammelt hatte, beinahe einen Knoten in seinem Magen bildete, musste sich irgendwo hin entladen. Die war hier das einzig andere Wesen, welches ihm in den letzten Stunden begegnet war. Er hatte es nicht gewollt. Sie war vollkommen unschuldig, konnte doch nicht das geringste für seine Lage und doch war sie das einzig logische Angriffsziel seiner Kapriolen.
Gegen wen hätte er sich sonst wenden sollen? An wem seinen Zorn auslassen können? Ihre Reaktion auf sein ungestümes Verhalten war daher mehr als verständlich.
“Angus, du bist wirklich ein Esel. Du merkst ja noch nicht einmal wenn es überhaupt jemand gut mit dir meint.”
Ohne ihn eines weiteren Blickes zu achten machte sie auf den Absätzen kehrt und ging mit gleichmäßigen Schritten den dunklen Korridor zurück zur stählernen Pforte.
Gleich, als sie aus dem phalen Licht des Mondes heraus getreten war, sie vom dunklen der Kerker verschluckt wurde, wich auch die Wärme, welche sie mit sich gebracht hatte.
Als wolle er sich selbst für diese Dummheit schelten, stieß er mit dem Hinterkopf gegen den kalten Stein in seinen Nacken. Ein dumpfes Pochen breitete sich in seinem Haupt aus. Resigniert hieß  er den schmerz willkommen. Am liebsten hätte er sich auf die Zunge gebissen, seine letzten Worte einfach herunter geschluckt, doch dafür war es nun zu spät. Wieder hatte er sein untrügliches Talent unter beweis gestellt. Ein Talent sich von einer Schwierigkeit in die nächste zu bringen.

Der neue Tag zog mit wenigen Wolken herauf. Ihre warmen Strahlen drangen selbst durch das kleine Fenster des Verschlages in welchem Angus nun bereits seit einigen Tagen hockte. Wie lange sie ihn hier noch einsperren würden oder ob überhaupt irgendwann jemand kam, um nach ihm zu sehen wusste er nicht. Bisher hatte er noch nicht einmal eine faire Verhandlung bekommen. Man konnte ihn doch nicht einfach so hier vergessen haben. Recht gelangweilt lag er auf der kahlen Britsche, starrte an die Decke und grübelte noch immer über sein Leben. Warum meinte das Schicksal ihn immer wieder testen zu wollen? Gerade wenn er glaubte, etwas sinnvolles in seinem Leben bewirken zu können, geschah etwas unvorhergesehenes, machte ihm alles zunichte und stürzte ihn in einen weiteren Abgrund.
Sich nähernde Schritte rissen ihn aus seiner Litargie. Sie war es. Nach ihrer letzten Begegnung hatte er nicht mehr damit gerechnet, dass sie hier noch einmal herkommen würde, doch da stand sie. Sein Herz machte einen kurzen Sprung, von dem er sich nicht erklären konnte, weshalb.
“Hast du dich wieder beruhigt?”
Sofort wie er ihre sanfte Stimme vernahm hatte er sich aufgesetzt. Sein Blick fiel direkt zu ihr herüber.
“Hör zu. Ich wollte nicht… das alles war einfach…”
“Du musst dich nicht entschuldigen. Du warst verärgert, ist schon in Ordnung. Ich muss zugeben, ich habe es dem alten Finnegan sogar gegönnt. Es wurde langsam Zeit, dass ihm jemand mal gezeigt hat, wo der Hammer hängt.” Ihr leises lachen hallte durch die Gänge, verfing sich auch in den hintersten Ecken und ließ diesen tristen Ort ein wenig freundlicher Wirken. Jetzt konnte sich auch Angus ein lachen nicht verkneifen.
“Woher weisst du, wer ich bin?”
“Ich sehe dich jeden morgen auf den vom Fluss. Du bist mir einfach aufgefallen. Da hab ich mich über dich erkundigt.”
“Und was hat man dir gesagt?”
“Du bist ein unzuverlässiger, ungestümer und nichtsnutziger Lehrling, der seinen Meister regelmäßig zur Weisglut treibt.”
“Dann haben sie dir ja alles positive über mich erzählt.”
Betroffenes Schweigen hüllte sich über den einsamen Verschlag. Sie sah ihn direkt in die Augen, doch war es nicht aufdringlich. Ihre ruhige Art hatte etwas besänftigendes an sich, an das er sich gewöhnen konnte. Erst nach einigen Minuten kehrten sie in die Realität zurück. Etwas beschämt reichte sie ihm das Tablett mit Brot, Käse, etwas Obst und einem Pokal durch die Zellentür. Für einen Moment, als sich ihre Finger berührten, schien es, als tanzten kleine Blitze auf seiner Haut. Mit einem letzten kurzen Blick wandte sie sich wieder von ihm ab.
“Warte, verrate mir deinen Namen.” Als könne er sie davon abhalten durch den dunkeln Korridor aufs neue zu entschwinden, reckte er seinen Arm durch die Gitter nach ihr aus.
An der Tür hielt sie inne, sah nochmals zu ihm zurück.
“Rigani.”, lächelte sie.
Dann hatte sie auch schon die Pforte hinter sich geschlossen.