Hide and Seek

von szzkk
KurzgeschichteRomanze / P12 Slash
24.04.2013
24.04.2013
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Yoshino fühlte die weiche Oberfläche des Teppichs auf dem er saß in seiner Hand. Das weiße Fell umspielte seine Finger und kitzelte in seiner Handfläche. Alles um ihn herum sah teuer und edel aus. Egal wie oft er Mahiro bereits besucht hatte, er fand immer wieder einen neuen Gegenstand, oder gar einen neuen Raum, den er fasziniert inspizieren konnte.
Das Fuwa Anwesen war einfach unsagbar groß. Schon damals, als er und Mahiro im Grundschulalter hier Verstecken gespielt hatten, war Yoshino die enorme Größe aufgefallen. Immer war es Mahiro gewesen, der gewann. Immerhin war es sein Zuhause. Und doch fragte sich Yoshino des Öfteren, ob es einen Raum gab, von dessen Existenz selbst Mahiro nichts wusste.

„Hier.“

„Iek!“ der Brünette fuhr erschrocken herum, als ihm etwas Kaltes in den Nacken gehalten wurde. Er blickte in das amüsierte Gesicht eines gewissen Blonden, der 2 Getränkedosen in der Hand hielt.
„Du hast mich erschrocken.“

„Hat sich gelohnt.“

„Idiot.“ Etwas eingeschnappt öffnete Yoshino die Dose, die Mahiro ihm gereicht hatte. „Danke.“

„Verdammte Hitze, da verreckt man doch.“ Murmelte dieser, wobei er beiläufig aus dem Fenster blickte und an seinem Getränk nippte.

„Hmm…“

„Yoshino,“ der Blonde hatte seine Dose abgestellt. „Lass uns etwas spielen.“

„Tun wir doch.“ Antwortete ihm Yoshino und deutete mit seinem Finger auf den Fernsehbildschirm, auf dem gerade das Pausenmenü eines Videospiels angezeigt wurde.

„Nicht sowas.“ Er seufzte.  „Verstecken.“

„Ist das dein Ernst?“

Anstatt Antwort zu geben, erhob sich der Blonde und machte Anstalten, den Raum zu verlassen.

„Wohin gehst du?“

„Mich verstecken, was denn sonst?“

Yoshino ließ sich auf den Teppich unter ihm sinken, als Mahiro den Raum verließ. Also würde er wieder suchen müssen, genau wie damals.
Sein Blick musterte die Zimmerdecke. Er würde nicht zählen, er würde einfach warten, bis er meinte, es wäre genug. Vermutlich hatte Mahiro damals auch nicht gezählt, da er kaum eine Minute, nachdem Yoshino sich ein Versteck gesucht hatte, bereits grinsend vor ihm stand. Und das nicht nur bei ihm Zuhause. Yoshino fragte sich, ob Mahiro überhaupt jemals unter fairen Bedingungen gewonnen hatte.

Er trank noch in aller Ruhe aus, bevor er sich auf den Weg machte, den Blonden zu suchen. Mahiro hatte sich damals immer, wenn sie im Haus gespielt hatten, im ersten Obergeschoss versteckt und Yoshino war sich ziemlich sicher, dass er dies immer noch tat. Er war nicht wirklich die Person, die ihre Angewohnheiten änderte.

Er schritt die große Treppe, deren Stufen mit rotem Stoff überzogen waren, hinauf und ließ seine Hand dabei sanft über das glänzend polierte Geländer gleiten.
Der Flur war unbeleuchtet, wurde jedoch von zwei großen Fenstern, welche sich jeweils zu beiden Seiten hin am Ende befanden, erhellt.
Auf der gesamten Etage gab es vielleicht 10 Zimmer, von denen 5 von diesem Flur aus betreten werden konnten, das wusste Yoshino noch. Der Platz, den er und Mahiro damals zum Spielen benutzt hatten, war stets begrenzt gewesen, da sie gewisse Flügel und Abschnitte nicht betreten durften. Yoshino wusste bis heute nicht, ob dieses Verbot wirklich an sie beide gerichtet war, oder ob Mahiros Eltern es nur aufgestellt hatten, weil sie nicht wollten, dass jemand Unbefugtes bestimmte Räume betrat.

Yoshino beschloss, sich von rechts nach links vorzuarbeiten.

Das erste Zimmer neben dem großen Fenster war eine Art Abstellraum. Einige große Schränke und Kartons, die gestapelt auf dem Boden standen, befanden sich in ihm. Mahiro dürfte mittlerweile zu groß sein, um in einen der vollen Schränke zu passen, schlussfolgerte der Brünette und schloss die Tür wieder.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Flures befand sich ein großes, jedoch leeres Bad.
Es folgte das Gästezimmer, welches Yoshino nur allzu gut kannte und das von Mahiro.

Als der Junge die Tür zu eben jenem Zimmer öffnete, kam ihm eine wohlbekannte Atmosphäre entgegen. Yoshinos Blick schweifte über den Schreibtisch, auf dem massig Bücher lagen, hinüber zur Wand, neben dem Bett. Einige Fotos hingen darüber. Bei näherer Betrachtung erkannte er auch, wer oder was darauf abgebildet war. Einige zeigten Mahiro mit seiner Familie und andere nur seine Verwandten. Ziemlich zentral hing ein Foto an dem Yoshinos Blick hängen blieb. Es zeigte ihn und Mahiro auf einem Klassenausflug, wie er annahm, da ihm die Umgebung nicht vertraut war. Die beiden Jungen trugen jeweils einen Rucksack auf dem Rücken und blickten in etwa gleich unmotiviert in die Kamera. Seine Mundwinkel hoben sich ein wenig, als er daran dachte, wie ungern er damals etwas mit Mahiro unternommen hatte. Der Blonde hatte schon immer einen ganz eigenen Kopf und die Fähigkeit, sich und andere dadurch oft und gerne in Schwierigkeiten zu reiten.
Yoshino entdeckte noch ein weiteres Foto von sich und Mahiro. Es war vermutlich vom letzten Schulfest, da sowohl er, als auch Mahiro komplett in schwarz gekleidet waren und der Blonde zudem noch eine Scream-Maske in der Hand hielt. Was hatten sie nochmal gemacht? Ein Halloween-Café? Eine Geisterbahn? Anhand der mangelnden Erinnerung erhöhte Yoshino seine Vermutung des Alters der Aufnahme auf 2 Jahre.
Er verließ den Raum wieder.

Nun war nur noch ein Zimmer übrig, jedoch konnte sich Yoshino nicht entsinnen, dieses jemals betreten zu haben. Soweit er sich zurückerinnern konnte, war die Tür, vor der er nun stand, entweder immer abgeschlossen gewesen, oder Mahiro hatte ihn irgendwie davon abgehalten, den Raum zu betreten.
Er zögerte einen Moment, ehe er auf die dunkle Tür zutrat und die Klinke vorsichtig nach unten drückte. Sein Herz pochte. War das Aufregung? Die Vorfreude, etwas Neues zu entdecken? Yoshino war ein wenig überrascht, als er diese Seite der Vorfreude an sich widerentdeckte.
Das Schloss gab ein knackendes Geräusch von sich, als er die Klinke vollständig nach unten gedrückt hatte. Langsam öffnete sich die Tür.

Sein Blick fiel in einen abgedunkelten Raum. Dank des, wenn auch wenigen Lichts, das durch die zugezogenen Vorhänge schien, erkannte Yoshino einen Schreibtisch in der Mitte des Raumes. An den Wänden waren Regale aufgestellt, in denen sich Bücher befanden. Um was für Bücher es sich genau handelte, konnte er bei dem Licht nicht erkennen. Allem Anschein nach, war dies ein Arbeitszimmer oder zumindest etwas Ähnliches. Hinter dem Schreibtisch stand ein großer und vor allem bequem aussehender Stuhl, der ordentlichst an den Tisch herangerückt worden war. Ebenfalls peinlich ordentlich waren die Papiere und Schreibtischutensilien, die auf dem Tisch lagen, geordnet.
Yoshinos Blick blieb erneut an einem der großen Bücherregale hängen und er beschloss, sich die Lektüren genauer anzusehen.

Der rote Einband lag schwer in seinen Händen, als er ihn aus dem Regal herauszog. Er schlug das Buch mittig auf und sah auf eine Seite, voll mit englischen Worten.

„Shakespeare?“ murmelte Yoshino zu sich selbst, ehe er das Buch vor Schreck fallen ließ, als er von hinten am Oberarm gepackt wurde. Er fuhr herum und erkannte im fahlen Licht die Umrisse Mahiros.
Ein Schauer durchfuhr ihn, als er die heißen Lippen des Blonden spürte. Ein Teil von ihm wehrte sich, ein anderer zwang ihn, still zu halten. Er wollte sich aus dem Griff seines Freundes lösen, gab sich dem Jungen dann aber doch hin.

„Öffne den Mund.“ Der Atem des Blonden kitzelte Yoshino auf den Lippen. Mit vernebeltem Verstand folgte er den Worten des Älteren, der ihn noch näher an sich zog und den Abstand zwischen ihnen wieder schloss. Es ging einfach alles viel zu schnell, als das er hätte vernünftig reagieren können.
Yoshino spürte, wie Mahiros Zungenspitze neckisch gegen seine tippte. Er schmeckte die Limo, die er zuvor selbst noch getrunken hatte. Die Finger Mahiros fuhren durch Yoshinos braune Haare und verloren sich in ihnen. Der Kuss war leidenschaftlich. Mahiro wusste, was er wollte – wie immer.

Der Größere ließ wieder von Yoshino ab, der ihn verwirrt ansah. Trotz des fahlen Lichtes, konnte der Blonde einen rosigen Schimmer auf den Wangen seines Freundes erkennen. Ein seltener Anblick, den der sonst so entspannt wirkende Junge lieferte.
Der Brünette kniff die Augen zusammen, als Mahiro ihm etwas Helles vors Gesicht hielt. Es war ein Handy, auf dessen Display eine Stoppuhr angezeigt wurde.

„Du bist spät.“



Yoshino schlug die Augen auf und blickte an der weißen Wand zu seiner linken hinauf. Fotos waren an ihr aufgehängt, auch welche, auf denen er zu sehen war. Er befand sich in Mahiros Zimmer, aber wieso?
Er legte seinen Kopf zur anderen Seite und blickte in ein Paar rubinroter Augen, die ihn aufmerksam musterten.

„Warum bin ich hier?“

„Bist eingeschlafen.“

„Hast du die ganze Zeit da gesessen?“

„Tsk,“ der Blonde schnallte mit der Zunge. „als wenn.“

Yoshino erinnerte sich daran, dass sie Verstecken gespielt hatten…und an den Kuss. Er zögerte einen Moment, ehe er erneut das Wort ergriff.

„Haben wir nicht Verstecken gespielt?“

„Was? Nein, das spiele ich schon seit der Grundschule nicht mehr. Wir waren an der Konsole und ich bin in die Küche gegangen, um uns etwas Kaltes zu trinken zu holen, weil es so heiß war. Als ich wiederkam, lagst du schlafend auf dem Boden.“

Eingeschlafen?

„Und wir waren auch nicht in dem Zimmer am Ende des Flures?“

Mahiro hob eine Augenbraue. „Das musst du geträumt haben.“

„Hmm…“ Yoshino richtete sich auf und fühlte über seine Lippen. War das wirklich alles nur ein Traum gewesen?

„Wie auch immer,“ seufzend erhob sich der Blonde. „ich geh was essen.“ Ohne Yoshino eines weiteren Blickes zu würdigen, verließ er das Zimmer und ließ diesen allein zurück.

Wenn es tatsächlich nur ein Traum gewesen war, war es ein wirklich realistischer.
Yoshino ließ seinen Blick durch den Raum schweifen und bleib an einem schmalen, schwarzen Objekt hängen – Mahiros Handy.
Hatten die neuen Modelle nicht eine Verlauf oder Ähnliches, anhand dessen man nachvollziehen konnte, welche Programme als letztes benutzt wurden? Wenn eine Stoppuhr dabei war, hätte Mahiro gelogen und er wäre kein Traum gewesen.
Yoshino richtete sich auf und schritt zum Schreibtisch, auf dem das Mobiltelefon lag.

Er musterte es in seiner Hand, bevor er auf den Entsperrungs-Knopf drückte.
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