The start of somethin new

von Orla
GeschichteRomanze, Fantasy / P12
Angus - Mystischer Ritter der Erde Cathbad Deirdre - Mystischer Ritter der Luft König Conchobar Rohan - Mystischer Ritter des Feuers Torc
27.04.2013
10.05.2013
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3. Deja vu

Ohne weitere Gegenwehr ließ sich der schwarzhaarige von den Soldaten abführen. Was genau sie auch immer mit ihm vorhatten, wusste er nicht. Er wollte es auch gar nicht so genau wissen.
Den gesamten Weg durch das Dorf und den nahen Wald über hatte er nicht wirklich einen klaren Gedanken fassen können. In seinem Kopf herrschte völlige leere.
Stümper, Nichtsnutz, Taugenichts und noch etliches mehr hatte er ihn geschimpft. Hatte keine sich bietende Gelegenheit ausgelassen hervor zu heben wie unzufrieden er mit ihm war und was er für ein schweres Los hatte, ihn  und seine Unfähigkeit jeden Tag aufs neue ertragen zu müssen. Angus kannte die schier endlosen Tiraden, hatte sich in gewisser Weise bereits daran gewöhnt. In Anwesenheit des Ältesten allerdings, hätte der alte seine Alkoholgrundierten Beschimpfungen jedoch auslassen können. Als dieser dann auch noch begann die Vorzüge “seiner” Arbeit, welche ihm Stunden der Beschäftigung abverlangt hatten, besonderst offen zu betonen und sich wie ein Welpe nach Aufmerksamkeit sehnend an jedes lobende Wort des alten Mannes gehangen hatte, hielt es ihn nicht mehr an seinem Platz. Dann kam die Wut, und sein ganzer Unmut entlud sich über diesem Mann und er dachte sich, ja was dachte er sich? Wahrscheinlich überhaupt nichts.
Denn sonst wäre ihm gleich eingefallen, ein Angriff auf diesen Trunkenbold wäre nicht zu seinem Vorteil. Auch wenn er ihn nicht mit Verehrung überhäufen konnte, so saß er doch am längeren Hebel.

Unsanft wurde Angus in die dunkle und feuchte Zelle gestoßen. Es störte sie nicht im geringsten, dass er der länge nach auf dem harten Boden landete. So gut es ihm seine auf den Rücken gebundenen Hände erlaubten versuchte er seinen Sturz abzufangen, konnte jedoch nicht verhindern, dass er sich dabei das Gesicht aufschlug. Er schmeckte Erde, fühlte den kühlen Stein und die Erinnerung an längst vergangene Tage kamen wieder in ihm hoch.
Er hatte bereits schon einmal das Vergnügen gehabt sich hier aufhalten zu dürfen. So klar, als geschehe es direkt vor seinen Augen fluteten die Bilder über ihn hinweg. Da war der Hafen, das Schiff “Pride of the Sea”, das kleine Mädchen und der hässliche Kerl gekleidet in der Offiziersuniform von Kells. Die Wunde, welche ihm Angus mit dem Schwertknauf zugefügt hatte, war tief und blutete. Er hielt den Knaben am Kragen gepackt, schüttelte ihn wie einen Lumpensack und schlug ihn mehrmals ins Gesicht. Vergebens hatte er versucht sich gegen die Angriffe des größeren zu wehren, während der Kahn langsam aus seinem Sichtfeld verschwand.
Das nächste woran er sich erinnern konnte war eine hohe steinerne Mauer, ein chaotischer Hof und lange verzweigte Gänge. In einer großen reich geschmückten Halle ließ der Grobian endlich von ihm ab.  Mittlerweile war der Junge bereits grün und blau geschlagen, hatte seine Wehrversuche aufgegeben. Es erschien ihm sinnlos sich weiter gegen etwas mächtigeres aufzulehnen. Wie ein Kartoffelsack wurde er auf den harten Holzboden geworfen. Vor sich ragte ein einzelner imposanter Stuhl auf. Ein Mann, jünger als der hässliche Krieger, blickte ihn mit minder sanfter Miene entgegen. Worte wurden gewechselt, Fragen gestellt und das geschehene diskutiert. Die Worte ließ er regungslos über sich ergehen, verstand die folgenschwere Bedeutung nicht. Kaum das es still wurde, riss ihn einer der umstehenden Soldaten auf die Füße zurück und stieß ihn wieder aus der Halle hinaus. Tiefer in das alte Gemäuer hinein.  Mit jedem weiteren Meter, welchen sie sich weiter durch die Gänge arbeiteten wurde die Wände kahler, schmuckloser, trauriger.
Dieser unterirdische Raum. Einsam, kalt und von Ratten besiedelt. Es war genau dieser Ort, an den man ihm die nächsten zwei Monde seines noch jungen Lebens einsperren würde. Zu diesem Zeitpunkt wusste er es zwar noch nicht, doch kaum dass der Soldat das Verließ hinter sich gelassen hatte, rappelte sich der Knabe auf, suchte Zuflucht in einer hinteren Ecke und vergrub das Gesicht in seinen vor der Brust angezogenen Knien.
Erst jetzt, wo er allein war, die Stille sich über alles legte wie ein schweres Tuch, konnte sein Verstand begreifen, was an diesem Tag überhaupt geschehen war.
Die Temras hatten das Dorf überfallen. Seine Mutter wurde vor seinen Augen geschändet und anschließend die Kehle durchtrennt. Sein Vater von seinem eigenen Kameraden gerichtet und seine Schwester segelte einem ungewissen Schicksal entgegen. Was wirklich vor sich gegangen war, verstand er einfach nicht, konnte es nicht begreifen. Es war einfach zu viel für einen so jungen Geist. Was er allerdings verstand, er hatte bei allem zugesehen und konnte doch nichts dagegen ausrichten. Mit voller Wucht traf ihn diese Erkenntnis. Noch nie hatte er sich so allein und hilflos gefühlt. In diesem Moment sehnte er sich nach der beruhigenden Stimme seiner Mutter. Ihre Geschichten und ihre liebevollen Umarmungen oder der sicheren, wissenden Art seines Vaters. Er hatte immer genau gewusst, was zu tun war oder wie er handeln musste. Das einzige was ihm jetzt noch blieb, waren die Tränen, welche sich unbeirrt ihren Weg seine Wangen hinab suchten.

Beinahe wie damals hockte Angus in der hinteren Ecke, versuchte Ordnung in das Chaos in seinem Kopf zu bringen. Wie lange er dort hockte, den Rücken gegen den kalten Stein gepresst, wusste er nicht. Er hatte keine Kraft sich groß zu bewegen. Die Bilder der Vergangenheit wühlten sich durch seinen Geist, rissen alte Wunden auf.
Ein bizarres Quitschen und gedämpfte Schritten ließen ihn aus seiner Litargie aufwachen.
“So sieht man sich also wieder.”
Nur langsam hob er den Blick. Vor sich tauchte ein brauner Haarschopf aus dem dunklen auf. Ein junges Mädchen vielleicht Vierzehn Sommer alt, hatte sich auf der anderen Seite der Gitterstäbe niederkniet. Bei sich hatte sie ein Tablett mit einem kargen Mahl und Wasser. Dann sah er in ihre braunen Augen. Sie sah ihn unverwandt an und lächelte sanft. Es war das Mädchen, welches er Tag für Tag am Hof des Alten vorbei gehen sah.
“Wie kommt es, dass sich ein vielversprechender Kerl wie du es bist, sich immer wieder in solche Schwierigkeiten hinein bringt?”
Ihre Worte drangen nur langsam an seine Ohren und erst verstand er auch nicht genau ihren Sinn. Er musste blinzeln um sich von ihrem Anblick lösen zu können. Nun bemerkte er auch, dass seine Atmung für einen Herzschlag ausgesetzt hatte.
Wieder kamen Bilder in ihm hoch. Doch dieses mal waren es keine Schreckverzerrten Ahnungen. Sie war es. Es war eben dieses Mädchen, welches ihm bereits damals von Zeit zu Zeit Gesellschaft geleistet hatte. Bereits damals war er dankbar für ihre Anwesenheit. Sie gab ihm die Kraft durch zu halten. Das sie sich nach all der Zeit noch an ihn erinnerte, es konnte nur ein Zufall sein.
“Willkommen in meinem bescheidenem Heim. Hätte ich mit Besuch gerechnet, hätte ich noch aufgeräumt.”
Grimmiger, als es vielleicht seine Absicht gewesen war, brummte er ihr seine Antwort zu. Er fühlte sich im Moment nicht dazu bereit für irgendwelche Unterhaltungen.